Das SNF-Projekt ist Lebensgeschichten von Benediktinerinnen und Benediktinern in der Deutschschweiz und in benachbarten Gebieten gewidmet; es betrifft die Klöster Einsiedeln, Disentis, Muri-Gries, Fischingen, Engelberg, Mariastein, Marienberg, Uznach, Müstair, Hermetschwil, Sarnen, Fahr, Seedorf, Au, Glattburg, Habsthal, Maria Rickenbach, Ofteringen, Melchtal, Wikon, Ettiswil und Tutzing. Ziel ist die Erschließung alltags-, geschlechter- und religionsgeschichtlicher Daten und die Sicherung von Informationen, die aufgrund der Altersstruktur der Gemeinschaften andernfalls bald der Vergessenheit anheimfallen würden.


Grundlage bilden Erkenntnisse aus unserem Projekt „Diakonissen und Ordensschwestern im 20. Jahrhundert in der Schweiz“, in dem Lebensgeschichten religiöser Frauen erschlossen werden und welches u.a. die zentrale Bedeutung von Ordensgelübden ins Licht rückt. In diesem neuen Vorhaben sollen auch männliche Gemeinschaften in Betracht gezogen werden, so dass ein geschlechtertypischer Vergleich möglich ist. Einerseits wird mit Hilfe von Erkenntnissen, die mit der Methode „oral history“ zu gewinnen sind, der bisher für die Schweiz nicht untersuchte Aspekt der religiösen Männergeschichte im Kontext von Subjekt und Biografik aufgearbeitet und es werden mit den benediktinischen Gemeinschaften kontemplative Orden betrachtet. Im Fokus stehen die Themen „Lebensgeschichten“, „individuelle religiöse Gestaltung des Ordenslebens“, „Zugehörigkeit zu normativen Kommunitäten“ sowie „Erinnerung- und Gedächtniskultur“. Für den geschlechtertypischen Vergleich eignen sich benediktinische Klöster schon angesichts ihrer historischen aus Doppelklöstern; denn nach wie vor bestehen rechtliche Verbindungen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen u.a. für das Geschichtsprojekt „Kloster Muri 1027-2027“ fruchtbar gemacht werden.


Die Ausgangslage ist bestimmt durch die fortschreitende Entkonfessionalisierung und durch Transformationsprozesse des Religiösen seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Vorhaben wird einen Beitrag leisten zur subjektgeschichtlichen Erhellung des in der Katholizismusforschung bereits gut erschlossenen schriftlichen Materials. Das Projekt vernetzt nationale Forschung mit Arbeiten, die auf diesem Gebiet für andere Länder geleistet werden – etwa solchen zu Diakonissen oder zu christlichen Freizeit-Männergruppen. Gegenstand sind zwei thematisch und methodisch miteinander verbundene Teilprojekte, innerhalb derer mit qualitativ-biografischer Methode Lebensgeschichten zugänglich gemacht werden. Ein Doktorand wird im Teilprojekt „Lebensgeschichten von Benediktinern“ Daten von männlichen Ordensmitgliedern erheben; eine Postdoktorandin wird auf der gleichen Grundlage eine analoge Forschungsarbeit für die weibliche Seite leisten. Basis der Arbeit bilden für beide Teilprojekte etwa 110 Interviews, deren Zahl nach dem Prinzip des „theoretischen Samplings“ zu ermitteln ist. Die Ergebnisse werden in einer geschlechtervergleichenden Studie publiziert; die Interviews bleiben in den Archiven der betreffenden Gemeinschaften archiviert.

 

Forschungsmitarbeitende:

  • Dr. Esther Vorburger-Bossart
  • Ivo Berther, MA

 

Siehe auch: Forschung zu Benediktinerinnen und Benediktinern