Die Förderprofessur von Daniel Speich Chassé läuft neu bis 2017. Der Historiker wird mit seinen drei Mitarbeitenden das Forschungsprojekt "Statistik zwischen Kolonialherrschaft und 'Global Governance'" weiterführen, das die Wirkung von quantitativen Statistiken in der Weltpolitik untersucht. 

Prof. Dr. Daniel Speich Chassé.

Prof. Dr. Daniel Speich Chassé hat seine Arbeit an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern 2011 begonnen. Jetzt wurde seine Förderprofessur im Bereich Geschichte mit Schwerpunkt Neueste Zeit vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) um zwei Jahre verlängert.

Zu diesem Erfolg sagt Speich: "Ich bin sehr froh über die grosszügige Unterstützung durch den Nationalfonds. Zahlen über die ganze Welt sind heute sehr verbreitet, aber niemand weiss, woher sie kommen, und was sie mit der kolonialen Vergangenheit zu tun haben."

Fokus der Untersuchung ausgeweitet

Im Fokus von Speichs Forschungsprojekt "Statistik zwischen Kolonialherrschaft und 'Global Governance'" steht der Übergang von den Kolonialreichen zu den neuen Staaten in Afrika. Beim Aufbau dieser Nationalstaaten waren die vergleichenden quantitativen Statistiken wichtig, die von den internationalen Organisationen ab den 1940er-Jahren erhoben wurden. Zunächst trug das Projekt den Titel "Makroökonomisches Wissen und internationale Organisation". Im Laufe der vergangenen vier Jahre hat sich der Fokus über die Wirtschaftsstatistik hinaus ausgeweitet z.B. auch auf die Bevölkerungsstatistik und die Migration. Dazu sagt Prof. Dr. Daniel Speich Chassé: "Es ist interessant zu sehen, dass die Kolonialmächte kaum Bescheid wussten, wie viele Menschen unter ihrer Herrschaft standen und was diese genau taten. Mit der Veränderung der Machtstrukturen ging auch ein Wandel des Wissens einher."

Beim Projekt als Forschungsmitarbeitende dabei sind Patricia Hongler, Samuel Misteli und Yann Stricker, die in diesem Rahmen bei Speich ihre Dissertationen verfassen. Sie untersuchen die Wissensproduktion und die Rolle von Experten im Uno-System, in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Daniel Speich Chassé wurde 1969 in Kibuye, Rwanda, geboren und ist in der Schweiz und in Kenya aufgewachsen. Er hat an der Universität Zürich Geschichte, Philosophie und Ethnologie studiert und war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der ETH. Das Jahr 2007 verbrachte er als Visiting Scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. 2008/09 war er Fellow am institut d´études avancées (IEA) in Nantes und Gastprofessor an der Université de Nantes, Frankreich. Neben seiner Förderprofessur ist er seit 2012 Privatdozent an der Universität Zürich.

Zurzeit vier Förderprofessuren

Bei den SNF-Förderprofessuren handelt es sich um ein Förderinstrument, das es ausgezeichneten Nachwuchsforschenden erlaubt, an einer Hochschule ihrer Wahl mit einem selbst zusammengestellten Team ein eigenes Forschungsprojekt durchzuführen. An der Universität Luzern gibt es zurzeit neben Speich Chassé drei weitere Förderprofessorinnen und -professoren, allesamt an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät: Christine Abbt (Philosophie, Mai 2015–2019), André Bächtiger (Politikwissenschaft, 2010–2016) und Boris Previšić (Literatur- und Kulturwissenschaften, 2014–2018). (Zu diesen Förderprofessuren siehe auch den entsprechenden Artikel in "Fokus Forschung".) 

 

Quelle: News vom 12. März 2015
Auch publiziert in uniluAKTUELL, das Magazin der Universität Luzern, Ausgabe 51, April 2015.
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