Hirnschlag: Neue Therapie für Aufmerksamkeitsstörungen
Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Thomas Nyffeler untersucht Therapiemöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit einem «Visuellen Neglect» nach einem Schlaganfall. Die Studie wird vom Schweizerischen Nationalfonds mit rund 498'000 Franken gefördert.
«Visueller Neglect» ist eine häufige Aufmerksamkeitsstörung nach einem Schlaganfall, bei der Betroffene eine Seite des Raumes nicht wahrnehmen. Diese Störung erschwert den Alltag erheblich und kann die Rehabilitation stark beeinträchtigen. Das Ziel des Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Nyffeler, Professor für Medizinische Wissenschaften und Chefarzt der Neurorehabilitation am Luzerner Kantonsspital, ist es, durch gezielte Hirnstimulation die Aufmerksamkeit dieser Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Konkret wird untersucht, ob die Aktivierung eines bestimmten Hirnareals im Kleinhirn mittels nicht invasiver Magnetstimulation (repetitive transkranielle Magnetstimulation) die Aufmerksamkeit für die vernachlässigte Raumhälfte steigern kann. Dabei wird das Hirnareal von aussen, also ohne chirurgischen Eingriff, durch kurze Magnetimpulse angeregt. Die Wirkung dieser Kleinhirnstimulation wird mit der Stimulation des linken Parietallappens verglichen, die derzeit als Standardverfahren zur Behandlung des visuellen Neglects gilt. Zusätzlich werden moderne Verfahren wie Augenbewegungsmessungen, Magnetresonanztomographie und Elektroenzephalographie eingesetzt, um die Auswirkungen auf das Gehirn und die Aufmerksamkeit zu dokumentieren. Langfristig sollen die Ergebnisse dazu beitragen, neue gezielte Therapien für Menschen mit visuellem Neglect nach einem Schlaganfall zu entwickeln und ihnen mehr Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen.
- Originaltitel des Projekts und Übertagung ins Deutsche: «The Role of the Cerebellum in Recovery of Visual Neglect» («Die Rolle des Kleinhirns bei der Besserung des visuellen Neglects»)
- Projektleitung: Prof. Dr. Med. Thomas Nyffeler, Professor für Medizinische Wissenschaften und Chefarzt der Neurorehabilitation am Luzerner Kantonsspital
- Projektmittarbeitende: Michael Jehle, Doktorand; Sabine Susanne Studer, Doktorandin
- Projektdauer: 48 Monate
- Bewilligte Fördersumme: 498'000 CHF (gerundet)
