Das deutsche Verbot der «Mischehe» von 1935 als politische und juristische Herausforderung für die Schweiz
Vortrag von Prof. Dr. Susanne Bennewitz im Rahmen der Veranstaltungsreihe laboratorium lucernaiuris
| Datum: | 26. November 2026 |
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| Zeit: | 18.15 Uhr bis 19.30 Uhr |
| Ort: | Universität Luzern, Raum 3.A05 |
Die internationale Auswirkung der rassistischen Ehehindernisse der «Nürnberger Gesetze» auf deutsche Staatsangehörige im Ausland beziehungsweise die Amtspraxis der Zivilstandsämter im Ausland ist bisher erst ansatzweise untersucht worden. Die Einschätzungen zur Handhabung in der Schweiz stützten sich vor allem auf politische Aussagen. Untersuchen wir aber den administrativen Vollzug, zeigt sich eine weitgehende Akzeptanz der nationalsozialistischen Diskriminierung für ausländische und binationale Paare in der Schweiz: Fragliche Eheverkündungen wurden verweigert. Ausserdem führte das Bundesamt für Zivilstandswesen proaktiv einen schweizerischen Ariernachweis für den Urkundentausch mit dem Deutschen Reich ein. In Kombination mit der restriktiven schweizerischen Flüchtlingspolitik und der Kriminalisierung von Schutzehen im schweizerischen Ehe- und Bürgerrecht verstärkte sich die Diskriminierung der nationalsozialistischen Gesetzgebung in der schweizerischen Verwaltungspraxis.
In diesem Vortrag wird insbesondere auf den juristischen Informations- und Meinungsbildungsprozess unter Schweizer Zivilstandsbeamten eingegangen. Dabei zeigen sich unterschiedliche Zielsetzungen zwischen den Departementen der Bundesregierung sowie zwischen Bundesbeamten und kantonalen Verantwortungsträgern. Doch aufgrund der starken Zentralisierung der Verwaltung eröffnete dies keine Ausweichmöglichkeit für betroffene Paare.
Kurzbiografie
Susanne Bennewitz, geb. 1968, Historikerin
Seit 2018 Prof. für Gesellschafts- und Kulturwissenschaften am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier.
Sie arbeitete akademisch und freiberuflich für Verlage, Museen und Unternehmen. Promotion über die jüdische Immigrationsgesellschaft in der Schweiz im 19. Jh. (Mikrostudie Stadtgesellschaft Basel).
M.A. an der FU Berlin (1995) in Literaturwissenschaft, Informatik, Judaistik.
Dr. phil. an der Universität Basel (2005) in Jüdische Studien.
2014-2018 Akad. Mitarbeiterin an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.