Forschende der Universität Luzern haben beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im dritten Quartal 2014 über 1,5 Millionen Franken für ihre Projekte eingeworben. Eines der sieben Forschungsprojekte ist in einem Nationalen Forschungsschwerpunkt angesiedelt.

Gesetzliche Vertretungsrechte von Angehörigen 

Prof. Dr. Regina Aebi-Müller

Seit dem 1. Januar 2013 kennt das schweizerische Recht gesetzliche Vertretungsrechte Angehöriger urteilsunfähiger Personen. Diese Vertretung betrifft u.a. medizinische Behandlungsentscheide, d.h., die Angehörigen sind direkt zur stellvertretenden Einwilligung oder Verweigerung der Einwilligung in den Behandlungsentscheid berufen. Gegen den Vertretungsentscheid steht kein ordentliches Rechtsmittel zur Verfügung. Ziel des vorliegenden Projekts ist es unter anderem, juristischen Bedenken gegenüber gesetzlichen Vertretungsrechten nachzuspüren und für den Fall, dass diese Bedenken sich konkretisieren, mögliche Auswege aus den Problemen, die das neue Erwachsenenschutzrecht stellt, aufzuzeigen.

Projektleiterin: Prof. Dr. Regina Aebi-Müller
Projekttitel: Gesetzliche Vertretungsrechte von Angehörigen für medizinische Entscheide: juristische und psychosoziale Dimensionen
Fachbereich: Rechtswissenschaftliche Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 76'000 Franken 

Internationales Kapital und lokale Ungleichheit 

Prof. Dr. Bettina Beer

Das Projekt untersucht anhand von zwei Dörfern der Bevölkerungs- und Sprachgruppe der Wampar in Papua-Neuguinea, wie durch den Einfluss zweier kapitalintensiven Projekte zur Rohstoffbzw. Energiegewinnung – einer Kupfer-Gold-Mine und einer Holzplantage – soziale Ungleichheit auf lokaler Ebene zustande kommt. Es soll festgestellt werden, durch welche sozialen Prozesse Personen und Gruppen unterschiedlichen Zugang zu neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten erhalten und wie sie negative Begleiterscheinungen bewältigen. Ebenfalls ist es ein Ziel, zu erforschen, wie sich dadurch Geschlechter- und Generationenbeziehungen sowie Beziehungen zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen verändern. Das Team besteht neben Bettina Beer aus Postdocs sowie einer Doktorandin bzw. einem Doktoranden. 

Projektleiterin: Prof. Dr. Bettina Beer
Projekttitel: Internationales Kapital und lokale Ungleichheit. Eine Langzeituntersuchung der Wampar in Papua-Neuguinea unter dem Einfluss von zwei Grossprojekten (eine Kupfer-Gold-Mine und eine Holzplantage zur Energiegewinnung)
Fachbereich: Ethnologie, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 469'000 Franken 

Schweizer Doppelbürgerinnen und -bürger im Ausland 

Prof. Dr. Joachim Blatter

Doppelbürgerschaften sind umstritten: Gegner befürchten geteilte politische Loyalitäten, Befürworter erwarten nicht nur keine negativen Konsequenzen im Aufenthaltsland, sondern betrachten Doppelbürgerinnen und -bürger als Vorreiter einer transnationalen Demokratie. In einem ersten Forschungsprojekt wurde das politische Engagement von Doppelbürgerinnen und -bürgern in der Schweiz untersucht, in der zweiten Phase geht es nun um das politische Engagement von Schweizer Doppelbürgern im Ausland. Dabei wird stets nach dem Engagement im Aufenthaltsland, im zweiten Heimatland und auf supranationaler Ebene gefragt und mit dem Engagement derjenigen verglichen, die nur eine Bürgerschaft besitzen. 

Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Blatter
Projekttitel: Dual Citizens: Hazard or Vanguard of Democratic Citizenship at Home and Abroad?
Fachbereich: Politikwissenschaft, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 71'000 Franken  

Qualitätskriterien für Forschungsethikkommissionen  

Prof. Dr. Monika Bobbert

Medizinische Forschungsprojekte sind vor ihrer Durchführung von unabhängigen Ethikkommissionen zu prüfen. Dies dient dem Schutz der Versuchspersonen. Doch wird dieser Prüfungsprozess kaum kritisch reflektiert: Ist z.B. durch das Prozedere und die Zusammensetzung der Mitglieder gewährleistet, dass problematische Aspekte zur Sprache kommen und aus ethischer Sicht kompetent bewertet werden? Das Forschungsprojekt erarbeitet Qualitätskriterien, die aus ethischer Sicht für eine verantwortliche Kommissionsarbeit herangezogen werden sollten. Das Team besteht neben Prof. Dr. Bobbert aus Dr. Gregor Scherzinger. 

Projektleiterin: Prof. Dr. Monika Bobbert
Projekttitel: An Ethical Evaluation of Oversight Tools of Research Ethics Committees
Fachbereich: Ethik, Theologische Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 210'000 Franken 

Religionsunterricht in der Schweiz 

Prof. Dr. Monika Jakobs

Die Diskussion um den Religionsunterricht (RU) an der Schule ist anlässlich der Einführung des bekenntnisunabhängigen RU in vielen Kantonen und des Lehrplans 21 heftiger geworden. Der RU steht hierbei exemplarisch für das Verhältnis von Kirche und Staat. Seine Konzeption und seine Praxis sind Ergebnis von Machtprozessen und verschiedensten Akteurskonstellationen. Das Projekt untersucht die Entwicklung des RU ab 1945 bis heute in den beiden Kantonen Luzern und Zürich. Die historische Analyse der Vielschichtigkeit bildungspolitischer Entscheidungsprozesse trägt dazu bei, Veränderungsprozesse im Bereich religiöser Bildung besser zu verstehen und zu gestalten. 

Projektleiterin: Prof. Dr. Monika Jakobs
Projekttitel: Religionsunterricht an der Volksschule der Kantone Zürich und Luzern nach dem Zweiten Weltkrieg bis ins 21. Jahrhundert. Akteurskonstellationen und Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld des Handelns staatlicher Behörden und der Religionsgemeinschaften
Fachbereich: Religionspädagogik, Theologische Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 175'000 Franken 

Metadatenbank «Religionszugehörigkeit in Europa» 

Prof. Dr. Antonius Liedhegener

Religion ist ein Streitthema quer durch Europas Gesellschaften. Aktuelle und verlässliche Daten zur Religionszugehörigkeit sind aber für viele Länder nicht verfügbar. Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt soll dies ändern. Mithilfe einer im Rahmen des Projekts zu programmierenden, internetbasierten Metadatenbank wird es erstmals möglich, die vorhandenen Zahlen Land für Land zu erfassen, sie auf ihre Struktur, Herkunft und Qualität zu analysieren und dann verlässliche Länderdaten zur Religionszugehörigkeit für 2000 und 2010 vorzulegen. Die SMRE setzt dazu auf eine breite interdisziplinäre und internationale Kooperation mit Partnern wie die ETH Zürich und die PEW-Foundation. 

Projektleiter: Prof. Dr. Antonius Liedhegener
Projekttitel: Swiss Metadatabase of Religious Affiliation in Europe (SMRE)
Fachbereich: Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP), Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 370'000 Franken
Früherer Artikel zum Thema

Anreizorientierte Instrumente der Energiepolitik 

Prof. Dr. Simon Lüchinger

Das im Nationalen Forschungsprogramm «Steuerung des Energieverbrauchs» (NFP 71) angesiedelte Projekt beabsichtigt, Effekte wichtiger anreizorientierter Instrumente der Energiepolitik in den Schweizer Kantonen empirisch zu ermitteln. Einerseits sollen die Auswirkungen ökologischer Motorfahrzeugsteuern auf den Fahrzeugkauf und das Fahrverhalten untersucht werden, anderseits die Auswirkungen der baselstädtischen Elektrizitätsabgabe auf den Energiekonsum und die Verteilungsaspekte. Ziel ist es, Lehren aus den Erfahrungen der Kantone für die Weiterentwicklung der Energiestrategie 2050 des Bundes zu ziehen und damit einen Beitrag zu einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung in der Energiepolitik zu leisten. 

Projektleiter: Prof. Dr. Simon Lüchinger
Projekttitel: Tax Incentives for Reducing Energy Consumption. An Empirical Evaluation of Tax Reforms in Swiss Cantons
Fachbereich: Ökonomie, Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Eingeworbene Summe (gerundet): 177'000 Franken 


Quelle: uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 49, Dezember 2014.
Artikel als pdf downloaden