Luigi Nuzzo (Università del Salento)

Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe laboratorium lucernaiuris

 

Datum: 14. März 2018
Zeit: 18.15 Uhr bis 19.30 Uhr
Ort: Universität Luzern, Frohburgstrasse 3, Raum 4.B51

 

Abstract

Im Oktober 1900 - kurz nach Ankunft der deutschen Truppen in China, welche die Ermordung ihres Botschafters rächen sollten - publizierte Georg Jellinek einen Aufsatz zum Verhältnis zwischen China, dem Völkerrecht und den westlichen Mächten. Darin forderte er die Juristen auf, angesichts der dramatischen Nachrichten aus China, sich vertieft mit der Möglichkeit der Anwendung des Völkerrechts ausserhalb der Grenzen des Westens zu beschäftigen. War das Völkerrecht in China noch notwendig? Im Vortrag wird Jellineks Standpunkt zum Anlass genommen, um die Strategien der europäischen und amerikanischen  Völkerrechtler zu untersuchen, die das "Himmlische Reich" in die "Familie der Nationen" aufnehmen und zugleich seine  internationale Subjektivität unterdrücken wollten. Insbesondere werden dabei einerseits die Rolle des Konsulrarrechts, das die ökonomischen und politischen Bedürfnisse der westlichen Mächte besonders gut aufzeigt, anderseits die Veränderungen der Konzepte von Staat und Souveränität im Zuge des Transfers nach China untersucht.

 

Prof. Luigi Nuzzo (Università del Salento)

Luigi Nuzzo ist Professor für Rechtsgeschichte und Völkerrechtsgeschichte an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Università del Salento (Lecce, Italien). Nach dem Studium des Rechts an der Universität Pavia promovierte er im Fach Neuere Rechtsgeschichte an der Università Siena. Es folgten mehrere Forschungsstipendien am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/Main sowie weitere Forschungsaufenthalte an den Universitäten Barcelona, Sevilla, Madrid und Mexiko-Stadt. 2007 und 2012 war er Senior Robbins Research Fellow an der University of California at Berkeley, 2014-2015 Hauser Global Research Fellow an der New York University und 2016 Fernand Braudel Fellow am Europäischen Hochschulinstitut (EUI) in Florenz. Er ist Mitglied des Instituto Internacional de Derecho Indiano (Buenos Aires) und Redaktionsmitglied der Zeitschriften Journal of History of International Law (Heidelberg) und Storica (Rom). Er hat zahlreiche Publikationen – auf Italienisch, Englisch, Deutsch und Spanisch – veröffentlicht, u.a. in den Bereichen Völkerrechtsgeschichte, Kolonialrecht und zur deutschen und italienischen Rechtskultur im 19. und 20. Jahrhundert.