Filmprojekt zum Jesuitenmissionar Pater Martin Schmid SJ
Am Lehrstuhl für Kirchengeschichte entsteht ein Film zum Schweizer Jesuiten Pater Martin Schmid, der im 18. Jahrhundert in den Jesuitenreduktionen in Bolivien tätig war. Untersucht werden soll, wie er noch bis heite in den Reduktionen der Chiquitanos in Santa Cruz nachwirkt.
Den ersten Fund machte die Musikwissenschaftlerin und Blockflötistin Nina Lecocq aus der Romandie während einer Studienexkursion an einer Musikschule in Bolivien. In San Javier spielten die Kinder selbstverständlich Cello und Bratsche, das Zentrum des Dorfes bildet eine katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert mit europäisch-barocken Elementen. Das ist das Erbe des Schweizer Jesuiten Pater Martin Shcmid (1694-1772), der 35 Jahre lang als Missionar in Südamerika tätig war. Dort hatte er die Aufgabe, die bereits christianisierte indigene Bevölkerung in ihrem Glauben zu stärken und ihre Sesshaftigkeit in den jesuitischen Reduktionen nachhaltig zu gestalten. Dazu zählte die Förderung der Musik und des Kirchenbaus, die Pater Schmids wichtigste Betätigungsfelder wurden.
Die Idee zur Errichtung von Siedlungen hatten die Jesuiten zum Schutz der Indigenen vor kolonialistischer Ausbeutung und Sklaverei. Gleichzeitg konnten sie hier die Ziele christlicher Mission umsetzen, indem sie die indigene Bevölkerung kulturell und sprachlich besser erreichten. Die Gründung von Musikschulen durch Pater Martin Schmid war hier ein wesentlicher Schlüssel. Die Kompositionen, die europäische Barockmusik mit den Musikstilen der indigenen Volksgruppen der Chiquitano verbanden und heute noch zur Aufführung gebracht werden, zeugen von einer Missionspraxis, die alle Sinne ansprechen sollte.
«Schmids Lebensweg verbindet die Schweiz des 18. Jahrhunderts mit Südamerika und eröffnet bis heute einen vielschichtigen Blick auf Fragen von Religion, Kolonialismus, Kulturtransfer und Erinnerung.»
(Thomas Zaugg)
Seit 1990 sind die Jesuitenreduktionen UNESCO-Weltkulturerbe. Die Musikschulen, die Pater Schmid gegründet hatte, bestehen bis heute, spiegeln aber viele Herausforderungen der Chiquitano in der Gegenwart wider. Besonders die schlechte ökonomische Situation erschwert die adäquate allgemeinbildende und musikalische Erziehung der Kinder und Jugendlichen.
Das Filmprojekt will beide Pole - historische und gegenwärtige sozialwissenschaftliche Forschung - einholen. Nina Lecocq, Kirchenhistoriker Prof. Dr. David Neuhold und Historiker Dr. Thomas Zaugg gehen den verschiedenen Spuren nach. Bereits 2024 hatte in der Luzerner Jesuitenkirche eine Ausstellung zu Pater Schmids Arbeit in Bolivien stattgefunden. David Neuhold hatte sich mit Pater Schmids Briefen in die Schweizer Heimat befasst und konnte zeigen, wie aufgeschlossen der Jesuit gegneüber den wirtschaftlichen und agrarischen Strategien der Indigenen war. Das FIlmprojekt soll an diese Forshcung anknüpfen, darüber hinaus aber konkrete Verbindungen in die Gegenwart herstellen und die kulturellen Aspekte stärker aufgreifen.
Welche Bedeutung hatte die Musik für die Mission? Und welche Zugänge hat die Bevölkerung heute zu ihrem Erbe? Inwiefern entsprechen die Musikschulen heute dem einstigen jesuitischen Ideal? Und welchen Chancen und Herausforderungen begegnen die Musikschulen heute?
Damit konfrontieren sich alle Beteiligten aber auch mit dne kritischen Anfragen an Missions- und Kolonialgeschichte. Denn die positiven Auswirkungen können und dürfen nicht ohne die Schattenseiten eines kolonialistischen Weltbildes und der historischen Vorstellung christlicher Überlegenheit gegenüber indigenen Kulturen und Religionen gesehen werden.
«Kirchengeschichte kann auf die Gegenwart erhellend wirken und etwas zum Wissen über das Heute beitragen. Geschichte entschlüsselt also.»
(David Neuhold)
Das Filmprojekt soll bis 2027 in Zusammenarbeit mit Filmografie Schwarzfalter umgesetzt werden. Geplant sind dafür Recherchen in Bolivien, Interviews und Musikeinspielungen von Pater Martin Schmids Kompositionen.
In Zusammenarbeit zwischen David Neuhold und Filmografie Schwarzfalter ist bereits 2022 der erfolgreiche Film “Der letzte Ketzter” über den Ketzerprozess 1747 um Jakob Schmidli, den “Sulzigjoggi” entstanden.


