Im Kanton Luzern gibt es über 200 religiöse Gruppen und Gemeinschaften. Grosse Vielfalt herrscht in Stadt und Agglomeration, die Landschaft ist christlich geprägt. Diese und weitere Erkenntnisse liefert das Projekt "Religionsvielfalt im Kanton Luzern" des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Luzern. Eine interaktive Internetkarte und ein Leporello zeigen die Standorte und liefern Hintergrundinformationen zu den Gemeinschaften.

Der Gebetsraum in der bosnischen Moschee Emmenbrücke mit Gebetsnische und Predigtkanzel. (Foto: Elsbeth Iten / Universität Luzern)

Insbesondere in der Agglomeration um Luzern sind viele der islamischen, buddhistischen und hinduistischen Gemeinschaften sowie christlichen Freikirchen beheimatet. Das Spektrum nichtchristlicher Religionen ist breit und besonders dicht: Auf knapp sechs Prozent der Bevölkerung entfällt fast ein Drittel der Gemeinschaften. Die Forschenden des Religionswissenschaftlichen Seminars ermittelten acht islamische, zwölf buddhistische, je zwei hinduistische und jüdische sowie vier weitere Gruppen und Gemeinschaften. Das Land ist hauptsächlich römisch-katholisch oder reformiert. Die zweitgrösste Gruppe nach den Christen bilden die Menschen ohne Religionszugehörigkeit.

Verschiedene Gemeinschaften nutzen gleichen Raum

Erstmals lassen sich Daten zur Religionszugehörigkeit mit der Anzahl von Gemeinschaften der jeweiligen Religion vergleichen. Sie sind keineswegs deckungsgleich: Während zum Beispiel nur 0,4 Prozent der Bevölkerung Buddhisten sind, stellen sie mehr Gruppen und Häuser als die vier Prozent Muslime. Die Erhebung zeigt auch, dass unterschiedliche Gemeinschaften die gleichen Räume nutzen. Von katholischen oder reformierten Kirchen ist schon länger bekannt, dass sie ihre Räume Migrantenkirchen zur Verfügung stellen. Die Studie stellt fest, dass dies auch für christliche Freikirchen, deren Räumlichkeiten von Kirchen mit Wurzeln in Ländern von Sri Lanka bis Eritrea genutzt werden, gilt. Ebenso verkehren tibetisch- bis japanisch-buddhistische Gruppen im gleichen buddhistischen Zentrum.

Gründungsboom bereits in den 1920er-Jahren

Ein Diagramm der Gründung aller Gemeinschaften von 1860 bis heute macht sichtbar, dass schon in den 1920er-Jahren ein gewisser Gründungsboom stattfand. In der näheren Vergangenheit markierten die 1970er- und 1990er-Jahre die Spitze der Neugründungen. Bis in die 1980er-Jahre bedeuteten die Neugründungen fast ausschliesslich christliche Diversifizierung. Danach wurden aufgrund von Migration auch buddhistische, islamische und hinduistische Gemeinschaften gegründet.

Karte bildet Religionsvielfalt ab

Die Website www.unilu.ch/rel-LU und der Leporello "Religiös, bunt und vielfältig – Kanton Luzern" veranschaulichen mit Bildern der Gemeinschaften und ihren oft nach aussen kaum erkennbaren Orten die unterschiedlichen religiösen Lebenswelten, die in Luzern heimisch geworden sind. Neu hält eine detaillierte Karte die Orte der mehr als 200 religiösen Gruppen, Gemeinden, Kirchen und Zentren punktgenau fest. Das Angebot richtet sich an alle am Thema Religion Interessierten und eignet sich für Schule und Weiterbildung sowie für Menschen, welche die Stadt auf ungewohnten Wegen erkunden wollen. Der Leporello ist für zwei Franken beim Religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern erhältlich, Klassensätze für Schulen zu einem reduzierten Preis.

Das Projekt "Religionsvielfalt im Kanton Luzern" besteht seit 2004. Die Erhebung ist zum vierten Mal aktualisiert worden.

Bestellungen Leporello:
relsemremove-this.@remove-this.unilu.ch

Quelle: News vom 11. Januar 2017