Francis-Romeo Reich
Kurzprofil
Francis-Romeo Reich promoviert seit dem Herbstsemester 2026 im Fach Jüdische Studien/Judaistik am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung. Zuvor studierte er Germanistik mit dem Nebenfach Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und setzte sein Studium anschließend im interdisziplinären Masterstudiengang Literatur – Kunst – Kultur fort. Bereits während seines Studiums entwickelte er Forschungsschwerpunkte in den Bereichen deutsch-jüdische Literatur, jüdische Namensgeschichte und Shoah-Forschung.
In seiner Dissertation widmet sich Reich Konzepten jüdischer Männlichkeit in der deutschsprachigen jüdischen Literatur von 1900 bis 1950. Die von Prof. Mariusz Kalczewiak betreute Arbeit wird durch ein Stipendium des Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienwerks (ELES) gefördert.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er in verschiedenen Fachgesellschaften und wissenschaftlichen Netzwerken aktiv, darunter im Fachverband Judaistik/Jüdische Studien/Jüdische Theologie, bei ICOM Deutschland, in der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft sowie in der Gesellschaft für europäisch-jüdische Literaturstudien.
Promotionsprojekt
Konzepte jüdischer Männlichkeit in der deutschsprachigen jüdischen Literatur von 1900 bis 1950
Die Dissertation untersucht literarische Konstruktionen jüdischer Männlichkeit in der deutschsprachigen Literatur zwischen 1900 und 1945. Im Zentrum stehen Prosawerke von Arnold Zweig, Stefan Zweig, Max Brod und Joseph Roth; ergänzend wird mit Thomas Mann eine nichtjüdische Perspektive auf jüdische Männlichkeitsentwürfe einbezogen. Das Dissertationsprojekt versteht sich als ein Beitrag zur Neujustierung der deutsch-jüdischen Literaturforschung im Horizont kultur- und geschlechtergeschichtlicher Fragestellungen. Indem die Prosa von Arnold Zweig, Stefan Zweig, Max Brod und Joseph Roth in eine systematische, vergleichende Analyse überführt und mit der Außenperspektive Thomas Mann kontrastiert wird, soll erstmals ein differenziertes Panorama literarischer Entwürfe jüdischer Männlichkeit zwischen Kaiserreich und Exil entstehen. Die Arbeit zielt darauf, die Vielfalt, Widersprüchlichkeit und historische Bedingtheit dieser Entwürfe sichtbar zu machen und sie als dynamische Aushandlungsprozesse zwischen Anpassung, Selbstbehauptung, religiöser Tradition und politischer Positionierung zu begreifen. Damit schließt die Dissertation eine Forschungslücke an der Schnittstelle von deutsch-jüdischer Literaturgeschichte und Männlichkeitsforschung und leistet zugleich einen Beitrag zur übergreifenden Frage, wie literarische Texte kollektive Identitäten nicht nur reflektieren, sondern aktiv mitgestalten.
Ausgewählte Publikationen
- Reich, Francis-Romeo: Kultur als Widerstand im Außenlager Sömmerda. Leipzig: Hentrich&Hentrich 2025.
- Reich, Francis-Romeo: Bildungsmaterial „Außenlager Sömmerda“ in Kooperation mit dem Thüringer Volkshochschulverband e.V. und der EVZ (Stifung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft). Jena: 2025.
- Behnemann, Francis-Romeo: Der jüdische Außenseiter in Heinrich Heines „Donna Clara“. München: 2024 GRIN Verlag.
- Behnemann, Francis-Romeo: Frauenbilder in Else Lasker-Schülers „Hebräischen Balladen“. München: 2024 GRIN Verlag.