Nationalfonds fördert fünf Forschungsprojekte
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat Förderbeiträge für fünf Projekte an der Universität Luzern gesprochen. Die von Forschenden der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin eingeworbenen Mittel betragen insgesamt rund 3,79 Mio. Franken.
Wie kann die Partizipation von Geflüchteten organisiert werden?
Geflüchtete sollen bei Entscheidungen, von denen sie direkt betroffen sind, mitreden können. Diese Idee gewinnt weltweit an Akzeptanz. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Nadine Arnold untersucht, wie die globale Forderung nach Mitbestimmung in der Schweiz aufgriffen und in die Praxis «übersetzt» wird. Dabei untersucht ein internationales Team von Forschenden, wie sich das Verständnis von Partizipation verändert, wie Organisationen auf die Forderung nach Mitgestaltung reagieren und wie die Anliegen von Geflüchteten Gehör finden. Zwei Organisationstypen in der Schweiz werden hierzu verglichen: Zum einen klassische Dienste für Geflüchtete, wie Behörden und Hilfswerke, zum anderen Organisationen, die von Geflüchteten selbst geführt werden. Das Projekt soll einen Beitrag zum Verständnis neuer, partizipativer Organisationsformen leisten und aufzeigen, wie eine effektive Beteiligung von Geflüchteten erreicht werden kann.
Welches Wissen zählt? Konflikte zwischen Stadt und Land
Das Verhältnis zwischen Stadt und Land ist durch einen gegenseitigen Groll gekennzeichnet. Dieser Groll speist sich aus dem Eindruck, von der anderen Seite ungerecht behandelt oder übersehen zu werden. Zum Beispiel erleben Menschen in ländlichen Regionen, dass ihr auf Erfahrung beruhendes Wissen gegenüber dem in Städten produzierten Expertenwissen nicht ernst genommen wird. Ein von Prof. Dr. Joachim Blatter (Universität Luzern) und Prof. Dr. Lukas Haffert (Universität Bremen) geleitetes Projekt untersucht diese bislang wenig erforschte Wissensdimension der Spannung zwischen Stadt und Land. Die Forschenden vergleichen die Schweiz und Ostdeutschland und analysieren, wie u.a. über Expertise, Alltagserfahrungen und «gesunden Menschenverstand» gesprochen wird. Ziel ist es, die Verbreitung des wissensbezogenen Grolls zu erfassen und dessen Einfluss auf Einstellungen und politisches Verhalten besser zu verstehen. Die Ergebnisse sollen zu einer differenzierteren öffentlichen Kommunikation und wirksameren politischen Massnahmen beitragen.
Kinderkrebs: Studie zum Befinden der Väter
Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, sind seine Eltern stark belastet und müssen ihre Rollen neu organisieren. Bisher war vor allem das Befinden der Mütter Gegenstand von Untersuchungen, Väter jedoch wurden wenig beachtet. Ein Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Gisela Michel (Universität Luzern) und PD Dr. André von Bueren (Universität Genf) will herausfinden, wie Väter die Diagnose und Behandlung ihres Kindes erleben und welche Unterstützung sie brauchen. Gemeinsam mit den Schweizer Kinderkrebskliniken werden Väter befragt, deren Kinder aktuell behandelt werden oder die Behandlung bereits abgeschlossen haben. Sie füllen Fragebögen aus und erhalten die Gelegenheit, ihre Erfahrungen in Interviews ausführlich zu schildern. Auf Basis der Ergebnisse werden Empfehlungen entwickelt, um Unterstützungsangebote für Väter zu verbessern. Das Projekt ist das erste in der Schweiz, das gezielt die Bedürfnisse von Vätern krebskranker Kinder erforscht und so passgenaue Hilfsangebote schaffen will.
Hirnschlag: Neue Therapie für Aufmerksamkeitsstörungen
Eine häufige Aufmerksamkeitsstörung nach einem Schlaganfall ist der sogenannte «Visuelle Neglect», bei dem Betroffene eine Seite des Raumes nicht wahrnehmen. Die Störung kann den Alltag erheblich erschweren und die Rehabilitation stark beeinträchtigen. Das Ziel des Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Nyffeler ist es, durch Hirnstimulation die Aufmerksamkeit für die vernachlässigte Raumhälfte zu verbessern. Konkret wird untersucht, ob dies durch gezielte Aktivierung eines bestimmten Hirnareals mittels Magnetstimulation erreicht werden kann. Langfristig könnten die Erkenntnisse dazu beitragen, neue gezielte Therapien für Menschen mit visuellem Neglect nach einem Schlaganfall zu entwickeln und ihnen zu mehr Selbstständigkeit im Alltag zu verhelfen.
Ursachen und Folgen gesundheitsbedingter Beeinträchtigungen
Gesundheitsbedingte Beeinträchtigungen stellen eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. In der Schweiz leidet fast die Hälfte der Bevölkerung an mindestens einer chronischen Erkrankung, bei jeder fünften Person führt dies zu Beeinträchtigungen. Diese Erkrankungen beeinflussen oft die Arbeitsfähigkeit, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder die finanzielle Stabilität. Die Forschung hat sich bisher hauptsächlich auf ältere Erwachsene konzentriert und dabei viele Menschen mit funktionellen Einschränkungen übersehen. Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Diana Pacheco und Ass. Prof. Adrian Martinez untersucht daher nun gesundheitsbedingte Beeinträchtigung als einen dynamischen Prozess, im gesamtgesellschaftlichen Kontext und über den gesamten Lebensverlauf hinweg betrachtet. In dem Projekt wird analysiert, wie chronische Beeinträchtigungen entstehen, welche Auswirkungen sie auf Beschäftigung und Einkommen haben und wie sie umfassender und differenzierter gemessen werden können. Ziel ist es, wirtschaftliche und gesellschaftliche Risikofaktoren für Beeinträchtigungen zu identifizieren und neue Instrumente für eine gerechtere und effektivere Gesundheits- und Sozialpolitik zu gestalten.
Total wurden von den Forschenden (gerundet) 3,79 Mio Franken eingeworben. SNF-Projekt-Förderbeiträge umfassen Saläre für Mitarbeitende, Forschungskosten sowie Mittel für die wissenschaftliche Zusammenarbeit, Vernetzung und Kommunikation. Die Projektleitenden erhalten ihren Lohn von der Universität.
