25 Jahre: Wir sind angekommen!
Jahresbericht 2025: Vorwort Martin Hartmann, Rektor der Universität Luzern
Am 25. Oktober haben wir das 25-jährige Bestehen der Universität mit einem bunten Fest gefeiert. Der Zuspruch hat uns überwältigt, es war ein bisschen wie in einem Bienenstock, ein stetes Kommen und Gehen, ein Summen und Schwirren, am Schluss dirigierten Kinder das Campus-Orchester und hatten sichtlich Freude daran. Wenn man einen solchen Anlass plant, ist man immer ein bisschen unsicher, wen man damit tatsächlich erreichen wird und ob alles so funktioniert, wie man es sich im Voraus vorstellt. Ja, ein Tag der offenen Tür ist ein Fest, aber er ist ungleich mehr, er will zeigen, wer wir sind, was wir tun und warum es uns braucht. Und damit ist er eben auch eine öffentlich sichtbare Selbstbefragung: Können wir das? Wird man uns hören? Wecken wir Interesse?
Wir können! Man hört uns! Es besteht Interesse! Das hat mich ungemein gefreut, und ich möchte allen Mitarbeiten den herzlich für ihr Engagement an diesem Tag danken. Eine Anekdote sei noch hinzugefügt: Für den 25-Jahre-Festanlass hatte ich mir ein kleines Experiment überlegt. Lange hiess es, der typische Luzerner Taxifahrer wisse nicht, dass Luzern eine Universität hat: Bestelle man – so die Versuchsanlage – am Kantonsspital ein Taxi und bitte darum, zur Universität Luzern gefahren zu werden, lande man an einem der Standorte der Hochschule Luzern. Ich machte also den Test, fuhr zum Spital und bestellte ein Taxi: «Universität Luzern, bitte.» Der Fahrer antwortete: «Ah, Sie meinen den Standort am Bahnhof?» Das klang schon mal gut, aber ich war doch etwas unsicher: «Sie verwechseln die Universität aber nicht mit der Hochschule, die tatsächlich viele Standorte aufweist?» Seine Antwort war eindeutig: «Nein, die Universität hat auch mehrere Standorte, und einer davon befindet sich am Bahnhof.»
Man kann sagen, was man will: Er hatte recht und brachte mich zuverlässig zum Hauptgebäude am Bahnhof. – Wir sind angekommen. Das gilt auch für den Blick in die Zukunft, der auf eine Rückschau folgen muss. Das Zuger Institut für Blockchainforschung (ZIBR) ist eröffnet. Ein weiterer Standort also und einer, der nicht nur national, sondern auch international ausstrahlen soll. Fünf Professuren in den Bereichen Recht, Ethik und Soziologie sind eingerichtet, weitere in den Bereichen Politik, Gesundheit und Psychologie sind in Planung. Fast in der gesamten Bandbreite der Universität wird am ZIBR geforscht und gelehrt, schon jetzt besteht viel Neugier und Resonanz. Ähnliches gilt für unsere neue Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie, die weiterwächst und schon einen ersten ERC-Grant vorweisen kann. Die Fakultät ist nun dabei, die Einrichtung einer ambulanten psychotherapeutischen Praxisstelle voranzutreiben, die dazu beitragen wird, Engpässe im therapeutischen Angebot der Zentralschweiz aufzufangen.
Es gibt weitere erfreuliche Entwicklungen: Unsere Studierendenzahlen wachsen nicht nur dort, wo schon länger grosse Nachfrage besteht – die Psychologie ist ein gutes Beispiel –, sie halten sich auch in Bereichen, die unter Druck stehen, etwa in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Wir haben hier in den letzten Jahren viele Ressourcen investiert, um gerade in den Gymnasien sichtbarer zu werden, und es sieht so aus, als wären diese Mühen nicht vergebens gewesen. Universitäten sollen innovativ und effizient sein, sie sollen einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Sie tun das, viele Studien belegen immer wieder, dass in Bildung investiertes Kapital gut angelegt ist und allemal langfristig gute Renditen erwirtschaftet. Aber diese ökonomische Sprache darf nicht die einzige Sprache sein, die im Kontext akademischer Bildung gesprochen wird, so sehr uns die gegenwärtigen Sparmassnahmen auch zwingen, diese Sprache zu sprechen. Wir müssen Forschung ermöglichen, deren Mehrwert nicht ersichtlich ist und die ohne Verwertungsdruck auskommt. Natürlich stehen wir vor grossen Herausforderungen. Wir müssen lernen, mit künstlicher Intelligenz umzugehen, wir brauchen eine forschungsorientierte Informationstechnologie und wollen unsere Wissenschaft noch besser nach aussen kommunizieren. Das erfordert Ressourcen, die nicht ausreichend vorhanden sind, es ist an mir, an diesem Punkt weiter für Verbesserungen zu kämpfen. Es ist an uns allen, die Universität Luzern weiterzuentwickeln und besser zu machen.
Martin Hartmann, im Juni 2026
