Noémie Marchon (22), Bachelorstudentin der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, verbrachte ein Austauschsemester an der Universität von Granada. Besonders wertvoll empfand sie den Rat, genügend Zeit für Freunde und Kultur einzuplanen.

Noémi Marchon bei einem von insgesamt fünf Besuchen der Alhambra von Granada

Noémie Marchon, was hat Sie an der Gastgeber-Uni am meisten überrascht?

Noémie Marchon: Der sehr kollegiale Umgang mit den Dozierenden war ungewohnt. Diese beenden E-Mails oft mit «Un abrazo», also «Eine Umarmung», und erzählen relativ viel aus ihrem Privatleben.

Welche Lehrveranstaltung hinterliess einen bleibenden Eindruck?

Hier kommen mir zwei Lehrveranstaltungen in den Sinn: Eine zur Geschichte von sozialen Bewegungen in Spanien, welche mir einen Eindruck vermittelte, wie stark die Franco-Ära das Land geprägt hat und noch immer prägt. Auch erwies sich das Fach «Soziologie der Arbeit» als sehr lehrreich, insbesondere weil die Analyse des spanischen Arbeitsmarkts in meinen Augen viele gesellschaftliche Phänomene erklärbar macht.
 
Was würden Sie am liebsten an die Universität Luzern importieren?

In Granada hat man jedes Fach zweimal wöchentlich und es werden entsprechend mehr Credits dafür angerechnet. Ich habe dieses System sehr geschätzt, weil ich mich so besser in die jeweiligen Themen vertiefen konnte.

Was schätzen Sie an der Universität Luzern nun mehr denn je?

Die Verlässlichkeit des Personals des Sekretariats und der Administration. Gerade zu Beginn des Semesters, als noch vieles unklar war, wäre ich froh gewesen, wenn ich so prompt und zuverlässig eine Antwort erhalten hätte, wie es in Luzern üblich ist.

Blick auf die Alhambra
«Man kann die Alhambra nicht oft genug besuchen. Ihre Schönheit ist immer wieder beeindruckend und man entdeckt jedes Mal etwas Neues», findet Noémi Marchon.

Wo haben Sie Ihre erste Freundschaft geschlossen?

In der WG: Ich habe mit drei Spanierinnen, einem Franzosen, einer Italienerin und einer Japanerin zusammengelebt, und wir haben uns sehr gut verstanden. Aufgrund der aussergewöhnlichen Situation – Stichwort: Corona – haben wir sehr viel Zeit zusammen verbracht. Daher würde ich sagen, dass meine ersten auch meine besten Freunde waren.

Welches war das grösste kulturelle Missverständnis?

Zum Glück gab es kaum solche Missverständnisse. Eine Anekdote jedoch, über die wir in der WG noch lange gelacht haben, war, als wir uns in meiner ersten Woche in Spanien zum Kaffee verabredet haben. Als wir die Uhrzeit ausmachen wollten, schlug ich 15 Uhr vor, weshalb meine spanischen Mitbewohnerinnen dachten, ich hätte etwas falsch verstanden und mir nochmals erklärten, dass wir Kaffee trinken und nicht Mittagessen gehen würden. Nun ja, der spanische Tagesablauf unterscheidet sich etwas vom schweizerischen :)

Wen oder was haben Sie während Ihres Aufenthalts am meisten vermisst?

Auf jeden Fall meine Familie und meine Freunde. Aber da ich das Glück hatte, eine sehr familiäre WG und gute Freunde zu haben, hat mich das ein bisschen darüber hinweggetröstet.

Ein Mobilitätssemester – egal in welcher Form und unter welchen Umständen – ist eine grosse Bereicherung.
Noémi Marchon

Was war der wichtigste Ratschlag im Vorfeld?

Der beste Rat war, kein 30-Credits-Semester zu machen, weil ein Mobilitätssemester nicht nur aus Lernen bestehen soll. Vielmehr sind auch das Entdecken und Geniessen des neuen Studienorts, das Kennenlernen der dortigen Kultur und die Zeit mit neuen Freundinnen und Freunden ein wichtiger Teil der Auslandserfahrung.

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie mit nach Hause genommen haben?

Obwohl mein Auslandsemester im Herbstsemester 2020, inmitten der Corona-Krise, alles andere als typisch war, habe ich die Zeit sehr genossen. Deshalb ist meine wichtigste Erkenntnis, dass ein Mobilitätssemester – egal in welcher Form und unter welchen Umständen – eine grosse Bereicherung ist.

Haben Sie mehr oder weniger Geld ausgegeben als gedacht?

Weniger als gedacht. Zum einen, weil die Preise in Andalusien sehr tief sind und zum anderen, weil ich aufgrund der Covid-Restriktionen nicht so viel reisen konnte, wie geplant. Ausserdem bekommt man in Granada in den Bars zu jedem ohnehin schon günstigen Getränk eine grosszügige Tapa. So hat man mit zwei, drei Getränken auch schon sehr preiswert gegessen.
 
Was ist ein wirklich originelles Mitbringsel?

Ganz im Zeichen von Corona: Masken mit Ornamenten, wie sie in der Alhambra, die ich besucht habe, zu finden sind. Und ich glaube, mein Vater hat sich auch sehr über das «Cervezas Alhambra»-Degustationsset gefreut. Vielleicht nicht ganz so kreativ, aber auf jeden Fall die paar zusätzlichen Kilogramm im Koffer wert.

Andrea Leardi

Outgoing Mobility Coordinator