Nadine Arnold und Anatol Itten haben vom SNF ein Mobilitätsstipendium erhalten. Dies ermöglicht den beiden Nachwuchsforschenden im Rahmen ihres Postdoc- bzw. Dissertationsprojekts mehrmonatige Forschungsaufenthalte im Ausland.

Nadine Arnold und Anatol Itten.

Nadine Arnold kann mit ihrem Early Postdoc.Mobility-Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erste Schritte in Richtung Habilitation unternehmen. In ihrem Projekt setzt sich die Soziologin mit der Rolle von Nachhaltigkeitsstandards in der Ananasindustrie des westafrikanischen Staats Ghana auseinander. Um vor Ort Forschung durchführen und Interviews mit Produzenten, Abnehmern und Vertretern von Behörden machen zu können, sind zwei Aufenthalte in Ghana geplant: der erste in diesem Frühjahr, der zweite gegen Ende der eineinhalb Jahre dauernden Stipendiumszeit. Arnolds Postdoc-Projekt "Standards as Mediators of Governance. How Standardising is Shaping the Ghanaian Pineapple Industry" baut auf ihrer Dissertation über die Entwicklung und Standardisierung des Fairen Handels in der Schweiz auf. Deren Erarbeitung war ebenfalls mit einem SNF-Mobilitätsstipendium gefördert worden, was einen Forschungsaufenthalt an einem interdisziplinären Forschungsinstitut der École normale supérieure de Cachan in Paris möglich machte.

Vernetzung mit Forschungscommunity

Der Erhalt des Stipendiums für ihr Postdoc-Projekt sei in zweierlei Hinsicht hilfreich, sagt Nadine Arnold: "Zum einen ist damit ein für die Studie notwendiger und vielversprechender Forschungsaufenthalt im Globalen Süden realisierbar." Zum anderen werde sie am IFRIS (Institut Francilien Recherche Innovation Société) der Université Paris-Est eng mit Soziologinnen und Soziologen zusammenarbeiten können, die sich ebenfalls intensiv mit Fragender Rolle und Nutzung von Nachhaltigkeitsstandards in Entwicklungsländern befassen. "Von ihrer Erfahrung und ihrem Wissen kann ich profitieren", so Arnold. Weil sie nun bereits seit eineinhalb Jahren in Paris arbeite, wolle sie das Stipendium zudem auch dazu nutzen, ihre bestehenden Kontakte zu französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu vertiefen und weiterhin von der Pariser Forschungslandschaft zu profitieren.

Wiederkehrenden Mustern auf der Spur

Ermöglicht durch das zugesprochene Doc.Mobility-Stipendium, hält sich Anatol Itten seit diesem März im Rahmen eines sechsmonatigen Forschungsaufenthalts am Kompetenzzentrum"Public Mediation Programme" (PMP) an der Universität Amsterdam auf. Im Austausch mit dort tätigen Expertinnen und Experten möchte er die empirischen Ergebnisse und Analysen seines Dissertationsprojekts "Patterns, Key Conditions and Causalities in Public Mediation Processes" vertiefen und ausweiten.In seiner Forschung untersucht Itten anhand einer Mehrzahl öffentlicher Mediationsverfahren in Deutschland (unter anderem jenem zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens 1998–2000), welche wiederkehrenden Muster bei Mediationen zu erkennen sind und unter welchen Bedingungen diese Verfahren eher gelingen und wann eher nicht. Die Doktorarbeit wird von Prof. Dr. André Bächtiger, bis 2015 SNF-Förderprofessor für Politikwissenschaften an der Universität Luzern und inzwischen Professor an der Universität Stuttgart, betreut.

"Das PMP ist ein einzigartiges Kompetenzzentrum für Mediation im öffentlichen Bereich, wodurch sich meine Forschungsarbeit nur verbessern kann", sagt Anatol Itten, der seit zwei Jahren an seinem Projekt arbeitet. "Generell erweitert Mobilität den Geist und hilft, aus den vorhandenen Strukturen auszubrechen." Zudem sei es in jedem Metier früher oder später unerlässlich, dorthin zu gehen, wo die höchste Kompetenzdichte ist. "Deswegen gehen viele Schauspiel-Aspiranten nach Los Angeles oder Europawissenschaftler nach Brüssel."

Vergabe durch lokale SNF-Kommission

Die beiden Stipendien wurden von der SNF-Forschungskommission der Universität Luzern vergeben, der Prof. Dr. Martin Baumann, Prorektor Forschung, vorsteht. Diese lokale Forschungskommission des Schweizerischen Nationalfonds ist für die Vergabe von Doc.Mobility- und Early Postdoc.Mobility-Stipendien zuständig. Zudem beurteilt sie Gesuche für Doc.CH-Beiträge in erster Instanz.


Quelle: uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 54, März 2016, S. 9.
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In kürzerer Form auch publiziert als News (29. Januar 2016)