LIFE B. Braun Lecture
Die LIFE B. Braun Lecture ist Teil einer gemeinsamen Initiative der Universität Luzern und B. Braun, die den Dialog zu den Themen Gesundheit, Funktionsfähigkeit und Wohlbefinden fördern soll. Jede Vorlesung bringt führende nationale und internationale Expertinnen und Experten zusammen, um innovative, interdisziplinäre Perspektiven auf das gelebte Erleben von Gesundheit zu beleuchten.
Die LIFE B.Braun Lecture möchte Forschung, Politik und Praxis miteinander verbinden, um zu verstehen, wie Individuen und Gesellschaften menschliches Wohlbefinden in einer sich wandelnden Welt fördern und erhalten können.
Die LIFE B. Braun Lectures finden zweimal jährlich statt und bieten eine Plattform für den Austausch über aktuelle Fragen rund um Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden.
- Die Herbstvorlesung wird auf Deutsch gehalten und widmet sich Themen von nationaler und internationaler Bedeutung im Schweizer und europäischen Kontext.
- Die Frühlingsvorlesung, die auf Englisch stattfindet, präsentiert herausragende internationale Referentinnen und Referenten, die neueste Forschungsergebnisse zu global relevanten Themen vorstellen.
Informationsflüsse im Schweizer Gesundheitssystem: Das Zusammenspiel von Akteuren und Prozessen.
Perspektiven für die Integration der Funktionsfähigkeit als dritter Gesundheitsindikator
Datenflüsse sind das Rückgrat des Schweizer Gesundheitssystems. Die Erhebung und Nutzung von Gesundheitsdaten sind stark geprägt von Bund, Kantonen sowie Leistungserbringern und basieren auf einem komplexen rechtlichen Rahmen, der sich aus rund 26 Gesetzen im Gesundheitsbereich zusammensetzt.
Die Architektur dieser Datenflüsse, orientiert sich an der föderalen Organisation der Schweiz. Aus administrativen, statistischen und versorgungsnahen Prozessen entstehen Datensammlungen, die aus unterschiedlichen Quellen stammen – von Spitälern und Arztpraxen über Kostenträger bis hin zu direkt bei der Bevölkerung erhobenen Informationen. Vor diesem Hintergrund wird das vom Bund initiierter Programm DigiSanté als zentraler Entwicklungspfad zur Förderung der Digitalisierung eingeordnet. Der Aufbau eines Gesundheits Datenraums wird dabei als Teil eines umfassenderen Datenökosystems verstanden.
Anhand konkreter Beispiele aus verschiedenen Bereichen – etwa der Mortalitätsstatistik oder der Gesundheitsversorgung – wird veranschaulicht, wie Datenflüsse, Governance und Nutzung ineinandergreifen. Damit soll das Potenzial einer kohärenten Weiterentwicklung der Informationsflüsse für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem ersichtlich werden und sich Perspektiven für die Integration der Funktionsfähigkeit als dritten Gesundheitsindikator eröffnen.
Über den Referenten
Marco D’Angelo ist seit 2014 Vizedirektor und Abteilungsleiter Gesundheit und Soziales beim Bundesamt für Statistik in Neuchâtel. Er verantwortet dort das Kompetenzzentrum für statistische Informationen in den Bereichen Gesundheit und Soziales und steht im Austausch mit Partnern auf internationaler und nationaler Ebene sowie mit Kantonen und Gemeinden.
Zuvor leitete er von 2009 bis 2014 die Sektion Gesundheitsversorgung beim Bundesamt für Statistik. In dieser Funktion war er für die Erhebung und Auswertung umfassender Daten zu Leistungserbringern wie Spitälern, Pflegeheimen und Arztpraxen zuständig. Weitere Stationen umfassen leitende Funktionen bei SASIS AG, santésuisse sowie unimedes. Im Bundesamt für Statistik prägte er zentrale Projekte wie die Vereinheitlichung der Datenerhebung im stationären Spitalbereich (SpiGes), die Modernisierung der Sozialhilfestatistik sowie den Aufbau ambulanter Gesundheitsstatistiken im Projekt MARS. Zudem engagiert er sich im Programm DigiSanté als stellvertretender Programmleiter. Sein Studium absolvierte er an der Universität Bern und schloss mit einem lic. rer. pol. ab.
Bei der ersten LIFE B. Braun Lecture an der Universität Luzern stellte Heidi Hanselmann, Präsidentin der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, die Nationale Strategie für Rückenmarksverletzungen 2025–2033 vor.
Diese Strategie wurde gemeinsam von betroffenen Personen, Fachleuten, politischen Entscheidungsträgern und Forschenden entwickelt und dient als „Kompass“, um Versorgung, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Rückenmarksverletzungen zu fördern.
Sie definiert neun Handlungsfelder und 32 Massnahmen, die Themen wie medizinische Nachsorge, Arbeitsmarktintegration und barrierefreie Mobilität abdecken.
Die Umsetzung erfolgt über ein Lenkungsgremium und spezialisierte Arbeitsgruppen, in denen Fachpersonen und Menschen mit eigener Erfahrung mitwirken.
Hanselmann betonte, dass Inklusion bereits in der Planungsphase beginnen müsse und dass Partizipation nicht nur eine Methode, sondern eine Haltung sei, die gesellschaftlichen Wandel vorantreibt.
Die Vorlesung unterstrich das Ziel der Strategie, ein inklusiveres Schweiz zu fördern – ein Land, in dem das Engagement aller gesellschaftlichen Bereiche dazu beiträgt, Inklusion von einem Ideal zu einer gelebten Realität werden zu lassen.
Weitere Informationen und Einblicke in die Vorlesung finden Sie unter folgendem Link.
In der Frühjahrsausgabe der LIFE B. Braun Lecture an der Universität Luzern wurde das Verhältnis zwischen Wissenschaft, öffentlicher Gesundheit und Demokratie thematisiert. Lawrence O. Gostin, Universitätsprofessor an der Georgetown University, ist einer der führenden Experten für globales Gesundheitsrecht und öffentliche Gesundheitspolitik. In seinem Vortrag «Science, Public Health, and Democracy» erörterte er, wie Fehlinformationen, politische Polarisierung und sinkendes Vertrauen in öffentliche Institutionen die wissenschaftliche Integrität und die demokratische Stabilität untergraben.
Weitere Informationen und Einblicke in die Vorlesung finden Sie unter dem folgenden Link.


