Bild: Maurus Bucher

Fast alles, was wir im Alltag sagen, ist zwar unvoll­ständig, dank Kontext aber trotzdem verständlich. Diesen Sachverhalt bezeichnet man in der Soziologie als Indexikalität. Die Aussage «Bis zum Abschluss brauche ich unbedingt noch zwei Social Credits» ist zum Beispiel indexikalisch: Um sie zu verstehen, hilft es, mit dem Studienreglement der Universität Luzern vertraut zu sein. Und zu wissen, dass sie von einer Studentin dieser Bildungseinrichtung stammt und nicht von einer chinesischen Staatsbürgerin. Indexikalische Formulierungen sind ein Segen und ein Fluch zugleich: Sie erlauben eine sparsame Aus­drucksweise und geschmeidige Kommunikation. Al­lerdings drohen aber auch permanent Missverständ­nisse (wenn man Sinn unterschiedlich ergänzt) oder Exklusionserfahrungen (wenn man nicht die Mittel hat, Sinn zu ergänzen, und bei Social Credits nur Bahnhof versteht).

Luca Tratschin
Oberassistent am Soziologischen Seminar
unilu.ch/luca-tratschin

 

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