(Markt)machtlose Landwirtschaft: Agrarwettbewerbsrecht im Fokus
(Markt)machtlose Landwirtschaft: Rückblick auf das Kolloquium zu Ehren von Paul Richli
Anlässlich des 80. Geburtstags von Prof. em. Dr. iur. Paul Richli, dem ehemaligen Rektor und Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern, richtete das Luzerner Institut für Wirtschaft und Regulierung – WiRe am 21. Januar 2026 ein feierliches Kolloquium aus.
Unter dem Titel „(Markt)machtlose Landwirtschaft: Agrarwettbewerbsrecht im Fokus“ widmete sich die Veranstaltung den Herausforderungen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Wettbewerbs im Agrarsektor – einem Themenfeld, das an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Recht, Wettbewerbsrecht und nachhaltiger Wirtschaftspolitik liegt.
Nach der Registrierung begrüsste Prof. Dr. Klaus Mathis, Ordinarius für Öffentliches Recht, Recht der nachhaltigen Wirtschaft und Rechtsphilosophie sowie leitender Direktor des WiRe, die zahlreichen Gäste aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. Er würdigte Paul Richlis prägenden Beitrag zum Aufbau der Luzerner Rechtswissenschaftlichen Fakultät und seine Verdienste für die Verbindung von Rechtswissenschaft und gesellschaftlich relevanter Themen.
In die agrarrechtliche Thematik des Geburtstagskolloquiums führte Prof. Dr. Dr. h.c. Roland Norer, Ordinarius für Öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raums an der Universität Luzern, ein. Er betonte die besondere Relevanz des Agrarsektors als wirtschaftlicher und sozialer Grundpfeiler, der jedoch zunehmend unter Wettbewerbs- und Preisdruck steht.
Den wissenschaftlichen Auftakt bildete das Referat von Dr. Laura Melusine Baudenbacher, Präsidentin der Wettbewerbskommission (WEKO) und Rechtsanwältin bei Baudenbacher Law AG. Unter dem Titel „Agrarkartellrecht – Eine Contradictio in Adiecto?“ beleuchtete sie die Spannungsfelder zwischen Marktorganisation, Wettbewerbsbeschränkungen und staatlicher Regulierung im Agrarbereich.
Anschliessend sprach Prof. Dr. Rudolf Mögele (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) über das „Agrarwettbewerbsrecht in der Europäischen Union“. Er stellte die besonderen Strukturen des europäischen Agrarsektors vor und erläuterte, wie das Wettbewerbsrecht in der EU auf die Balance zwischen Marktöffnung und Schutz landwirtschaftlicher Produzenten ausgerichtet ist.
Nach der Kaffeepause führte Prof. Dr. Mathias Binswanger (Fachhochschule Nordwestschweiz) das Publikum mit seinem Vortrag „Viel Arbeit für wenig Geld: Warum die Landwirtschaft auf dem freien Markt nicht überlebt“ in eine ökonomische Analyse der strukturellen Marktprobleme der Landwirtschaft ein. Er zeigte auf, wie Überproduktion, Preisdruck und globale Konkurrenz das Einkommen der Landwirte zunehmend unter Druck setzen.
In der abschliessenden Diskussion, moderiert von Dr. Lucy Keller (Universität Luzern), wurden die in den Referaten angesprochenen Fragen erörtert. Dabei wurde deutlich, dass das Agrarwettbewerbsrecht in einem Spannungsfeld zwischen marktwirtschaftlicher Effizienz, sozialer Verantwortung und ökologischer Nachhaltigkeit steht.
Das Kolloquium endete mit einem Apéro, der Gelegenheit zu weiteren Gesprächen und persönlichen Gratulationen bot. In einer würdigenden Atmosphäre blickten Kolleginnen, Kollegen und Weggefährten auf das Schaffen von Prof. Paul Richli zurück, dessen Engagement die Universität Luzern und die schweizerische Rechtswissenschaft bis heute nachhaltig prägt.






