Orientierung für die Praxis

Medizinerinnen und Mediziner stossen mit ihrem Fachwissen in der Praxis immer wieder an Grenzen, insbesondere in Situationen, in denen es um grundsätzliche Fragen wissenschaftlicher, ethischer und gesellschaftlicher Art geht. Hier setzt der Studiengang Philosophie + Medizin an, der die Grundfragen und Spannungsfelder der Medizin aus einer übergeordneten, philosophischen Perspektive reflektiert. Der Studiengang vermittelt philosophische Konzepte und Methoden, um Grenzfälle und Konfliktfelder in der Medizin zu reflektieren. 

Die Universität Luzern bietet Ärztinnen und Ärzten, Kaderangehörigen von Spitälern und medizinischen Institutionen sowie Fachpersonen des Gesundheitswesens somit Impulse und Raum für die Orientierung innerhalb der medizinischen Praxis. Konkret können innerhalb des Weiterbildungsprogramms Philosophie + Medizin elf Module einzeln – je nach Zeit und Interesse – oder im Format eines CAS oder MAS besucht werden. Sämtliche Module werden jeweils von ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus der Philosophie angeboten.

Der komplett überarbeitete Studiengang Philosophie + Medizin ist im August 2018 gestartet.

Für das nächste Modul Medizin + Erkenntis sind noch Plätze frei (Beginn Februar 2019)

 

Einen Überblick im PDF-Format über den überarbeiteten Studiengang Philosophie+Medizin finden Sie hier: Flyer Philosophie+Medizin

Aufbau | Inhalt| Kosten

Aufbau

Es können einzelne Module oder ein ganzer CAS / MAS absolviert werden. Das Weiterbildungsprogramm ermöglicht ein passgenaues Studium: Sie haben die Wahl, einzelne Module zu belegen oder das Programm mit einem CAS (Certificate of Advanced Studies) in Philosophie + Medizin oder einem MAS (Master of Advanced Studies) in Philosophie + Medizin abzuschliessen. Für einen CAS sind drei Module sowie zwei Methodikseminare erfolgreich zu absolvieren; für einen MAS das gesamte Programm.

Inhalt (Lehrplan)

Medizin + Ethik (Grundlagen, Gutes Leben, Autotomie, Würde)
Medizin + Erkenntnis (Empirismus/Rationalismus, Phänomenologie [2 Tage], Existentialismus)
Medizin + Lebensanfang  (Reproduktionsmedizin [2 Tage], Schwangerschaft, Natalität)
Medizin + Gesellschaft (Gerechtigkeit, Gesundheit/Krankheit, Arzt-Patienten-Beziehung)
Medizin + Lebensende (Alter, Suizid, Sterblichkeit, Tod)
Medizin + Führung (Macht, Verantwortung, Vertrauen, Beziehungen)
Medizin + Mind (Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Freier Wille/Determinismus, Sprache und Schmerz)
Medizin + Forschung (Wissenschaftsphilosophie [2 Tage], Forschungsethik [2 Tage])
Medizin + Literatur (Grundlagen, Medizin in Literatur [2 Tage], Mediziner als Literaten)
Medizin + Zukunft (Ökonomisierung, Digitalisierung, Qualität, Medizin - Quo vadis?)

Detailliertere Informationen zu den einzelnen Modulen finden Sie im Lehrplan.

Zulassung

In den CAS Philosophie + Medizin kann aufgenommen werden, wer über ein abgeschlossenes Universitäts- oder Fachhochschulstudium auf Bachelorstufe sowie über einschlägige Berufserfahrung verfügt. Aufnahmen "sur dossier" sind möglich. Darüber entscheidet die Studienleitung nach einem Gespräch.

Studienanforderungen

Die Teilnehmenden bereiten sich mit Hilfe ausgewählter Texte im Selbststudium auf die Module vor. In den Modulen werden philosophische Konzepte und Methoden zu konkreten Fragestellungen anhand von Beispielen erarbeitet und diskutiert.

Studiengebühren

Certificate of Advanced Studies in Philosophie + Medizin (CAS): CHF 6'900.-
Master of Advanced Studies in Philosophie + Medizin (MAS): CHF 19'800.-
Einzelmodule: CHF 2300.-

Inbegriffen sind die Kursliteratur sowie Verpflegung in den Kaffeepausen. Nicht eingeschlossen in die Kurskosten ist die Verpflegung in den Mittagspausen.

 

Methodikmodul

Dieses Modul ist der methodischen Ausbildung der Teilnehmenden sowie der inhaltlichen Ergänzung des Programms gewidmet und ist obligatorischer Teil des CAS- bzw. MAS-Programms. Interessierte sind ebenfalls herzlich willkommen. Methodikseminare werden regelmässig - bis zu drei Mal im Jahr - angeboten und von verschiedenen Dozierenden unterrichtet.
Bei den Methodikseminaren gibt es zwei Formate: 

  • Basisseminare: Dienen der methodischen Aus/Weiterbildung im engeren Sinn (Argumentieren, wiss. Schreiben, ethische Entscheidungsfindung etc.)
  • Ergänzungsseminare: Dienen dem Erwerb bzw. der Vertiefung von philosophischen Grundlagen (z.B. zu einzelnen Epochen/ Strömungen/ Denker/innen)

Basisseminare

Basisseminare sind methodischen Themen bzw. Kompetenzen gewidmet, die für ein erfolgreiches Studium philosophischer Inhalte und Texte grundlegend sind. Der erfolgreiche Besuch von mindestens einem Basiskurs ist Voraussetzung für einen CAS; für einen MAS werden mindestens zwei erfolgreich absolvierte Basisseminare erwartet.

Daten und Themen der Basisseminare 2018/2019

23. August 2018:
Einführung in die Philosophie für Medizinerinnen und Mediziner

(Dr. phil. Magdalena Hoffmann)
Bei diesem Basisseminar wird zum einen die Philosophie als Disziplin sowie ihr Selbstverständnis vorgestellt, zum anderen werden wir gemeinsam die inhaltlichen Ressourcen der Philosophie für die Medizin freilegen, indem wir uns überblicksartig mit ihren Hauptgebieten bzw. Subdisziplinen vertraut machen.
Anmeldung beim Studiensekretariat

24. Januar 2019:
Einführung ins Argumentieren für Medizinerinnen und Mediziner

(Dr. phil. Magdalena Hoffmann)
Bei diesem Basisseminar wird zunächst allgemein in die Argumentationslehre eingeführt, anschliessend werden oft in der Medizin verwendete Argumente präzise analysiert.
Anmeldung beim Studiensekretariat

Ergänzungsseminare

Ergänzungsseminare dienen der Ergänzung und Vertiefung von Inhalten aus Einzelmodulen. So variiert das Angebot zwischen Lektüretagen, die einem bestimmten Denker gewidmet sind, und Kurstagen, die einer einzelnen Epoche und deren Grundgedanken gewidmet sind. Im Rahmen des CAS können ein Ergänzungsseminar bzw. im Kontext des MAS zwei Ergänzungsseminare belegt werden.

Daten und Themen der Ergänzungsseminare 2018/2019

23. Mai 2019:
Lektüretag zu Kant

(Prof. Dr. Christiane Schildknecht)
Kant gehört zu den Philosophen, deren Werk so wirkmächtig ist, dass es kaum ein Gebiet gibt, in dem er nicht Spuren hinterlassen hat: Ob Ethik, Recht oder  erkenntnistheorie und Logik: Ein kursorischer Einblick in ausgewählte Texte hilft sein Denken – das auch für die Medizin von hoher Relevanz ist – besser  einzuordnen.
Anmeldung beim Studiensekretariat

 

Medizin + Ethik

Fragen zur ethischen Einordnung von Situationen stellen sich ständig im medizinischen Alltag. Dieses Modul dient der Orientierung im Hinblick auf vielstrapazierte Konzepte wie Autonomie, Würde und Gutes Leben.

Flyer Modul Ethik

Grundlagen der Ethik (13.09.2018)

Der Begriff der Ethik ist in aller Munde, ohne dass Einigkeit herrscht, was damit gemeint ist. Für einige ist es jegliches verantwortungsvolles Handeln, für andere ein Synonym für die zunehmende Regulierung medizinischen Handelns. Am Grundlagentag wird für begriffliche Klarheit gesorgt sowie in zentrale ethische Theorien eingeführt, die bei allen medizinethischen Debatten – oft implizit – eine Rolle spielen.

Dr. theol. Jean-Daniel Strub

Selbständiger Ethiker und Dozent, Schwerpunkte: Medizinethik, Gesundheitswesen, Zürich.
Mehr Infos zu Dr. theol. Daniel Strub

Gutes Leben (11.10.2018)

Das gute Leben versteckt sich in der Medizin hinter dem Begriff der ‘Lebensqualität’. Doch was versteht man unter einem guten Leben? Die Philosophie beschäftigt  sich seit der Antike mit dieser Frage. Am Kurstag werden die wichtigsten Konzeptionen thematisiert sowie der Versuch, Lebensqualität zu messen (Stichwort: QALY), kritisch reflektiert.

Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Studienleiterin Philosophie+ Medizin sowie Philosophie + Management, Mitglied in der Kantonalen Ethikkommission Bern
Mehr Infos zu Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Autonomie (08.11.2018)

Autonomie ist wichtig. Das weiss mittlerweile jede Medizinstudentin. Aber warum eigentlich? Am Kurstag wird der Begriff der Autonomie geklärt und ihre Bedeutung in der Medizin reflektiert. Dabei soll es nicht nur um den Informed Consent gehen, sondern auch um die Grenzen von Autonomie. Ferner werden aktuelle Diskussionen um die Erweiterung des Autonomiebegriffs berücksichtigt.

Susanne Brauer PHD

Vizepräsidentin der Zentralen Ethikkommission (SAMW), Leiterin „Bioethik, Medizin und Life Sciences“ der Paulus Akademie Zürich
Mehr Infos zu Susanne Brauer, PHD

Würde (06.12.2018)

Keine medizinethische Diskussion kommt ohne den Verweis auf die Würde des Menschen aus. Umso wichtiger ist eine Klärung dieses Begriffs, um Fragen  beantworten zu können wie: «Was ist Würde?», «Welche Handlungen oder Interventionen sind unwürdig?» Der Kurstag dient der eigenen Orientierung angesichts der Vielzahl von Auffassungen menschlicher Würde.

PD Dr. phil. Eva Weber-Guskar

Dozentin für Medizinethik, Schwerpunkte u.a.: Würde, Medizinethik und Moralpsychologie, Göttingen
Mehr Infos zu Prof. Dr. phil. Eva Weber-Guskar

 

Dieses Modul ist "SIWF-approved". (7 Credits pro Tag, insgesamt max. 25 Credits)

Medizin + Erkenntnis

Die Medizin nimmt für sich in Anspruch, ‘evidenzbasiert’ zu arbeiten, was aus erkenntnistheoretischer Sicht sehr voraussetzungsreich ist. Dieses Modul gewährt  einen Einblick in verschiedene Erkenntnisquellen, die für die Medizin auch heute noch von Relevanz sind.

Rationalismus/Empirismus (21.02.2019)

Als klassische Positionen der Erkenntnistheorie sind Rationalismus und Empirismus grundlegend für jede Form der Wissensgewinnung. Auch medizinisches Wissen und seine Verfahren basieren auf dem Zusammenspiel von Vernunft und Erfahrung, von rationaler Begründung und empirischer Beobachtung, von Widerspruchsfreiheit und Kausalität. Beide erkenntnistheoretische Positionen sehen sich jedoch auch erheblicher Kritik gegenüber. Wie sicher ist also die jeweils gewonnene – auch die medizinische – Erkenntnis?

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie an der Universität Luzern. 
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Phänomenologie (21.03.2019 / 11.04.2019)

Die Phänomenologie analysiert und beschreibt die unmittelbaren Gegebenheiten des Bewusstseins. Die Phänomene – die im Bewusstsein auftretenden  Erscheinungen – werden in einem vorurteilsfreien, von Klischees gereinigten und nicht durch starre Denkgewohnheiten verzerrten Zugriff untersucht. Mit dem Konzept der Intentionalität entwickelt die Phänomenologie ein für das erkennende und praktische Leben grundlegendes begriffliches Instrument, das es  ermöglicht, die Strukturen des Bewusstseins präzise zu erfassen.

Modalitäten der Wahrnehmung, der Zeiterfahrung (Erinnerung, Erwartung), der Vorstellung (Phantasie, Traum, Imagination), der Leiberfahrung und des  Verhältnisses zu anderen Menschen stehen im Zentrum der Aufmerksamkeit der Phänomenologie. Die Phänomenologie ist eine Herausforderung für die Wissenschaften: Werden Medizin und Psychologie/Psychotherapie den deskriptiven Befunden der Phänomenologie gerecht? Und: Wie verhält sich die  Phänomenologie zu den objektivistischen Erkenntnisstandards der Medizin und Psychologie?

Prof. Dr. Dieter Teichert

apl. Professor in Konstanz und Lehrbeauftragter an der Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Dieter Teichert

Existenzialismus (09.05.2019)

Als philosophische Position, die die Frage nach der existentiellen Verfasstheit des Individuums in den Mittelpunkt stellt, ist der Existentialismus untrennbar mit  zentralen Themen der Medizin verbunden. Dies betrifft nicht nur die Grunderfahrungen menschlichen Daseins wie Angst oder Tod, sondern auch das Verständnis menschlicher Existenz selbst im Sinne eines möglichen Entwurfs vor dem Hintergrund von Zeitlichkeit und Entscheidung.

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie an der Universität Luzern. 
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Dieter Teichert

apl. Professor in Konstanz und Lehrbeauftragter an der Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Dieter Teichert

Medizin + Lebensanfang

Zeugung, Schwangerschaft und Geburt sind schon lange nicht mehr die ‘natürlichste Sache der Welt’. Dieses Modul thematisiert die Möglichkeiten der  Reproduktionsmedizin, Schwangerschaft und das Faktum der Natalität aus ethischer Perspektive.

Reproduktionsmedizin (13.06.2019 / 11.07.2019)

Die Reproduktionsmedizin gehört zu den Bereichen der Medizin, die am meisten ethische Fragen aufwerfen. Dies verwundert angesichts des weit verbreiteten  Bedürfnisses nach einem (gesunden) Kind nicht; auch spiegeln sich in den Regulierungen der Reproduktionsmedizin zentrale gesellschaftliche Vorstellungen bezüglich Sexualität, Natürlichkeit, Stellung der Familie im Allgemeinen und Stellung der Frau im Besonderen wider.

An den beiden Kurstagen geht es um die ethische Reflexion von Fragen wie: Welcher (moralische) Status kommt einem Embryo zu und was folgt daraus für die  Debatten um Präimplantationsdiagnostik und Abtreibung? Wie ist die Pränataldiagnostik und der Wunsch nach einem gesunden Kind einzuordnen? Was ist von Massnahmen wie Social Freezing, Samen- und Eizellspenden zu halten? Sollen einem Kinderwunsch ethische und/oder gesellschaftliche Grenzen gesetzt werden?

Prof. Dr. med., Dipl. Soz. Tanja Krones

Leitende Ärztin Klinische Ethik, Geschäftsführerin Klinisches Ethikkomitee, Titularprofessorin Universität Zürich und Dozentin für klinische Ethik

Mehr Infos zu Prof. Dr. med. Dipl. Soz. Tanja Krones

Schwangerschaft (08.08.2019)

Die Schwangerschaft als solches ist erst seit Kurzem ein explizites Thema in der Philosophie. Dabei ist sie ethisch besonders herausfordernd, allein schon aufgrund  der Konstellation: Ungeborenes Leben wächst im Körper der Mutter heran, wobei immer noch ein Erzeuger zu berücksichtigen ist. Diese Trias und damit verbundene Fragen wie etwaige Pflichten der Schwangeren werden am Kurstag gemeinsam ethisch reflektiert.

Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Studienleiterin Philosophie+ Medizin sowie Philosophie + Management, Mitglied in der Kantonalen Ethikkommission Bern
Mehr Infos zu Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Natalität (12.09.2019)

Das Faktum der Natalität ist von radikaler Unfreiheit und Abhängigkeit seitens des Kindes bestimmt, auf die das Kind mit radikaler Offenheit im Sinne von  Anpassungsfähigkeit reagieren muss. Doch was folgt daraus für den Umgang mit dem Neugeborenen/Säugling? Ist das Faktum der Natalität eine moralische  Aufforderung und wenn ja, wozu? Diese und verwandte Fragen stehen im Fokus des Kurstages.

Prof. Dr. Claudia Wiesemann

Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin und stellv. Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und Mitglied der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer sowie der Ethikkommission der Universitätsmedizin Göttingen
Mehr Infos zu Prof. Dr. Claudia Wiesemann

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Gesellschaft

Medizin findet in keinem Vakuum statt, sondern innerhalb von gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die über die Art und Weise und das Ausmass der medizinischen Versorgung bestimmen. Dieses Modul reflektiert die wichtigsten Themen, die sich dabei stellen.

Gerechtigkeit (10.10.2019)

Die Gesundheitskosten steigen, was folgende Fragen provoziert: Welche medizinische Versorgung ist gerecht und welche ist bezahlbar? Muss alles bezahlt werden, worauf aus Gerechtigkeitsgründen Anspruch besteht? Oder ist nur gerecht, was bezahlbar ist?

Foto Martin Hartmann

Prof. Dr. Martin Hartmann

Professor für praktische Philosophie an der Universität Luzern. 
Mehr Infos zu Prof. Dr. Martin Hartmann

Gesundheit / Krankheit (7./ 8.11.2019 - Blockseminar)

Die Unterscheidung zwischen Gesundheit und Krankheit ist für die Medizin sowohl in Theorie wie Praxis fundamental – an der Zuordnung entscheidet sich z.B. ob  ein Eingriff als Therapie oder Enhancement gilt, ob er von der Krankenversicherung übernommen wird oder nicht. Dabei geht aber bisweilen vergessen, dass  diese Unterscheidung zwischen Gesundheit und Krankheit nicht nur physikalischer Art ist (im Sinne einer Funktionsstörung), sondern auch normativer Art.

In diesem zweitägigen Kurs soll das Bewusstsein für die Komplexität der Begriffe und Positionen zu Gesundheit/Krankheit geschärft werden. Dabei werden u.a.  Fragen aufgeworfen wie: Ist Krankheit notwendigerweise schlecht für den Betroffenen (im Sinne einer Einschränkung seines Wohls)? Wie ist Behinderung einzuordnen? Ist psychische Krankheit ganz anders zu sehen als somatische Krankheit? Sollte der Krankheitsbegriff eine steuernde Funktion haben, insofern nur  Kranke Anspruch auf medizinische Leistungen haben sollen, Gesunde aber nicht?

Prof. Dr. Thomas Schramme

Professor in Philosophy, Centre for Humanities and Social Science of Health, Medicine and Technology, University of Liverpool
Mehr Infos zu Prof. Dr. Thomas Schramme

Arzt-Patienten-Beziehung (05.12.2019)

Die Arzt-Patienten-Beziehung gehört zu einem der meistdiskutierten Themen der Medizinethik. An diesem Kurstag werden weniger verschiedene Modelle dieser  Beziehung diskutiert als vielmehr bislang weniger beleuchtete Aspekte reflektiert wie: Haben Patienten Pflichten dem Arzt/der Ärztin gegenüber? Wie können  Vorannahmen, die die Beziehung unbewusst belasten, entschärft werden? Dabei sollen verschiedene Akteure zu Wort kommen.

Verschiedene Dozierende

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Lebensende

Themen wie Alter, Sterblichkeit und Tod begleiten viele Ärztinnen und Ärzte in ihrer Praxis – es sind aber auch seit jeher Themen der Philosophie. Einblick in die philosophische Reflexion gewährt dieses Modul.

Alter (16.01.2020)

Das Alter erfährt derzeit viel Aufmerksamkeit in der Philosophie, was auf zwei Gründe zurückzuführen sein dürfte: Zum einen wird im Zuge einer Philosophie der  Lebensspannen die Frage nach dem Wert des Alters gestellt: Ist das Alter eine Phase des Verfalls oder der Weisheit oder entzieht es sich diesen Kategorien? Zum anderen wird im Rahmen der Biogerontologie die Frage nach der biologischen Notwendigkeit bzw. Unaufhaltsamkeit des Alters aufgeworfen. Wäre die Abschaffung des Alters oder dessen Hinauszögerung zugunsten eines längeren Lebens eigentlich erstrebenswert?

Prof. Dr. Hans-Jörg Ehni

Stellv. Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin, Universität Tübingen, Mitglied des Klinischen Ethik-Komitees und der Arbeitsgruppe
Klinische Ethikberatung des Universitätsklinikums Tübingen und Vollmitglied der Ethikkommission der Landesärztekammer Baden-Württemberg.
Mehr Infos zu Prof. Dr. Hans-Jörg Ehni.

Sterblichkeit (13.02.2020)

Unsere Sterblichkeit gehört zu den wenigen Gewissheiten, die wir haben und doch tun wir uns schwer mit der Einordnung dieses Faktums. Ist unser Leben  angesichts dieser Tatsache absurd oder ist die Sterblichkeit gerade das, was unserem Leben Sinn verleiht? Und was bedeutet die Beantwortung dieser Frage für unseren Umgang mit dem Sterben bzw. mit dem sterbenden Patienten?

Prof. Dr. Markus Zimmermann

Titularprofessor und Lehr- und Forschungsrat für theologische Ethik, Vizepräsident der Nationalen Ethikkommission und Präsident der Leitungsgruppe des  Nationalen Forschungsprogramms "Lebensende"
Mehr Infos zu Prof. Dr. Markus Zimmermann

Suizid, Tod (12./13.03.2020 - Blockseminar)

Suizid und Tod sind zentrale Themen der Medizin-ethik wie etwa die Debatten um den assistierten Suizid oder das Hirntodkriterium zeigen. Doch die  philosophische Auseinandersetzung mit Suizid und Tod geht viel weiter und tiefer und ist den aktuellen Debatten vorgelagert, insofern die Annahmen über Tod und Suizid die entsprechenden Überzeugungen bezüglich assistiertem Suizid und dem Hirntodkriterium bestimmen dürften.

So wird bereits seit der Antike bis in die Gegenwart kontrovers darüber gestritten, was der Tod ist und wie der Tod einzuordnen ist: Ist der Tod ‘nur’ ein vorläufiges Ende der menschlichen Existenz oder ist er endgültig? Ist der Tod etwas Gutes oder etwas Schlechtes oder keines von beiden? Und was ist vom Suizid zu halten:  Ist er ein selbst gewählter Tod, wie es der Begriff des ‘Freitods’ suggeriert oder gehört er als ‘Selbstmord’ (moralisch) verboten, weil er eine Pflichtverletzung gegen sich selbst ist?

An diesem Blockseminar, das in einem externen Seminarhotel stattfinden soll, wird anhand sorgfältig ausgewählter Texte aus der umfangreichen Literatur zu Suizid/Tod deren Bedeutung auf den Grund gegangen.

Prof. Dr. Héctor Wittwer

Professor für Praktische Philosophie, Universität Magdeburg.
Mehr Infos zu Prof. Dr. Héctor Wittwer

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Führung

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sind in einer leitenden Funktion tätig, die sie vor neue, nicht-medizinische Herausforderungen stellt. Diese lassen sich oft besser  mittels der (selbst-)kritischen Reflexion von zentralen Konzepten wie Macht und Verantwortung bewältigen.

Macht (02.04.2020)

Wir übersehen es gerne, aber: Macht ist allgegenwärtig, sie beeinflusst uns, lenkt uns, bereitet uns Angst, oft durchschauen wir sie nicht, was sie nur desto  wirksamer macht. In diesem Modul geht es darum, was Macht eigentlich ist, wie sie wirkt und wie wir sie beurteilen sollten – angewendet auf medizinische Kontexte  wie die Arzt-Patienten-Beziehung oder auch auf den Arbeitsort ‘Spital’.

Foto Martin Hartmann

Prof. Dr. Martin Hartmann

Professor für praktische Philosophie an der Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Martin Hartmann

Verantwortung (07.05.2020)

Führung bedeutet Verantwortung. Dies ist unbestritten. Mehr Diskussionen provoziert hingegen der Begriff der Verantwortung: Wer ist eigentlich wofür aus welchem Grund verantwortlich? Und was heisst es konkret, ‘Verantwortung zu übernehmen’? Für die Beantwortung diese Fragen bedarf es einer genaueren Bestimmung des  Begriffs und seiner Anwendung auf den Führungsalltag im medizinischen Kontext.

Foto Christian Neuhäuser

Prof. Dr. Christian Neuhäuser

Professor am Institut für Philosophie und Politikwissenschaft, Universität Dortmund
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christian Neuhäuser

Vertrauen (04.06.2020)

Vertrauen ist zuletzt in den Fokus vieler Wissenschaften getreten. Ein Grund dafür ist die These, es gebe in der Gesellschaft (bzw. der Politik, der Medizin etc.) eine wachsende Vertrauenskrise. Skandale und Missbrauchsfälle scheinen diese These zu bestätigen. Zur selben Zeit wird Vertrauen aber als eine wichtige Ressource  sozialen Handelns gesehen, die nicht leicht ersetzbar ist. Kurzum: Wir brauchen Vertrauen, aber wir haben es immer weniger; eine Zustandsbeschreibung, die auch  auf medizinische Kontexte zuzutreffen scheint, wie u.a. am Kurstag zu diskutieren ist.

Foto Martin Hartmann

Prof. Dr. Martin Hartmann

Professor für praktische Philosophie an der Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Martin Hartmann

Beziehungen (02.07.2020)

Gelungene Arbeitsbeziehungen sind ein hohes Gut und für eine erfolgreiche Führung unerlässlich. Doch was zeichnet gelungene Arbeitsbeziehungen aus und wie  sind diese trotz hierarchischer Unterschiede z.B. im Spital zu realisieren? An diesem Kurstag werden Bedingungen für gute Beziehungen wie Respekt, Loyalität, aber auch deren Gefahren durch Laster wie Arroganz thematisiert.

Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Studienleiterin Philosophie+ Medizin sowie Philosophie + Management, Mitglied in der Kantonalen Ethikkommission Bern
Mehr Infos zu Dr. phil. Magdalena Hoffmann

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Mind

Mentale Eigenschaften und Aktivitäten werden dem Gehirn zugeordnet und u.a. von der Medizin empirisch untersucht. Dabei bleibt die Frage nach dem angemessenen Verhältnis von Gehirn und Geist unberücksichtigt, die in diesem Modul anhand ausgewählter Themen diskutiert wird.

Bewusstsein (24.09.2020)

Bewusstsein macht die gesamte Reichhaltigkeit unseres Lebens aus. Umso unverzichtbarer sind die Bestimmung und Diskussion der vielfältigen Formen, in denen  Bewusstsein zum Kernthema von Philosophie und Medizin geworden ist. Das Leib-Seele-Problem widersetzt sich nach wie vor einer Lösung, und nicht nur  reduktionistische Ansätze bleiben nicht unwidersprochen.

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie und wissenschaftliche Gesamtleiterin Philosophie + Medizin, Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Selbstbewusstsein (22.10.2020)

In der Philosophie versteht man unter Selbstbewusstsein das Phänomen, dass sich ein erlebendes Subjekt in seinen Erlebnissen und Gedanken als das Subjekt  dieser wahrnimmt. Medizinisch interessant wird es, wenn man sich Störungen anschaut: So ist davon auszugehen, dass einige psychiatrische Störungen mit einer Störung des Selbstbewusstseins zusammenhängen, z.B. wenn ein Subjekt bekundet, fremde Gedanken zu erleben.

Prof. Dr. Markus Wild

Professor für Theoretische Philosophie Universität Basel, Mitglied
der EKAH und Nationaler Forschungsrat
Mehr Infos zu Prof. Dr. Markus Wild

Freier Wille/Determinismus (19.11.2020)

Oft wird davon ausgegangen, dass freie Handlungen nur möglich sind, wenn sie nicht determiniert sind. So haben in den letzten Jahren auf Grund dieser Annahme  mehrere Neurowissenschaftler in Experimenten versucht zu zeigen, dass wir keinen freien Willen haben. Diese Position lässt sich hinterfragen, indem entweder  gezeigt wird, dass die Daten für diesen Schluss nicht ausreichen oder indem argumentiert wird, dass auch determinierte Handlungen frei sein können.

Dr. phil. Emmanuel Baierlé

Oberassistent am Philosophie-Departement der Universität Fribourg und wissenschaftlicher Mitarbeiter Studiengang Philosophie+ Medizin sowie Philosophie +  Management
Mehr Infos zu Dr. phil. Emmanuel Baierlé

Sprache und Schmerz (10.12.2020)

Wie lässt sich das Erleben von Schmerz sprachlich erfassen und vermitteln? Macht die sprachliche Dimension, wie sie etwa das Patientengespräch wesentlich prägt, generell das Erlebnishafte zunichte? Oder haben wir es mit zwei Schmerz-Begriffen zu tun: Dem erlebten Schmerz und dem beschriebenen Schmerz? Was aber ist  dann ‘Schmerz’?

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie und wissenschaftliche Gesamtleiterin Philosophie + Medizin, Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Zukunft

Die Zukunft der Medizin hat bereits begonnen: Es ist absehbar, dass sich Entwicklungen wie die Ökonomisierung und Digitalisierung noch akzentuieren werden. Dieses Modul dient der kritischen Diskussion dieser Veränderungen.

Angesichts der Dynamik der Themen werden die Dozierenden im Laufe von 2019/2020 bestimmt.

Ökonomisierung (07.01.2021)

Die Ökonomisierung der Medizin, d.h. die zunehmende Durchdringung medizinischer Praktiken, Entscheidungen und Prozesse von Marktüberlegungen und  Effizienzbestrebungen, macht vielen Medizinerinnen und Medizinern immer stärker zu schaffen, entfremdet sie gar von ihrer genuinen Aufgabe. Gleichzeitig sind die zunehmenden Gesundheitskosten ein ernstzunehmendes politisches und gesellschaftliches Problem. Damit drängt sich die Frage auf, wie ein gesellschaftlich  befriedigender Ausgleich der beiden grundverschiedenen Logiken von Medizin und Ökonomie aussehen kann.

Digitalisierung (04.02.2021)

Die Digitalisierung hat die Medizin schon  längst erreicht, verändert, womöglich revolutioniert. Viele Fortschritte in Forschung, Prävention  und Therapie verdanken sich Verfahren, die ohne die Digitalisierung undenkbar  wären (z.B. Bestimmung von Biomarkern in der Onkologie). Gleichwohl birgt die Digitalisierung auch Risiken,  die über den oft genannten Datenschutz hinausgehen: So könnten Algorithmen beispielsweise die Stigmatisierung bestimmter benachteiligter Personengruppen (z.B. Dunkelhäutige, Adipöse etc.) noch forcieren. Diese und andere Risiken der Digitalisierung für die Medizin gilt es bei aller Fortschrittseuphorie ethisch zu reflektieren.

Qualität (04.03.2021)

Qualität ist zu einem Modewort in der Medizin geworden. Natürlich streben alle eine hohe Behandlungsqualität an, doch wie ist diese zu definieren, zu messen und zu beurteilen? Was ist der geeignete Massstab – der Behandlungserfolg, die Patientenzufriedenheit oder ein günstiger Nutzen-Kosten-Aufwand? Trotz zahlreicher  Qualitätslabels bleibt die Situation unbefriedigend: Liegt das Problem vielleicht am Begriff selbst, am Anspruch oder an der Umsetzung? Fragen, die es zu  diskutieren gilt.

Medizin - Quo vadis? (25.03.2021)

Der letzte Kurstag dieses Moduls ist der gemeinsamen Reflexion der Medizin angesichts der erörterten Herausforderungen gewidmet. Im Rahmen eines Workshops sollen im Austausch mit namhaften Vertretern aus Medizin, Politik und Wissenschaft drängende Fragen diskutiert werden.

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Forschung

Die medizinische Forschung befindet sich im Umbruch: Big Data eröffnet ganz neue Perspektiven – ebenso neue Technologien. Dieses Modul dient der Reflexion  von Medizin als Wissenschaft sowie aktueller und ethischer Fragen von medizinischer Forschung.

Wissenschaftsphilosophie: Grundlagen (22.04.2021)

Als wissenschaftliche Disziplin ist auch die Medizin Bestimmungen unterworfen, die das Unterfangen «Wissenschaft» allgemein auszeichnen. Dazu gehört die Frage  nach wissenschaftlichen Methoden ebenso wie die Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Nicht- oder Pseudo-Wissenschaft. Was gilt als wissenschaftliche Bestätigung, was als wissenschaftliche Erklärung? Wie sieht wissenschaftlicher Fortschritt aus?

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie und wissenschaftliche Gesamtleiterin Philosophie + Medizin, Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Wissenschaftsphilosophie: Anwendungen (20.05.2021)

In Anlehnung an den Grundlagentag wird es beim zweiten, anwendungsbezogenen Kurstag zur Wissenschaftsphilosophie insbesondere um die Arbeitsweise der Medizin, vor allem der medizinischen Forschung gehen. Zentral ist in diesem Kontext der Begriff ‘Experiment’; daneben soll es aber auch um statistische Verfahren  und Heuristiken sowie deren wissenschaftsphilosophische Dimensionen gehen.

Prof. Dr. Dr. Claus Beisbart

Extraordinarius mit Schwerpunkt Wissenschaftsphilosophie an der Universität Bern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Dr. Claus Beisbart

Forschungsethik: Grundlagen (17.06.2021)

Die medizinische Forschung sieht sich vielen Regulierungen ausgesetzt – juristischer und ethischer Natur. Dies ruft oft Unmut hervor; dabei sollte nicht vergessen  gehen, dass die Entstehung der Forschungsethik letztlich eine Reaktion auf inhumane Experimente war. Der Grundlagentag thematisiert zentrale ethische Konzeptionen wie Vulnerabilität, informed consent u.ä., die bei der medizinischen Forschung zu berücksichtigen sind, sowie die Daseinsberechtigung von Ethikkommissionen.

Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Studienleiterin Philosophie+ Medizin sowie Philosophie + Management, Mitglied in der Kantonalen Ethikkommission Bern  
Mehr Infos zu Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Forschungsethik: Aktuelles (15.07.2021)

Aufbauend auf dem Grundlagentag ist der zweite Kurstag zum Thema Forschungsethik aktuellen Fragen und Herausforderungen gewidmet. Dies betrifft  beispielsweise den Datenschutz angesichts immer umfangreicherer Registerstudien, aber auch die Problematik von Zufallsbefunden oder die Frage nach den  Grenzen des Sponsorings medizinischer Forschung.

Dr. med. Peter Kleist

Geschäftsführer Kantonale Ethikkommission Zürich
Mehr Infos zu Dr. med. Peter Kleist

 

Eine SIWF-Zertifizierung für dieses Modul wird angestrebt.

Medizin + Literatur

Literarisch lassen sich Empfindungen wie Leid, Todesangst und die verstörende Erfahrung, wenn man sich abhanden kommt, oft besser ausdrücken als in  medizinischen Begriffen. Dieses Modul thematisiert Literatur als Ressource für die Medizin.

Grundlagen (23.09.2021)

Zu den zentralen Formen textueller Darstellung gehört die fiktionale Literatur, insbesondere der Roman. Die Verfahren der Fiktionalität entbinden ihn von  Beschränkungen durch die Wirklichkeit und schaffen Spielraum für den Entwurf möglicher Welten. Gleichzeitig stellt sich mit den Freiheiten fiktionaler Darstellung die Frage nach dem Erkenntniswert fiktionaler Literatur sowie nach dem Zusammenhang von Fiktion und Wahrheit: Was können wir aus Literatur lernen?

Medizin in der Literatur: Angst und Furcht Verlust des Selbst (21./22.10.2021 - Blockseminar)

Literatur vermittelt eine spezifische Form von Erkenntnis. Der Darstellung lehrbuchmässigen Wissens gegenüber geht es ihr weniger um Wahrheit und präzise  Begrifflichkeit als vielmehr um die Vergegenwärtigung lebensweltlicher Situationen und Befindlichkeiten. Insbesondere ermöglichen literarische Texte einen Blick in das Innere ihrer Figuren und liefern damit den Zugang zu einem Erlebnisraum, der in wirklichen Welt nicht zur Verfügung steht.

Mit ihrer Vergegenwärtigung existentiell bedeutsamer Formen des Erlebens wie (Todes-)Angst oder Selbstverlust macht uns die Literatur mit dem Spektrum des  möglicherweise Erfahrbaren bekannt und erweitert so den medizinischen Blick jenseits von Patientenberichten und Beschreibungen aus der Aussenperspektive auf genuine und unverzichtbare Weise.

Mediziner als Literaten (18.11.2021)

Friedrich Schiller, Georg Büchner, Arthur Schnitzler, Gottfried Benn... – viele Mediziner waren zugleich bedeutende Literaten. Was bedeutet der Transfer  medizinischen Wissens in die Literatur? Gibt es ein spezifisch medizinisches Interesse an literarischen Themen oder Formen literarischer Darstellung? Was bedeutet der medizinische Blick in Hinsicht auf Sprache, Stil und Metaphorik? Wie verhält sich die literarische Darstellung medizinischer Themen zu derjenigen des Lehrbuchs?

Foto Christiane Schildknecht

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Professorin für Theoretische Philosophie und wissenschaftliche Gesamtleiterin Philosophie + Medizin, Universität Luzern
Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Nutzen | Testimonials

Nutzen

Die Teilnehmenden des Weiterbildungskurses Philosophie + Medizin

  • können ihre medizinischen Aufgaben im Zusammenhang von Wissenschaft und Gesellschaft besser beurteilen
  • erhalten Instrumente zur Bewältigung von Zielkonflikten und zur Entscheidung von Handlungsalternativen in der medizinischen Praxis
  • werden befähigt zu einer positiven Definition ihres eigenen beruflichen Selbstverständnisses

Testimonials

Dr. med. Urs Abt

Facharzt FMH, Allgemeine Medizin, Hausärzte Region Reiden ag

"Philosophie befähigt mich als Hausarzt, im täglichen Spannungsfeld zwischen medizinischer Machbarkeit und ethischer Verantwortung sowie den immer begrenzteren Ressourcen für meine Patienten gute und fundierte Lösungen für ihre Anliegen zu finden. Philosophie ist für ein erfülltes ärztliches Handeln unverzichtbar, sie hilft mir, mein berufliches Selbstverständnis im sich dauernd veränderten gesellschaftlichen Kontext zu definieren."

Dr. med. Beatrice Kuhlmann

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Konsiliarärztin Pädiatrische Endokrinologie-Diabetologie, Kantonsspital Aarau

"Nach Jahren der naturwissenschaftlich orientierten,  schulmedizinischen Tätigkeit  in Spital und Praxis steigt  das Bedürfnis, die Fragen  von Gesundheit und Krankheit und vom Mensch-Sein generell auch mehr von der anderen - der philosophischen Seite her  zu betrachten.  Der Austausch mit Dozenten und Kollegen über Themen wie „Vertrauen“, „ Ethik“ aber auch „Medizin + Markt“  etc. bietet nach Einführung ins philosophische Denken prima Gelegenheit,  aktuelle Themen in unserem Gesundheitswesen in Frage zu stellen und die Balance zwischen Naturwissenschaft und Humanismus/Philosophie  zu finden,  um damit gestärkt dem Patienten gegenüber wieder mehr als Arzt denn als  Mediziner zu begegnen."

Dr. med. Marco Bachmann

Chefarzt Psychiatrie und Psychosomatik, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapoe, Bethesda Spital Basel

„Die Philosophie in der Medizin zeigt uns mit ihrer systematisch-wissenschaftlichen Denkweise unsere Grenzen des ärztlichen Denkens und Handelns auf. Die Präzision des philosophischen Analysierens von Zusammenhängen führt zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung, mit so scheinbar klaren naturwissenschaftlichen Gegebenheiten, die den Mediziner Alltag regelmäßig begleiten sollte. Die im Studium aufgeworfenen Fragen werden mich weiter im Umgang mit meinen Patienten begleiten.“

Dr. med. Renata Jori

Leitende Ärztin, Chirurgische Klinik, Kantonsspital Olten

„Mit dem Studium von Philosophie + Medizin habe ich die vortreffliche Möglichkeit ergriffen, drängende existentielle Fragen fundiert und systematisch anzugehen. Es ist in jeder Hinsicht gut, als naturwissenschaftlich ausgebildete Chirurgin auch geisteswissenschaftliches Werkzeug zur Verfügung zu haben.“

Prof. Dr. med. Giatgen Spinas

Prodekan Akademische Nachwuchsförderung, Klinikdirektor Universitätsspital Zürich, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung Universitätsspital Zürich

„Nach langer Berufstätigkeit als Arzt und Hochschullehrer wurde mir durch die systematische Diskussion naturalistischer und humanistischer Menschenbilder bewusst, dass das Spannungsfeld zwischen Geist und Materie die Medizin ganz besonders herausfordert: als Arzt handeln vs. Medizin betreiben. Als HumanwissenschaftlerInnen sind wir prädestiniert, den Bogen von einem naturalistischen Biologismus zum idealistischen Humanismus zu spannen und die Folgen des naturwissenschaftlichen Fortschritts erkenntnistheoretisch und moralphilosophisch zu bewältigen.“

Charles Romeo Kobelt

Verantwortlicher Marketing, Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil

"Philosophie mit medizinischem Inhalt und Medizin mit philosophischer Betrachtung
erwecken neue Erkenntnisse in einem Spannungsfeld, dass plötzlich keines mehr zu sein braucht. Der CAS Philosophie + Medizin macht rundum sicherer." 

 

Prof. Dr. med. Katharina Glatz

Leitende Ärztin, Institut für Pathologie Universitätsspital Basel

„Die fantastischen Erfolge der Schulmedizin sind nicht frei von Nebenwirkungen. Die Ärzteschaft wird mit der zunehmend schwierigen Frage konfrontiert, wie sie diese Erfolge möglichst nebenwirkungsarm und unter bestmöglicher Wahrung der Gerechtigkeit zu Gunsten der PatientInnen optimal nutzen kann. Welchen Weg müssen wir bestreiten, um mit unseren medizinischen Massnahmen gutes Leben zu ermöglichen statt nur vorzeitigen Tod zu verhindern? Höchste Zeit, dass sich philosophisch geschulte MedizinerInnen mit guten Argumenten in die Diskussion dieser herausfordernden Fragestellung einbringen."

Dr. med. Werner Eugster

Kardiologe, herzteam wil 

„Medizin ohne Philosophie ist für mich wie ein fremdsprachiges Buch zu lesen. Ich kann die Medizin zwar wie eine Fremdsprache erlernen, ich kann sie jedoch nicht in ihrer eigenen „Lebenswelt“ verstehen. Die philomed-Seminarien haben mich dazu befähigt, mich meinem Beruf in seiner Ganzheit durch wissenschaftliches Nachdenken zu nähern, was meinen Alltag stark verändert und bereichert hat.“

Dr. med. Daniel Germann

Dr. med. Daniel Germann

CEO Kantonsspital St. Gallen

"Ärztinnen und Ärzte brauchen philosophisches Wissen, um verschiedene Behandlungsoptionen unter dem Begriff Handlungsfreiheit (aus Sicht Patient und Ärztin) kritisch hinterfragen zu können, um Wirkungen und Nebenwirkungen
medizinischer Interventionen für Gesunde, Kranke und medizinische Berufsgruppen aus unterschiedlicher Sicht einzuschätzen, um den Nutzen von Neuerungen ethisch zu beurteilen und um Kriterien für einen vernünftigen Mitteleinsatz bei nicht immer rationalen Anforderungen zu formulieren."

Dr. med. et phil. Piet van Spijk

Dr. med. et phil. Piet van Spijk

Facharzt für Innere Medizin, Leiter Notfallpraxis Kantonsspital Luzern

"Um eine Medizin mit Zukunft zu gestalten, sind mehr denn je Persönlichkeiten gefragt, die fähig sind, kompromisslos Fragen zu stellen, fundiert nachzudenken, kreative Lösungen zu formulieren und neue Wege zu gehen. Der Weiterbidungskurs ‹Philosophie und Medizin› vermittelt die dazu nötigen Kenntnisse; er weckt und fördert die Freude am kreativen Denken und am offenen Diskurs."

Prof. Dr. med. Peter Stulz

Prof. Dr. med. Peter Stulz

Chefarzt an der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefässchirurgie, Kantonsspital Luzern, Vorsitzender der Arbeitsgruppe «Interdisziplinäres Forum Kantonsspital Luzern».

"Einer der zentralen Kritikpunkte an der modernen Medizin ist die Dominanz der naturwissenschaftlichen Perspektive, die sich wohl aus den bahnbrechenden Erfolgen dieser Medizin erklärt, die aber tendenziell dazu führt, dass der Bezugspunkt medizinischen Handelns einseitig der Körper ist, und dass dabei die Person des Patienten in den Hintergrund tritt. Es gehört zu den grossen Herausforderungen der heutigen Medizin und derjenigen von morgen, dass eine Synthese zwischen naturwissenschaftlich-technischer und geisteswissenschaftlich-humanistischer Kultur gefunden wird. Diese Symbiose erreichen wir mit Philosophie."

Medienspiegel

Im Interview schildern Dr. med. Beat Gerber und Dr. med. Hansueli Schläpfer ihre Erfahrungen mit dem Weiterbildungsstudiengang und warum sie nun für ihn als Dozenten tätig wurden. Interview PHC (22/2016) zum CAS06.

Irgendwann trifft wohl jeder Mediziner im Berufsalltag auf ethische Fragen und Probleme. Im Interview mit "Zahnmedizin aktuell"  äussert sich Dr. Magdalena Hoffmann, wie Ärzte die Perspektive der akademischen Philosophie nutzen können, um eine Neuorientierung zu schaffen. Swiss Dental Journal SSO (VOL 127 11-2017).

Nachfolgend finden Sie ein Interview mit Daniel Aebersold in der SÄZ (44/2016) zu seinen Erfahrungen mit dem von ihm kürzlich absolvierten 5. Durchgang des CAS Philosophie + Medizin. Er ist Chefarzt und Direktor der Universitätsklinik für Radio-Onkologie und Vorsteher des Tumorzentrums am Inselspital Bern. Interview SÄZ (44/2016) zum CAS05.

Im Gastbeitrag der Schweizerischen Ärztezeitung (SÄZ 26/2015) schildert unser Absolvent, Dr. med. Christian Studer, in einem Interview seine Erfahrungen mit dem Weiterbil­dungslehrgang CAS Philosophie + Medizin. Er ist Hausarzt in einer Gruppen­praxis in Luzern; derzeit schliesst er den auf den CAS aufbauenden "MAS Philosophie + Medizin" ab. Interview SÄZ (26/2015).

 

Anmeldung | Reglement

Anmeldung

Anmeldeschluss für das Modul "Medizin + Erkenntnis" ist der 21. Dezember 2018.

Das Anmeldeformular für den CAS- bzw. MAS-Studiengang oder für einzelne Module können Sie hier downloaden:
Anmeldeformular Philosophie + Medizin.
Das ausgefüllte Formular sowie die weiteren Anmeldeunterlagen können Sie uns per Mail oder auch postalisch zustellen.
 

Reglemente

Reglement über den Zertifikatsstudiengang (Certificate of Advanced Studies) Philosophie + Medizin an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern

Reglement über den Master of Advanced Studies in Philosophie + Medizin an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern

Studienleitung | Auskünfte

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns diese oder Informationswünsche per Mail an weiterbildung-ksfremove-this.@remove-this.unilu.ch.
Gerne helfen wir Ihnen weiter.

Möchten Sie mehr zum Verhältnis von Philosophie und Medizin erfahren?
Wünschen Sie ein Beratungsgespräch?
Schreiben Sie unserer Studienleiterin, Dr. phil. Magdalena Hoffmann, um einen Termin zu vereinbaren.

Dr. phil. Magdalena Hoffmann

Studienleiterin und Dozentin.
T +41 41 229 56 20 • magdalena.hoffmannremove-this.@remove-this.unilu.ch

Mehr Infos zu Dr. phil. Magdalena Hoffmann 

Foto Nadja Jatsch

Nadja Jatsch

Studiensekretariat
T +41 41 229 56 21 • nadja.jatschremove-this.@remove-this.unilu.ch

Dr. phil. Emmanuel Baierlé

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent
T +41 41 229 56 22 • emmanuel.baierleremove-this.@remove-this.unilu.ch

Mehr Infos zu Dr. phil. Emmanuel Baierlé

Prof. Dr. Christiane Schildknecht

Wissenschaftliche Gesamtleiterin
T +41 41 229 55 30 • Raum 3.A43 • Christiane.Schildknechtremove-this.@remove-this.unilu.ch

Mehr Infos zu Prof. Dr. Christiane Schildknecht (Philosophisches Seminar)

Begleitprogramm: Philosophie extra

Workshop "Digitalisierung + Ethik" (8. Juni 2018)
Zum ersten Mal fand "Philosophie extra" im Workshop-Format statt. Für die Veranstaltung zum Thema "Digitalisierung und Ethik" konnten drei externe Experten gewonnen werden, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten und mit den Teilnehmenden intensiv diskutierten.

Die Studiengangsleiterin Dr. phil. Magdalena Hoffmann präsentierte einen Überblick und eine Einfühung in die Philosophie der Ethik im Kontext der Digitalisierung, Prof. Dr. Dr. Peter Seele, Professor für Corporate Social Responsibility and Business Ethics an der Università della Svizzera Italiana, referierte zur Privatheit im digitalen Zeitalter, Prof. Dr. Peter Kirchschläger, Professor für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik an der Universität Luzern, hielt einen Vortrag zur ethischen Perspektive des Einsatzes von künstlichen Intelligenzen und Prof. Dr. Katrin Fischer, Professorin am Institut Mensch in komplexen Systemen der Hochschule für Angewandte Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz, referierte zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Mensch und Arbeit.

Das Format hat sich als sehr erfolgreich erwiesen und die Teilnehmenden konnten in spannenden und intensiven Debatten die Themen mit den anwesenden Experten vertiefen.

 

Die nächste Philosophie extra-Veranstaltung Herbst ist bereits in Planung.