Während seines Semesters an der Université de Lille konnte sich Jus-Masterstudent Aurel Bode (25) sowohl fachlich als auch sprachlich weiterentwickeln. Ausserdem freut er sich, nun viele internationale Freundschaften pflegen zu können.
Aurel Bode, was hat Sie an der Gast-Uni am meisten überrascht?
Aurel Bode: Die Université de Lille ist wesentlich grösser als die Universität Luzern und
auf mehrere Gebäude in der ganzen Stadt verteilt. Auch die Qualität der Vorlesungen hat mich beeindruckt: Diese waren auf sehr hohem Niveau, und die Dozierenden verstanden es, den Stoff auf interessante und verständliche Weise zu vermitteln.
Welche Lehrveranstaltung hinterliess einen bleibenden Eindruck?
Die Vorlesung «The Relationship between Legal Orders». Es ging hier darum, wie internationale Verträge oder Rechtsnormen von internationalen Organisationen ins nationale Recht eingebettet werden. Ich erhielt Einblicke in rechtliche Systeme wie das vor allem im englischsprachigen Raum verbreitete Common Law System oder das Rechtssystem der EU, mit denen man in der Schweiz nur selten zu tun hat.
Wie sah ein typischer Tag aus?
Am Morgen ging es je nach Wetter entweder zu Fuss oder mit der Metro zur Universität. Direkt im Anschluss an die Vorlesungen habe ich jeweils Aufgaben für mein Studium erledigt. Danach traf ich mich oft mit Freunden in einer Bar oder in der Citadelle de Lille, einem riesigen Park inmitten der Stadt, und liess den Tag ausklingen.
Was würden Sie am liebsten an die Universität Luzern importieren?
Das Campusleben in Lille ist sehr aktiv. Die Stadt hat rund 230 000 Einwohnerinnen und Einwohner, von diesen etwa 100 000 Studierende. Es gibt sehr viele internationale und nationale Studierendenorganisationen. Fast jeden Tag findet ein Anlass für Studierende statt. In diesem Umfang gibt es das in Luzern nicht.
Was schätzen Sie in Luzern nun mehr denn je?
Meine Zeit in Frankreich war sehr schön, aber auch von vielen administrativen Hürden begleitet. Zum Beispiel wurden mehrmals bestimmte Fristen verschoben oder gekürzt. Im Nachhinein bin ich für die hervorragende Organisation an der Universität Luzern, besonders diejenige der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, der Studienberatung und des International Relations Office, extrem dankbar.
Das Campusleben in Lille ist sehr aktiv. Fast jeden Tag findet ein Anlass für Studierende statt.
Wo haben Sie Ihre erste Freundschaft geschlossen?
Am ersten Tag absolvierten wir einen Einstufungstest für die Französischkurse. Ein brasilianischer Kommilitone hatte kein Schreibzeug dabei, weshalb ich ihm Stifte ausgeliehen habe. Nach dem Test hat er mir diese zurückgegeben und wir sind ins Gespräch gekommen. Diese Freundschaft hat bis heute gehalten – sogar so gut, dass ich ihn schon in Brasilien besucht habe und wir für eine Weile gemeinsam durch Brasilien und Uruguay gereist sind.
Was erwies sich als einfacher als gedacht?
Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen: Im Austauschsemester befinden sich praktisch alle in einem neuen Land und kennen sich nicht so gut aus. Dies schafft schnell eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Zudem hatte ich das Glück, sowohl in meiner WG wie auch sonst immer von tollen Leuten umgeben zu sein.
Wo haben Sie am besten gegessen?
Die vielen Bäckereien in Lille werden ihrem guten Ruf wirklich gerecht. Spezialitäten wie Croissants aux amandes oder Éclairs vermisse ich heute noch. Generell schmeckt mir die französische Küche sehr gut. So war es nie schwierig, etwas Leckeres zu finden.
Haben Sie mehr oder weniger Geld ausgegeben als gedacht?
Letztlich habe ich wohl etwas mehr ausgegeben. Da Lille direkt an der französisch-belgischen Grenze liegt, habe ich mit meinen Freunden viele Ausflüge nach Belgien und in die Niederlande unternommen, was dann auch ein wenig ins Geld ging. Dank günstigen Fernbus-Angeboten hielten sich die Kosten aber dennoch in Grenzen.
Auf welche Erkenntnis sind Sie besonders stolz?
Einen Teil meines Studiums in einer anderen Sprache absolviert zu haben. Weiter freut es mich sehr, nun Freunde auf der ganzen Welt zu haben. Dies vereinfacht in Zukunft die Ferienplanung.
Was raten Sie Studierenden, die ihren Auslandaufenthalt noch vor sich haben?
Freut euch darauf! Wichtig ist, sich im Vorfeld gut zu informieren und sich, wenn möglich, mit jemandem in Verbindung zu setzen, der schon einen Auslandaufenthalt am Wunschort absolviert hat oder dies ebenfalls plant. Durch die Vernetzung mit anderen Personen kommt man an ehrliche und unter Umständen schwer zugängliche Informationen.
Welche Ihrer Fähigkeiten haben sich im Laufe des Semesters verändert?
Ich habe sowohl fachlich als auch sprachlich sehr viel dazugelernt. Die Vorlesungen halfen mir, ein umfassenderes Verständnis des Rechts zu erlangen und Kenntnisse in anderen Rechtssystemen zu gewinnen. Ebenfalls konnte ich durch den Aufenthalt meine Französisch- und Englischkenntnisse merklich ausbauen.
Würden Sie anderen einen solchen Austausch empfehlen?
Ja, unbedingt! Auch wenn nicht immer alles nach Plan verläuft und es vielleicht die eine oder andere Hürde zu meistern gibt, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass all die schönen Momente, Reisen, langen Nächte, Bekanntschaften und Erinnerungen dies mehr als wettmachen. Wenn ich könnte, würde ich auf jeden Fall wieder ein Austauschsemester absolvieren.
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