Maria Krack (22) studiert Gesellschafts- und Kommunikations­wissen­schaften im Bachelor und verbrachte ein Semester in Litauens Hauptstadt Vilnius. Trotz Sprachbarrieren und einem kurzen Spitalaufenthalt konnte sie die Zeit geniessen.

Schöner Ausblick: Maria Krack bei einem Ausflug auf den Gediminas-Turm in Vilnius. Ihr Mobilitätsaufenthalt fand im vergangenen Herbstsemester statt.

Maria Krack, was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie mit nach Hause genommen haben?

Maria Krack: Auch kleine, unbekanntere Nationen stecken voller Kultur und inspirierender Menschen. So habe ich in Vilnius, einem Sammelbecken diverser Kulturen, Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennengelernt: zum Beispiel einen Filipino, der Soziale Arbeit studiert, oder eine Gruppe von Georgiern, die mir viel über ihre heimische Essenskultur berichtet haben. Aber besonders ein ägyptischer Taxifahrer, der sich in die aufstrebende und dennoch entspannte Stadt Vilnius verliebt hat, ist mir in guter Erinnerung geblieben.

Sie waren an der Mykolas-Romeris-Universität. Welche Lehrveranstaltung hinterliess einen bleibenden Eindruck?

Auf jeden Fall «New Media Communication», ein praxisbasiertes Seminar zum Thema «Reden halten in der Öffentlichkeit». Entgegen meiner Erwartungen war jede Sitzung interaktiv aufgebaut und bot eine willkommene Abwechslung zum vielen Lesen und Präsentieren, wie ich es als Leistungsnachweis aus Seminaren in Luzern kannte.

Internationale Studierende
Maria Krack (ganz rechts) und ihre internationalen Mitstudierenden an den Green Lakes (auf Lettisch: Žalieji ežerai) bei Vilnius.

Was würden Sie am liebsten an die Universität Luzern importieren?

Die heisse Schokolade aus den Kaffeeautomaten  – idealerweise zum gleichen Preis von nur 1.20 Euro. Sogar die gewünschte Menge Zucker liess sich manuell dosieren.

Was hat Sie an der Gastgeber-Uni am meisten überrascht?

Der räumliche Aufbau: Das Beschriftungskonzept der Zimmer konnte ich bis zum Schluss nicht nachvollziehen. Ich habe mich mehrmals in den Fluren und Etagen verlaufen. Dass man in der Bibliothek manchmal dumpfe Geräusche aus der angrenzenden Sporthalle hörte, etwa wenn die Studierenden Basketball spielen, war ebenfalls ungewohnt.

Was schätzen Sie an der Universität Luzern nun mehr denn je?

Inhaltlich wirklich komplexe Veranstaltungen haben mir in Vilnius gefehlt. Die Lehrveranstaltungen sind dort stärker auf Fallbeispiele als auf Theorien fokussiert. Solche werden zwar eingeführt, jedoch kaum vertieft. Bei den Abschlussprüfungen kamen ebenfalls häufig Fall- oder Anwendungsbeispiele zum Einsatz.Ich hatte den Eindruck, dass verknüpftes und kritisches Denken weniger gefördert wird als an der Universität Luzern.

Wo haben Sie Ihre erste Freundschaft geschlossen?

Tatsächlich habe ich meinen engsten  Freundeskreis bereits am zweiten Tag der Einführungswoche im Auditorium kennengelernt. Wir sassen zufällig beieinander, haben Handynummern ausgetauscht und eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Auch mit meiner Mitbewohnerin habe ich mich schnell angefreundet. Es fanden auch schon Wiedersehen in den eigenen Heimatländern statt.

Meinen engsten Freundeskreis habe ich bereits am zweiten Tag der Einführungswoche im Auditorium kennengelernt.
Maria Krack

Was erwies sich als komplizierter oder aber einfacher als gedacht?

Einfacher als gedacht war das Bus-System. Es gibt nur Tickets für die ganze Stadt Vilnius, also keine Zonen- oder Streckenbillette. Komplizierter als gedacht war es, etwas mit der litauischen Post zu verschicken – in erster Linie aufgrund der Sprachbarriere. Es beherrschen nur sehr wenige Personen Englisch. Glücklicherweise hat mich eine andere Kundin im Postbüro bei der Kommunikation unterstützt.

Was war der nützlichste Ratschlag im Vorfeld?

Sich zu entspannen und das Austauschsemester zu geniessen, denn diese Zeit ist einmalig!

Wie schmeckte das Essen in der Mensa?

Eigentlich gut, es war nur manchmal eher lau als warm. Und es war komisch, auf die Speisen, welche man gerne hätte, mit dem Finger zeigen zu müssen. Es gab nämlich keine fixen Menüs, sondern ein kleines bedientes Buffet. Dafür positiv: Ein volles Menü kostete nur 3.40 Euro.

Was haben Ihre Eltern durch Ihr Auslandsemester gelernt?

Dass sie technische Probleme im Alltag auch ohne meine Hilfe lösen können.

Haben Sie mehr oder weniger Geld ausgegeben  als gedacht?

Viel weniger – das Leben in Litauen ist insgesamt extrem preiswert, besonders durch die hochwertigen Second-Hand-Läden und den günstigen öffentlichen Verkehr. So kostete ein Busticket mit Studentenrabatt nur 60 Cent, die Monatskarte 5.80 Euro. Die Strafgebühr fürs Schwarzfahren belief sich auf 8 Euro. Ich hatte aber natürlich immer ein Ticket dabei.

Welches war Ihr prägendstes Erlebnis abseits des Uni-Alltags?

Da kommen mir gleich mehre in den Sinn: das Leben im Wohnheim allgemein, der WM-Qualifikations- Match der Schweizer Fussball-Nati gegen Litauen für lediglich 13.50 Euro Eintritt sowie ein Kurzaufenthalt im Krankenhaus wegen einer Mandelentzündung. Auch hier sprach, bis auf einen Arzt, niemand Englisch, aber glücklicherweise hatte ich eine russischsprachige Kommilitonin an meiner Seite.

Was ist ein wirklich originelles Mitbringsel?

Šakotis – der litauische Kuchen vom Spiess ist ein absoluter Hingucker!

Überblick Studienangebot Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften im Bachelor und im Master

Andrea Leardi

Outgoing Mobility Coordinator