Erfolgreicher 33. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot
Nach rund sieben Monaten intensiver Vorbereitung fand der 33. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot im Frühjahr 2026 in Wien seinen feierlichen Abschluss. Auch in diesem Jahr stellten sich Studierende der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern der Herausforderung eines der weltweit renommiertesten Studierendenwettbewerbe im internationalen Handelsrechts und in der Schiedsgerichtsbarkeit.

Die Universität Luzern wurde in diesem Jahr von den Masterstudierenden Fabian Rigert, Fiona Maissen, Yaël Maeva Hauenstein, Neisa Rosenheim, Gaia Cassina und Selim Gautschi vertreten. Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot ist ein jährlich ausgetragener Wettbewerb, der ein internationales Schiedsverfahren im UN-Kaufrecht (CISG) simuliert. Über 2'500 Studierende von mehr als 400 Universitäten aus aller Welt nahmen daran teil und übernahmen dabei die Rolle von Parteivertreterinnen und -vertretern.
Der Wettbewerb begann im Oktober 2025 mit der Veröffentlichung des diesjährigen Falles. In den darauffolgenden Monaten setzten sich die Teilnehmenden vertieft mit komplexen Rechtsfragen auseinander und verfassten sowohl eine Klageschrift als auch eine Klageantwort. Ab Februar 2026 begann die mündliche Phase, in der die Studierenden ihre Argumente in Plädoyers weiter geschärft und verfeinert haben. Dieser Wettbewerb bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre juristische Argumentationsfähigkeit, ihre sprachliche Präzision sowie ihre Team- und Auftrittskompetenzen in einem praxisnahen Umfeld gezielt weiterzuentwickeln.
Der diesjährige Fall: Schadenersatzansprüche aus einem internationalen Kaufvertrag über Vanilleorchideen
Der fiktive Fall drehte sich um einen grenzüberschreitenden Handelsstreit bezüglich des Verkaufs seltener Vanilleorchideen. Im Zentrum stand ein Liefervertrag zwischen einem Unternehmen, das auf den Anbau seltener Orchideenarten spezialisiert ist (die Klägerin), und einem weltweit tätigen Lebensmittel- und Gewürzkonzern (die Beklagte). Die Parteien vereinbarten die Lieferung von 3’000 Orchideen, welche die Beklagte für ihre industrielle Vanilleextraktion benötigte.
Der entscheidende Wendepunkt trat ein, als sich der internationale Schutzstatus der Vanilleorchideen im Rahmen des CITES-Übereinkommens nachträglich änderte. Die daraus folgende Neuklassifizierung führte zu verschärften Einfuhrbestimmungen und einer strikten Einfuhrgenehmigungspflicht. Unter Berufung auf diese regulatorischen Handelsbeschränkungen verweigerte die Beklagte, die Orchideen zum vereinbarten Zeitpunkt anzunehmen. Daraufhin hob die Klägerin den Vertrag auf und tätigte einen verlustbringenden Deckungsverkauf. In einem anschliessenden Schiedsverfahren machte sie den daraus resultierenden Differenzschaden geltend. Für dieses Verfahren nahm die Klägerin finanzielle Unterstützung eines externen Prozessfinanzierers in Anspruch.
Vor diesem Hintergrund ergaben sich komplexe Rechtsfragen, mit denen sich die Studierenden vertieft auseinandersetzten: Wurde das Schiedsverfahren nach der richtigen Fassung der SIAC-Schiedsgerichtsordnung eingeleitet? Muss die Klägerin ihre Vereinbarung mit dem Prozessfinanzierer offenlegen? Liegt das Risiko der Änderung der Einfuhrbestimmungen von Vanilleorchideen beim Käufer oder Verkäufer? Ist die Beklagte aufgrund höherer Gewalt von der Haftung befreit? Und schliesslich: War der Deckungsverkauf angemessen, und wurde der Schaden korrekt berechnet?
Diese und weitere spannende Fragen aus dem internationalen Schiedsrecht und dem UN-Kaufrecht bildeten den Kern des diesjährigen Falles.
Von erfolgreichen Pre-Moots in Freiburg, Helsinki, Lissabon und Kopenhagen bis hin zum Finale in Wien
Zusätzlich zu zahlreichen Trainingsplädoyers in Schweizer Anwaltskanzleien hat das Luzerner Team an vier internationalen Pre-Moots teilgenommen und reiste hierfür nach Fribourg, Helsinki, Lissabon und Kopenhagen. Diese Pre-Moots boten den Studierenden die wertvolle Gelegenheit, sich frühzeitig mit Teams aus aller Welt zu messen, unterschiedliche Präsentationsstile kennenzulernen und ihre Argumente unter realitätsnahen Bedingungen weiterzuentwickeln. Zugleich boten die Reisen den Studierenden die Gelegenheit, internationale Freundschaften zu knüpfen und das jeweilige lokale Ambiente kennenzulernen, was den internationalen Charakter des Wettbewerbs unmittelbar erlebbar machte.
Den Höhepunkt des Wettbewerbs bildete schliesslich die Finalwoche in Wien, wo sich mehrere tausend Studierende, Coaches und Praktizierende aus aller Welt versammelten. In den mündlichen Verhandlungen vertraten die Teilnehmenden sowohl die Kläger- als auch die Beklagtenseite und stellten sich den kritischen Fragen erfahrener Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.
Neben dem fachlichen Wettbewerb stand auch in diesem Jahr der internationale Austausch im Zentrum. Gerade die Begegnungen mit Teilnehmenden aus unterschiedlichsten Rechtsordnungen und Kulturen machten den Vis Moot zu einer einzigartigen und prägenden Erfahrung für die Studierenden.