Ein Vortrag mit Prof. Dr. Andreas Bernard, Leuphana Universität Lüneburg (mit begleitendem Workshop am 17. Mai; siehe separater Veranstaltungshinweis)

Datum: 16. Mai 2018
Zeit: 18.15 Uhr bis 20.00 Uhr
Ort: Universität Luzern, Raum HS 9 (neu!)

Der Vortrag geht von der Beobachtung aus, dass auffällig viele Verfahren der Selbstpräsentation und Selbsterkenntnis in der digitalen Kultur auf Methoden zurückgehen, die in der Kriminologie, Psychologie und Psychiatrie seit dem späten 19. Jahrhundert erdacht wurden. Das Format des «Profils», in den Sozialen Netzwerken heute unbestrittener Ort der Selbstdarstellung, entstand als «psychiatrisches Profil» von Internierten oder als "Täterprofil" von Serienmördern.

Die Selbstortung auf dem Smartphone, ohne die kein Pokémon-Go-Spiel und keine Registrierung bei Uber, Yelp oder Lieferando möglich wäre, nutzt eine Navigationstechnologie, die bis vor zehn Jahren hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Einsatz von Peilsendern in der Polizeifahndung oder mit der elektronischen Fußfessel bekannt war. Und die Vermessungen der «Quantified Self»-Bewegung zeichnen Körperströme auf, die einst die Entwicklung des Lügendetektors voranbrachten.

Der Vortrag versucht diese wissensgeschichtlichen Zusammenhänge zu erhellen und geht der irritierenden Frage nach, warum Geräte und Verfahren, die bis vor kurzem Verbrecher und Wahnsinnige dingfest machen sollten, heute als Vehikel der Selbstermächtigung gelten.

Mehr Informationen zur Lecture von Andreas Bernard finden Sie im Veranstaltungsflyer.

Hier finden Sie mehr Informationen zum begleitenden Workshop am 17. Mai, zu dem Sie sich bis zum 10. Mai anmelden können.