Workshop zum Thema Digitalisierung

Workshop zum Thema «Platformization of Payment: Infrastructures, Data Assets, and Future Imaginaries» am Soziologischen Seminar der Universität Luzern

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Anfang Februar trafen sich Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Frankreich, Schweden, Israel und der Schweiz, um sich zu den brennenden Themen des digitalen Werttransfers auszutauschen.

Über die drei Tage vom 4. bis am 6. Februar diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Fragen zur Digitalisierung des Bezahlens. Prof. Dr. Sophie Mützel und Dr. Markus Unternährer organisierten den Workshop im Rahmen des vom SNF finanzierten Forschungsprojektes «Digital Payments: Making payments personal and social», um Resultate aus dem Projekt zu präsentieren, zu diskutieren und die Zukunft dieses neuen und innovationen Forschungsbereiches mit zu gestalten.

Der erste Tag widmete sich Fragen der (kritischen) Infrastrukur des Bezahlens und wie Bereitstellung, Zugang und Profite daraus geregelt werden. Prof. Dr. Sebastian Giessmann (Universität Siegen) präsentierte sein im März 2026 erscheinendens Buch: «Das Kreditkarten-Buch: Geschichte und Theorie des digitalen Bezahlens». Prof. Dr. Daniel Maman (Ben Gurion University) stellte ein Working Paper zur Frage vor, wie Zentralbanken Instant Payments als neue Zahlungsinfrastruktur regulieren. Prof. Dr. Barbara Brandl (Goethe Universität Frankfurt) ging der Frage nach, wie digitale Zahlungssysteme bestimmte Bevölkerungsgruppen inkludieren, exkludieren oder einer «predatory inclusion» aussetzen. Roxana Ehlke (Justus-Liebig-Universität Gießen) legte dar, wie die Sanktionierung von Russland zu einer Stärkung der staatlichen Rolle im Bereich des russischen Zahlungsverkehrs (und seiner Überwachung) geführt hat.

Am zweiten Tag stellten Antonia Steigerwald (Universität Luzern), Dr. Santiago Mandirola (Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln) und Dr. Markus Unternährer (Universität Luzern) ihre jeweiligen Forschungsprojekte zur Frage dar, wie Anbieter von Zahlungsdienstleistungen neue Märkte schaffen, in bestehende Märkte intervenieren und Zahlungsdaten als wertvolle Assets ins Zentrum ihres emergierenden Plattformgeschäftes stellen. Prof. Dr. Adam Hayes (Universität Luzern, Blockchain Institut) rundete die Session ab mit der Frage, wie KI Bots dank Anschluss an Blockchain-Zahlungsinfrastrukturen von ausführenden Agenten zu eigenständig handelnden Marktakteuren werden können.

Am Nachmittag widmeten sich die Beiträge von Prof. Dr. Zsuzsanna Vargha (ESCP Business School Paris) und Prof. Dr. Orsi Husz den Beziehungen zwischen Unternehmen und Kundschaft. Zsuzsanna Vargha legte die Geschichte von Customer Relationship Management dar und untersuchte wie Beziehungen selbst zu einem Asset wurden. Orsi Husz untersuchte die ersten Treueprogramme in Schweden (Coop und IKEA), die eine Integration von Produktmanagement, Kundenmanagement und Zahlungsinfrastruktur voran trieben. Cristina Paradiso und Maria Eugenia Servi (beide Università della Svizzera italiana) berichteten aus ihren erst gerade gestarteten Forschungsprojekten zu Buy-Now-Pay-Later Apps (Paradiso) und zur Frage, wie Investment Apps zu neuen Formen von Finanzsubjekten beitragen (Servi).

Am dritten Tag widmeten sich die TeilnehmerInnen wieder breiteren Fragen zu den Visionen und Pfaden von Cashlessness. Julius Arens (Universität Siegen) stellte die Resultate seiner Masterarbeit vor, die zu einer angeregten Diskussion über eine selektives Wiederaufleben von Bargeld führten. Dr. Guadalupe Moreno (Goethe Universität Frankfurt) präsentierte eine Typologie, wie es in verschiedenen Kontexten zur Ablösung des Bargeldes  kommt (durch Mobile Payment, Super Apps oder staatlichen Zahllösungen) und wie diese unterschiedlich mit Ungleichheit verbunden sind. Alexandra Keiner (Weizenbaum Institut Berlin) untersuchte in ihrer Studie, wie politische Akteure in verschiedenen Deutschen Bundesländern «Bezahlkarten» für Flüchtlinge einführen. Ass.-Prof. Dr. Sunniva Sandbukt (IT University of Copenhagen) stellte ihr neues Forschungsprojekt zur Imagination von Krisenszenarien im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Bezahlens vor – aktuell von erhöhter Relevanz in Dänemark! 

Der Workshop war geprägt von äusserst produktiven Diskussionen und TeilnehmerInnen, die ihre Expertise sowohl in den Diskussionen als auch in den bilateralen Gesprächen in den Pausen und beim Abendessen grosszügig teilten. Das seltene Ereignis, einer Zusammenkunft von soziologischen und anthropologischen Expertinnen und Experten zum Thema digitaler Zahlungsverkehr, hat die Forschung einen guten Schritt weiter gebracht. Weitere gemeinsame Anlässe, Publikationen und Kooperationen werden sicherlich folgen.