Medizinische Grundversorgung: Teilnahme an EU-Verbundprojekt
Wie gelingt es, Menschen besser in ihrer vertrauten Umgebung zu betreuen – und gleichzeitig das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu gestalten? Damit befasst sich ein Luzerner Team im Austausch mit Forschenden aus vier europäischen Ländern.
Erkenntnisse darüber, wie man den Bedürfnissen der alternden Bevölkerung und von Personen mit chronischen Erkrankungen in der Schweiz und in Europa besser gerecht werden kann – und zwar im Rahmen eines fairen, effizienten, nachhaltigen und stetig dazulernenden Gesundheitssystems: Das ist das Ziel des länderübergreifenden Projekts «European Co-Care Learning Ecosystems» (CoCare). Diesem gehören Forschungsteams aus Finnland, Schweden, Frankreich, Italien an – und aus der Schweiz: So hat Prof. Dr. Stefan Boes von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin (GMF) den Zuschlag für die Beteiligung erhalten. Die Luzerner Teilnahme wird durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.
Fokus auf Pflegeexpert/innen APN
Die fünf Teams untersuchen je ein erfolgreiches Gesundheitsversorgungsmodell aus ihrem eigenen Land. Im Fokus der Luzerner Forschung steht der Einsatz von sogenannten Pflegeexpertinnen und -experten APN («Advanced Practice Nurse») in der Grundversorgung. Dabei handelt es sich um Pflegefachpersonen mit einem Masterabschluss in Pflege. Mittlerweile sind in der Schweiz rund 180 APNs tätig (Stand: Ende 2024). Ihre Integration in Hausarztpraxen soll helfen, einen Beitrag zur Sicherung der Grundversorgung zu leisten und der zunehmenden Knappheit an Hausärztinnen und Hausärzten entgegenzuwirken.
Im Kanton Luzern wurden dazu in den letzten Jahren mehrere Pilotprojekte durchgeführt, die vom Zentrum für Hausarztmedizin & Community Care (ZHAM&CC) wissenschaftlich koordiniert worden waren. Professor Stefan Boes: «Für das EU-Projekt können wir somit nun also gewinnbringend an unsere bisherige Forschung und Expertise anknüpfen.» Entsprechend sei der Luzerner CoCare-Beitrag am ZHAM&CC angesiedelt, wo die Co-Leiterin des Zentrums, Prof. Dr. Thekla Brunkert, Assistenzprofessorin für Interprofessional Primary Care, als Projektpartnerin mitwirkt.
Europäischer Wissensaustausch
Bei CoCare steht nicht nur die Forschung eines einzelnen Landes im Zentrum, sondern die Verknüpfung über die Landesgrenzen hinweg. Stefan Boes führt aus: «Indem die fünf Teams ihre Resultate ins Gesamtprojekt einbringen, kann ein nationenübergreifender Vergleich und ein fruchtbarer europäischer Dialog stattfinden.» So geht es in einer der verschiedenen, von Luzern aus geleiteten Projektphase darum, die Erkenntnisse aus den verschiedenen Ländern zu bündeln und diese unter anderem in Workshops mit Akteuren aus Forschung, Praxis und Politik zu präsentieren und zu diskutieren. Mit dem Format dieser sogenannten Stakeholder-Dialoge hat der Lehrstuhl von Stefan Boes und die GMF viel Erfahrung. Zur weiteren Stärkung des internationalen Austauschs sind während dieser Phase unter den beteiligten Institutionen zudem gegenseitige Kurzaufenthalte für Nachwuchsforschende vorgesehen.
Thekla Brunkert: «Langfristig soll das CoCare-Projekt zeigen, wie eine integrierte, gemeinschaftsorientierte Versorgung dazu beitragen kann, Menschen wohnortnah, ganzheitlich und effizient zu betreuen – und damit auch die Gesundheitsberufe zu entlasten.»
- Titel des Gesamtprojekts und des Luzerner Teilprojekts: «European Co-Care Learning Ecosystems» (CoCare) / «Scaling Advanced Practice Nursing in Swiss Primary and Community Care»
- Leitung des Luzerner Teilprojekts: Prof. Dr. Stefan Boes
- Projektbeteiligte und Mitarbeitende: Luzerner Teilprojekt: Ass.-Prof. Dr. Thekla Brunkert (Projektpartnerin) / Zentrum für Hausarztmedizin & Community Care, eine bezahlte Doktorierendenstelle (Ausschreibung). Gesamtprojekt: Dr. Petri Uusikylä (Finnland; Hauptkoordination), Dr. Carl Savage (Schweden), Prof. Dr. Achille Tchalla (Frankreich), Prof. Dr. Federico Lega (Italien)
- Projektdauer: 3 Jahre
- Bewilligte Fördersumme für die Luzerner Teilnahme (gerundet): 254'000 Franken
Communiqué des SNF zu den bewilligten Schweizer Teilnahmen
Frühere Newsmeldung zum Luzerner APN-Projekt
