Johannes Saal und Lukas Tobler erhalten für ihre Dissertationsprojekte Unterstützung vom Schweizerischen Nationalfonds. Dies ist auch eine Bestätigung dafür, dass die Bemühungen zur Förderung des akademischen Nachwuchses an der Universität Luzern Früchte tragen.

Lukas Tobler (vorne) und Johannes Saal.

Das im Rahmen von Doc.CH unterstützte Projekt von Johannes Saal trägt den Titel "The Dark Social Capital of Religious Terrorists: Analyzing Radicalization, Recruitment and Dynamics of Jihadist Networks in Europe" (dt. "Das bindende Sozialkapital religiöser Terroristen. Radikalisierung, Rekrutierung und Dynamiken dschihadistischer Netzwerke in Europa"). Saals Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion im Masterstudiengang Religion – Wirtschaft – Politik des Zentrums für Religion, Wirtschaft und Politik. Der vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bewilligte Förderzeitraum beträgt dreieinhalb Jahre; gesprochen wurde ein Beitrag von 211'000 Franken.

Wechselwirkung Religion – Terrorismus

Mitglieder terroristischer Organisationen müssen kooperieren, um Ressourcen zu mobilisieren und ihre ideologischen und strategischen Ziele zu realisieren: Soweit der Ausgangspunkt der Überlegungen. Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, welche Rolle dabei ein gemeinsames Wertesystem und Gruppendynamiken spielen. Mittels einer innovativen Anwendung der Sozialkapitaltheorie auf dschihadistische Netzwerke in Deutschland, der Schweiz und Österreich soll zudem ein empirischer Beitrag zum besseren Verständnis der Wechselwirkung von Religion und Terrorismus – ein nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema – geleistet werden. Im Rahmen der Förderung plant Johannes Saal, ein bis zwei Semester an der Naval Postgraduate School in Monterey (USA) zu verbringen, wo sein Zweitbetreuer Sean F. Everton, einer der wenigen Experten zu sozialer Netzwerkanalyse in der Terrorismusforschung, forscht und lehrt.

Banken im Wandel der Zeit

Lukas Tobler verfasst seine Dissertation zum Thema "Die Politisierung der Schweizer Banken in den 1980er-Jahren". Er hat einen Beitrag für drei Jahre erhalten; die vom SNF bewilligte Summe beträgt 183'000 Franken. Seine Arbeit wird betreut von Prof. Dr. Daniel Speich Chassé, SNF-Förderprofessor für Geschichte mit Schwerpunkt Neueste Zeit. Im Zentrum der Untersuchung steht die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Relevanz der Schweizer Banken für die Schweizer Wirtschaft und Politik und deren Veränderung im Verlauf der 1980er-Jahre. "Dieses Jahrzehnt hat einen fundamentalen Wandel im Verhältnis zwischen Finanzplatz Schweiz, Staat und öffentlicher Wahrnehmung nach sich gebracht", so Tobler. "Dieser Wandel zeigte sich in der zunehmenden Thematisierung der Banken in der (innen-)politischen Auseinandersetzung und einer gleichzeitigen, verstärkten Einflussnahme der Banken in die politischen Entscheidungsprozesse." Diesen Prozess der Politisierung des Schweizer Finanzplatzes beleuchte die Arbeit mit wirtschafts- und politikgeschichtlichen Aspekten auf neue Art und Weise.

Zum Erhalt des Doc.CH-Beitrags sagt Lukas Tobler: "Das ist für mich ein wichtiger Schritt für meine wissenschaftliche Karriere und gibt mir die Freiheit, an meinem eigenen Projekt zu forschen und zu arbeiten."

Erfolg nach Anschubfinanzierung

Sowohl Tobler als auch Johannes Saal hatten im März 2015 eine Anschubfinanzierung der Graduate School of Humanities and Social Sciences (GSL), dem strukturierten Doktoratsprogramm an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, von je 30'000 Franken erhalten (Newsmeldung vom 18. März 2015). Ziel dieses Unterstützungsinstruments ist es, aussichtsreichen Nachwuchsforschenden finanziellen Spielraum zu verschaffen, damit sie einen Förderantrag für eine Drittmittelinstitution ausarbeiten und einreichen können, um so – bei positivem Bescheid – auf entlöhnter Basis promovieren zu können. Das haben Saal und Tobler geschafft, und zwar in einem kompetitiven Umfeld: Total 21 Doc.CH-Beiträge (15 in den Geisteswissenschaften, zu denen Lukas Toblers Projekt zählt, und 6 in den Sozialwissenschaften, wo Johannes Saals Studie verortet ist) wurden vergeben; eingegangen waren 81 Gesuche (50 in den Geistes- und 31 in den Sozialwissenschaften).

Prof. Dr. Marianne Sommer, Professorin für Kulturwissenschaften und Vorstandsvorsitzende der Graduate School, sagt dazu: "Gleich drei von unseren Anschubfinanzierungen haben beim ersten Versuch zum Erfolg geführt – das freut uns sehr." Sie nimmt damit neben Saal und Tobler Bezug auf Rebekka Khaliefi: Diese kann ihre Dissertation im Rahmen des SNF-Projekts "Biographische Prozesse von religiöser Um- und Neuinterpretation: Vietnamesisch-buddhistische junge Erwachsene in der Schweiz und in Deutschland" (Religionswissenschaften; Leitung: Prof. Dr. Martin Baumann) verfassen.

Neue Projekte: Politik- und Religionswissenschaft

Lea Portmann (l.) und Andrea Zimmermann.

Per 1. April hat die GSL zwei weitere Anschubfinanzierungen gesprochen. Den Zuschlag erhielten Lea Portmann (Politikwissenschaft; Betreuung: Prof. Dr. Joachim Blatter) und Andrea Zimmermann (Religionswissnschaft; Prof. Dr. Martin Baumann).

Portmanns Projekt trägt den Titel "Ethnische Pluralität in der Schweiz – auch in der Politik? Ein Erklärungsversuch anhand politisch-institutioneller Faktoren". Zimmermann befasst sich mit "Thailändisch-schweizerische Ehen: Beitrag und Bedeutung von buddhistischer Religiosität zur Bewältigung der Lebenssituation von thailändischen Heiratsmigrantinnen in der Schweiz".

Quelle: News vom 22. März 2016

Auch publiziert in uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 55, Mai 2016, S. 4–5.
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