Das Wort "Reinheit" mit Buchstaben ins Bild von sprudelndem Wasser eingesetzt.
(Bild: ©istock.com/Oleksii Polishchuk; Bearbeitung: Maurus Bucher)

Reinigungsmilch verspricht reine Haut, reine Männervereine berufen sich auf ihre Mitgliedereigenschaften, religiöse Speisegebote auf die Reinheit von Tieren: Der Begriff reicht vom bayrischen Reinheitsgebot bis ins All, in dem Raumfahrende in ihren Anzügen reinen Sauerstoff atmen. In jeder dieser Sphären will «Reinheit» etwas anderes sein. Der Wortstamm geht auf die Bedeutungen «unvermischt», «unverfälscht», «frei von Schmutz» zurück. So bündelt der Terminus Vorstellungen, stiftet Ordnung und zieht Grenzen zum Kontaminierenden. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich im «Reinen» deshalb Verständniskategorien: Das überlegene Reine steht dem Unreinen gegenüber. Seit dem ausgehenden Mittelalter durchzieht diese Abstraktion unsere Welterschliessung mit (oftmals unhinterfragter) Handlungsmacht. Wir bevorzugen «reine Seide» und glauben an die «reine Wahrheit». Reiner Zufall ist es nicht, dass uns Reinheit im Alltag überall begegnet.

Foto Katharina Steiner

Katharina Bursztyn

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nationalfonds-Projekt «Reinheit verkaufen» von Valentin Groebner, Professor für Geschichte mit Schwerpunkt Mittelalter und Renaissance
unilu.ch/katharina-bursztyn