Lage

Kirche Maria Himmelfahrt

Zürich, Schwamendingen. Direkt neben der grossen Überlandstrasse, umgeben von Wohnhäusern, befindet sich die serbisch-orthodoxe Kirche «Maria Himmelfahrt». Das Gebäude selbst wirkt wie aus einer anderen Welt mit seiner Kuppel und den verschnörkelten Marmorsäulen um den Eingangsbereich. An die Kirche ist ein Wohnhaus angeschlossen, in dem die Priester der Gemeinde wohnhaft sind. Die Kirche wurde ursprünglich von der neuapostolischen Gemeinde erbaut und dann im Stil des orthodoxen Christentums umgebaut. 

Baugeschichte und Grund der Sichtbarmachung

Die innen bemalte Kuppel über dem Altarraum.

Dekan Miroslav Simijonovic berichtet: «Zunächst haben wir die Neuapostolische Kirche in Dietlikon für drei Monate gemietet. Danach konnten wir von der Neuapostolischen Kirche deren damals leerstehende Kirche in Zürich-Schwamendingen übernehmen. Aus finanziellen Gründen haben wir diese zunächst während einem Jahr gemietet und diese danach im Juni 2006 offiziell erworben.» 

Der Umbau des Gebäudes wurde geplant und im Jahr 2007 begann man mit dem Aushub für die Anbauten. Anschliessend stockte das Projekt jedoch, weil ein Nachbar Einsprache erhob. Diese bezog sich auf den Kerzenraum, der genau bis zur Grundstückgrenze gebaut werden sollte, was nach Schweizer Baugesetz die Zustimmung des Nachbarn erfordert. Nach einigen Monaten entschied sich die Bauherrschaft, einen Schweizer Architekten einzustellen, um das Bauvorhaben schneller voran zu treiben. Schliesslich konnte man sich mit dem Nachbarn einigen und Ende 2009 mit dem Umbau der Kirche beginnen. Ob die Arbeiten wie geplant Anfang 2013 abgeschlossen werden, ist für Simijonovic zweitrangig: «Die Renovationsarbeiten gehen leider langsamer vorwärts, als gewünscht. Aber wir können nur so viel Geld investieren, wie uns zur Verfügung steht. Man muss dies realistisch und objektiv betrachten. Es ist für uns keine Priorität, die Kirche so schnell wie möglich zu renovieren, vielmehr legen wir Wert darauf, die Kirche qualitativ gut umzubauen.»

Da der Um- und Ausbau der Kirche von keinen gewichtigen Geldgebern finanziell unterstützt wurde, wurde das Bauprojekt fast ausschliesslich durch Spenden der Gottesdienstbesucher realisiert. Die Kuppel beispielsweise wurde von Kirchgemeindemitgliedern gratis erbaut. 

Gesichter zum Gebäude

Pater Miroslav Simijonovic (rechts) und Pater Branimir Petkovic vor der Ikonostase.

Miroslav Simijonovic ist der Dekan der Kirche. Die priesterlichen Aufgaben teilt er sich mit Branimir Petkovic: «Wir zelebrieren zusammen. Am Sonntag leitet ein Priester den Gottesdienst und der andere nimmt die Beichte ab und hält die Predigt. In der darauffolgenden Woche wechseln wir uns dann ab.» Beide sind vollberuflich in der Kirche tätig und kümmern sich auch administrativ um den Umbau des Gebäudes. 

Nachbarschaft und Konflikte

Die Gemeinde pflegt nach eigenem Bekunden ein sehr gutes Verhältnis zur Nachbarschaft. Auch zu den anderen christlichen Kirchen in der Umgebung hält man Kontakt und feiert ab und zu zusammen Gottesdienst. Einzig die wenigen Parkplätze stellen immer mal wieder ein Problem dar. So beklagen sich Anwohner an manchen Tagen mit vielen Gottesdienstbesuchern darüber, dass auf ihren Grundstücken parkiert wird. Einmal wurde in der Kirche eingebrochen. Die Kirchgemeinde geht davon aus, dass es sich dabei um einen ‹orthodoxen Dieb› handelte, denn es wurden Reliquien gestohlen, die keinen materiellen, dafür einen hohen spirituellen Wert besitzen. 

Religiöse Tradition

Eine Ikone über der Treppe zum Gebetsraum.
Die Ikonostase im Gebetsraum der Kirche.

Weltweit zählt die orthodoxe Kirche ca. 150-170 Millionen Gläubige. Obwohl heute 16 verschiedene orthodoxe Kirchen bestehen, verstehen sich diese auf einer theologischen Ebene als unteilbare Kirche. Ihre gemeinsame Lehrgrundlage sind die Beschlüsse der sieben ökumenischen Konzilien (bis und mit dem Zweiten Konzil in Nizäa, 787 n. Chr.). Folglich teilt sie die bis dahin akzeptierten Konzilbeschlüsse auch mit der römisch-katholischen Kirche. Gleichwohl mündeten die schon lange bestehenden Rivalitäten und Gegensätze zwischen dem «Ökumenischen Patriarchen und Erzbischof von Konstantinopel» einerseits und der römischen Reichskirche anderseits 1054 ins «Morgenländische Schisma», der bis heute nicht überwundenen Kirchenspaltung zwischen römisch-katholischer und orthodoxer Kirche.

Kennzeichnend ist, dass die orthodoxen Kirchen «autokephal» sind, d. h. ihr jeweiliges Oberhaupt, den Patriarchen, Katholikos oder Erzbischof, selbst wählen. Damit widersetzen sich die orthodoxen Kirchen den Ansprüchen des römischen Papsttums auf den Jurisdiktionsprimat (direkte Verfügungsgewalt) und auf «Unfehlbarkeit» des Papstes in Lehrentscheidungen. Für die orthodoxen Kirchen liegt die Unfehlbarkeit in der ganzen Kirche begründet und kann nur in einem aufwändigen Prozess ermittelt werden. Weitere Differenzen gegenüber den anderen Kirchen betreffen die Rolle der Sakramente und die Rechtfertigungslehre (Verständnis der Erbsünde und der Gnade Gottes).

«Orthodox» bedeutet «rechtgläubig», die orthodoxe Kirche sieht ihre Aufgabe in der Repräsentation der «unverfälschten Überlieferung der Kirche der Apostel». Zu den zentralen Themen des orthodoxen Glaubens gehören das Wirken des heiligen Geistes, die «Gottwerdung» des Menschen (Theosis) und das Verständnis der «Heiligung des gesamten Kosmos» (Metamorphosis). Die Seelsorgepriester sind in der Regel verheiratet, können aber als Witwer nicht erneut heiraten. Die Bischöfe hingegen sind ehelos und werden meistens aus dem Mönchtum gewählt. Die Klöster haben seit frühester Zeit eine wichtige Bedeutung und gelten als Zentren der Bewahrung von religiöser und kultureller Identität.

Die Orthodoxie sieht sich nicht in erster Linie als belehrende, sondern als Gott preisende Gemeinschaft, deren Theologie Erfahrungscharakter hat. Die Liturgie hat im orthodoxen Glauben eine zentrale Stellung und soll alle Sinne ansprechen. Die «heilige und göttliche Liturgie», der orthodoxe Gottesdienst, dauert bis zu mehreren Stunden, wobei die Gläubigen üblicherweise stehen. Gesänge, als Gebete aufgefasst, nehmen breiten Raum ein und werden oft von geschulten Chören gepflegt. Instrumente sind hingegen nicht erlaubt. Eine Ikonostase (Bilderwand) trennt bzw. verbindet die Gläubigen, die im Kirchenschiff stehen, mit dem Altar, an dem sich Priester, Diakon und Altardiener befinden. Das Kirchenschiff symbolisiert das Irdische, die Welt der Menschen, der Altar hingegen steht im «Himmelreich Gottes». Während der Liturgie tritt der Priester stellvertretend für die Gemeinde durch die geöffnete «Königstür», das mittlere Tor der Ikonostase, an den Altar der Apsis. Kerzen und Weihrauch, ein Symbol für den «Duft des Himmels», gehören ebenfalls fest zur Liturgie als sinnlicher Erfahrung.

Die Beziehung der serbischen Kirchgemeinden untereinander ist derzeit nicht unproblematisch. In Zürich bestehen aufgrund von Uneinigkeiten über den Bischof für Mitteleuropa, Konstantin Dokic, derzeit zwei Pfarreien. Die zweite Pfarrei (Kirche Heilige Dreifaltigkeit) befindet sich an der Elisabethenstrasse 20, 8004 Zürich. 

Besonderheiten

Der neu angebaute Kerzenraum im Erdgeschoss der Kirche.

Der Gebetsraum der Kirche befindet sich – eher ungewöhnlich – im Obergeschoss, ist aber dank dem neu eingebauten Treppenlift auch für Gehbehinderte zugänglich. Im Gegensatz zu den meisten anderen orthodoxen Kirche wurde die Ikonostase in Schwamendingen aus Marmor gefertigt. Um die Verbundenheit zur Schweiz und der Stadt Zürich zu zeigen, wurden über dem Altar Ikonen der Stadtheiligen Felix und Regula gemalt.

Der neu angebaute Kerzenraum ist ebenfalls eine Besonderheit der Kirche. Die Gottesdienstbesucher können für eine kleine Spende Kerzen kaufen und diese dann im Kerzenraum entzünden.

Vor der Kirche soll zudem ein Brunnen entstehen. Dieser wird nicht zu religiösen Zwecken gebraucht, sondern soll vor allem die Umgebung verschönern und durstigen Passanten eine Möglichkeit zum Trinken bieten.