Ursachen und Folgen gesundheitsbedingter Beeinträchtigungen

Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Diana Pacheco untersucht gesundheitsbedingte Beeinträchtigungen aus gesamtgesellschaftlicher Sicht und kombiniert dazu Daten zu Gesundheit, gesellschaftlicher Teilhabe und Funktionsfähigkeit. Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) mit rund 627'000 Franken gefördert.

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Gesundheitsbedingte Beeinträchtigungen entwickeln sich zu einer immer grösseren Herausforderung für das Gesundheitswesen. Dies ist insbesondere auf die steigende Zahl von Menschen mit chronischen Erkrankungen zurückzuführen. In der Schweiz leidet fast die Hälfte der Bevölkerung an mindestens einer chronischen Erkrankung, und etwa jede fünfte Person ist zu einem bestimmten Grad im Alltag beeinträchtigt. Diese Erkrankungen schränken oft die Fähigkeit der Betroffenen ein, zu arbeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ein stabiles Einkommen zu erzielen – ein Phänomen, das in einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen besonders stark ausgeprägt ist. Dennoch konzentriert sich die Forschung in der Schweiz bislang vor allem auf Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen bei älteren Menschen oder auf Empfängerinnen und Empfänger von Unterstützungsleistungen, während die breitere Bevölkerung mit eingeschränkter Funktionsfähigkeit (s. Box unten) ausser Acht gelassen wird. Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Diana Pacheco, Professorin für Ökonomie des Alterns, will diesem Umstand nun entgegenwirken.

Die Studie untersucht Beeinträchtigungen als einen dynamischen Prozess im gesamtgesellschaftlichen Kontext und über den gesamten Lebensverlauf hinweg betrachtet. Durch die Verknüpfung von Daten zu Gesundheit, gesellschaftlicher Teilhabe und sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen soll erforscht werden, wie Einschränkungen der Funktionsfähigkeit entstehen, sich auswirken und besser gemessen werden können, um faire und wirksame Massnahmen für die Gesundheits- und Sozialpolitik zu entwickeln.

Im Detail widmet sich das Projekt dazu drei zentralen Fragestellungen. Erstens: Welche sozialen und wirtschaftlichen Faktoren – wie Bildung, Beruf und Einkommen – erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen von chronischen Erkrankungen und funktionellen Beeinträchtigungen betroffen werden? Zweitens:  Wie wirkt sich eine solche Beeinträchtigung auf die Arbeitssituation und das Risiko finanzieller Not oder sozialer Ausgrenzung aus? Und drittens: Wie lassen sich neue, inklusive Messinstrumente entwickeln, die sich an der tatsächlichen Funktionsfähigkeit der Menschen orientieren und es ermöglichen, Beeinträchtigungen im Zeitverlauf genauer zu verfolgen? Das Projekt soll neue Erkenntnisse für eine gerechtere und nachhaltigere Gesundheits- und Sozialpolitik liefern und Entscheidungsträgerinnen und -trägern helfen, früher und besser auf die Bedürfnisse von Betroffenen zu reagieren.

  • Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: «Chronic Illness to Social Risk: Understanding Disability and Social Protection across the Life Course in Switzerland» («Chronische Erkrankungen als soziales Risiko: Beeinträchtigung und soziale Absicherung im Lebensverlauf in der Schweiz.»)
  • Leitung: Prof. Dr. Diana Pacheco (Projektleitung), Ass. Prof. Dr. Adrian Martinez (co-Projektleitung)
  • Projektbeteiligte Partner:Prof. Dr. David Weisstanner, Prof. Dr. Carla Sabariego
  • Projektmitarbeitende: Dr. Ana Oña
  • Projektdauer: 48 Monate
  • Bewilligte Fördersumme: 627'000 Franken (gerundet)

Funktionsfähigkeit: Gesundheit in der Gesellschaft

Bei der Funktionsfähigkeit handelt es sich um ein von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickeltes Konzept, welches sowohl die «biologische Gesundheit» der Menschen als auch ihre «gelebte Gesundheit» umfasst. Die gelebte Gesundheit bezieht sich auf alle Aspekte des Alltags wie Selbstmanagement und Mobilität sowie die Teilnahme an allen Lebensbereichen wie Familie, Arbeit, Freizeit und Sport. So verstandene Gesundheit steht also in Wechselwirkung mit der biologischen Gesundheit sowie dem sozialen und physischen Umfeld, welche diese positiv oder negativ beeinflussen kann. Eine Person kann beispielsweise trotz Mobilitätseinschränkung in einer barrierefreien Umgebung an allen Lebensbereichen teilnehmen.

Mehr Informationen

Initiative für neues Gesundheitsverständnis (Newsmeldung vom 12. Februar 2024)

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