Vorstellung technischer Kompetenzen: Zur Verbindung von Lernen und Technik

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Kevin Liggieri im Rahmen der Ringvorlesung Schule und Arbeit in Zeiten von «KI» – ethische Überlegungen des Instituts für Sozialethik ISE.

Datum: 29. Oktober 2026
Zeit: 16.15 Uhr bis 18.00 Uhr
Ort: Universität Luzern (Frohburgstrasse 3), HS 5

Führt sogenannte «künstliche Intelligenz (KI)» – passender als «datenbasierte Systeme (DS)» zu bezeichnen – zu mehr oder weniger Jobs für Menschen? Was sollte aus ethischer Sicht unternommen werden, wenn DS zu einer massiven Reduktion von bezahlten beruflichen Aufgaben für Menschen führen? Wären die Entkoppelung von Einkommen und Arbeit und ein bedingtes Grundeinkommen in Form des Society-, Entrepreneurship-, Research-Time Model (SERT) eine ethisch begründbare Lösung? Wie soll aus ethischer Perspektive mit DS in Schule und Bildung umgegangen werden? Sollen Schulen digitalisiert oder als «bildschirmfreie Oasen» gestaltet werden? 

Ziel dieser interdisziplinären Ringvorlesung ist es, ethische Überlegungen zu Schule und Arbeit in Zeiten von DS anzustellen.

Prof. Dr. Kevin Liggieri

Prof. Dr. Kevin Liggieri, Assistenzprofessor für Historisch-Epistemologische Technikforschung an der TU Darmstadt

Kevin Liggieri ist Gruppenleiter der Emmy-Noether-Forschungsgruppe KoLT »Ko-Konstruktionen von Lernen und Technik. Zum Wandel von Lernsubjekten im 20. Jahrhundert« und Assistenzprofessor für Historisch-Epistemologische Technikforschung am Institut für Geschichte der TU Darmstadt. Kevin Liggieri war von 2018–2019 DFG-Forschungsstipendiat an der ETH Zürich (Professur für Wissenschaftsforschung) und 2022 wissenschaftlicher Gast am Warburg Institut London. Seine Forschungen konzentrieren sich auf eine historisch-epistemologische Technikforschung und Mensch-Technik-Interaktion sowie deren historische und systematische Reflexion.

Vorstellung technischer Kompetenzen: Zur Verbindung von Lernen und Technik

Im Vortrag soll herausgestellt werden, wie eine gegenseitige Konstruktion von Lernen und Technik unsere westliche Vorstellung von tierischem, menschlichen, aber auch maschinellem Lernen beeinflusst hat sowie vice versa Lerntheorien und Lernkonzepte unsere Vorstellung von lernender Technik (Computer, KI, Simulation) beeinflusst haben.

Ausgang der These ist die Feststellung, dass sich im 20. Jahrhundert der Lerndiskurs immer stärker technisiert hatte, ab den 1960er Jahren mit sehr offensichtlichen Parametern wie dem Maschine Learning oder der Künstlichen Intelligenz. Aber auch mit eher subtileren, schleichenden Prozessen, wie einer Out-put-orientierung des Lernens, der Frage nach Verwertbarkeit von Lerninhalten, der Quantifizierung von Lernprozessen oder aber der Frage einer Kompetenzorientierung, wie sie bei den PISA-Studien ab 2000 im Zentrum stehen.