Wem gehört das Land, wenn mehrere Gemeinschaften Anspruch darauf erheben? Der Anthropologe Willem Church hat untersucht, wie Konflikte um traditionelles Land rund um eine geplante Kupfer-Gold-Mine in Papua-Neuguinea Gemeinschaften, Identitäten und den Zugang zu Wohlstand verändern.

Willem Church, Ihr in Buchform veröffentlichte Studie «Ink and Land» befasst sich mit Konflikten zwischen traditionellen Landbesitzern rund um ein geplantes Kupfer-Gold-Bergwerk in Papua-Neuguinea. Was hat Sie zu diesem Thema geführt?
Willem Church: Papua-Neuguinea fasziniert mich seit meiner Studienzeit an der Universität von Auckland. Im Gegensatz zu vielen anderen postkolonialen Ländern fand in Papua-Neuguinea keine gross angelegte Privatisierung von Land statt. Als Papua-Neuguinea 1975 unabhängig wurde, befanden sich rund 97 Prozent des Landes weiterhin in Gewohnheitsbesitz, was bedeutet, dass es gemeinschaftlich von den Gemeinden gehalten wurde.
Dies führt zu einer einzigartigen Situation, wenn ein Bergbauunternehmen vor Ort erscheint. Die Frage lautet nicht einfach: «Wem gehört dieses Land?» Ein Rechtswissenschaftler verglich dies einmal damit, zu einem Fussballspiel zu kommen und zu fragen: «Welcher Spieler ist die Mannschaft?» Diese Frage verkennt die Natur des kollektiven Eigentums. Viele Menschen können berechtigte Ansprüche geltend machen, und die Eigentumsverhältnisse sind selten eindeutig. Da Bergbauprojekte mit enormen Summen und hohen Erwartungen verbunden sind, gewinnen diese lokalen Vereinbarungen plötzlich globale Bedeutung.
Als ich sie durchlas, wurde mir klar, dass diese Dokumente nicht einfach nur Konflikte dokumentierten – sie waren das Terrain, auf dem diese Konflikte stattfanden.
Sie führen das Konzept der «antagonistischen Dokumentalität» ein – die Idee, dass Dokumente die Realität nicht nur aufzeichnen, sondern durch Konflikte auch schaffen. Wann wurde Ihnen klar, dass es sich hierbei um eine Angelegenheit von Dokumenten handelt und nicht nur um Land?
Das wurde während der Feldforschung deutlich. Eines Tages brachte ein lokaler Führer einen grossen Stapel Dokumente zu mir nach Hause: eidesstattliche Versicherungen, Stammbäume, Vermessungskarten. Als ich sie durchlas, wurde mir klar, dass diese Dokumente nicht einfach nur Konflikte dokumentierten – sie waren das Terrain, auf dem diese Konflikte stattfanden. Streitigkeiten führen zu Dokumenten, und diese Dokumente überdauern die Streitigkeiten, schaffen neue Gruppen, Grenzen und Identitäten und prägen gleichzeitig den zukünftigen Zugang zu Land und Geld.
Haben diese Streitigkeiten das gemeinschaftliche Leben verändert, obwohl die Mine noch nicht in Betrieb genommen wurde?
Auf jeden Fall. Allein die Aussicht auf den Bergbau hat die lokale Politik neu ausgerichtet und die Zeit und Energie der Menschen in sich aufgesogen. Ein Gemeindevorsteher, mit dem ich zusammengearbeitet habe, hatte zuvor ein erfolgreiches Projekt zur Installation einer Wasserpumpe organisiert, die das tägliche Leben, insbesondere für Frauen, erheblich verbessert hat. Als sich die Landstreitigkeiten verschärften, verbrachte er die meiste Zeit damit, in die Stadt zu fahren, sich mit Anwälten zu treffen und über zukünftige Geschäftsmöglichkeiten zu verhandeln. Über zwei Jahrzehnte hinweg wurde ein Grossteil seiner politischen Energie vom Kampf um Dokumente und Vertretung in Anspruch genommen – ohne nennenswerte Ergebnisse. Noch bevor auch nur ein Gramm Gold gefördert wurde, haben sich die sozialen Beziehungen und Prioritäten verschoben.
Sobald Ungleichheiten in Gerichtsentscheiden und Registern festgeschrieben sind, lassen sie sich nur noch schwer rückgängig machen.
Wer profitiert von einer solchen Auseinandersetzung auf der Grundlage von Dokumenten – und wer verliert dabei?
Diejenigen, die gebildet sind, über gute Beziehungen verfügen und sich in der Bürokratie zurechtfinden, profitieren in der Regel davon. Ihre vorübergehenden Vorteile können in offiziellen Dokumenten festgeschrieben und an künftige Generationen weitergegeben werden. Diejenigen, die weniger gebildet sind und über weniger Beziehungen verfügen – oft Frauen und marginalisierte Familien – werden eher ausgegrenzt. Sobald Ungleichheiten in Gerichtsentscheiden und Registern festgeschrieben sind, lassen sie sich nur noch schwer rückgängig machen.
Sind Sie hinsichtlich der Zukunft der Gemeinschaften, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, optimistisch?
Ich bin nicht besonders optimistisch. Viele der Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gehörten zu den Verlierern von Landstreitigkeiten. Sie haben viel Zeit und Hoffnung in ein Projekt investiert, von dem wahrscheinlich nur wenige wirklich profitieren werden. Die Rohstoffindustrie schafft relativ wenige Arbeitsplätze und bringt nur wenige Vorteile mit sich – Lizenzgebühren, Verträge und Arbeitsplätze, die politisch zugewiesen werden müssen. Dies kann zu erheblicher Ungleichheit führen, ohne die Armut wesentlich zu verringern.
Ich mache mir Sorgen darüber, ob der Staat und die lokalen Gemeinden in der Lage sind, solche tiefgreifenden ökologischen und sozialen Veränderungen zu bewältigen. Es ist unrealistisch anzunehmen, dass die komplexesten Herausforderungen der Regierungsführung einfach an Orte mit weniger institutionellen Ressourcen ausgelagert werden können.
Gibt es eine Erkenntnis oder Geschichte, die bei Ihnen besonders Eindruck hinterlassen hat?
Internationale und nationale Berichterstattungen stellen die Zwischenhändler und lokalen Organisatoren, mit denen ich zusammengearbeitet habe, oft als Bösewichte dar. Meine Forschungen legen nahe, dass dies eine Fehleinschätzung ihrer Rolle in diesem Prozess ist. Viele sehen sich selbst als Verfechter einer besseren Zukunft für ihre Gemeinden. Sie spielen ein Spiel, dessen Regeln sie nicht selbst aufgestellt haben.
Wenn Unternehmen von Gemeinden verlangen, dass sie Streitigkeiten lösen, bevor Verträge unterzeichnet werden, bürden sie ihnen eine enorme Last im Bereich Konfliktmanagement auf. Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass Vereinbarungen im Laufe der Zeit überprüft und neu verhandelt werden müssen. Das würde Projekte verlangsamen und verteuern – aber möglicherweise auch gerechter machen.
Feldforschung in Papua-Neuguinea
Willem Church ist derzeit Lehrbeauftragter am Ethnologischen Seminar der Universität Luzern und assoziierter Forscher bei der BirthRites Research Group am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Bei seiner 2025 erschienenen und Open Access abrufbaren Publikation «Ink and Land. Documenting Factionalism around a Prospective Mine in Papua New Guinea» handelt es sich um die Buchversion seiner Doktorarbeit. Diese realisierte er unter der Betreuung von Professorin Bettina Beer an der Universität Luzern im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts «International Capital and Local Inequality. A longitudinal Ethnography of the Wampar (Papua New Guinea) under the Impact of two Large Projects (a Copper-Gold Mine and a Timber Biomass Energy Plant)». Im Rahmen seiner Dissertation führte Church insgesamt 15 Monate ethnologische Feldforschung in der Provinz Morobe südlich des Markham River in Papua-Neuguinea durch (siehe früherer Artikel). Im Jahr 2021 wurde seine Dissertation mit einem Forschungspreis des Frobenius-Instituts für kulturanthropologische Forschung ausgezeichnet. Churchs aktuelle Forschungsarbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen kultureller Evolution und Sozialanthropologie. Er nutzt eine Mischung aus qualitativer Forschung und computergestützter Modellierung, um die demografischen und genetischen Auswirkungen verschiedener kultureller und Verwandtschaftsdynamiken zu untersuchen. Derzeit entwickelt Willem Church Computermodelle, um die Grenzen und Möglichkeiten der Verwendung alter DNA zur Ableitung verschiedener Formen prähistorischer sozialer Organisation zu untersuchen.

