Christlich-jüdischer Dialog: Auszeichnung übergeben
Am 8. März 2026 hat Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ in Köln die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten. Dies für sein Engagement für den christlich-jüdischen Dialog, seine wissenschaftliche Arbeit und seinen Einsatz gegen Antisemitismus.
«Christian Rutishauser hält den Dialog zwischen Christentum und Judentum nicht für ein akademisches Randthema, sondern für einen Kern theologischer und gesellschaftlicher Verantwortung.» Dies hob Pfarrer i.R. Friedhelm Pieper in seiner Würdigung am Anlass hervor. Dieser fand in der in der Kölner Festhalle Gürzenich mit rund 600 Gästen aus Politik, Kirche und Zivilgesellschaft statt und wurde vom ZDF per Livestream übertragen. Verleiher der bedeutenden Auszeichnung, der Buber-Rosenzweig-Medaille, ist der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR). Pieper ist der evangelische Präsident des DKR.
«Offenes Herz – wacher Verstand»
Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama, der jüdische Präsident des DKR, sagte an der Veranstaltung: «Als Theologe, Ordensmann und Wissenschaftler hat der Ausgezeichnete vielen Menschen den Reichtum jüdischer Tradition und das bleibende Band zwischen beiden Religionen nahegebracht.» Dr. Margaretha Hackermeier, die katholische Präsidentin des DKR, ergänzte: «Rutishauser zeigt, wie aus theologischer Reflexion praktische Verantwortung erwächst. Sein Wirken ermutigt, den Dialog als gemeinsames Lernen zu verstehen – mit offenem Herzen und wachem Verstand.» Der Theologe und Historiker Prof. Dr. Christoph Markschies sprach in seiner Laudatio von «genau der richtigen Theologie, die ganz konkret gegen Antisemitismus und Antijudaismus hilft». Die christlich-jüdische Zusammenarbeit sei vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte «alles andere als selbstverständlich», wie Ministerpräsident Hendrik Wüst geltend machte; es handle sich hierbei um «das Ergebnis von Aufarbeitung, Annäherung und Versöhnung – und sie bleibt eine dauerhafte Aufgabe». Und Oberbürgermeister Torsten Burmester warf ein: «Der Preisträger kann auch uns in Köln weiter inspirieren, ein gutes Miteinander zu pflegen.»
Religionsübergreifender Schulterschluss
Professor Rutishauser betonte in seinem Vortrag, der am Abend davor stattgefunden hatte, die bleibende Bedeutung persönlicher Begegnung und theologischer Verständigung: «Heute stehen wir am Ende der Moderne, sind hineingetrieben in eine neue Epoche, stehen in einer Zeitenwende. Sie ist nicht mehr nur europäisch, sondern radikal global bestimmt. Doch die Fragestellung ist ähnlich: Wie gehen partikulare Identitäten und universale Werte zusammen? Das Partikulare droht sich national-identitär dem Universalen entgegenzustellen. Wieder stellt sich die Frage, was dies für das jüdische Volk bedeutet. Und leider muss man seit dem 7. Oktober feststellen, dass für viele mit dem Staat Israel die alte europäische ‹Judenfrage› auf globaler Ebene zurück ist. Im Antisemitismus unserer Tage verbinden sich die naiv Gefährlichen mit den Aggressiven und glauben, eine neue Weltordnung sei gerechter, wenn es keinen Staat Israel mehr gäbe. Die Aufgaben von Juden und Christen aber ist es, ‹mit einer Schulter›, ‹Schulter an Schulter› tiefer zu verstehen.»
Rutishauser nahm damit Bezug auf den Ausspruch «Schulter an Schulter miteinander». Es handelt sich dabei – in Anlehnung an Vers 3,9 des Propheten Zefanja im Alten Testament – um das Jahresthema des in Deutschland jeweils mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille eingeläuteten Jahres der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit. Bundesweit laden die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu Veranstaltungen, Begegnungen und Bildungsformaten ein, die das Miteinander von Jüdinnen und Juden sowie Christinnen und Christen stärken.
Vortrag von Christian M. Rutishauser im Volltext
Ausführliche Newsmeldung des DKR
Videoaufzeichnung der Preisverleihung
