Boris Previšic, SNF-Förderprofessor für Literatur- und Kulturwissenschaften, geht mit seinem Team musikalischen Paradigmen in Literatur und Kultur auf den Grund. Dabei sucht er den Dialog zwischen der Wissenschaft und den Künsten.

Musisches Forschungsteam (v.l.): Boris Previšic, Silvan Moosmüller und Laure Spaltenstein vor dem KKL Luzern. (Bild: Dave Schläpfer)

Mit dem musischen Dreiergespann Boris Previšic, Laure Spaltenstein und Silvan Moosmüller hat die Musik ins Seminar für Kulturwissenschaften an der Universität Luzern Einzug gehalten. Einführungen zu Konzerten des Lucerne Festivals sowie des Sinfonieorchesters Luzern wurden bereits realisiert, und einmal im Monat lädt der SNF-Lehrstuhl ein, nach einer Einführung gemeinsam Opern aus dem 18. Jahrhundert anzusehen. Tagungen mit Grössen aus Literatur und Musik sind geplant, Konzertreihen
vorgesehen.

Eingespieltes Team

Seit Januar 2015 hat Previšic die SNF-Förderprofessur für Literatur- und Kulturwissenschaften inne und leitet das Projekt "Musikalische Paradigmen in Literatur und Kultur" mit Schwerpunkt im Zeitalter der Aufklärung und in der Gegenwart (siehe früherer Artikel). Auf das Querflöte-Studium in Paris folgte das Studium der Germanistik sowie der französischen und vergleichenden Literaturwissenschaft. Seine Dissertation verfasste der dreifache Familienvater zu "Hölderlins Rhythmus" und habilitierte sich zur literarischen Rezeption der postjugoslawischen Kriege. 2013 erhielt er die Venia Legendi in Neuerer Deutscher und Vergleichender Literaturwissenschaft der Universität Basel. Postdoc Laure Spaltenstein studierte in Basel und Berlin Musikwissenschaft und Lateinische Philologie und hat mit 28 Jahren ihre Doktorarbeit zur "Begriffsgeschichte der musikalischen Aufführung im 19. Jahrhundert" eingereicht; sie wird im Rahmen des SNF-Projekts ihre Habilitation verfassen. Silvan Moosmüllers Masterarbeit "Zwischen Schmutz und Möglichkeitssinn. Joseph Roths Geopoetik des Sumpfes" ist soeben erschienen; den 2014 bei Transcript veröffentlichten Sammelband "Geräusch – das Andere der Musik" hat er mitherausgegeben. Nun stellt der Literatur- und Musikwissenschaftler die Weichen für sein nächstes Buch, die Doktorarbeit. Neben ihrer ambitionierten Forschungstätigkeit
sind Previšic, Moosmüller und Spaltenstein allesamt musikpraktisch tätig.

Das einander zugeneigte Forschungsteam fand bereits vor mehreren Jahren zusammen. "Silvan habe ich bereits als Studenten kennengelernt, Laure wiederum traf ich auf Silvans Vorschlag hin vor zwei Jahren in Berlin und fand, dass sie wunderbar passt. Es ist ein Privileg; als ich meinen Antrag in Bern verteidigt habe, konnte ich bereits von unserem Projekt sprechen – ich konnte mit einem gemachten Team nach Luzern kommen», so Previšic. Die Entscheidung, nach Luzern zu kommen, sei in erster Linie eine emotionale gewesen, meint der Literaturwissenschaftler und Konzertflötist. "In unserer Forschung steht der Diskurs im Zentrum, nicht ein Fach. Wir besetzen dieselben Schnittstellen – es ist eine Luzerner Spezialität, durch das Gefäss der Kulturwissenschaften eine solche Interdisziplinarität um einen ästhetischen Schwerpunkt zu ermöglichen. Andernorts hätten wir nicht gewusst, wo wir uns platzieren sollen."

Inspiration durch Austausch

Dass der Austausch mit den Künsten Energien freisetzt, davon sind Boris Previšic und seine Forschungsmitarbeitenden überzeugt. «Wir wollen das Terrain des übergreifenden Dialogs zwischen Wissenschaft und Kunst ausloten», meint Silvan Moosmüller. Mit der zweiteiligen Tagung "Akustische Ephemeritäten", die in Zusammenarbeit mit Marianne Sommer und Monika Dommann (Universität Zürich) 2014 im KKL Luzern und an der Musikakademie Basel stattfand, wurde ein erster Schritt in diese Richtung gemacht. Der Flüchtigkeit des Akustischen und verschiedenen Möglichkeiten, dieser habhaft zu werden, näherten sich Wissenschaftlerinnen und Musiker aus der Schweiz und aus Deutschland durch die Verknüpfung von wissenschaftlichen Beiträgen und künstlerischen Darbietungen an. Vorträge, Konzerte, Installationen und Lesungen reichten einander die Hand, die unterschiedlichsten Disziplinen beleuchteten, unterwanderten und stimulierten einander.

Kurz und übersprudelnd ist unser Gespräch – nach einer hitzigen Diskussion in ihrem gemeinsamen Seminar eilten Previšic und Moosmüller herbei, nach vierzig Minuten trennen wir uns wieder; Previšic ist mit einem Studenten aus dem Politikwissenschaftlichen Seminar verabredet, der sich den neuen Professor als Experten ausgesucht hat, um in seinem Lektürekreis die Schnittstelle von Politik und Literatur zu ergründen. Laure Spaltenstein und Silvan Moosmüller wiederum gehen dem See entlang spazieren, vielleicht, um einfach nur die Nase in die Sonne zu halten oder aber den nächsten musikalischen Streich auszuhecken.

 

Quelle: uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 51, April 2015.
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