Liturgiegeschichte des Bistums St. Gallen
Dr. Ann-Katrin Gässlein
In der Erforschung der Liturgiegeschichte des Bistums St. Gallen stehen historische Quellen und religiöse Traditionen mit Fragen nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart in Verbindung. Untersucht werden liturgische Praktiken, Frömmigkeitsformen und kirchlicher Feiern im Raum St. Gallen von den Anfängen des Klosters über die Entstehung des Bistums bis in die jüngere Zeitgeschichte. Besonderes Interesse gilt dabei den Wechselwirkungen zwischen Liturgie, Gesellschaft und kirchlichem Leben sowie den Prozessen liturgischer Erneuerung und Transformation.
Die Forschungen nehmen sowohl historische Persönlichkeiten und lokale Heiligenkulte als auch liturgische Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts in den Blick. Für das Jubiläumsjahr der ersten Schweizer Heiligen, Wiborada von St. Gallen, wurden Zugänge zu mittelalterlicher Spiritualität, zum Stundengebet und zu Fragen heutiger liturgischer Praxis erschlossen. Daneben werden die religiöse Vielfalt des Kantons St. Gallen, die Geschichte bedeutender Kirchenorte sowie neuere Formen kirchlichen Handelns und Feierns untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Aufarbeitung liturgischer Innovationen im Bistum St. Gallen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, etwa der Entstehung neuer Gottesdienstformen und Beauftragungsfeiern.
Durch die Verbindung von historischer Forschung, liturgischer Analyse und gegenwartsbezogenen Fragestellungen trägt das Forschungsfeld dazu bei, die liturgische Identität des Bistums St. Gallen in ihren historischen Entwicklungen und aktuellen Ausdrucksformen besser zu verstehen.
Veröffentlichungen und Vorträge zum Thema
- Gässlein, Ann-Katrin (2026): «Mit Mut und Ausdauer voran!» Die Rezeption der Liturgiereform in St. Otmar in St. Gallen in den 1960er-Jahren (im Druck)
- Dies. (2026): «Ein Blick in den Anfang: Die Entstehung der Feier der Institutio im Bistum St. Gallen in den 1970er-Jahren». Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kirchengeschichte (under review)
- Dies. (2025): «Als Kanzeln verschwanden und Altäre sich drehten: Gottesdienst und kirchliches Leben in St. Gallen in den «wilden» 1960er-Jahren» (Vortrag für das Jubiläum «100 Jahre Katholischen Kirchgemeinde St. Gallen»)
- Dies. (2025):«Wir treten als Anwälte für die Stille auf.» Erfahrungen und Perspektiven aus der Cityseelsorge St. Gallen. In:Transformatio 2, 144–150, doi.org/10.35093/tf.v4i2.1268.
- Dies. (2024): Hl. Wiborada von St. Gallen. Te Deum. Das Stundengebet im Alltag (April), 335–339.
- Gässlein, Ann-Katrin (2022): St. Mangen – Die älteste Kirche der Stadt St. Gallen (25. August 2022), www.theos.unibe.ch/st.-mangen---die-%C3%A4lteste-kirche-der-stadt-st.-gallen.
- Dies. (2022): Täglich Psalmen beten. Wiborada als Inspiration für neue liturgische Ausdrucksformen. In: Gässlein, Ann-Katrin – Emmenegger, Gregor (Hg.): Wiborada von St. Gallen. Neuentdeckung einer Heiligen (theos 2). Basel: Schwabe, 297–340.
- Gässlein, Ann-Katrin – Emmenegger, Gregor (Hg.) (2022): Wiborada von St. Gallen. Neuentdeckung einer Heiligen (theos 2). Basel: Schwabe, doi.org/10.24894/978-3-7965-4501-6.
- Gässlein, Ann-Katrin (Hg.) (2012): Mit Gallus den Religionen auf der Spur. Religiöse Gemeinschaften, Kirchen und spirituelle Bewegungen im Kanton St. Gallen. St. Gallen: edition spi.