Sandra Furrer beim Kaffeetrinken in einem Bistro, auf dem Tisch das besprochene Buch
(Bild: Roberto Conciatori)

Inmitten der komplexen, fordernden und sich immer schneller drehenden Welt sich selbst einfach in Frieden lassen – das fordert der französische Philosoph Fabrice Midal. Während viele Menschen in der Meditation die innere Ruhe suchen, um den (über-)fordernden Alltag zu meistern, setzen sie sich in ihrer Suche nach innerer Ruhe weiterhin einem Leistungsdruck aus. Dabei verpassen sie die Chance, einfach zu sein, den wahren Seelenfrieden zu fühlen und die Welt mit ihrem Beitrag besser zu machen. Der Autor verlangt deshalb, viel öfter einfach nichts zu tun anstatt zu meditieren.

Erfrischend anders befreit das 2017 erstveröffentlichte Buch die Leserinnen und Leser aber nicht nur vom Meditieren, sondern auch vom omnipräsenten Erfolgsdruck und dem Alles-ständig-unter-Kontrolle-haben-Müssen. Es rät zum Loslassen (anstatt zu rationalisieren), Warten (anstatt passiv zu sein), Präsentsein (anstatt Bewusstsein zu entwickeln), die Macht der Unwissenheit zu entdecken (anstatt alles verstehen zu wollen), Begehren zu wagen (anstatt sich an die Kandare zu nehmen) und Begeisterung zu zeigen (anstatt weise zu sein).

Obwohl im Buchtitel erwähnt, geht es im Band von Midal um weit mehr, als sich bei der Meditation von jeglichem Anspruch an sich selbst zu lösen. Es geht um eine Lebenshaltung, die sich starren Regeln, Konformismus, von aussen auferlegten Forderungen und Zwängen widersetzt. Und das Beste am Innehalten und Nichtstun gemäss Fabrice Midal: Man muss dafür nicht auf die Gipfel der Berge oder in die Tiefen irgendwelcher Höhlen flüchten. Man macht es am besten im Hier und Jetzt. Genau das brauche unsere Welt, die in Armut, Elend und Unmenschlichkeit zu ersticken drohe. Die Welt brauche einen Wandel, und zwar jetzt. Sofort. Lasst uns also innehalten – der einzig wahre Weg zum Handeln, Befreien und Verändern.

 

Fabrice Midal
Die innere Ruhe kann mich mal. Meditation radikal anders
München 2018
(dt. Erstausgabe)

Sandra Furrer
Wissenschaftliche Assistentin am Center für Human Resource Management
unilu.ch/sandra-furrer

 

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