Von der Arztpraxis bis hin zu TikTok: Gesundheitskommunikation findet heute an vielen Orten gleichzeitig statt. Ein persönlicher Blick darauf, was Kommunikation alles beinhalten kann.
Als ich Anfang 2026 an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin als Verantwortliche für Wissenstransfer und Kommunikation gestartet bin, durfte ich zahlreiche Gespräche mit Forschenden führen. Viele wollten wissen: Was genau beinhaltet deine Rolle eigentlich? Geht es um Medienmitteilungen, Anlässe, Flyer?
Die kurze Antwort: Ja. Aber bei Weitem nicht nur. Die lange Antwort: In meiner Funktion habe ich das Privileg, mich mit äusserst vielfältigen und gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen zu dürfen. Schnell wurde mir klar, dass unsere Forschenden nicht nur mit grosser Leidenschaft forschen, sondern auch gerne über ihre Arbeit sprechen. Und dies aus gutem Grund: Medizin und Gesundheitswissenschaften bewegen sich in einem besonderen gesellschaftlichen Kontext. Gesundheit betrifft uns alle. Sie ist eng mit persönlichen Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten verbunden. Themen wie Prävention, Therapien oder gesundheitspolitische Entscheidungen werden entsprechend intensiv diskutiert und können auch polarisieren. Gerade deshalb kommt einer sorgfältigen, verständlichen und verantwortungsvollen Kommunikation eine zentrale Rolle zu.
In meiner Arbeit nehme ich dabei unterschiedliche Rollen ein. Einerseits gebe ich Projekten, in die andere viel Zeit und Engagement investiert haben, eine Plattform und darf ihre Forschung nach aussen vermitteln. Gleichzeitig übernehmen wir als Kommunikationsverantwortliche auch eine Gatekeeper-Funktion: Wir entscheiden, welche Themen wir aufnehmen, wie wir sie einordnen und über welche Kanäle wir sie vermitteln. Nicht zuletzt verstehen wir uns aber vor allem als Unterstützerinnen und Unterstützer: Wir geben Forschenden Werkzeuge an die Hand, damit sie selbstbewusst und zielgruppengerecht über ihre Arbeit kommunizieren können.
Diese Rollen erfordern Verantwortung (meinerseits) und Vertrauen (seitens der Forschenden). Besonders spannend ist für mich, dass sich hier zwei Formen von Expertise ergänzen: die Fachexpertise der Forschenden und unsere kommunikationsbezogene Perspektive. Umso mehr, da Gesundheitskommunikation selbst ein Forschungsschwerpunkt unserer Fakultät ist. So untersuchen Forschende beispielsweise, wie Kommunikation in der Krebsprävention verbessert werden kann oder welche Mechanismen dem Vertrauen in Gesundheitsinformationen zugrunde liegen.
Kommunikation prägt, wem wir vertrauen, wie wir Entscheidungen treffen und wie wir Gesundheit überhaupt verstehen.
Darüber hinaus sehe ich die Kommunikation unserer Fakultät auch als gesellschaftliche Aufgabe. Die Forschung, die hier betrieben wird, soll der Gesellschaft zugutekommen. Gleichzeitig ist es zentral, ein Verständnis und eine Wertschätzung für die Leistungen unserer Universität zu schaffen, sowohl in der Ausbildung neuer Fachkräfte als auch im Schaffen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dabei geht es um mehr als reine Informationsvermittlung. Kommunikation prägt, wem wir vertrauen, wie wir Entscheidungen treffen und wie wir Gesundheit überhaupt verstehen.
Diese Aufgabe hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Personen konsumieren Informationen heute anders: Viele greifen nicht mehr primär auf klassische Medien zurück, sondern nutzen beispielsweise TikTok für Ernährungstipps oder ChatGPT als Suchmaschine für Krankheitssymptome und hören Podcasts zu wissenschaftlichen Themen – meist begleitend zu anderen Aktivitäten.
Was bedeutet dies für meinen Alltag? Das Vermitteln von Forschungsergebnissen allein reicht nicht aus. Die Aufgabe von Kommunikation ist nicht nur, Forschung sichtbar zu machen. Sie besteht auch darin, Verbindungen zu schaffen: zwischen Disziplinen, zwischen Forschung und Praxis und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Gerade an einer Fakultät, in der Medizin und Gesundheitswissenschaften mit ökonomischen, sozial- oder politikwissenschaftlichen Perspektiven im Dialog stehen, wird deutlich, dass gute Lösungen selten in einem einzigen Fach entstehen.
Gute Kommunikation wirkt oft spontan. In Wirklichkeit ist sie fast immer das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung, einer klaren Rollenverteilung, einer guten Vernetzung und einer stetigen Fortbildung. Umso mehr freue ich mich, dass die diesjährige ScienceComm, der Schweizer Jahreskongress der Wissenschaftskommunikation, am 9. September erstmals in Luzern und mit unserer Uni als Partnerin stattfinden wird.
