Veronika Kanf am Centre for Medieval Studies der University of Bristol
An der diesjährigen Konferenz des Centre for Medievals Studies (CMS) der University of Bristol nahm Veronika Kanf als Referentin teil. Thema der Konferenz war die interdisziplinäre Perspektive auf "Power and Performance".
Die Tagung für Mittelalterstudien fand vom 30.03. bis zum 01.04.2026 zum Thema “Power and Perfomance” statt. Aus den verschiedenen Disziplinen der Mittelalterstudien - Literatur, Sprache, Recht, Wirtschaft, Theologie, Kunst und viele weitere - wurden Fragen zum Verhältnis von Macht und deren Performanz behandelt: Wie gingen Menschen mit ihrer eigenen Macht um und wie reagierten sie auf Machtverhältnisse? Wie drückte sich (imperiale) Macht in Sprache, Literatur und Kunst aus? Wie wurden Machtdiskurse geführt und rückblickend erzählt? Welche unterschiedlichen Machtstrategien gab es in Bezug auf Recht, kirchliche Institutionen und weltliche Herrschaft?
Veronika Kanf konnte einen Beitrag ihrer gegenwärtigen Forschung im Panel “Sacred Rituals” (geleitet von Dr. Simon Parsons, University of Bristol) präsentieren. Unter dem Titel “The power of grace. Benedictine performances of sacred authority of the pilgrimage sites of Canterbury and Einsiedeln” stellte sie eine Vergleichsstudie vor, wie die Benediktinergemeinschaften im englischen Canterbury und im schweizerischen Einsiedeln den Zugang zu den Wallfahrtsstätten (das Grab des Hl. Thomas Becket und das Gnadenbild der Schwarzen Madonna) seit Beginn der Wallfahrt kontrollierten. Ein wesentliches Moment der Kontrolle war der Gnadenvollzug und die Einhaltung liturgischer Rituale, die nur durch einen Kleriker richtig gewährleistet werden konnte. Im theologischen Weitblick wird damit auch ein zeitgemässes, im Hoch- und Spätmittelalter umstrittenes Konzept der Wirksamkeit der Sakramente diskutiert.
Der Vortrag gliederte sich so in die auf der Tagung vielfach besprochene These ein, dass der Machtvollzug wesentlich vom Verhältnis von Akteur:innen und Rezipient:innen in deren gesellschaftlicher Einbindung abhing. Die Auswirkung von strategisch-politischer Macht traf dabei an der Oberfläche gesellschaftliche Schichten je unterschiedlich stark, wobei marginalisierte Gruppen - sozial und ökonomisch Bedürftige sowie Notleidende - die Auswirkungen des Machtvollzuges spürten. Die Reflexion in Kunst- und Kulturgeschichte zeigten jedoch, wie schnell Personen aller Schichten und Gruppen in die Situation existenzieller Bedrohung und damit in die Abhängigkeit von Machtstrukturen geraten konnte. An dieser Stelle wurden so auch die Gegenwartsbezüge zu vulnerablen Gesellschaften deutlich.
Das Centre for Medieval Studies der University of Bristol besteht seit 1994 und ist eine herausragende Institution für interdisziplinäre Mittelalterstudien. Ein besonderer Verdienst kommt ihr in der kontinuierlichen Förderung des akademischen Nachwuchs (Post-Graduate Research) zu. Die PGR-Konferenz ist ein eindrückliches Beispiel dafür und die älteste ihrer Art in UK.
Veronika Kanf ist seit 2023 wissenschaftliche Assistentin und Doktorandin an der Professur für Kirchengeschichte. Ihre Disseration verfasst sie zum Thema “Die Anfänge der Volksmission in der deutschsprachigen Schweiz (16. bis 18. Jh.)”.

