Blockchain: Das sind die neuen Professoren

Das «Zug Institute for Blockchain Research» (ZIBR) an der Universität Luzern stellt seine Professoren mit Videoporträts vor. In diesen erklären die Forscher, wie sie die Blockchain-Technologie aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen – von Recht und Soziologie über Energiemärkte bis hin zu philosophischen Fragen.

Das ZIBR wurde Anfang 2026 als gemeinsame Initiative des Kantons Zug und der Universität Luzern eröffnet. Der Kanton unterstützt das Institut während fünf Jahren mit 25 Millionen Franken. Ziel des ZIBR ist es, eines der weltweit führenden Zentren für die interdisziplinäre humanwissenschaftliche Erforschung der Blockchain-Technologie zu werden. Fünf der insgesamt neun geplanten Lehrstühle sind mittlerweile besetzt (siehe Berufungsmeldung) – Max Baumgart, Adam Hayes, Claude Humbel, Patrik Hummel und Markus Schreiber geben in neu realisierten Videoporträts erste Einblicke.

Chancen für die Energiewende

Prof. Dr. Max Baumgart, ausserordentlicher Professor für Energierecht und Blockchain, forscht unter anderem dazu, wie Blockchain zur Koordination eines zunehmend dezentralen Energiesystems beitragen kann. Wenn Strom im Zuge der Energiewende vermehrt aus Solar- oder Windanlagen erzeugt wird, könnten Blockchain-basierte Systeme beispielsweise ermöglichen, überschüssige Energie direkt zwischen Nachbarinnen und Nachbarn zu handeln. Damit solche Modelle funktionieren, müssten jedoch das Energierecht angepasst und neue Marktrollen geschaffen werden.  «Neuberufen»-Beitrag

Blockchain als soziale Technologie

Prof. Dr. Adam Hayes, Professor für Soziologie und Blockchain, sieht in Blockchain mehr als nur eine Finanztechnologie. Es handle sich auch um eine soziale Technologie, die Werte transportiere, Verhalten beeinflusse und Machtstrukturen neu ordnen könne. Besonders interessant sei, wie Blockchain neue Formen gesellschaftlicher Koordination ermögliche: Statt unbekannten Nutzern blind zu vertrauen, können wir uns auf die Technologie verlassen. Gleichzeitig warnt Hayes davor, dass technologische Anwendungen auch bestehende Ungleichheiten verstärken könnten. Die Soziologie könne zu verstehen helfen, welchen gesellschaftlichen Nutzen Anwendungen bringen und welche Risiken sie bergen. 

Neue Fragen im Privat- und Finanzmarktrecht

Ass.-Prof. Dr. Claude Humbel, Assistenzprofessor für Privatrecht und Blockchain, beschäftigt sich mit privatrechtlichen Grundlagen der Technologie. Blockchain könne bestehende zentralisierte Strukturen im Finanzsystem infrage stellen, etwa indem sie Vermittler wie Banken teilweise überflüssig mache. Gleichzeitig werfe sie grundlegende juristische Fragen auf, etwa zum Eigentum an digitalen Vermögenswerten oder zur Übertragbarkeit von Kryptowährungen im Erbrecht. Ziel seiner Arbeit sei es, Regierungen bei der Entwicklung von Rechtsrahmen zu unterstützen und die Rechtssicherheit und Verbraucherschutz gewährleisten, ohne Innovation zu behindern. 

Vertrauen in einer technologisierten Welt

Prof. Dr. Patrik Hummel, Professor für Philosophie und Blockchain, setzt sich mit grundlegenden Fragen auseinander. Er untersucht, welche Rolle Vertrauen in einer zunehmend technologisierten Welt spielt. Blockchain wird oft als «vertrauenslose» Technologie beschrieben, weil Transaktionen ohne zentrale Institutionen möglich sind. Hummel stellt jedoch die Frage, ob Vertrauen tatsächlich durch Technik ersetzt werden sollte oder ob gesellschaftliche Institutionen gleichzeitig gestärkt werden müssen. Zudem warnt er vor technologischem Lösungsdenken, bei dem komplexe soziale Probleme allein durch technische Systeme gelöst werden sollen. 

Staatliche Nutzung und rechtliche Spannungsfelder

Ass.-Prof. Dr. Markus Schreiber, Assistenzprofessor für Öffentliches Recht und Blockchain, befasst sich unter anderem mit der Rolle des Staates. Ein Beispiel: In kriegszerstörten Ländern wurden Grundbücher vernichtet. Wären diese Informationen auf einer Blockchain gespeichert, könnte man eindeutig und fälschungssicher nachweisen, wem Land gehört. Gleichzeitig entstünden neue rechtliche Spannungsfelder, beispielsweise zwischen der grundsätzlichen Unveränderlichkeit von Blockchain-Daten und dem datenschutzrechtlichen «Recht auf Vergessenwerden». 

Interdisziplinäres Zentrum

Blockchain gilt für viele noch als «Blackbox». Gleichzeitig erkennen und untersuchen Forschende den tiefgreifenden Wandel für Gesellschaft, Demokratie und Wirtschaft, den diese Technologie mit sich bringt. Mit dem ZIBR an der Universität Luzern wurde ein interdisziplinäres Zentrum geschaffen, das diese Entwicklungen untersucht und aktiv mitgestalten will. Im Austausch zwischen Praxis und Forschung soll die Technologie so weiterentwickelt werden, dass sie gesellschaftlichen Nutzen bringt. Entscheidend bleibt dabei: Wie Blockchain wirkt, hängt letztlich von menschlichen Entscheidungen ab, wie Prof. Dr. Alexander Trechsel, Professor Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Kommunikation und Prof. Dr. Bernhard Rütsche, Professor Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, erklären.

Die Videoporträts machen deutlich, wie breit die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Blockchain am ZIBR angelegt ist. Forschende aus verschiedenen Disziplinen arbeiten daran, die technologischen Möglichkeiten zu analysieren, ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zu verstehen und geeignete rechtliche sowie ethische Rahmenbedingungen für ihren Einsatz zu entwickeln.

Alle Videoporträts im Überblick