Innovative Lehrprojekte
Die Umsetzung innovativer Lehrprojekte wird durch die Universitäre Lehrkommission (ULEKO) gefördert.
Gefördert werden innovative Lehrprojekte mit stringenter Gesamtkonzeption. Eingaben können nur von Mitgliedern der Universität Luzern für Lehrgefässe der Universität Luzern gemacht werden. Das Programm dient nicht der Unterstützung von Veranstaltungen die bereits Teil des etablierten Lehrbetriebs sind. Beispielhaft sind hier einige Anwendungsbereiche aufgeführt, in denen Projekte angesiedelt sein können:
- Studierendenzentrierung und -aktivierung: Fokussierung auf Lernprozesse und Lernergebnisse
- Erprobung bzw. Ausbau neuer Formate des Blended Learning oder reinen E-Learnings, Umgang mit Grossgruppen, neue Formen von Leistungskontrollen etc.
- Förderung überfachlicher Kompetenzen
- Gestaltung innovativer Leistungsnachweise
Die direkte finanzielle Kompensationen des Antragstellers oder der Antragstellerin ist grundsätzlich ausgeschlossen, da die Lehrtätigkeit bereits über die Anstellung vergolten ist.
Technische Geräte: Über die Anschaffung von technischen Geräten wie z.B. einer Kamera wird individuell entschieden. Rechnen Sie damit, dass die Geräte nach Abschluss des Projektes in den Gerätepool des Zentrum Lehre übergehen. Bitte erkundigen Sie sich vorab beim Zentrum Lehre, welche Geräte bereits vorhanden und verfügbar sind.
Exkursionen werden grundsätzlich nicht gefördert, sofern diese nicht einen besonderen didaktischen Mehrwert für die Studierenden bieten, der im Konzept dargelegt wird.
Die Beurteilungskriterien der ULEKO für ein Gesamtkonzept beziehen sich vor allem auf die Begründung des didaktischen „Settings“, den angemessenen Einsatz von Lehrmetho-den vor dem Hintergrund der Projektziele, den didaktischen Mehrwert sowie auf die Orien-tierung an der Zielgruppe. Innovative Ansätze (Einführung von Neuerungen bzw. Adaption von bisher an der Universität Luzern nicht verwendeten modernen Lehrmethoden) werden besonders begrüsst, ebenso Projekte, die Probleme universitärer Lehre beschreiben und dazu dienen, entsprechende Lösungen zu erarbeiten (Lösungsorientierung).
Stellen Sie uns Ihr Projekt auf maximal drei A4-Seiten kurz und prägnant vor. Sehr gerne können Sie sich vorab an das zentrum.lehre@unilu.ch wenden und Ihr geplantes Projekt besprechen. Am besten orientieren Sie sich an folgenden Punkten:
Projektinhalt
- Grundgedanke: Was ist der Grundgedanke Ihres Projektes? Beschreiben Sie Ihre konkreten Projektziele. Wie/weshalb ist die Idee entstanden?
- Vorgehen: Erläutern Sie, was Sie im Rahmen des Projektes genau tun. Wie sieht das didaktische Konzept aus? Setzen Sie besondere Lehr-/Lernformen oder technische Hilfsmittel ein? Welche Problemstellung wird bearbeitet? Wie ist das Erreichen der Projektziele konkret vorgesehen?
- Mehrwert: Zeigen Sie den didaktischen Mehrwert Ihres Projektes auf. Welcher „Gewinn“ resultiert für die Studierenden/Dozierenden daraus? Welche Lösungen können erwartet werden? Welche Veränderungen ergeben sich z.B. gegenüber dem „Status quo“?
Projektverlauf
- Verwendung der Mittel: Wie wird die zusätzliche finanzielle Unterstützung der Universität eingesetzt? Haben Sie weitere (finanzielle) Förderung oder Zusagen von anderen Stellen? Wie sieht der gesamte Finanzrahmen aus? (Budget beilegen)
- Projektverlauf: Welche Projektstufen sind vorgesehen, wann startet und endet das Projekt?
- Evaluation: Wie ist die Evaluation geplant?
Für Lehr-/Lernprojekte können maximal CHF 4'000.- beantragt werden.
In besonderen Fällen kann die ULEKO auch höhere Beträge zusprechen.
Finanzierungshorizont: Grundsätzlich werden Projekte mit einer Dauer von einem Semester gefördert. In im Antrag begründeten Ausnahmen können Projekte eine Dauer von mehr als einem Semester umfassen, wobei der maximale Förderbetrag sich nicht erhöht. Bei langfristigen Vorhaben ist zu beachten, dass die ULEKO Anschubfinanzierung gewährt; nach einer Pilotphase soll die Finanzierung aus anderen Quellen (z.B. Fakultät, Institut, Drittmittel) gesichert werden.
15. Februar (für das folgende Herbstsemester)
1. September (für das folgende Frühjahrssemester)
Für das Herbstsemester 2024 gilt eine Übergangsregelung bei der Anträge bis zum 1. Mai 2024 eingereicht werden können.
Nach Abschluss des Projektes sind dem Zentrum Lehre ein von der Projektleitung visierter kurzer, summarischer Abschlussbericht von maximal 2 Seiten einzureichen, sehr gerne mit Bildern und Grafiken. Dieser Bericht wird auf dieser Website der Universität unter Geförderte Projekte zugänglich gemacht.
Zusätzlich ist es erwünscht, dass geförderte Projekte an universitären Veranstaltungen (z.B. Tag der Lehre, Info-Lunch) vorgestellt werden.
Aktuelle Projekte
Postkoloniales Luzern. Geschichten der Gegenwart erkunden
Hauptseminar BA/MA, KSF, Herbstsemester 2026
Lic. phil. Jovita dos Santos Pinto
Die kolonialen Verflechtungen der Schweiz sind zunehmend Gegenstand historischer Forschung und musealer Vermittlung. Während diese meist von der Vergangenheit ausgehen, um Fragen an die Gegenwart zu stellen, verfolgt das Seminar eine gegenwartsorientierte Perspektive: Postkolonialität wird als Geschichte der Gegenwart verstanden, die sich in sozialen, kulturellen und räumlichen Strukturen manifestiert. Das Blockseminar untersucht Luzern als postkolonial geprägten Raum. Ausgehend von kulturwissenschaftlichen und postkolonialen Ansätzen analysieren die Studierenden gegenwärtige Machtverhältnisse, Wissensordnungen und Formen von (Un-)Sichtbarkeit im urbanen Kontext und fragen nach deren historischen Verflechtungen.
Visualizing the End – Ästhetiken und Bildpolitiken der Klimaapokalypse
MA-Seminar, KSF, Soziologisches Seminar
Dr. phil. Sebastian W. Hoggenmüller
Das Projekt erweitert das Masterseminar «Visualizing the End: Ästhetiken und Bildpolitiken der Klimaapokalypse», das für das Frühjahrsemester 2026 am Soziologischen Seminar der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät geplant ist, um einen innovativen, experimentellen Leistungsnachweis, der die klassische textbasierte Analyse um eine visuelle Wissensform ergänzt. Im Zentrum des Seminars steht die Arbeit mit dem visuellen Essay als wissenschaftlich-ästhetischer Form. Ziel ist es, Studierenden zu ermöglichen, komplexe mediale Darstellungen des Klimawandels nicht nur analytisch zu verstehen, sondern diese Einsichten in eine eigene visuelle Argumentation zu übertragen. Ferner verfolgt das Projekt damit drei Intentionen: (1) Vertiefte Analysekompetenz in der Medien-, Umwelt- und visuellen Soziologie; (2) Erwerb visueller Forschungskompetenzen; (3) Reflexion klimabezogener Zukunftsnarrative im Austausch mit dem Hamburger Gastexperten Christian Hilgert.
2026
An Grenzen feiern. Zeitgenössische Orte des Heiligen
Dr. Ann-Katrin Gässlein, FS 26
Die Studierenden entwickeln durch die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Formen des Sakralen in urbanen Räumen Kompetenzen in liturgiewissenschaftlicher Analyse, interreligiösem Dialog und kritischer Reflexion. Die Exkursion bietet den Studierenden Gelegenheit, religiöse Ausdrucksformen an nicht-traditionellen Orten wie Gedenkstätten, Fußballstadien oder Stadtklöstern zu erleben, zu beobachten und zu analysieren. Dies ermöglicht eine praxisorientierte Auseinandersetzung mit theologischen Konzepten wie Sakralraum, Erinnerungskultur und Citypastoral.
2025
Innovation in der Lehre mit LEGO® Serious Play
Prof. Dr. Nadine Arnold, HS25
Das Projekt führt LEGO Serious Play (LSP) in Lehrveranstaltungen ein, um einen innovativen Lernprozess zu ermöglichen. LSP fördert kreative, kollaborative und inklusive Lernumgebungen und unterstützt Dozierende dabei, theoretische Modelle niederschwellig und anschaulich zu vermitteln. Es macht Lehren und Lernen spielerisch, während vernetztes, kritisches Denken und Kreativität gefördert werden. Konkret sollen durch das Projekt 1) eine neue Lehr-Lern-Methode etabliert, 2) Schlüsselkompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens gezielt und spielerisch gefördert, 3) der Austausch unter Studierenden gestärkt und gegenseitiges Lernen ermöglicht sowie 4) das Engagement der Studierenden in Lehrveranstaltungen erhöht werden.
Bosnien und Herzegowina: 30 Jahre nach Srebrenica
Prof. Dr. Boris Previšić, Dr. Martin Steiner, Dr. Almedina Faković , FS 25
Im Frühjahrssemester wurde das Blockseminar mit einer begleitenden Studienreise (18.–27.04.2025) nach Bosnien und Herzegowina durchgeführt. Im Zentrum stand die Auseinandersetzung mit dem Genozid von Srebrenica. Die insgesamt 26 Teilnehmenden setzten sich intensiv mit dessen Bedeutung auseinander – insbesondere mit seiner Funktion als Symbol kollektiven Gedächtnisses, seiner Einbettung in politische Narrative sowie seiner Rolle als Ausdruck individueller Trauerverarbeitung und als Bestandteil von Versöhnungsprozessen.
Dynamisch, verbunden und vernetzt: Neue Bilder gelebter Religion in der Gegenwart – Reportageseminar
Religionswissenschaftliches Seminar, FS 25
Dr. phil. Anne Beutter
Ziel des Projekts ist es, fokussiert auf Lernprozesse und Lernergebnisse der Studierenden das Format «Reportageseminar» als didaktisches Instrument weiterzuentwickeln. Es bearbeitet in einer produktiven und transformierenden Weise das in Praxis und Literatur monierte Problem, dass in der Wissensvermittlung über «Religion» an ein nicht-akademisches Publikum nicht nur Studierende sondern auch Lehrpersonen oder wissenschaftliche Forschungsprojekte nicht selten auf immer gleiche Stereotype zurückfallen – und dies wider esseren Wissens. Besonders prononciert ist dieses Problem im Kontext
visueller Science-to-public-Kommunikation.
Konfliktdynamiken im organisationalen Kontext
BA-Hauptseminars Soziologie, FS 25
Ronja Friedl, MA
Soziologische Lehre hat häufig abstrakte Phänomene (z.B. Organisationen statt Unternehmen X, Interaktion statt Situation Y) zum Thema. Bei der Konzipierung von Seminararbeiten im Selbststudium ist es dann Aufgabe der Studierenden, Themen zur Handhabbarkeit im Rahmen einer Seminararbeit im Selbststudium «kleinzuarbeiten». Mir ist bekannt, dass gerade Studienanfänger:innen diese Transferarbeit schwer fällt. Dabei können gerade das abstrakte Wissen und die Möglichkeit zur empirischen Forschung auch eine Chance sein: Studierende können die theoretischen Inputs auf sie interessierende empirische Phänomene beziehen.
2024
Watching the World: Netzkameras, Satellitenbilder und intelligente Videoüberwachung
Soziologisches Seminar, HS 24
Dr. phil. Sebastian W. Hoggenmüller
Wie formen Netzwerkkameras, Satellitenaufnahmen und intelligente Überwachungssysteme unsere Wahrnehmungen und sozialen Praktiken? Im Rahmen des Hauptseminars «Watching the World: Netzkameras, Satellitenbilder und intelligente Videoüberwachung» soll eine Lehrmethode implementiert werden, die es den Studierenden ermöglicht, einen Einblick in die Blackbox bildalgorithmischer Funktionsweisen zu gewinnen. Thematisch geht es in dem Seminar um die zunehmende Präsenz und den Einfluss visueller Technologien, wobei das Ziel verfolgt wird, ein kritisches Verständnis für die Rolle von Bildern in unserer global vernetzten Welt zu vermitteln. Durch die Auseinandersetzung mit einem Open-Data-Projekts, das täglich über eine Millionen Bilder von weltweit verteilten Netzwerkkamerabilder aufzeichnet und mit KI-Methoden verarbeitet, erhalten die Studierenden Einblicke in die neuesten Ansätze der Bildanalyse und deren soziokulturelle Bedeutung.
Podcast in der Hochschuldidaktik
Proseminar Mikroorganisationssoziologie, HS 24
Jennifer Widmer, MA
Das Ziel dieses Projekts ist es, Studierende durch die Erstellung eigener Podcasts zu „aktiven Schöpfer:innen“ wissenschaftlicher Inhalte zu machen. Dabei erwerben sie technische Fähigkeiten im Podcast-Recording und Plattform-Management sowie die Kompetenz, organisationssoziologische Konzepte in verständlicher Alltagssprache zu vermitteln. Durch das aktive Hören der Podcasts lernen sie ausserdem eine neue Methode zur Verarbeitung wissenschaftlicher Inhalte (orientiert an Gonzalez et al., 2023). Darüber hinaus fördert das Projekt ihre Kommunikations- und Teamarbeitsfähigkeiten sowie zusätzliche Skills wie Audio-Storytelling und die Verbreitung von Podcasts.
2022
Obdachlosigkeit in Luzern (19. und 20. Jh.)
KSF/Historisches Seminar
Ass.-Prof. Dr. phil. Britta-Marie Schenk
Obdachlosigkeit ist ein ubiquitäres Phänomen, denn Menschen ohne Wohnung oder Unterkunft gab es in der Geschichte schon immer. Und doch wandelten sich die Ursachen von Obdachlosigkeit im 19. und 20. Jahrhundert ebenso stark wie die staatlichen, kantonalen, kommunalen und konfessionellen Reaktionen darauf sowie die dahinterstehenden Vorstellungen und Bewertungen des Phä-nomens. Am Beispiel Obdachlosigkeit lässt sich eine Geschichte sozialer Ungleichheiten schreiben, die Aufschluss darüber gibt, weshalb Obdachlosigkeit trotz der Existenz sozialer Sicherungsnetze und Hilfseinrichtungen bis heute besteht. Für Studierende bietet sich die Chance, ein aktuelles Phänomen sozialer Ungleichheit, das sie meist nur aus den Medien und zufälligen Begegnungen z.B. an Bahnhöfen oder Straßenmagazinverkaufsorten kennen, in ihrer historischen Tiefenschärfe heraus verstehen zu lernen.
Trainings zur Sozialkompetenz
KSF/ Wissenschaftsforschung
Dr. phil. Nora Binder
Das Ziel dieses experimentellen Bestandteils des Seminars besteht darin, dass die Studierenden einerseits die praktische Seite unseres Themas der Kompetenz und ihres Trainings kennenlernen und damit der Seminarinhalt um eine zentrale Komponente ergänzt und vertieft wird. Andererseits und wichtiger noch lädt die Beschäftigung mit Fragen der Kompetenz und ihrer Entwicklung geradezu dazu ein, dass die Studierenden sich mit der Frage befassen, wie Lernen in diesem Feld konzeptualisiert wird und in der Anwendung funktioniert. Dank der Kombination aus Reflexion und eigenem Ausprobieren während des Trainings – dem programmatischen Beforschen dessen, was man tut, also einer metakognitiven Strategie – gewinnen die Studierenden hier Einsicht, auf welche Weise sie sich selbst neue Inhalte, Kompetenzen und Verhaltensweisen aneignen können und erproben ggf. neue gewinnbringende Strategien.