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31 Treffer

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    Gesamtliste_Veroeffentlichungen_Martin_Baumann_2026.pdf

    Diaspora und Globalisierung. Tibetischer Buddhismus weltweit", in: Museum für Völkerkunde Hamburg (Hg.), Die Welt des Tibetischen Buddhismus, Museum für Völkerkunde Hamburg, Hamburg 2005, 357

    Grösse: 510 KB

    Erstellungsdatum: 13.01.2026

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    Teilseite _ZT_LUZ_01_02_

    in der Praxis des Zen oder tibetischen Buddhismus han- delt. Sehr anschaulich ist hier die pro-

    Grösse: 2 MB

    Erstellungsdatum: 13.02.2017

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    Prof. em. Dr. Martin Baumann

    zweite und dritte Generation der Tibeter in der Schweiz. Anthropos , 110 (1), 270–271. Akkordeon-Panel

    www.unilu.ch/fakultaeten/kultur-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet/institute/religionswissenschaftliches-seminar/mitarbeitende/martin-baumann/

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    Forschung im Fokus - Archiv

    Bilder von der Eröffnung des tibetischen Zentrums Zurmang Kagyü und ein Update zur Eyüb Moschee sind

    www.unilu.ch/forschung/aktivitaeten/fokus-forschung/

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    UniLU

    UniLU Zentrum Religionsforschung FORSCHUNGSBERICHT «Hallo, es geht um meine Religion!» Muslimische Jugendliche in der Schweiz auf der Suche nach ihrer Identität Martin Baumann, Jürgen Endres, Silvia Martens, Andreas Tunger-Zanetti 17.01.2017 «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 2 | 39 Zusammenfassung Ausgangspunkt des Forschungsprojekts «Imame, Rapper, Cybermuftis» war die Frage, an welchen Autoritäten und Angeboten sich muslimische Jugendliche und junge Erwachsene in religiösen Dingen orientieren und wie sie damit umgehen. Kernstück der Datenerhebung waren leitfadengestützte Inter- views mit 61 jungen Frauen und Männern im Alter zwischen 15 und 30 Jahren mit unterschiedlichem Migrationshintergrund und religiösem Profil. Das Interesse an religiösen Fragen zeigte sich bei einem Teil der Interviewpartner als eher plötzliche Hinwendung, bei anderen als gleichmässigerer Prozess, in dem sich dennoch Phasen aktiver Suche mit Zeiten relativer Distanz abwechseln. Während sie das eine Mal konkrete Auskunft auf bestimmte klar umrissene Fragen suchen, ist es das andere Mal eher das Bedürfnis nach Beratung oder nach emotionaler Ermutigung. Doch noch aus anderen Gründen nutzen die jungen Muslime die unter- schiedlichsten Angebote und Medien nebeneinander: Sie vergleichen oft unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Inhalte, um das für sie Passende zu finden. Insgesamt spielen Erklärungen und Meinungen von Eltern, Freunden und Vertrauenspersonen in Moscheegemeinden eine bisher unbe- achtete wichtige Rolle. Entsprechend kleiner als oft angenommen ist der Einfluss der Imame in den Moscheen oder von teils umstrittenen Internet-Predigern. Der persönliche Kontakt ist den jungen Mus- limen wichtig, gegenüber Angeboten im Internet hegen viele eine gehörige Skepsis. Im Verlauf ihrer Suche nach Angeboten entwickeln sie überdies zunehmend genauere Kriterien dafür, welche Angebote zu ihnen passen und wo sie diese am ehesten finden. Bei ihren Entscheidungen zieht die muslimische Jugend ihre Lebensumstände in der Schweiz stets in Betracht. Dazu gehört nicht zuletzt der raue gesellschaftspolitische Diskurs zum Thema Islam, der viele von ihnen erst zum vertieften Fragen nach ihrer Religion gebracht hat. Sie reagieren mit unter- schiedlichen Strategien. Manche beschränken alles Religiöse strikt auf den privaten Bereich, andere suchen bspw. am Arbeitsplatz pragmatische Lösungen von Fall zu Fall, wieder andere fordern die Möglichkeit zum Ausüben ihrer Praxis aktiv und öffentlich ein. Ihre Zukunft sehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fast ausnahmslos in der Schweiz, auch wenn sie ihr persönliches Verhältnis zur Schweiz wie zum Herkunftsland ihrer Eltern und Grosseltern durchaus verschieden empfinden und auch unterschiedliche Vorstellungen vom Schweizer Islam der Zukunft haben. Dabei zeigte sich auch: Organisationen, die öffentlich immer wieder kontrovers disku- tiert werden wie der Islamische Zentralrat Schweiz oder das Forum für einen Fortschrittlichen Islam, spielen für die allermeisten jungen Musliminnen und Muslime in der Schweiz keine oder eine kleine Rolle. Die Befunde des Forschungsprojekts widerlegen zwar etliche der öffentlich kursierenden Annahmen über junge Musliminnen und Muslime, fügen sich aber nahtlos ins Bild, das die jüngere Forschung von Angehörigen anderer, weniger kontroverser Migrationsreligionen in Westeuropa gewonnen hat. Auch dort finden sich die hier gezeigten Trends, die Religion der Eltern individueller, kritischer und eigenständig zu interpretieren. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 3 | 39 Inhalt Vorwort .................................................................................................................................................... 4 Einführung ............................................................................................................................................... 5 Das Projekt im Forschungskontext der Universität Luzern .............................................................. 5 Das weitere Umfeld: Öffentliche Debatten rund um Islam und um Integration ................................ 5 Das Forschungsprojekt: Vorgehen und Datengrundlage ........................................................................ 7 Projektdesign .................................................................................................................................... 7 Das Sample ...................................................................................................................................... 8 Auswertung ...................................................................................................................................... 9 Nach Projektende ........................................................................................................................... 10 Hinwendungsprozesse .......................................................................................................................... 11 Die muslimische Jugend in der Schweiz auf der Suche nach religiöser Identität .......................... 11 Muster der Hinwendung ................................................................................................................. 12 Schwankungen bei der Hinwendung.............................................................................................. 13 Auswirkungen der Hinwendung ..................................................................................................... 14 Diversität religiöser Profile und Bedürfnisse .................................................................................. 16 Autoritäten ............................................................................................................................................. 17 ‹Autorität› ........................................................................................................................................ 17 Typen von Autorität ........................................................................................................................ 19 Ermutiger ........................................................................................................................................ 21 Das Spektrum der Autoritäten ........................................................................................................ 21 Das Internet als Zugangsweg ........................................................................................................ 25 Umgang mit Orientierungsangeboten ............................................................................................ 26 Junge Muslime und Schweizer Gesellschaft ......................................................................................... 31 Die Gesellschaft der Schweiz als Erfahrungsraum für junge Muslime .......................................... 31 Wahrnehmung von Staat und Gesellschaft und Strategien des Umgangs.................................... 33 Verhältnis zu Staat und Gesellschaft der Schweiz ........................................................................ 34 Was junge Muslime von Autoritäten mit Blick auf die Gesellschaft erwarten ................................ 35 Einordnung ............................................................................................................................................ 38 Ausgewählte weiterführende Literatur ................................................................................................... 39 «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 4 | 39 Vorwort Ja klar, ich folge nicht meinen Neigungen und glaube ihnen nicht einfach so: ‹Ok, das glaub ich und fertig.› Nur weil irgendeiner das gesagt hat. Ich gehe die Sache schon vorsichtig an. Ich kann nicht einfach / Hallo, es geht um meine Religion! (Hajdar, m, 22) Ohne es zu wissen, setzte Hajdar in einem unserer ersten Interviews mit diesen Worten den Grund- ton. In den nachfolgenden Gesprächen des Forschungsteams mit muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen begegnete uns diese Grundhaltung immer wieder. Nicht alle jungen Muslimin- nen und Muslime sind religiös, und nicht alle, die religiös sind, sind es auf die gleiche Weise. Aber wenn sie in der Schweiz von heute mit Blick auf ihre Religion auf die Suche gehen, tun sie es umsichtig, denn beides ist ihnen wichtig: ihre Religion und ihr Leben in der Schweiz. Das Forschungsteam dankt an dieser Stelle allen jungen Musliminnen und Muslimen, die uns im Rahmen des Projekts in einem Interview Einblicke in ihr Leben und ihre Gedankenwelt gewährt haben. Die Namen sämtlicher Interviewpartner in diesem Bericht wurden anonymisiert. Das Signet des Forschungsprojekts Das Forschungsprojekt «Imame, Rapper, Cybermuftis» wurde finanziell gefördert von der Stiftung Mercator Schweiz. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 5 | 39 Einführung Das Projekt im Forschungskontext der Universität Luzern Religion und Religiosität in Westeuropa, insbesondere bei Immigranten, sind seit Jahren ein Schwer- punkt von Forschung und Lehre der Religionswissenschaft an der Universität Luzern. Aus diesem Interesse entstand 2011-2012 das Forschungsprojekt «Muslimische Jugendgruppen und Bildung von zivilgesellschaftlichem Sozialkapital in der Schweizer Gesellschaft», finanziert von der Jacobs Foun- dation. Daraus resultierte nicht nur eine Publikation Jung muslimisch, schweizerisch, sondern auch gleich ein Anschlussprojekt: In 33 Workshops vermittelte das Forschungsteam 2013-2014 seine Er- gebnisse an Fachleute aus den Bereichen Schule, Sozialarbeit, Integration und Zivilgesellschaft und diskutierte sie mit ihnen. 1 Bei der Arbeit im bis dahin kaum erforschten Feld muslimischer Jugendlicher in der Schweiz ergaben sich rasch weitere interessante Fragen: Wo suchen junge Muslime in der Schweiz religiöse Auskunft und Orientierung? Wie nutzen sie diese Angebote? Und wie wirkt sich dies auf ihre Einstellungen zur Gesellschaft aus? Diese Fragen standen im Zentrum unseres zweiten Forschungsprojekts «Imame, Rapper, Cybermuftis – Islamische Autoritäten, muslimische Jugendliche und gesellschaftliche Kohä- sion in der Schweiz». Für die Finanzierung liess sich wiederum eine private Stiftung gewinnen. Die Stiftung Mercator Schweiz förderte das Forschungsvorhaben. Der vorliegende Bericht gibt den ersten Überblick über die Forschungsergebnisse und richtet sich an die fachlich interessierte Öffentlichkeit. Vertiefende wissenschaftliche Publikationen sollen folgen. Wie nach dem ersten Forschungsprojekt sollen zudem auch dieses Mal Fachleute aus sozialen Berufen Gelegenheit bekommen, die Ergebnisse in halbtägigen Workshops detailliert zu erfahren. Die Ergeb- nisse können sie mit ihren eigenen Erfahrungen vergleichen und mit dem Forscherteam diskutieren. Parallel dazu geht an der Universität Luzern die Forschung zur Religion von Jugendlichen, deren Eltern als Migranten in die Schweiz kamen, weiter. Unter anderem laufen parallel zwei Dissertations- projekte, mit denen wir in regem Austausch standen. 2 Das weitere Umfeld: Öffentliche Debatten rund um Islam und um Integration Die Forschung an der Universität Luzern folgt wissenschaftlichen Kriterien. Dabei kann sie die öffentlichen Debatten um Islam-Themen und um die Integration religiöser Minderheiten nicht ignorie- ren. Zum einen wirken sich diese Debatten sehr deutlich auf Muslime aus. Zum andern ist unserer Meinung nach die Wissenschaft gerade bei solchen Themen der Gesellschaft auch Auskunft schuldig. Mit sachlichen, faktenbegründeten Aussagen will sie zur Debatte beitragen. Die öffentlichen Debatten haben ein Islam-Bild entstehen lassen, das viele Muslime, aber auch Wis- senschaftler wie Urs Dahinden, Vinzenz Wyss, Patrik Ettinger und Kurt Imhof als verzerrt und unfair einstufen. Medien berichten über Dinge, die den betreffenden Redaktionen aussergewöhnlich, kontro- vers, skandalös oder gefährlich erscheinen oder von Stimmen Dritter als das erklärt werden. Dabei fehlt es oft offensichtlich an Hintergrundwissen und der Kenntnis von der Vielfalt muslimischen Lebens. So entstehen generalisierte Annahmen, die sich aber lediglich auf den Einzelfall stützen, denen ein breiterer Augenschein aber rasch widersprechen würde. Bezogen auf das Thema unserer Studie lauten einige dieser meist impliziten Annahmen: ‹Imame haben grossen Einfluss auf ihre Zuhörer›, ‹Jugendliche sind leicht verführbar›, ‹Plötzliche Hinwendung «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 6 | 39 zur muslimischen Praxis deutet auf Radikalisierung›, ‹Muslimische Frauen sind von Vätern, Brüdern oder Ehemännern unterdrückt›, ‹Nur ein liberaler Islam ist verträglich mit der Schweiz› oder ‹Internet- prediger sind gefährlich›. Die Menge dieser unhinterfragten und oft unbelegten Annahmen bedeutet im Ergebnis, dass praktizierende Muslime in der Schweiz zahlreichen Vorurteilen und einem General- verdacht ausgesetzt sind. Dies hat negative Folgen für die Politik und das gesellschaftliche Klima. Es verhindert überdies die vollgültige Teilhabe der Muslime an der Gesellschaft. Manche dieser Diskurselemente wurden erst im Laufe des Jahres 2015 prominent, als junge Männer und vereinzelt auch Frauen, die aus der Schweiz nach Syrien ‹in den Dschihad zogen›, zum Medien- thema wurden. Die Frage nach den Motiven lag nahe, rasche Antworten waren gefragt und wurden von unterschiedlichen Stimmen angeboten. Unsere Studie zeigt, dass viele der gängigen Annahmen über junge Muslime falsch sind. In erster Linie wollten wir aber Antworten auf die schon 2014 for- mulierte Forschungsfrage finden. Bei der Darstellung unserer Ergebnisse konzentrieren wir uns im Folgenden auf drei Themen: Das Kapitel «Hinwendungsprozesse» zeigt, unter welchen Umständen junge Muslime sich eigenständig Fragen der Religion zuwenden und dieses Bemühen nach Zeiten des Nachlassens oder der Dis- tanzierung bisweilen auch erneuern oder neu ausrichten. Das Kapitel «Autoritäten» erläutert sodann verschiedene Aspekte dieser Suche nach Orientierungsangeboten. Es zeigt insbesondere, dass die Jugendlichen ganz unterschiedliche Kategorien von Autoritäten wahrnehmen und eigenständig mit deren Angeboten umgehen. Das dritte Kapitel, «Junge Muslime und Schweizer Gesellschaft», bettet die Haltung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Suche in das gesellschaftliche Umfeld ein. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 7 | 39 Das Forschungsprojekt: Vorgehen und Datengrundlage Das Projekt «Imame, Rapper, Cybermuftis – Islamische Autoritäten, muslimische Jugendliche und gesellschaftliche Kohäsion in der Schweiz» dauerte von November 2014 bis Januar 2017 und wurde von der Stiftung Mercator Schweiz mit 412’000 Franken gefördert. Es stand unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Luzern. Die Feld- forschung und Auswertung leisteten Dr. Jürgen Endres, Dr. Silvia Martens und Dr. Andreas Tunger- Zanetti. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projektteam dabei von Prof. Sabine Strasser (Universi- tät Bern) und Dr. Eva Mey (ZHAW Zürich). Die Transkription der Interviews und gelegentliche Re- cherchen besorgten Guillaume Chatagny, Maria Ettlin, Melanie Eyer, Lea Schläfli und Sahra Strizzolo. Projektdesign Ziel des Projekts war es zu untersuchen, an welchen islamischen Autoritäten sich junge muslimische Frauen und Männer in der Schweiz orientieren, wie sie mit den Orientierungsangeboten der als Autoritäten erachteten Personen umgehen und wie sich diese Praxis auf ihre Selbstpositionierung und ihre Haltungen gegenüber Staat und Gesellschaft auswirkt. Wie schon im Vorgängerprojekt zu muslimischen Jugendgruppen setzte das Forschungsteam ‹Jugend› bewusst breit bei einem Alter von ca. 15 bis ca. 30 Jahren an. Dies entspricht jenen Phasen der Biographie, in denen sich junge Menschen zunächst in Bezug auf ihre Identität, später auch ökonomisch deutlicher von ihren Eltern lösen und in der Folge sozial und beruflich ihren persönlichen Platz in der Gesellschaft einnehmen. In diesen Phasen entwickelt der Heranwachsende u.a. intellektuelle und soziale Kompetenzen, ein Werte- und Normensystem wie auch ein ethisches und politisches Bewusstsein. Die wenige bisherige Forschung zu muslimischen Jugendlichen in der Schweiz hatte zwar bisweilen Fragen der Identitätsfindung, der Selbstpositionierung oder auch der Diskriminierung untersucht (vgl. S. 38 die weiterführende Literatur). Die Frage der genutzten Orientierungsangebote und der Aneig- nung von Religion wurde jedoch bisher einzig in Bezug auf Konvertiten gestellt, insbesondere von den Forscherinnen Susanne Leuenberger und Petra Bleisch. Bei der Frage nach den für die Jugendlichen relevanten Autoritäten gingen wir bewusst von der Perspektive der Jugendlichen aus: Sie sollten uns sagen, welche Orientierungsangebote für sie wichtig sind. Dabei ging es dem Forschungsteam nicht um die Inhalte dieser Angebote, sondern darum, wie die Jugendlichen sie nutzen. Bereits der Projekttitel «Imame, Rapper, Cybermuftis» ver- sucht anzudeuten, dass wir mit einem gewissen Spektrum an Autoritäten rechneten. Die tatsächliche Breite des Spektrums wie auch die hohe Zahl von über hundert genannten Autoritäten überraschte dann aber selbst uns. Methodisch gingen wir auf mehreren Ebenen vor: Während der ganzen Projektdauer unterhielten wir die Facebook-Seite Imra Cy und die eigene Webseite www.unilu.ch/imracy. Während die zweite der Selbstdarstellung diente, erlaubte uns die Facebook-Seite, mit zahlreichen jungen Muslimen in Kontakt zu treten, Hinweise auf Veranstaltungen und die aktuell vieldiskutierten Themen zu finden. Ausserdem besuchten wir während der ganzen Projektdauer verschiedentlich Veranstaltungen mit muslimischen Jugendlichen, um durch eigene teilnehmende Beobachtung weitere Kontakte zu knüp- fen und eigene Eindrücke zu gewinnen. Die Interviewpartner rekrutierten wir bewusst über mehrere Wege, um uns von keinem Zugang zu sehr abhängig zu machen: über Schlüsselpersonen an Mo- http://www.unilu.ch/imracy «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 8 | 39 scheen, Jugendtreffs und einer Berufsschule, durch direkte Ansprache, über Facebook-Kontakte, vereinzelt auch durch persönlichen Kontakt. Ab Frühjahr 2015 führten wir eine Serie von acht Gruppendiskussionen, um erste Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie muslimische Jugendliche und junge Erwachsene über Dilemmasituationen diskutieren, und um Ausgangspunkte für die Einzelinterviews zu gewinnen: Welche Handlungs- optionen sehen sie? Mit welchen Autoritäten, Werten oder Überlegungen legitimieren sie diese? Wie wägen sie die Optionen gegeneinander ab? Die kurz darauf mit Jugendlichen begonnenen Einzel- interviews dauerten zwischen 23 bis 240 Minuten, im Durchschnitt 82 Minuten. Ab Sommer 2015, vorwiegend aber 2016 interviewten wir ausserdem 18 Autoritäten, die uns in den Einzelinterviews als Orientierungsgeber genannt worden waren oder die wir als solche identifiziert hatten. Allein die 61 Einzelinterviews mit Jugendlichen machen fast 5000 Minuten Audioaufnahme aus. Für den vorliegenden Bericht dienen hauptsächlich die Einzelinterviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Datengrundlage. Sie wurden zunächst transkribiert und sodann mithilfe der einschlä- gigen Software Atlas.ti codiert und analysiert. Von Beginn der Transkription an haben wir die Namen der Interviewten durchgehend anonymisiert. Das Sample Bei der Auswahl der Interviewpartner und -partnerinnen konnte das Ziel nicht statistische Repräsentativität sein. Vielmehr ging es uns darum, ein möglichst breites Spektrum bedeutsamer Merkmale wie Geschlecht, Alter, Bildung, religiöses Profil oder Herkunftsregion der Eltern in genügend unterschiedlichen Kombinationen abzubilden. Neun Interviews wurden auf Französisch geführt, da wir die Romandie wenigstens ansatzweise berücksichtigen wollten, um zu erfahren, wo ggf. Unterschiede auszumachen sind. Das Sample (siehe Seite 9) deckt eine grosse Bandbreite ab. Dennoch seien einige Zahlen kom- mentiert: Der Anteil von 13 Interviewpartnern mit türkischem Hintergrund mag hoch scheinen, machen doch Muslime mit türkischem Hintergrund in der Schweiz nur rund 20% aller Muslime aus. Die hohe Zahl solcher Interviews rechtfertigt sich dadurch, dass es gerade im türkischen Diaspora-Islam zahl- reiche unterschiedliche, gut organisierte Richtungen gibt, von denen wir nun die meisten abgedeckt haben. Personen mit einem Bildungsabschluss auf Maturaniveau oder höher sind im Sample mit knapp der Hälfte übervertreten. Personen mit diesem Profil sind eher bereit, ein Interview zu geben bzw. werden von Mittelspersonen eher als Interviewpartner vermittelt als Personen mit Sekundarschul- oder Lehrabschluss. Trotzdem gehört etwas mehr als die Hälfte unserer Interviewpartner der zwei- ten Gruppe an. Sunniten machen im Sample wie auch in der Realität des Schweizer Islams die grosse Mehrheit aus. Bewusst haben wir dabei auch fünf junge Erwachsene mit salafistischen Auffassungen berücksichtigt. In der Realität des Schweizer Islams sind Salafisten eine kleine Minderheit. Die meisten Sunniten billigen den al-salaf aṣ-ṣāliḥ, ‹den tugendhaften Altvorderen›, d.h. den drei Grün- dergenerationen des Islams, eine Ehrenstellung zu. Wo aus dieser Ehrenstellung eine weit- reichende Verbindlichkeit für heute abgeleitet wird, spricht man von Salafismus. Ebenfalls ins Sample eingeschlossen haben wir Schiiten und Mitglieder der Ahmadiyya-Bewegung. Zwischen «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 9 | 39 der Minderheit der Schiiten und den Sunniten herrscht meist ein distanziertes Verhältnis. Die Ahmadis hingegen werden von vielen Muslimen als Anhänger einer häretischen Form des Islams betrachtet, obwohl sie praktisch durchweg die gleichen Normen wie die Sunniten anerkennen. Bewusst nicht berücksichtigt haben wir alevitische Jugendliche, da das Alevitum deutlich verschieden von den islamischen Hauptströmungen ist und sowohl von einem Grossteil seiner Anhänger als auch von der Wissenschaft und der Öffentlichkeit nicht dem Islam zugerechnet wird. Übervertreten sind im Sample praktizierende Muslime. Dies liegt in der Natur einer Untersuchung, die nach religiöser Orientierung fragt. Wir haben aber bewusst auch mindestens zehn Personen befragt, die nach eigener Auskunft oder unserer Einschätzung wenig bis gar nicht praktizieren. Sie selbst sehen sich dennoch als Muslime oder werden als solche wahrgenommen. Und auch unter den Praktizierenden üben nicht alle ihre Religion auf die gleiche Weise aus. Sie variieren bspw. er- heblich in der Teilnahme an Gemeinschaftsanlässen, aber auch z. B. im Interesse am Kennen- lernen weiterer religiöser Inhalte (vgl. unten S. 16). Das Sample der von uns interviewten jungen Muslime und Musliminnen setzt sich wie folgt zusammen: Merkmale des Samples Geschlecht Alter Zivilstand Aufenthaltsdauer in der Schweiz höchster Bildungsabschluss Frauen 28 Männer 33 bis 20 19 21-26 32 27 und älter 10 ledig 50 nur rel. verh. 1 zivil verheiratet 8 geschieden 2 mehr als Hälfte des Lebens 54 weniger als Hälfte des Lebens 7 Sek/Lehre 33 Gym./HF/Uni 28 Familiäre Sozialisation Herkunft der Eltern Religionsrichtung Hauptsprache bei rel. Suche beide Eltern muslimisch 57 ein Elternteil nicht-musl. 3 beide Eltern nicht-musl. 1 gemischt mit CH 3 gemischt ohne CH 4 Westbalkan 14 Türkei 13 Maghreb 12 östl. arab. Länder 4 Südasien 5 Ostafrika 5 übrige 1 Sunni (inkl. Salafi) 55 Nicht-Sunni 6 Arabisch 4 Deutsch/Franz. 25 Herkunftssprache der Eltern 9 2 oder mehr Spr. 20 unklar 3 Auswertung Die Datenbasis der vorliegenden Studie ist nicht nur sehr umfangreich. Das Material ist auch äusserst vielschichtig und bietet die Möglichkeit, die Aussagen auf unterschiedliche Fragestellungen hin zu «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 10 | 39 analysieren. In jedem Fall ist es eine Momentaufnahme der einzelnen Person. Bereits ein halbes oder ganzes Jahr später könnte derselben Person in einem Interview mit denselben Fragen womöglich ganz anderes wichtig und berichtenswert erscheinen. In manchen Fällen konnten wir an Interview- partnern, die wir später erneut antrafen, solche Akzentverschiebungen wahrnehmen. Diese Beobach- tung schmälert den Erkenntniswert der Interviews keineswegs. Sie soll uns aber davon abhalten, die interviewten Personen auf bestimmte Eigenschaften oder Aussagen zu reduzieren und dauerhaft fest- zuschreiben. Ohnehin ist die Untersuchung nicht an der konkreten Person X oder Y interessiert, sondern an den von ihr ausgedrückten Haltungen, wie sie zugleich bei vielen weiteren Personen ähnlich vorkommen. Ein Interviewpartner präsentiert dem Forschenden stets seine Sicht der Dinge. Seine Darstellung verfolgt zudem je nach Situation bestimmte Ziele: Der Interviewpartner versucht in gutem Licht zu erscheinen – vor der Forscherin oder dem Forscher, vor der von ihnen repräsentierten Öffentlichkeit, vor Glaubensgeschwistern, vor sich selber. All dies ist bei der Auswertung der Interviewaussagen zu berücksichtigen. Nach Projektende Mit der Publikation des vorliegenden Berichts ist das Projekt erst an seinem vorläufigen Ende. Ein Teil des Materials bleibt noch auszuwerten. Vor allem aber beabsichtigt das Forschungsteam, die Ergeb- nisse in einer Buchpublikation breiter und systematischer darzustellen und mit detaillierteren Belegen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In wissenschaftlichen Beiträgen beabsichtigen wir in den nächsten Jahren überdies weitere Einzelaspekte aufzugreifen und zu vertiefen. Wir hoffen, dass die Ergebnisse auch diesmal, wie beim Jugendgruppen-Projekt, wieder auf Interesse von Fachleuten in Schule, Sozial-, Jugend- und Integrationsarbeit, bei Behörden, in der Zivilgesell- schaft, in muslimischen Gruppen und Organisationen und auch bei Medienschaffenden stossen. Für diese Gruppen bereiten wir wiederum ein Vermittlungsprogramm vor. Geplant ist, unsere Erkenntnisse didaktisch aufzubereiten und in halbtägigen Workshops mit begrenzter Teilnehmerzahl vorzustellen und gründlich zu diskutieren. Entsprechende Ausschreibungen werden auf der Weiterbildungsseite des Zentrums Religionsforschung zu finden sein: www.unilu.ch/zrf/wb. http://www.unilu.ch/zrf/wb «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 11 | 39 Hinwendungsprozesse Die folgenden Kapitel stellen die wichtigsten Ergebnisse unserer Studie vor, die uns mit Blick auf die zu Beginn formulierten Forschungsfragen besonders relevant erscheinen. Im ersten Hauptkapitel geht es dabei um Fragen wie: Wann und ausgelöst wodurch bzw. unter welchen Bedingungen kommt es bei jungen Muslimen zu einer Auseinandersetzung mit dem Islam? Wie verlaufen Prozesse der religi- ösen Hinwendung bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen? Welche Auswirkungen haben Hin- wendungsprozesse auf ihr Verhalten und die sozialen Beziehungen zu ihren Mitmenschen? Welche religiösen Bedürfnisse stehen bei den jungen Muslimen im Vordergrund, wenn sie sich mit dem Islam beschäftigen? Die muslimische Jugend in der Schweiz auf der Suche nach religiöser Identität Die Minderheitensituation und der negative Islam-Diskurs in der Schweiz drängen zur Ausein- andersetzung mit der eigenen religiösen Identität. Sie sind somit ein wichtiger Impuls für die Hinwendung muslimischer Jugendlicher zum Islam. Die Adoleszenz ist eine Phase der Suche nach der eigenen Identität und nach Zugehörigkeit. So erfolgt eine erste bewusste Hinwendung zu religiösen Themen häufig in der Jugend, bei jungen Mus- liminnen und Muslimen wie auch bei Angehörigen anderer Religionen. Im Vergleich zu nicht-muslimi- schen Jugendlichen in der Schweiz und zu muslimischen Jugendlichen in Ländern mit einer mehrheit- lich muslimischen Bevölkerung sehen sich junge Muslime in der Schweiz stärker zu einer solchen Auseinandersetzung angehalten: einerseits dadurch, dass sie als religiöse Minderheit ständig mit anderen, in dieser Gesellschaft stärker vertretenen religiösen und weltanschaulichen Positionen kon- frontiert sind, und andererseits, weil sie wegen des negativen Islam-Bilds in ihrem nicht-muslimischen Umfeld vor sich selbst und vor anderen die eigene religiöse Position auch aktiv rechtfertigen müssen. Die Minarett-Debatte war in dieser Hinsicht für viele der befragten Muslime einschneidend; die gegenwärtigen Initiativen für kantonale und nationale Verhüllungsverbote (‹Burkaverbot›) dürften einen ähnlichen Einfluss haben. Neben der Identitätsbildung in der Adoleszenz und der gesellschaftlichen Diskussion können auch andere Faktoren eine vertiefte Beschäftigung mit dem Islam auslösen. Bei den von uns interviewten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind das etwa Todesfälle oder Krankheit in der Familie, eine Sinnkrise oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Lebensstil. Auch die Geburt und Erziehung von Kin- dern oder auch die Begegnung mit religiösen Menschen und Reisen in muslimisch geprägte Länder können Auslöser sein. Die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen religiösen Identität geht stark von den Jugendlichen selbst und ihren Bedürfnissen aus. Entgegen populären Annahmen haben mus- limische Institutionen, religiöse Autoritäten oder die Eltern höchstens am Rande einen Einfluss darauf. Bisweilen erfolgt die Identitätssuche gar in bewusster Abgrenzung zum Islam der Eltern. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 12 | 39 Muster der Hinwendung Hinwendungen können als graduell und kontinuierlich oder als biographischer Bruch erlebt werden. Die Mehrheit unserer Interviewpartnerinnen und -partner hat keine gezielte religiöse Erziehung in der Familie genossen. Ihre Eltern sind zwar religiös und praktizieren zumindest selektiv den Islam, verfü- gen aber überwiegend nicht über umfassende Kenntnisse über Glaubensinhalte, die sie ihren Kindern auf geeignete Weise weitergeben können. Einige dieser Eltern legen aber Wert darauf, dass ihre Kinder ein Grundwissen über den Islam erwerben und schickten sie deshalb in den Koranunterricht einer Moschee. Eine Minderheit der Eltern hat hingegen selbst eine fundierte religiöse Erziehung oder Ausbildung erfahren oder sich selbst im Erwachsenenalter im Glauben vertieft. Sie versuchen ihren Kindern ihr Wissen weiterzugeben und den Kindern zu helfen, eine emotionale Beziehung zum islamischen Glauben aufzubauen. Für einige unserer Interviewpartner war neben der religiösen Erziehung zu Hause und in der Moschee aber auch der Religionsunterricht an der Schule (mit muslimischer Lehrperson) prägend. Einige wenige junge Muslime in unserem Sample haben zuhause keinerlei religiöse Prägung erhalten. Je nach religiöser Sozialisation haben junge Muslime in der Schweiz als Jugendliche eine unter- schiedlich starke Beziehung zum Islam und einen unterschiedlichen Wissensstand. In unserem Sample finden wir zwei Hauptmuster der Hinwendung: Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in ihrer Kindheit durch die Familie schon in die reli- giöse Gemeinschaft eingebunden waren und im Elternhaus oder in der Moschee bereits eine islamische Bildung genossen haben, beschreiben Hinwendungsprozesse zum Islam in ihrer Bio- graphie in der Regel als graduell und kontinuierlich. Das heisst, sie berichten nicht von einem plötz- lich erwachten Interesse an religiösen Themen, sondern eher von einer dauerhaften Beschäftigung mit dem Islam. Typischerweise vertiefen sie in der Jugendphase die Auseinandersetzung, führen diese bewusster und ergründen spezifische Fragen mit gesteigertem Interesse, ohne dass dabei notwendig ein deutlicher Wandel von aussen beobachtbar wäre. Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Hinwendung zum Islam hingegen als biographischen Bruch oder deutlichen Sinneswandel beschreiben, sind meist als Kind kaum religiös sozialisiert worden. Sie beschreiben ein plötzlich aufkommendes starkes Interesse an religiösen Themen und den Wunsch ihren bisherigen Lebensstil zu ändern und auch deutlich nach aussen hin sichtbar zu markieren. Das erste Muster kann mit einem Zitat von einer jungen Tunesierin veranschaulicht werden: Ich habe immer gesehen, dass mein Vater fünf Mal am Tag betet, meine Mutter auch und meine älteren Geschwister auch. Es gab immer Eid, also Bayram. Und das ist mir schon als kleines Kind erklärt worden, was das genau ist. […] Ich habe auch nichts anderes gekannt. Und dann in der Pubertätszeit, so mit 15, 16, habe ich mich halt so ein bisschen gefragt: ‹Wieso bin ich Muslimin?› Oder ich habe mich auch erkundigt und wollte einfach wissen, was genau der Islam ist für mich oder wieso ist jetzt das meine Religion? […] Ich habe auch andere Religionen angeschaut wie Judentum, Christentum, Buddhismus. Halt all diese Sachen. Und ich habe dann einfach für mich gedacht: ‹Doch, dort, wo ich jetzt bin, ist eigentlich das richtig für mich.› […] Ich habe immer schon das Gespür gehabt, ja es gibt Gott. Oder ich hatte immer den Bezug, ja. (Huja, w, 21) Ein gutes Beispiel für das zweite Muster ist Djihan. Sie erinnert sich, dass der Islam in ihrer Kindheit und Jugend keine grosse Rolle gespielt hat und dass ihre Eltern sich zwar als Muslime verstehen, «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 13 | 39 aber ihre Religion nicht praktiziert haben. Als Jugendliche habe sie stark gegen die marokkanische Kultur ihrer Eltern rebelliert und ihre Freiheit erkämpft. Sie fand aber schliesslich in dieser Freiheit nicht Zufriedenheit oder Erfülltheit. Man kommt wie nicht aus dem raus. Aus dem Partyleben und aus dem.. aufhören zu rauchen. Und ich habe mit vielen Menschen sogar im Ausgang, stockbesoffen, wirklich, habe ich immer wieder die Frage gehabt: ‹Was ist unser Leben?› Das kling zwar blöd, aber das ist wirklich / ich habe immer gefragt: ‹Was bringt uns das ganze Leben so?› Und es hat ja niemand eine Antwort. Und auch nicht meine Eltern […]. Und für mich ist ein Mensch, der seinen Seelenfrieden gefunden hat, der strahlt das auch aus. Der lebt das auch. Der hat einen Frieden innerlich. Und ich (lachend) ich habe das irgendwie nie bei diesen Muslimen gesehen. […] Ich habe mich von der ganzen Welt abgeschottet. Von allen. Ich habe einmal gesagt: ‹Vorbei.› […]. Es ist der Tag gekommen, wo ich gesagt habe: ‹Jetzt, muss es sich ändern.› Und das ist einfach nach dem gekommen, wo ich Gott gefragt habe, ob er mich dann / ob er mir einfach den Weg zeigen könne, weil ich könne ihn ja nicht mehr alleine das machen. Und dann sind eben die Sachen passiert, die mir dann den Weg gezeigt haben. Und ja seit dann ist eigentlich meine Reise immer weitergegangen. Und so bin ich dann auch zum Wissen gekommen, was Islam überhaupt ist. (Djihan, w, 30) Schwankungen bei der Hinwendung Die Auseinandersetzung mit dem Islam erfolgt oftmals in sich abwechselnden Phasen der Hinwendung und Phasen der Distanzierung bzw. des geringeren Interesses an religiösen Themen. In den biographischen Erzählungen der jungen Muslime und Musliminnen in unserer Studie wurde sehr deutlich, dass Hinwendungen zu religiösen Themen dabei nicht geradlinig erfolgen. Vielmehr fol- gen Phasen der bewussten Hinwendung auf Phasen der Distanzierung oder des geringeren Interes- ses an Religion und umgekehrt. D.h. das Interesse an religiösen Themen und die Intensität, mit der sich die Interviewten mit dem Islam auseinandersetzen, schwankt über die Zeit. Eine geringere Beschäftigung mit dem Islam kann dabei ganz unterschiedliche Gründe haben. Häufig ist der Grund einfach, dass andere Themen während des jeweiligen Lebensabschnitts besonders viel Aufmerk- samkeit beanspruchen, so etwa in einer Phase mit starkem schulischen Druck oder in der Zeit des Berufseintritts. Eine Distanzierung vom Islam kann aber auch gewissermassen bewusst und gezielt erfolgen und gekennzeichnet sein von Zweifeln oder dem Hinterfragen der Religion und Kultur der Eltern. Auch eine allgemeine Religionskritik oder Kritik an spezifischen Glaubensinhalten des Islams oder an religiöser Autorität kann zur Distanzierung führen. Eine solche bewusste Distanzierung ist häufig angestossen durch islamkritische Haltungen im Freundeskreis oder den negativen Islam- Diskurs in Medien und Gesellschaft allgemein. Insbesondere in der Jugendphase wird von einigen Muslimen der Islam als Einschränkung empfunden und etwas, das sie aus den Aktivitäten ihrer nicht- muslimischen Peers ausschliesst und ihnen gewisse Erfahrungen vorenthält, so etwa Alkoholkonsum oder aussereheliche Sexualbeziehungen. Bei einigen Interviewpartnern stand eine Phase der Distan- zierung vom Islam bzw. der schwächeren religiösen Praxis mit negativen Erlebnissen in der Familie oder der Enttäuschung durch Vorbilder (Eltern, andere religiöse Vorbilder) in Zusammenhang. Besonders häufig wird hierbei Kritik an den religiös-kulturellen Praktiken der Eltern geübt. Eine Auflösung des Konfliktes und neue Annäherung an den Islam gelingt den Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann häufig dadurch, dass sie die kritisierten Praktiken und Überzeugungen der Herkunftskultur der Eltern zuordnen und nicht als zum Islam gehörig bzw. jedenfalls nicht als vereinbar mit ihrem eigenen Islamverständnis erachten. Diese Strategie machen sich in unseren Interviews besonders häufig die jungen Frauen zu eigen: So führen sie etwa die Benachteiligung von Frauen in muslimischen Gesellschaften und auch unter Muslimen in der Schweiz nicht auf den Islam, «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 14 | 39 sondern auf kulturelle Einflüsse in den Herkunftsländern zurück. Sie fordern daher einen ‹entkulturali- sierten› Islam, den sie als zeitgemäss und passend für Muslime in der Schweiz erachten. Die Beobachtung, dass die Art und Intensität der Auseinandersetzung mit dem Glauben bei den jungen Muslimen über die Zeit schwankt, impliziert, dass unsere Interviews mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als eine Momentaufnahme zu verstehen sind. Die gegenwärtige Positionierung der Interviewpartner lässt daher nur begrenzt Schlüsse über die zukünftige religiöse Praxis dieser Personen und ihre zukünftigen religiösen Einstellungen zu. Jugendliche, die zum Zeitpunkt des Interviews etwa mit einem salafistischen Islamver- ständnis sympathisieren, können nur wenige Monate später wieder Abstand davon genommen haben. Die zum Teil konfliktreiche Suche nach der eigenen islamischen Identität lässt sich gut am Beispiel von Metin illustrieren. Er bezeichnet sich selbst im Interview scherzhaft als ‹Salafufi›, demnach als Mischung aus Salafi und Sufi. Er erhielt in der Familie keine bewusste religiöse Erziehung, seine Eltern praktizierten den Islam nicht konsequent. Angestossen durch ältere Geschwister begann Metin im Alter von 15 Jahren sich mit dem Islam auseinanderzusetzen und das Gebet zu praktizieren. Zu dieser Zeit hatte er eine nicht-muslimische Freundin, was ihm zunehmend innere Konflikte bereitete. […] ich habe für mich ein Gottesbild geschaffen, das ein bisschen strenger ist. Und ich hatte einfach das Gefühl, er ist streng und er gibt sehr viel, aber er verlangt auch viel. Sozusagen. Einfach dieses Bild hatte ich. Irgendwann mal habe ich mich von meiner Ex-Freundin getrennt. […] Weil ich wusste, ich liebe sie und ich wollte mit ihr zusammen sein, aber ich darf nicht. Weil sie war Atheistin und sie hat nicht an Gott geglaubt. Und dann ist es für mich einfach ‹ich darf nicht›. […] und als ich mich von ihr getrennt habe, […] ich weiss auch nicht / aber dann habe ich mich automatisch auch vom Islam getrennt. Ich weiss nicht, ob ich dann auch so wie Gott die Schuld gegeben habe oder irgendwie ich weiss auch nicht, dem Islam die Schuld gegeben habe oder was auch immer. Oder mir die Schuld gegeben habe. Aber dann hatte ich keine Freude mehr und ich konnte es gar nicht mehr machen. Also ich konnte gar nicht mehr beten / also / ich hatte keine Lust mehr gehabt. All das, all die Motivation, die ich bis dann hatte, war einfach weg. (Metin, m, 25) Nach einigen Jahren der Distanz zum Islam suchte Metin schliesslich wieder mehr nach religiöser Praxis und der Beschäftigung mit religiösen Inhalten. Seine Beziehung zum Islam erlebt er heute als weniger konfliktreich und sein Gottesbild hat sich verändert. Gleichwohl hat er viele für sich noch ungeklärte Fragen und ist weiterhin auf der Suche nach dem für ihn passenden Islam. Auswirkungen der Hinwendung Die Hinwendung zum Islam hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten der jungen Muslime selbst, sondern sie führt häufig zu einer veränderten Wahrnehmung durch das soziale Umfeld. Im Familien- und im Freundeskreis überwiegen positive Reaktionen, in der Schule, am Arbeits- platz und in der Öffentlichkeit eher die negativen. Machen muslimische Jugendliche ihr vertief- tes Interesse am Islam durch äussere Erscheinung oder Praxis sichtbar, so müssen sie mit Ausschlusserfahrungen und Diskriminierung rechnen. In den Interviews werden verschiedene Auswirkungen der Hinwendung zum Islam auf das eigene Verhalten, aber auch auf die Wahrnehmung der Interviewpartner durch ihr soziales Umfeld beschrie- ben. Hinsichtlich der Haltungen und des Verhaltens der jungen Muslime selbst bewirkt eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Islam zumeist, dass sie sich bemühen, ihren Alltag stärker als zuvor «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 15 | 39 entlang religiöser Normen zu gestalten. Das heisst, die Vertiefung der Kenntnisse im Islam ist bei Hinwendungsprozessen, wie sie uns im Projekt geschildert wurden, kein Selbstzweck. Sie dient ent- weder bewusst als Mittel zur Bestimmung dessen, wie rituell oder im Alltagsleben gehandelt werden sollte, oder beeinflusst jedenfalls vorhandene Einstellungen und Verhaltensweisen der Jugendlichen. Dabei muss die Suche nach solchen Kenntnissen nicht das anfängliche Motiv für die Ausein- andersetzung mit dem Islam gewesen sein. So wird Verhalten, welches bekannten islamischen Normen widerspricht, vermieden, so etwa Alkoholkonsum, Lästern und Fluchen oder als ‹sinnlos› erachteter Zeitvertreib. Der Freundeskreis wird gewechselt, wenn die bisherigen Freunde dem ge- wählten Lebensstil nicht entsprechen bzw. ihn nicht akzeptieren. Der innere Wandel wird z.T. auch durch eine äusserliche Veränderung markiert. Dies zeigt sich bei Frauen insbesondere durch den Entscheid für das Tragen des Kopftuches. 3 Männer unterstreichen diesen Wandel manchmal durch einen Bart oder ihre Kleidung. Eine Hinwendung wird mitunter kontextabhängig durch die häufige Verwendung islamischer Redewendungen gekennzeichnet. In ihren Familien erlebten junge Muslime aus unserer Studie zumeist positive Reaktionen auf ihre be- wusstere oder intensivere Auseinandersetzung mit dem Islam. Auch nicht-muslimische Familien- angehörige unterstützen ihre religiöse Orientierung. Ambivalenter ist die Reaktion auf äusserliche Veränderungen, z.B. im Kleidungsstil. Eltern zeigen sich etwa bei Mädchen und jungen Frauen, die das Kopftuch tragen wollen, häufig zunächst skeptisch und raten ihnen davon ab. Dieses nicht, weil sie das Kopftuch an sich ablehnen, sondern, weil sie ihre Töchter vor negativen Reaktionen und Nachteilen in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt und in der Öffentlichkeit schützen möchten. Gelegent- lich findet sich in der Verwandtschaft der jungen Muslime aber auch die Haltung, dass eine konsequente religiöse Praxis wie der Verzicht auf Alkohol, regelmässige Gebete und das Tragen des Kopftuchs erst im fortgeschrittenen Alter wichtig ist. Den Jugendlichen wird dann mit Unverständnis oder gar Spott begegnet, wenn sie Wert auf die Einhaltung religiöser Normen legen und sich dies in ihrem Verhalten und Aussehen niederschlägt. In der gesellschaftlichen Diskussion wird die Vielfalt religiöser Hinwendungsprozesse und religiöser Profile nicht wahrgenommen. So erscheint die Hinwendung zum Islam vielen Nicht-Muslimen und mitunter auch stark säkular orientierten Muslimen fast automatisch als eine Radikalisierung und jede Form sichtbarer Religiosität bei jungen Muslimen gilt als problematisch. Es überrascht daher nicht, dass unsere Interviewpartner und Interviewpartnerinnen von negativen Reaktionen Aussenstehender auf sichtbare äussere Veränderung berichten (siehe Kapitel «Junge Muslime und Schweizer Gesellschaft»). Besonders häufig wird diese Erfahrung von Frauen, die das Kopftuch tragen, im Interview angesprochen: Schul- und Arbeitskollegen, die zuvor einen freundlichen Umgang mit ihnen pflegten, gehen beispielsweise nach dem Entscheid zum Kopftuch auf Distanz; Arbeitgeber wollen die jungen Frauen mitunter nicht länger beschäftigen. Die Arbeitssuche mit Kopftuch wird als allgemein schwierig erlebt. Diese Frauen werden häufig von Arbeitgebern, Arbeitskollegen und Arbeitsvermitt- lern dazu aufgefordert, das Kopftuch abzulegen. Dies geschieht auch in Berufen und an Arbeits- plätzen, wo keine hygienischen Bedenken geltend gemacht werden können und der Kundenkontakt begrenzt ist. Junge Männer berichten seltener von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Sie werden aber manchmal von Kollegen gestichelt, weil sie Muslime sind, oder sie erklären, das Thema Religion am Arbeitsplatz bewusst zu vermeiden, um Auseinandersetzungen vorzubeugen. Ein Teil der jungen Musliminnen und Muslime aus unseren Interviews versucht aktiv durch ein gezielt positives, kommunikatives Auftreten möglichen Vorurteilen durch Kollegen entgegenzuwirken. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 16 | 39 Diversität religiöser Profile und Bedürfnisse Obwohl die religiösen Profile und Bedürfnisse dieser jungen Leute durchaus sehr verschieden sind, vertritt der überwiegende Teil unserer Interviewpartner ein Islam-Verständnis, das mit der Schweizer Kultur und ihren Werten vereinbar ist. Das heisst auch, dass Praktiken und Vorstellungen in anderen Ländern den Jugendlichen nur bedingt als Vorbild für ihre religiöse Praxis in der Schweiz dienen. Wie schon eingangs erwähnt ist der Mehrheit unserer Interviewpartner gemeinsam, dass sie der Reli- gion eine hohe Bedeutung beimisst. Dabei wird der Islam von vielen als umfassende Religion, die in ihrem Alltag immer irgendwie präsent ist, beschrieben. So erklärt Yasmine: Der Islam ist halt eine Religion, die allgegenwärtig ist. Also der Islam ist immer da. Der Islam ist nicht eine Religion, wo man einmal in der Woche in die Kirche geht und dann ist gut, oder. Sondern der Islam begleitet mich eigentlich, man kann eigentlich sagen, bei allem. Also für mich ist Religion eigentlich die ganze Zeit da und egal ob ich jetzt arbeiten gehe, ob ich auf meine Kinder zu Hause aufpasse, ob ich jetzt koche oder wirklich in jeder Entscheidung ist die Religion ja da. (Yasmine, w, 26) Dennoch unterscheiden sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen darin, wie sie den Islam leben und worauf es ihnen dabei ankommt. Die Akzente können sich auch über die Zeit oder je nach Situation verschieben. Für eine Gruppe der interviewten Muslime ist der Islam vor allem eine Quelle für Kraft und Halt in schwierigen Zeiten, etwas, das sie emotional stützt. Für andere ist der Islam in erster Linie eine Richtschnur oder ein Wegweiser für ein gutes, moralisches Leben. Er liefert ihnen Grundwerte, an denen sie ihr Verhalten ausrichten. Ihre Alltagsentscheidungen treffen sie dann im Geiste dieser Werte. Sie haben nicht das Bedürfnis, für jede spezifische Situation, jeden Einzelfall eine passende islamische Quelle zu konsultieren. Auch die genaue Einhaltung islamischer Riten spielt für Muslime wie Kamilia eine untergeordnete Rolle. Ich habe das Gefühl, ich muss mehr wissen. Also ich habe das Gefühl, indem, dass ich gewisse Sachen hinterfrage, bin ich nicht grundsätzlich eine schlechte Muslima. Ich habe das Gefühl, der Islam will mehr von mir, als den Koran auswendig lernen und dass ich fünfmal am Tag bete. Weil Fakt ist, ich habe jetzt zwar gefastet, relativ viele Tage. […] Aber ich bete jetzt nicht. Jetzt kann man sich darüber streiten […], bin ich darum eine schlechte Muslima, komme ich darum in die Hölle? Ich glaube nicht. (Kamilia, w, 25) Demgegenüber ist für einen Teil unserer Interviewpartner der Islam eine Art Regelwerk, das genaue Handlungsanweisungen für die rituelle Praxis und/oder das Verhalten in der Gesellschaft vorgibt. Für sie ist es wichtig, für ganz konkrete Alltagssituationen aus islamischen Quellen Ratschläge und In- struktionen zu erhalten, die sie genau einhalten und umsetzen möchten. Die religiöse Gemeinschaft hat für die jungen Leute insgesamt einen unterschiedlichen Stellenwert: Einigen Jugendlichen geht es vor allem darum, für sich selbst eine religiöse Position zu finden und ihre persönliche Spiritualität auszuleben, ohne dass sie notwendigerweise den Austausch mit anderen Mus- limen und die Teilnahme an gemeinschaftlichen religiösen Praktiken wünschen. Anderen, zum Beispiel Fauziya, ist die religiöse Praxis in der Gemeinschaft mit anderen Muslimen ein Bedürfnis. Sie suchen gezielt den Austausch und das gemeinsame Erlebnis, das ihnen auch als eine Bestätigung für ihre Iden- tität als Gruppenmitglied und zur Bewältigung von Ausschlusserfahrungen in der Gesellschaft dient. Ja und wenn sie jetzt zum Beispiel Veranstaltungen haben, gehe ich sehr gerne hin, weil halt die Atmosphäre ist anders. Also es ist halt diese Bindung unter Muslimen, dass man wieder Geschwister sieht im Islam und dass man auch ein bisschen den īmān [Glauben] auch wieder ein bisschen hochpushen kann. Das ist einfach für mich wichtig. (Fauziya, w, 26) «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 17 | 39 Autoritäten ‹Autorität› Die vorliegende Studie fragt nach handlungsleitenden und prägenden Orientierungsangeboten für muslimische Jugendliche. Sie nimmt dabei konsequent die Seite der ‹Nachfrage›, d. h. der Jugendlichen, in den Blick und verwendet einen weiten Autoritätsbegriff. Unser Projekt gilt der Frage, an welchen islamischen Angeboten und Normen sich junge muslimische Frauen und Männer in der Schweiz orientieren, wie sie damit umgehen und wie sich dies auf ihre Haltungen gegenüber Staat und Gesellschaft auswirkt. Von der Ausarbeitung des Projektantrags bis zur vorliegenden Publikation begleitete uns dabei die Frage nach dem geeigneten Begriff für die Quellen dieses angenommenen Einflusses. Passt der Begriff ‹Autorität›? Und was macht Autorität aus? Zögern liessen uns sowohl der gängige Sprachgebrauch als auch die gängigen soziologischen oder politikwissenschaftlichen Theorien zu Autorität. In aktuellen Islam-Debatten begegnet einem die Vorstellung, der Koran lege direkt anwendbare Normen fest, hiesige Musliminnen und Muslime folgten bereitwillig den Empfehlungen des Imams an ihrer Moschee, und es seien agitatorische Reden von Internetpredigern, die instabile Jugendliche zum Aufbruch nach Syrien veranlassten. Irgendeine Form von starkem Einfluss wird dabei angenommen. In jedem Fall, so die gängige Vorstellung, hat das Wort der Autorität Gewicht für andere. In vielen Fällen verfügt Autorität über Mittel zur Durchsetzung des erwünschten und zur Sanktio- nierung abweichenden Verhaltens. Der Staat, vertreten durch eine Behörde (engl. ‹authority›), hat dank dem Gewaltmonopol solche Mittel. Wie aber steht es im Bereich der Religion? Zwar kennt zum Beispiel auch die römisch-katholische Kirche zahllose Mittel, die erwünschtes Verhalten belohnen und abweichendes Verhalten bestrafen können. Anwenden kann sie diese jedoch nur auf Personen, die sich dieser Kirche prinzipiell zugehörig fühlen. Andere religiöse Traditionen wie etwa die reformato- rischen Kirchen oder auch der Islam sind hier in der Theorie wesentlich weniger rigoros. So gibt es in den beiden genannten Religionen keine oberste Lehr- und Sanktionierungsautorität, die weltweit vom Gros der Gläubigen anerkannt wäre. Wo Religionen Sakramente wie in den reformatorischen Kirchen nur begrenzt oder wie im Islam gar nicht kennen, entfallen diese als Druckmittel. Die Religionen müs- sen also auf subtilere Formen der Überzeugung ausweichen. In Frage kommen insbesondere ‹Gottes Wille› und der Konformitätsdruck innerhalb der Gemeinschaft. Sollten wir im Kontext der Studie folglich lieber konsequent nur von ‹Orientierungsangeboten› sprechen? Auch wenn die Jugendlichen faktisch zwischen unzähligen Angeboten wählen können, ist uns dieser Begriff alleine zu konturlos, umfasst er doch auch Angebote, die kaum in Betracht kom- men. Das Wort der Autorität hat Gewicht, weil andere ihr wichtige positive Eigenschaften zuschreiben. Autorität ist somit an Beziehungen gebunden und beruht auf Zuschreibung. Arbeitsdefinition Aufgrund von Anhaltspunkten aus der pädagogischen und soziologischen Forschung sowie unseren Beobachtungen operieren wir in unserer Untersuchung mit einem weiten Begriff von Autorität. Wir verwenden die folgende Arbeitsdefinition: «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 18 | 39 Autorität ist jede Person, Organisation oder Instanz, deren Position vom Interviewpartner ernsthaft in Betracht gezogen wird bei der Suche nach für ihn bedeutsamen Auskünften, Erklärungen oder Handlungsempfehlungen. Autorität in diesem Sinn entsteht, weil andere Personen einer bestimmten Person, Organisation oder Instanz Kompetenz, Wissen und andere legitimierende Qualitäten zuerkennen. Sie ist daher wesent- lich von der ‹Nachfrageseite› abhängig, womöglich Schwankungen im Urteil der Nachfragenden unter- worfen, subjektiv, in ihrer Reichweite begrenzt und stark veränderlich. Mit dem Wort Nachfrage ist zugleich angedeutet, dass die Orientierungsangebote durchaus als Markt gedacht werden können. Autorität im Islam Was aber wird von den Jugendlichen nachgefragt? Dies hängt einerseits von den Umständen der Hinwendung zur Religion beim Einzelnen ab, wie das Kapitel «Hinwendungsprozesse» darstellte. Es lassen sich jedoch drei Bereiche ausmachen, in denen sich die Hinwendung insgesamt konkretisieren kann und später auch fortsetzt: die Suche nach Auskunft, nach Rat und nach Ermutigung. Diese Bedürfnisse lassen sich vermutlich auch bei Jugendlichen anderer religiöser Traditionen ausmachen. Was sind also die konkreten Merkmale der islamischen Tradition? Die islamische Tradition weist dem einzelnen Gläubigen grosse Eigenverantwortung für sein Heil zu. Er ist gehalten, die für seine Situation passenden Grundsätze zu erkennen und anzu- wenden. Dafür kann er sich an den Meinungen religiöser Spezialisten wie auch an der Praxis anderer Gläubiger orientieren. Islam bedeutet ‹völlige Hingabe›. Aus dieser Grundhaltung bildete sich seit der Entstehung dieser Religion im 7. Jahrhundert n. Chr. das Bestreben aus, für jede Situation des Lebens das angemesse- ne, gottgefällige, ‹richtige› Verhalten zu kennen, sowohl für den Kultus als auch für den Alltag unter den Menschen. Dieses Bestreben verfestigte sich im Lauf der Zeit zu expliziten Normen für alle mögli- chen Situationen des Lebens. Da sich aber sehr früh zeigte, dass gedankenlose Anwendung zu ab- surden Ergebnissen führt, hat die islamische Tradition zugleich Grundsätze für das Ableiten, Abwägen, Entscheiden und Anwenden wie auch einen volkstümlichen Umgang mit dem hohen Ideal ausgebildet. Nicht alle Menschen einer Gesellschaft sind Muslime, nicht alle Muslime nehmen das Ideal gleich wichtig, und nicht alle Bekenner des Ideals gelangen zu denselben Lösungen für sich. Der Koran als der Text mit der höchsten Geltung regelt relativ wenige Dinge klar. Da sich die Umstände nach Zeit und Ort wandeln, sind die Gläubigen gehalten, den Koran und die Hadithe, die äusserst vielfältigen Berichte über Worte und Taten des Propheten Muhammad, permanent zu interpretieren. Wer das nicht kann, ist auf Spezialisten angewiesen oder orientiert sich am lokal Gebräuchlichen. In fast allen Staaten gilt heute zumindest dem Buchstaben nach der Primat eines säkularen Rechts, auch wenn dieses gerade in vielen islamisch geprägten Ländern starke Einflüsse des religiösen Rechts aufweist. Doch selbst in einer Gesellschaft mit staatlicher Religionsbehörde, erst recht aber in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft und unter Diaspora-Bedingungen treten die unter- schiedlichsten Interpreten dieser Religion und ihrer Normen auf. Diese Interpretationen gänzlich zu ignorieren ist ebenfalls eine Option. In der Schweiz sind die Umstände anders als in traditionell islamischen Ländern: Es gibt unter den Älteren relativ wenige Muslime mit vertieften Kenntnissen. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 19 | 39 selten einen Religionsunterricht, der über die für das Gebet notwendigen kurzen Suren hinausgeht. Der Staat bietet keine Unterstützung, die Gesellschaft eher noch Hindernisse und Unverständnis. An- stelle staatlicher Gängelung wie in etlichen Herkunftsländern der Eltern, erleben Eltern und Kinder hier auch in Religionsdingen ein maximales Angebot. Hinzu kommt das Aufeinandertreffen unterschied- licher muslimischer Diasporatraditionen. Muslimische Jugendliche suchen Auskunft, Rat und Ermutigung. Sie sind dabei stark auf sich allein gestellt und stehen einem vielfältigen Angebot gegenüber. In dieser Situation geht es oft einfach um die Suche nach präzisen Antworten auf eng begrenzte Fragen. Die Antworten sind durch Traditionen der Herkunftsländer oder der weltweiten islamischen Gemeinde zumeist längst verfügbar. Sie müssen dem Fragenden in der Schweiz aber erst einmal ver- mittelt werden. Je nach Situation fragt ein junger Mensch aber nicht (nur) nach fertigen Antworten, sondern sucht Rat und Beratung in einer schwierigen Entscheidung, sei es, weil zwischen unterschiedlichen islamischen Angeboten abzuwägen ist, sei es, weil die Umstände so sind, dass keine Antwort aus dem herkömmlichen Bestand zu passen scheint. Es kann auch sein, dass es sich um ein eher seelsorgerliches Problem handelt. Der junge Mensch, dessen Eltern oder Grosseltern in die Schweiz eingewandert sind, muss so seinen eigenen Weg als Muslim erst gestalten und dafür laufend selbst Entscheidungen treffen, die für ihn oder sie noch weniger vorgegeben sind als für die christlich oder konfessionslos sozialisierten Altersgenossen. Dass er auf diesem anstrengenden Weg und in einem rauen gesellschaftlichen Umfeld zusätzlich Stärkung, Ermutigung und Vorbilder benötigt, liegt auf der Hand. Welche Instanzen nennen die interviewten jungen Musliminnen und Muslime, die nach Ihrer Auffassung passende Angebote für diese vielfältigen Bedürfnisse haben? Typen von Autorität Für die Jugendlichen ist ein breites Spektrum an Autoritätstypen relevant: Personen aus dem persönlichen Umfeld, Funktionsträger in der Gemeinde, in geringerem Mass aber auch Organisationen und abstrakte Instanzen. Manche Personen, insbesondere Künstler, wirken vor allem ermutigend auf der emotionalen Ebene. Das Forschungsteam ist mit der Erwartung ins Feld gegangen, dass die jungen Musliminnen und Muslime neben den Imamen und einigen bekannten Internetpredigern noch andere Autoritäten und Orientierungsquellen nennen würden. Wir waren jedoch überrascht von der Vielfalt an Personen und Instanzen, die sie uns nannten. Die folgende Tabelle ordnet die genannten Autoritäten den Unterscheidungen aus der Arbeitsdefinition zu. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 20 | 39 Tabelle 1: Typen von Autorität Form Merkmale Beispiele Person Einzelperson, vom Interviewpartner als Individuum gefragt oder aufgesucht Elternteil, guter Freund, Vertrauens- person in der Moschee oder im muslimischen Bekanntenkreis Personale Instanz Person mit Bedeutung qua Amt, Funktion oder innermuslimisches Ansehen Imam, Frau des Imams, Prediger, Privatlehrer, Religionslehrer, Intel- lektueller, spiritueller Führer, Blogger Organisation formell oder informell verfasster dauer- hafter Personenverband, u. U. mit eigenem Informations- und Beratungs- angebot und mit wechselnden Bezugs- personen Diyanet, Islamologisches Institut, Schweizerische Islamische Gemein- schaft, Ahl al Bayt, Islamischer Zentral- rat Schweiz Abstrakte Instanz religiöses Kernkonzept, u.U. mit Textkorpus identisch oder verbunden (vermittelt durch personale Autoritäten) Gott, Koran, al-salaf aṣ-ṣāliḥ, Sunna, ʿulamāʾ, Prophet Muhammad, Klassikertexte Die in den Interviews entdeckten Autoritätstypen sind sehr unterschiedlich. Auffallend ist, wie häufig Personen aus dem Nahbereich der Jugendlichen genannt wurden: Familienangehörige, aber auch Personen aus einer muslimischen Gemeinschaft, die regelmässig aufgesucht wird. Oft genannt werden sodann personale Instanzen. Gemeint sind hier Personen, die ein Amt ausfüllen, am häufigsten das des Imams. Es können jedoch auch Einzelperson sein, etwa bekannte Prediger oder Intellektuelle, die häufig ihr Angebot über das Internet zugänglich machen. Auch die Frau des Imams oder die Religionslehrerin einer Moschee sind hier zu nennen. Benannt wurde schliesslich auch der Sufi-Scheich, der lokale spirituelle Führer eines mystischen Ordens. Unerwartet mag die Kategorie der abstrakten Instanzen erscheinen. Gott oder der Prophet Muhammad wurden uns aber in den Interviews tatsächlich vereinzelt genannt als jene ‹Person›, die man bspw. um Rat fragt. Instanzen wie ‹Gott› oder ‹der Prophet› sind im Sinn der Wissenschaft nicht unmittelbar zugänglich, sondern erschliessen sich dem Gläubigen in der Regel durch die Vermittlung personaler Autoritäten der ersten oder zweiten Kategorie oder aber durch die eigenständige Lektüre entsprechender Texte (Koran, Hadith, Prophetenbiographie) sowie das Gebet. Selbst diese Textquellen mit Autoritätsstatus bedürfen oft noch der Erläuterung und der Interpretation durch heu- tige Fachleute. Schildern Jugendliche ihren Zugang zu diesen Instanzen als gleichsam direkt, ist ihnen die deutende Rolle der vermittelnden Instanzen, sei es ein Buch, ein Prediger, womöglich nicht be- wusst. Organisationen als autoritative Instanzen kamen in den Interviews unerwartet wenig und nicht sonderlich prominent vor. Ihr Wert liegt für einen Teil der Jugendlichen darin, dass man die Grund- ausrichtung des Gesamtangebots bereits akzeptiert hat und daher annehmen darf, etwas für seine Bedürfnisse Passendes zu finden. Vielfältig ist nicht nur der Ertrag unseres Projekts an Autoritätstypen und konkreten Autoritäten im ge- samten Sample. Vielfältig ist auch das Spektrum, das von den einzelnen Interviewpartnern angeführt «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 21 | 39 wird. Diese doppelte Vielfalt könnte erklären, warum die Jugendlichen selber keinen gemeinsamen Oberbegriff haben und auch selber nur in wenigen Einzelfällen das Wort ‹Autorität› überhaupt ver- wenden. Im übernächsten Abschnitt beleuchten wir die Autoritäten näher. Ermutiger Wo bleiben im Spektrum der Autoritäten nun die Rapper aus dem Projekttitel? In den Interviews kom- men rund ein Dutzend Einzelkünstler oder Gruppen vor, die einen Islam-Bezug in ihren Texten und in ihrem Musikstil aufweisen. Häufiger genannt werden einzig der libanesisch-schwedische Sänger Maher Zain und der äthiopisch-deutsche Rapper Ammar 114. Künstler nehmen jedoch, wie sich in den Interviews zeigte, nicht die Rolle einer Autorität ein. Eine Sonderstellung kommt bei zwei jungen Erwachsenen dem französischen Rapper Médine zu: Der redet über so schöne Themen und so wichtige Themen auch in meinem Leben, ich höre den so gerne und auch die Art, wie er redet und wie er Interviews gibt, der Charakter, den er hat. Ich bewundere sehr viel an ihm. Er ist so wie ein kleines Vorbild, so ein Mini-Vorbild. […] Das war meine Erziehung eigentlich sozusagen. […] Er hat mich ein bisschen auch beflügelt. […] Médine ist dann wirklich so ein Pfeiler geworden dann in meinem Leben […]. Und Médine hat ja auch einen Einfluss von Tariq Ramadan bekommen […] und auch in seinen Texten hat Médine Themen von Tariq Ramadan / nimmt er auf und tut die weiterentwickeln. […] so ein Tariq-Ramadan-Médine-Mosaik. […] Also von dem her habe ich Tariq Ramadan gerne, aber andere Sachen finde ich dann nicht so gut. Aber ja, auf jeden Fall Médine fand ich inspirierend und höre ich auch heute noch. (Clirim, m, 25) Die Kunstform der islamischen Rap-Musik ist allerdings nicht für alle Jugendlichen und jungen Er- wachsenen gleich attraktiv. Die einen finden sie ästhetisch nicht nach ihrem Geschmack, andere sehen diese Kunstgattung als unislamisch an. Diejenigen Jugendlichen, die islamischen Rap hören, tun dies eher aus emotionalen Gründen, nicht aber, weil sie sich von Rappern eine präzise konturierte Lehre erwarten. Man kann damit neben die kognitiv ausgerichteten Autoritäten eine zweite Kategorie stellen: die Ermutiger. Dies können neben Künstlern auch andere Persönlichkeiten aus anderen Be- reichen sein: etwa Sport, Unternehmertum, Mode oder Wissenschaft. Dabei ist nicht für jeden Jugendlichen wichtig, dass der Ermutiger ausdrücklich den Islam zum Thema macht. So verehrt einer der Interviewten den französischen Fussballer und Trainer Zinédine Zidane, obwohl dieser «nicht Muslim» sei. Zidane bezeichnet sich selber als nicht praktizierend. Muslimische Ermutiger sind für viele Jugendliche und junge Erwachsene wichtig als Vorbilder, denen sie nacheifern können, als Quellen zur Stärkung ihrer Identität oder schlicht als Bei- spiele dafür, dass man es auch als Muslim in einer westlichen Gesellschaft zu etwas bringen kann. Das Spektrum der Autoritäten Betrachten wir nun die Autoritäten näher entlang den oben (S. 20) eingeführten Typen. Personen Junge Musliminnen und Muslime orientieren sich massgeblich an Personen im eigenen Nah- bereich: Eltern und Geschwister, Freundeskreis, Vertrauenspersonen in der Moscheege- meinde. Unter den Imamen sind nur überzeugende Persönlichkeiten wichtig. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 22 | 39 Die personalen ‹Autoritäten› sind, wie die Ermutiger, für die Jugendlichen bisweilen wegen einer Vorbildrolle oder ihres ermutigenden Zuspruchs wichtig. In der Regel werden sie aufgesucht oder beachtet, weil der bzw. die Jugendliche Rat oder eine konkrete Auskunft sucht. Es kann auch sein, dass der Kontakt ohnehin häufig und im vertrauten Rahmen, z. B. in der Familie, stattfindet. Dazu gehören Eltern oder andere Verwandte, die im Herkunftsland religiöses Wissen erworben haben oder die den Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Personen mit einer lang andauernden Praxis und Erfahrung bekannt sind. Einige unserer Interviewpartner hatten in ihrer Kindheit einige Jahre in der Obhut der Grosseltern im Herkunftsland gelebt und dort vieles kennengelernt, während die Eltern bereits in der Schweiz arbeiteten. Andere Jugendliche kennen im weiteren persönlichen Umfeld oder in der Moschee eine Vertrauensperson, die ihnen Rat geben kann. Personale Instanzen Sehr häufig genannt wird der Imam. Meist ist er von einem Moscheeverein mit dem Amt des Vorbeters, Gemeindeleiters und Seelsorgers betraut und hat im Herkunftsland, evtl. zusätzlich in einem arabischen Land, eine Ausbildung absolviert, womöglich sogar an einer Hochschule studiert. Er ist die gegebene Ansprechperson. Wechselt in einer Gemeinde der Imam, fragt man für bestimmte Auskünfte eben einfach den Nachfolger. Ist das Amt in der Gemeinschaft gerade vakant, stehen in der Regel informelle Gemeindeälteste mit gutem religiösem Wissen oder bestimmten Begabungen zur Verfügung. Wo nicht der Imam selber Kindern die Gebetsformeln und anderes Grundwissen beibringt, tut dies oft eine Religionslehrerin, mit oder ohne Ausbildung, vergleichbar einer Katechetin in christlichen Gemeinden. Unter somalischen Familien ist es auch in der Schweiz verbreitet, diese Auf- gabe von einem externen Hauslehrer besorgen zu lassen. Manche jungen Erwachsenen pflegen auch nach Abschluss ihrer religiösen Grundbildung weiterhin den Kontakt zu ihrer früheren Religions- lehrerin und wenden sich dann wieder mit Fragen an sie. Eine besondere, aber seltene Ausprägung eines ‹Ältesten› als wichtiger Bezugsperson kennen die Sufi-Gemeinschaften. Speziell sind sie einer- seits, weil das Programm islamischer Mystik gerade darin besteht, die Dimension des Gefühls, der Hingabe und einer ‹Herzenserkenntnis Gottes› stärker zu entwickeln, als es im nicht-mystischen Mainstream üblicherweise geschieht. Anderseits pflegen die Sufis eine besonders intensive und aus- schliessliche Lehrer-Schüler-Beziehung. In den Interviews kommen über hundert öffentlich bekannte Autoritäten namentlich vor. Sie spielen aber meist die kleinere Rolle als die Autoritäten im persönlichen Umfeld. Während die Autoritäten im persönlichen Umfeld mehr oder weniger kontinuierlich zugängig sind, ist dies bei den öffentlich bekannten Namen grösstenteils anders. Hierzu sind Personen wie Pierre Vogel und Tariq Ramadan zu zählen, aber auch etliche Dutzend Namen, die ausserhalb muslimischer Krei- se kaum bekannt sind. Gemeinsam ist diesen über hundert Personen, dass sie gegenwärtig aktiv sind und ihre Angebote einem grösseren Publikum an den verschiedensten Orten zugänglich machen. Die meisten dieser Anbieter tun dies sowohl über das Internet (eigene Webseiten, YouTube-Videos) als auch auf Vortragsreisen, eine kleine Minderheit beschränkt sich auf einen einzigen Vermittlungsweg. Die dafür verwendeten Sprachen sind Deutsch, Französisch, Englisch, Albanisch, Bosnisch, Türkisch und Arabisch, in je einem Fall auch Urdu und eine westafrikanische Regionalsprache. Rund ein Zehntel der uns genannten Autoritäten wirken regelmässig in der Schweiz: Abdelhamid Chakir, Amir Zaidan, Bekim Alimi, Fehim Dragusha, Markus Klinkner, Mohammed Naved Johari, Muris Begovic, Nicolas Blancho, Qaasim Illi, Saïda Keller-Messahli, Tariq Ramadan. Ebenfalls rund ein Zehntel sind Frauen. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 23 | 39 Die Liste der Namen – dies ist zu betonen – kann wegen des begrenzten Samples interviewter junger Musliminnen und Muslime nicht als repräsentativ gelten. Zudem bringt der Bekanntheitsfaktor eine gewisse Verzerrung mit sich: Tendenziell nennen die Interviewpartner einen Namen, weil sie sich auf- grund seiner Bekanntheit am ehesten an ihn erinnern oder weil sie ihn beim Interviewer als bekannt voraussetzen. Etliche Jugendliche haben in den Interviews keinen der rund hundert Autoritätennamen genannt oder nur einen oder zwei. Dies hat zwei Gründe: Die einen Jugendlichen, insbesondere die nicht prakti- zierenden und nicht an Religion Interessierten kennen die Namen nicht. Für die anderen sind sie so unwichtig, dass sie ihnen nicht in den Sinn kommen, obwohl sie ihnen schon im Internet begegnet sind oder womöglich an einem Anlass teilgenommen haben. Ein sprechendes Beispiel ist der deutsche Salafist Pierre Vogel, der am häufigsten genannte Name. Nur in 15 der 52 Deutschschweizer Interviews kommt er überhaupt vor, davon lange nicht in allen positiv bewertet. So sagt etwa einer der selber salafistisch orientierten jungen Erwachsenen: Yasin: […] Ich halte nicht so viel von seiner Art. Ja, er hat.... Ich war natürlich schon / Also, ich lehne ihn absolut nicht ab. Ich stehe vollständig hinter ihm. Halt einfach da so persönlich spricht er mich gar nicht an. I: Und warum nicht? Yasin: So seine coole Art, die finde ich so ein bisschen.. die finde ich.. die spricht mich gar nicht an. (Yasin, m, 30) Auch nicht-salafistisch orientierte junge Erwachsene unterscheiden gerade bei Pierre Vogel zwischen Inhalten, die sie oft korrekt dargestellt finden, und seinem Stil, der sie nicht anzieht. Für wiederum an- dere ist jedoch auch der Inhalt nicht optimal: Und wenn man es jetzt nur von einer Seite beleuchtet, dann gehen all die anderen Perspektiven verloren und das ist ein Verlust vom Ganzen. Ja und ich denke, Pierre Vogel beleuchtet das / Er wird da zu kurzsichtig. Er beleuchtet das mit zu wenigen Perspektiven. (Clirim, m, 25) Nochmals deutlich weniger als Pierre Vogel werden genannt: der englischsprachige Prediger Nouman Ali Khan, Tariq Ramadan und Nicolas Blancho. Selbst praktizierende Muslime kennen die aus den Medien bekannten Namen der letzten beiden oft nicht oder können sie nicht einordnen. Einige wenige Interviewpartner nannte hingegen bis zu einem Dutzend oder mehr Namen. Zwei von ihnen bewegen sich dabei fast ausschliesslich in salafistischen Angeboten, während die übrigen den sunnitischen Mainstream aufnehmen. Selbst diejenigen Interviewpartner, die nur eine mittlere Anzahl von Namen nennen, führen bisweilen Personen mit klar entgegengesetzter Ausrichtung auf, so in einem Fall beispielsweise den salafistischen Internetstar Pierre Vogel, die beiden Vortragsreisenden Nouman Ali Khan (englisch) und Tariq Ramadan (französisch und englisch), die deutsche Bloggerin Betül Ulusoy sowie Ahmed Kalaja, einen albanisch sprechenden Freitagsprediger und Religionsfunk- tionär in Tirana. Diese wenigen Beobachtungen zeigen eines bereits deutlich: Die blosse Bekanntheit und häufige Nennung eines Namens lässt keinerlei Rückschlüsse da- rauf zu, wie sehr die Interviewpartner sich den Aussagen der betreffenden Persönlichkeit ver- pflichtet sehen. Wenn ein Name überhaupt erinnert wird, so steht er doch meist neben meh- reren anderen Namen. Vor allem aber stehen die hier genannten Namen durchweg neben Personen aus dem sozialen Nahbereich. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 24 | 39 Entscheidend ist letztlich, wie die Jugendlichen mit den Aussagen von Autoritäten umgehen (dazu unten ab S. 26). Organisationen Organisationen spielen eine deutlich kleinere Rolle als Personen. Aus der Sicht des Jugend- lichen helfen sie, im Sinne eines Filters rascher zum voraussichtlich passenden Angebot zu kommen, das aber dennoch nicht unbesehen akzeptiert wird. Am häufigsten wird die türkische Religionsbehörde Diyanet genannt, aber nur von den sechs Interviewpartnern, die deren Angebot regelmässig nutzen. Für Yalçuk ist die Reihenfolge bei der Suche klar: Also wenn ich im Internet Infos suche und ich finde es nicht, dann gehe ich zur Mutter oder sonst eben zum Imam. (Yalçuk, m, 26) Yalçuks Mutter «hat ein sehr grosses Wissen» und kommt deshalb als Quelle für ihn in Frage. Auch sie dürfte stark von der Diyanet-Tradition geprägt sein, doch ist diese in sich vielfältig. Vor allem schliesst die eine Tradition nicht aus, dass man sich auch einer anderen aussetzt, wie ein anderer junger Mann andeutet: I: Das heisst, Ihre religiöse Sozialisierung hat in einer Diyanet-Moscheen vorwiegend stattgefunden? Pekalp: Ja kann man sagen. Aber auch bei Millî Görüş. Kennen Sie diese? I: Ja. Pekalp: Genau. Also zum Beispiel mein Cousin, der ist […] bei einer Millî-Görüş-Moschee. Und andererseits habe ich auch Leute von Diyanet [in der Verwandtschaft]. (Pekalp, m, 30) Gegenüber dem IZRS findet sich bei manchen muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine gewisse Neugier: Clirim : IZRS macht ja auch so, wie sagt man, Jahreskonferenzen. Wollte mal auf eine, aber die wurde, glaube ich, abgesagt letztes Jahr oder so. I: Das stimmt, ja. Clirim: Genau und sonst vorher bin ich auch nicht in Kontakt gekommen mit dem IZRS so richtig. (Clirim, m, 25) Auch Fauziya, die an sich das Angebot des IZRS schätzt, relativiert ein wenig: Wenn ich jetzt über irgendwelche islamischen Urteile etwas wissen müsste, oder irgendetwas in diese Rich- tung vertiefter, kontaktiere ich halt dann diese Leute. Aber so, dass ich die jetzt jedes Wochenende sehen müsste, ist das nicht. (Fauziya, w, 26) Ohnehin geht es bei den Organisationen weniger um den sozialen Kontakt, sondern eher um das rasche Auffinden eines voraussichtlich passenden Inhalts und eine gewisse Qualitätsgarantie im Sinn der eigenen Präferenzen: Und weil das [die Internetseite der türkischen Religionsbehörde Diyanet] vom Staat aus gemacht wird, habe ich auch das volle Vertrauen dazu. Oder, ich gehe in eine Diyanet Moschee, zahle meinen Beitrag auch monatlich, und dann vertraue ich denen von der Türkei, die das alles regeln. (Yalçuk, m, 26) 4 «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 25 | 39 Das heisst jedoch keinesfalls, dass Yalçuk oder andere Jugendliche das konkrete Einzelangebot eines solchen Grossanbieters unbesehen akzeptieren. Abstrakte Instanzen Bleibt die Kategorie der abstrakten Instanzen. Die dort vorzufindenden Grössen sind auf sehr unterschiedlichen Wegen zugänglich und stehen auch nicht in direkter Konkurrenz zueinander. Sehr häufig genannt sind darunter Kernkonzepte des Islams: der Koran, Person und Vorbild des Propheten Muhammad (die sog. Sunna) sowie die Gruppe der Religionsgelehrten (arab. ʿulamāʾ). Während beispielsweise die Hälfte der Interviewpartner den Koran erwähnt und nur etwas geringere Anteile Sunna und ʿulamāʾ erwähnen, findet sich nur bei ganz wenigen Interviewpartnern ein Verweis auf bestimmte Klassiker der islamischen Religionslehre. Das Internet als Zugangsweg Das Internet spielt für die meisten muslimischen Jugendlichen eine wichtige Rolle als Zugangsweg zu den von ihnen bevorzugten Angeboten. Zugleich sind sich die meisten be- wusst, dass Internet-Inhalte von höchst unterschiedlicher Zuverlässigkeit und Qualität sind. Dass das Internet für junge Muslime und Musliminnen eine wichtige Rolle spielt, war dem Forschungs- team aus der Vorgängerstudie bekannt: Die meisten muslimischen Jugendgruppen organisieren sich via Webseiten und Social Media. Persönlichkeiten wie Pierre Vogel oder Tariq Ramadan gründen ihre Bekanntheit auch auf ihre Präsenz im Internet mit Videos von Vorträgen sowie eigenen Webseiten mit breitem Angebot. Aus den Interviews geht klar hervor, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Internet vor- wiegend in zwei Funktionen nutzen: um Videos bestimmter Autoritäten zu finden und um Auskünfte zu einem Thema oder zu einer konkreten Frage zu finden. Für den zweiten Zweck stellt die islamische Tradition seit Jahrhunderten die Institution des Muftis bereit, des religionsrechtlichen Experten, der in der Lage und zumeist staatlich beauftragt ist, auf konkrete Anfrage hin ein Rechtsgutachten, eine Fatwa, zu erstellen. Heute werden Fatwas meist über Plattformen vermittelt, hinter denen ein Staat, eine grössere Organisation oder ein transnationaler Zusammenschluss von Gelehrten steht. Praktisch bieten Plattformen wie islamfatwa.de oder fatwa-online.com Online-Sammlungen an, in denen Nutze- rinnen und Nutzer thematisch suchen können. Selbst die praktizierenden unter den von uns befragten Jugendlichen nutzen diese Möglichkeiten offensichtlich so gut wie nie: weder um Anfragen zu stellen noch um nach Fatwas zu suchen. Der ‹Cybermufti›, mit dem unser Projekttitel noch gerechnet hatte, spielt keine nennenswerte Rolle. Wichtiger sind andere Internetplattformen und die YouTube-Kanäle, die von diversen Organisationen und Personen betrieben werden. Gerade salafistische Prediger sind auf diesem Weg in grosser Zahl und leicht zu finden. Doch auch andere Prediger wie der Schweizer Tariq Ramadan, der US-Ame- rikaner Nouman Ali Khan oder der Türke Nihat Hatipoğlu präsentieren sich auf diesem Weg. Da musli- mische Jugendliche und junge Erwachsene oft thematisch suchen, spielen die Suchmaschine Google und die Suchfunktion der Plattform youtube.com eine herausragende Rolle. So sagt etwa Xhevahire: Möchtest du etwas wissen, möchtest du etwas lesen, Google, YouTube. Also für die ganz Faulen ist es YouTube (lacht). (Xhevahire, w, 26) «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 26 | 39 Manche junge Erwachsene lehnen allerdings den Gebrauch von Google im Gebiet der Religion ab: Für mich hiesse es […] die Wahl, wie ich meine Religion ausübe, einer Suchmaschine zu überlassen, die deterministisch funktioniert und auf Faktoren beruht, die ich nicht kontrolliere. (Yahya, m, 23) Auch jene jungen Muslime, die Hilfsmittel wie Google nicht rundum ablehnen und ihre Skepsis nicht so präzise begründen können, sind überwiegend vorsichtig: Oder ich schaue selbst im Internet. Aber das Internet ist halt eben so.. man kann nie sicher sein, woher diese Leute die Informationen haben. (Huja, w, 21) Sie versuchen die Unsicherheit zumindest zu reduzieren, indem sie Meinungen vergleichen: Aber wenn ich so Themen, die mich interessieren und ich nicht ganz sicher bin, dann gehe ich sie googeln und schaue was im Internet steht. Aber nicht nur eine Seite. Ich vergleiche mehrere Seiten miteinander. (Yeliz, w, 25) So sehr die Anonymität des Internet für die Suchenden bisweilen ein Vorteil sein kann – die unter- schiedlichsten Angebote lassen sich unverbindlich testen –, so sehr ist dies zugleich ein Nachteil. Insoweit die jungen Muslime ihre Religion als verbindlich nehmen, suchen sie auch verbindliche Aus- kunft. Verbindlichkeit aber finden sie in erster Linie bei jenen Anbietern, die im persönlichen Kontakt zugänglich sind, den die meisten klar favorisieren. Umgang mit Orientierungsangeboten Die Themen, zu denen die Jugendlichen Auskunft oder Rat suchen, decken ein breites Spektrum ab. Viele Fragen drehen sich um die richtige, unter Schweizer Verhältnissen praktikable Anwendung isla- mischer Regeln, etwa die Einhaltung der Fastenregeln im Ramadan oder das Zinsverbot. An nächster Stelle folgen Themen der islamischen Theologie und Geschichte, z. B. das Gottesbild, schliesslich die Suche nach Rat und Lebenshilfe für eine bestimmte Situation. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die nachgefragten Themen oder gar die Angebote der Autoritäten inhaltlich zu analysieren. Da ohnehin entscheidend ist, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selber aus den erhaltenen Antworten machen, wenden wir uns nun der Frage zu, wie sie die Orientierungsangebote nutzen und bewerten. Suchstrategien Wie bereits deutlich wurde, steht den Jugendlichen eine Vielzahl von Suchstrategien zur Verfügung. Die Wahl ist bestimmt durch mehrere Faktoren: Kontext der Suche (Auskunft, Beratung, Ermutigung) Erreichbarkeit des gesuchten Angebots, diese wiederum abhängig von ○ verfügbaren bzw. bevorzugten Sprachen ○ verfügbaren bzw. bevorzugten Ressourcen (Kommunikationsmittel, finanzielle Mittel) Empfehlungen des Umfelds Kontrastmeinungen Während sich zum Beispiel die Position der gelehrten Tradition bezüglich Tätowierung bequem und rasch im Internet auffinden lässt, wird sich ein junger Mensch mit dem Wunsch nach Beratung in «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 27 | 39 einem akuten Gewissenskonflikt eher an eine Person in der Nähe wenden. Eine Jugendliche schilderte uns ihre Suchstrategie folgendermassen: […] ich würde beim Imam anfangen, einfach dahin in erster Linie mit den Fragen gehen und eben auch zu seiner Frau und den anderen Zuständigen eigentlich. Der Frauenverein von der bosnischen Moschee ist extrem gut. Also die sind wirklich sehr gut organisiert und haben auch immer wieder so Vorträge zu Themen, zu wichtigen Themen. An sie sich zu wenden, fände ich wäre mein erster Reflex. Und durch das lernt man dann relativ schnell auch andere Muslimas kennen, vielleicht auch Frauen, die ähnliche Sachen sonst mögen und machen wie sie selber. Und dann halt so ein bisschen Kontakte knüpfen und dann aber auch Literatur suchen und bald mal auch anfangen, selber Koran zu lesen, Hadithe zu lesen. Auch ich finde, gerade so die Lebensgeschichten von verschiedenen Propheten 5 , finde ich, geben extrem guten Bezug zur Religion. (Ismeta, w, 18) Ein anderer unterscheidet ebenfalls schärfer zwischen Informationen und Meinungen: Nein, also ich, im Internet sucht man halt ein bisschen. Ich meine googeln kann man ja heutzutage alles. […] Wenn ich zum Teil offene Fragen über den Islam selber habe, frage ich eher den Imam oder / je nachdem schaue ich halt selber nach oder / aber eher so politische Sachen zum Beispiel, recherchiere ich lieber selber, weil es da halt auch um Meinungen und so geht […]. (Gökcan, m, 19) Die Aussage unterstreicht den kritischen Umgang mit dem Internet, jedoch auch die für den jungen Muslim klare Unterscheidung zwischen Islam und Politik. Sehr häufig findet auch eine andere Form der Beratung und Meinungsbildung statt: das zwanglose Diskutieren im Freundeskreis oder in einer Facebook- oder WhatsApp-Gruppe. Diese Zirkel umfassen häufig Angehörige unterschiedlicher Reli- gionen und auch Kollegen ohne religiöse Anbindung. Manche suchen zu einem Thema bewusst solche nicht-muslimischen Meinungen, obwohl sie in gewissen Fällen schon im Voraus annehmen, dass eine bestimmte islamisch orientierte Position dort nicht geteilt wird. Typisch etwa die Aussage von Pegah: Eben nur die Freunde, die sich auch dafür interessieren und auch / Also ich habe einige Freunde, die sich für alle sozusagen Religionen interessieren und denken, dass in jeder Religion etwas Wahres steckt und ich diskutiere sehr gerne mit ihnen, weil am Ende einer Diskussion ist dann niemand beleidigt, wenn jemand was gesagt hat oder. (Pegah, w, 24) Kriterien für Auswahl und Bewertung von Autoritäten und Angeboten Wird schon in der Suchstrategie eine gewisse Offenheit für herausfordernde Argumente und Positio- nen sichtbar, so bestätigt sich dies erst recht beim Umgang mit den Ergebnissen der Suche. Die jun- gen Muslime und Musliminnen müssen die Relevanz eines konkreten Angebots für sich selber be- werten. Zudem bewerten sie den Anbieter im Hinblick auf künftige Fälle: Lohnt es sich, bei derselben Adresse wieder zu suchen? Gefragt sind somit die Kriterien solcher Bewertungen. Die hier aufgeführten Kriterien gelten im Prinzip für alle Typen von Autorität und ihre Angebote; manche sind jedoch nur auf personale Autoritäten an- wendbar: Vertrauenswürdigkeit des Anbieters, gemessen an eigenen Kriterien wie persönliche Bekanntschaft, Ausbildung, Ruf, Stil des Auftritts Aussagen werden belegt mit Koran, Hadithen oder Aussagen anerkannter Gelehrter Übereinstimmung mit Aussagen anderer Quellen logische Stimmigkeit Anwendbarkeit auf die Situation in der Schweiz von heute «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 28 | 39 Unaufdringlichkeit des Angebots didaktisches Geschick persönliche Lebensführung, Vorbildcharakter Alle diese Kriterien lassen sich übrigens gut aus der islamischen Tradition ableiten und damit bei Bedarf religiös legitimieren. Sie lassen sich überdies grosso modo zwei Grundsätzen zuordnen: Damit Angebote prinzipiell akzeptabel sind, müssen ihre Aussagen zum einen belegt, ein- leuchtend begründet und nachprüfbar sein. Zum andern muss der Anbieter die freie Wahl der Suchenden respektieren; aufdringliches Werben gilt als unpassend und diskreditiert den An- bieter. Sowohl der kritisch prüfende Umgang als auch die autonome Entscheidung sind Werte, die nicht zuletzt in den Schweizer Schulen entwickelt und gefördert werden. Ein Wert wie Gehorsam hingegen bleibt abstrakt und im Hintergrund: Natürlich sehen sich gerade die praktizierenden jungen Musli- minnen und Muslime verpflichtet, bestimmte Gebote einzuhalten. Sie wollen jedoch wissen, warum: Und vielleicht ein Anderer würde es sofort akzeptieren und sagen: ‹Okay, das ist meine Religion, ich mache es.› Oder ein Anderer sagt: ‹Ah das macht keinen Sinn für mich, scheiss – Entschuldigung, wenn ich es so sage – egal.› Und dann lässt er es sein. Ich brauche einfach eine gute Begründung. Es muss für mich einfach Sinn machen. Dann fällt es mir umso leichter, das auszuführen. (Yalçuk, m, 26) Nicht jeder Jugendliche gewichtet die aufgeführten Kriterien gleich stark, nicht jeder hat sie von Anfang an zur Verfügung. Viele berichten, dass bestimmte Angebote sie in einer früheren Phase mehr angesprochen haben als jetzt, und können begründen, weshalb sie davon abgekommen sind. Modellhaft lässt sich das als Spiralbewegung darstellen: Die Suche nach Angeboten beginnt z. B. bei der ersten bewussten Auseinandersetzung mit dem Islam oder in einer späteren Phase der Hinwen- dung. Der Jugendliche stösst auf ein leicht zugängliches Angebot, z. B. eben einen bekannten, im Internet präsenten Prediger wie Pierre Vogel. Der eigene Anspruch, der Vergleich mit gesuchten oder zufällig verfügbaren Konkurrenzangeboten sowie der Austausch in Familie und Freundeskreis helfen dem Jugendlichen, sich klarer zu werden über seine Bedürfnisse (was brauche ich eigentlich?) und Kriterien (welche Merkmale sind mir besonders wichtig?). Die Bewertung des ersten Angebots wird bewusster, die nächste Suche verläuft schon ein Stück zielgerichteter. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 29 | 39 Suche Kriterien Bewertung Grafik: Verfeinerung der Suche nach dem passenden Angebot. Die Spirale verdeutlicht nicht nur, dass die Suche immer zielgerichteter verläuft. Sie verläuft auch öko- nomischer. Der Jugendliche sucht dort, wo er die für ihn brauchbare Information oder den passenden Ratschlag wahrscheinlich findet. Auch das eigene islamische Wissen wächst und erlaubt so, gezielter die bestehenden Lücken zu entdecken und zu füllen. Nur besonders diskutierfreudige Charaktere testen dann konträre Positionen noch systematisch. Die natürliche Meinungsvielfalt im Familien- und Freundeskreis oder unter Arbeitskollegen sorgt jedoch weiterhin dafür, dass das Wahrnehmen von Differenz und ein verträglicher Umgang damit eine Aufgabe bleibt. Junge Muslime und Musliminninnen prüfen dauernd die erhaltenen Angebote und Optionen anhand mehrerer Kriterien. Darüber, ob sie ein Angebot annehmbar finden, entscheiden letzt- lich die Antworten auf die Fragen: Passt dieses Verhalten oder diese Information zu meiner Situation hier und heute? Kann ich es verantworten, einer empfohlenen Richtung zu folgen? Fühle ich mich wohl dabei? Mit dieser Haltung können die muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei aller individu- eller Verschiedenheit wohl als typische Vertreter ihrer Altersgruppe gelten. Dies ist kein Zufall, teilen sie doch mit ihren nicht-muslimischen Peers nicht nur die Schulbank, den Alltag und oft den Migra- tionshintergrund. Zahlreiche Interviewpartner berichten, dass ihre engsten Freunde unterschiedlichen Religionen angehören oder auch religionsdistanziert sind. Auch mit ihnen diskutieren sie mitunter religiöse Fragen, da sie wissen, dass die Freunde ihre Religion respektieren. Verzicht auf eine breite Ausrichtung Während die Mehrheit der Interviewten mit religiöser und Meinungspluralität gelassen und kritisch umgeht, ja oft als Antrieb für das eigene Suchen nutzt, gibt sich eine kleine Minderheit mit einem eher «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 30 | 39 engen Ausschnitt des Spektrums zufrieden. Zum Zeitpunkt des Interviews sind sie beispielsweise ganz auf die spirituellen Leitfiguren eines Sufi-Ordens oder auf einen salafistischen Lehrer ausge- richtet. Auch bei den Ahmadis herrscht eine klare gemeinsame Ausrichtung vor. Dies hindert diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen dennoch nicht, im Berufs- und teils auch im Privatleben Kon- takte zu Menschen ausserhalb des Horizontes ihrer ganz persönlichen Überzeugungen zu pflegen. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 31 | 39 Junge Muslime und Schweizer Gesellschaft Das Verhältnis muslimischer Jugendlicher und junger Erwachsener zur Schweizer Gesellschaft wie auch das Verhältnis der Schweizer Gesellschaft zu den in ihr lebenden jungen Muslimen ist überaus vielschichtig und miteinander verwoben. Wie für alle anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch, ist für die in der Schweiz lebenden Muslime die Schweizer Gesellschaft der Kontext, in dem der Prozess jugendlicher Identitätssuche und Identitätsfindung verläuft. Die Gesellschaft der Schweiz ist, als Ort und Akteur, Rahmenbedingung und Teil dieses Prozesses und wirkt in vielerlei Hinsicht auf diesen ein. Dies geschieht etwa dadurch, dass muslimischen Jugendlichen Identität zugeschrieben wird: durch die Zuschreibung einer nationalen (Türke, Albaner, etc.) oder religiösen Identität (Muslim/ Muslimin), als Verneinung einer gesellschaftlichen Zugehörigkeit (Ausländer) oder als Aufforderung einer Identitätsanpassung, etwa der Integration. Darüber hinaus ist die Gesellschaft der Schweiz der Raum, in dem muslimische Jugendliche ganz konkrete alltägliche oder eher abstrakte Erfahrungen machen. Sei dies in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, im Freundeskreis oder im öffentlichen Raum oder durch den gesellschaftlichen und medialen Diskurs über den Islam und radikalisierte muslimische Jugendliche. All dies wirkt sich – wie anhand zentraler Aussagen aufgezeigt werden wird – auf das Verhältnis der jungen Musliminnen und Muslime zur Gesellschaft der Schweiz aus. Die Gesellschaft der Schweiz als Erfahrungsraum für junge Muslime Muslimische Jugendliche machen oft negative Erfahrungen in und mit der Schweizer Gesell- schaft, insbesondere im gesellschaftspolitischen und medialen Diskurs. Im persönlichen Kon- takt finden negative Erfahrungen vor allem im öffentlichen Raum oder in hierarchischen Settings statt, positive im direkten sozialen Umfeld. Zahlreiche unserer Interviewpartner und -partnerinnen schilderten in ihren biographischen Erzäh- lungen, ohne dazu explizit aufgefordert zu werden, ihre positiven und negativen Erfahrungen als junge Muslime mit der nicht-muslimischen Schweizer Gesellschaft. Positive Erfahrungen wie Akzeptanz und Unterstützung im Kontext von Religionsausübung waren dabei meist an konkrete Personen aus dem direkten sozialen Umfeld geknüpft, wie etwa an Freunde, Lehrpersonen und Jugendsozialarbeiter. Von negativen Erfahrungen wie Unverständnis, Ausschluss und Provokation wiederum wird in den meisten Fällen als Erfahrungen innerhalb flüchtiger Begegnungen auf der Strasse oder im Zug oder innerhalb distanzierter oder hierarchischer Beziehungen erzählt, etwa in der Schule, auf dem Arbeits- markt oder im Umgang mit Behörden. In verschiedenen Interviews fällt auf, dass die Interviewten ent- weder vorwiegend positive oder vorwiegend negative Erfahrungen schildern. Dies kann mit der jewei- ligen subjektiven Wahrnehmung der Erzählenden erklärt werden wie auch mit dem Versuch, die eige- ne Biographie positiv zu deuten oder eine ‹Opferidentität› zu betonen. Der Grossteil der geschilderten Erfahrungen ist jedoch negativ. Insbesondere besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen sichtbarer religiöser Identität und der Häufigkeit negativer Erfahrungen. Junge Frauen, die das Kopftuch tragen, sind davon am stärksten betroffen und berichten über Provo- kationen und Anfeindungen auf der Strasse, Unverständnis und Ausschlusserfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. So schildert Wasima ihre Erfahrungen mit dem Kopftuch wie folgt: Ich habe auch vieles erlebt in meinem Leben, jetzt in dem Jahr, wo ich es trage. Ist sehr traurig, was ich muss / was ich erleben musste. Das Einzige war, ich hatte mich ohne Kopftuch beworben und dann hatte ich mich plötzlich mal entschieden, eines zu tragen und dann bin ich eingeladen worden. Und dann habe ich gedacht: «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 32 | 39 ‹Soll ich denen noch im Voraus Bescheid geben, dass ich jetzt ein Kopftuch trage und jetzt mit dem Kopftuch /› Und dann habe ich gesagt: ‹Nein komm, ist egal. Geh einfach mal so und schau mal, was sie dann sagen.› Und das (lachend) war die schlimmste Entscheidung, die ich treffen konnte. Also der Erste hat gerade gemeint: ‹Sie können gleich wieder raus.› Und dann war ich gerade mega schockiert und ich dachte: ‹Also, ich bin ja immer noch die Selbe. Was ist denn los? Es ist ja nur ein Stück Stoff auf dem Kopf.› Und ich meine, ich kleide mich ja auch nicht als, keine Ahnung, alles schwarz und lang und Burka oder (lachend) sonst irgendetwas. Ich fand es jetzt gerade ein bisschen heftig. Ich wollte den Grund wissen, warum, aber sie wollten mir einfach nicht zuhören. Sie wollten einfach: ‹Ja, wir haben Kundenkontakt, und das geht gar nicht und wir haben Kunden, die sind gegen das Kopftuch. Wir haben Mitarbeiter.› (Wasima, w, 21) Neben den konkreten Alltagserfahrungen wurde von der Mehrheit der Gesprächspartner auch der ge- sellschaftspolitische und mediale Diskurs über den Islam und den islamisch begründeten Extremismus angesprochen. Deutlich wurde dabei, dass viele junge Muslime die Darstellung des Islams und der Muslime als verzerrend und einseitig empfinden. Sie sehen sich aus diesem Grund oftmals genötigt, den Islam zu verteidigen und dem im medialen Diskurs vermittelten negativen Islambild ein positives Bild entgegenzustellen. Hinsichtlich der Berichterstattung über den islamisch begründeten Terroris- mus kritisieren die Jugendlichen meist eine undifferenzierte Berichterstattung, die jeden Muslim unter Generalverdacht stellt. Die daraus folgende Erwartung der Schweizer Gesellschaft, sich von Formen des religiös begründeten Extremismus zu distanzieren, können viele muslimische Jugendliche und junge Erwachsene einerseits verstehen. Andererseits argumentieren sie, dass der islamisch be- gründete Extremismus und Terrorismus aus einem falschen Islamverständnis resultiere oder nichts mit dem Islam zu tun habe. Vor diesem Hintergrund ergibt sich für sie kein Grund für eine persönliche Distanzierung. Die von aussen an sie gerichtete Erwartung, dies trotz alledem zu tun, wird deshalb als ungerechtfertigt und oftmals auch, wie in diesem Fall von Xhevahire, als belastend geschildert: Es ist nervig wirklich. Jeder Moslem muss sich rechtfertigen für andere Idioten wirklich. Ich sage denen Idioten, weil das sind keine Moslems […]. Für irgendwelche Idioten, die sich Islam nennen, und dann muss ich mich für die rechtfertigen und mich distanzieren und sagen: ‹Nein und dies und das.› Ich meine, das passiert am anderen Ende der Welt und ich hier in der Schweiz muss für die quasi reden, weil, ja, die werfen mich auch in einen Topf rein. Und das ist lästig, das ist wirklich sehr lästig. Also das nimmt mich wirklich sehr mit. (Xhevahire, w, 26) Deutliche Spuren hat zudem die Minarettverbots-Initiative und das Minarettverbot aus dem Jahr 2009 hinterlassen. Obwohl diese sieben Jahre zurückliegen, haben sie sich im Bewusstsein sowohl der praktizierenden als auch der nicht-praktizierenden jungen Muslime als wichtiges Ereignisse aus Kindheit und Jugend verankert. Sie sind für sie Symbole der vorherrschenden Stimmung gegenüber dem Islam und den Muslimen. Die Bedeutung des gesellschaftspolitischen und medialen Diskurses für die jungen Musliminnen und Muslime kann dabei kaum überschätzt werden. Auch wenn sie in ihrem direkten Umfeld oftmals auch positive Erfahrungen machen, prägt der Diskurs das Gefühl vieler massgeblich. Deutlich macht dies u.a. Ghodsi, die sich wie folgt dazu äussert: Manchmal sage ich mir: ‹Aber warum habe ich dieses Gefühl da, wo doch in meinem täglichen Leben alles so gut geht?› Warum sage ich mir, dass es manchmal schwierig ist, hier zu sein, wo doch konkret, in der Praxis / Nein, niemand greift mich an, niemand sagt mir irgendwas [Verletzendes]. Aber ich denke, .. wie soll ich es sagen? Die nationale Stimmung, die hat trotz allem grossen Einfluss auf mich. Ich habe Ohren, ich höre, ich habe Augen, ich sehe die Zeitung. Ich kann mich davon nicht abschotten. Heute wirkt es weniger auf mich, aber früher, weiss ich, da hat es mich total deprimiert. Die Sache mit den Minaretten, das war für mich die totale Depression. […] Ich empfinde eine Ablehnung auf der politischen Ebene. Dies verursacht ein Unwohl- sein. Aber sonst, das Alltagsleben, da hatte ich nie Probleme. […] Und ich bin mir jeden Tag dessen bewusst «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 33 | 39 und ich bin enorm dankbar, dass alle um mich herum, meine Lehrer, sehr respektvoll sind. (Ghodsi, w, 25) Wahrnehmung von Staat und Gesellschaft und Strategien des Umgangs Junge Muslime und Musliminnen nehmen Staat und Gesellschaft der Schweiz oftmals als Herausforderung wahr. Sie reagieren bezüglich ihrer religiösen Praxis darauf mit unterschied- lichen Strategien. Die zahlreichen negativen Erfahrungen, die gerade praktizierende und wegen ihres äusseren Erscheinungsbildes erkennbare muslimische Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem Alltag im- mer wieder machen, führen dazu, dass Staat und Gesellschaft der Schweiz bisweilen als Herausfor- derung wahrgenommen werden. Dies gilt in besonderem Masse, wenn es um die Einhaltung religiöser Pflichten und Verbote, die Durchführung etwa der täglichen Gebete, und um religiöse Symbole geht. In einzelnen Fällen wird die wahrgenommene herausfordernde Situation religiös gedeutet und als ‹göttliche Prüfung›, der man sich stellen muss, interpretiert. Deutlich wurde in diesem Zusammenhang, dass viele der muslimischen Jugendlichen und jungen Er- wachsenen immer wieder abwägen, welche Reaktionen sie mit ihrer jeweiligen religiösen Praxis her- vorrufen und welche Konsequenzen damit einhergehen können. Die angenommene religiöse Pflicht wird in diesen Fällen den möglichen Handlungskonsequenzen entgegengestellt. In einigen Fällen führt diese Form von Abwägung dazu, dass junge Muslime sich entscheiden, eine Handlung, die sie eigent- lich als religiöse Pflicht empfinden, wie etwa das Tragen des Kopftuchs, nicht auszuführen oder auf- zuschieben. In anderen Fällen wiederum führt das Abwägen zum Festhalten an religiösen Pflichten trotz der zu befürchtenden Konsequenzen. Der Entscheidung, wie auch immer sie ausfällt, geht meist ein längerer Prozess voraus. Dies erläutert Qamar anschaulich: […], ich habe nicht den Mut gehabt, in die Schule zu gehen mit dem Kopftuch, in die Öffentlichkeit zu gehen mit dem Kopftuch. Wenn es eine muslimische Veranstaltung gehabt hat oder so und ich habe gewusst, dass es ein Raum voll sein wird mit muslimischen Frauen und Männern, ist es kein Problem, weil du bist einer von ihnen / Du fällst nicht auf. Aber wenn ich in der Klasse die Einzige oder in der Passerelle, wo es fast keine Muslime gibt und fast keine Ausländer allgemein, die Einzige bin, die dunkle Haut hat und nachher noch ein Kopftuch, das ist gerade viel gewesen für mich. Und nachher habe ich […] einfach gedacht: ‹Du machst es jetzt, […] sonst wird es wieder verschoben auf nächstes Jahr. […]› Weil das habe ich mir mein ganzes Leben gesagt. […] Und das hat einfach nicht funktioniert all die Jahre und dann habe ich gedacht, jetzt mache ich es anders. (Qamar, w, 22) Grundsätzlich lassen sich bei den jungen Musliminnen und Muslimen bezüglich der Religionspraxis und der Einhaltung religiöser Gebote zumindest vier unterschiedliche Umgangsformen und Hand- lungsstrategien unterscheiden Viele der praktizierenden jungen Muslime ziehen sich für ihre religiöse Praxis in den Bereich des Privaten zurück und achten darauf, dass ihre muslimische Identität in den alltäglichen Begeg- nungen mit der nicht-muslimischen Bevölkerung nicht allzu sehr in den Vordergrund gerät. Andere wiederum positionieren sich als Muslime in der Gesellschaft und bemühen sich darum, sich in ihrer religiösen Praxis stets an die Rahmenbedingungen der Schweiz anzupassen. Das Gebet wird dann beispielsweise nur verrichtet, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist und man damit nicht auf Unverständnis stösst. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 34 | 39 Als weitere Strategie lässt sich zudem eine Betonung der religiösen Zugehörigkeit etwa durch das Verrichten des Ritualgebetes im öffentlichen Raum feststellen. Diese geht dann oftmals mit einem Einfordern der Möglichkeit von Religionsausübung einher. Für die nicht oder nur in sehr geringem Masse praktizierenden jungen Muslime und Musliminnen ist der Islam und die damit verbundene Praxis oftmals eine Art Zukunftsprojekt. Es existiert ein mehr oder minder diffuses Bewusstsein darüber, was man als Muslim tun sollte. Angesichts der Lebensphase Jugend wie auch der herausfordernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wird die Einhaltung religiöser Gebote und Verbote sowie die Ritualpraxis aber auf eine spätere Zeit verschoben. Diese Haltung wird oft als diejenige der Eltern berichtet, die es für sich gleich gehalten haben. Als herausfordernd wird von einigen der Interviewten auch die Teilhabe an jugendlichen Lebenswelten empfunden. Bestimmte Aspekte jugendlicher Freizeitaktivitäten wie etwa der offene Umgang zwischen den Geschlechtern, Alkoholkonsum, Tanzen, etc. und Freizeitorte wie Clubs, Bars und Diskotheken werden oftmals als mit den eigenen religiös begründeten Werte- und Verhaltensvorstellungen unver- einbar wahrgenommen und aus diesem Grund in verschiedenen Fällen auch gemieden. Die von mus- limischen Vereinigungen oder von den muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst organisierten religiös gerahmten Freizeitangebote stellen in diesem Zusammenhang dann eine Mög- lichkeit dar, an jugendtypischen Aktivitäten in islamkonformer Weise zu partizipieren. Verhältnis zu Staat und Gesellschaft der Schweiz Obwohl der Grossteil der von uns interviewten jungen Muslime mehr als die Hälfte ihres Lebens in der Schweiz gelebt hat, haben sie in den meisten Fällen ein ambivalentes Verhältnis zu Staat und Gesellschaft der Schweiz und fühlen sich nicht uneingeschränkt zugehörig. Deutlich wurde in fast allen Interviews, dass viele der jungen Musliminnen und Muslime ein zwiespäl- tiges Verhältnis zur Schweiz haben. Sie fühlen sich von Seiten der nicht-muslimischen Gesellschaft nicht als Teil der Schweiz wahrgenommen. Typische geschilderte Erfahrungen der Fremdzuweisung durch die Gesellschaft sind dementsprechend die religiöse Einordnung als ‹Muslim› – dieses auch in Fällen von Jugendlichen, die keinerlei religiöse Lebensführung aufweisen. Oder sie werden, trotz der Tatsache, dass viele der jungen Muslime in der Schweiz aufgewachsen sind oder die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzen, als ‹Ausländer› eingestuft. Oftmals ist diese Fremdpositionierung ver- bunden mit der Feststellung, nicht zur Schweiz zu gehören sowie mitunter dem Vorwurf, nicht inte- griert zu sein. Dieser, von den jungen Muslimen als ausgrenzend wahrgenommene Diskurs scheint sich zusammen mit dem medialen Diskurs über Islam und Muslime und den berichteten negativen Erfahrungen im Alltag unmittelbar auf die Selbstpositionierung in und zur Gesellschaft der Schweiz auszuwirken. Die meisten der Interviewten fühlten sich sowohl zu einem Teil als Schweizer als auch zu einem Teil als Mitglied der Herkunftsgesellschaft der Eltern. Diese doppelte Teilidentität findet sich in vielen Inter- views. Viele der Heranwachsenden verbringen lediglich ihre Sommerferien im Herkunftsland der Eltern und haben ausser den dort lebenden Verwandten nur noch wenig Anknüpfungspunkte. Teil- weise wurde dieses ‹Sowohl als auch› als keiner Gesellschaft eindeutig zugehörig und dement- sprechend als belastend interpretiert, teilweise auch als Chance, von beiden Gesellschaften das Beste für sich zu nehmen. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 35 | 39 Einige der muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen fühlen sich weder als Teil der Schweizer Gesellschaft noch als Teil der Herkunftsgesellschaft. Deutlich äussert sich in diesem Sinne etwa der 25-jährige Genc, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen: Traditionell gehen wir jedes Jahr nach Kosovo, und es ist noch lustig, denn dort bin ich der Ausländer und hier bin ich auch der Ausländer. In dem Sinn bin ich, wenn man das so sagen will, im Nirvana, oder. (Genc, m, 25) Angesichts des wahrgenommenen Dilemmas scheint der Islam als Identitätsoption, also die Selbst- zuschreibung als Muslim oder Muslimin, für einige der Interviewten eine wichtige Funktion der Zuord- nung zu einer gesellschaftlichen Gruppierung einzunehmen. Deutlich macht dies u.a. Yllzana: Und darum, ich habe mich mit dem abgefunden, ich gehöre halt nirgends hin. Ich probiere einfach das Gute von der Schweizer Kultur und das Gute von der albanischen Kultur zu nehmen, und über dem ist der Islam. Und ich probiere einfach ein bisschen hin und her zu schwanken, weil, ich meine, man kann nicht mehr machen aus dem, was man hier jetzt hat. (Yllzana, w, 21) Nichtsdestotrotz zeigt sich in fast allen Interviews: Beinahe alle der interviewten jungen Muslime und Musliminnen sehen ihre Zukunft in der Schweiz. Sie verweisen darauf, dass sie durch das Aufwachsen in der Schweiz geprägt wurden und selbst auch typische ‹Schweizer› Eigenschaften besitzen. Darüber hinaus betonen fast alle der Interviewten, welche Chancen die Schweiz hinsichtlich Ausbil- dung, Beruf und Lebensstandard bietet, gerade auch im Vergleich mit der Situation im Herkunftsland: Wenn ich jetzt vergleiche, wo ich gelebt habe oder wo jetzt teilweise noch Leute leben, was für Möglichkeiten, sie dort haben und was ich hier habe. […] Ich bin sehr stolz und dann nachher auch sehr froh, dass ich in der Schweiz leben darf, dass ich da die Möglichkeit habe, mich auf jede mögliche Art zu entwickeln, in welche Richtung ich will. (Ramiz, m, 24) Hinsichtlich der Frage der gesellschaftlichen Zugehörigkeit wird von vielen jungen Musliminnen und Muslimen der Wunsch oder die Hoffnung geäussert, als muslimischer Teil der Schweizer Gesellschaft akzeptiert zu werden. Was junge Muslime von Autoritäten mit Blick auf die Gesellschaft erwarten Die Vorstellungen darüber, wie der Islam in der Schweiz gelebt werden sollte und welchen Platz er im gesellschaftlichen Zusammenleben einnehmen sollte, reichen von salafistischen Vorstellungen bis zu einem umfassend auf Schweizer Verhältnisse zugeschnittenen Islam. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Erwartungen junger Musliminnen und Muslime an die religiösen Autoritäten und Organisationen hinsichtlich der Frage der Integration. Das Spektrum an Erwartungen, die die Interviewten im Kontext des Zusammenlebens zwischen der Gesellschaft und dem muslimischen Teil der Schweiz an die muslimischen Autoritäten und Organisa- tionen richten, ist äusserst breit und in Teilen auch konträr. Es reflektiert die Bandbreite an religiösen Vorstellungen und Strömungen. An einem Ende des Spektrums steht das salafistische Bestreben, das als vorbildhaft gesetzte Verhalten des Propheten Muhammad und seiner Gefährten kontext- und zeitunabhängig zu imitieren. Am anderen Ende steht das Bemühen, Religion und religiöse Praxis an die gegenwärtigen Schweizer Verhältnisse bis hin zum Rückzug des Religiösen in den Bereich des Privaten anzupassen und umzuinterpretieren. Dementsprechend erwarten die einen von muslimi- «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 36 | 39 schen Organisationen und Autoritäten, sich dafür einzusetzen, dass islamisch begründete Regeln und Normen, etwa das Tragen des Kopftuchs oder der Verzicht auf den Handschlag zwischen Männern und Frauen, in der Schweiz in allen Bereichen umgesetzt werden können. Andere wiederum erhoffen sich von den Autoritäten eine an die Schweiz adaptierte Islaminterpretation und ein konkretes Engagement im Sinne einer Integration in die Gesellschaft. Demgemäss bewerten die jungen Muslime und Musliminnen den Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) ganz unterschiedlich. Einige schätzen ihn gerade wegen seiner lauten und kompromisslosen Vertretung muslimischer Interessen. So etwa auch Yasin, der den oftmals konfrontativen Kurs von Nicolas Blancho, dem medial präsenten Präsidenten des IZRS, begrüsst und den anderen muslimi- schen Organisationen in der Schweiz vorwirft, nicht konfrontativ genug zu sein: Ja da die klare Haltung von Nicolas Blancho. Dass er sich nicht wie da die anderen Verbände da in so einen Kuschelkurs reinbegibt. Dass er eine klare, vielleicht.. nicht dieser Gesellschaft entsprechende Haltung hat. Aber da / Ich habe gemerkt, mit Konfrontation kann man manchmal Sachen erreichen, die man durch Nichtkonfrontation niemals erreichen kann. Dass man den Leuten ganz klar und deutlich sagt: Das ist mein Weg, und ob es euch passt oder nicht. Da habe ich gemerkt, wenn man diese Haltung hat, kann man den Menschen viel besser erreichen, als wenn man den Kuschelkurs, oder das Unterwürfige da von vielen Muslimen leider, dass man da eben gar nichts erreichen kann. (Yasin, m, 30) Andere junge Muslime wiederum stehen dem IZRS skeptisch gegenüber und erachten insbesondere die von Seiten des IZRS verfolgte Strategie der Provokation als kontraproduktiv. Sie sehen das kon- frontative Auftreten als abträglich für das gesellschaftliche Miteinander zwischen Muslimen und Nicht- Muslimen. Zu ihnen gehört auch Fuat: Also wenn ich das so sagen darf, für mich sind das Leute, die über das Ziel hinausschiessen, die nicht wirklich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, für den gesellschaftlichen Frieden etwas beisteuern. Und wo, in meinen Augen, jetzt bin ich ganz böse, dem Islam mehr schaden, als dass sie nutzen. In der Schweiz. (Fuat, m, 29) Darüber hinaus wird immer wieder das durch den IZRS vertretene Islamverständnis als extrem, un- zeitgemäss und für die eigene Lebenssituation in der Schweiz als unpassend kritisiert. So unter anderem das äussere Erscheinungsbild einiger IZRS-Vertreter und die strikte Geschlechtertrennung an Veranstaltungen des IZRS. Mindestens genauso gespalten sind allerdings auch die Haltungen der jungen Muslime gegenüber muslimischen Organisationen und Akteuren, die ausnahmslos in einer radikalen Modernisierung und Anpassung des Islam an westeuropäische Verhältnisse eine Möglichkeit des Zusammenlebens zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen sehen. So wird beispielsweise Valentina Smajli, die Vizeprä- sidentin des Forum für einen Fortschrittlichen Islam (FFI) von einem ihrer Kritiker als «Säkuläriban» bezeichnet. Eine andere Interviewpartnerin hebt hingegen gerade die «Fortschrittlichkeit» und «Kom- promissbereitschaft» des FFI positiv hervor. Weder der Islamische Zentralrat Schweiz noch das Forum für einen Fortschrittlichen Islam können für sich in Anspruch nehmen, für die Mehrheit der jungen Muslime und Musliminnen in der Schweiz zu sprechen. Beide werden im öffentlichen Diskurs in ihrer Bedeutung deutlich überschätzt. Immer wieder betonten die interviewten Personen, dass im Zusammenhang des gesellschaftlichen Miteinanders zwischen Nicht-Muslimen und Muslimen auch die muslimischen Gemeinschaften einen «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 37 | 39 wichtigen Beitrag leisten können und müssen. So wünschen sich einige eine stärkere Öffnung der muslimischen Gemeinschaften und Verbände sowie ein vermehrtes gesellschaftliches Engagement, das über die Grenzen der eigenen Glaubensgemeinschaft hinausgeht. Ismeta formuliert diesen Wunsch und die damit einhergehende Kritik an verschiedenen muslimischen Organisationen an- schaulich: Ja, ich würde mir auch wünschen, dass es mehr Aktionen gäbe, an denen man sieht, dass den Muslimen in der Schweiz auch daran liegt, dass es in der Schweiz, dass es der Schweiz gut geht. Sprich, Aktionen wie zum Beispiel zusammen irgendwo für eine Suppenküche mal kochen oder irgendwie so, Dienstleistungen erbringen, die wir auch so manchmal machen. Bei uns in der Moschee gibt es immer wieder Putzaktionen und dann melden sich jeweils 20, 30 Leute an. Ich fände es schön, mal so etwas zu sehen, aber dass es der ganzen Schweizer Gemeinschaft dient, damit man auch merkt, dass Muslime in der Schweiz zur Gemein- schaft gehören und nicht einfach DA sind. Dass es sie nicht nur gibt, sondern dass wir ein Teil der Ge- sellschaft sind. (Ismeta, w, 18) Dass im Hinblick auf das gesellschaftliche Miteinander auch den in der Schweiz agierenden Imamen eine besondere Bedeutung zukommt, macht insbesondere Pekalp deutlich; zugleich ist der Schluss des Zitats als deutliches Bekenntnis zur Schweiz zu verstehen: Ich brauche einen Imam, der sagt: ‹Es ist an der Zeit, sich zu integrieren, zu partizipieren und ein Teil dieser Gesellschaft zu werden. Und wir müssen uns da wirklich auch für die Schweizer engagieren.› Das ist für mich wichtig. […] Weil das ist eben unser Problem hier in der Schweiz. Wir sind nicht ein Teil dieser Gesellschaft. Wir sind noch nicht ein Teil dieser Gesellschaft, weil für mich ist wichtig bei der Integration, dass man ein integraler Teil davon wird. Wenn man uns einfach wegnimmt, sollten die Menschen hier in der Schweiz sagen: ‹Du, wir haben jetzt ein Problem, die Muslime sind nicht mehr da.› Und wenn das jetzt passiert, dann bin ich mir sicher, die meisten / Also wenn die Muslime jetzt auf einmal nicht mehr hier wären, ich wäre mir nicht sicher, wie viele Schweizer das sagen würden. (Pekalp, m, 30) «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 38 | 39 Einordnung Die selbstbestimmte Auswahl von religiösen Orientierungsangeboten und Autoritäten durch junge Musliminnen und Muslime ist nicht aussergewöhnlich, sondern typisch für Heranwachsende. Zahlrei- che jüngere Studien, sei es zu jungen tibetischen Buddhisten und Buddhistinnen in der Schweiz, jungen Sikhs in Grossbritannien oder jungen Muslimen in Norwegen, verweisen darauf, dass ihre Reli- gionsaneignung mit einer Um- und Neuinterpretation von Religion einhergeht. Die religiöse Neuinter- pretation ist jedoch nicht spezifisch an einen Migrationshintergrund gebunden: Vielmehr stehen all- gemein in den Gesellschaften Europas und Nordamerikas das Individuum und dessen Wahl- und Kon- summöglichkeiten nachdrücklich im Vordergrund. Bezogen auf religiöse Orientierungen bedeutet dies, dass Personen selbst entscheiden können, inwiefern sie sich mit einer religiösen Idee, Praxis und Autorität identifizieren und ein Gefühl der Verbundenheit zu einer religiösen Gemeinschaft teilen oder nicht teilen. Studien von Forschenden wie Peter Beyer, Christel Gärtner, Christoph Morgenthaler und anderen zeigen auf, dass ein Trend bei jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund be- steht, sich von religiösen Institutionen zu entfernen und Religion individuell anzueignen. Der domi- nante Individualisierungstrend ermächtigt und nötigt zugleich den Einzelnen, selbstbestimmt für sich zu entscheiden, welchen Stellenwert Religion im Leben einnimmt. Junge Muslime und Musliminnen sind insofern gleich wie junge tibetische oder vietnamesische Buddhisten und junge tamilische Hindus in hohem Masse angepasst an allgemeine Trends der Schweizer und europäischer Gesellschaften. Junge Heranwachsende mit Migrationshintergrund sind jedoch mit zwei Herausforderungen konfron- tiert: die gesellschaftliche Wahrnehmung kategorisiert aufgrund medialer Darstellung Personengrup- pen, Religionen und Kulturen in fremd-exotisch und faszinierend sowie fremd-gefährlich und bedroh- lich. Der gesellschaftliche Exotisierungsdiskurs auf der einen, und Gefährdungsdiskurs auf der ande- ren Seite stellt jeweilige Erwartungen an Heranwachsende, mit denen sie sich unweigerlich ausein- andersetzen müssen. Zweite Herausforderung ist, dass Jugendliche und Heranwachsende zumeist eng in die religiös-kulturelle Sinnwelt der immigrierten Eltern und kultureller Gemeinschaften einge- bunden sind. In diesem Zusammenhang weist der «Religionsmonitor» der Bertelsmann Stiftung von 2013 darauf hin, dass «Mitglieder einer ‹Migrationsreligion› durchschnittlich religiöser sind als Per- sonen ohne einen solchen Hintergrund». Der Grund ist, dass Herkunftsgesellschaften oft religiöser ge- prägt sind und religiöse Gemeinschaften im Aufnahmeland oft erste Kontaktstellen mit informellen sozialen Dienstleistungen für Neuankömmlinge sind. Zugleich gilt es für die Heranwachsenden, den vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft in Ausbildung, Arbeitsleben und Freizeitgestaltung gerecht zu werden. Oft sprachlich und kulturell versiert in der Gesellschaft, in der man lebt, und der religiös- kulturellen Welt der Eltern, bemühen sich die Heranwachsenden einen eigenen Weg zu bestimmen. Dieses kann zu einer Abgrenzung zur oft rituell bestimmten und selbstverständlichen Gläubigkeit der Elterngeneration führen. Zugrunde liegt ein Verstehenwollen, das Begründungen und Bedeutungen religiöser Vorstellungen, Praktiken und Autoritäten hinterfragt und nach Erklärungen sucht. Wie die Forschungen des Projektes zeigen, trifft dieses ebenso in hohem Masse für junge Musliminnen und Muslime in der Schweiz und ihren Umgang mit religiösen Orientierungsangeboten zu. «Hallo, es geht um meine Religion!» Seite 39 | 39 Ausgewählte weiterführende Literatur Allenbach, Brigit; Sökefeld, Martin (Hg.) (2010): Muslime in der Schweiz. Zürich: Seismo (Sozialer Zusammenhalt und kultureller Pluralismus). Bleisch Bouzar, Petra: Gelebte und erzählte Scharia in der Schweiz. Empirische Studien zur Aneignung religiöser Normen durch zum Islam konvertierte Frauen (Freiburger Veröffentlichungen zum Religionsrecht, 33). Endres, Jürgen; Tunger-Zanetti, Andreas; Behloul, Samuel-Martin; Baumann, Martin (2013): Jung, muslimisch, schweizerisch. Muslimische Jugendgruppen, islamische Lebensführung und Schweizer Gesellschaft. Ein Forschungsbericht. Luzern: Universität Luzern. Leuenberger, Susanne (2013): «‹I have become a stranger in my homeland›. An analysis of the public performance onf converts to Islam in Switzerland». In: Samuel-Martin Behloul, Susanne Leuenberger und Andreas Tunger-Zanetti (Hg.): Debating Islam. Negotiating Religion, Europe, and the Self. Bielefeld: transcript (Globaler - lokaler Islam), S. 181–202. Müller, Monika (2013): Migration und Religion. Junge hinduistische und muslimische Männer in der Schweiz. Wiesbaden: Springer VS (Beiträge zur Regional- und Migrationsforschung). Ausserdem: diverse Schlussberichte des Nationalen Forschungsprogramms 58: www.nfp58.ch (Allenbach/Herzig/Müller; Dahinden/Duemmler/Moret; Ettinger/Imhof; Morgenthaler et al.; Rudolph/ Lüddeckens/Uehlinger; Dahinden/Wyss). 1 Die Workshops fanden unter den Titeln «Facebook, Klassenzimmer und Koran» bzw. «Mittendrin statt nur dabei» in der ganzen Deutschschweiz statt, einer auch in Genf. 2 «Bildungsentscheidungen adoleszenter Musliminnen der zweiten Generation in der Schweiz» (Nathalie Gasser, 2014- 2017), «Biographische Prozesse von religiöser Um- und Neuinterpretation» (Rebekka Khaliefi, 2016-2018). 3 Das Kopftuch wird nicht von allen Muslimen als religiöse Pflicht angesehen und auch darüber, ob nur das Haar oder auch das Gesicht verhüllt werden sollen, finden sich unterschiedliche Auslegungen. Ein Teil der Muslime leitet eine Verpflichtung der Frauen zur Bedeckung aus dem Koran ab. Allerdings benennen die Koranverse nicht eindeutig, welche Frauen was alles vor wem und in welchen Situationen verhüllt werden sollten. Auch der Blick in die Sunna, die Überlieferungen aus dem Leben des Propheten Muhammad, lässt hier unterschiedliche Interpretationen zu. Gegenwärtig plädiert aber eine Mehrheit der muslimischen Gelehrten für das Tragen des Kopftuchs (nicht aber des Gesichtsschleiers), und viele junge Musliminnen betrachten das Kopftuch als ihre religiöse Pflicht. Diese Plicht hat jedoch nicht den gleichen Stellenwert wie etwa die Pflicht zum Gebet oder zum Almosengeben. 4 Alle Interviews fanden vor dem Putschversuch vom Juli 2016 und der darauf folgenden Repression gegen Regierungsgegner statt. 5 Im Islam gelten auch Adam, Noah, Abraham, Mose, Jesus und weitere Gestalten des Alten und Neuen Testaments als wichtige Propheten. http://www.nfp58.ch/ Zentrum Religionsforschung Universität Luzern Frohburgstrasse 3 Postfach 4466 6002 Luzern Tel. 041 229 56 00 imracy@unilu.ch Dieser Bericht steht zum Download zur Verfügung auf der Internetseite www.unilu.ch/imracy. Dort finden Sie auch weitere Informationen über das Forschungsprojekt sowie Hinweise auf Workshop-Angebote zur Vertiefung. mailto:imracy@unilu.ch http://www.unilu.ch/imracy

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    Erstellungsdatum: 24.04.2017

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    Die zwei Kulturen? Gegenwärtige Beziehungen von Natur- und Humanwissenschaften / Hirnforschung und Schuldstrafrecht

    Bevölkerung auf der anderen Seite Tibetisch. Oder in Snow’s Formulierung «instead of 1 Snow 1965. 8 9 going

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    Erstellungsdatum: 20.05.2014

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    KSF

    KSF Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Ethnologisches Seminar INFORMATION ETHNOLOGIE VORLESUNGSVERZEICHNIS HERBSTSEMESTER 2017 Lehrveranstaltungen 2 3 Inhaltsverzeichnis Adressen und Öffnungszeiten 4 Informationen 5 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? 7 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA 12 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars 16 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen 33 Stundenplan HS 2017 36 (Titelbild: Maske aus dem Museum der Kulturen Basel) 4 Adressen und Öffnungszeiten Universität Luzern Ethnologisches Seminar Frohburgstr. 3 Postfach 4466 6002 Luzern ethnosem@unilu.ch Professuren: Bettina Beer, Prof. Dr., bettina.beer@unilu.ch Seminarleitung Vertreten durch: Anika König PhD, anika.koenig@fu-berlin.de (Sprechstunde nach Vereinbarung) Büro 3.A28 Jürg Helbling, Prof. Dr., juerg.helbling@unilu.ch (Sprechstunde nach Vereinbarung) Büro 3.A26 Fachstudienberater und Mobilitätsverantwortlicher: Werner Egli, Prof. Dr., werner.egli@unilu.ch Tel. ++41 (0)41 229 55 73 (Sprechstunde siehe Website) Büro 3.A20 Sekretariat: Luzia Weber, luzia.weber@unilu.ch Tel. ++41 (0)41 229 55 71 Büro 3.A27 Öffnungszeiten Sekretariat: Montag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Dienstag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Mittwoch: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr mailto:bettina.beer@unilu.ch mailto:juerg.helbling@unilu.ch mailto:werner.egli@unilu.ch mailto:luzia.weber@unilu.ch 5 Informationen 1. Abschlüsse Masterarbeiten 2015: Nguyen, Van Manh: Die neue LGBT-Generation in Ho Chi Minh City und deren "agency". Masterarbeit zur Erlangung des Mastergrades der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern. Erstgutachterin: Dr. Angelica Wehrli, Ethnologisches Seminar, Universität Luzern, Zweitgutachter: Prof. Dr. Martin Baumann, Religionswissenschaftliches Seminar, Universität Luzern Masterarbeit 2016: Rebekka Gammenthaler: Grenzkonflikt Nepal-Indien. Die Anliegen der Madeshi (1. Gutachter: Werner Egli, 2. Gutachter: Daniel Speich)) Sara Dürr: Hollywood: World Heritage and the Urban Poor in Vigan City, Philippines (B. Beer) Bianca Binggeli: “Labour, employment and changes in the context of the Quinoa boom” (Peter Larsen) Sabri Bispo: “World Bank and human rights” (Peter Larsen) Debjani Lisa Das: “Reconstruction discourses of cultural heritage in Nepal” (Peter Larsen) Yara Gut: “Transitional Justice “from below”?- Transitional Justice, Civil Society and The «Ley de la Memoria Histórica” (Peter Larsen) Jonas Koeppel: “Biotrade interventions and the transformation of producer livelihoods” (Peter Larsen) Naria Rubio: «Von Panama in die Schweiz : Eine empirische Untersuchung der Handelskette der Fairtrade- Banane aus der Perspektive der Politischen Ökologie.» (Peter Larsen) Vanessa Salamanca: “Indigenous peoples’ right to prior consultation in Colombia” (Peter Larsen) Bachelorarbeiten 2016: Pascal Steiger: Die Kindersoldaten Nepals. Hintergründe und Vergleich mit den Kindersoldaten Ugandas (Gutachter: Werner Egli) Felix Gauer: “Landgrabbing as a multidimensional threat to the spiritual values and cultural identity of the Bunon” (Peter Larsen) Seraina Willi: «La perspectiva de las mujeres indígenas amazónicas en relación con las actividades extractivas en la Amazonía ecuatoriana» (Peter Larsen) 2. Studentische Mobilität Wer ein oder mehrere Semester an einer anderen Universität im In- oder Ausland studieren möchte, sollte sich angesichts der Fristen und relativ kurzen Regelstudienzeit von 6 Semestern im BA und 4 Semestern im MA möglichst frühzeitig über die Modalitäten der Studierendenmobilität informieren und mit den für die Mobilität zuständigen Personen im Dekanat und im Seminar sowie mit der Fachstudienberatung Kontakt aufnehmen. Besonders vorteilhaft sind Austauschsemester an ausländischen Partneruniversitäten im Rahmen des ERASMUS-Programms. Weitere Informationen befinden sich auf der Website der Universität Luzern: https://www.unilu.ch/international/mobilitaet/studierendenmobilitaet/studierende-outgoing/ 3. Facebook-Gruppe „Ethnologie Luzern“ Am Ethnologischen Seminar ist eine offene Facebook-Gruppe („Ethnologie Luzern“) entstanden, zu der alle Studierenden und Interessierten herzlich eingeladen sind! https://www.unilu.ch/international/mobilitaet/studierendenmobilitaet/studierende-outgoing/ 6 4. Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr wird jeweils im Herbstsemester von der ZHB ein Modul zur Informations-kompetenz angeboten, das Teil der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" ist. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Seit dem HS 2011 ist der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz für Studierende verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA- Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen, diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. 5. News Im Juni hatte Prof. Bettina Beer eine Gastprofessur am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien, im HS 2017 ist sie auf Forschungsreise in Papua-Neuguinea im Rahmen des Projektes „Internationales Kapital und lokale Ungleichheit: Eine Langzeit-Untersuchung der Wampar unter dem Einfluss einer Kupfer-Gold- Mine und einer Holzplantage zur Energiegewinnung" (finanziert durch den SNF). Sie wird vertreten durch Anika König. Im Oktober wird eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage der Einführung in die Ethnologie unter dem Titel „Ethnologie. Einführung in die Erforschung kultureller Vielfalt“ beim Reimer Verlag, Berlin erscheinen. Das Buch ist im Studiladen der Universität erhältlich. 7 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? Hier wird eine von verschiedenen möglichen Varianten dargestellt, wie ein Studium in der Regelstudienzeit von 6 Semestern gestaltet werden kann. Die Regelstudienzeit kann sowohl unter- als auch überschritten werden, wobei letzteres wahrscheinlicher ist, vor allem wenn neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Die Reihenfolge des Besuchs von Veranstaltungen kann variieren, so kann etwa das Proseminar „Ethnographien“ im ersten Semester oder später besucht werden. Bachelorstudium 1.Semester Vorlesung: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Ethnographien Verfassen einer Proseminararbeit 2.Semester Vorlesung: Geschichte der Ethnologie Methodenseminar: Einführung in die Methoden der Ethnologie Proseminar: Klassiker der Ethnologie Verfassen einer Proseminararbeit 3.Semester Vorlesung: Einführung in einen Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltung Orientierungsgespräch 4.Semester Hauptseminar zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 5.Semester Hauptseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 6.Semester Anfertigen der Bachelorarbeit Weitere Lehrveranstaltungen Prüfungen Masterstudium (mit Feldforschungspraktikum) 1.Semester Masterseminar zu einem Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 2.Semester Masterseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 3.Semester Feldforschungspraktikum (vorzugsweise in den Semesterferien) Weitere Lehrveranstaltungen 4.Semester Anfertigen der MA-Arbeit Prüfungen 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA (Bachelor of Arts in Ethnologie / BA in Cultural and Social Anthropology) Musterstudienplan Im Folgenden wird der Musterstudienplan für das BA-Studium im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium gehen die anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen ein. Die Musterstudienpläne für Major und Minor befinden sich im PDF-Format auf der Website der Kultur- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät. Ebenfalls finden Sie dort Musterstudienpläne für Studenten mit Studienbeginn vor HS 2011: https://www.unilu.ch/studium/lehrveranstaltungen-pruefungen-reglemente/ksf/musterstudienplaene/ I BA-Abschluss Schriftliche BA-Prüfung Minor 5 Mündliche BA-Prüfung Major 5 BA-Arbeit Major 25 II Studienleistungen Major VL (benotet) Einführung in die Ethnologie 2*) Assessm entstufe (1. & 2. Sem ester) PS Einführung in die Ethnologie 4 MS Einführung in die Methoden der Ethnologie 4 PS Ethnographie 4 PS Klassiker der Ethnologie 4 (benotet) 1. Proseminararbeit zu PS oder MS**) 4 (benotet) 2. Proseminararbeit zu PS 4 Orientierungsgespräch Major 0 VL (benotet) Einführung in Bereiche der Ethnologie 2*) H auptstudium (3.-6. Sem ester) HS Hauptseminar aus einem Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar freier Wahl 4 (benotet) Hauptseminararbeit 6 Weitere Leistungen Major 17 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 50 IV Sozialkompetenz und Studienleistungen im Major, Minor oder in anderen Fächern Sozialkompetenz (2-6 Cr) 4 Freie Leistungen Major, Minor o. davon unterschiedene Fächer 16 *) Für Vorlesungen können je nach Arbeitsaufwand auch 3 Credit Points vergeben werden. Veranstaltungstypen und Anforderungen im Bachelorstudium Vorlesung (VL): Einführung in die Ethnologie Diese Pflichtveranstaltung ist als Überblick und Einführung in das Studium der Ethnologie, in Gegenstand, Methodik, Grundbegriffe und Geschichte des Faches angelegt und sollte im ersten oder zweiten Semester besucht werden. Sie soll Antworten auf die Fragen geben, was Ethnologie ist und welche Fragestellungen mit welchen Methoden verfolgt werden. Neben fachspezifischen Methoden und Theorien werden auch fächerübergreifende wissenschaftliche Arbeitsweisen vorgestellt. Sowohl praktische Studien- und Arbeitstechniken als auch wissenschaftstheoretische Grundlagen sind Gegenstand der Lehrveranstaltung. In der Einführung sollen Erstsemester außerdem eine eigene Vorstellung davon entwickeln, welchen Sinn das Studium der Ethnologie hat und welches ihre eigenen Zielsetzungen sind. Aus diesem Grund wird auch die Frage der Berufsperspektiven berücksichtigt. 9 Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr jeweils im Herbstsemester bietet die ZHB ein Modul zur Informationskompetenz an. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Für Studierende ist der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA-Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. Proseminar (PS): Einführung in die Ethnologie Ergänzend zur Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" wird im ebenfalls obligatorischen Proseminar basierend auf einem Lehrbuch und zusätzlichen Artikeln ein Überblick über das Fach gegeben. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Vorlesung (VL): Einführung in Bereiche der Ethnologie Zusätzlich zur Vorlesung „Einführung in die Ethnologie“ werden regelmäßig einführende Vorlesungen in die Wirtschafts-, Politik- und Rechtsethnologie sowie in Religions- und Verwandtschaftsethnologie angeboten. Von den Vorlesungen zur Einführung in die verschiedenen Bereiche der Ethnologie ist ebenfalls eine obligatorisch zu besuchen. In diesen Vorlesungen wird ein erster Überblick über die behandelten Themen gegeben, die dann in Haupt- und Masterseminaren vertieft werden können. Methodenseminar (MS): Einführung in Methoden der Ethnologie In dieser Pflichtveranstaltung wird anhand von einer oder mehrerer ethnologischer Monographien gezeigt, wie Ethnologen Forschungsfragen entwickeln, sich Problemen annähern und mit welchen empirischen Methoden sie Daten erheben und wie sie diese auswerten. Auch Strategien der Darstellung von Forschungsergebnissen werden diskutiert. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Proseminar (PS): Ethnographien In diesem ebenfalls obligatorischen Proseminar werden abwechselnd zu verschiedenen regionalen Gebieten Veranstaltungen angeboten. Im Mittelpunkt steht die Lektüre und Diskussion klassischer und vorbildlicher ethnographischer Texte. Die Auseinandersetzung mit ethnographischen Quellen dient sowohl der Vertiefung des Stoffes des methodischen Seminars als auch dem Erwerb regionaler Kompetenzen (Südostasien, Ozeanien u.a.). Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Zudem dient dieses Proseminar dem Einüben wissenschaftlicher Arbeitstechniken der Ethnologie. Proseminar (PS): Klassiker der Ethnologie Im Zentrum dieses obligatorischen Proseminars steht die Lektüre und Diskussion klassischer Texte aus der Geschichte des Faches von der Zeit der Aufklärung bis zu rezenten theoretischen Debatten. Es kann auch erstetzt werden durch die Vorlesung „Geschichte der Ethnologie“. Die Veranstaltung wird einmal jährlich angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Auch die Vorlesung „Einführung in die Geschichte der Ethnologie“ kann als Veranstaltung aus dem Bereich „Klassiker der Ethnologie“ angerechnet werden. Sie gibt einen Überblick über Fragestellungen, Grundannahmen und Methoden von Hauptrichtungen der Ethnologie. Wissenschaftsgeschichtliche Kenntnisse sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Für die Ausbildung ist es häufig praktischer, mit leichter verständlichen älteren Autoren und Publikationen zu beginnen, die Grundlage und Bezug für komplexere neuere sind. Zentrales Anliegen der Vorlesung ist die Zielsetzung, Wissenschaft als Prozess verständlich zu machen, in dem auch das heute Modernste vielleicht morgen schon als "out" gilt, andererseits aber scheinbar neueste Ideen Jahrhunderte alt sein können. Die Betonung der Vorlesung wird auf früheren Perioden liegen. Grundlegende Kenntnisse in der Geschichte ethnologischer Theorien und Methoden der Ethnologie werden bei der BA-Abschlussprüfung vorausgesetzt. Proseminararbeiten Zu zwei der in einem Proseminar oder im Methodenseminar behandelten Themen muss eine schriftliche Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Die Arbeiten werden benotet. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. 10 Orientierungsgespräch Das im Major obligatorische Orientierungsgespräch soll zum einen die Studierenden hinsichtlich der generellen Eignung zum Studium orientieren und zum zweiten Empfehlungen für die inhaltliche Gestaltung des Hauptstudiums geben. Es findet nach dem zweiten oder spätestens nach dem dritten Fachsemester mit einem der Professoren statt. Die Termine sind direkt mit ihnen zu vereinbaren. Mit der Anmeldung ist eine ca. zweiseitige Reflexion über das bisherige Studium einzureichen, die eine Selbsteinschätzung in Bezug auf die erworbenen Fähigkeiten sowie auf Stärken und Schwächen enthalten soll. Des Weiteren müssen ein aktueller Leistungsnachweis mit allen bislang erworbenen Credit Points sowie die Kopie einer schriftlichen Arbeit vorgelegt werden. Hauptseminare (HS) Hauptseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Mensch- Umwelt-Beziehungen) angeboten. Daneben gibt es regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren Themen der Ethnologie wie beispielsweise Migration, neue Medien, Religionsethnologie oder Kindheitsforschung. Es muss jeweils aus verschiedenen Bereichen der Ethnologie mindestens ein Hauptseminar besucht werden. Im Major sind weitere Hauptseminare zu frei wählbaren Themen zu besuchen. Im Minor können diese durch andere Veranstaltungen oder schriftliche Arbeiten ersetzt werden. Hauptseminararbeiten Es sind drei schriftliche Hausarbeiten im Umfang von 20-25 Seiten, im allgemeinen im Anschluss an ein Haupt- seminar, nach Absprache mit dem jeweiligen Dozierenden anzufertigen. Die Arbeiten werden benotet. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Bachelorverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Sozialkompetenz Wenigstens fünf Studierende können sich zusammenfinden und eine Lektüregruppe organisieren. Zu Lehrveranstaltungen sind auch Tutorate möglich. Listen für empfohlene Literatur sind im Sekretariat 3.A27 erhältlich. Das Vorhaben muss in jedem Fall vor Semesterbeginn mit einer/-m Lehrenden abgesprochen werden, bei dem abschließend ein Protokoll eingereicht wird. Wird die regelmässige Teilnahme am wöchentlichen Forschungskolloquium des Ethnologischen Seminars durch eine Lektüregruppe ergänzt, können zusätzlich zu 2 Credits für freie oder weitere Leistungen 2 Social Credits erworben werden. Weitere Möglichkeiten siehe auch unter: Weisungen zur Vergabe für Credit Points für Sozialkompetenz (SCP) an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät: https://www.unilu.ch/fileadmin/fakultaeten/ksf/Dekanat/dok/Reglemente_Merkblaetter_Formulare/Neuste_Versionen/Merkb laetter_und_Formulare/WeisungenSocialCredits_KSF.pdf Weitere und freie Studienleistungen Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie sind weder an Veranstaltungen besonderen Typs noch besonderen Inhalts gebunden. Letzteres gilt auch für die freien Studienleistungen, die sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Faches Ethnologie erbracht werden können. Anstelle von Veranstaltungsbesuchen ist auch das Verfassen von schriftlichen Arbeiten (in Absprache mit dem Dozierenden) möglich. Seminar- und Forschungskolloquium Im ethnologischen Forschunskolloquium werden aktuelle Forschungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars vorgestellt, aber auch Gäste eingeladen, die von Themen, Fragestellungen und Ergebnissen ihrer laufenden Forschungen berichten. Bei regelmässiger Teilnahme können 2 Credits erworben werden, die bei freien oder weiteren Studienleistungen anrechenbar sind. Ergänzen Studierende die regelmässige Teilnahme durch eine Lektüregruppe, können sie zusätzlich 2 Social Credits erwerben. BA-Abschluss Um das Studium mit dem BA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 60 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/m der Dozierenden entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 30 Minuten zu zwei verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 5 und für die schriftliche Arbeit 25 Credits vergeben. 11 12 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA (Master of Arts in Ethnologie / MA in Cultural and Social Anthropology) Voraussetzungen Ein Masterstudium in Ethnologie setzt ein Bachelorstudium voraus. Im Fach Ethnologie müssen mind. 60 Credits erworben worden sein. Von Inhaberinnen und Inhabern eines Bachelordiploms eines andern Faches können vor Aufnahme des Masterstudiums zusätzliche Leistungen in Ethnologie zur Bedingung gemacht werden. Zudem können in allen Fällen für den Abschluss des Masterstudiums weitere Auflagen gemacht werden. Musterstudienplan Masterstudium Das Masterstudium wird in zwei Varianten angeboten, die gewählt werden können: Ein Masterstudium mit Feldforschungspraktikum und eines ohne Feldforschungspraktikum. In letzterem kann, in ersterem muss ein Seminar zu empirischen Methoden der Datenerhebung besucht werden. Das Methodenseminar, in dem insbesondere qualitative Methoden der ethnologischen Feldforschung behandelt und auch geübt werden, bereitet auf einen mindestens dreimonatigen Forschungsaufenthalt im Aus- oder Inland vor. Wird der Studiengang mit Forschungspraktikum gewählt, reduzieren sich die frei wählbaren Studienleistungen im Major oder Minor um etwa die Hälfte. Die Social Credits werden mit den Credits für das Praktikum verrechnet, da letzteres Sozialkompetenz in hohem Masse einschliesst. Im Folgenden wird nur der Musterstudienplan im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium wird in der anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen eingegangen. Musterstudienplan Major mit Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 II Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar freier Wahl 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Forschungspraktikum Major 18 Sozialkompetenz Major (2-6 Cr) 4 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Leistungen Major oder Minor 13 Musterstudienplan Major ohne Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 I Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar in zweiten Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Weitere Leistungen Major 14 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Studienleistungen Major oder Minor 17 V Sozialkompetenz Sozialkompetenz (2-6 Cr) 4 13 Veranstaltungstypen und Anforderungen im Masterstudium Masterseminare (MAS) Masterseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Migration und Ethnizität) angeboten. Außerdem werden regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren aktuellen Themen in das Lehrprogramm aufgenommen. Im MA-Major ohne Feldforschungspraktikum und im MA-Minor sollten die Masterseminare aus zwei verschiedenen Bereichen der Ethnologie gewählt werden. Masterseminararbeit Zu einem der in einem Masterseminar behandelten Themen sollte eine schriftliche Masterseminararbeit nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Diese Arbeit wird benotet und ist auch als Übung für die Masterarbeit anzusehen. Sie soll einen Umfang von 20-25 Seiten haben. Im Major ohne Feldforschungspraktikum und im Minor werden zwei Arbeiten gefordert. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Masterverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Feldforschungspraktikum Das Feldforschungspraktikum von in der Regel 3 Monaten Dauer soll Studierenden die Möglichkeit geben, ein eigenes empirisches Forschungsvorhaben durchzuführen. Vorbereitung, Abfassen eines Exposés, Durchführung und Auswertung werden von den Lehrpersonen des Ethnologischen Seminars – die alle über Forschungserfahrung und Vertrautheit mit unterschiedlichen Regionen (Südostasien, Ozeanien u.a.) verfügen – intensiv betreut. Das Praktikum kann selbstständig, einzeln oder in Kleingruppen nach Absprache mit einem der Lehrenden oder als von einem Lehrenden betreutes eigenständiges Projekt durchgeführt werden. Bringen Organisations- und Betreuungsform eine intensivere Forschungstätigkeit mit sich, kann sich die Dauer des Praktikums auch verkürzen. Zielsetzungen des Feldforschungspraktikums: o Die Formulierung einer konkreten Fragestellung und eines Forschungsantrags soll geübt, o regionale Kenntnisse sollen vermittelt bzw. vertieft werden, o möglichst verschiedene Methoden sollen erlernt, o und die Erfahrung der Teilnahme am täglichen Leben in einer fremden Gesellschaft gemacht werden. Durch eigene Erfahrungen mit der ethnologischen Feldforschung können Studierende zum einen Ethnographien besser beurteilen und zum anderen ermöglichen sie die notwendige fundierte Quellenkritik. Neben der Stärkung der Methodenkompetenz kann ein Feldforschungspraktikum auch Regionalkompetenz vermitteln, die sich bei der späteren Stellensuche positiv auswirken kann, liegen doch Berufsperspektiven von AbsolventInnen sozial- und kulturanthropologischer Studiengänge erfahrungsgemäß auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, von Institutionen, die sich mit Migration befassen, oder im Museums- und Ausstellungsbereich. Hier sind regionale Kompetenzen meist ebenso gefragt wie fachliche. Ein erfolgreich durchgeführtes Feldforschungspraktikum kann außerdem die Grundlage der Masterarbeit bilden. Diese kann jedoch in jedem Fall auch auf einem Literaturstudium basieren. Am Ende des Feldforschungspraktikums ist ein Feldforschungsbericht im Umfang einer Hausarbeit auf Masterebene obligatorisch. Erst nach der Abgabe des Berichtes können die Credits angerechnet werden. Für die formelle Anrechnung des Feldforschungpraktikums ist der Fachstudienberater zu konsultieren, da eine Buchung der einzelnen Bestandteile des Praktikums online nicht möglich ist. MA-Abschluss Um das Studium mit dem MA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 100 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/-m der Dozenten entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 60 Minuten zu vier verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 10 und für die schriftliche Arbeit 30 Credits vergeben. 14 15 Vorschläge Reader für Lektüregruppen (Sozialkompetenz) Religionsethnologie Lambek, Michael (ed.), A Reader in the Anthropology of Religion. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2008. Rechtsethnologie Moore, Sally Falk (ed.), Law and Anthropology. A Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2005. Verwandtschaft Parkin, Robert and Linda Stone (ed.), Kinship and Family. An Anthropological Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2004. Feldforschung Robben, Antonius C.G.M and Jeffrey A. Shuka (ed.), Ethnographic Fieldwork. An Anthropological Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2011. Politikethnologie Vincent, Joan (ed.), The Anthropology of Politics. A Reader in Ethnography, Theory, and Critique. Oxford: Blackwell 2002. Sharma, Aradhana and Gupta, Akhil (eds.), The anthropology of the state. Oxford: Blackwell 2009. Nancy Scheper-Hughes (ed.), Violence in war and peace. Oxford: Blackwell 2003. Geschichte ethnologischer Theorien Bohannan, Paul and Mark Glazer (ed.), High Points in Anthropology. New York: Knopf 1988. Moore, Henrietta L. (ed.), Anthropological Theory Today. Cambridge, Oxford, Malden: Polity Press & Blackwell 1999. Wirtschaftsethnologie Plattner, Steward (ed.), Economic Anthropology. Stanford: Stanford University Press 1989. Shanin, Theodor (ed.), 1989 Peasants and peasant societies. Middlesex: Penguin 1989. Dove, Michael and Carpenter, Carol (eds.), Environmental anthropology. Oxford: Blackwell 2008. 16 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars Akteure und Strategien Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 10:15 - 12:00, ab 19.09.2017 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Im Zentrum der Vorlesung steht die Diskussion und Kritik von akteurzentrierten Ansätzen in der Ethnologie, die sich in zweifacher Weise von anderen Denkschulen unterscheiden: erstens von strukturzentrierten Ansätzen, für welche die Strategien sozialer Akteure eine geringe Rolle spielen, und zweitens von kulturzentrierten Ansätzen, für welche die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Akteure von untergeordneter Wichtigkeit sind. Zunächst sollen einige Grundlagen der Theorie des strategischen Handelns in Ethnologie, Ökonomie und Politologie erörtert werden. Anschliessend sollen drei Ansätze behandelt werden: Erstens, kommen ökonomische Modelle (am Beispiel kleinbäuerlicher Haushalte und der Produktionsstrategien von Wildbeutergruppen) zur Sprache, die letztlich auf die neoklassische Mikroökonomik zurückgehen (Schneider, Ellis, Smith/Winterhalder). In diesem Zusammenhang soll auch die Debatten zwischen der formalistischen und substantivistischen Schule in der Wirtschaftsethnologie (Schneider und Leclair gegen Polanyi und Dalton) behandelt werden. Es folgen, zweitens, prozessualistische und transaktionalistische Theorien in der Politikethnologie, welche die Machtstrategien von Akteuren (Individuen und Organisationen) in den Mittelpunkt stellen (Barth, Bailey, Swartz, Tuden, Turner). Hierzu gehört auch die Netzwerktheorie, die in der Ethnologie in unterschiedlichen Bereichen angewendet wurde (Mitchell, Boissevain, Schweizer). Den Abschluss der Vorlesung bilden, drittens, spieltheoretische Modelle der strategischen Interaktion, welche als erster Fredrik Barth in der Ethnologie bekannt gemacht hat. Behandelt werden Anwendungen wie die Erklärung von tribalem Krieg, Gabentausch und der ”Tragödie der Allmende” (Barth, Görlich, Helbling, Ostrom). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfung: Präsenz, kurze schriftliche Prüfung am Ende des Semesters Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Vorlesung Einführung in Bereiche der Ethnologie Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Vorlesung in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Benotete Prüfung (3 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Elster, Jon (1989) Nuts and bolts for the social sciences. Cambridge: Cambridge University Press. Simon, Herbert (1993) Homo rationalis. Frankfurt: Campus 17 Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 14:15 - 16:00, ab 18.09.2017 FRO, 4.B47 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Die Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" vermittelt einen Überblick über das Fach und das Studium der Ethnologie. Dabei geht es sowohl um wissenschaftliche Arbeitstechniken als auch um zentrale Fragestellungen, Begriffe, Themenbereiche, aber auch Geschichte und Methoden des Faches. "Kultur" und "Ethnie" etwa sind für die Ethnologie zentrale und umstrittene Konzepte, die in der Vorlesung erläutert werden. Ausserdem werden die empirische Methode der ethnologischen Feldforschung und die dabei angewandten Verfahren der Datenerhebung vorgestellt. Nur wer Grundkenntnisse der empirischen Methoden hat, kann die Ergebnisse ethnologischer Forschungen nachvollziehen und bewerten. Die wichtigsten thematischen Bereiche der Ethnologie – Religion, Verwandtschaft/soziale Organisation, Politik und Wirtschaft – werden einführend vorgestellt und dabei gleichzeitig erste Einblicke in Theorien der Ethnologie vermittelt. Ein solcher Überblick hilft, weiterführende Informationen und Kenntnisse aus vertiefenden Seminaren in einen grösseren Rahmen einzuordnen und dadurch besser zu verstehen. Während des Semesters werden kurze schriftliche Aufgaben gestellt, deren Lösung sowie die Klausur am Endes des Semesters sind Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme. Unterrichtsmaterial, Texte und Illustrationen sowie ein Online-Forum sind auf OLAT bereitgestellt. Die Selbstorganisation eines begleitenden Lektürekurses, für den Social Credit Points vergeben werden, ist möglich. Für die Vorlesung gibt es nach erfolgreich bestandener Klausur 3 CP und für das begleitend stattfindende Tutorat 1 CP. Das Tutorat – sofern es zustande kommt– ist nicht verpflichtend und für Studierende gedacht, die den in der Vorlesung vermittelten Stoff vertiefen und die Aufgaben besprechen wollen. Den Termin des Tutorats stimmen die TeilnehmerInnen zu Beginn des Semesters mit der Tutorin / dem Tutor ab. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Vorlesung Einführung in die Ethnologie Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Vorlesung im Modul Weltgesellschaft (MA WG+WP) Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Prüfungsmodus / Credits: Benotete Prüfung (3 Cr) Kontakt: anika.koenig@fu-berlin.de Literatur Beer, Bettina und Hans Fischer 2009: Wissenschaftliche Arbeitstechniken in der Ethnologie. (3., überarbeitete und erweiterte Auflage). Berlin: Reimer. Pflichtlektüre: Beer, Bettina und Hans Fischer (Hg.) 2013: Ethnologie. Einführung und Überblick. (8. Auflage). Berlin: Reimer. 18 Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 08:15 - 10:00, ab 20.09.2017 FRO, 3.B47 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: In diesem einführenden Proseminar (für Studierende der Ethnologie obligatorisch) wird auf der Basis eines Lehrbuchs und einer Reihe ausgewählter Filme ein Einblick in die zentralen Themenbereiche und Grundbegriffe des Fachs gegeben. Anhand einer Auswahl ethnographischer Beispiele aus aller Welt wird die Vielfalt und Breite des Fachs veranschaulicht und kulturelle Phänomene jeweils auch im Vergleich zur eigenen Gesellschaft diskutiert. Es werden klassische Themengebiete (Strukturen des sozialen Zusammenlebens, Verwandtschaft und Gender, politische und wirtschaftliche Organisation, Kosmologie, Ritual, etc.), Grundbegriffe (Reziprozität, Symbolismus, Habitus etc.), sowie aktuelle Themen und Debatten der Ethnologie behandelt. Das Proseminar ergänzt die Vorlesung zur Einführung in die Ethnologie und kann parallel dazu oder zur Vor-oder Nachbereitung besucht werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Hinweise: Das Lehrbuch wird zu Beginn der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung 19 Einführung in die Politik- und Rechtsethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 14:15 - 16:00, ab 20.09.2017 FRO, HS 11 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Diese Einführungsveranstaltung soll einen Einblick in klassische und aktuelle Themenbereiche und Fragestellungen der Ethnologie von Politik und Recht bieten. Anhand von fünf Filmen – Atanarjuat (2001), Tilai (1990), Dead Birds (1964), Rapa Nui (1994), Apocalypto (2006) – sollen Themen wie Konflikt und Konfliktbeilegung, Autorität und Macht, Krieg und Frieden sowie Staat und indigene Völker diskutiert werden. Zu den ausgewählten Filmen sollen jeweils von Gruppen einschlägige Literatur referiert und in einem Handout zur Diskussion gestellt werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfung: Prüfungsmodus: Präsentation mit 5-10 seitigem Handout Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat) (4 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Lewellen, Ted (2003) Political Anthropology: An Introduction. 3rd Edition. Westport und London: Praeger. 20 Ethnographie der Philippinen Dozent/in: Sara Dürr, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 14:15 - 16:00, ab 21.09.2017 FRO, HS 11 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Die Philippinen sind ein ethnisch und sprachlich vielfältiges Land. Die Geschichte des Inselstaates ist bewegt: Missionare aus Malaysia und Indonesien haben im 14. Jahrhundert den Islam auf die südliche Insel Mindanao und den Sulu-Archipel gebracht. Später christianisierten die spanischen Kolonialherren den Grossteil des Landes. Heute ist die Mehrheit der Bevölkerung katholisch, jedoch ist der Einfluss amerikanischer Erweckungsbewegungen nicht zu unterschätzen. Auf die fast 400-jährige spanische Kolonialzeit folgte die amerikanische Herrschaft und während des Zweiten Weltkrieges besetzten die Japaner das Land. Die Philippinen sind bis heute geprägt durch diese unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Einflüsse. In dem Seminar befassen wir uns mit der Kolonialgeschichte des Landes und lesen Auszüge aus Ethnographien ethnischer Minderheiten von den drei Hauptinseln (Mindanao, Visayas und Luzon). Wir sprechen über Regionalismus, Korruption und Klientelismus, welche die philippinische Politik und Gesellschaft prägen. Mit Blick auf Prozesse der Globalisierung besprechen wir Artikel zu Tourismus, Prostitution und zur Arbeits- und Heiratsmigration. Ebenfalls befassen wir uns in einer Sitzung mit Landwirtschaft, Landrechten und den sozialen und ökonomischen Folgen von grossangelegten Bergbauprojekten. Voraussetzungen: Aktive Teilnahme an den Diskussionen Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar Ethnographie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Literatur Aguilar, Filomeno V. (ed.) (2002): Filipinos in Global Migrations: At Home in the World?, Quezon City: Philippine Migration Research Network. Breininger, Lilli und Michael Reckordt (2011): Rohstoffrausch. Die Auswirkungen von Bergbau in den Philippinen, Essen: philippinenbüro e.V. Cannell, Fenella (1999): Power and Intimacy in the Christian Philippines, Cambridge, Cambridge University Press. Francia, Luis H. (2010): A History of the Philippines. From Indios Bravos to Filipinos, New York: The Overlook Press. Ness, Sally Ann (2003): Where Asia Smiles. An Ethnography of Philippine Tourism, Philadelphia, PA: University of Pennsylvania Press. Nimmo, Harry Arlo (1994): The Songs of Salanda. And Other Stories of Sulu, Seattle: University of Washington Press. Kerkvliet, Benedict J. Tria. (1991): Everyday Politics in the Philippines: Class and Status Relations in a Central Luzon Village, Quezon City: New Day Publishers. Lauser, Andrea (2004): „Ein guter Mann ist harte Arbeit“. Eine ethnographische Studie zu philippinischen Heiratsmigrantinnen, Bielefeld: transcript. Liebelt, Claudia (2011): Caring for the ‚Holy Land’. Filipina Domestic Workers in Israel, New York: Berghahn Books. 21 Rosaldo, Renato (1980): Ilongot Headhunting 1883-1974. A Study in Society and History, Stanford, CA: Stanford University Press. Schlegel, Stuart A. (1999): Wisdom from a Rainforest. The Spiritual Journey of an Anthropologist, Quezon City: Ateneo de Manila University Press. Sidel, John T. (1999): Capital, Coercion, and Crime. Bossism in the Philippines, Stanford, CA: Stanford University Press. 22 Klassiker der Ethnologie: Texte aus 2 Jahrhunderten Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 10:15 - 12:00, ab 18.09.2017 FRO, 4.B47 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Die Lektüre von Klassikern dient der Kenntnis der zentralen Vertreter und Fachgeschichte der Ethnologie. Im Proseminar werden deshalb u.a. Texte von Clifford Geertz, Margaret Mead und Marcel Mauss gelesen. Im Zentrum steht dabei die Diskussion, in welchem Kontext sie entstanden sind, welcher wissenschaftliche Diskurs die Argumentation prägte und welche Ziele der Autor/die Autorin verfolgte. Durch diese Vergegenwärtigung der Geschichte der Ethnologie wird es möglich die Verbindung zu aktuellen Diskussionen und Themen des Faches herzustellen. Im Seminar werden also ethnografische Themen, sowie methodologische und theoretische Fragestellungen erörtert. Die Studierenden lernen dabei auch den Umgang mit wissenschaftlichen Texten. Das (kritische) Lesen und Diskutieren von Texten wird geübt, die empirische Relevanz hinterfragt und die historische Entstehungsgeschichte mit einbezogen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Klassiker der Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Hinweise: Texte werden auf OLAT zur Verfügung gestellt Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung 23 Religion und religiöse Praxis in (post-)sozialistischen Gesellschaften Dozent/in: Dr. phil. Angelica Wehrli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 12:15 - 14:00, ab 21.09.2017 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Gemeinhin wird der Sozialismus nicht mit einer Vielfalt von Religionen in Verbindung gebracht. Vielmehr tritt das bekannte Diktum von Karl Marx in Erinnerung, wonach Religion "Opium für das Volk" sei und somit Religion in einer sozialistischen bzw. postsozialistischen Gesellschaft keinen Platz einnehmen dürfe. Die Staatsdoktrin zahlreicher sozialistischer Staaten beinhaltete den offiziell proklamierten Atheismus, der zuweilen mit einer konsequenten Unterdrückung von religiösen Aktivitäten und Bewegungen einherging. Der Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989 ging jedoch nicht nur in ökonomischer und sozialer, sondern auch in religiöser Hinsicht mit Öffnungen einher. In diesem Proseminar werden wir uns einigen der letzten offiziell, sozialistischen Staaten widmen und die religiöse Praxis im (Post-)Sozialismus exemplarisch anhand von Kuba und Venezuela analysieren. Welche Religionen werden zurzeit in Kuba und Venezuela praktiziert und weshalb schenken zahlreiche Personen mehreren Religionen gleichzeitig Glauben? Inwiefern kann von "Synkretismus" gesprochen werden? Wie hat sich das Verhältnis zwischen Staat und Religion seit dem Beginn der kubanischen Revolution im Jahre 1959 entwickelt? Und welche religiösen und/oder magische Praxis ist kennzeichnend für die Gläubigen? Mit diesen und weiteren Fragen werden wir uns im Rahmen dieses Seminars detailliert auseinander setzen. Die Studierenden haben zudem die Möglichkeit anhand eigener Recherchen und in Absprache mit der Dozentin weiterführende on-line und offline Materialien beizuziehen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar im Bereich Religionsgeschichte Vorlesung Einführung in Bereiche der Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: angelica.wehrli@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Eine Literaturliste zu den einzelnen Themen sowie zu den Sitzungen wird am Anfang des Seminars elektronisch bereitgestellt. Zur Einstimmung eignen sich unter anderem folgende Quellen: Fernández Olmos, Margarite and Lizabeth Paravisini-Gebert (eds.) 1997: Sacred Possessions. Vodou, Santería, Obeah, and the Caribbean. New Brunswick etc.: Rutgers University Press. Miller, Ivor 2000: Religious Symbolism in Cuban Political Performance. The MIT Press. 44 (2): 30-55. 24 Qualitative methods and ethnographic fieldwork Dozent/in: Peter Larsen, PhD Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 12:15 - 14:00, ab 20.09.2017 FRO, 3.B47 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Methodisches Seminar Inhalt: This course aims to introduce students to qualitative methods and basic ethnographic skills. It offers students interested in doing fieldwork core competencies to gather and analyze ethnographic data with an emphasis on participant-observation and interviewing. The class is highly recommended for students keen to do fieldwork in order to be properly prepared. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Methodenseminar Methodenseminar in Ethnologie (BA) Methodische Lehrveranstaltungen Profilierungsbereich Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: peter.larsen@unilu.ch Hinweise: The course will combine methodological readings with practical exercises and learning approaches. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Atkinson, Paul and Martin Hammersley. 2007. “What is ethnography?”, in Ethnography: principles in practice, 3rd edition. London: Routledge. Beer, Bettina. 2008. (Hg.) Methoden ethnologischer Feldforschung. (Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage). Berlin: Reimer. Madden, Raymond 2010 Being Ethnographic. A Guide to the Theory and Practice of Ethnography. Los Angeles, London, New Delhi u.a.: Sage. 25 Der ethnografische Film zwischen Beobachtung und Inszenierung Dozent/in: Dr. phil. Mehdi Sahebi Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: 14-täglich Mo., 16:15 - 20:00, ab 25.09.2017 FRO, 3.B52 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Die strikte Gegenüberstellung von beobachtenden versus inszenierenden Arbeitsweisen im Dokumentarfilm hält der genaueren Betrachtung nicht stand. Führt doch bereits die unvermeidliche Reduktion, Verdichtung und Herausarbeitung einer narrativen Struktur bei der Filmmontage zu einem gewissen Mass an Irrealisierung der dargestellten Realität. Auch beim ethnografischen Film ist letztlich der Umgang des Autors mit den verschiedenen Arten der Repräsentation, deren Einbettung im Film und die daraus resultierende Interpretation der Realtität ausschlaggebend. Anhand von Beispielen aus dem Bereich des non-fiktionalen Films und seiner eigenen Filmarbeit erläutert Mehdi Sahebi in dieser Lehrveranstaltung seine Arbeitsmethoden und Erfahrungen als Filmemacher, Cutter und Kameramann. Mehdi Sahebi ist Ethnologe und Filmemacher. Seinen jüngsten Kinodokumentarfilm MIRR (2016) über das Thema Landgrabbing in Kambodscha, drehte er im Rahmen eines Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Jürg Helbling. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: 14-tägig Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Neuzeit Hauptseminar in Ethnologie Methodische Lehrveranstaltungen Studienschwerpunkt Medienanalyse Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte BA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: sahebi.mehdi@gmail.com Literatur: Lipp, Thorolf. 2016. Spielarten des Dokumentarischen. Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films. Bresson, Robert. 1975. Notizen zum Kinematographen. Hohenberger, Eva. 1998. Bilder des Wirklichen. Texte zur Theorie des Dokumentarfilms. Nichols, Bill. 2001. Introduction to Documentary Dall’ Agnolo, Daniel, Barbara Etterich, Marc-Oliver Gonseth (Hrsg.). 1991. Ethnofilm. Katalog, Beiträge, Interviews. Filme: Nanook of the North (Robert Flaherty, USA 1921) Chronique d’un été (Jean Rouch, F 1961) Don’t Look Back (D.A. Pennebaker, USA 1967) The Act of Killing (Joshua Oppenheimer, USA, 2012) Zeit des Abschieds (Mehdi Sahebi, CH 2006) MIRR (Mehdi Sahebi, CH 2016) 26 Ethische und politische Aspekte des globalen Naturschutzes Dozent/in: Dr. Eva Keller Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 14:15 - 16:00, ab 20.09.2017 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Naturschutzprojekte in Ländern des Südens sind, neben anderen Aspekten, auch Ausdruck globaler Machtstrukturen. Nicht selten bewirken sie eine Verletzung fundamentaler Rechte ansässiger Bevölkerungsgruppen, etwa wenn es im Zusammenhang mit einem Naturschutzprojekt zu nicht kompensierten Landenteignungen oder willkürlichen Gefängnisstrafen kommt. Auch kulturelle Wertesysteme werden kaum je adäquat berücksichtigt. Diese ethisch problematischen Aspekte des global ausgerichteten Naturschutzes werden im Norden selten kritisch reflektiert. Im Gegenteil: Naturschutz ist zu einem unantastbaren Paradigma geworden. Damit verbunden sind Diskurse von Entwicklungsfortschritt, die denen der Christianisierung vor hundert und mehr Jahren nicht unähnlich sind. Die ethnologische Perspektive auf den globalen Naturschutz zeigt zahlreiche Aspekte auf, ohne deren Berücksichtigung man der Komplexität des Themas nicht gerecht werden kann. In der Veranstaltung werden einerseits theoretische Grundlagen zum Konzept "Natur" und zu "green grabbing" erarbeitet. Andererseits wird das Verständnis für die Thematik insbesondere durch ethnografische Studien mit Schwerpunkt Madagaskar (Spezialgebiet der Dozentin) vertieft. Studien aus anderen relevanten Disziplinen (u.a. Politologie, Geschichte, Paläoökologie) werden ebenfalls berücksichtigt. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Politik und Recht Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: e.s.keller@bluewin.ch Hinweise: Die Teilnehmenden verpflichten sich, die Pflichtlektüre auf jede Sitzung zu lesen und den Inhalt mindestens einer Sitzung alleine oder in einer kleinen Arbeitsgruppe für die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema aufzubereiten. Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur Die Literaturliste wird Ende August bekannt gegeben. Neben auf Madagaskar spezialisierten Sozialanthropolog/innen gehören folgende Personen zu den wichtigen Autor/innen Dan Brockington; David Burney; Catherine Corson; Rosaleen Duffy; James Fairhead and Melissa Leach; Nadia Horning Rabesahala; James Igoe; Christian Kull; Tania Li; Nancy Stepan; Anna Tsing 27 Gabentausch in Melanesien: Theoretische Perspektiven Dozent/in: Dr. phil. Joachim Görlich Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 16:15 - 18:00, ab 19.09.2017 FRO, 3.B57 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Die Veranstaltung soll einen Überblick vermitteln über die theoretische Auseinandersetzung mit dem Gabentausch in Melanesien, die einen grundlegenden Beitrag für die Ethnologie und die Sozialwissenschaften allgemein geleistet hat. Am Anfang steht die funktionale Analyse des kula- Tauschringes von Bronislaw Malinowski (1922). Es soll dann deren Zusammenhang mit der klassischen Reziprozitäts-Theorie der Gabe von Marcel Mauss (1925) aufgezeigt werden. In einem nächsten Schritt soll das im Rahmen des prozessualen Paradigmas entwickelte BigMan-Modell behandelt werden. In diesem Modell wird erklärt, wie über materielle Gabentausch-Transaktionen soziale Machtpositionen aufgebaut werden (A. Strathern 1971). Dabei soll auch auf die kontroverse Diskussion des Ausbeutungsbegriffs eingegangen werden. Um das ökonomisch orientierte Machtkonzept des BigMan-Modells zu erweitern, ist das sogenannten GreatMan-Modell konzipiert worden, in dem die Verbindung zwischen Wissen und Macht bei bestimmten Formen des Gabentausches betont wird. Diesen theoretischen Perspektiven werden materiell-semiotischen Interpretationsansätze i.w.S. gegenübergestellt. Sie sind häufig von einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus (Lévi-Strauss) geprägt und untersuchen u.a. wie über Gabentausch situationale (insbesondere Gender-) Identitäten performativ ausdifferenziert werden (M. Strathern 1988). Die hiermit einhergehende Reflektion von Subjekt/Objekt- Beziehungen (vgl. auch Mauss) hat zu einer stärkeren Einbeziehung einer ontologische Dimension in die Analyse von Gabentauschprozessen geführt (Viveiros & Goldman 2008/2009). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Wirtschaft und Ökologie Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: goerlich@eth.mpg.de Literatur Malinowski, Bronislaw 1922 Argonauts of the Western Pacific. An account of native enterprises and adventure in the archipelagoes of Melanesian New Guinea. London: Routledge. Mauss, Marcel 1984 Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften. Frankfurt/M.: Suhrkamp. (Franz. Original1925).Strathern, Andrew 1971 The rope of moka. Big-men and ceremonial exchange in Mount Hagen. Cambridge: Cambridge UP.Strathern, Marilyn 1988 The gender of the gift. Problems with women and problems with society in Melanesia. Berkeley: University of California Press.Viveiros de Castro, Eduardo und Marcio Goldman 2008/2009 Slow motions. Comments on a few texts by Marilyn Strathern. Cambridge Anthropology 28 (3): 23-42. 28 Politik, „Macht“ und Gender in Südostasien Dozent/in: Dr. phil. Angelica Wehrli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 10:15 - 12:00, ab 21.09.2017 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Politik, „Macht“ und Gender sind eng miteinander verbunden. So beinhaltet Politik die Ausübung von „Macht“ und „Macht“ wiederum ist ein integraler Bestandteil jeder Politik. Max Weber, der berühmte Soziologe, definierte einst Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." (Weber 1972: 28). In diesem Hauptseminar werden wir ergründen, wie sich Politik, „Macht“ und Gender in Südostasien bedingen. Anhand von konkreten Fallbeispielen werden wir untersuchen, wie Gender-Beziehungen durch unterschiedliche politische Systeme beeinflusst werden und wie sich gewandelte Gender-Beziehungen ihrerseits in neuen politischen Ausrichtungen widerspiegeln. Nebst theoretischen Texten, die sich der Region Südostasien unter Einbezug von Politik, „Macht“ und Gender im Allgemeinen widmen, werden wir uns konkreten Fallbeispielen aus den politischen Kontexten von Thailand, Kambodscha und insbesondere Vietnam widmen. In diesem Zusammenhang werden wir unter anderem folgenden Fragen nachgehen: Wie wirkt sich das politische System – versinnbildlicht durch Politik und Macht – auf konkrete Gender Beziehungen aus? Welchen Einfluss hat beispielsweise die in Vietnam vorherrschende „Zwei-Kind- Politik“ auf die Anzahl Kinder? Und inwiefern kann diese staatlich, verordnete „Zwei-Kind Politik“ zu Konflikten führen, wenn man bedenkt, dass in weiten Teilen der vietnamesischen Gesellschaft ein Sohn als Voraussetzung für eine „glückliche Familie“ gilt? In diesem Seminar werden sowohl schriftliche Quellen wie auch audiovisuelle Medien Verwendung finden. Die Studierenden haben zudem die Möglichkeit anhand eigener Recherchen und in Absprache mit der Dozentin weiterführende on-line und offline Materialien beizuziehen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Politik und Recht Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: angelica.wehrli@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Eine Literaturliste zu den einzelnen Themen sowie zu den Sitzungen wird am Anfang des Seminars elektronisch bereitgestellt. Zur Einstimmung und Vorbereitung auf das Thema eignen sich folgende Quellen: Lee, Hock Guan 2004: Civil Society in Southeast Asia. Copenhagen, Singapore: NIAS Press; Institute of Southeast Asian Studies. Rydstrøm, Helle (Ed.) 2010: Gendered Inequalities in Asia. Configuring, Contesting and Recognizing Women and Men. Copenhagen: NIAS Press. Peletz, Michael 2012: Gender, Sexuality, and the State in Southeast Asia. The Journal of Asian Studies. Vol. 71 (4): 895-917. 29 Anthropology of the body Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 12:15 - 14:00, ab 18.09.2017 FRO, 3.B01 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Die Anthropologie des Körpers hat sich vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem wichtigen Bereich der Ethnologie entwickelt. Während philosophische, feministische und poststrukturalistische Ansätze der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sich zwar verstärkt mit der Thematik 'Körper' beschäftigten, sie aber auf einer sehr abstrakten Ebene behandelten, hat sich in den letzten Jahren eine Reihe von AnthropologInnen dem Thema auf andere, direktere Weisen, genähert. Diese reichen von der direkten und explizit körperlichen Teilnahme von EthnographInnen an sozialen Praktiken (wie es z.B. Loic Wacquant durch das Training in einem Chicagoer Boxstudio gezeigt hat oder Paul Stoller durch seine Ausbildung zum Zauberer bei den Songhay in Mali und Niger) bis hin zu einem Fokus auf körperlichen Praktiken und Empfindungen der Subjekte ethnographischer Forschungen (z.B. Bourgeois' und Schonbergs Studien mit Drogenabhängigen in den USA oder Temans Forschungen mit Leihmüttern und deren Auftraggeberinnen in Israel). Die Anthropologie des Körpers weist hier viele Überschneidungen mit anderen, verwandten, Themenbereichen der Ethnologie auf - insbesondere der Ethnologie der Sinne, der Medizinethnologie, sowie phänomenologischen Ansätzen. In diesem Seminar werden einige Studien aus dem Bereich der Anthropologie des Körpers exemplarisch vorgestellt anhand derer sowohl theoretische als auch praktische Fragen näher behandelt werden. Während es auf der theoretischen Ebene um die Rolle des Körpers in der Anthropologie/Ethnologie und aktuelle Diskussionen innerhalb der Disziplin gehen soll, werden die praktischen Fragen sich in erster Linie um die Möglichkeiten drehen, die wir als EthnologInnen haben, unseren eigenen Körper bzw. körperliche Wahrnehmungen und Erfahrungen derjenigen, mit denen wir arbeiten, in unsere Forschungen und deren schriftliche Ausarbeitungen einzubringen. Voraussetzungen: Dieses Seminar ist für Studierende ohne Vorkenntnisse nicht geeignet. Vertrautheit mit den wichtigen Konzepten der Ethnologie ist eine Voraussetzung für die Teilnahme. Außerdem sollten die Fähigkeiten und die Bereitschaft bestehen, vorrangig englischsprachige Texte zu lesen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie MA Masterseminar in Ethnologie Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: anika.koenig@fu-berlin.de Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Bourgeois, P., and J. Schonberg. 2009. Righteous Dopefiend. Berkeley: University of California Press. Stoller, P. 1997. Sensuous Scholarship. Philadelphia: University of Pennsylvania Press. Teman, E. 2010. Birthing a Mother: The Surrogate Body and the Pregnant Self. Berkeley: University of California Press. Wacquant, L. 2004. Body & Soul: Notebooks of an Apprentice Boxer. Oxford et al.: Oxford University Press. 30 Märkte Dozent/in: Prof. Dr. Rainer Diaz-Bone Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Soziologie Termine: Wöchentlich Mi., 10:15 - 12:00, ab 20.09.2017 FRO, 4.A05 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Märkte gelten als zentrale Institutionen der verschiedensten Wirtschaftsformen und der verschiedensten Gesellschaften. Aber was sind Märkte eigentlich und wie funktionieren sie? Welche Arten von Märkten kann man unterscheiden? Wie werden Märkte durch Akteure hergestellt und gehandhabt? Die Ethnologie und die Soziologie haben verschiedene Ansätze zur Analyse der unterschiedlichen Marktformen und Marktpraktiken entwickelt. Märkte werden hierbei auch unterschiedlich konzipiert, als Mechanismen, als Räume, als Orte mit Regeln etc. Das Seminar soll einen transdisziplinären Abriss dieser Ansätze geben und in die Marktethnologie und die Marktsoziologie einführen. Voraussetzungen: Für Studierende im MA Soziologie: Grundausbildung in Theorie und Methoden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfung: Aktive Teilnahme: vorbereitendes Bearbeiten von Fragen zur Lektüre sowie eine Kurzpräsentation. Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie MA Masterseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Masterseminar im Modul Wahlschwerpunkt Soziologie & Wirtschaft Masterseminar im Modul Weltgesellschaft Masterseminar in Ethnologie Masterseminar in Soziologie Masterseminar Institutionenanalyse Masterseminar Wirtschaft Masterseminar Wirtschafts- und Politikethnologie Studienschwerpunkt Kulturmanagement Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Soziologie MA Weitere Studienleistungen im Sozialwissenschaftlichen Schwerpunkt Wirtschafts- und Politikethnologie Weitere Studienleistungen in der Sozialwissenschaftlichen Vertiefung Institutionenanalyse Weitere Studienleistungen in der Sozialwissenschaftlichen Vertiefung Wirtschaft Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Details siehe "Prüfung" (4 Cr) Kontakt: rainer.diazbone@unilu.ch / juerg.helbling@unilu.ch Hinweise: Hinweis für Studierende der Ethnologie: Das Seminar kann von MA- Studierenden, aber auch von fortgeschrittenen BA-Studierenden besucht werden. Material: wird über OLAT zugänglich gemacht. Literatur wird in einem Syllabus bekannt gemacht. 31 Interdisziplinäres Forschungskolloquium ‚Wandel der Familie im Kontext von Migration und Globalisierung’ Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Prof. Dr. Stephanie Klein Laura Katharina Preissler, M.A. Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Mo., 18:15 - 20:00, ab 09.10.2017 FRO, 3.B01 Mo., 18:15 - 20:00, ab 23.10.2017 FRO, 4.B01 Mo., 18:15 - 20:00, ab 06.11.2017 FRO, 3.B01 Mo., 18:15 - 20:00, ab 20.11.2017 FRO, 3.B01 Mo., 18:15 - 20:00, ab 04.12.2017 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor / Master / Doktorat Veranstaltungsart: Kolloquium Inhalt: Das erste Forschungskolloquium des neuen universitären Forschungsschwerpunkts ‚Wandel der Familie im Kontext von Migration und Globalisierung’ dient dem offenen Austausch der an dem Projekt dem Beteiligten und schafft einen Rahmen, in dem die Projekte des Forschungsschwerpunkts vorgestellt und diskutiert werden können. Migration und Globalisierungsprozesse verändern das Alltagsleben von Menschen und ihre Beziehungen zueinander und stellen weltweit immer stärker die unterschiedlichen Familienkonzepte in Frage. Diese Entwicklung erfasst inzwischen auch kirchliche und politische Debatten sowie die Gesetzgebung und die Rechtspraxis. Der transdisziplinäre, von der Theologischen Fakultät, Rechtswissenschaftlichen Fakultät und Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern getragene Forschungsschwerpunkt untersucht Pluralisierungsprozesse sowie den Wandel von Familie und Verwandtschaft im Kontext von Migration und Globalisierung. Neue familiäre Lebensformen etwa von Ein-Eltern-Familien und gleichgeschlechtlichen Paaren und neue Technologien wie beispielsweise Kommunikations- und Reproduktionstechnologien haben bestehende kulturelle, religiöse und rechtliche Vorstellungen und Normen bereits auf den Prüfstand gestellt. Die daraus erwachsenden Fragen und Herausforderungen werden mit der zunehmenden Mobilität und den Migrations- und Fluchtbewegungen der Menschen noch deutlicher. Unterschiedliche Formen der geschlechtlichen Orientierung werden öffentlich; sie verändern das Selbstverständnis von Familien und drängen auf gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung. Neue Reproduktionstechnologien ermöglichen es, dass mehr als zwei Elternteile – häufig auch transnational – an der Entstehung eines Kindes beteiligt sind und tragen ebenfalls zur Veränderung des Verständnisses von Verwandtschaft und Familienformen bei. Auch wenn die Globalisierung von Vorstellungen möglicher Familienformen und die internationale Mobilität von Menschen zwei verschiedene Prozesse sind, sind sie dennoch gleichermassen charakteristisch für moderne Lebensweisen. Beide Prozesse sind eng miteinander verbunden, und werden langfristig immer enger miteinander verknüpft sein. Daraus ergeben sich die zentralen Fragestellungen des transdisziplinären Forschungsschwerpunktes: Wie verändern sich familiäre Beziehungen und verwandtschaftliche Praktiken im Kontext von Migration und Globalisierung? Wie wirkt sich dieser Wandel auf gesellschaftliche, religiöse und rechtliche Diskurse und Institutionen aus? Fragen der kulturellen Vielfalt und der Wandlungsprozesse von Familie, der religiösen Orientierungen und rechtlichen Reglungen werden in den Forschungsprojekten anhand verschiedener Fallstudien untersucht. Ziel des universitären Forschungsschwerpunkts ist es, den interdisziplinären Austausch der Fakultäten anzuregen, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, Studierende für zentrale Forschungsfragen zu interessieren und sie in die Forschungsarbeit einzubeziehen. Zudem dient der Schwerpunkt der nationalen und internationalen Vernetzung und Sichtbarkeit der Universität Luzern. Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA 32 Freie Studienleistungen Ethnologie MA Pastoraltheologie Wahlbereich: Leistungen an der Theologischen Fakultät Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (2 Cr) Aktive Teilnahme (2 Cr, nur für Modul Freie Studienleistungen Ethnologie BA) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch /stephanie.klein@unilu.ch /laura.preissler@unilu.ch Hinweise: Je nach Fakultät und Absprache ist der Erwerb von Credits möglich (TF: 0,5 Cr). Hörer/innen: Offen für Hörer/innen 33 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen Buddha, Dharma, Sangha: Grundzüge des Buddhismus Dozent/in: Prof. Dr. phil. Martin Baumann Durchführender Fachbereich: KSF \ Religionswissenschaft Termine: Wöchentlich Mi., 10:15 - 12:00, ab 27.09.2017 FRO, 3.B48 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Der Buddhismus besteht bei näherer Betrachtung aus einer Vielzahl kultureller und landestypisch geprägter Traditionen und "Buddhismen". Mit der Verbreitung in Länder ausserhalb Asiens entstehen derzeit weitere kulturell geprägte Buddhismen, sei es in Nordamerika, Südafrika oder Europa. Dennoch lassen sich anhand der "Drei Juwelen" von Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Gemeinschaft) Gemeinsamkeiten benennen, auf die sich alle buddhistischen Traditionen zurück beziehen. Die Vorlesung wird überblicksartig Grundbegriffe des Buddhismus darstellen und seine geschichtliche Entwicklung in den Ländern Asiens skizzieren. Zur Sprache kommen der "südliche" (Theravada) in Sri Lanka/Thailand/Burma und der "nördliche" Buddhismus (Mahayana) in China, Japan und Tibet; ihre jeweiligen Konzepte und religiösen Praktiken. Neben den philosophie- und ideengeschichtlichen Aspekten ist dabei auch auf die Lebenspraxis und die Meditationsformen der verschiedenen Traditionen einzugehen. Zugleich sollen begleitend Ausprägungen und Schulen des Buddhismus in der Schweiz und Europa benannt werden. Lernziele: Ziel der Vorlesung ist, überblicksartig religionsgeschichtliche Kenntnisse zur Entstehung und Entwicklung buddhistischer Traditionen zu vermitteln. Wichtigste Begriffe, grundlegende Lehrkonzepte sowie Glaubens- und Meditationspraktiken werden vorgestellt, so dass Studierende idealisierende Fremdbilder über Buddhismus hinterfragen können. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfung: Klausur am Ende der VL Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Freie Studienleistungen Religionswissenschaft BA Freie Studienleistungen Religionswissenschaft MA Profilierungsbereich Vorlesung im Basismodul Religion Vorlesung im Bereich Religionsgeschichte Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme, Klausur (2 Cr) Kontakt: relsem@unilu.ch Hinweise: Die Vorlesung beginnt erst in der zweiten Woche, am 27.9.2017. Material: Vorlesungsskript Literatur Bechert, Heinz/Gombrich, Richard (Hg.), Die Welt des Buddhismus, München 1984, Neuaufl. 1995. Harding, John (eds.), Studying Buddhism in Practice, London: Routledge 2011. Keown, Damien, Der Buddhismus. Eine kurze Einführung, Stuttgart: Reclam 2004. Kleine, Christoph/Freiberger, Oliver, Buddhismus: Handbuch und kritische Einführung, Göttingen 2010. 34 Lüge Dozent/in: Prof. Dr. phil. Christiane Schildknecht Prof. Dr. phil. Dieter Teichert Durchführender Fachbereich: KSF \ Philosophie Termine: Wöchentlich Di., 14:15 - 16:00, ab 19.09.2017 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Nicht erst seit der Aktualität sogenannter Fake-News ist das Thema «Lüge» zentraler Bestandteil der Philosophie. Als Gegenbegriff zu «Wahrheit» oder «Aufrichtigkeit» haben sich Philosophen von Augustinus über Kant und Nietzsche bis hin zur Gegenwart in erkenntnistheoretischer, sprach- oder moralphilosophischer Hinsicht mit der Lüge befasst. Das Seminar wird anhand zentraler Positionen den philosophischen Stellenwert der Lüge kritisch diskutieren. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: Wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Freie Studienleistungen Philosophie BA Freie Studienleistungen Philosophie MA Hauptseminar im Bereich Theoretische Philosophie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie BA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat) (4 Cr) Kontakt: christiane.schildknecht@unilu.ch / dieter.teichert@doz.unilu.ch Literatur zur Einführung: H. Weinrich, Linguistik der Lüge, München 2016. 35 Relationale Soziologie: Theoretische Ansätze und empirische Studien Dozent/in: Ass.-Prof. Sophie Mützel Durchführender Fachbereich: KSF \ Soziologie Termine: Wöchentlich Mo., 12:15 - 14:00, ab 18.09.2017 FRO, 4.A05 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit der relationalen Perspektive in der Soziologie, wie sie seit einigen Jahren aus ganz unterschiedlichen Strömungen in der soziologischen Theorie diskutiert wird. Der analytische Blick liegt dabei nicht auf einzelnen Variablen, sondern auf den Beziehungen zwischen Akteuren und den Strukturen und Mustern solcher Beziehungen. Dazu gehört die kulturelle Wende in der Netzwerkforschung genauso wie die neuere französische, pragmatische Soziologie und die Akteur-Netzwerk Theorie. Im ersten Teil des Seminars werden wir einschlägigen Texte dieser theoretischen Strömungen kennenlernen, um dann im zweiten Teil empirische Beispielen zu diskutieren. Das Seminar soll einen Überblick über unterschiedliche theoretische Strömungen in der modernen Soziologie geben sowie Anhaltspunkte liefern, wie theoretische Konzeption und empirisches Material miteinander verbunden werden können. Eine Bereitschaft zum Lesen englischer Texte ist vonnöten. Empfohlen wird der Besuch von Veranstaltungen zur Netzwerkanalyse, zur computergestützten Textanalyse oder zum sozialwissenschaftlichen Arbeiten mit Twitter-Daten, die ebenfalls im HS2017 stattfinden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Begleitseminar Elective courses Freie Studienleistungen Soziologie MA Masterseminar aus dem Bereich qualitative Sozialforschung Masterseminar im Modul Medien und Netzwerke Masterseminar im Modul Theorien (MA Soziologie) Masterseminar in Soziologie Methodenseminar Methodische Lehrveranstaltungen Weitere Studienleistungen im Fach Soziologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Medien und Netzwerke Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (an den Diskussionen und 4 Memos) (4 Cr) Begrenzung: Das Seminar ist auf 30 Teilnehmende begrenzt. Übersteigen die Anmeldungen die verfügbaren Seminarplätze, erhalten Studierende, welche dieses Seminar als Begleitseminar zum Modul Forschung-Praxis-Methoden im MA Socom besuchen, Vorrang. Die übrigen Seminarplätze werden unter den angemeldeten und an der 1. Sitzung anwesenden Studierenden verlost. Kontakt: sophie.muetzel@unilu.ch Material: Texte werden über OLAT zugänglich gemacht. Literatur Abbott, Andrew. 1988. "Transcending General Linear Reality." In: Sociological Theory 6, S. 169-188. Mohr, John. 1998. "Measuring meaning structures." In: Annual Review of Sociology 24, S. 345-370. Latour, Bruno. 2007. Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp. Ethnologisches Seminar Lehrveranstaltungen im Herbstsemester 2017 MONTAG DIENSTAG MITTWOCH DONNERSTAG 08.15-10.00 Werner Egli PS „Einführung in die Ethnologie“ 3.B47 10.15-12.00 Werner Egli PS „Klassiker der Ethnologie: Texte aus 2 Jahrhunderten“ 4.B47 Jürg Helbling Vorlesung „Akteure und Strategien“ 4.B02 Jürg Helbling Rainer Diaz-Bone MAS „Märkte“ 4.A05 Angelica Wehrli HS „Politik, „Macht“ und Gender in Südostasien“ 4.B51 12.15-14.00 Anika König MAS „Anthropology of the body“ 3.B01 Peter Larsen Methodenseminar „Qualitative methods and ethnographic fieldwork “ 3.B47 Angelica Wehrli PS „Religion und religiöse Praxis in (post-) sozialistischen Gesellschaften“ 4.B51 14.15-16.00 Anika König Vorlesung „Einführung in die Ethnologie“ 4.B47 Eva Keller HS „Ethische und politische Aspekte des globalen Naturschutzes“ 4.B02 Jürg Helbling PS Einführung in die Politik- und Rechtsethnologie HS11 Sara Dürr PS „Ethnographie der Philippinen“ HS11 16.15-18.00 Mehdi Sahebi 14-tägig, ab 25.09.17 HS „Der ethnografische Film zwischen Beobachtung und Inszenierung“ 3.B52 Joachim Görlich HS „Gabentausch in Melanesien: Theoretische Perspektiven" 3.B57 18.15-20.00 Mehdi Sahebi 14-tägig, ab 25.09.17 HS „Der ethnografische Film zwischen Beobachtung und Inszenierung“ 3.B52 Jürg Helbling: Kolloquium für BA und MA Studierende (zusammen mit Werner Egli) Termin nach Vereinbarung Beer, Klein, Preissler: Interd. Forschungskolloquium ‚Wandel der Familie im Kontext von Migration und Globalisierung’ Daten Montag: 9.10, 23.10 (4.B01), 6.11, 20.11, 4.12 von 18.15-20.00 (3.B01) Sabri Bispo: “World Bank and human rights” (Peter Larsen) Jonas Koeppel: “Biotrade interventions and the transformation of producer livelihoods” (Peter Larsen) Vanessa Salamanca: “Indigenous peoples’ right to prior consultation in Colombia” (Peter Larsen)

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    Erstellungsdatum: 21.11.2017

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    KVV Ethnologie FS13

    sowie der Autonomie (Palästina, Tibet, Xinjiang) untersucht werden. Ethnische Diversität und Homogenität

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    Erstellungsdatum: 10.03.2014

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    Vorlesungsverzeichnis 2018 HS

    KSF Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Ethnologisches Seminar INFORMATION ETHNOLOGIE VORLESUNGSVERZEICHNIS HERBSTSEMESTER 2018 Lehrveranstaltungen 2 3 Inhaltsverzeichnis Adressen und Öffnungszeiten 4 Informationen 5 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? 7 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA 12 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars 16 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen 32 Stundenplan HS 2018 36 4 Adressen und Öffnungszeiten Universität Luzern Ethnologisches Seminar Frohburgstr. 3 Postfach 4466 6002 Luzern ethnosem@unilu.ch Professuren: Bettina Beer, Prof. Dr., bettina.beer@unilu.ch Seminarleitung (Sprechstunde nach Vereinbarung) Büro 3.A28 Jürg Helbling, Prof. Dr., juerg.helbling@unilu.ch (Sprechstunde nach Vereinbarung) Büro 3.A26 Studienberatung: Werner Egli, Prof. Dr., werner.egli@unilu.ch Fachstudienberater für Mobilität und Zulassungen Tel. ++41 (0)41 229 55 73 (Sprechstunde siehe Website) Büro 3.A20 Katharina Steiner, MA, katharina.steiner@unilu.ch Fachstudienberaterin für allg. Fragen (Planung des Studiums), Beratung und Ablauf von Feldforschung, Abschlussverfahren Büro 3.A19 Sekretariat: Luzia Weber, luzia.weber@unilu.ch Tel. ++41 (0)41 229 55 71 Büro 3.A27 Öffnungszeiten Sekretariat: Montag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Dienstag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Mittwoch: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr 5 Informationen 1. Abschlüsse Frühjahrssemester 2018 Dissertation von Juliane Martin «Ballett, Habitus und Empowerment: Zu einem Projekt der Kinder- und Jugendförderung in Manila» (Erstgutachter: Prof. Werner Egli, Zweitgutachter: Prof. Jürg Helbling) MA-Arbeit von Serena Moreira «Informelle Märkte. Eine Analyse der Entstehungsgründe und der Wirkungen informeller Wirtschaftsaktivitäten in Entwicklungsländer im Vergleich» (Erstgutachter: Prof. Jürg Helbling, Zweitgutachter: Dr. Adrian Itschert) MA-Arbeit von Rebekka Balzarini «Aus welchem sozialen Kontext heraus haben sich Konvertitinnen aus dem Verein Dar an’Nur dazu entschieden, zum Islam zu konvertieren?» (Erstgutachterin: Prof. Bettina Beer, Zweitgutachterin: Dr. Anika König) BA-Arbeit von Louise Marvel «Inwiefern tragen Hersteller innovativer Regionalprodukte des Labels „Echt Entlebuch“ als Kooperationspartner von Landwirten zur agrarwirtschaftlichen Struktursicherung des UNESCO Biosphären Reservates (Zentralschweiz) bei?» (Gutachter: Julius Riese) BA-Arbeit von Rahel Julia Masaeli «Sind die durch die Organisation International Cultural Youth Exchange (ICYE) vermittelten internationalen Sozialeinsätze zielführend für junge Erwachsene, um sich interkulturelle Kommunikationskompetenzen anzueignen?» (Gutachter: Julius Riese) Herbstsemester 2017 MA-Arbeit von George Francis Xavier «Ausländische Priester in der Schweiz und ihre Tätigkeiten: Liturgie- Tourismus oder Rückmissionierung? Eine empirische und explorative Studie am Beispiel des Bistums Basel» (Erstgutachter: Prof. Werner Egli, Zweitgutachter: Prof. Heinz Käufeler) BA-Arbeit von Joséphine Chamoulaud «Die Bedeutung von Privatsphäre im digitalen Zeitalter» (Gutachter: Prof. Jürg Helbling) BA-Arbeit von Alexandra Hofer «Ist soziokulturelle und ökologische Nachhaltigkeit mit Luxustourismus vereinbar? Eine kritische ethnologische Untersuchung in Französisch Polynesien» (Gutachter: Julius Riese) BA-Arbeit von Adina Puseljic «Ethnizität im Werk von Thomas Hylland Eriksen am Beispiel von Mauritius» (Gutachterin: Prof. Bettina Beer) BA-Arbeit von Nadja Rek ««Green Image». Praktische Umsetzung eines ökologisch und sozial nachhaltigen Tourismus oder reine Marketingstrategie? Eine vergleichende ethnologische Untersuchung der InterContinental Resorts in Französisch Polynesien» (Gutachter: Julius Riese) BA-Arbeit von Ayla Schudel «Die Bedeutung der eritreisch-orthodoxen Kirche für eine (entpolitisierte?) kollektive Identität geflüchteter Eritreerinnen und Eritreer in der Schweiz» (Gutachter: Prof. Jürg Helbling) BA-Arbeit von Natalia Skowronek «Soziokulturelle Aspekte sexueller Belästigung am Arbeitsplatz am Beispiel von polnischen Migrantinnen in Holland» (Gutachter: Prof. Jürg Helbling) 2. Studentische Mobilität Wer ein oder mehrere Semester an einer anderen Universität im In- oder Ausland studieren möchte, sollte sich angesichts der Fristen und relativ kurzen Regelstudienzeit von 6 Semestern im BA und 4 Semestern im MA möglichst frühzeitig über die Modalitäten der Studierendenmobilität informieren und mit den für die Mobilität zuständigen Personen im Dekanat und im Seminar sowie mit der Fachstudienberatung Kontakt aufnehmen. Besonders vorteilhaft sind Austauschsemester an ausländischen Partneruniversitäten im Rahmen des ERASMUS-Programms. Weitere Informationen befinden sich auf der Website der Universität Luzern: https://www.unilu.ch/international/mobilitaet/studierendenmobilitaet/studierende-outgoing/ 6 3. Facebook-Gruppe „Ethnologie Luzern“ Am Ethnologischen Seminar ist eine offene Facebook-Gruppe („Ethnologie Luzern“) entstanden, zu der alle Studierenden und Interessierten herzlich eingeladen sind! 4. Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr wird jeweils im Herbstsemester von der ZHB ein Modul zur Informations-kompetenz angeboten, das Teil der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" ist. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Seit dem HS 2011 ist der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz für Studierende verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA- Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen, diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. 5. News Ab HS 2018 wird Dr. Anika König als Oberassistentin am Ethnologischen Seminar angestellt sein. Sie hat mehrere Jahre zu ethnischen Konflikten in Kalimantan, Indonesien, gearbeitet und zu diesem Thema an der Australian National University promoviert. In den letzten Jahren hat sie sich stärker der Medical Anthropology zugewandt und hier insbesondere Themen im Bereich Reproduktion. Sie habilitiert derzeit zum Thema transnationale Leihmutterschaft. Im Januar 2019 wird eine Feldforschungsexkursion auf die Philippinen durchgeführt. Das Feldforschungspraktikum wird maximal 15 Studierenden die Möglichkeit bieten, auf der philippinischen Insel Bohol ethnologische Methoden zu üben und ein eigenes Forschungsprojekt durchzuführen. Interessentinnen und Interessenten wenden sich direkt an Prof. Dr. Bettina Beer (Bettina.Beer@unilu.ch). Zur Vorbereitung empfehlen wird das Seminar „Praktische Einführung in die ethnologische Feldforschung“ (Dr. Anika König). 7 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? Hier wird eine von verschiedenen möglichen Varianten dargestellt, wie ein Studium in der Regelstudienzeit von 6 Semestern gestaltet werden kann. Die Regelstudienzeit kann sowohl unter- als auch überschritten werden, wobei letzteres wahrscheinlicher ist, vor allem wenn neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Die Reihenfolge des Besuchs von Veranstaltungen kann variieren, so kann etwa das Proseminar „Ethnographien“ im ersten Semester oder später besucht werden. Bachelorstudium 1.Semester Vorlesung: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Ethnographien Verfassen einer Proseminararbeit 2.Semester Vorlesung: Geschichte der Ethnologie Methodenseminar: Einführung in die Methoden der Ethnologie Proseminar: Klassiker der Ethnologie Verfassen einer Proseminararbeit 3.Semester Vorlesung: Einführung in einen Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltung Orientierungsgespräch 4.Semester Hauptseminar zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 5.Semester Hauptseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 6.Semester Anfertigen der Bachelorarbeit Weitere Lehrveranstaltungen Prüfungen Masterstudium (mit Feldforschungspraktikum) 1.Semester Masterseminar zu einem Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 2.Semester Masterseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 3.Semester Feldforschungspraktikum (vorzugsweise in den Semesterferien) Weitere Lehrveranstaltungen 4.Semester Anfertigen der MA-Arbeit Prüfungen 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA (Bachelor of Arts in Ethnologie / BA in Cultural and Social Anthropology) Musterstudienplan Im Folgenden wird der Musterstudienplan für das BA-Studium im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium gehen die anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen ein. Die Musterstudienpläne für Major und Minor befinden sich im PDF-Format auf der Website der Kultur- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät. Ebenfalls finden Sie dort Musterstudienpläne für Studenten mit Studienbeginn vor HS 2011: https://www.unilu.ch/studium/lehrveranstaltungen-pruefungen-reglemente/ksf/musterstudienplaene/ I BA-Abschluss Schriftliche BA-Prüfung Minor 5 Mündliche BA-Prüfung Major 5 BA-Arbeit Major 25 II Studienleistungen Major VL (benotet) Einführung in die Ethnologie 2*) Assessm entstufe (1. & 2. Sem ester) PS Einführung in die Ethnologie 4 MS Einführung in die Methoden der Ethnologie 4 PS Ethnographie 4 PS Klassiker der Ethnologie 4 (benotet) 1. Proseminararbeit zu PS oder MS**) 4 (benotet) 2. Proseminararbeit zu PS 4 Orientierungsgespräch Major 0 VL (benotet) Einführung in Bereiche der Ethnologie 2*) H auptstudium (3.-6. Sem ester) HS Hauptseminar aus einem Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar freier Wahl 4 (benotet) Hauptseminararbeit 6 Weitere Leistungen Major 17 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 50 IV Sozialkompetenz und Studienleistungen im Major, Minor oder in anderen Fächern Sozialkompetenz (2-6 Cr) 4 Freie Leistungen Major, Minor o. davon unterschiedene Fächer 16 *) Für Vorlesungen können je nach Arbeitsaufwand auch 3 Credit Points vergeben werden. Veranstaltungstypen und Anforderungen im Bachelorstudium Vorlesung (VL): Einführung in die Ethnologie Diese Pflichtveranstaltung ist als Überblick und Einführung in das Studium der Ethnologie, in Gegenstand, Methodik, Grundbegriffe und Geschichte des Faches angelegt und sollte im ersten oder zweiten Semester besucht werden. Sie soll Antworten auf die Fragen geben, was Ethnologie ist und welche Fragestellungen mit welchen Methoden verfolgt werden. Neben fachspezifischen Methoden und Theorien werden auch fächerübergreifende wissenschaftliche Arbeitsweisen vorgestellt. Sowohl praktische Studien- und Arbeitstechniken als auch wissenschaftstheoretische Grundlagen sind Gegenstand der Lehrveranstaltung. In der Einführung sollen Erstsemester außerdem eine eigene Vorstellung davon entwickeln, welchen Sinn das Studium der Ethnologie hat und welches ihre eigenen Zielsetzungen sind. Aus diesem Grund wird auch die Frage der Berufsperspektiven berücksichtigt. 9 Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr jeweils im Herbstsemester bietet die ZHB ein Modul zur Informationskompetenz an. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Für Studierende ist der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA-Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. Proseminar (PS): Einführung in die Ethnologie Ergänzend zur Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" wird im ebenfalls obligatorischen Proseminar basierend auf einem Lehrbuch und zusätzlichen Artikeln ein Überblick über das Fach gegeben. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Vorlesung (VL): Einführung in Bereiche der Ethnologie Zusätzlich zur Vorlesung „Einführung in die Ethnologie“ werden regelmäßig einführende Vorlesungen in die Wirtschafts-, Politik- und Rechtsethnologie sowie in Religions- und Verwandtschaftsethnologie angeboten. Von den Vorlesungen zur Einführung in die verschiedenen Bereiche der Ethnologie ist ebenfalls eine obligatorisch zu besuchen. In diesen Vorlesungen wird ein erster Überblick über die behandelten Themen gegeben, die dann in Haupt- und Masterseminaren vertieft werden können. Methodenseminar (MS): Einführung in Methoden der Ethnologie In dieser Pflichtveranstaltung wird anhand von einer oder mehrerer ethnologischer Monographien gezeigt, wie Ethnologen Forschungsfragen entwickeln, sich Problemen annähern und mit welchen empirischen Methoden sie Daten erheben und wie sie diese auswerten. Auch Strategien der Darstellung von Forschungsergebnissen werden diskutiert. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Proseminar (PS): Ethnographien In diesem ebenfalls obligatorischen Proseminar werden abwechselnd zu verschiedenen regionalen Gebieten Veranstaltungen angeboten. Im Mittelpunkt steht die Lektüre und Diskussion klassischer und vorbildlicher ethnographischer Texte. Die Auseinandersetzung mit ethnographischen Quellen dient sowohl der Vertiefung des Stoffes des methodischen Seminars als auch dem Erwerb regionaler Kompetenzen (Südostasien, Ozeanien u.a.). Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Zudem dient dieses Proseminar dem Einüben wissenschaftlicher Arbeitstechniken der Ethnologie. Proseminar (PS): Klassiker der Ethnologie Im Zentrum dieses obligatorischen Proseminars steht die Lektüre und Diskussion klassischer Texte aus der Geschichte des Faches von der Zeit der Aufklärung bis zu rezenten theoretischen Debatten. Es kann auch erstetzt werden durch die Vorlesung „Geschichte der Ethnologie“. Die Veranstaltung wird einmal jährlich angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Auch die Vorlesung „Einführung in die Geschichte der Ethnologie“ kann als Veranstaltung aus dem Bereich „Klassiker der Ethnologie“ angerechnet werden. Sie gibt einen Überblick über Fragestellungen, Grundannahmen und Methoden von Hauptrichtungen der Ethnologie. Wissenschaftsgeschichtliche Kenntnisse sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Für die Ausbildung ist es häufig praktischer, mit leichter verständlichen älteren Autoren und Publikationen zu beginnen, die Grundlage und Bezug für komplexere neuere sind. Zentrales Anliegen der Vorlesung ist die Zielsetzung, Wissenschaft als Prozess verständlich zu machen, in dem auch das heute Modernste vielleicht morgen schon als "out" gilt, andererseits aber scheinbar neueste Ideen Jahrhunderte alt sein können. Die Betonung der Vorlesung wird auf früheren Perioden liegen. Grundlegende Kenntnisse in der Geschichte ethnologischer Theorien und Methoden der Ethnologie werden bei der BA-Abschlussprüfung vorausgesetzt. Proseminararbeiten Zu zwei der in einem Proseminar oder im Methodenseminar behandelten Themen muss eine schriftliche Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Die Arbeiten werden benotet. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. 10 Orientierungsgespräch Das im Major obligatorische Orientierungsgespräch soll zum einen die Studierenden hinsichtlich der generellen Eignung zum Studium orientieren und zum zweiten Empfehlungen für die inhaltliche Gestaltung des Hauptstudiums geben. Es findet nach dem zweiten oder spätestens nach dem dritten Fachsemester mit einem der Professoren statt. Die Termine sind direkt mit ihnen zu vereinbaren. Mit der Anmeldung ist eine ca. zweiseitige Reflexion über das bisherige Studium einzureichen, die eine Selbsteinschätzung in Bezug auf die erworbenen Fähigkeiten sowie auf Stärken und Schwächen enthalten soll. Des Weiteren müssen ein aktueller Leistungsnachweis mit allen bislang erworbenen Credit Points sowie die Kopie einer schriftlichen Arbeit vorgelegt werden. Hauptseminare (HS) Hauptseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Mensch- Umwelt-Beziehungen) angeboten. Daneben gibt es regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren Themen der Ethnologie wie beispielsweise Migration, neue Medien, Religionsethnologie oder Kindheitsforschung. Es muss jeweils aus verschiedenen Bereichen der Ethnologie mindestens ein Hauptseminar besucht werden. Im Major sind weitere Hauptseminare zu frei wählbaren Themen zu besuchen. Im Minor können diese durch andere Veranstaltungen oder schriftliche Arbeiten ersetzt werden. Hauptseminararbeiten Es sind drei schriftliche Hausarbeiten im Umfang von 20-25 Seiten, im allgemeinen im Anschluss an ein Haupt- seminar, nach Absprache mit dem jeweiligen Dozierenden anzufertigen. Die Arbeiten werden benotet. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Bachelorverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Sozialkompetenz Wenigstens fünf Studierende können sich zusammenfinden und eine Lektüregruppe organisieren. Zu Lehrveranstaltungen sind auch Tutorate möglich. Listen für empfohlene Literatur sind im Sekretariat 3.A27 erhältlich. Das Vorhaben muss in jedem Fall vor Semesterbeginn mit einer/-m Lehrenden abgesprochen werden, bei dem abschließend ein Protokoll eingereicht wird. Wird die regelmässige Teilnahme am wöchentlichen Forschungskolloquium des Ethnologischen Seminars durch eine Lektüregruppe ergänzt, können zusätzlich zu 2 Credits für freie oder weitere Leistungen 2 Social Credits erworben werden. Weitere Möglichkeiten siehe auch unter: Weisungen zur Vergabe für Credit Points für Sozialkompetenz (SCP) an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät: https://www.unilu.ch/fileadmin/fakultaeten/ksf/Dekanat/dok/Reglemente_Merkblaetter_Formulare/Neuste_Version en/Merkblaetter_und_Formulare/WeisungenSocialCredits_KSF.pdf Weitere und freie Studienleistungen Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie sind weder an Veranstaltungen besonderen Typs noch besonderen Inhalts gebunden. Letzteres gilt auch für die freien Studienleistungen, die sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Faches Ethnologie erbracht werden können. Anstelle von Veranstaltungsbesuchen ist auch das Verfassen von schriftlichen Arbeiten (in Absprache mit dem Dozierenden) möglich. Seminar- und Forschungskolloquium Im ethnologischen Forschunskolloquium werden aktuelle Forschungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars vorgestellt, aber auch Gäste eingeladen, die von Themen, Fragestellungen und Ergebnissen ihrer laufenden Forschungen berichten. Bei regelmässiger Teilnahme können 2 Credits erworben werden, die bei freien oder weiteren Studienleistungen anrechenbar sind. Ergänzen Studierende die regelmässige Teilnahme durch eine Lektüregruppe, können sie zusätzlich 2 Social Credits erwerben. BA-Abschluss Um das Studium mit dem BA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 60 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/m der Dozierenden entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 30 Minuten zu zwei verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 5 und für die schriftliche Arbeit 25 Credits vergeben. 11 12 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA (Master of Arts in Ethnologie / MA in Cultural and Social Anthropology) Voraussetzungen Ein Masterstudium in Ethnologie setzt ein Bachelorstudium voraus. Im Fach Ethnologie müssen mind. 60 Credits erworben worden sein. Von Inhaberinnen und Inhabern eines Bachelordiploms eines andern Faches können vor Aufnahme des Masterstudiums zusätzliche Leistungen in Ethnologie zur Bedingung gemacht werden. Zudem können in allen Fällen für den Abschluss des Masterstudiums weitere Auflagen gemacht werden. Musterstudienplan Masterstudium Das Masterstudium wird in zwei Varianten angeboten, die gewählt werden können: Ein Masterstudium mit Feldforschungspraktikum und eines ohne Feldforschungspraktikum. In letzterem kann, in ersterem muss ein Seminar zu empirischen Methoden der Datenerhebung besucht werden. Das Methodenseminar, in dem insbesondere qualitative Methoden der ethnologischen Feldforschung behandelt und auch geübt werden, bereitet auf einen mindestens dreimonatigen Forschungsaufenthalt im Aus- oder Inland vor. Wird der Studiengang mit Forschungspraktikum gewählt, reduzieren sich die frei wählbaren Studienleistungen im Major oder Minor um etwa die Hälfte. Die Social Credits werden mit den Credits für das Praktikum verrechnet, da letzteres Sozialkompetenz in hohem Masse einschliesst. Im Folgenden wird nur der Musterstudienplan im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium wird in der anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen eingegangen. Musterstudienplan Major mit Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 II Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar freier Wahl 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Forschungspraktikum Major 18 Sozialkompetenz Major (2-6 Cr) 4 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Leistungen Major oder Minor 13 Musterstudienplan Major ohne Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 I Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar in zweiten Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Weitere Leistungen Major 14 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Studienleistungen Major oder Minor 17 V Sozialkompetenz Sozialkompetenz (2-6 Cr) 4 13 Veranstaltungstypen und Anforderungen im Masterstudium Masterseminare (MAS) Masterseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Migration und Ethnizität) angeboten. Außerdem werden regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren aktuellen Themen in das Lehrprogramm aufgenommen. Im MA-Major ohne Feldforschungspraktikum und im MA-Minor sollten die Masterseminare aus zwei verschiedenen Bereichen der Ethnologie gewählt werden. Masterseminararbeit Zu einem der in einem Masterseminar behandelten Themen sollte eine schriftliche Masterseminararbeit nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Diese Arbeit wird benotet und ist auch als Übung für die Masterarbeit anzusehen. Sie soll einen Umfang von 20-25 Seiten haben. Im Major ohne Feldforschungspraktikum und im Minor werden zwei Arbeiten gefordert. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Masterverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Feldforschungspraktikum Das Feldforschungspraktikum von in der Regel 3 Monaten Dauer soll Studierenden die Möglichkeit geben, ein eigenes empirisches Forschungsvorhaben durchzuführen. Vorbereitung, Abfassen eines Exposés, Durchführung und Auswertung werden von den Lehrpersonen des Ethnologischen Seminars – die alle über Forschungserfahrung und Vertrautheit mit unterschiedlichen Regionen (Südostasien, Ozeanien u.a.) verfügen – intensiv betreut. Das Praktikum kann selbstständig, einzeln oder in Kleingruppen nach Absprache mit einem der Lehrenden oder als von einem Lehrenden betreutes eigenständiges Projekt durchgeführt werden. Bringen Organisations- und Betreuungsform eine intensivere Forschungstätigkeit mit sich, kann sich die Dauer des Praktikums auch verkürzen. Zielsetzungen des Feldforschungspraktikums: o Die Formulierung einer konkreten Fragestellung und eines Forschungsantrags soll geübt, o regionale Kenntnisse sollen vermittelt bzw. vertieft werden, o möglichst verschiedene Methoden sollen erlernt, o und die Erfahrung der Teilnahme am täglichen Leben in einer fremden Gesellschaft gemacht werden. Durch eigene Erfahrungen mit der ethnologischen Feldforschung können Studierende zum einen Ethnographien besser beurteilen und zum anderen ermöglichen sie die notwendige fundierte Quellenkritik. Neben der Stärkung der Methodenkompetenz kann ein Feldforschungspraktikum auch Regionalkompetenz vermitteln, die sich bei der späteren Stellensuche positiv auswirken kann, liegen doch Berufsperspektiven von AbsolventInnen sozial- und kulturanthropologischer Studiengänge erfahrungsgemäß auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, von Institutionen, die sich mit Migration befassen, oder im Museums- und Ausstellungsbereich. Hier sind regionale Kompetenzen meist ebenso gefragt wie fachliche. Ein erfolgreich durchgeführtes Feldforschungspraktikum kann außerdem die Grundlage der Masterarbeit bilden. Diese kann jedoch in jedem Fall auch auf einem Literaturstudium basieren. Am Ende des Feldforschungspraktikums ist ein Feldforschungsbericht im Umfang einer Hausarbeit auf Masterebene obligatorisch. Erst nach der Abgabe des Berichtes können die Credits angerechnet werden. Für die formelle Anrechnung des Feldforschungpraktikums ist der Fachstudienberater zu konsultieren, da eine Buchung der einzelnen Bestandteile des Praktikums online nicht möglich ist. MA-Abschluss Um das Studium mit dem MA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 100 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/-m der Dozenten entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 60 Minuten zu vier verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 10 und für die schriftliche Arbeit 30 Credits vergeben. 14 15 Vorschläge Reader für Lektüregruppen (Sozialkompetenz) Religionsethnologie Lambek, Michael (ed.), A Reader in the Anthropology of Religion. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2008. Rechtsethnologie Moore, Sally Falk (ed.), Law and Anthropology. A Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2005. Verwandtschaft Parkin, Robert and Linda Stone (ed.), Kinship and Family. An Anthropological Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2004. Feldforschung Robben, Antonius C.G.M and Jeffrey A. Shuka (ed.), Ethnographic Fieldwork. An Anthropological Reader. Malden, Oxford, Melbourne: Blackwell 2011. Politikethnologie Vincent, Joan (ed.), The Anthropology of Politics. A Reader in Ethnography, Theory, and Critique. Oxford: Blackwell 2002. Sharma, Aradhana and Gupta, Akhil (eds.), The anthropology of the state. Oxford: Blackwell 2009. Nancy Scheper-Hughes (ed.), Violence in war and peace. Oxford: Blackwell 2003. Geschichte ethnologischer Theorien Bohannan, Paul and Mark Glazer (ed.), High Points in Anthropology. New York: Knopf 1988. Moore, Henrietta L. (ed.), Anthropological Theory Today. Cambridge, Oxford, Malden: Polity Press & Blackwell 1999. Wirtschaftsethnologie Plattner, Steward (ed.), Economic Anthropology. Stanford: Stanford University Press 1989. Shanin, Theodor (ed.), 1989 Peasants and peasant societies. Middlesex: Penguin 1989. Dove, Michael and Carpenter, Carol (eds.), Environmental anthropology. Oxford: Blackwell 2008. 16 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 14:15 - 16:00, ab 17.09.2018 FRO, 3.B58 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Die Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" vermittelt einen Überblick über das Fach und das Studium der Ethnologie. Dabei geht es sowohl um wissenschaftliche Arbeitstechniken als auch um zentrale Fragestellungen, Begriffe, Themenbereiche, aber auch Geschichte und Methoden des Faches. "Kultur" und "Ethnie" etwa sind für die Ethnologie zentrale und umstrittene Konzepte, die in der Vorlesung erläutert werden. Außerdem werden die empirische Methode der ethnologischen Feldforschung und die dabei angewandten Verfahren der Datenerhebung vorgestellt. Nur wer Grundkenntnisse der empirischen Methoden hat, kann die Ergebnisse ethnologischer Forschungen nachvollziehen und bewerten. Die wichtigsten thematischen Bereiche der Ethnologie – Religion, Verwandtschaft/soziale Organisation, Politik und Wirtschaft – werden einführend vorgestellt und dabei gleichzeitig erste Einblicke in Theorien der Ethnologie vermittelt. Ein solcher Überblick dient der ersten Orientierung. Er hilft, weiterführende Informationen und Kenntnisse aus vertiefenden Seminaren in einen größeren Rahmen einzuordnen und dadurch besser zu verstehen. Während des Semesters werden kurze schriftliche Aufgaben gestellt. Deren Lösung und termingerechte Abgabe sowie die Klausur am Endes des Semesters sind Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme. Unterrichtsmaterial, Texte und Illustrationen sowie ein Online-Forum sind auf OLAT bereitgestellt. Die Selbstorganisation eines begleitenden Lektürekurses, für den Social Credit Points vergeben werden, ist möglich. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Vorlesung Einführung in die Ethnologie Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Benotete Prüfung (3 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch Hinweise: Eventuell wird ein begleitendes Tutorat stattfinden Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur NEU: Bettina Beer, Hans Fischer und Julia Pauli, Hg. 2017: Ethnologie. Einführung in die Erforschung kultureller Vielfalt. Berlin: Dietrich Reimer Verlag. 17 Geschichte der Ethnologie: Paradigmas und Kontexte I Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 10:15 - 12:00, ab 18.09.2018 FRO, HS 3 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Mit dieser Vorlesung beginnt ein zweisemestriger Zyklus, der einen Überblick über die in der Ethnologie gängigen Theorien der Gesellschaft vermitteln soll. Im Herbstsemester werden die Ethnologie der Aufklärungszeit (des 18. Jh.), klassische sowie neuere Spielformen des Evolutionismus und des Historischen Materialismus im 19. und 20. Jh., sowie Kulturgeschichte und Diffusionismus der ersten Hälfte des 20. Jh. behandelt. Es soll bei der Diskussion dieser Denkschulen ein Mittelweg zwischen einer paradigmatisch orientierten und einer chronologischen Darstellungsform beschritten werden. Die grundlegenden Elemente dieser Denkschulen (Grundbegriffe und Haupthemen, Erklärungsmodalitäten etc.) werden ebenso berücksichtigt wie die kulturell-historischen Kontexte, in denen diese Denkansätze ihre Wirksamkeit entwickelt haben. Das Seminar richtet sich an BA- und MA-Studierende. Abschlussform: kurze schriftliche Prüfung am Ende des Semesters, 3CP Es werden zu den einzelnen Blöcken jeweils Handouts auf Olat zur Verfügung gestellt. Es besteht die Möglichkeit, in einer studentischen Arbeitsgruppe Literatur zu diskutieren und schriftlich zu protokollieren und dafür Social Credits zu erhalten. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Vorlesung Einführung in Bereiche der Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Benotete Prüfung (3 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Literatur Einen allgemeinen Überblick über die Theoriengeschichte vermitteln: Barnard, Alan (2000) History and Theory in Anthropology. Cambridge: Cambridge University Press. Eriksen, Thomas (2001) History of Anthropology. In: Smelser, Neil/ Baltes, Paul (eds.) International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences (pp. 523–529). Oxford: Elsevier. Harris, Marvin (2000) The Rise of Anthropological Theory. New York: Altamira. Layton, Robert (1998) An Introduction to Theory in Anthropology. Cambridge: Cambridge University Press. Petermann, Werner (2004) Die Geschichte der Ethnologie. Wuppertal: Peter Hammer Verlag. 18 Ehe und Elternschaft: Wandel und Kontinuität im heutigen Afrika Dozent/in: Laura Katharina Preissler, M.A. Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 10:15 - 12:00, ab 19.09.2018 FRO, 1.B05 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Das Seminar beschäftigt sich mit der Vielfalt afrikanischer Verwandtschaftsbeziehungen, die als „Familie“ bezeichnet werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf Ehe und Elternschaft, die wir anhand verschiedener ethnographischer Fallstudien diskutieren werden. Die Frage nach Wandel und Kontinuität im Kontext von Migration und Globalisierung wird uns dabei besonders beschäftigen. Eheliche Beziehungen nehmen in afrikanischen Kulturen vielfältige Formen an und trotz des sich verbreitenden Ideals der Liebesheirat, haben Polygynie oder Gynaegamie (Frauenheirat) nicht an Bedeutung verloren. Die Wahl der Heiratspartner, Praktiken was Brautpreiszahlungen angehen oder die Art wie Ehen gelebt werden, wandeln sich jedoch aufgrund der Einführung der Geldwirtschaft sowie zunehmender Urbanisierung und transnationaler Migration. Ein weiterer Grund für Veränderungen von Familien, ganz besonders was die Versorgung von Kindern betrifft, ist HIV/AIDS. Der HIV-Status spielt ebenfalls eine grosse Rolle in Liebesbeziehungen, denn HIV-Tests werden nicht nur genutzt, um eine Infektion auszuschliessen, sondern auch um dem/der PartnerIn Treue oder Sittsamkeit zu beweisen. Auch das Aufziehen von Kindern ist ein sich wandelnder aber nach wie vor wichtiger Bestandteil des Erwachsenenwerdens. Eine Vielzahl ethnographischer Studien dokumentieren die negativen Konsequenzen von Kinderlosigkeit in afrikanischen Gesellschaften. Die voranschreitende Globalisierung der Reproduktionstechnologien bedeutet jedoch, dass heute auch unfruchtbare Paare in Afrika von diesen Gebrauch machen können, um Eltern zu werden. Folgende Fragen können im Seminar behandelt werden: Wie werden transnationale Ehen zwischen senegalesischen Migranten in Europa und ihren Frauen in der „Heimat“ geschlossen und gelebt? Welche Gründe für Kindspflegschaft gibt es in Benin? Wie verstehen Leihmütter in Mali das Verhältnis zu dem Kind, das sie für die Wunscheltern austragen? Wie gehen stillende Mütter in Malawi mit dem Risiko einer Ansteckung ihres Kindes mit HIV um und inwiefern haben sich Konzepte von Muttermilch und Mutterschaft in diesem Zusammenhang verändert? Voraussetzungen: Bereitschaft englische Texte zu lesen, aktive Teilnahme. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar Ethnographie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: laura.preissler@unilu.ch Hinweise: English-speaking students are welcome to attend the course as well. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur: · Alber, Erdmute (2014): Soziale Elternschaft im Wandel: Kindheit, Verwandtschaft und Zughörigkeit in Westafrika, Berlin: Reimer. · Conroy, Amy (2014): ‘It means there is doubt in the house’: perceptions and experiences of HIV testing in rural Malawi, Cult, Health, Sex, Vol.16(4), S. 397-411. · Hannaford, Dinah (2017): Marriage Without Borders: Transnational Spouses in Neoliberal Senegal, Philadelphia: University of Pennsylvania Press. · Hörbst Viola (2006): Infertility and In-vitro Fertilization in Bamako, Mali: Women's Experience, Avenues for Solution and Social Contexts Impacting on Gynaecological Consultations, Curare, Vol. 29, S. 35-46. · Porter , Karen A. (2004): "Marriage Is Trouble". An Analysis of Kinship, Gender Identity, and Sociocultural Change in Rural Tanzania, Anthropos, Bd. 99, H. 1, S. 3-13. 19 Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 08:15 - 10:00, ab 19.09.2018 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: In diesem einführenden Proseminar (für Studierende der Ethnologie obligatorisch) wird auf der Basis eines Lehrbuchs und einer Reihe ausgewählter Filme ein Einblick in die zentralen Themenbereiche und Grundbegriffe des Fachs gegeben. Anhand einer Auswahl ethnographischer Beispiele aus aller Welt wird die Vielfalt und Breite des Fachs veranschaulicht und kulturelle Phänomene jeweils auch im Vergleich zur eigenen Gesellschaft diskutiert. Es werden klassische Themengebiete (Strukturen des sozialen Zusammenlebens, Verwandtschaft und Gender, politische und wirtschaftliche Organisation, Kosmologie, Ritual, etc.), Grundbegriffe (Reziprozität, Symbolismus, Habitus etc.), sowie aktuelle Themen und Debatten der Ethnologie behandelt. Das Proseminar ergänzt die Vorlesung zur Einführung in die Ethnologie und kann parallel dazu oder zur Vor- oder Nachbereitung besucht werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Das Lehrbuch wird zu Beginn der Veranstaltung auf OLAT zur Verfügung gestellt. From plantation workers to wall street traders: anthropological perspectives on global capitalism Dozent/in: Willem Edward Church, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 12:15 - 14:00, ab 18.09.2018 FRO, 4.B01 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: The intricate web of production and consumption that constitutes capitalism is more extensive now than ever before. Remote villagers in Oceania, South America, Asia and Africa incorporate the products of capitalism into their daily lives from axes and Coca-Cola to cars and smart phones. These entanglements link them to manufacturing processes they can scarcely imagine, much less control. At the same time, villagers are incorporated into capitalist production as the state and capital invest in their lands, timber, mineral resources and labour. How do these processes inflect patterns of cultural difference? Can local ways of life shape or “domesticate” capitalist practices? Or will local cultural variety disappear as the pursuit of profit enter more and more life-worlds? What role do new patterns of inequality have in reshaping local relations? This course will address these and related questions using theoretical and ethnographic resources. By considering the cross-cultural breadth and historical depth of capitalism, from 18th century British mercantilists to sweat-shop workers in contemporary Sri Lanka, we will explore how really-existing capitalism works “on the ground”. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: willemedward.church@unilu.ch Literatur: Fulcher, James. 2015. Capitalism: A Very Short Introduction. 2nd edition.Oxford University Press:Oxford 20 Politik- und Rechtsethnologie. Eine Einführung anhand von Filmen Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 14:15 - 16:00, ab 19.09.2018 FRO, HS 11 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Diese Einfu¨hrungsveranstaltung bietet einen Überblick über klassische und aktuelle Themenbereiche und Fragestellungen der Ethnologie von Politik und Recht. Anhand von sieben Filmen werden Themen wie Konflikte und Konfliktbeilegung, Autorität und Macht, Krieg und Frieden, Staat und indigene Völker präsentiert. Parallel dazu sollen Texte vorgestellt und vor dem Hintergrund der Filme diskutiert werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Als Basisliteratur und Einführung in die Politikethnologie eignet sich: Spencer, J. (2004) Political Anthropology. In: Smelser, Neil/ Baltes, Paul (eds.) International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences (pp. 11621–11631). Oxford: Elsevier. Merry, S. E. (2004) Law: Anthropological Aspects. In: Smelser, Neil/ Baltes, Paul (eds.) International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences (pp. 8489–8492). Oxford: Elsevier. Lewellen, Ted (2003) Political Anthropology: An Introduction. 3rd Edition. Westport und London: Praeger. (verfügbar auf Olat) Kurtz, Donald (2001) Political Anthropology: Power and Paradigms. Boulder: Westview Press. Forschungskolloquium Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 16:15 - 18:00, ab 19.09.2018 FRO, 3.B48 Studienstufe: Bachelor / Master / Doktorat Veranstaltungsart: Kolloquium Inhalt: The colloquium presents current on-going research of department members and invited guest speakers on a range of themes and problems. Students are highly encouraged to participate (and receive 2 credit points for this). They may also set-up reading groups, where selected texts are analyzed and discussed for which they receive additional 2 social competency points. Im Kolloquium werden aktuelle Forschungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars vorgestellt, aber auch Gäste eingeladen, die von Themen und Problemen aus ihren laufenden Forschungen berichten. Studierende können am Kolloquium teilnehmen und bei regelmäßiger Teilnahme sowie aktiver Vorbereitung 2 CP erhalten. Gründen Studierende eine Lektüregruppe, in der sie jeweils einen ausgewählten Text der Vortragenden lesen und diskutieren, können außerdem 2 Sozialkompetenzpunkte vergeben werden Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (2 Cr) Kontakt: anika.koenig@doz.unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen 21 Polyreligiosität im Sozialismus Dozent/in: Dr. phil. Angelica Wehrli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 12:15 - 14:00, ab 20.09.2018 FRO, 1.B05 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Gemeinhin wird der Sozialismus nicht mit einer Vielfalt von Religion in Verbindung gebracht. Vielmehr tritt wohl das bekannte Diktum von Karl Marx in Erinnerung, wonach Religion "Opium des Volkes" sei und somit Religion in einer sozialistischen Gesellschaft keinen Platz einnehmen dürfe. Die Staatsdoktrin zahlreicher sozialistischer Staaten beinhaltete den offiziell proklamierten Atheismus, der zuweilen mit einer konsequenten Unterdrückung von religiösen Aktivitäten und Bewegungen einherging. Der Zusammenbruch des Ostblocks im Jahr 1989 ging jedoch nicht nur in ökonomischer und sozialer, sondern auch in religiöser Hinsicht mit Öffnungen einher. In diesem Proseminar werden wir uns einigen der letzten offiziell, sozialistischen Staaten widmen und die Polyreligiosität im Sozialismus exemplarisch anhand von Kuba und Venezuela analysieren. Welche Religionen werden zurzeit in Kuba und Venezuela praktiziert und weshalb schenken zahlreiche Personen mehreren Religionen gleichzeitig Glauben? Inwiefern kann von "Synkretismus" gesprochen werden? Wie hat sich das Verhältnis zwischen Staat und Religion seit dem Beginn der kubanischen Revolution im Jahre 1959 entwickelt? Mit diesen und weiteren Fragen werden wir uns im Rahmen dieses Seminars detailliert auseinander setzen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Bereich Religionsgeschichte Proseminar im Bereich Systematische Religionswissenschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: angelica.wehrli@unilu.ch Eine Literaturliste zu den einzelnen Themen sowie zu den Sitzungen wird am Anfang des Seminars elektronisch bereitgestellt. Als Einstimmung eignen sich folgende Texte: Barnet, Miguel 2000: Afrokubanische Kulte. Frankfurt am Main: Suhrkamp; Durkheim, Emile 1994 (1915): Die elementaren Formen des religiösen Lebens. Frankfurt: Suhrkamp; Lienhard, Martin 2001: Afro-kubanische Oralität und ihre Darstellung in ethnologischen und literarischen Texten. In: Ette, Ottmar und Martin Franzbach (Hg.): Kuba Heute. Politik. Wirtschaft, Kultur. Frankfurt am Main: Vervuert. 393-409 oder Matibag, Eugenio 1997: Ifá and Interpretation. An Afro-Caribbean Literary Practice. In: Fernández Olmos, Margarite and Lizabeth Paravisini-Gebert (eds.): Sacred Possessions. Vodou, Santería, Obeah, and the Caribbean. New Brunswick etc.: Rutgers University Press. 151-170. 22 Von Neufundland über Nunavut nach Grönland, Island und Lappland - Kulturen und Gesellschaften des Nord-Atlantik zwischen Klimawandel, wirtschaftlicher Entwicklung und indigener Selbstbehauptung Dozent/in: Julius Riese, M.A. Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Blockseminar: Do., 20.09.2018, 10:15 - 16:00 FRO, 4.B55 Fr., 21.09.2018, 08:15 - 15:00 FRO, 4.B54 Do., 25.10.2018, 08:15 - 15:00 Fr., 26.10.2018, 08:15 - 15:00 FRO, 3.A05 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Von den Indianern der Ostküste Nordamerikas über die Inuit im kanadischen Nunavut und auf Grönland (Kalaallit Nunaat) bis zu den Samen in Lappland (Sápmi) säumen vielfältige indigene Kulturen und Gesellschaften die Küsten des Nord-Atlantik. Trotz ihrer grossen sozio-kulturellen Vielfalt teilen sie gemeinsame Herausforderungen: Die weitreichenden Folgen des rapiden Klimawandels in der Region, Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen wirtschaftlichen Wachstums sowie das Streben nach politischer und kultureller Selbstbestimmung. In einem transdisziplinären Seminar, das die Neue Welt mit der Alten Welt, die ethnohistorische Vergangenheit mit der ethnographischen Gegenwart und der Zukunft verbindet, gehen wir diesen Themen nach. Wir unternehmen dazu eine Reise entlang der Küsten und Inseln des Nord-Atlantik: Wir starten in Neufundland (Newfoundland), wo Europäer (Wikinger) 500 Jahre vor Kolumbus zum ersten Mal auf indigene amerikanische Populationen trafen. Über das autonome kanadische Inuit- Territorium Nunavut und das nach vollständiger staatlicher Unabhängigkeit strebende Grönland/Kalaallit Nunaat gelangen wir nach Island: Die von der globalen Finanzkrise gebeutelte Insel orientiert sich immer stärker zum Tourismus – ähnlich wie die kleinen Gesellschaften der Färöer, Shetland und Orkney nördlich der britischen Inseln. Schliesslich begeben wir uns zu den Samen im nördlichen Skandinavien – dem „letzte[n] indigene[n] Volk Europas“ (Roth 2018). Auf unserem Weg hinterfragen wir das Verhältnis von aussereuropäischer Ethnologie und „Europäischer Ethnologie“, diskutieren die Verbindung von Archäologie und Geschichte zur Ethnographie und reflektieren kritisch Bezeichnungen wie „indigen“, „Volk“, „Kultur“ und „Nation“. Im Zentrum des Seminars steht aber die Suche nordatlantischer Kulturen und Gesellschaften nach einer ökologisch und gesamtgesellschaftlich nachhaltigen Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Klima- und Umweltwandel, ökologischen Problemen, wirtschaftlichen Herausforderungen sowie kultureller und politischer Selbstbestimmung in einer globalisierten Welt. Voraussetzungen: Keine. Die Veranstaltung wird vom Ethnologischen Seminar angeboten, ist aber offen für Studierende aller Fachrichtungen. English-speaking students are invited to join the course, too. They are welcome to make all their contributions in English. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: 14-tägig Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar Ethnographie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: julius.riese@doz.unilu.ch Hinweise: Alle Studierenden sind eingeladen, Seminararbeiten zu schreiben sowie diese in Hinblick auf eigene Forschungsprojekte, Feldforschungspraktika weiterzuentwickeln. Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur Curran, Peter 2017. Spirit of the Midnight Sun. London: BBC. Dugmore, Andrew J., Christian Keller, Thomas H. McGovern 2007. Norse Greenland Settlement: Reflections on Climate Change, Trade, and the Contrasting Fates of Human Settlements in the North Atlantic Islands. Arctic Anthropology 44 (1): 12-36. 23 Dugmore, Andrew J., Thomas H. McGovern, Orri Vésteinsson, Jette Arneborg, Richard Streeter, Christian Keller 2012. Cultural adaptation, compounding vulnerabilities and conjunctures in Norse Greenland. PNAS 109 (10): 3658-3663. Durrenberger, E. Paul & Gisli Palsson (eds.) 2015. Gambling Debt: Iceland’s Rise and Fall in the Global Economy. Boulder: University Press of Colorado. Egede, Hans [1737, 1741] 1986. Die Heiden im Eis. Als Forscher und Missionar in Grönland 1721-1736. Nach den dänischen Originalen übertragen und herausgegeben von Heinz Barüske. Stuttgart und Wien: Thienemann, Edition Erdmann Gérin-Lajoie, José, Alain Cuerrier, Laura Siegwart Collier (eds.) 2016. “The Caribou Taste Different Now”. Inuit Elders Observe Climate Change. Iqaluit: Nunavut Arctic College Media. Hastrup, Kirsten 2016. A history of climate change: Inughuit responses to changing ice conditions in North-West Greenland. Climatic Change DOI: 10.1007/s10584-016-1628-y, published online: 19 February 2016. Larsen, Joan Nymand, Oleg A. Anisimov, Andrew Constable, Anne B. Hollowed, Nancy Maynard, Pål Prestrud, Terry D. Prowse, John M. R. Stone 2014. Polar regions. In: V. R. Barros, C. B. Field, D. J. Dokken, M. D. Mastrandrea, K. J. Mach, T. E. Bilir, M. Chatterjee, K. L. Ebi, Y. O. Estrada, R. C. Genova, B. Girma, E. S. Kissel, A. N. Levy, S. MacCracken, P. R. Mastrandrea, and L. L. White (eds.), Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Part B: Regional Aspects. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge and New York: Cambridge University Press, pp. 1567-1612. Noël, Michel 2003. Native Peoples of Québec. Québec City: Éditions Sylvain Harvey. Patterson, William P., Kristin A. Dietrich, Chris Holmden, John T. Andrews 2010. Two millennia of North Atlantic seasonality and implications for Norse colonies. PNAS 107 (12): 5306-5310. Roth, Jenni 2018. Meine Rentiere. Bei den Samen in Lappland. Köln: Deutschlandfunk (DLF). Simek, Rudolf 2016a. Vinland! Wie die Wikinger Amerika entdeckten. München: Verlag C. H. Beck. Simek, Rudolf 2016b. Die Wikinger. München: Verlag C. H. Beck. 24 Praktische Einführung in die ethnologische Feldforschung Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 14:15 - 16:00, ab 19.09.2018 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Methodisches Seminar Inhalt: Feldforschung ist die zentrale empirische Methode der Ethnologie. Kenntnisse der verwendeten Verfahren und Techniken sind nicht nur zur Planung und Durchführung eigener Forschung Voraussetzung, sondern auch zur Quellenkritik. Nur wer versteht, wie Ethnologen ihre Daten gewinnen, kann die Ergebnisse beurteilen, einordnen und kritisieren. In diesem Seminar werden theoretische Ansätze und praktische Übungen miteinander kombiniert, damit die TeilnehmerInnen lernen, das erarbeitete Wissen direkt anzuwenden. An Beispielen wird die Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von Daten geübt. So können auch Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren und die Auswahl der geeigneten Forschungsmethode für unterschiedliche Fragestellungen kennengelernt werden. Durchführung: das Seminar findet wöchentlich statt. In der Woche zwischen den Sitzungen werden jeweils die Texte erarbeitet und die Übungen durchgeführt. Die TeilnehmerInnen dokumentieren ihre Übungen in kurzen schriftlichen Zusammenfassungen, die jeweils zur nächsten Sitzung abgegeben werden müssen. Regelmässige, pünktliche Teilnahme und Durchführung der Aufgaben sind die Voraussetzungen für den Erwerb eines Teilnahmescheins. Für einen Leistungsschein kann eine zusätzliche schriftliche Aufgabe eingereicht werden. Voraussetzungen: TeilnehmerInnen studieren in der Masterphase oder höher. Auch Bachelor- Studierende, die eine eigene empirische Arbeit planen, können teilnehmen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Methodenseminar in Ethnologie (BA) Profilierungsbereich Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: anika.koenig@doz.unilu.ch Hinweise: Prüfungsmodus: Durchführung von Übungen und deren Zusammenstellung am Ende des Semesters zu einem Lernportfolio (4 CP). Bitte melden Sie sich auch auf OLAT für den Kurs an. Literatur Pflichtlektüre: Bettina Beer (Hg.), 2008: Methoden ethnologischer Feldforschung. (Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage). Berlin: Reimer. Das Buch kann bei Angabe der Lehrveranstaltung vergünstigt mit Hörerschein beim Studiladen gekauft werden. Weitere Literatur steht im Semesterapparat der Präsenzbibliothek. 25 Bauern weltweit: Haushalt, Acker, Markt Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 10:15 - 12:00, ab 19.09.2018 FRO, 3.B47 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Das Seminar beschäftigt sich mit Themen, Modellen und Theorien, welche die Ethnologie zur Analyse von kleinbäuerlichen Lebens- und Produktionsverhältnissen entwickelt hat. Kleinbauern machen immer noch einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung in weniger industrialisierten Ländern aus. Das Seminar stellt verschiedene Modelle von Produktionsstrategien bäuerlicher Haushalte zur Diskussion. Die Ausstattung kleinbäuerlicher Haushalte mit Land, Kapital und Arbeitskräften wird ebenso diskutiert wie die demographische Dimension der Kleinfamilien bzw. Reproduktionsstrategien bäuerlicher Haushalte. Als nächstes kommen Eigentumsverhältnisse und die Modalität der Landnutzung zur Sprache, die anhand der ”Tragödie der Allmende” (Hardin) diskutiert werden sollen. Daran schliesst sich die Diskussion des Zusammenhangs zwischen Bevölkerungswachstum und Produktionsintensivierung an. Es folgen Texte zu Subsistenz- und Marktproduktion, zu Bauernmärkten und zur Marktintegration von Bauern. Den Abschluss des Seminars bildet die Diskussion um die These des rationalen Bauern versus jene der bäuerlichen Moralökonomie. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Wirtschaft und Ökologie Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Allgemeine Einführungsliteratur Ellis, Frank (2003) Peasant economics. Cambridge: Cambridge University Press. Netting, Robert (1993) Smallholders, householders. Stanford: Stanford University Press. Gudeman, Stephen (2001) The Anthropology of Economy: Community, Market, and Culture. Oxford: Blackwell. 26 Gender: Konzepte und Theorien in den Sozialwissenschaften Dozent/in: Dr. phil. Angelica Wehrli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 10:15 - 12:00, ab 20.09.2018 FRO, 1.B05 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: In diesem Seminar werden wir uns mit der relevanten und zuweilen höchst divers diskutieren Kategorie Gender auseinandersetzen. Dabei werden wir uns verschiedenen Konzepten und theoretischen Ansätzen widmen und dabei ergründen, wie die Kategorie Gender definiert und verstanden werden kann. Ferner werden wir der Frage nachgehen, weshalb Gender sowohl in sozialwissenschaftlichen Forschungen als auch im Alltag omnipräsent ist. Ein besonderes Augenmerk werden wir dabei auf sozialanthropologische Forschungen legen. Bereits im Jahr 1949 sorgte die These von Simone de Beauvoir für Aufsehen, wonach man nicht als Frau geboren wird, sondern zur Frau werde („on ne naît pas femme, on le devient“) [de Beauvoir 1949]. Jahrzehnte danach wurde der Begriff Gender populär und verwies darauf, dass Geschlecht sozial konstruiert wird. Dabei wurde zwischen dem biologischen Geschlecht „sex“ und dem sozial und kulturell konstruierten Geschlecht „gender“ unterschieden. Diese Unterscheidung zwischen „sex“ und „gender“ wurde in den 1990er Jahren durch Judith Butler kritisiert, indem Butler hinterfragte, ob nicht auch das biologische Geschlecht („sex“) kulturell geprägt sei. Anhand dieser Überlegungen wird deutlich, wie kontrovers die Debatte um Gender in den Sozialwissenschaften ist. In diesem Seminar werden wir des Weiteren anhand von praktischen Beispielen analysieren, wie Forschende das Konzept Gender in ihren Forschungen verwenden. Audiovisuelle Medien werden in diesem Seminar ebenfalls Verwendung finden. Die Studierenden haben zudem die Möglichkeit anhand eigener Recherchen und in Absprache weiterführende on-line und offline Materialien beizuziehen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Politik und Recht Hauptseminar in Ethnologie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: angelica.wehrli@unilu.ch Literatur Eine Literaturliste zu den einzelnen Themen sowie zu den Sitzungen wird am Anfang des Seminars elektronisch bereitgestellt. Zur Einstimmung und Vorbereitung auf das Thema eignen sich folgende Quelle: Beauvoir, Simone de 2001 [1949]: Le deuxième sexe. [Paris]: Gallimard. Butler, Judith 1999 [1990]: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York: Routledge 27 Historische Anthropologie Dozent/in: Dr. phil. Joachim Görlich Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 16:15 - 18:00, ab 18.09.2018 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: m Unterschied zur traditionellen, stark westlich geprägten Kolonialgeschichte begreift die Historische Anthropologie den "colonial encounter" als eine Auseinandersetzung und Verhandlung vielfältig perspektivierter, kultureller Interaktionen. In der Veranstaltung sollen einige ihrer zentralen theoretischen Fragestellungen und Methoden anhand von Fallbeispielen aus Afrika, Mittelamerika, Ozeanien und Südostasien dargelegt werden. Folgende Themen stehen im Mittelpunkt: der strukturhistorische Ansatz von M. Sahlins und dessen Kritik (G. Obeyesekere); die Politik der Tradition (Konstruktion und Objektivierung); Mimesis, Aneignung und Hybridisierung beim kolonialen Transformationsprozess; das Konzept der "Modernität(en)" im kolonialen Diskurs; Transformationen des Personenkonzeptes; Ausübung kolonialer Dominanz durch kulturelle Repräsentation (Gouvernementalität und Ethnographie des Archivs). Ziel der Veranstaltung ist es den Austausch zwischen Geschichte und Ethnologie zu stärken. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Neuzeit Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte BA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: joachim.goerlich@unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur Baud, M. 1997 Imaging the other: Michael Taussig on mimesis, colonialism and identity. Critique of Anthropology 17: 103-112. Cooper, F. 2005 Colonialism in question. Theory, knowledge, history. Berkeley: University of California Press. Sahlins, M. 1986 Der Tod des Kapitän Cook. Geschichte als Metapher und Mythos als Wirklichkeit in der Frühgeschichte des Königreiches Hawaii. Berlin: Wagenbach. Stoler, A. L. 2009 Along the archival grain. Epistemic anxieties and colonial common sense. Princeton: Princeton University Press.. Thomas, N. 1992 The inversion of tradition. American Ethnologist 19: 213-232. 28 Ressourcenfluch in Südostasien und im Pazifik Dozent/in: Dr. des. Tobias Schwörer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 14:15 - 16:00, ab 18.09.2018 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Mit dem Begriff Ressourcenfluch kennzeichnet man das Paradox, dass in gewissen Ländern des globalen Südens trotz grossen Reichtums an natürlichen Ressourcen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung kaum vom Fleck kommt. Ressourcenreichtum führt dabei laut vielen Ökonomen und Sozialwissenschaftlern nicht nur zu wirtschaftlicher Fehlentwicklung, Exportabhängigkeit und Verschuldung, sondern auch zu grassierender Korruption, politischer Instabilität, bis hin zu bewaffneten Konflikten um diese Ressourcen. Der Abbau von Ressourcen ist zudem oft mit grossflächigen Umweltzerstörungen verbunden, welche insbesondere die ärmeren Schichten der Bevölkerung hart trifft. Während die Forschung bislang sich vor allem auf Afrika und Lateinamerika konzentriert hat, wollen wir in diesem regional ausgerichteten Seminar diese Zusammenhänge am Beispiel von Südostasien und dem Pazifikraum untersuchen. Nebst der Öl- und Gasförderung sowie den Bergbau, beispielsweise in Papua-Neuguinea oder auf den Philippinen, werden wir auch weitere Formen des Raubbaus an natürlichen Ressourcen thematisieren, so etwa den grossflächigen Holzschlag in Malaysia, die Anlage von Palmölplantagen in Indonesien oder Kautschukplantagen in Kambodscha. Anhand von zahlreichen Fallbeispielen untersuchen wir somit aus einer ethnologischen Perspektive die vielfältigen wirtschaftlichen, ökologischen, politischen, sozialen wie kulturellen Auswirkungen des Ressourcenabbaus in diesen Ländern. Gleichzeitig analysieren wir die unterschiedlichen Beziehungen zwischen lokalen Gemeinschaften, transnationale Firmen und staatlicher Verwaltung, welche beim Abbau von Ressourcen zu Trage kommen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Wirtschaft und Ökologie Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: tobias.schwoerer@doz.unilu.ch 29 Schamanismus – traditionelle und zeitgenössische Formen und ihre theo-retische Interpretation Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 12:15 - 14:00, ab 17.09.2018 FRO, 4.B47 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Das Phänomen des Schamanismus – dem man in Gesellschaften von Sammlerinnen & Jägern ebenso begegnet wie in post-sozialistischen Staaten, bei Bergbauern in Nepal ebenso wie in europäischen Grossstädten – wurde in ethnologischer Perspektive mit unterschiedlichen Schwerpunkten untersucht: mit Fokus auf die Person des Schamanen, seine Funktionen, Tätigkeiten und Bewusstseinszustände; mit Fokus auf die kulturelle Ideologie (Symbolsystem, Kosmologie) und mit Fokus auf die rituelle Praxis. Im ersten Teil des Seminars erarbeiten wir uns einen Überblick über die ersten beiden Schwerpunkte, die auch den Beginn der wissenschaftlichen Schamanismusforschung bei ihrer Auseinandersetzung mit dem sibirischen Schamanismus kennzeichnen. Im zweiten Teil der Veranstaltung beschäftigen wir uns mit dem schamanischen Ritual in seinem weiteren gesellschaftlichen Kontext, sowie mit verschiedenen theoretischen Interpretationen dieser rituellen Praxis (Heilverfahren, Psychotherapie, Rollenspiel, rechtliche Mediation, Identitätskonstruktion u.a.m.). Im dritten Teil des Seminars werden wir uns dann mit Fallbeispielen schamanischer Rituale befassen, um die Relevanz dieser Interpretationen zu prüfen. Dabei werden wir uns auf ethnographisch gut dokumentierte Beispiele aus Asien beschränken (Mongolei, Nepal, Tibet, China, Indonesien). Besondere Beachtung werden wir Südkorea schenken, wo der Staat Ende der 1990er Jahren u.a. mit einer Wiederbelebung des Schamanismus auf die Wirtschaftskrise reagiert hat und wo der Schamanismus interessante Verbindungen mit dem charismatischen Christentum und dem emanzipatorischen Feminismus eingegangen ist. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Systematische Religionswissenschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Jane Atkinson, Shamanisms Today, Annual Review of Anthropology 21, 1992: 307-330 (https://de.scribd.com/document/91275865/Shaman-Isms-Today-Atkinson); Thomas DuBois, Trends in Contemporary Research on Shamanism, Numen 58, 2011: 100–128 (http://tadubois.com/varying-course-materials/shamanism_352/Contemporary_Research_on_Shamanism.pdf); Michael Oppitz über Schamanismus (Video, SRF-Sternstunden, 2008) (https://www.youtube.com/watch?v=W3jQ_ZqR_WQ). 30 Mythos – Tropen – wildes Denken: Lévi-Strauss lesen Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Prof. Dr. phil. Christiane Schildknecht Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 12:15 - 14:00, ab 19.09.2018 FRO, 3.B55 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: „Ich verabscheue Reisen und Forschungsreisende. Trotzdem stehe ich im Begriff über meine Expeditionen zu berichten.“...“Was uns die Reisen in erster Linie zeigen, ist der Schmutz, mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben.“ (Aus: Tristes Tropiques 1955) „Traurige Tropen“, aus denen dieses Zitat stammt, ist sicher das bekannteste Werk des französischen Philosophen und Ethnologen Claude Lévi-Strauss. Seine Publikationen zur „Strukturalen Anthropologie“, dem „wilden Denken“ (La pensée sauvage mit dem ersten Kapitel zur „konkreten Wissenschaft“), zur Mythologie, Verwandtschaft und sozialen Organisation hatten großen Einfluss auf die Geistes- und Sozialwissenschaften des 20. Jahrhunderts. Vor allem seine Annahme, dass Denken und Sprache auf denselben Grundlagen beruhen, wirkte sich auf die Geisteswissenschaften aus. Häufig wird Lévi-Strauss als einer der Begründer des anthropologischen Strukturalismus bezeichnet, was er selbst von sich wies. Die Breite seiner Ausbildung und seine vielseitigen Forschungsinteressen haben das Werk für ganz verschiedene Disziplinen zu einem wichtigen Bezugspunkt gemacht. In diesem Lektürekurs erschließen wir uns seine Texte systematisch, gehen deren Einfluss nach und diskutieren spätere Kritik. Alle zentralen Texte sind in deutscher Übersetzung erschienen und auch als Taschenbuch erhältlich. Themen: Das Fremde: Reisen und forschen Sprache und Symbole Inzest Heirat und Verwandtschaft Totemismus Konkretes und abstraktes Denken Mythos und Methode Politik und Wissenschaft Kritik an Lévi-Strauss Werk Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie MA Freie Studienleistungen Philosophie BA Freie Studienleistungen Philosophie MA Hauptseminar im Bereich Theoretische Philosophie Masterseminar in Ethnologie Masterseminar in Kulturwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie BA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch / christiane.schildknecht@unilu.ch Hinweise: Dieses Seminar ist ausdrücklich für fortgeschrittene BA-Studierende geöffnet und kann in der Philosophie entsprechend als Hauptseminar angerechnet werden. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Zur Einführung: Claude Lévi-Strauss: Mythos und Bedeutung. Vorträge, Frankfurt/Main: edition suhrkamp 1027, 1980. 31 Staat und Familie: Recht, Praxis und Ideale im Vergleich Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Prof. Dr. iur. Martina Caroni, LL.M. Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 18:15 - 20:00, ab 18.09.2018 FRO, 4.B47 Studienstufe: Bachelor / Master / Doktorat Veranstaltungsart: Ringveranstaltung Inhalt: Die Beziehung zwischen Staat und Familie hat verschiedene Dimensionen, von religiösen und rechtlichen über politische bis hin zu soziokulturellen. Häufig wird die Familie als „Keimzelle“ des Staates bzw. der Gesellschaft bezeichnet und auch in Formulierungen wie „Vater Staat“ oder „Mutter- /Vaterland“ bedient sich die Sprache über eine höhere soziale Einheit der Familienmetaphorik. In der Schweiz wie in den meisten Nationalstaaten genießen Ehe und Familie besonderen Schutz, und verankern ihn im Grundgesetz oder der Verfassung. Das klingt zunächst einfach, wirft in der Praxis jedoch die Frage auf, was genau unter Familie verstanden wird, wer dazugehört und wie die Beziehung zwischen Staat, Recht und „Familie“ gestaltet ist. Dies wirkt sich zum Beispiel auf das Migrationsrecht (Familiennachzug), Unterhalt und Steuerrecht sowie viele weitere Aspekte des Zusammenlebens aus. Familienformen befinden sich in der Diskussion und damit im Wandel, was sich zum Beispiel bei den Themen der vollständigen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften (Ehe und Adoption) oder an den Konsequenzen neuer Reproduktionstechnologien zeigt. Somit sind rechtliche Grundsätze, kulturelle Ideale und soziale Praxis nicht immer Deckungsgleich. Die daraus entstehenden Spannungsfelder sind Gegenstand der Beiträge dieser interdisziplinären Ringvorlesung, die sich beispielsweise mit Familie und Verwandtschaft in frühen europäischen Staatstheorien, dem angstbesetzten Thema Scheidung in Namibia, und grenzüberschreitender Heiratsmigration befassen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Profilierungsbereich Vorlesung Einführung in Bereiche der Ethnologie Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (2 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch / martina.caroni@unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen 32 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen Schreibwerkstatt: Wissenschaftliches Schreiben Dozent/in: Katharina Steiner, BA Dr. des. Tobias Brücker Roman Gibel, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Diverse Termine: Wöchentlich Mi., 18:15 - 20:00, ab 19.09.2018 FRO, 3.B47 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Methodisches Seminar Inhalt: Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften sind textintensive Disziplinen. Das Lesen, Verstehen und Schreiben von Texten sind Kernkompetenzen eines solchen Studiums. Dies fällt nicht immer allen gleich leicht. Mit praktischen Übungen und Techniken werden in diesem Kurs die Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens vermittelt. Im Fokus steht das Schreiben von Seminararbeiten: Zunächst wird deshalb die Planung und erste Herangehensweise beim Schreiben einer Seminararbeit thematisiert und praktisch umgesetzt (Themenwahl, BetreuuerInnen, Fragestellung und Exposé). In einem weiteren Schritt werden Aufbau, Inhaltsverzeichnisse und Zitierregeln behandelt. Darüber hinaus bietet der KursHilfestellungen, Tipps und Tricks (mit Techniken wie Mindmaps, 6-Zeiler, Literaturrecherche). Das Seminar ist fächerübergreifend angelegt und begleitet das Schreiben einer eigenen Seminararbeit. D.h.: Die Studierenden suchen eine Betreuungsperson für eine Pro-/Hauptseminararbeit, die sie in ihrem Studium verpflichtend schreiben müssen. In der Schreibwerkstatt werden keine Arbeiten betreut, sondern reale Seminararbeiten begleitend unterstützt. Voraussetzungen: Weil wir das Gelernte unmittelbar umsetzen, wird erwartet, dass die Studierenden bereit sind, während des Kurses eine Seminararbeit zu verfassen (siehe Kursbeschreibung). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat) (3 Cr) Anmeldung: Eine Anmeldung im Uni Portal ist keine Garantie für die Teilnahme. Übersteigt die Anzahl der Anmeldungen die Zahl der verfügbaren Seminarplätze, werden die Seminarplätze unter den angemeldeten und in der ersten Sitzung anwesenden Studierenden verlost. Begrenzung: 30 Studierende. Studierende der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät haben gegenüber Studierenden anderer Fakultäten den Vortritt. Kontakt: katharina.steiner@unilu.ch / tobias.bruecker@unilu.ch / roman.gibel@unilu.ch Hinweise: Das Seminar richtet sich hauptsächlich an Studiums-AnfängerInnen und Studierende, denen das Aufgleisen und Schreiben von Seminararbeiten Mühe bereitet. Material: Olat-Plattform Literatur · Eco, Umberto (1990): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt: Doktor-, Diplom- und Magisterarbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Heidelberg: Müller. (=UTB 1512) · Groebner, Valentin (2012): Wissenschaftssprache. Eine Gebrauchsanweisung. Paderborn: Konstanz University Press (Essay). · Kornmeier, Martin (2013): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. 6., aktualisierte Aufl. Stuttgart: UTB (UTB, 3154). · Krämer, Walter (1999): Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Frankfurt/Main: Campus. · Kruse, Otto (1994): Keine Angst vorm leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt/Main: Campus. · Kruse, Otto (Hg.) (1998): Handbuch Studieren. Von der Einschreibung bis zum Examen. Frankfurt/Main: Campus. · Reiners, Ludwig (2011): Stilfibel. Der sichere Weg zum guten Deutsch. 3. Aufl., ungekürzte Ausg. München: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv Sachbuch, 34358). . Schneider, Wolf (2001): Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. 15. Aufl., überarb. Taschenbuchausg. München: Mosaik bei Goldmann 33 Rassen- und Geschlechterpolitik im Licht der Evolution Dozent/in: Prof. Dr. Marianne Sommer Durchführender Fachbereich: KSF \ Kulturwissenschaften Termine: Wöchentlich Mi., 14:15 - 16:00, ab 19.09.2018 FRO, 4.B55 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: In ihrem Buch Darwin’s Sacred Cause (2009) situieren Adrian Desmond und James Moore Darwins Schrift über die Evolution des Menschen im Kontext von Rassentheorien und der Sklaverei. Hat Darwin The Descent of Man (1871) aus seinem Hass gegenüber dem Menschenhandel und dem Polygenismus – der Vorstellung, dass die Rassen auf unterschiedliche Schöpfungen zurückgehen – verfasst? Und inwiefern hängt Darwins Einführung der sexuellen Selektion mit den Geschlechterrollen der Zeit und seinen Erfahrungen mit ‚primitiven’ Kulturen zusammen? Wie ist es möglich, dass sowohl Feministinnen wie Konservative ihre Forderungen auf die sexuelle Selektion stützen konnten? Im Seminar betrachten wir Rassen- und Geschlechterpolitiken in Europa und den Kolonien von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in das frühe 20. Jahrhundert im Licht der aufkommenden Evolutionstheorien. Wie beeinflussen diese die Betrachtungen zur Abstammung und Natur des Menschen und wie zirkulieren evolutionäre Konzepte lokal und global? Voraussetzungen: Keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften BA Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften MA Hauptseminar im Bereich Theorie und Geschichte der Kulturwissenschaften Hauptseminar in Wissenschaftsforschung Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Judaistik BA Weitere Studienleistungen im Fach Judaistik MA Weitere Studienleistungen im Fach Wissenschaftsforschung MA Weitere Studienleistungen im Modul Grundlagen der Kulturwissenschaften Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat oder Essay) (4 Cr) Kontakt: marianne.sommer@unilu.ch Hinweise: Die Veranstaltung ist im Major Wissenschaftsforschung anrechenbar für den Schwerpunkt ‘Konzepte’. Material: Olat-Plattform 34 Völkerschauen, Werbung und Sklavenhandel. Debatten zur Kolonialen Schweiz Dozent/in: lic. phil. Lea Pfäffli Durchführender Fachbereich: KSF \ Kulturwissenschaften Termine: Fr., 21.09.2018, 12:15 - 14:00, Fr., 05.10.2018, 12:15 - 14:00, Fr., 09.11.2018, 12:15 - 14:00, Fr., 23.11.2018, 12:15 - 14:00, Fr., 07.12.2018, 12:15 - 14:00, Fr., 21.12.2018, 12:15 - 14:00 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Die Schweiz hatte niemals Kolonien besessen. Sie hatte keine Soldaten, keine Kolonialbeamten und auch keine Seeflotte. Die Schweiz gilt damit gemeinhin als Land, welches kolonialer Verstrickungen unverdächtig ist. Im Seminar reflektieren wir diese konventionellen Konzepte von Kolonialismus – und fokussieren auf koloniale Redeweisen, Bildregimes und Verflechtungen. Welche Rolle spielen Völkerschauen, wissenschaftliche Sammlungen, Werbung, symbolische Landnahme und Sklavenhandel? Zirkulieren in der Schweiz Vorstellungen über «das Fremde», welche der Stabilisierung eigener Identität dienen? Ausgehend von der Lektüre postkolonialer Theoretiker_innen untersuchen wir Erzählungen und Bilder aus der Schweiz. Wir diskutieren, wie sich die koloniale Rolle der Schweiz fassen lässt – und wie diese Wahrnehmung kollektive Denkweisen und das politische Selbstverständnis des Landes bis heute prägt. Voraussetzungen: Keine Umfang: 1 Semesterwochenstunde Turnus: 14tgl. Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften BA Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften MA Hauptseminar im Bereich Neuzeit Hauptseminar im Bereich Theorie und Geschichte der Kulturwissenschaften Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte BA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte MA Weitere Studienleistungen im Modul Grundlagen der Kulturwissenschaften Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Essay oder Referat) (2 Cr) Anmeldung: Um Anmeldung bis am 24.9.18 wird gebeten. Kontakt: lea.pfaeffli@history.gess.ethz.ch Hinweise: Daten siehe Stundenplan Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Material: Olat-Plattform Literatur Hall, Stuart: “The Spectacle of the ‘Other’”, in: Hall, Stuart (Hg.): Representation. Cultural representation and signifying practices, London 1997 (Culture, media and identities), S. 223–290. Mitchell, Timothy: „Die Welt als Ausstellung“, in: Conrad, Sebastian; Randeria, Shalini; Römhild, Regina (Hg.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main 20132, S. 438–466. McClintock, Anne, Imperial leather. Race, gender and sexuality in the colonial contest, New York 1995. Purtschert, Patricia/Lüthi, Barbara/Falk, Francesca (Hrsg.), Postkoloniale Schweiz. Formen und Folgen eines Kolonialismus ohne Kolonien (Postcolonial studies 10), Bielefeld 2012. 35 Sociology of Morality: Good and Evil across the World Dozent/in: Prof. Dr. Gabriel Abend Durchführender Fachbereich: KSF \ Soziologie Termine: Wöchentlich Di., 10:15 - 12:00, ab 18.09.2018 FRO, HS 7 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Ruthless dictators, genocidal regimes, exploitative work conditions, and unscrupulous businesspeople may make you shudder. Sadly, they seem as common in real life as they are in novels, TV series, and movies. Moral goodness, solidarity, and altruism may give you hope. Yet, sadly, don’t they seem less common in real life than in novels, TV series, and movies? Either way, filmmakers and novelists shed light on good and evil by means of their art. In this seminar we’ll ask how social scientists can shed light on good and evil by means of their research. One possible approach is psychological: for example, an individual’s immoral behavior might be explained psychologically or even neuropsychologically. Another approach is sociological: it aims to understand good and evil as social phenomena, in different societies, beyond particular individuals’ actions, biographies, and psychological dispositions. This seminar will focus on the second approach. We’ll look at sociological tools that help understand good and evil, virtue and vice, right and wrong, morality and immorality. What makes societies and groups more likely to be altruistic, cooperative, and humane? How are political processes shaped by morally admirable organizations and social movements? What accounts for increased immorality, dishonesty, and downright evil in certain places and times? Do all societies have the thick ethical concepts we’re familiar with, such as integrity, dignity, honor, humanness, exploitation, materialism, sexism, and discrimination? Why are there so many disagreements about right and wrong? Besides being sociological, this seminar’s approach will be comparative, too: we’ll examine good and evil practices in various societies across the world, which diverge in their laws, norms, and culture. We’ll also ask how sociologists go about doing research on moral and immoral groups, organizations, and ideas. Finally, we’ll think about the practical and policy implications of sociological research on good and evil—whether it’s got any such implications, and if so, what they are. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Masterseminar im Modul Wahlschwerpunkt Soziologie & Wirtschaft Masterseminar im Modul Weltgesellschaft Masterseminar im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Masterseminar in Religionswissenschaft Masterseminar mit Schwerpunkt Theorie Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat) (4 Cr) Kontakt: abend@nyu.edu Material: Texte werden über OLAT zugänglich gemacht. Literatur Gabriel Abend. 2008. “Two Main Problems in the Sociology of Morality.” Theory and Society. Todd Calder. 2013. “The Concept of Evil.” Stanford Encyclopedia of Philosophy. Steven Hitlin and Stephen Vaisey. 2013. “The New Sociology of Morality.” Annual Review of Sociology. Et hn ol og is ch es S em in ar Le hr ve ra ns ta ltu ng en im H er bs ts em es te r 20 18 M O N TA G DI EN ST AG M IT TW O C H D O N N ER ST AG 8. 15 -9 .0 0 W er ne r E gl i Pr os em in ar Ei nf üh ru ng in d ie E th no lo gi e 3. B0 1 9. 15 -1 0. 00 10 .1 5- 11 .0 0 Jü rg H el bl in g Vo rle su ng G es ch ic ht e de r E th no lo gi e: Pa ra di gm as u nd K on te xt e I H S3 Jü rg H el bl in g H au pt se m in ar Ba ue rn w el tw ei t: H au sh al t, Ac ke r, M ar kt 3. B4 7 La ur a Pr ei ss le r Pr os em in ar Eh e un d El te rn sc ha ft: W an de l u nd Ko nt in ui tä t i m he ut ig en Af rik a U FS 1 .B 05 An ge lic a W eh rli H au pt se m in ar G en de r: Ko nz ep te u nd T he or ie n in d en So zi al w is se ns ch af te n 1. B0 5 11 .1 5- 12 .0 0 12 .1 5- 13 .0 0 W er ne r E gl i H au pt se m in ar Sc ha m an is m us – tr ad iti on el le u nd ze itg en ös si sc he F or m en u nd ih re th eo re tis ch e In te rp re ta tio n 4. B4 7 W ill em C hu rc h Pr os em in ar Fr om p la nt at io n w or ke rs to w al l s tre et tra de rs : a nt hr op ol og ic al p er sp ec tiv es on g lo ba l c ap ita lis m 4. B0 1 B et tin a B ee r / C hr is tia ne Sc hi ld kn ec ht M as te rs em in ar M yt ho s – Tr op en – w ild es D en ke n: Lé vi -S tra us s le se n 3. B5 5 An ge lic a W eh rli Pr os em in ar P ol yr el ig io si tä t i m So zi al is m us 1. B0 5 13 .1 5- 14 .0 0 14 .1 5- 15 .0 0 B et tin a B ee r Vo rle su ng Ei nf üh ru ng in d ie E th no lo gi e 3. B5 8 To bi as S ch w ör er H au pt se m in ar R es so ur ce nf lu ch in S üd os ta si en u nd im P az ifi k 4. B5 1 Jü rg H el bl in g Pr os em in ar Po lit ik - u nd R ec ht se th no lo gi e. Ei ne E in fü hr un g an ha nd v on Fi lm en H S1 1 An ik a K ön ig M et ho de ns em in ar Pr ak tis ch e Ei nf üh ru ng in d ie et hn ol og is ch e Fe ld fo rs ch un g 4. B0 2 15 .1 5- 16 .0 0 16 .1 5- 17 .0 0 Jo ac hi m G ör lic h H au pt se m in ar H is to ris ch e An th ro po lo gi e 4. B5 1 An ik a K ön ig Fo rs ch un gs ko llo qu iu m 3. B4 8 17 .1 5- 18 .0 0 18 .1 5- 20 .0 0 B et tin a B ee r R in gv er an st al tu ng St aa t u nd F am ilie : R ec ht , P ra xi s un d Id ea le im V er gl ei ch 4. B4 7 K at ha rin a St ei ne r To bi as B rü ck er R om an G ib el Sc hr ei bw er ks ta tt: A uf ba u un d Au sb au vo n Sc hr ei bk om pe te nz en 3 .B 47 B lo ck se m in ar (P ro se m in ar ) J ul iu s R ie se Vo n N eu fu nd la nd ü be r N un av ut n ac h G rö nl an d, Is la nd u nd L ap pl an d - K ul tu re n un d G es el ls ch af te n de s N or d- At la nt ik z w is ch en K lim aw an de l, w irt sc ha ftl ic he r E nt w ic kl un g un d in di ge ne r S el bs tb eh au pt un g D at en : B LO C K 1 : 2 0. /2 1. S ep te m be r 2 01 8 / B LO C K 2 : 2 5. /2 6. O kt ob er 2 01 8

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    Erstellungsdatum: 25.07.2018

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    Uniluaktuell 58

    werden, gilt. Ebenso verkehren tibetisch­ bis japa­ nisch­buddhistische Gruppen im selben buddhistischen

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