Universitätsgeschichte

Das Universitätsarchiv publiziert hier in unregelmässigen Abständen kleinere Artikel zur Geschichte der Universität anhand von Archivalien.

«Weisse» und «rote» Studierende – Fakultätsgeschichte im Karteikasten

UALU, 2011/13_Dok01: Studierendenkartei (Exm. 1966-2001)

Von den vier Fakultäten der Universität Luzern im Jahr 2019 haben bekanntlich zwei eine voruniversitäre Vergangenheit. Diese erschliesst sich teilweise auch aus der Studierendenkartei, die 1967 von der einstigen Theologischen Fakultät Luzern TFL (1910/38-1993) begonnen und ca. 2001 von der damals noch jungen Universität endgültig aufgegeben wurde.
 

1966: Nach Trennung neue Studierendenverwaltung
Über die Entstehung und den Nutzungszeitraum der Studierendenkartei ist nichts bekannt. Deren Erschliessung legt aber nahe, dass die Kartei nach 1966 entstand, nachdem die TFL das damalige Priesterseminar an der Adligenswilerstrasse 15 für die alte Kaserne am Kasernenplatz in Luzern verlassen hatte. So enthält die Kartei keine Theologiestudierenden, die sich vor 1966 exmatrikulierten, setzen die ältesten Studierendendossiers der TFL (UALU, Z 10.1) auch mit dem Exmatrikulationsjahr 1966 ein und scheint es schliesslich weder eine ältere Studierendenkartei noch ältere -dossiers gegeben zu haben.
Nach der Trennung vom Priesterseminar hatte die TFL ihre Studierendenverwaltung offenbar mit Kartei und Dossiers potenziert. Ihr seit 1942 (bis 1998/99) geführtes Album studiosorum, das jedes Studienjahr respektive Semester mit den jeweils immatrikulierten Studierenden pro Studienstufe, später auch nach Studienrichtung verzeichnet (StALU, A 1614), hatte scheinbar nicht mehr ausgereicht. Inskünftig erlaubte die Kartei mit den Personalien und dem Immatrikulationsstatus der Studierenden eine schnelle Personensuche und wiesen die Dossiers mit den wichtigsten Akten Studiumsverlauf und -erfolg nach.
 

1984: Rote Karten für die Phil-(I)-Studierenden
Nachdem die TFL 1981 das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung sowie das Institut für Sozialethik errichtet hatte, führte es auf den 1.10.1984 gemäss regierungsrätlichem Beschluss und bischöflicher Genehmigung (StALU, RR 612: 1983/1915) ein nicht auf Theologie ausgerichtetes Philosophisches Institut ein. Die Studierenden dieses Instituts wurden in der Folge auf roten Karten in die bereits bestehende weisse Kartei zu den Theologiestudenten und -studentinnen eingefügt. Die optische Markierung – trotz alphabetischer Ordnung – ist wohl wie die aktenkundige Kritzelei rein administrativen Ursprungs.

SRL 1993/400: Hochschulbeschluss vom 14.09.1993

Als auf den 1.12.1993 die (Universitäre) Hochschule Luzern geschaffen wurde, unter der die TFL als Theologische Fakultät weiterbestand, das Philosophische Institut indes als Geisteswissenschaftliche Fakultät begann, hielt die Tradition der roten Karten für die «Anderen» an. Die «Anderen» waren nunmehr einfach die Studierenden der zweiten Fakultät, sogar nach der Universitätsgründung anno 2000 und trotz File-Maker-Studierendendatenbank seit ca. 1988/89.
Keine roten Karten mehr – sondern (wieder) weisse – erhielten erst die Studierenden, die sich für das Wintersemester 2001/02 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität immatrikulierten. Aber dann wurde auch die Kartei aufgegeben – zugunsten einer neuen Studierendendatenbank.

Hinweis

  • StALU ist die offizielle Abkürzung für das Staatsarchiv Luzern, siehe https://staatsarchiv.lu.ch/.
  • Die Zeit von 1980 bis 1993 beschreibt aus bildungspolitischer Sicht Aram Mattiolis und Patrick Pfennigers Artikel Die verpasste Chance, in: A. Mattioli und M. Ries: "Eine höhere Bildung thut in unserem Vaterlande Noth". Steinige Wege vom Jesuitenkollegium zur Hochschule Luzern (Clio Lucernensis 7), Zürich 2000, S. 138ff.