Jus-Masterstudentin Ivanca Kümin (24) ist für ein Austauschsemester an die Universität Göteborg gegangen. Der Aufenthalt dauerte zwar weniger lang als geplant – Zeit für wertvolle Erlebnisse, schwedische Desserts und ein winterliches Bad im Atlantik blieb trotzdem.

Ausflug an den rauen Atlantik – anschliessendes Bad inklusive: Ivanca Kümin (l.) zusammen mit ihrer Freundin Alicia Kowal, einer Mobilitätsstudentin aus Deutschland, die sie während des Austauschs kennengelernt hat.

Ivanca Kümin, was hat Sie an der Gastgeber-Uni am meisten überrascht?

Ivanca Kümin: Wie informell und auf Selbstständigkeit bedacht die Vorlesungen ausgestaltet sind. Die Studierenden sind mit den Dozentinnen und Dozenten per Du. Ausserdem beinhalten die Vorlesungen viele Gruppenarbeiten, sodass man sich weite Teile eines Fachgebiets selbstständig, ohne allzu viele Inputs der Dozierenden, aneignet.

Welche Lehrveranstaltung hinterliess einen bleibenden Eindruck?

Es erstaunte mich, wie wenig greifbar die Materie des Fachs «International Criminal Law» für mich war. Internationales Strafrecht ist enorm von der internationalen Politik geprägt und alles andere als in Stein gemeisselt.

Was würden Sie am liebsten an die Universität Luzern importieren?

Die oben genannte Informalität. Mit dem einfachen Wort «Du» entsteht gleich ein viel grösseres Vertrauensverhältnis und die Vorlesungen erhalten eine persönlichere Note.

Was schätzen Sie an der Universität Luzern nun mehr denn je?

Das teilweise ausführliche Feedback, das man nach einer Arbeit oder einer Prüfung erhält. An der Universität Göteborg musste ich mir vieles eigenständig erarbeiten und mir wichtige Aspekte eines Rechtsbereichs selbst beibringen. Dabei habe ich oft Rückmeldungen vermisst, welche allfällig missverstandene Fakten aufgedeckt und berichtigt hätten. Umso mehr weiss ich nun die Feedback-Kultur an der Universität Luzern zu schätzen.

Wo haben Sie Ihre erste Freundschaft geschlossen?

Im Bus, der uns Austauschstudierende vom Flughafen zur Unterkunft brachte. In solch einer «Extremsituation» war es nicht allzu schwierig, Bekanntschaften zu schliessen. Alle kamen mit dem Wunsch an, so schnell wie möglich Freundinnen und Freunde zu finden.

Ich habe mich für ein Austauschsemester entschieden, um meine Grenzen kennenzulernen und meinen Horizont zu erweitern.

Wen oder was haben Sie während Ihres Aufenthalts am meisten vermisst?

Mein Mobilitätssemester fand im Frühjahrssemester 2020 statt. Da ich mich wegen der aufkommenden Corona-Pandemie entschlossen hatte, früher nach Hause zurückzukehren, war ich letztlich nur zwei Monate in Schweden. Ich hatte also nicht allzu viel Zeit, um jemanden oder etwas zu vermissen. Allerdings habe ich es – zurück in der Schweiz – sehr geschätzt, mich im Lebensmittelladen einfach zurechtzufinden. Wenn man sich die Gangbeschriftungen nicht zusammenreimen muss, erledigt sich der Einkauf um einiges schneller :)

Welche Erkenntnis haben Sie mit nach Hause genommen haben?

Dass man einiges mehr schaffen kann, als man sich zunächst zutrauen würde, wenn man es sich einfach nur in den Kopf setzt. Ich habe mich für ein Austauschsemester entschieden, um meine Grenzen kennenzulernen und meinen Horizont zu erweitern. Dies war eine gute und wichtige Erfahrung für mich.

Was haben Ihre Eltern durch Ihr Auslandsemester gelernt?

Leider haben sie gemerkt, wie schön es ist, alle Kinder aus dem Haus zu haben. Auf meine Nachfrage hin sagten sie jedoch, dass ihr Vertrauen in mich durch mein Austauschsemester bestätigt worden sei. Es habe ihnen aufgezeigt, dass ich auf jeden Fall in der Lage sei, meinen eigenen Weg zu gehen.

Was war der wichtigste und was der unnützeste Ratschlag im Vorfeld?

Im Vorfeld habe ich keine bestimmten Ratschläge von Bekannten gesammelt. Stattdessen bekam ich Bücher geschenkt, welche die gesellschaftlichen Sitten in Schweden erläutern. Den Brauch zum Beispiel, dass sich bei einer Torte alle selbst ein Stück mit Grösse nach Wahl abschneiden, konnte ich aber leider nie real erleben.

Welches war Ihr eindrücklichstes Erlebnis abseits des Uni-Alltags?

Das eindrücklichste Erlebnis war der durch die dortige Studierendenorganisation veranstaltete Ausflug ins schwedische Lappland. Wir durften mitten im Winter die schwedische Sauna mit anschliessendem Ice Dipping im Atlantik, also Baden im eiskalten Wasser, erleben. Das hat unglaublich viel Spass gemacht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Was ist ein wirklich originelles Mitbringsel?

Das Rezept für das schwedische Dessert «Chokladbollar», das man in Schweden überall findet –im Café, in der Universitätsmensa und auch im Supermarkt. Schnell gemacht, aus Haferflocken und dennoch sehr lecker.

Neben ihrem Studium der Rechtswissenschaft arbeitet Ivanca Kümin an der Universität Luzern als Hilfsassistentin am Lehrstuhl für Privatrecht und Privatrechtsvergleichung.

Andrea Leardi

Outgoing Mobility Coordinator