Werner Risi

Doktorand  (Theologische Fakultät)

werner.risi@stud.unilu.ch

 

Kurzprofil

Werner Risi promoviert bei Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ am Lehrstuhl für Judaistik und Theologie. Zuvor studierte er Theologie und Judaistik an der Universität Luzern. Er beschäftigt sich mit den konfliktuellen Grundlagen einer zweitausendjährigen christlich-anti-jüdischen Dialektik der Erwählung und Verwerfung sowie deren theologischer Aufschliessung. 

Im FS 2026 leitete er mit Prof. Rutishauser das Hauptseminar «Judas Iskariot: Heilloser Sünder oder heilsrelevanter Sündenbock?» und schloss seine Weiterbildung zum Theaterpädagogen CAS an der PHSZ ab. Gemeinsam mit den Jugendlichen des Freifachs Theater entwickelte er sein Praxisprojekt an der Kantonsschule Seetal als spielerisch-ernsthafte Annäherung an Elie Wiesels Roman «Die Pforten des Waldes» unter dem Titel: «Wer rettet Judas – Eine Generalprobe in zwei Tagen.» 

Im dialogischen Miteinander von akademischer Reflexion und theaterpädagogischer Praxis nimmt er anti-jüdische Stereotype multiperspektivisch in den Blick: In Hörsälen oder Bühnenräumen. Vor und hinter den Kulissen.

 

Promotionsprojekt

Der heilsnotwendige Sündenbock - Kultmetaphorische Rekontextualisierung des Judas Iskariot

Traditionell gilt: Judas Iskariot hat den Sohn Gottes verraten. An die Juden. Für dreissig Silberlinge. Die Juden haben den Sohn Gottes an die Römer verraten. Die Römer haben ihn gekreuzigt. Konsequenz: Die Kirche sakralisiert Jesus Christus und dämonisiert Judas Iskariot. Und mit ihm alle Juden. Sie werden zu theologisch legitimierten Sündenböcken. 

Die Erzählung vom Verrat des Judas und der Juden hat sich über die Jahrhunderte kulturell etabliert und verselbständigt als Ur-Motiv abendländischer Judenfeindschaft. Als «Verrat des Judentums durch das Christentum … von Golgatha bis Auschwitz», wie der jüdische Philosoph Hermann Levin Goldschmidt es angesichts der zivilisatorischen Katastrophe des Holocaust auf den Punkt brachte. Als ein sich-selbst-sakralisierendes Ignoranzsystem vom «8. Oktober» (Illouz) bis heute.

Ziel des Promotionsprojekts ist es, die theologische Relevanz des Judas Iskariot als Sündenbock vom «Wahrheitsraum des Alten Testaments» (Crüsemann) her kultmetaphorisch aufzuschliessen, um die christlich-anti-jüdische Dialektik der Erwählung und Verwerfung von ihren Rechtfertigungsgründen her zu delegitimieren.