Interaktives Online-Tool «systemrelevant!»
Wie sah der Alltag von Arbeitskräften im Dienstleitungsbereich während der Covid-19-Pandemie aus und was hat sich seither verändert? Ein Online-Tool im Rahmen des Projekts «Urban Essential Workers» ermöglicht es, vier Arbeitende durch ihren Alltag in der Stadt Zürich während und nach der Pandemie zu begleiten.
Das seit 2023 laufende interdisziplinäre Projekt verbindet in einem Online-Tool wissenschaftliche Forschung mit digitalem Storytelling und schafft einen niederschwelligen Zugang zu Erkenntnissen über urbane Arbeit, soziale Ungleichheit und die Bedeutung alltäglicher Dienstleistungen in Krisenzeiten.
Vier fiktive Figuren – 37 reale Stimmen
Grundlage des Tools sind Interviews mit 37 Arbeitnehmerinnen und -nehmern, Zeitungsartikel sowie Fotos, welche diese Personen während der Pandemie gemacht hatten. Auf der Basis dieser Daten entwickelte das Forschungsteam vier fiktive Charaktere: eine Verkäuferin, eine Kita-Mitarbeiterin, eine Reinigungskraft und einen Busfahrer.
Hätten die von den Forschenden porträtierten Berufsgruppen in dieser Zeit nicht gearbeitet, dann hätte das gesellschaftliche System nicht wie gewohnt funktioniert, etwa weil grundlegende Versorgungs- und Betreuungsstrukturen weggebrochen wären. Im interaktiven Chat-Format erhalten Userinnen und User Einblick in die Arbeitsbedingungen, familiären Situationen, Freundschaften und Wohnverhältnisse der vier Charaktere während und nach der Pandemie.
Der Begriff «systemrelevant» selbst wird im Projekt bewusst nicht abschliessend definiert. In ihren wissenschaftlichen Publikationen reflektieren die Forschenden, dass der Begriff politisch geprägt und international unterschiedlich verwendet wird. In der Schweiz existiert keine offizielle Liste systemrelevanter Berufe, eine solche wurde trotz parlamentarischer Nachfrage nicht erstellt.
Forschung und Entwicklung
Die Forschung entstand im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «NFP 80 – Covid-19 in der Gesellschaft» innerhalb des Projekts «Systemrelevante Arbeit in Schweizer Städten» unter der Leitung von Prof. Dr. David Kaufmann von der Forschungsgruppe Raumentwicklung und Stadtpolitik «SPUR» an der ETH Zürich.
Beteiligt ist Dr. Carole Ammann, SNF-Ambizione-Stipendiatin am Ethnologischen Seminar der Universität Luzern, wo sie seit 2024 tätig ist und das Projekt in den vergangenen eineinhalb Jahren weiterentwickelt hat. Anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums der Universität Luzern wurde das Projekt in Form einer interaktiven digitalen Ausstellung präsentiert.
Weitere Projektpartner sind Prof. Dr. Carolin Schurr und Mirko Winkel vom «mLAB» am Geografischen Institut der Universität Bern. Das Ziel des «mLAB» ist es, wissenschaftliche Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das interaktive Tool «systemrelevant»
Medienmitteilung der ETH Zürich
Nationales Forschungsprogramm
Im Rahmen des geistes- und sozialwissenschaftlichen Nationalen Forschungsprogramms «NFP 80 – Covid-19 in der Gesellschaft» werden zentrale gesellschaftliche Dynamiken während der Covid-19-Pandemie untersucht. Ziel ist es, Erkenntnisse für den Umgang mit zukünftigen Pandemien zu gewinnen. Gefördert wurden 25 Projekte in den Bereichen Jugend und Bildung, Familie und Recht, Governance und Wirtschaft, Arbeit, öffentlicher Diskurs, Wohlbefinden, sozialer Zusammenhalt und soziale Sicherheit. Koordiniert wurde das Programm vom Schweizerischen Nationalfonds; die Forschungsphase dauerte von 2023 bis 2025.






