Soziologischer Standpunkt: «Warten können»

Während wir ständig erreichbar sind, Filme jederzeit streamen können und Online-Bestellungen gleich am nächsten Tag eintreffen, scheint das Warten eine Störung zu sein – ein Fehler im sonstigen Dauer-Ablauf. Und doch trägt das alltägliche Warten mehr in sich, als man vielleicht gemeinhin annimmt.

Die Kolumne erscheint alle zwei Wochen in der Luzerner Zeitung. (Bild: unsplash.com/@andrekaimk)

Warten als Zeitverlust, oder eben doch als aktives Tun: Choreografien von Nähe und Distanz, von Aufmerksamkeit und Rückzug, von In-Sich-Kehren und Akzeptieren der Zeit des anderen. Das Warten ist weit mehr als es in unserer schnellen Zeit zu sein scheint. Und diesem «doing waiting» widmet sich Dr. Sebastian W. Hoggenmüller in der Kolumne «Soziologischer Standpunkt». Er erklärt, dass Warten ein System wechselseitiger Anerkennung ist, ein Zustand des Innehaltens. Aber das Warten kann auch ein Instrument der Macht sein, wie der Ethnograf Javier Auyero zeigt. So kann anhand Verzögerungen und institutionalisierten Wartezeiten eine Politik der Zeit geschaffen werden: Eine Ordnung, in der Macht nicht durch Gewalt, sondern durch Dauer wirkt, entsteht. Die Kolumne zeigt, dass Warten weit mehr ist als eine Störung im durchtakten Leben – es ist eine Aushandlung über die Aufteilung der Gegenwart, mit oder ohne äussere Zwänge. Zur Kolumne!