Sinnlosigkeit, Machtlosigkeit und Isolation: Diese drei Komponenten machen Entfremdung aus. Der Begriff wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Karl Marx geprägt. Er verstand Entfremdung als gesellschaftliche Folge der Trennung von Lohnarbeit und Kapital: Wer Lohn erhält, verrichtet Arbeit, wer Kapital liefert, entscheidet. Lohnarbeitende haben wenig Einfluss auf Produkte und Prozesse ihrer Tätigkeit. Dadurch erleben sie ihre Arbeit nicht mehr als etwas Eigenes und entwickeln eine innere Distanz zu ihr.
In der Forschung gewann der Begriff während der Covid-19-Pandemie wieder an Bedeutung. Sogenannte systemrelevante Berufe erfuhren mehr Anerkennung, während bei anderen, etwa in der Gastronomie, ihre fehlende Relevanz deutlich wurde. Gleichzeitig schränkten Sparmassnahmen Entwicklungsmöglichkeiten ein, und Homeoffice führte bei vielen zu verstärkter sozialer Isolation.
Heute verändert künstliche Intelligenz die Arbeitswelt. Repetitive Aufgaben werden zunehmend von Maschinen übernommen, sodass sich Arbeitnehmende vermehrt sinnstiftenden Tätigkeiten widmen können. Gleichzeitig entstehen neue Unsicherheiten: Berufsbilder wandeln sich oder verschwinden, was Arbeitsplatzunsicherheit und Gefühle von Machtlosigkeit auslösen kann. Entfremdung bleibt somit ein aktuelles Phänomen und wird auch künftig eine wichtige Rolle spielen.
