Arbeitsmigration: Zugezogene besser akzeptiert als Grenz­pendelnde

Ausländische Arbeitskräfte, die in der Schweiz wohnen, geniessen eine höhere Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung als Grenzgängerinnen und -gänger. Ausschlaggebend dafür sind wahrgenommene Fairness und gesellschaftliche Teilhabe.

(Symbolbild; Foto: Universität Konstanz, Annalena Kampermann)

Ende 2024 arbeiteten rund 400'000 Grenz­gängerinnen und -gänger in der Schweiz – also Personen, die im Ausland wohnen und täglich zur Arbeit pendeln.  Dies gegenüber etwa 1,9 Millionen ausländischen Arbeitskräften, die dauerhaft in der Schweiz leben und arbeiten. Wie ist in der Schweiz die öffentliche Wahrnehmung der beiden Gruppen, die gleichermassen mit der einheimischen Bevölkerung um Arbeitsplätze konkurrieren?

Dies beantwortet eine gemeinsame Studie der Universitäten Luzern und Konstanz, die soeben im «American Journal of Political Science» (AJPS) publiziert wurde. Lena Maria Schaffer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Luzern, und Gabriele Spilker, Professorin für Globale Ungleichheit an der Universität Konstanz, befragten dazu rund 4000 Schweizer Stimmberechtigte. Der Befund: Ansässige ausländische Arbeitskräfte werden als Mitglieder der Gesellschaft deutlich positiver bewertet als Grenzgängerinnen und -gänger. Gabriele Spilker sagt: «Unsere Ergebnisse zeigen, dass Einstellungen zur Arbeitsmigration weniger von ökonomischer Konkurrenz als von der Frage geprägt sind, wer als Teil der Gesellschaft wahrgenommen wird.» Es sei entscheidender, ob Menschen als Mitgestalterinnen und -gestalter des gesellschaftlichen Lebens gälten.

Wohnort entscheidend

Der stärkste Faktor für die Akzeptanz ausländischer Arbeitskräfte sei deren Wohnort, unabhängig von beruflicher Qualifikation, Alter oder Herkunft. Fehlinformation spiele hierbei eine zentrale Rolle, wie Lena Maria Schaffer ausführt: Viele Befragte empfänden es als unfair, wenn Grenzpendelnde von höheren Schweizer Löhnen und tieferen Lebenshaltungskosten im Ausland profitierten. «Wird jedoch klargestellt, dass sie ihren Lohn versteuern müssen und keinen Anspruch auf Schweizer Arbeitslosenleistungen haben, verbessert sich ihr Ansehen deutlich», so die Politikwissenschaftlerin.

Die Studienergebnisse würden zentrale Annahmen migrationspolitischer Debatten infrage stellen – nicht nur in der Schweiz, sondern auch darüber hinaus, so die Autorinnen. Auch könnten transparente Information und Kommunikation über Rechte, Pflichten und tatsächliche Beiträge von Grenzgängerinnen und -gängern dazu beitragen, Spannungen in Grenzregionen abzubauen und die Akzeptanz dieser Form von Arbeitsmobilität zu erhöhen. 

Lena Maria Schaffer, Gabriele Spilker
Migrating to Stay or Commuting to Work? How Fairness Perceptions and Exposure Shape Attitudes toward Labor Migration
American Journal of Political Science, 2026
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Newsmeldung der Universität Konstanz