50 Jahre christlich-orthodoxer Dialog mit dem Judentum
Vor 50 Jahren hatte der Lehrstuhl für Judaistik dazu beigetragen, dass die griechisch-orthodoxe Kirche mit dem Judentum den Dialog aufgenommen hat. Mit einem Festakt wurde daran erinnert und ein Kolloquium brachte den Dialog der verschiedenen Kirchen mit dem Judentum miteinander ins Gespräch.
Anlässlich des Dialogs der griechisch-orthodoxen Kirche mit dem Judentum, der vor 50 Jahren von der Theologischen Fakultät Luzern aus initiiert worden war, fand am 27. und 28. April ein Kolloquium mit Festakt statt. Das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) hat in einer Kooperation mit der theologischen Fachzeitschrift Kirche und Israel dazu eingeladen.
Weihbischof Fanourios Tholiotis aus Zürich eröffnete den Festakt mit einem Grusswort und Oberrabbiner Gabriel Negrin aus Athen sprach über den jüdisch-christlichen Dialog auf dem Podium zusammen mit Prof. Stephanos Athanasiou, der an der LMU in München unterrichtet. Im Hauptvortrag stellte Dr. Maria Brun aus Luzern die Anfänge des Dialogs dar, indem sie die Rede von Metropolit Damaskinos Papandreou von 1976, damals nebenamtlicher Professor in Luzern, vorstellte und aufzeigte, wie er zusammen mit Dr. Gerhard Riegner, Generalsekretär des World Jewish Congress in Genf, den Dialog in den ersten Jahren prägte. Professor Clemens Thoma vom Lehrstuhl für Judaistik war dann 1977 Gastgeber der ersten akademischen Konsultation zwischen dem Patriarchat in Konstantinopel und dem International Jewish Committee for Interreligious Consultations (IJCIC) zum Thema des Gesetzes im Alten und im Neuen Testament. Bis heute haben zwölf solcher Konsultationen stattgefunden. Für den Festakt war der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) Herr Ralph Friedländer angereist, wie auch Bischof Felix Gmür von Basel, als Grosskanzler der Fakultät, und Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln, der die Schweizer Bischofskonferenz vertrat.
Beim Kolloquium wurde in drei Durchgängen der Dialog mit dem Judentum von röm.-kath., evangelischer und griechisch-orthodoxer Seite geführt. Prof. Gregor-Maria Hoff, katholischer Fundamentaltheologe an der Universität Salzburg, arbeitete die offenbarungstheologischen Konsequenzen des Dialogs mit dem Judentum heraus, während sein Counterpart Rabbiner Prof. Jehoshua Ahrens (Bern und Trier) von den verpassten und ergriffenen Chancen im jüdisch/röm.-kath. Dialog sprach. Rev. Dr. Geoffrey Ready aus Toronto stellte eine christlich-orthodoxe Logostheologie vor, die nicht nur den Wert des Alten Testaments, sondern auch des rabbinischen Judentums untermauert und begründet. Oberrabbiner Dr. Gabriel Negrin aus Athen stellte dazu die Dialogbemühungen der genannten akademischen Konsultationen vor. So wurden mehr systematisch-theologische mit mehr historischen Beiträgen ins Gespräch gebracht. In der Einheit zum evangelisch-jüdischen Dialog skizzierte Prof. Susanne Talabardon, Judaistin an der Universität Bamberg, das rabbinische Offenbarungs- und Schriftverständnis, worauf Dr. Axel Töllner und Monika Lucas von der Theologischen Hochschule Neuendettelsau mit hermeneutischen Reflexionen zu den lutherischen Prinzipien sola scriptura/sola gratia, aber mit der Präsentation der Leipziger Bibelstudie 2024 zum gegenwärtigen Antijudaismus geantwortet haben. Das Kolloquium schloss mit einem vergleichenden Podium. Die Beiträge werden in Kirche und Israel veröffentlich werden.

