Theologische Ethik im weiten Sinn verstanden umfasst sowohl die Theologische Fundamentalmoral als auch die spezielle Moraltheologie, die heute überwiegend im Rahmen der Angewandten Theologischen Ethik (und schwerpunktmässig in der Bioethik oder medizinischen Ethik) behandelt wird. Ferner fällt in den Kompetenzbereich dieser Professur die gesamte Theologische Sozialethik (einschliesslich der Kirchlichen Soziallehre). 

Theologische Ethik ist eine mit wissenschaftlichen Methoden und Argumentationsmustern arbeitende Disziplin im Horizont christlichen Glaubens. Sie ist demnach moralische Reflexion des Lebens, Urteilens und Handelns des Menschen unter dem Anspruch des christlichen Glaubens.

Wie jedes konkret-inhaltliche ethische Urteilen und Handeln bedarf sie eines umgreifenden Sinnhorizonts, einer bestimmten Vorstellung vom Ziel des Menschseins, vom guten und gelungenen Leben und von den Möglichkeiten einer Durchsetzung der gewonnenen Einsichten. Ihre Konzeption des guten Lebens ist von den christlichen Glaubensquellen geprägt, jedoch so, dass eine existentiell-substantielle Vernetzung mit Vernunft, Freiheit, Gewissen und Eigenverantwortung des jeweiligen Handelnden gewährleistet bleibt.

Theologische Ethik reflektiert den Glauben als Lebensvollzug, der sowohl individueller Orientierung bedarf als auch eine moralische Reflexion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, auf die Strukturen und Systeme von Gesellschaften fordert. In letzterem Fall sprechen wir von Sozialethik.

Als Glaubenswissenschaft ist Theologische Ethik mit der Kirche verbunden; sie dient auch der kirchlichen Sozialverkündigung – nicht zuletzt durch eine kritische Begleitung lehramtlicher Verlautbarungen. Sie versucht insbesondere ihre an der Universität erprobte interdisziplinäre Kompetenz einzubringen bei der Behandlung konkreter ethischer Fragestellungen, die weit in andere Wissenschaftsbereiche hinein reichen [z.B. biotechnische Probleme, Ökologie und Umwelt, sozialwissenschaftliche (gerade auch wirtschaftswissenschaftliche) Themenkreise mit hoher ethischer Relevanz]. 

Die durch Forschungsleistungen erarbeiteten Schwerpunkte des Instituts sind allgemein zugänglich (vgl. Mitarbeitende) und tragen stark zum Profil des Instituts bei. 

Dazu gehören natürlich auch die veröffentlichten Ergebnisse der Forschungsarbeit der emeritierten Professoren des Instituts. 

 

Geschichtliches

Das Institut für Sozialethik an der Theologischen Fakultät Luzern besteht seit 1981. Initiator und Gründungs-direktor war Prof. Dr. Dr. Franz Furger.

Furger (1935-1997) war bereits seit 1967 Inhaber einer Professur für Philosophie (mit den Schwerpunkten Anthropologie, Ethik und Zeitgenössische Philosophie), die 1969 in eine Professur für Philosophische Ethik und Moraltheologie umgewandelt wurde.

Ebenfalls seit 1969 lehrte als Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Luzern Prof. Dr. Dr. Friedrich Beutter (1925-2010).

Nach der Wegberufung Furgers an die Universität Münster i. W. 1987 wurde der Lehrstuhl für Theologische und Philosophische Ethik von Prof. Dr. Hans J. Münk übernommen. Nachfolger von Beutter wurde nach dessen Emeritierung 1990 Prof. Dr. Hans Halter, der den Lehrstuhl für Moraltheologie bis 2004 innehatte.

Seither gehört zum Institut für Sozialethik der Universität Luzern nur noch ein Ordinariat (jetzige Umschreibung: Professur für Theologische Ethik/Sozialethik). Dem Inhaber obliegt auch die Leitung des Instituts.

Nach der Emeritierung von Professor Münk 2011 ging die Leitung 2014 auf Prof. Dr. Monika Bobbert über. Frau Bobbert erhielt bereits im Herbst 2015 einen Ruf auf die Professur für Moraltheologie an der Universität Münster i.W., den sie zum 1.2.2016 angenommen hat.