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    Die Kirchen Gottes (die in Judäa sind) in Christus Jesus. (1 Thess 2,14)

    1 LUZERNER UNIVERSITÄTSREDEN NR. 23 23. Walter Kirchschläger «Die Kirchen Gottes (die in Judäa sind) in Christus Jesus.» (1 Thess 2,14) Anmerkungen zur Präambel einer Kirchenverfassung Autor Prof. Dr. theol. Walter Kirchschläger, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern Impressum Herausgeber: Prof. Dr. iur. Paul Richli, Rektor Redaktion, Layout: Markus Vogler, Daniel Jurt ISBN 978-3-033-03549-2 Juli 2012 3 5 Inhalt Walter Kirchschläger «Die Kirchen Gottes (die in Judäa sind) in Christus Jesus.» (1 Thess 2,14) Anmerkungen zur Präambel einer Kirchenverfassung Seite 7 6 7 «Die Kirchen Gottes (die in Judäa sind) in Christus Jesus.» (1 Thess 2,14) Anmerkungen zur Präambel einer Kirchenverfassung* 0 EINFÜHRUNG 0.1 Am 20. November 1965, wenige Wochen, bevor das Zweite Vatikanische Konzil ab- geschlossen wurde, brachte Paul VI., der damalige Bischof von Rom, gegenüber der Päpstlichen Kommission zur Reform des Kirchenrechts1 die Idee zur Erarbeitung eines «Ius Constitutivum», also einer Kirchenverfassung2, ins Spiel. In der Folge entstanden zwischen 1970 und 1980 insgesamt acht Entwürfe einer Lex Ecclesiae Fundamentalis, also eines Grundgesetzes der Kirche.3 Diese Verfassung sollte das Kirchliche Gesetzbuch nicht ersetzen, sondern mit einem Katalog grundlegender Rechte und Pflichten diesem vorangestellt sein und als eine Auslegeordnung für das Kirchenrecht der West- wie der Ostkirche einen umfassenden Rahmen für das Selbstverständnis von Kirche darstellen.4 Mit der Publikation der Neufassung des Kirchenrechts im Jahre 1983 wurde der von Johannes XXIII. im Jahre 1959 neu angestossene Prozess der Reform des Kirchenrechts abgeschlossen. Was von der Überlegung zu einer Kirchenverfassung übriggeblieben ist, findet sich im Grundrechtskatalog des Codex in den can. 208–223. Entgegen der ursprüng- lichen Absicht sind diese Aussagen dem Codex nicht in einem eigenständigen Dokument analog zu einer Verfassung übergeordnet, sondern in das kirchliche Gesetzbuch integ- riert. * Abschiedsvorlesung vom 23. Mai 2012. Erstpublikation in der Schweizerischen Kirchenzeitung, 180 (2012) 403–407. 432, 437–439. 1 Ansprache vor dem Coetus Consultorum Specialis der Kodexreformkommission: Acta Apostolicae Sedis 57 (1965) 988. 2 Vgl. dazu O. G. M. Boelens, Synopis «Lex Ecclesiae Fundamentalis», Leuven 2001, V; R. Swidler, Das II. Vatika- num von unten – demokratisch verfasster Katholizismus: M. Heizer/H. P. Hurka (Hrsg.), Mitbestimmung und Menschenrechte. Plädoyer für eine demokratische Kirchenverfassung, Kevelaer 2011, 175–199. Vgl. zum genannten Buch die Würdigung von A. Loretan: Schweizerische Kirchenzeitung 180 (2012) 94–96.101. 3 Die Zählung ist unterschiedlich; es kann auch von sechs Entwürfen und einer Fassung in zwei Variationen gesprochen werden. Siehe einen Überblick zur Entstehungsgeschichte der Textfassungen bei Boelens, Sy- nopse (Anm. 2) V-X, sowie eine Synopse der verschiedenen Entwürfe ebda. 2–161. 4 Zur kritischen Wertung dieses Vorgangs siehe Lex Ecclesiae Fundamentalis, Textus et Documenta, Skriptum Pont. Universitas Gregoriana, Rom 1975; La Formalizzazzione dei doveri-diritti fondamentali dei fedeli nei progetti di lex ecclesiae fundamentalis fino al codex iuris canonici del 1983. Hrsg. v. La Terra Paolo/Pont. Universitas Lateranense, Rom 1994; des weiteren R. A. Strigl, Marginalien zum Entwurf einer Lex Fundamen- talis ecclesiae. (Salzburger Universitätsreden 43), Salzburg 1971. 8 Das Projekt einer Kirchenverfassung wurde in den ersten Jahren des Pontifikats Johannes Pauls II. stillschweigend beerdigt. Es war nicht das einzige Projekt in der Folge des Konzils, dem damals dieses Schicksal widerfuhr.5 Dies ist umso bemerkenswerter, als Johannes XXIII. seinerzeit bei der programmatischen Skizzierung der Vorhaben seines Pontifikats am 25. Januar 1959 den berühmt gewordenen Begriff aggiornamento ausdrücklich mit der Reform des Kirchenrechts verbunden hatte.6 Seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts leben wir in einem permanenten April, in einer kirchlichen Grosswetterlage, die von leichtem Sonnenschein schlagartig in schwere Gewitter, fallweise mit Hagel, umschlagen kann.7 Vor allem verschiedene Kirchenreformbewegungen haben «in dieser Stunde der Kirche»8 aus guten Gründen nach einer Kirchenverfassung gerufen und dafür auch Vorschläge unterbreitet.9 Das Fehlen eines qualitativen Bekenntnisses zu klar definierten Grundrechten für alle Menschen in der Kirche, das Desiderat einer Gewaltentrennung, der unzulängliche Umgang mit der Genderproblematik und die nach wie vor nicht gelöste Frage von Schieds- und Schlichtungsverfahren machen auf die Dauer und in der heutigen Zeit einen solchen Grundtext des Kirche-Seins unverzichtbar. 5 Als weiteres Beispiel sei verwiesen auf die von Paul VI. 1972 angeregte Einrichtung zusätzlicher kirchlicher Ämter [siehe Motu Proprio Ministeria quaedam vom 15. August 1972: Acta Apostolicae Sedis 64 (1972) 529–534], die von der Schweizerischen Bischofskonferenz durch mehrere Jahre intensiv weiterverfolgt wurde, bis sie am 18. Juli 1979 von der zuständigen Kongregation die Nachricht erhielt, dass aufgrund neuer, vom Bischof von Rom genehmigter Überlegungsprozesse dieser Weg nicht weiterverfolgt werde; do- kumentiert bei W. Kirchschläger, Gott spricht ins heute. Die Aktualität biblischer Gemeindehoffnungen: W. Krieger/B. Fischer (Hrsg.), Gemeinden der Zukunft – Zukunft der Gemeinden, Würzburg 2001, 106–129, hier Anm. 28. Eine Liste weiterer Beispiele restriktiver Massnahmen findet sich bei R. Swidler, II. Vatikanum (Anm. 2) 180–181. 6 Ansprache «Questa festiva ricorrenza» vom 25. Januar 1959. Johannes XXIII. äusserte darin die Hoffnung, die Diözesansynode von Rom und das Konzil mögen «auf glückliche Weise zum herbeigewünschten und erwarteten aggiornamento des Codex Iuris Canonici führen». Text und Kommentar bei G. Alberigo, Zur An- kündigung des Konzils: Ders. (Hrsg.), Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils. I., Mainz 1997, 1–60, hier 1–2 und 17 mit Anm. 2 und 28; Zitat 1. 7 Vielseitige Analysen finden sich bei I. Linden, Global Catholicism. Diversity and Change since Vatican II, New York 2009, bes. 91–282; G. Kruip, Die Kirche in der Krise in der Krise: European Theology Studies 1 (2010) 167–192, bes. 185–188; vgl. auch F. Hengsbach, Gottes Volk im Exil. Anstösse zu einer Kirchenreform, Ober- ursel 2010, bes. 141–180; H. Küng, Ist die Kirche noch zu retten? Zürich 2011, 21–111; F. X. Kaufmann, Kirchenkrise. Wie überlebt das Christentum? Freiburg 2011, 128–174. 8 So die von Kardinal J. Döpfner gerne gebrauchte Charakterisierung des stets neuen Heute in der Kirche. Siehe ausführlicher dazu J. Döpfner, In dieser Stunde der Kirche, München 1967, insbesondere den Ab- schnitt: Reform – ein Wesenselement der Kirche: Ebda. 26-37. 9 Als Beispiele seien genannt: Die Materialsammlung «Wiener Manifest» vom 20. November 2009 oder die «Batschunser Erklärung» vom 20. Juni 2010, beide Dokumente zugänglich in M. Heizer/H. P. Hurka, Mit- bestimmung (Anm. 2) 100–106, bzw. 296–302. Des weiteren siehe den von R. Swidler verantworteten Textentwurf einer «Catholic Constitution», in deutscher Sprache zugänglich in: Wir sind Kirche Nr. 73/März 2012, II–VII. 9 Nun ist es im Weiteren allerdings nicht mein Ziel, diesbezüglich ein Plädoyer zu halten. Da mich mein Leben gelehrt hat, Optimist zu sein und zu bleiben, gehe ich davon aus, dass es ein solches Grundgesetz für die Kirche geben wird – ob in näherer oder ferner Zukunft blei- be dahingestellt. Wer daran Zweifel hegt, möge an die rasanten Veränderungen erinnert sein, welche die Kirche vor gut 50 Jahren in der Kraft des Geistes vor unseren staunenden Augen vollzog – die einen können sich daran erinnern, den anderen sei davon immer wie- der mit Nachdruck erzählt. 0.2 Ein Blick in die Rechtssystematik zeigt: Grundlegenden Rechtstexten wie einer Verfassung oder einem Grundgesetz ist eine Präambel vorangestellt. Darin wird ein auf den Regelungsgegenstand bezogenes Vorverständnis formuliert, das seitens der gesetz- gebenden Autorität für die Handhabung des Rechtstextes vorgegeben ist. Zugleich wird damit ein Grundkonsens signalisiert, der in seinen markanten Punkten dem Rahmen einer Auslegeordnung entspricht. Die Präambel gibt Einblick in das Selbstverständnis der ge- setzgebenden Körperschaft, insbesondere hinsichtlich der Herleitung ihrer Kompetenz, eine Verfassung oder ähnliches zu erlassen. Die diesbezügliche Diskussion anlässlich der Revision der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Vorfeld der Volksabstimmung vom 19. April 1999 kann die Bedeutung einer solchen Präambel in Erinnerung rufen.10 Zugleich ist damit das Erfahrungswissen verbunden, wie intensiv an diesem «Ort» der Gestaltung einer Präambel grundlegende Meinungen auszutauschen sind, damit für das Folgende eine gemeinsame Verstehens- und Anwendungsbasis etab- liert werden kann. 0.3 Mit der schrittweisen Entwicklung eines Entwurfs für eine Präambel zu einer Kirchenverfassung ist ein normativ-normierendes Vorverständnis von Kirche for- muliert und eine grundsätzliche Annäherung an ihre Wirklichkeit, die sodann in Verfassungsbestimmungen darzulegen ist, versucht. Nicht nur aufgrund meines Faches, 10 Siehe Schweizerische Rechtssammlung 101. Die Präambel lautet: «Im Namen Gottes des Allmächtigen! Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung, im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidari- tät und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, geben sich folgende Verfassung:» 10 sondern aus theologischer Notwendigkeit wird dabei auf den biblischen Befund von Kirche und auf jenes Verständnis zurückgegriffen, das in den Schriften des Neuen Testaments bezeugt ist.11 Gemäss der literarischen Eigenart eines solchen Textes muss gelten: Was darin ge- sagt wird, ist keine Formalität. Vielmehr geniesst es unbestrittene Akzeptanz. Es ist die gemeinsame Basis mit gleichsam proklamatorischem Charakter als Ausdruck der Überzeugung und der Grundhaltung, mit der die hinter dem Verfassungstext stehende Gemeinschaft die weitere Ausgestaltung von Grundrechten und Grundpflichten lesen, aufnehmen und umsetzen möchte. Die Präambel definiert – um mit einem Bild meines langjährigen Kollegen Dietrich Wiederkehr zu sprechen – den Notenschlüssel für das dann folgende normative Dokument. 1 AUSGANGSPUNKT: «DIE KIRCHEN GOTTES (IN JUDÄA) IN CHRISTUS JESUS» Verständlicherweise ist in der Präambel von Kirche die Rede. Die Gemeinschaft derer, für welche ein entsprechendes Grundgesetz die Magna Charta ihres gemeinsamen Weges ist, wird an erster Stelle benannt. «Kirche» ist in mehrfacher Hinsicht zu präzisieren. Als Zeile 1 der Präambel wird eine Formulierung vorgeschlagen, die der ältesten Schrift des Neuen Testaments entnommen ist: «Die Kirchen Gottes (in Judäa) in Jesus Christus» (1 Thess 2,14). 1.1 Die ungewöhnlich klingende Formel ist zunächst zu situieren. Im Brief des Paulus an die Kirche von Thessalonich steht sie im Zusammenhang einer Danksagung des Apostels. Paulus ruft zuvor (2,1-12) seine erste Begegnung mit den Menschen von Thessalonich in Erinnerung und verweist in diesem Zusammenhang auf sein selbstloses Engagement in der Verkündigung des Evangeliums, das Gott selbst und diese Kirche bezeugen kön- nen – letztere vor allem darin, dass sie sich der von ihm verkündigten Botschaft geöff- net hat.12 Diese Haltung der Menschen von Thessalonich ist Anlass für seinen Dank an Gott (so 2,13). Denn der Glaube der Angesprochenen hat sich in der Verfolgung bewährt, die auch in Thessalonich seitens judaisierender Kreise gegen die neuen Christinnen und 11 Zur weiteren Begründung siehe W. Kirchschläger, Kirche denken. Neutestamentliche Reflexionen zu einer zukünftigen Kirche: M. Eder (Hrsg.), 20 Jahre Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste. Festschrift, Salzburg 2009, 453–465, hier 453–454. 12 Siehe im einzelnen dazu R. Hoppe, Verkündiger – Botschaft – Gemeinde. Überlegungen zu 1 Thess 2,1– 12.13–16: Ders., Apostel – Gemeinde – Kirche. Beiträge zu Paulus und den Spuren seiner Verkündigung. (Stuttgarter Biblische Aufsatzbände 47), Stuttgart 2010, 26–45, bes. 38–40; S. Kim, (eisodos) and the Thessalonians’ Faith (1 Thessalonians 1–3): Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft 96 (2005) 272–273; U. Poplutz, Athlet des Evangeliums. (Herders Biblische Studien 43), Freiburg 2004, hier 225–234. 11 Christen entfacht wurde. In ihrer festen Haltung aber haben diese es den Glaubenden an anderen Orten – hier konkret in Judäa13 – gleich getan, sie sind also «Nachahmer gewor- den der Kirchen Gottes, die in Judäa sind, in Christus Jesus, da ihr dasselbe gelitten habt» (2,14a). Nach einer Verurteilung der Gegner des Evangeliums (2,14b-16) erneuert Paulus sein Lob für die standhafte Kirche von Thessalonich. Unser Augenmerk bleibt bei der Umschreibung von Kirche, die Paulus hier gebraucht. 1.2 Wird ekklesia/Kirche im Neuen Testament explizit mittels Genetiv verortet, ist die- se Versammlung der Glaubenden – mit einer Ausnahme14 – an Gott rückgebunden.15 Die Bedeutung von tou theou als genetivus auctoris wie possessivus geht ineinander. Die Kirche ist eine Grösse, die sich Gott (und nicht sich selbst) verdankt und daher Gott zuge- ordnet ist. Darin spiegelt sich auch die biblische Überzeugung, dass theo-logisches Denken nicht durch christo-logische Konzentration aufgelöst ist. Allenfalls, wie am Beginn des 1 Thess, kann Paulus theo-christologisch formulieren. Dort spricht er von der «Kirche in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus...» (1 Thess 1,1). Der eine «Gott Abrahams Isaaks und Jakobs» (Ex 3,6 u. ö.) steht als der Gott Jesu Christi daher als subject agens auch hinter der Kirche. Gerade deshalb bietet es sich an, den assoziativen Bezug zur kahal JHWH herzustellen, zur (heiligen) Versammlung Israels vor seinem Gott.16 Darin klingen Spuren von Zusammengerufen-Sein und von Gemeinschaftscharakter von Kirche an.17 1.3 So konsequent wie die Zuordnung der Kirche zu Gott ist ihre weitere Verortung. Sie ist en Christo Iesou – in Christus Jesus. Darin erhält sie ihren Charakter als eine Gemeinschaft von Christinnen und Christen. Kirche ist verwurzelt in der Verkündigung Jesu von Nazaret sowie in der Verkündigung über den Herrn Jesus Christus.18 Ihr Ermöglichungsgrund ist 13 Genaueres dazu bei M. Bockmühl, 1 Thessalonians 2:14–16 and the Church in Jerusalem: Tyndale Bulletin 52 (2001) 1–31. 14 Nur Röm 16,16 ist von den ekklesiai pasai tou Xristou, «allen Kirchen Christi» also, die Rede. 15 Siehe diese theozentrische Zuordnung von Kirche bei Paulus 1 Kor 1,2; 10,32; 11,16.22; 15,9; 2 Kor 1,1; Gal 1,13; 1 Thess 2,14; im NT sonst noch Apg 20,28; 2 Thess 1,4; 1 Tim 3,5.15. 16 Diese Formel prägt z. B. die Darstellung der Heiligen Versammlung des Volkes Israel an seinen Festtagen nach Lev 23, in der LXX mit klete (h)agia wiedergegeben. Vgl. K. L. Schmidt, Art. kaleo – ekklesia: The- ologisches Wörterbuch zum Neuen Testament 3, Stuttgart 1938, 502–539, hier 507–512; grundlegend nach wie vor H. Schlier, Die Wesenszüge der Kirche nach den paulinischen Briefen, Mysterium Salutis 4/1. Hrsg. v. J. Feiner/M. Löhrer, Zürich 1972, 153–157; J. Roloff, Art. ekklesia Volksversammlung, Gemeinde(- versammlung), Kirche: Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament 2, Stuttgart 1980, 998–1011, hier 1000–1002. Siehe dazu das vielfältige Material aus der jüdischen Tradition bei H. Conzelmann, Der erste Brief an die Korinther. (Kritisch-exegetischer Kommentar 5), Göttingen 21981, 39–40 mit Anm. 26–34, auch wenn er selbst bezüglich einer entsprechenden Herleitung skeptisch bleibt. 17 Siehe schon H. Küng, Die Kirche, Freiburg 1967, 99–108; aus exegetischer Sicht dazu P. Trebilco, Why did the Early Christians Call Themselves (h)e ekklesia? New Testament Studies 57 (2011) 440–460, hier 446–447. 18 Siehe dazu z. B. J. Gnilka, Jesus von Nazaret. (Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Supplement III), Freiburg 1990, 87–165; W. Kirchschläger, Kleine Einführung in das Neue Testament, Stutt- gart 2012, 188–200. 12 das Christusgeschehen. Mit seiner Person und Botschaft einerseits und mit dem verkün- digenden Zeugnis über ihn unter Einschluss des Ostergeschehens andererseits steht und fällt Kirche.19 Zurecht kann daher die dreigliedrige Formel Jesous Christos Kyrios als in- haltliche Mitte und als das verbindende Element von Kirche angesehen werden – wie dies Paulus eingangs des 1 Kor zum Ausdruck bringt.20 Im hymnischen Text des Phil lässt der Apostel erkennen, wie sehr diese Trias aus ineinander verschmelzendem Namen und Titel zum Eckpfeiler seiner Christologie geworden ist.21 1.4 Diese Kirche konkretisiert sich an einzelnen Orten, sei es in Versammlungseinheiten eines antiken Hausverbandes oder sodann eines Ortes. Kirche ist im ursprünglichen Verständnis nicht eine umfassende, die antike Welt umspannende Grösse, sondern sie verwirklicht sich in verschiedenen Kirchen vor Ort. Dort entsteht sie, baut sie sich auf, beginnend in der Versammlung von «zwei oder drei» in seinem Namen (vgl. Mt 18,20), um aus dieser kleinen Gemeinschaft zu wachsen. Deswegen konkretisiert Paulus des öfteren mittels einer geographischen Angabe: Seien es die Kirchen in Judäa oder jene Galatiens, die Kirche in Korinth, in Achaia oder eben die Kirche, die sich im Hause einer Christin oder eines Christen versammelt, die also dort ihr Leben entfaltet. Kirche ist durch Menschen determiniert, die an konkreten Orten leben.22 Untereinander sind diese Kirchen durch das Solidaritätsprinzip im Glauben an Jesus Christus verbunden. Es ist kein Zufall, dass Paulus den Begriff «Kirche» im Plural verwendet, und dass diese Kirchen vor Ort oder in den antiken Häusern nicht als Filialen oder Ableger gelten, sondern als das bezeichnet werden, was sie auch in ihrem Leben im Alltag in Liturgie, Diakonie und Glaubenszeugnis wirklich sind: Kirchen Gottes. 19 Siehe P. Hoffmann, Ostern und die Anfänge der Christologie: Ders., Studien zur Frühgeschichte der Jesus- Bewegung. (Stuttgarter Biblische Aufsatzbände 17), Stuttgart 1994, 172–187; E. M. Faber, Kirche – Gottes Weg und die Träume der Menschen, Würzburg 1994, 30–38; W. Kirchschläger, Tod, Auferstehung, Erlösung. Bibelorientierte Anmerkungen zur Soteriologie: H. Häring (Hrsg.), Der Jesus des Papstes. Passion, Tod und Auferstehung im Disput, Berlin 2011, 57–82, hier 62–68. 20 Siehe 1 Kor 1,2. Nach H. Conzelmann, Grundriss der Theologie des Neuen Testaments, München 21967, 101, ist diese Akklamation «das eigentliche Wesensmerkmal des Christseins»; vgl. ders., 1 Kor (Anm. 16) 40. Siehe auch R. Hvalvik, All Those Who in Every Place Call on the Name of Our Lord Jesus Christ: J. Adna (Hrsg.), The Formation oft he Early Church, Tübingen 2005, 123–143, hier 123–133. Zur damit verbundenen grundsätzlichen Frage siehe J. Eckert, Wer ist Jesus von Nazaret im Kontext des Neuen Testaments?: H. G. Wirtz (Hrsg.), Dreieinig Einer. Das Ringen um das christliche Gottesbild: eine bleibende Herausforderung, Mainz 2008, 25–45, sowie R. Hoppe, 1 Cor 8.1–6 as Part of the Controversy between Paul and the Parish in Corinth: Ders., Apostel (Anm. 12) 125–138, bes. 133–135. 21 Klassisch dazu E. Käsemann, Kritische Analyse von Phil. 2,5–11: Ders., Exegetische Versuche und Besin- nungen I, Göttingen 1960, 51–95; ausführlich D. J. MacLeod, The Christological Hymn of Philippians 2:5– 11: Bibliotheca Sacra 158 (2001) 308–330.437–459; des weiteren F. Zeilinger, Zum Lobpreis seiner Herr- lichkeit. Exegetische Erschliessung der Neutestamentlichen Cantica im Stundenbuch, Wien 1988, 66–90. 22 Eine mögliche Assoziation mit der Formulierung «subsistit in» («west an») der Dogmatischen Konstitu- tion über die Kirche Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils, Art. 8, ist durchaus beabsichtigt. 13 Nichts in der Kirchen- oder Theologiegeschichte lässt darauf schliessen, dass sich an diesem Verständnis etwas grundlegend geändert hätte.23 Auch heute gilt, dass Kirche sich von unten nach oben (nicht umgekehrt) konstituiert – auch wenn ihre gegenwärtige Struktur vielfach das Gegenteil anzuzeigen scheint. Was Katholizität der Kirche (im ur- sprünglichen, nicht im konfessionellen Sinn) ausmacht, ist eben diese Vernetztheit über Orte und Gebiete, die vorwiegend im gemeinsamen Glaubensbekenntnis und in der sich daraus ableitenden, sodann allerdings inkulturierten Praxis besteht.24 Anderes ist in der Geschichte hinzugewachsen, aber ursprünglich nicht wesentlich. Im Sinne des Gesagten kann Zeile 1 einer Präambel also lauten: (1) «DIE KIRCHEN GOTTES, DIE IN ….. SIND, IN CHRISTUS JESUS» Die geographische Präzisierung der aus 1 Thess übernommenen Formulierung muss gleichsam als variabler Platzhalter eingestuft werden. Sie ist – je nach Kontext – durch eine oder mehrere entsprechende Einordnungen zu ersetzen und könnte sich demnach z. B. auf die Kirchen in Basel (als Bistumsbezeichnung) oder auf die Kirchen in Luzern (o. ä.) beziehen. Auch dann wäre der Plural nicht zu streichen: Denn Kirche lebt in überschauba- ren Grössen und bildet sodann nach dem Subsidiaritätsprinzip grössere, allenfalls über- geordnete Einheiten. Solche Kirchen – nehmen wir dies also einmal an – geben sich eine Verfassung. Dann wäre zu fragen, ob sie im Lichte der skizzierten Charakterisierung noch anderes vorweg im Konsens festhalten könnten. Denn noch ist offen, wie solche Gemeinschaften von Menschen zu einer Kirche werden – wo immer sich diese auch konkretisiert hat. 23 In den Entwürfen zur Lex Ecclesiae Fundamentalis heisst es unisono von der Weltkirche («Ecclesia Christi universa»): «in Ecclesiis particularibus et ex iisdem exsistit» («sie besteht in den Ortskirchen und aus ihnen»). Die letzten drei Entwürfe (1973, 1976, 1980) fahren fort: «ita ut sit etiam Corpus Ecclesiarum, quae sunt portio Populi Dei, sub Episcopo proprio una cum presbyterio per Evangelium [1976, 1980: et Eucharistiam] congregata, in qua vere inest, operatur et crescit una, sancta, catholica et apostolica Ec- clesia.»(…« sodass ein Corpus der Kirchen gegeben ist. Diese sind ein Teil des Volkes Gottes, unter dem eigenen Bischof und mit dem Presbyterium durch das Evangelium [1976, 1980: und durch die Eucharistief- eier] zusammengeführt. In Wahrheit ist in ihnen enthalten, wirkt und wächst die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.» Lateinischer Text bei O. G. M. Boelens, Synopsis (Anm. 2) 8–9; deutscher Text Arbeitsübersetzung WK. 24 Siehe dazu W. Kirchschläger, Kirche auf kath’olisch. Zu Grundelementen des neutestamentlichen Kirchen- verständnisses: Katholizität – Eine ökumenische Chance. Hrsg. v. W. Müller. (Schriften Ökumenisches In- stitut Luzern 4), Zürich 2006, 11–36, hier bes. 23–29. 14 2 DER WEG IN DIE KIRCHE Kirche verdankt sich einem dialogischen Prozess. Sie entspringt nicht menschlicher Willensentscheidung, da der Mensch zur Errichtung einer Gemeinschaft, die innerweltli- che Grenzen überschreitet, nicht fähig wäre. Ebenso wenig entsteht sie aus dem alleinigen souveränen Handeln Gottes. Denn dieser Gott hat den Menschen als das Du seiner Liebe geschaffen, hat sich in der Menschwerdung Jesu in dieses Menschsein selbst hineingege- ben und in Konsequenz seiner Grundhaltung von Liebe den Menschen zum Ja oder Nein, zu Zustimmung und Ablehnung befähigt. 2.1 «Placuit Deo …» – Gott hat es gefallen: So umschreibt das letzte Grosse Konzil in seinem Dokument über die Offenbarung diese Grundhaltung Gottes, die zu seiner Zuwendung zum Menschen führt. Was sich darin zeigt, ist das «sacramentum voluntatis suae». Folgen wir der offiziellen Übersetzung und übertragen wir diese Wendung als «Geheimnis seines Willens», so entspricht dies zwar durchaus der Wortbedeutung, aber wir haben dann übersehen, dass jed- wede Übersetzung nie voraussetzungslos sein kann und nie losgelöst vom Kontext und vom die Textgenese begleitenden Vorverständnis. Ob dies mit der (in anderem Zusammenhang) neu vorgeschlagenen Differenzierung zwischen «Übersetzung» und «Auslegung» geklärt werden kann,25 sei einmal dahingestellt. Eine Textwiedergabe, die nicht der ursprünglichen Intention des Textes gerecht wird, erscheint wohl grundlegend problematisch. Sprechen nun die Väter einer universalen Kirchenversammlung von «sacramentum», bedienen sie sich eines theologi- schen Fachbegriffs, der auf die Zeichenhaftigkeit göttlichen Handelns in dieser Welt verweist.26 Das aber heisst: Wenn Gott in seiner Zuwendung zum Menschen das «sacramentum voluntatis suae» offenlegt, dann zeigt sich gerade darin, in seinem gesamten Offenbarungshandeln, das Sakrament, also das verbindliche Zeichen seiner Heilsabsicht mit den Menschen. Der Hinweis des Konzils, dass dies «ex abundantia caritatis suae» geschieht, aus seiner überströmenden Liebe also, lässt endgültig die Brücke zum Befund der Schrift schlagen.27 25 Siehe allgemein dazu Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Li- turgiam authenticam vom 28. März 2001. (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 154), Bonn 2001, hier bes. n. 20. Unter Bezugnahme auf die genannte Instruktion genauer nun Benedikt XVI., Schreiben an den Erzbischof von Freiburg und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Dr. Robert Zollitsch, vom 14. April 2012, Absatz 4: «Die wichtige Einsicht, die dieser Instruktion [siehe oben; Anmerkung WK] zugrunde liegt, besteht in der eingangs schon ausgesprochenen Unterscheidung von Übersetzung und Auslegung. Sie ist sowohl dem Wort der Schrift wie den liturgischen Texten gegenüber notwendig»: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/letters/2012/documents/hf_ben-xvi_let_20120414_ zollitsch_ge.htm [eingesehen am 15. Mai 2012]. 26 Siehe II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei verbum, Art. 2. Die beanstandete Übersetzung ist auch in der von P. Hünermann herausgegebenen Studienausgabe beibehalten: Die Dokumente des Zwei- ten Vatikanischen Konzils. (Theologischer Kommentar zum II. Vatikanischen Konzil 1), Freiburg 2004, 364: «das heilige Geheimnis …» Vgl. dazu ebda. VII («So wurde auf eine hohe Konkordanz der Übersetzung der lateinischen Fachausdrücke Wert gelegt»), sodann z. B. 73 zur Konstitution Lumen gentium Art. 1. 27 Die Rückbindung des Denkens von Sakrament an das Zeugnis der Schrift zeigen auf H. J. Klauck, Die Sa- kramente und der historische Jesus: Ders., Gemeinde – Amt – Sakrament, Würzburg 1989, 273–285; W. Müller, Was ist ein Sakrament? Eine exegetisch-systematische Annäherung: R. Scoralick (Hrsg.), Damit sie das Leben haben (Joh 10,10). Fs. W. Kirchschläger, Zürich 2007, 209–220, bes. 211–217; siehe auch ders., Gnade in Welt. Eine symboltheologische Sakramentenskizze, Münster 2002. 15 Für unseren Zusammenhang heisst dies: Auch im Blick auf das Werden von Kirche ist von einer Initiative Gottes auszugehen. Diese ist nicht auf einen bestimmten Augenblick des Offenbarungshandelns Gottes zu fokusieren. Das entscheidende Heilsangebot Gottes liegt im gesamten Christusgeschehen vor, in seiner Menschwerdung also, in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung – wobei die biblischen Verfasserinnen und Verfasser in ihrem Sprechen vom Ostergeschehen die Erhöhung des Auferstandenen und die Sendung seines Geistes mitdenken.28 Schon der biblische Mensch erfährt sich in vielfältiger Weise von diesem ersten «Wort» Gottes angesprochen, im positiven Falle auch persönlich ge- und betroffen. Der Versuch, dies zu benennen, führt zur metaphorischen Umschreibung dieses Vorgangs als «Ruf» Gottes oder als eine persönliche «Berufung». Bezeichnung und Vorgang finden sich be- reits in der Jüdischen Bibel. Im Neuen Testament wird damit die Zuwendung Gottes zu den Menschen konkretisiert. Die Evangelien erzählen Berufungsgeschichten auf die viel- fältigste Weise: Ausgelöst durch Geschwister oder Freunde (vgl. Joh 1,35-51), veranlasst durch das Wort (vgl. Mk 1,16-20 par; Lk 5,1-11) oder das vielfach heilende Handeln Jesu selbst (vgl. Lk 8,2-3; Mk 5,1-20, bes. 5,18-20; Mk 10,46-52 par u. ö.). In der nachösterli- chen Zeit wird im Umfeld der paulinischen Tätigkeit die Bezeichnung kletos («berufen») zu einem Synonym für Christin oder Christ, der Plural steht unmittelbar für die kirchliche Gemeinschaft (vgl. 1 Kor 1,2).29 2.2 Menschen, die dies erfahren und für ihr Leben aufgreifen, versuchen darauf eine Antwort zu formulieren. Dies kann im zustimmenden Fall nur bedeuten, die Vorgabe der Zuwendung Gottes im Christusgeschehen zum Inhalt des eigenen Lebens zu machen – mit anderen Worten: diesem Jesus von Nazaret, der an Ostern als der Christus Gottes begriffen wird, persönlich jene Bedeutung zuzuerkennen, die er im Leben Gottes hat.30 Mit dem neutestamentlichen Befund gesprochen heisst dies: Er ist der kyrios («Herr») in meinem Leben. Damit sind Zuordnung und Vorrang angesprochen, einmal abgesehen von weiteren möglichen theologischen Implikationen.31 28 Dies gilt in unterschiedlicher Weise. Siehe die Gegenüberstellung der markanten Positionen des LkEv und des JohEv bei W. Kirchschläger, Kleine Einführung (Anm. 18) 275–277. 29 Siehe grundlegend dazu weiterhin D. Wiederkehr, Die Theologie der Berufung in den Paulusbriefen. (Studia Fribourgensia 36), Fribourg 1963; des weiteren U. Busse, Nachfolge auf dem Weg Jesu. Ursprung und Ver- hältnis von Nachfolge und Berufung im Neuen Testament: H. Frankemölle/K. Kertelge (Hrsg.), Vom Urchri- stentum zu Jesus. Fs. J. Gnilka, Freiburg 1989, 68–81; W. Kirchschläger, Berufung als Merkmal christlicher Existenz. Ein neutestamentlicher Zugang: Schweizerische Kirchenzeitung 173 (2005) 462–466. 30 Siehe dazu die verschiedenen neutestamentlichen Annäherungen bei J. Guillet, Brannte nicht unser Herz. Jesus begegnen im Glauben seiner Jünger, Frankfurt 1996; ebenfalls H. Küng, Kirche (Anm. 17) 244–253. 31 Siehe dazu J. Gnilka, Die frühen Christen. (Herders Theologischer Kommentar. Supplement VII), Freiburg 1999, 219–274; H. J. Venetz, So fing es mit der Kirche an, Zürich 51992, 41–70; D. Zeller, Die Entstehung des Christentums: Ders. (Hrsg.), Christentum I, Stuttgart 2002, 58-67. 16 Von Menschen, die so sprechen oder handeln, die also in dieser, auf Jesus Christus fo- kusierten Weise ihr Credo formulieren (siehe z. B. Röm 10,9), sagt die Kirche seit ihren frühen Anfängen: Sie sollen getauft werden: – als sichtbares Zeichen ihrer Eingliederung in das Todes- und Lebensschicksal Jesu Christi (vgl. Röm 6,3-23), – als Ausdruck ihrer Christuszugehörigkeit und damit ihrer Begabung mit seinem Geist (vgl. Gal 3,26-29), – und im Blick auf ihr Leben in einer Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen – in der Kirche also, die durch alle, die so sprechen und handeln, vor Ort und darüber hinaus gebildet wird.32 Wollen wir also zum Ausdruck bringen, wie es zu diesen Kirchen kommt, von denen die Rede ist, so kann Zeile 2 der Präambel lauten: (1) «DIE KIRCHEN GOTTES, DIE IN ….. SIND, IN CHRISTUS JESUS, (2) – BERUFEN UND GETAUFT ZU EINEM GEISTGEPRÄGTEN LEBEN IN GOTTESGEMEINSCHAFT» Von meinem ehemaligen Kollegen Kurt Koch habe ich die biblisch fundierte Einsicht über- nommen, dass die höchste Würde der Christin und des Christen in der ihnen gemeinsa- men Taufe besteht.33 Auf eine Differenzierung in zwei Stände können wir also in diesem Zusammenhang verzichten.34 Dass es in diesen Kirchen Dienste gibt, dass diese nach dem Erfordernis der Kirchen am Ort, also inkulturiert zu benennen und nach den zur Verfügung stehenden Charismen mittels verbindlicher Übertragung (biblisch gesprochen also durch Gebet und Handauflegung) zu besetzen sind, kann ausser Streit gestellt wer- den.35 Dass die Beauftragung zu solchen Diensten nach Bedarf und Befähigung erfolgt, 32 Siehe dazu H. Halter, Taufe und Ethos. (Frankfurter Theologische Studien 106), Frankfurt 1977; K. Berger, Theologiegeschichte des Urchristentums. (Universitätstaschenbuch für Wissenschaft), Tübingen 1994, 106-112; A. R. Cross, «One Baptism» (Ephesians 4.5): A Challenge to the Church: St. E. Porter u. a. (Hrsg.), Baptism, the New Testament and the Church. (Journal for the Study of the New Testament. Supplement Series 171), Sheffield 1999, 173–209; des weiteren W. Kirchschläger, Einssein in Christus. Taufe und Her- renmahlfeier als Grundlage für den Zugang zu den Geschlechtern in der frühen Kirche: M. Egger/L. Meier/K. Wissmiller (Hrsg.), Woman in Church, Berlin 2006, 31–52, hier 38–45. 33 Vgl. K. Koch, Lust am Christsein, Fribourg 1992, 226–228. 34 Siehe dazu H. Haag, Worauf es ankommt. Wollte Jesus eine Zwei-Stände-Kirche? Freiburg 1997; ausführ- lich dazu schon H. Küng, Kirche (Anm. 17) 437–457. 35 Vgl. dazu W. Kirchschläger, Pluralität und inkulturierte Kreativität. Biblische Parameter zur Struktur von Kirche: Schweizerische Kirchenzeitung 165 (1997) 778–786. 17 nicht nach Geschlecht und Lebensstand, lässt sich ebenfalls schon in der neutestament- lichen Zeit aufzeigen.36 Vor allem bezüglich des Umgangs der zahlreichen Getauften miteinander ist allerdings noch ein vertiefender Konsens zu suchen. 3 DIE GEMEINSCHAFT DER GETAUFTEN Das letzte Grosse Konzil hat sich in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium zunächst die Aufgabe gestellt, die differenzierte Wirklichkeit von Kirche in all- gemein zugänglichen Bildern zu beschreiben, die sich unmittelbar dem Verstehen der Menschen erschliessen können. Das Konzil folgt damit einer Methode, die schon in den Schriften des Neuen Testaments anzutreffen ist.37 Es orientiert sich an der dort vorgegebe- nen Bilderwelt und Ausdrucksweise. Bereits im ersten Kapitel des genannten Dokuments, überschrieben als Zugang zum «Mysterium der Kirche», wird in Art. 6 eine entsprechende Zusammenstellung von biblischen Bildern und Metaphern geboten. Ausführlich widmet sich das Konzil in den Art. 7-8 sodann der paulinischen Grundvorstellung von Kirche, näm- lich ihrem Verständnis als Leib des Christus.38 3.1 Nach diesen Hinführungen setzt das Konzil im Blick auf das Kirchenverständnis einen ausführlichen und grundlegenden Akzent: Die Artikel 9 bis 17, das ganze Kapitel II. also, handeln von der Kirche als dem Volk Gottes. Schon der Aufbau des Dokuments wie auch der Umfang der diesbezüglichen Darstellung lassen erkennen, welches Gewicht dieser Sichtweise von Kirche zuerkannt wird. 36 Aufgezeigt bei W. Kirchschläger, Ohne Einschränkung durch Geschlecht und Lebensstand. Zur biblischen Grundlegung kirchlicher Dienste: Orientierung 71 (2007) 31–36; vor allem W. Gross (Hrsg.), Frauenordi- nation, München 1996. Zum frühchristlichen Befund siehe bes. U. E. Eisen, Amtsträgerinnen im frühen Christentum. Epigraphische und literarische Studien. (Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte 61), Göttingen 1996. 37 Siehe dazu W. Kirchschläger, Das Zweite Vatikanische Konzil aus der Sicht des Exegeten: Theologisch-prak- tische Quartalschrift 136 (1988) 65–74, hier 67 und 69. 38 Siehe im einzelnen: Lumen gentium, Art. 6: Biblische Leittexte Die Kirche als Schafstall Joh 10,1–10 Die Kirche als Pflanzung, als Acker Gottes, als der Ölbaum, 1 Kor 3,9; Röm 11,13–26; Mt 21,33–43; der Weingarten, der Weinstock Joh 15,1–5 Die Kirche als Gottes Bauwerk, Eckstein, Haus Gottes; als 1 Kor 3,9; 1 Petr 2,7; 1 Tim 3,15; Eph 2,19– Familie Gottes; Zelt Gottes unter den Menschen; heiliger Tempel 22; Offb 21,3; 1 Petr 2,5 Die Kirche als «oberes Jerusalem» Gal 4,26 Die Kirche als makellose Braut des makellosen Lammes Offb 19,7 u.a.; Eph 5,29 Lumen gentium, Art. 7–8: Die Kirche als Leib [Christi] 1 Kor 10; 12 usw. 18 Aus bibelwissenschaftlicher Sicht ist dies mehr als gerechtfertigt. Denn die Wurzeln des Selbstverständnisses der christlichen Bekenntnisgemeinschaft Kirche reichen in die Erinnerung an das Volk Israel zurück, das sich Gott aus Liebe als sein Volk erwählte und in der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens zu seinem Volk des Bundes konstituierte (vgl. Dtn 6,6-7). Deshalb ist dieses Volk heilig, Gott also zugehörig, und in seiner Existenz rück- gebunden an die Treue Gottes. Mehrfach und durch verschiedene Verfasserinnen oder Verfasser wird im Neuen Testament diese Glaubenserinnerung Israels aufgenommen und die entsprechende Analogie auf die eigene Bekenntnisgemeinschaft weitergedacht.39 Das Bild ruft die Dynamik, die Spannung, die Herausforderung und die Krisen des Zugs durch die Wüste, der Landnahme, des Lebens im zugesprochenen Land in Erinnerung. Gerade diese Merkmale bleiben für Kirche bedeutsam: Als Volk Gottes durch die Zeit zu ziehen, auf der Wanderschaft und unterwegs zu bleiben, als eine grosse Weggemeinschaft, mit Ermüdungserscheinungen und Ermutigungserlebnissen, mit Menschen in unterschiedlichem Marschtempo und an verschiedenen Marschpositionen: vorne, hinten, weiter rechts oder links.40 «Dieses messianische Volk hat zum Haupt Christus», sagt das Konzil41 und verbindet damit die Vorstellung vom Volk Gottes mit dem Bild vom Leib Christi in seiner Ausprägung durch die Paulusschule:42 Das Volk ist nicht orientierungs- oder führungslos unterwegs. 3.2 Denn Orientierung an Jesus ist von Anfang an das grundlegende Charakteristikum von Nachfolge. Schon für die ersten Jüngerinnen und Jünger gilt der Imperativ deute opiso mou – auf, hinter mich (Mk 1,17), der zum Eintritt in die Lebensschule Jesu ermutigt. Die Evangelien zeichnen das Bild eines proexistenten Jesus von Nazaret, der weder für sich 39 Siehe dazu vor allem die verschiedenen Ansätze einer soteriologisch orientierten «Exodus-Christologie», insbesondere: Gal 1,4 (vgl. Kol 1,13); 1 Kor 5,7 ; Mk 14,24. Dazu F. Bovon, Une formule prepaulinienne dans l’Epitre aux Galates: A. Benoit/M. Philonenko/C. Vogel (Hrsg.), Paganisme, Judaisme, Christianisme. Fs. M. Simon, Paris 1978, 91–107; G. S. Shogren, Presently earning the Kingdom of God: The Background and Pur- pose of Col 1:12–14: Journal of the Evangelical Theological Society 31 (1988) 173–180; Ch. Schlund, Deu- tungen des Todes Jesu im Rahmen der Pesach Tradition: J. Frey/J. Schröter (Hrsg.), Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament. (Universitätstaschenbuch 2953), Tübingen 2007, 397–411; W. Kirchschläger, Zu Herkunft und Aussage von Gal 1,4: A. Vanhoye (Hrsg.), L’Apotre Paul. (Bibliotheca Ephemerides Theolo- gicae Lovanienses 73), Gembloux 1986, 332–339; ders., Tod (Anm. 19) hier 75-81. 40 Ausgeführt bei J. Roloff, Die Kirche im Neuen Testament. (Das Neue Testament Deutsch. Ergänzungsreihe 10), Göttingen 1993, 119–121; W. Kraus, Das Volk Gottes. (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neu- en Testament 85), Tübingen 1996, bes. 111–196; des weiteren W. Kirchschläger, Kirche – das pilgernde Volk Gottes: J. Ernesti/U. Fistill/M./M. Lintner (Hrsg.), Brixner Theologisches Jahrbuch 2011. Beiheft, Brixen 2011, 29–64, hier 30–43. 41 Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium (Anm. 22), Art. 9. 42 Siehe so Kol 1,18; Eph 1,22–23; 4,12.15; 5,23; dazu H. J. Klauck, Volk Gottes und Leib Christi: G. Koch/J. Pretscher (Hrsg.), Wozu Kirche? Wozu Gemeinde?, Würzburg 1994, 9–39, hier 24–27; M. Walter, Gemeinde als Leib Christi. (Novum Testamentum et Orbis Antiquus 49), Fribourg 2001, hier 165–178; C. Basevi, La missione di Cristo e dei cristiani nella Lettera agli Efesini. Una lettura di Ef 4,1–25: Rivista Biblica Italiana 38 (1990) 27–55. 19 selbst lebt, stirbt und aufersteht, sondern für die Menschen, konkret: für uns. Daher ist der entscheidende Parameter für Nachfolge auch das Liebesgebot in der johanneischen Fassung: kathos egapesa (h)ymas – … wie ich euch geliebt habe… (Joh 13,34). In die- sem Zusammenhang lebt Jesus selbst eine «offene Tischgemeinschaft»,43 er stellt den Menschen vor das Gesetz, er proklamiert die Haltung des Dienstes als Methode der Leitung, und er wendet sich – ungeachtet aller seiner nicht bezweifelbaren Grundsatztreue – je- dem Menschen zu, die oder der seine Hilfe in Anspruch nehmen möchte.44 Diese Haltung entwickelt Jesus von Nazaret nicht aus eigenem, sondern aus seiner Gotteserfahrung, in der er spätestens ab seiner Taufe Gott als seinen Vater erfährt und zumindest aus diesem Grund alles daran setzt, ihn nachzuahmen und in seinem Sinne zu handeln.45 Wenn Kirche als Kirche Gottes unterwegs sein will, so muss sie dies in den Spuren Jesu tun; nur dann ist sie tatsächlich Kirche Gottes. Sie sehen, in diesem Kirche zuordnenden Genetiv beginnen sich die Kreise zu schliessen. 3.3 Die Praxis, die Jesus seiner Nachfolgegemeinschaft vorgibt, könnte herausfordernder also nicht sein. Sie ruft nach uneingeschränkter Solidarität der Christinnen und Christen mit den Menschen, wie immer auch ihre Ausgesetztheit oder Marginalisierung aussehen möge. Mit ihnen ist Kirche unterwegs. Diese Solidarität ist nicht ein karitatives, diakonales Beiwerk, das im Rahmen der Kirche auch noch Platz haben sollte und allenfalls an bestimmte Personen delegiert wird. Die an- gesprochene Solidarität ist eine aus der Jesuspraxis abgeleitete46 und daher unverzicht- bare Grundhaltung der Christinnen und Christen, damit Kirche leben kann. Sie ist eine Vorgabe für Weiteres und daher notwendigerweise in einer Präambel zu positionieren. Wie sonst wäre eine Bezugnahme auf den liebenden Gott möglich (siehe oben 1.2 und 2.1), wenn in den Beziehungen zwischen Menschen nicht konsequent Liebe gelebt wird? Das Zeugnis der Schrift über Jesus von Nazaret zeigt: Wir sprechen nicht von ein wenig Liebe da und dort, sondern von einer Liebe, die, falls notwendig, auch das eigene «Leben hin- 43 Die Wendung stammt von F. Annen, «Sie hielten fest am Brotbrechen» (Apg 2,42): H. Halter (Hrsg.), Sonn- tag – der Kirche liebstes Sorgenkind, Zürich 1982, 102–122, Zitat 115. 44 Grundlegend dazu H. Schürmann, «Pro-Existenz» als christologischer Grundbegriff: Ders., Jesus – Gestalt und Geheimnis. Gesammelte Beiträge. Hrsg. v. K. Scholtissek, Paderborn 1994, 286–315. 45 Grundlegend G. Schelbert, ABBA Vater. Der literarische Befund vom Altaramäischen bis zu den späten Haggada-Werken. (Novum Testamentum et Orbis Antiquus 81), Göttingen 2011, hier besonders 390: «Die Vater-Anrede und die Bezeichnung Gottes vor allem als Vater ist die Eigenart und Besonderheit der Got- tesbeziehung und Gottesverkündigung Jesu ... Bedeutung und Art der Beziehung Jesu zu Gott als Vater offenbart seine ganze Gottesbotschaft ...»; vgl. dazu E. Zingg, Das Reden von Gott als «Vater» im Johan- nesevangelium. (Herders Biblische Studien 48), Freiburg 2006, 303–316. 46 Siehe A. Gisler, euangelisasthai ptochois. Die Armen als Bezugsgrösse der Sendung Jesu und Konse- quenzen für die Nachfolge aus lukanischer Sicht; Luzern [Theologische Masterarbeit] 2010; W. Kirch- schläger, Jesu Heilsverkündigung an die Armen nach Lukas: Schweizerische Kirchenzeitung 179 (2011) 223.224.229–230. 20 stellt für seine Freunde» (Joh 15,13). [Auch hier zeigt ein Blick in den griechischen Text: Bei voraussetzungsloser Übersetzung muss vom Hinstellen des Lebens gesprochen wer- den. «Hingeben» ist mit einem ideologieverdächtigen interpretierenden Vorverständnis behaftet].47 Der Verfasser des MtEv erinnert daran, dass die Zuwendung zu Menschen in Not eine besondere Form der Christusbegegnung darstellt.48 Nach seiner Sichtweise wird die Frage einer solchen Zuwendung über die Zukunft des Menschen entscheiden (vgl. Mt 25,31-46). Das Grosse Konzil hat in seinem Versuch, eine Auslegeordnung für den Umgang der Kirche mit der Welt von heute zu entwerfen, dafür gerade diesen Blickwinkel der Solidarität fest- gehalten.49 So könnte also Zeile 3 in der zu entwerfenden Präambel für die zukünftige Kirchenverfassung wie folgt geschrieben werden: (1) «DIE KIRCHEN GOTTES, DIE IN ….. SIND, IN CHRISTUS JESUS, (2) – BERUFEN UND GETAUFT ZU EINEM GEISTGEPRÄGTEN LEBEN IN GOTTESGEMEINSCHAFT, (3) – ALS VOLK GOTTES UNTERWEGS IN ORIENTIERUNG AN JESUS, [ALSO] SOLIDARISCH MIT DEN MENSCHEN, BESONDERS MIT DEN » 4 IN DER HOFFNUNG AUF LEBEN Die Kirche also als Volk Gottes unterwegs. Aber wohin geht die Reise, so könnten wir fra- gen. Paulus lässt uns in der Argumentation von 1 Kor 15 wissen, dass der Blick über die Grenzen irdischer Existenz hinaus nicht eine Frage des Dass sein kann, sondern lediglich des Wie: «Wenn nun Christus verkündet wird als einer, der von den Toten auferstanden ist, wie sagen einige unter euch: Eine Auferstehung der Toten ist nicht?» (1 Kor 15,14). Mit dieser inversiven Frage ist für Paulus der Schwerpunkt der weiteren Überlegungen ge- setzt. Unter den zahlreichen Bildern, welche die biblischen Verfasserinnen und Verfasser 47 Siehe Joh 15,13: meizona tautes agapen oudeis echei, (h)ina tis ten psychen autou the (h)yper ton philon autou – «Eine grössere Liebe hat keiner als wer sein Leben hinstellt für seine Freunde.» Zum christolo- gisch-.soteriologischen Hintergrund siehe W. Kirchschläger, Tod (Anm. 19) 65–68. 48 H. Kessler, Sucht den Lebenden nicht bei den Toten, Düsseldorf 1985, 389, spricht in diesem Zusammen- hang von einem «Sakrament des Armen». 49 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Art. 1. 21 entwickeln, um diesem Wie eine Kontur zu geben, kann ich nur zwei herausgreifen – die Auswahl erfolgt wegen der eindrücklichen Konkretheit und Beziehungsdichte. 4.1 Jene Person, welche die Offenbarung des Johannes verfasst hat, entwickelt für uns ge- gen Ende dieser Schrift das visionäre Bild einer uneingeschränkten Gottesgemeinschaft, in welche die Menschen in einer «neuen Schöpfung» hineingenommen werden: «1Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde …», und weiter: «2… die heilige Stadt Jerusalem als neue herabsteigen aus dem Himmel von Gott her.» Sie wird gedeutet als «3… das Zelt Gottes mit den Menschen», wo Gott «mit ihnen zelten wird» und wo die Menschen «seine Völkerschaften [des Bundes] sein werden, und Gott selbst wird mit ih- nen sein als ihr Gott» (Offb 21,1-5). Alles Negative ist vergangen, Gott macht alles neu, Gott inmitten der Menschen und mit ihnen: ein Bild des salom, des ausgeglichenen Verhältnisses also, einer überbordenden Gottesgemeinschaft im relationalen Austausch, auf einander bezogen in der Treue des Bundes, von dem die Bibel seit den ersten Kapiteln des Buches Gen (erstmals Gen 9) spricht.50 4.2 Dieses Bild hat seine genuine Verwurzelung in einer frühchristlichen Überzeugung, die Paulus schon gegenüber der Kirche von Philippi ausspricht. Er grenzt die Christinnen und Christen von aller Diesseitsbezogenheit ab – was weder mit Entweltlichung der Kirche51 noch mit Relativierung unserer irdischen Existenz zu verwechseln ist. Aber es macht deut- lich, dass das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Kyrios der eigenen Existenz nicht ver- einbar ist mit einer Lebensperspektive, die sich am Horizont dieser Welt erschöpft. Sich gerade davon und von missbräuchlichen Vergötzungen des Irdischen abgrenzend betont Paulus: «Unsere Heimat aber ist im Himmel. …» (Phil 3,20).52 Auch hier könnte frau oder man anders und treffender übersetzen. politeuma bezeichnet das Bürgerrecht und ver- weist damit auf den Ort und die Gemeinschaft, an dem ich mich zu Hause wissen darf, wo letztendlich für mich und zu meinem Gunsten Sorgerecht und Sorgepflicht besteht. Was immer geschieht: Dort bin ich gut aufgehoben. Mit «Himmel» ist der Ort des Kyrios Jesus Christus angesprochen ist, den wir von dort – so wörtlich – «als Retter erwarten.»53 50 Siehe die gründliche Auseinandersetzung mit dem Text und den Motiven bei M. A. Grimm, Lebensraum in Gottes Stadt. Jerusalem als Symbolsystem der Eschatologie. (Jerusalemer Theologisches Forum 11), Münster 2008, bes. 171–347. 51 Zur Aktualität dieser Formulierung und zu den verschiedenen möglichen Zugängen dazu siehe jetzt J. Erba- cher; Entweltlichung der Kirche? Die Freiburger Rede des Papstes, Freiburg 2012. 52 Siehe dazu F. Berz, Unser Bürgerrecht im Himmel, Kriens 2002, 246–265; W. Kraus, Volk (Anm. 40) 341– 346. 53 Zu den von Paulus in Phil entwickelten soteriologischen Implikationen siehe W. Kirchschläger, Tod (Anm. 19) hier 72–75. 22 Wenn das als Grundüberzeugung unserer Kirche gelten kann, so könnte Zeile 4 des Entwurfs einer Präambel wie folgt lauten: (1) «DIE KIRCHEN GOTTES, DIE IN ….. SIND, IN CHRISTUS JESUS, (2) – BERUFEN UND GETAUFT ZU EINEM GEISTGEPRÄGTEN LEBEN IN GOTTESGEMEINSCHAFT, (3) – ALS VOLK GOTTES UNTERWEGS IN ORIENTIERUNG AN JESUS, [ALSO] SOLIDARISCH MIT DEN MENSCHEN, BESONDERS MIT DEN , (4) – IM BEWUSSTSEIN UNSERES BÜRGERRECHTS IM HIMMEL UND AUSGERICHTET AUF DIE ÜBERFÜLLE DES LEBENS, DIE WIR IM SALOM MIT GOTT UND MIT ALLEN MENSCHEN TEILEN WERDEN,» 5 WIR ALS KIRCHEN Im Nachdenken über Kirche – viele von Ihnen werden das gemerkt haben – haben wir nicht uns einen Gegenstand der Reflexion gegenübergestellt. Streng genommen haben wir von uns selbst gesprochen: von unserer Berufung und unserer Taufe, von unserem Bemühen um Christuskonformität, von unserem Unterwegs-Sein mit den Menschen hin auf das Ziel unseres Lebens. Daher müssen wir nochmals an den Beginn unseres Bemühens zurückkehren und den Zeilen einer Präambel, die ich jetzt mit Ihnen entwerfen konnte, eine identifizierende Relation voranstellen. Denn damit das Gesagte nicht distanzierte Theorie bleibt, zugleich auch der thematisierten Wirklichkeit «Kirche» tatsächlich entsprechen kann, muss es heissen: Wir als Kirchen … 23 Die Präambel, die ich also einer zukünftigen Kirchenverfassung – ich hoffe: mit Ihnen – voranstellen möchte, kann dann schlussendlich lauten: «WIR, DIE KIRCHEN GOTTES, DIE IN ….. SIND, IN CHRISTUS JESUS, – BERUFEN UND GETAUFT ZU EINEM GEISTGEPRÄGTEN LEBEN IN GOTTESGEMEINSCHAFT, – ALS VOLK GOTTES UNTERWEGS IN ORIENTIERUNG AN JESUS, [ALSO] SOLIDARISCH MIT DEN MENSCHEN, BESONDERS MIT DEN ‚ARMEN UND BEDRÄNGTEN ALLER ART‘, – IM BEWUSSTSEIN UNSERES BÜRGERRECHTS IM HIMMEL UND AUSGERICHTET AUF DIE ÜBERFÜLLE DES LEBENS, DIE WIR IM SALOM MIT GOTT UND MIT ALLEN MENSCHEN TEILEN WERDEN, …» An diesem Punkt sollten die Fachleute der Rechtssetzung übernehmen, um den offenen Satz der Präambel in der üblichen formelhaften Weise abzuschliessen: «… leiten aus dem Wissen um unseren Gott und aus seinem offenbarenden Wort die folgenden unverzichtbaren Lebensverpflichtungen und unveräusserbaren Rechte ab:» AUSLEITUNG Damit ist die für heute gestellte Aufgabe erfüllt, und ich komme zum Schluss. Natürlich, es fehlt noch die gesamte Lex Ecclesiae Fundamentalis, die Kirchenverfassung selbst. Sie mögen daraus erkennen, dass die theologische Wissenschaft auch morgen und übermorgen noch etwas zu tun hat und auch deshalb unverzichtbar ist. Auch für eine solche Kirchenverfassung wurden in den Jahrzehnten seit dem Konzil direkt und indirekt viele Vorarbeiten geleistet. Immer wieder waren Menschen an verschiede- nen Orten am Werk, welche die Theologie als prophetische Wissenschaft begreifen – und auch solche, die das schätzen: Als eine Wissenschaft, die nicht nur nachsagt, sondern neu denkt, quer denkt, Utopien entwirft und Hoffnung formuliert, die versucht, immer neu «nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten»54 und auf diese Weise die Kirche und ihre Sprache verheutigt. Zwar kann die gegenwärtige 54 Gaudium et spes (Anm. 49) Art. 4. 24 Kirchenleitung auf oberster Etage dem nicht viel abgewinnen und sieht eine innere Distanz zwischen Geistigkeit, bzw. Spiritualität einerseits und historisch kritischer Wissenschaft andererseits,55 sodass die Theologie auf eine Art kommentierende Relektüre lehramtli- cher Aussagen beschränkt bleibt.56 «Wenn man nichts schreibt oder nur die altgebahnten Wege wandelt» – so Karl Rahner vor mehr als 60 Jahren – «dann hat man es leicht und bequem. Ob man als kirchlicher Theologe dann seine Pflicht getan hat, ist eine andere Frage, auch wenn man dann das Sanctum Officium nicht zu fürchten hat.»57 Es fällt nicht schwer, diese von Rahner aufgeworfene Frage zu beantworten. Ich bin dank- bar dafür, dass ich immer wieder in meinem Leben theologischen Menschen begegnet bin, die das ebenso sahen. Ich verneige mich heute in Respekt und Dankbarkeit vor den Kollegen der ersten Jahre hier in Luzern, vor allem vor jenen, die bereits durch den Tod in die Überfülle des Lebens eingetreten sind. Ich danke meinen bibelwissenschaftlichen Lehrmeistern und den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen der folgenden Jahre bis heu- te, jenen aus Luzern und jenen anderswo, die mich herausgefordert, ermutigt, auch infra- ge gestellt haben. Vor allem danke ich meinem Wiener Bischof Franz König, der mich in den Jahren nach dem Konzil dazu ermutigt hat, auch als getaufter Mensch ohne weitere Zutaten bei der Theologie zu bleiben und diesen Weg akademisch zu vertiefen. Natürlich gilt mein Dank Ihnen allen, meine Damen und Herren, er gilt den staatlichen und den kirchlichen Behörden, vor allem den Erziehungsdirektionen und den jeweiligen Bischöfen von Basel, deren ich je fünf erleben durfte und die mich, jede und jeder auf eige- ne Weise, in meinem jeweiligen Tätigkeits- und Verantwortungsbereich gewähren liessen. Vor allem habe ich den Studierenden durch die vielen Jahre Dank zu sagen und meinen unmittelbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Gefühle der Dankbarkeit meiner lie- ben Frau, meinen Kindern und deren Familien gegenüber werde ich in der kommenden Zeit persönlich zum Ausdruck bringen können. 55 Siehe als Beispiel die Einstufung der historisch-kritischen Exegese als Wissenschaft, die neben sich eine «Einführung in die lebendige Schrift als heutiges Wort Gottes» braucht, damit «diese gegenwärtige Be- gegnung mit der Schrift stattfindet im Glauben der Kirche, aus der dann erst Verkündigung möglich wird.» So Benedikt XVI., Eröffnungsansprache zur Fortsetzung des Ad-limina-Besuchs der Schweizer Bischöfe (7. November 2006): A. Cattaneo (Hrsg.), Gott ins Zentrum stellen. Worte von Papst Benedikt XVI. an die Kirche in der Schweiz, Fribourg 2007, 19–26, bes. 21–23, Zitate 22 und 23. 56 Siehe in diesem Sinne Kongregation für die Glaubenslehre; Instruktion über die kirchliche Berufung des Theologen vom 24. Mai 1990. (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 98), Bonn 1990, bes. n. 6–12.23–31. 57 Brief von Karl Rahner an den Generalassistenten der Gesellschaft Jesu vom 13. Dezember 1951: Archiv SJ/ Rom; abgedruckt in: Karl Rahner Werkausgabe. Band 9, Freiburg 2004, XXX. 25 Dass in meinem Alter die Schatten länger werden, ist ein gerne gebrauchtes Bild. Ich hin- gegen hoffe, dass das Licht zunimmt. Die Vollendung des irdischen Lebens, der wir alle entgegengehen, ist für Menschen, die sich dem christlichen Glauben zugeordnet wissen, letztendlich der Testfall ihres religiösen Denkens, bzw. ihrer Theologie. Darauf hinzuar- beiten, dass dieser Schritt gelingt, ist die entscheidende Aufgabe der Zeit, die vor mir liegt. Mag ja sein, dass als zusätzliche Motivation die Hoffnung hinzukommt, bibelwissen- schaftliche Zusammenhänge dann eindeutiger zu sehen, vielleicht auch in Begegnungen neuer Art zu klären. Paulus hat angedeutet, dass die als Gnadengabe geschenkte Relation von Liebe nach dem Erahnen der Konturen in dieser Weltzeit das uneingeschränkte Schauen dessen ermöglichen wird, der nicht schaubar ist.58 Und jener Tag wird keinen Abend kennen. Mein letztes Wort gilt dieser akademischen Institution. Sie ist in verschiedenem Sinne weitgehend zu einem meiner Lebensinhalte geworden. Der Universität Luzern und insbe- sondere ihrer Theologischen Fakultät gelten alle meine guten Wünsche: Vivat, crescat, floreat Alma Mater Lucernensis. 58 Siehe dazu P. G. Kirchschläger, Die eschatologische Dimension von Liebe. 1 Kor 13 und der «andere Weg»: Bibel und Liturgie 85 (2012) 61–72, hier bes. 64–67. 26 Universitätsreden 1 Walter Kirchschläger Pluralität und inkulturierte Kreativität. Biblische Parameter zur Struktur von Kirche (Rektoratsrede, 7. November 1997) 2 Helmut Hoping Göttliche und menschliche Personen.Die Diskussion um den Menschen als Herausforderung für die Dogmatik (Antrittsvorlesung, 30. Oktober 1997) 3 Rudolf Zihlmann Zur Wiederentdeckung des Leibes. Vom Zen-Buddhismus zu neueren westlichen Erkenntnissen (Gastvorlesung, 12. November 1997) 4 Clemens Thoma Das Einrenken des Ausgerenkten. Beurteilung der jüdisch-christlichen Dialog-Geschichte seit dem Ende des zweiten Weltkrieges (Abschiedsvorlesung, 18. Juni 1998) 5 Walbert Bühlmann Visionen für die Kirche im pluralistischen Jahrtausend (Festvortrag an der Thomas-Akademie, 21. Januar 1999) 6 Charles Kleiber L’Université de Lucerne, quel avenir? (Vortrag Generalversammlung Universitätsverein Luzern, 25. März 1999) 7 Helga Kohler-Spiegel «Wenn ich könnte, gäbe ich jedem Kind einen Leuchtglobus...» (Abschiedsvorlesung, 9. Mai 1999) 8 Rolf Dubs Universitätsstudium – Anforderungen aus der Sicht der Lehr- und Lernforschung (Festvortrag vom Dies Academicus, 10. November 1999) 9 Kaspar Villiger 400 Jahre Höhere Bildung in Luzern – Bildung an der Schwelle des 21. Jahrhunderts (Dokumentation der 400-Jahr-Feier, 5. April 2000) 10 Enno Rudolph Menschen züchten? Nach der Sloterdijk-Debatte: Gabriel Motzkin Humanismus in der Krise Beat Sitter-Liver (Podiumsgespräch, 13. Januar 2000) Uwe Justus Wenzel 27 11 Kurt Seelmann Thomas von Aquin am Schnittpunkt von Recht und Theologie (Festvortrag an der Thomas-Akademie, 20. Januar 2000) 12 Paul Richli Das Luzerner Universitätsgesetz im Fokus der Rechtswissenschaft (Dokumentation, 26. Oktober 2000) 13 Andreas Graeser Nachgedanken zum Begriff der Verantwortung (Festvortrag zum fünfzehnjährigen Bestehen des Philosophischen Seminars, 7. November 2000) 14 Johann Baptist Metz Das Christentum im Pluralismus der Religionen und Kulturen (Festvortrag an der Thomas-Akademie, 25. Januar 2001) 15 Paul Richli Eröffnungsfeier der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (Ansprachen, 22. Oktober 2001) 16 Helen Christen Fallstrick oder Glücksfall? Der deutsch-schweizerische Sprachformengebrauch in Diskussion (Festvortrag zum Dies Academicus, 5. November 2003) Hubertus Halbfas Traditionsabbruch. Zum Paradigmenwechsel im Christentum (Festvortrag zur Thomas-Akademie, 22. Januar 2004) 17 Gabriela Pfyffer von Infektionskrankheiten. Schreck von gestern – Altishofen Angst vor morgen? (Festvortrag zum Dies Academicus, 3. November 2005) Florian Schuller Vom Nach-denken und vom Vor-denken. Oder: Wo sich gangbare Wege zeigen in der Krise christlicher Existenz (Festvortrag zur Thomas-Akademie, 19. Januar 2006) 18 Rudolf Stichweh Die zwei Kulturen? Gegenwärtige Beziehungen von Natur- und Humanwissenschaften (Festvortrag zum Dies Academicus, 9. November 2006) Felix Bommer Hirnforschung und Schuldstrafrecht (Festvortrag zum Dies Academicus, 24. Oktober 2007) 28 19 Rudolf Stichweh Universität nach Bologna. Zur sozialen Form der Massenuniversität (Festvortrag zum Dies Academicus, 29. Oktober 2008) Rudolf Stichweh Universität in der Weltgesellschaft (Festvortrag zum Dies Academicus, 1. Oktober 2009) 20 Paul Richli Die Universität als rechtlicher Raum (Akademische Rede am Dies Academicus, 4. November 2010) 21 Monika Jakobs Wissenschaft und Gender (Akademische Rede am Dies Academicus, 2. November 2011) Dick Marty Zehn Jahre Rechtswissenschaftliche Fakultät Luzern (Festvortrag zur Jubiläumsfeier der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern, 11. November 2011) 22 Harold James Internationale Ordnung nach der Finanzkrise (Gastvortrag auf Einladung des Ökonomischen Seminars und des Historischen Seminars der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, 22. November 2011)

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    Allianzen für humanitäre Aktionen

    vom 8. November 2018. 8 Das Studienerlebnis hat mich denn auch über 30 Jahre im Berufsleben begleitet. [...] erzielen können. Wissenschaftliche Studien verändern nicht automatisch politische Entscheidungspro- zesse [...] Monika Jakobs Wissenschaft und Gender (Akademische Rede am Dies Academicus, 2. November 2011) Dick

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    Uniluaktuell 58

    FOKUS 1 NEUERSCHEINUNGEN 25 FORSCHUNG UND LEHRE 4 PANORAMA 26 TAGUNGEN UND VORTRÄGE 19 Äpfel und Birnen kann man nicht vergleichen? Gemeinhin heisst es, Unterschiedliches sei nicht miteinander vergleichbar. Doch! Aber auf die Kriterien kommt es an. Das gilt auch für die Forschungs­ evaluation, wie eine neue Studie zeigt. SILVIA MARTENS | WOLFGANG SCHATZ Unter Forschenden ist Widerstand gegen die (externe) Evaluation ihrer Forschung weit verbreitet. Vor allem in den Geisteswissenschaften herrscht die Meinung vor, dass das jeweils eigene Forschungsfeld so spezifisch sei, dass es kaum mit der Forschung von Fachkolleginnen und ­kollegen, selbst in der eigenen Disziplin, auf die For­ schungsqualität hin verglichen werden könne. Das stimmt nicht, wie die Ergebnisse aus dem an der Universität Luzern bearbeiteten Forschungsprojekt «Ressourcen­ba­ siertes Instrument zur Abbildung geisteswissenschaft­ licher Forschung am Beispiel der Theologie» (siehe Box Seite 3) zeigen. Qualitätskontrolle in der Wissenschaft Kritik an Praktiken der gegenwärtigen Forschungsevalua­ tion ist dennoch gerechtfertigt. Der Ansatz an sich ist Doch, das kann man! Redensart hin oder her: Was die Evalu­ ation von Forschung anbelangt, lassen sich Äpfel und Birnen im übertragenen Sinn durchaus miteinander vergleichen (siehe «Fokus» nebenan). Dies zeigt eine neue Untersuchung an der Univer­ sität Luzern, die Teil eines nationalen Programms der Rektorenkonferenz «swissuniversities» ist, am Beispiel der Theologie. Hier kann es zur Klärung der Frage, wie einzelne Forschungs­ projekte qualitativ zu beurteilen sind, unter Umständen mehr Sinn machen, diese mit Projekten aus anderen Fach­ richtungen innerhalb der Theologie oder aber sogar mit solchen aus den Geisteswissenschaften zu vergleichen. Ganz wichtig dabei aber, so die Er­ kenntnis: Wer einen Vergleich von «apples and oranges», so das Pendant der Redensart im Englischen, anstrebt, muss sich sehr bewusst sein, welche Kriterien dabei zu Rate gezogen und wie diese gewichtet werden. Über die Titelgeschichte hinaus wartet diese Ausgabe mit einem bunten Strauss an Themen aus der Welt der Wissenschaft an der Universität Lu­ zern auf. So gibt es neue, mit Dritt­ mitteln geförderte Projekte zu Gesund­ heitskompetenz und Personalisierung der Politik (Seiten 4 und 5) und zu Metaphysik und Ontologie (Seite 17). Ergebnisse können aus zwei Studien im Bereich Religionswissenschaft präsentiert werden (Seiten 6 und 7). Uni für alle: Diesem Grundsatz ver­ pflichtet, wurde für Flüchtlinge ein Schnupperstudium lanciert (Seite 11). Bereits zum zehnten Mal am Start ist die Kinderuni (Seite 30). Für die inter­ essierte Öffentlichkeit stehen zudem aktuell zwei Ringvor lesungen auf dem Programm (Seite 17). DAVE SCHLÄPFER REDAKTION AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 uniluAKTUELL © iS to ck .c om /d le ric k 2 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 richtig und ganz im Interesse der Wissenschaft selbst: Forschung auf ihre Qualität hin prüfen und gute Forscherinnen und Forscher fördern. In der heutigen «Evaluationsgesellschaft» (Peter Dahler­Larsen) ist es richtig, dass Forschende über die Verwendung von Forschungsgeldern Rechenschaft ablegen und angehalten sind, mindestens den wissenschaftlichen Nutzen der Forschung darzulegen. Bedenklich ist aber, dass in der Forschungsevaluation ein Fokus auf wenige quantitative Messinstrumente vorherrscht, die in der Praxis oft falsch angewendet werden. Diese Instrumente sind nicht an sich schlecht – wenn sie so eingesetzt werden, wie sie gedacht sind. Sollen sie aber etwas aussagen, über das sie schlicht nichts aussagen können, sprich werden sie von den Anwenderinnen und Anwendern fehlinterpretiert, ergibt sich ein Problem. Der «Journal Impact Factor» zum Beispiel beschreibt den Einfluss einer Fachzeitschrift. Er ist nicht geeig­ net, um die Qualität einzelner Artikel oder derer Autoren zu beur­ teilen, wird von Evaluatoren und den Forschenden selbst aber häufig so gedeutet. Erprobte, gute Instrumente werden also in der Praxis falsch eingesetzt. Zudem bilden die viel verwendeten Indikatoren zum Publikationsoutput und zur Höhe von eingewor­ benen Drittmitteln nicht alle Forschungsprofile gleich gut ab. Interdisziplinarität automatisch gut? Bestimmte Profile werden im Evaluationsprozess in der Regel unbewusst und unhinterfragt privilegiert, die Evaluationsinstru­ mente «verselbstständigen» sich und korrespondieren oft nicht mit dem Evaluationsziel. Dabei sollte doch zunächst einmal das Ziel bestimmt und anhand dieses Ziels nach den passenden Kri­ terien und «Messinstrumenten» gesucht werden. Ein Beispiel: Geht es darum, exzellente interdisziplinäre Forschung zu fördern, so ist es sinnvoll, nach der Interdisziplinarität zu fragen. Inzwi­ schen wird sie jedoch auch dort zu einem Qualitätskriterium er­ hoben, wo es allgemein um «gute Forschung» geht. Doch ist Forschung – egal, zu welchem Thema – tatsächlich per se schlechter, wenn sie nicht interdisziplinär ist? Oder Vernetzung und Internationalität: Hat ein Rechtswissenschaftler, der zum Schweizer Familienrecht forscht, Kooperationspartner in den USA, mag das für ihn bereichernd sein. Internationale Vernetzung ist hier aber kaum als Qualitätskriterium relevant; das Fehlen sol­ cher Kooperationen oder das Publizieren in der Landessprache statt auf Englisch können in diesem Forschungsbereich nicht als Zeichen für geringe Qualität gelten. Kurz: Der Qualitätsvergleich ist dann sinnvoll, wenn die Kriterien sinnvoll sind, also der Vergleichsmassstab Sinn macht. Und der Vergleichsmassstab hängt eben vom Vergleichsgegenstand und der Zielsetzung ab. Theologie und die Geisteswissenschaften Zur im Rahmen der Luzerner Studie genauer betrachteten Theo­ logie: Um der Antwort auf die Frage, wie theologische Forschung beurteilt werden kann, auf die Spur zu kommen, bringt es wenig zu sagen: «Wir vergleichen nur Äpfel mit Äpfeln» – also Theolo­ gen nur mit Theologen oder etwa Bibliker ausschliesslich mit Bi­ blikern usw. Die innertheologische Vielfalt ist gross, einige For­ schungsfragen und Herangehensweisen deuten eher auf die Nähe zu anderen Disziplinen (z.B. Geschichte, Literaturwissen­ schaft, Rechtswissenschaft, Soziologie) hin, als dass sie zum Vergleich mit anderen theologischen Forschungen einladen. Kann man theologische Forschung demnach nicht mit anderer theologischer Forschung vergleichen? Doch. Und sogar ein Ver­ gleich theologischer Forschung mit geisteswissenschaftlicher Forschung verschiedener verwandter Disziplinen kann – je nach Vergleichsziel – sinnvoll sein. FOKUS Aufbauend auf den Ergebnissen der Luzerner Studie wurde eine Software-Anwendung entwickelt. Der Screenshot zeigt beispielhaft die Qualität mehrerer Forschungsprojekte im grafischen Vergleich: In der linken Menüleiste kann ausgewählt werden, welche Projekte dargestellt werden sollen. Es kann ein Projekt «gepinnt» werden (in diesem Fall das im Gesamtranking drittplatzierte). Dieses wird dann in den beiden Liniendiagrammen – oben zu den Hauptkriterien (im Beispiel: «feasibility» = Machbarkeit) und unten zu den jeweils dazugehörigen Unterkriterien (hier: «feasible research objective» = realistisches Forschungsziel») – schwarz und fett angezeigt. 3UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FOKUS Die im Rahmen des Projektes befragten Theologinnen und Theo­ logen anerkennen eine Mehrheit der gesammelten Qualitätskrite­ rien als geeignet zur Beurteilung ihrer Forschung. Ein Teil dieser Kriterien wird aber je nach Fachbereich oder Ausrichtung der For­ schung unterschiedlich gewichtet. Dabei sind die Kriterien, die durch alle theologischen Fachbereiche hinweg als wichtig erach­ tet werden, Kriterien, die auch von einer Mehrheit aller Forschen­ den in den Geisteswissenschaften geteilt werden: etwa die wis­ senschaftliche Relevanz der Fragestellung, die Angemessenheit der Methodologie, die Machbarkeit. Die Schnittmenge mit den Geisteswissenschaften insgesamt ist also gross. Nur wenige der im Projekt zusammengetragenen Kriterien sind spezifisch theo­ logisch (z.B. Relevanz der Forschung für die Kirchenpraxis). Und diese sind auch innerhalb der Theologie nicht in allen Fachberei­ chen und Forschungsfeldern überhaupt bedeutsam. Es ist dabei keine Besonderheit der Theologie, dass sie neben dem Gros der mit anderen Wissenschaften geteilten Kriterien auch einen klei­ nen Teil disziplinenspezifischer Kriterien kennt, die für einige ih­ rer Forschungsbereiche bedeutsam sind. Auch, dass diese Krite­ rien sich vor allem auf ein nichtakademisches «Praxisfeld» beziehen, ist entgegen aller Erwartungen und der Kritik, die von aussen gern an die Theologie gerichtet wird, nichts Besonderes. Wissenschaften wie die Rechtswissenschaft, Wirtschaftswis­ senschaften, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Psy­ chologie und andere teilen dieses Merkmal. Merkmal oder Qualitätskriterium? Vergleiche sind also gut möglich. Doch welche Kriterien in wel­ cher Gewichtung in eine vergleichende Bewertung eingehen soll­ ten, lässt sich nicht pauschal sagen. Im Einzelfall muss gefragt werden: Was wird zu welchem Zweck evaluiert? Welche Kriterien sind dafür geeignet? Inwiefern ist der Vergleichsmassstab geeig­ net für die betroffenen Forschungsbereiche? Im Rahmen des Forschungsprojekts wird vorgeschlagen, beim Vergleich zwi­ schen 1. Qualitätskriterien im engeren Sinne und 2. Merkmalen zur Beschreibung von Forschungsprofilen zu unterscheiden. Je nach Evaluationssituation kann dabei ein und derselbe Aspekt ein Qualitätskriterium oder ein beschreibendes Merkmal sein. Das lässt sich an der genannten «Interdisziplinarität» veran­ schaulichen: Diese ist gemäss der Studie nicht an sich als Quali­ tätskriterium, sondern zunächst einmal wertfrei als eine Infor­ mation über die Ausrichtung der Forschung einzustufen. Ist das Ziel einer Evaluation jedoch, gute interdisziplinäre Forschung zu fördern, wird sie zu einem – in diesem Fall – passenden Ver­ gleichskriterium. Dr. Silvia Martens ist Forschungsmitarbeiterin im Projekt «Ressourcen- basiertes Instrument zur Abbildung geisteswissenschaftlicher Forschung am Beispiel der Theologie». Dr. Wolfgang Schatz, Akademischer Direktor, ist Projektleiter. Die an der Universität Luzern durchgeführte und vom Akademischen Direktor Dr. Wolfgang Schatz geleitete Studie «Ressourcen­ basiertes Instrument zur Abbildung geisteswissenschaftlicher Forschung am Beispiel der Theologie» (Laufzeit: Juni 2013 bis Juni 2017) untersucht, wie die Forschung in der Theologie auf geeignete Weise abgebildet und sichtbar gemacht werden kann. Die erste Phase bestand darin, im Austausch mit den Forschenden in den theologischen Fakultäten der Schweiz ein Kriterienset für die Beurteilung der Qualität theologischer Forschung zu erarbeiten. In einem zweiten Schritt wurde darauf aufbauend in Zusammenarbeit mit der «Fachhochschule Nordwestschweiz – Hochschule für Life Sciences» eine Software zum Vergleich von Forschungsprojekten, Forschenden und Forschungseinrichtungen entwickelt, die zur Beurteilung der Forschungsqualität und zur Visualisierung von Forschungsprofilen dient (siehe Diagramm links). Als weiteres Ergebnis der Studie werden Empfehlungen für die Gestaltung von Evaluationsprozessen und den Umgang mit verschiedenen Kriterien und Instrumenten zur Beurteilung der Qualität der Forschung formuliert und auf der Projektwebseite veröffentlicht: www.unilu.ch/forschungsleistungen-theologie Einbettung in nationalem Programm Das Forschungsprojekt ist Teil des SUK­Programms 2013–2016 P­3 «Performances de la recherche en sciences humaines et sociales» (www.performances­recherche.ch). Unter der Federführung von «swissuniversities», der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, untersuchen im Rahmen des Programms verschiedene Initiativen an Schweizer Universitäten, wie die Forschung in den Geistes­ und Sozialwissenschaften sowohl hinsichtlich ihrer thematischen Breite wie auch ihrer Qualität sichtbarer gemacht und damit auch angemessener evaluiert werden kann. Das Luzerner Projekt wird mit Drittmitteln in der Höhe von rund 400 000 Franken unterstützt. (sm./ws.) DAS FORSCHUNGSPROJEKT Projektleiter Dr. Wolfgang Schatz und Forschungsmitarbeiterin Dr. Silvia Martens. (Bild: Dave Schläpfer) 4 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 Zwei neue «Ambizione»­Projekte Gesundheitskompetenz und Personalisierung der Politik: Zu diesen Themen können Dr. Nicola Diviani und Dr. Diego Garzia dank eines SNF­Förderbeitrags eigene Forschungsprojekte durchführen. Sie haben dafür die Universität Luzern ausgewählt. ALESSIA TREZZINI Ein selbstständig geplantes Projekt an einer Schweizer Hoch­ schule eigener Wahl realisieren, verwalten und leiten: Das ist mit einem Ambizione­Beitrag des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) möglich. Nicola Diviani und Diego Garzia gehören im Bereich der Geistes­ und Sozialwissenschaften zu denjenigen 19 Forschenden, die in der aktuellsten Ausschreibung einen solchen Beitrag zugunsten der Nachwuchsförderung erhalten und die Universität Luzern als Gastinstitution ausgesucht haben. Sie konnten sich in einem Feld von 110 Bewerberinnen und Be­ werbern durchsetzen und führen ihre Projekte am Seminar für Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik und am Politikwissenschaftlichen Seminar durch. Die bewilligte Förder­ summe beträgt insgesamt über 970 000 Franken. Informationen angemessen beurteilen «Soll ich meine Kinder impfen lassen?», «Muss ich weiterhin An­ tibiotika nehmen, auch wenn ich mich besser fühle?», «Wie oft soll ich mich auf Darmkrebs untersuchen lassen?»: Das sind nur einige Beispiele zahlreicher gesundheitsbezogener Fragen, mit denen Menschen täglich konfrontiert sind. Durch das Voran­ schreiten neuer Medien (im Besonderen des Internets) entstan­ den neue Möglichkeiten, Informationen zu Gesundheitsfragen zu beziehen. Vor diesem Hintergrund lässt sich das Projekt «New Insights into the Concept of Critical Health Literacy: Develop­ ment and Validation of a Measure of Health Information Appraisal Skills» (Fördersumme: rund 480 000 Franken) unter der Leitung von Dr. Nicola Diviani verorten. Dieses läuft seit dem vergange­ nen Oktober und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Diviani führt aus: «Der Zugang zu Gesundheitsinformationen ist heute einfacher denn je – allerdings bringt dies auch starke Qua­ litätsunterschiede mit sich. Das hat zur Folge, dass Menschen möglicherweise von falschen Angaben ausgehen und darauf basierend Entscheidungen treffen.» Obwohl die kritische Beur­ teilung von Informationen rund um die Gesundheit eine entschei­ dende Komponente der «health literacy» (Gesundheitskompe­ tenz) darstelle, sei unklar, welche Fähig keiten ge nau erforderlich sind, um diese Aufgabe zu erfüllen, so Dr. Diviani, der zu diesem Thema bereits bis April 2016 als Post­Doc an der Universität Amsterdam forschte. Erarbeitung eines Messinstruments Die Identifizierung dieser Fähigkeiten ist eines von insgesamt drei Zielen des Projekts. Das zweite besteht in der Ausarbeitung des Konzepts der Gesundheitskompetenz. Drittens will Nicola Diviani ein praktisches Instrument zur Messung von Informationsbeurtei­ lung entwickeln. «Es könnte routinemässig eingesetzt werden, um Personen zu identifizieren, die dem Risiko einer Fehlbeurtei­ lung am stärksten ausgesetzt sind. In der Schweizer Bevölkerung ist die Gesundheitskompetenz zu grossen Teilen nach wie vor problematisch», gibt der Tessiner zu bedenken. Diviani hat sich vor allem wegen der inhaltlichen und metho­ dischen Ausrichtung des Seminars für Gesundheitswissenschaf­ ten und Gesundheitspolitik für die Universität Luzern als Gast­ institution entschieden. Dieses verfügt über breite Erfahrung in der Konzeptentwicklung sowie über ein grosses Netzwerk an Kontakten im Gesundheitssektor in der Schweiz und im Ausland. Im Gegenzug kann das Seminar vom spezifischen Fachwissen und von den zahlreichen internationalen und nationalen Kontak­ ten des Gastforschers profitieren. Personen- statt Parteiwahl Dr. Diego Garzia konzentriert sich in seinem Projekt «Personali­ zation of Politics between Television and the Internet» (Förder­ summe: rund 490 000 Franken) auf die Rolle, die Leaderinnen und Leader in der Politik spielen. «Eine gebräuchliche Interpreta­ tion des Wahlverhaltens in modernen Demokratien gründet auf der Ansicht, dass die Wählerinnen und Wähler zunehmend dazu tendieren, für eine einzelne Person und nicht für eine Partei zu stimmen», so Garzia. «Manche Auffassungen gehen sogar noch weiter und behaupten, Wahlresultate seien heute, stärker als je zuvor, durch die Bewertung der Partei­Leader seitens der Stimm­ bürgerinnen und ­bürger bestimmt.» Die weitverbreitete Ansicht, dass populäre politische Leaderinnen und Leader einen wichti­ gen Vorzug für die eigene Partei darstellten, finde in der Literatur nur begrenzt Unterstützung. «Auch entscheidende Aspekte wie die Rolle des Fernsehens als Treiber der Personalisierung im Wahlverhalten und der Bezug zwischen Internet und dem Trend zur Personalisierung wurden wissenschaftlich nur spärlich be­ handelt», sagt Garzia, der im Januar die dreijährige Forschungs­ arbeit aufgenommen hat. Zu seinen Zielsetzungen meint er: «Das Hauptziel dieses Projekts liegt in der empirischen Prüfung, zu welchem Grad politische Lea­ der die Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler beeinflussen sowie im Analysieren der Rolle der Medien in dieser Entwicklung.» Breite Datenbasis Diego Garzia untersucht dazu mehr als 100 bereits vorhandene Datensets von über 20 westlichen Demokratien über eine Zeit­ spanne von 1960 bis heute. Das Projekt nimmt eine Vorreiterrolle ein, wenn es darum geht, die Beziehung zwischen dem Voran­ FORSCHUNG UND LEHRE 5UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 Zwei neue «Ambizione»­Projekte schreiten von neuen Kommunikationstechnologien und mögli­ chen Veränderungen im Wahlverhalten zu erforschen. «Tatsäch­ lich wurde die Rolle des Internets bezüglich des Wahlverhaltens noch nie aus einer vergleichenden Perspektive betrachtet. Ist das Internet imstande, den Personalisierungstrend zu beeinflus­ sen? Falls ja, welche Konsequenzen hat das zur Folge?», fragt Garzia. In Zeiten von zunehmender Wahlinstabilität sei es äus­ serst wichtig, die Faktoren des Wandels dort zu suchen, wo er stattfindet: auf der Ebene der Stimmbürgerinnen und ­bürger selber. «Eine solche Untersuchung dient als Schlüssel zum Ver­ ständnis von demokratischen Wahlen in Zeiten von abnehmen­ der Parteiidentifikation, Unbeständigkeit und der verbreiteten Zunahme von populistischen Kräften.» Der Entscheid, das Projekt am Politikwissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern durchzuführen, war für den Italiener, der vorher am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz forschte, naheliegend: «Bereits in den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, mit Prof. Dr. Joachim Blatter vom Politikwissen­ schaftlichen Seminar zu arbeiten. Dies an der modernen und klei­ nen Universität am Vierwaldstättersee zu tun, genoss ich sehr.» Der Aufenthalt in Luzern erlaube es ihm zudem, die langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Alexander Trechsel, seit dem ver­ gangenen Herbst ordentlicher Professor für Politikwissenschaft (siehe Seite 14), aufrechtzuerhalten. «Nicht zuletzt möchte ich erwähnen, dass ich grosse Teile meiner akademischen Karriere in schönen Städten wie Rom, Leiden, Oxford und Florenz ver­ bracht habe – Luzern ist da keine Ausnahme!» Alessia Trezzini ist Praktikantin bei der Öffentlichkeitsarbeit. Nicola Diviani (l.) und Diego Garzia. FORSCHUNG UND LEHRE Vor «New Insights into the Concept of Critical Health Literacy» und «Personalization of Politics between Tele­ vision and the Internet» wurden drei Projekte im Rah­ men des SNF­Förderprogramms Ambizione an der Uni­ versität Luzern realisiert. Eines davon befindet sich noch in der Durchführung: «Racist Voters and Minority Candidates. A Conceptual Puzzle and an Empirical Chal­ lenge with a Focus on the Swiss Case» von Dr. Nenad Stojanovic startete 2015 und läuft bis 2018. Er und seine Assistentin Lea Portmann forschen zur Frage, ob Kandidatinnen und Kandidaten mit Migrationshinter­ grund am Einzug ins Parlament scheitern, weil sie einer systematischen Diskriminierung durch die Wählenden ausgesetzt sind. In einer Pilotstudie zu den Zürcher Gemeinderatswahlen fand das Team tatsächlich Hin­ weise auf diskriminierendes Wahlverhalten: Wählerin­ nen und Wähler strichen Nachnamen wie «­íc» und «­gül» im Vergleich zu «Müller» oder «Maillard» öfters und auch systematisch von den Wahllisten. Inwiefern sich das Ergebnis auf weitere Wahlen verallgemeinern lässt und ob es Unterschiede zwischen Kantonen oder Gemeinden gibt, soll die Analyse der Nationalratswahlen 2015 zeigen. Vor Stojanovic hatten Dr. Leon Wansleben (2014–2015, Soziologie) und PD Dr. Michael Jucker (2010–2012, Geschichte) Ambizione­Projekte an der Universität Luzern durchgeführt. (at.) WEITERE FORSCHUNG AM LAUFEN 6 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017FORSCHUNG UND LEHRE Karte bildet Religionsvielfalt ab Im Kanton Luzern gibt es über 200 religiöse Gruppen und Gemeinschaften: Diese und weitere Erkenntnisse liefert das kürzlich abgeschlossene Projekt «Religionsvielfalt im Kanton Luzern» des Religionswissenschaftlichen Seminars. ANNE BEUTTER Insbesondere in der Agglomeration um Luzern sind viele der is­ lamischen, buddhistischen und hinduistischen Gemeinschaften sowie christlichen Freikirchen beheimatet. Das Spektrum nicht­ christlicher Religionen ist breit und besonders dicht: Auf knapp sechs Prozent der Bevölkerung entfällt fast ein Drittel der Ge­ meinschaften. Die Forschenden des Religionswissenschaft­ lichen Seminars um Leiter Prof. Dr. Martin Baumann ermittelten acht islamische, zwölf buddhistische, je zwei hinduistische und jüdische sowie vier weitere Gruppen und Gemeinschaften. Das Land ist hauptsächlich römisch­katholisch oder reformiert. Die zweitgrösste Gruppe nach den Christinnen und Christen bilden die Menschen ohne Religionszugehörigkeit. Verschiedene Gemeinschaften, gleicher Raum Erstmals lassen sich Daten zur Religionszugehörigkeit mit der Anzahl von Gemeinschaften der jeweiligen Religion vergleichen. Sie sind keineswegs deckungsgleich: Während z.B. nur 0,4 Pro­ zent der Bevölkerung Buddhistinnen und Buddhisten sind, stellen sie mehr Gruppen und Häuser als die vier Prozent Musliminnen und Muslime. Die Erhebung zeigt auch, dass unterschiedliche Ge­ meinschaften die gleichen Räume nutzen. Von katholischen oder reformierten Kirchen ist schon länger bekannt, dass sie ihre Räume Migrantenkirchen zur Verfügung stellen. Die Studie stellt fest, dass dies auch für christliche Freikirchen, deren Räumlich­ keiten von Kirchen mit Wurzeln in Ländern von Sri Lanka bis Eri­ trea genutzt werden, gilt. Ebenso verkehren tibetisch­ bis japa­ nisch­buddhistische Gruppen im selben buddhistischen Zentrum. Ein Diagramm der Gründung aller Gemeinschaften von 1860 bis heute macht sichtbar, dass schon in den 1920er­ Jahren ein gewisser Gründungsboom statt­ fand. In der näheren Vergangenheit markierten die 1970er­ und 1990er­ Jahre die Spitze der Neugründungen. Bis in die 1980er­Jahre bedeuteten die Neugründungen fast ausschliess­ lich christliche Diversifizierung. Danach kam es aufgrund von Mi gration vermehrt auch zur Gründung buddhistischer, isla­ mischer und hinduistischer Gemein­ schaften. Website und Leporello zum Thema Die Website www.unilu.ch/rel-LU und der Leporello «Religiös, bunt und vielfältig – Kanton Luzern» veranschaulichen mit Bildern der Gemeinschaften und ihren oft nach aussen kaum er­ kennbaren Orten die unterschiedlichen religiösen Lebenswelten, die in Luzern heimisch geworden sind. Neu hält eine detaillierte Karte die Orte der mehr als 200 religiösen Gruppen, Gemeinden, Kirchen und Zentren punktgenau fest. Das Angebot richtet sich an alle am Thema Religion Interessierten und eignet sich für Schule und Weiterbildung sowie für Menschen, welche die Stadt auf ungewohnten Wegen erkunden wollen. Der Leporello ist für zwei Franken beim Religionswissenschaftlichen Seminar erhält­ lich (relsem@unilu.ch), Klassensätze für Schulen gibt es zu einem reduzierten Preis. Das Projekt «Religionsvielfalt im Kanton Luzern» besteht seit 2004 und bindet stets Studierende ein, wie zuletzt Daniel Spiesecke, Ursula Hüsler, Terence Grob und Jaroslav Kostenko. Die Erhebung ist zum vierten Mal aktualisiert und grundlegend überarbeitet worden. Anne Beutter ist wissenschaftliche Assistentin am Religionswissenschaft lichen Seminar. 7UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FORSCHUNG UND LEHRE Kritisch gegenüber Imamen, offen zur Gesellschaft Junge Musliminnen und Muslime in der Schweiz gehen mit den Aussagen religiöser Autoritäten deutlich distanzierter und selbstbestimmter um als bisher angenommen. Dies ergab eine zweijährige religionswissenschaftliche Untersuchung. ANDREAS TUNGER­ZANETTI Ausgangspunkt des Forschungsprojekts «Imame, Rapper, Cyber­ muftis» war die Frage, an welchen Autoritäten und Angeboten sich muslimische Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren in religiösen Dingen orientieren und wie sie da­ mit umgehen. Dazu führte das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft, aus­ führliche Interviews mit 61 jungen Frauen und Männern durch, deren religiöses Profil von «nicht praktizierend» bis hin zu «um­ fassend praktizierend» reicht. Die Studie «‹Hallo, es geht um meine Religion!›» (verfügbar unter www.unilu.ch/imracy) analy­ siert das reichhaltige Material mit vielen Zitaten in drei Haupt­ kapiteln über die Hinwendung zur Religion, Autoritäten und das Verhältnis der jungen Musliminnen und Muslime zur Gesellschaft. Persönlicher Kontakt hoch geschätzt Das Interesse an religiösen Fragen zeigte sich bei einem Teil der Interviewpartnerinnen und ­partner als plötzliche Hinwendung, bei anderen als eher gleichmässiger Prozess, in dem sich dennoch Phasen aktiver Suche mit Zeiten relativer Distanz abwechseln. Während sie das eine Mal konkrete Auskunft auf bestimmte, klar umrissene Fragen suchen, ist es das andere Mal eher das Bedürfnis nach Beratung oder nach emotionaler Ermuti­ gung. Doch noch aus anderen Gründen nutzen die Jugendlichen die verschiedensten Angebote und Medien nebeneinander: Sie vergleichen oft unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Inhalte, um das für sie Passende zu finden. Insgesamt spielen Erklärungen und Meinungen von Eltern, Freundinnen und Freun­ den sowie Vertrauenspersonen in Moscheegemeinden eine bisher unbeachtete wichtige Rolle. Entsprechend geringer als oft an­ genommen ist der Einfluss der Imame in den Moscheen oder von teils umstrittenen Internet­Predigern. Der persönliche Kontakt ist den jungen Muslimen wichtig, gegenüber Angeboten im Internet hegen viele eine gehörige Skepsis. Im Verlauf ihrer Suche ent­ wickeln sie überdies zunehmend genauere Kriterien dafür, welche Angebote zu ihnen passen und wo sie diese am ehesten finden. Von privatisierter bis zu politisierter Religion Bei ihren Entscheidungen ziehen die Jugendlichen ihre Lebens­ umstände in der Schweiz stets in Betracht. Dazu gehört nicht zuletzt der raue gesellschaftspolitische Diskurs zum Thema Islam, der viele von ihnen erst zum vertieften Fragen nach ihrer Religion gebracht hat. Sie reagieren mit unterschiedlichen Strate­ gien. Manche beschränken alles Religiöse strikt auf den privaten Bereich, andere suchen beispielsweise am Arbeitsplatz prag­ matische Lösungen von Fall zu Fall, wieder andere fordern die Möglichkeit zum Ausüben ihrer Praxis aktiv und öffentlich ein. Ihre Zukunft sehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fast ausnahmslos in der Schweiz, auch wenn sie ihr persönliches Verhältnis zur Schweiz wie zum Herkunftsland ihrer Eltern und Grosseltern durchaus verschieden empfinden und auch unter­ schiedliche Vorstellungen vom Schweizer Islam der Zukunft ha­ ben. Dabei zeigte sich auch: Organisationen wie der Islamische Zentralrat Schweiz oder das Forum für einen Fortschrittlichen Islam, die öffentlich immer wieder kontrovers diskutiert werden, spielen für die allermeisten jungen Musliminnen und Muslime in der Schweiz keine oder eine kleine Rolle. Die Befunde des Forschungsprojekts widerlegen zwar etliche der öffentlich kursierenden Annahmen über junge Musliminnen und Muslime, fügen sich aber nahtlos ins Bild, das die jüngere Forschung von Angehörigen anderer, weniger kontroverser Migra­ tionsreligionen in Westeuropa gewonnen hat. Auch dort finden sich die hier gezeigten Trends, die Religion der Eltern individuel­ ler, kritischer und eigenständig zu interpretieren. Gefördert wurde das Forschungsprojekt mit 412 000 Franken von der Stiftung Mercator Schweiz. Die Feldforschung führten Dr. Jürgen Endres, Dr. Silvia Martens und Dr. Andreas Tunger­Za­ netti durch. In den kommenden Monaten bietet das Luzerner Team Weiterbildungen für Fachleute in den Bereichen Schule, Jugend­, Sozial­ und Integrationsarbeit an, wo die Forschungs­ ergebnisse präsentiert und im Blick auf die Praxis vertieft disku­ tiert werden. Zudem ist eine Buchpublikation geplant. Dr. Andreas Tunger-Zanetti ist Koordinator des Zentrums für Religionsforschung. Ein Mitglied der muslimischen Jugendgruppe FRislam schenkt einer Passantin vor dem Bahnhof Fribourg eine Rose; dies im Rahmen der Aktion «Blumen zum Ramadan» im Juni 2016. (Bild: FRislam) 8 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017FORSCHUNG UND LEHRE «Führung wird ein zentrales Thema bleiben» An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gibt es neu ein Zentrum für Human Resource Management. Wichtige Ziele sind die Vernetzung mit ausländischen Universitäten und die Verankerung in der Zentralschweiz. INTERVIEW: KARIN KREILIGER Das Zentrum für Human Resource Management wurde im vergangenen Herbstsemester an der Wirtschaftswissenschaft­ lichen Fakultät gegründet. Das Zentrum baut auf langjährigen Erfahrungen, Netzwerken und Projekten von Prof. Dr. Bruno Staf­ felbach und seinem Team an der Universität Zürich auf. Im Interview geben Zentrumsleiter Staffelbach und Geschäfts­ führerin Dr. Anna Sender unter anderem Einblick in die Forschung und benennen künftige Herausforderungen. Bruno Staffelbach, Human Resource Management – was muss man sich darunter vorstellen? Bruno Staffelbach: Wir verstehen Human Resource Management (HRM) nicht als das, was die Personalabteilung tut. Vielmehr be­ zeichnet HRM alle Personen, Institutionen und Prozesse, die sich mit der Motivation und Qualifikation der Mitarbeitenden und Füh­ rungspersonen beschäftigen. Qualifizierte und motivierte Men­ schen im Betrieb tragen entscheidend zum Unternehmenserfolg bei. Kenntnisse zum HRM bilden somit wichtige Grundlagen für wirtschaftliche Entscheidungsträgerinnen und ­träger. Anna Sender, welche Aufgaben hat das Zentrum? Anna Sender: Das Zentrum ist in der Lehre und Forschung tätig. Zusätzlich sorgen wir für eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis, indem wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse näher an die Praxis bringen und die heutigen Herausforderungen von Unternehmen in unsere Forschung und Lehre integrieren. Dabei spielt die Vernetzung mit ausländischen Universitäten und die Verankerung in der Zentralschweiz eine zentrale Rolle. In diesem Frühjahrsemester wird die Vorlesung «HRM Basics» und im kom­ menden Herbstsemester die Veranstaltung «HRM Principles» angeboten. In «HRM Basics» erwerben Studierende Basiswissen im Bereich HRM aus psychologischer und ökonomischer Perspek­ Geschäftsführerin Dr. Anna Sender und Zentrumsleiter Prof. Dr. Bruno Staffelbach. (Bild: Dave Schläpfer) 9UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FORSCHUNG UND LEHRE tive. Im Bereich der Forschung haben wir verschiedene Projekte, die oft durch Drittmittel finanziert sind und in Zusammenarbeit mit externen Praxispartnerinnen und ­partnern durchgeführt werden. In diesem April führt das European Institute for Advan­ ced Studies in Management bei uns eine Konferenz durch, und 2018 kommt die European Association for Personnel Ma­ nagement, der Dachverband aller Personalfachgesellschaften in Europa, zu uns nach Luzern. Können Sie einige Beispiele im Bereich Forschung nennen? Anna Sender: Das Zentrum betreibt verschiedene Forschungs­ infrastrukturen, wie etwa die CRANET­Studien (CRANET = Cran­ Ich arbeite seit Oktober als wissenschaftliche Assisten­ tin mit dem Ziel einer Promo­ tion am Zentrum für Human Resource Management. Ich freue mich auf die neue He­ rausforderung und die span­ nenden Möglichkeiten, die das Feld des Human Resource Management (HRM) bie­ tet. Mich haben der Mensch und sein Denken und Fühlen schon immer interessiert, und aus diesem Grund habe ich mich für ein Psychologie studium entschieden. Nach Abschluss meines Studiums an der Universität Bern war ich während eineinhalb Jahren im Bereich der Gesund­ heitsförderung und Prävention tätig. Mich interessiert die Frage, was den Menschen bei der Arbeit gesund hält und welche inneren und äusseren Faktoren ihn vor phy­ sischer und psychischer Krankheit schützen. Auf das Gebiet des HRM angewandt heisst dies beispielsweise, welche Arbeitsbedingungen oder Führungsstile förderlich sind für das Wohlbefinden einer Person oder wie sich unterschiedliche Kontroll überzeugungen auf das indivi­ duelle Erleben auswirken. Am Zentrum für HRM kann ich ganz viele meiner Interessen einbringen. Ein erstes For­ schungsprojekt, in dem ich involviert bin, befasst sich mit Leadership im Gesundheitsbereich und untersucht Auswirkungen auf Team­ und individueller Ebene. Karin Kreiliger, Wissenschaftliche Assistentin DER NACHWUCHS SPRICHT … field Network on International HRM) oder den «Schweizer HR­ Barometer», ein Kooperationsprojekt mit der ETH und Universität Zürich. Damit lassen sich Trends in den Einstellun­ gen von Beschäftigten in der Schweiz («HR­Barometer»; 2016 zum Thema «Loyalität und Zynismus») oder Praktiken zum HRM von Unternehmen in der Schweiz (CRANET) erfassen. Dazu ha­ ben wir drittmittelfinanzierte Projekte, z.B. ein vom Schweizeri­ schen Nationalfonds (SNF) unterstütztes Projekt zur Temporär­ arbeit in der Schweiz oder ein von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) finanziertes Projekt. Ziel von Letzterem ist die Entwicklung eines Rahmenkonzepts für Talent­ management für Schweizer Unternehmen der Maschinen­, Elek­ tro­ und Metall industrie in China. Dieses auf 22 Monate an­ gelegte Projekt ist im Januar gestartet. Zum Schluss noch ein Blick nach vorn: Welche Themen innerhalb des HRM werden uns künftig beschäftigen? Anna Sender: Ich bin überzeugt, dass Führung weiterhin ein zen­ trales Thema in Wissenschaft und Praxis bleibt. In den HR­Funk­ tionen wird die Führungslinie vermehrt involviert und zunehmend über Entwicklungsmassnahmen, Honorierung oder Rekrutierung entscheiden. Somit werden die Vorgesetzten immer öfter zu Hauptbotschafterinnen und ­botschaftern des HRM im Unterneh­ men. Unsere Forschung zeigt, dass mit diesem Trend gewisse Risiken verbunden sein können. Beispielsweise wirkt sich Arbeitsplatzunsicherheit weniger negativ auf die Mitarbeitenden aus, wenn wichtige HR­Entscheidungen von der HR­Abteilung und nicht vom direkten Vorgesetzten getroffen werden. Zudem sind Unternehmen weiterhin mit dem Wettbewerb um Talente kon­ frontiert. Mit den neuen Generationen, welche die Arbeitswelt betreten, werden neue, innovative Ansätze zur Mitarbeiter­ bindung gefragt sein. Bruno Staffelbach: Die Arbeit geht uns nicht aus! Globalisierung und Migration verändern das Arbeitsangebot, die Digitalisierung beeinflusst Arbeits­, Organisations­ und Führungsstrukturen und ­beziehungen. Für den Unternehmenserfolg sind Zeit, Quali­ tät und Innovation bestimmend, Beschäftigtengruppen differen­ zieren sich weiter aus – und dazu kommen die «Klassiker» wie «training­on­demand», also Aus­ und Weiterbildung, Kaderlöhne und die Organisation von Arbeit. Dies alles im Kontext wachsen­ der Ansprüche an Transparenz, Professionalität und Verantwor­ tung. Mehr Informationen: www.unilu.ch/hrm 10 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017FORSCHUNG UND LEHRE Martina Caroni wird Prorektorin Lehre und Internationales Der Universitätsrat hat Prof. Dr. Martina Caroni zur Prorektorin Lehre und Internationale Beziehungen der Universität Luzern gewählt. Sie tritt ihr Amt am 1. März an. Auf diesen Zeitpunkt hin wird die Leitung der Universität neu organisiert. Martina Caroni, geboren 1969, ist seit April 2002 an der Universi­ tät Luzern tätig, zunächst als Assistenzprofessorin und seit Oktober 2006 als ordentliche Professorin für öffentliches Recht und Völkerrecht. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Be­ reichen internationaler Menschenrechtsschutz, Grundrechte, politische Rechte, Migrationsrecht und humanitäres Völkerrecht. Prof. Dr. Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte und bisher Prorektor Lehre und Internationale Beziehungen, übernimmt das neu geschaffene Prorektorat Universitätsentwicklung. Er bleibt zudem stellvertretender Rektor. Prof. Dr. Martin Baumann, Pro­ fessor für Religionswissenschaft, ist weiterhin Prorektor For­ schung. Auf den 1. März hin wird ein neuer Bereich Dienste geschaffen. Dieser umfasst die Prorektorate, das neue Generalsekretariat und die Verwaltungsdirektion. Generalsekretär wird Dr. Wolfgang Schatz, bisher Akademischer Direktor. Mit der Optimierung der Leitungsorganisation wird die Rolle der Prorektorinnen und Prorektoren gestärkt und die Organisation vereinfacht. Gleichzeitig wird die Führung der Universität breiter abgestützt. In der Universitätsleitung sind künftig der Rektor Prof. Dr. Bruno Staffelbach, die Prorektorin und Prorektoren, der Generalsekretär sowie die Verwaltungsdirektorin Dr. Esther Mül­ ler vertreten. Die erweiterte Universitätsleitung umfasst zudem die Dekane der vier Fakultäten. (red.) Prof. Dr. Martina Caroni. Campus Lugano Mendrisio Master your future. Master Info Day 10 March 2017 Programme and registration: masterinfoday.usi.ch Università della Svizzera italiana unilu-aktuell-master-infoday-225x150-6.indd 1 13.01.2017 14:42:24 11UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FORSCHUNG UND LEHRE Schnupperstudium für Flüchtlinge Ab diesem Frühjahrssemester können im Kanton wohnende Flüchtlinge an der Universität Luzern für die Dauer eines Semesters kostenlos ausgewählte Lehrveranstaltungen besuchen. Studierende beteiligen sich als Mentorinnen und Mentoren an dem Programm. Ziel des Angebotes ist es, Flüchtlingen mit einem hohen Inter­ esse an einem Studium den Einblick ins Schweizer Hochschul­ system zu ermöglichen, deren Spracherwerb zu fördern und ih­ nen Kontakte mit Personen mit akademischem Hintergrund zu ermöglichen. Das Angebot gilt für Lehrveranstaltungen, die offen sind für Hörerinnen und Hörer. Es können maximal vier Veranstaltungen pro Woche besucht werden. Das Programm steht bis zu zehn Per­ sonen offen. Hörerinnen und Hörer besuchen ausgewählte Lehr­ veranstaltungen, ohne Prüfungen abzulegen und ohne Credit Points zu erhalten. Im Rahmen des Schnupperstudiums betreuen Mentorinnen und Mentoren aus der Studentenschaft die Teilnehmenden. Diese werden durch die Studierendenorganisation der Universität Lu­ zern (SOL) gesucht und ausgewählt. Die Teilnehmenden können zudem die Informations­ und Beratungsangebote der Universität nutzen. Am Ende des Semesters erhalten die Flüchtlinge eine Teilnahmebestätigung. Ein Studienabschluss kann nicht erwor­ ben werden. Das Schnupperstudium steht Flüchtlingen offen, die in der Sprache der Lehrveranstaltung Kenntnisse auf dem Level B2 nachweisen können. Weiter müssen sie über eine Aufenthalts­ genehmigung B oder F verfügen und im Kanton Luzern wohnen. In das Programm aufgenommen werden können Personen, die vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SHA) Zentralschweiz betreut werden. Das SAH Zentralschweiz entscheidet, welche Flüchtlinge am Schnupperstudium teilnehmen können. Projekte mit Studierenden und Flüchtlingen führt auch die Hoch­ schulseelsorge «horizonte» durch. So erteilen Studierende seit dem Frühjahrssemester 2016 Flüchtlingen Deutschunterricht. Ferner ermöglicht «horizonte» Begegnungen von Studierenden mit Geflüchteten. (red.) Mehr Informationen: www.unilu.ch/schnupperstudium (Die Anmeldefrist für das Schnupperstudium im Frühjahrssemester ist abgelaufen.) Das Angebot richtet sich an Flüchtlinge, welche im Kanton Luzern wohnen. (Bild: Frank Nader, Zürich / SAH Zentralschweiz) Campus Lugano Mendrisio Master your future. Master Info Day 10 March 2017 Programme and registration: masterinfoday.usi.ch Università della Svizzera italiana unilu-aktuell-master-infoday-225x150-6.indd 1 13.01.2017 14:42:24 Berufung von Prof. Dr. Vagias Karavas Prof. Dr. Vagias Karavas, geboren 1975, ist auf den 1. Februar zum ordentlichen Professor für Rechtssoziologie, Rechtstheorie und Privatrecht berufen worden. Vagias Karavas studierte in Athen Rechtswissenschaft. Im Jahr 2006 promovierte er an der Johann Wolfgang Goethe­Universität in Frankfurt a. M. Von 2005 bis 2007 war er als Oberassistent für Handels­ und Wirtschafts­ recht an der Universität Freiburg i. Ue. tätig. Ab August 2008 war Vagias Karavas Assistenzprofessor für Rechtssoziologie in Ver­ bindung mit weiteren Grundlagenfächern (tenure track) an der Universität Luzern, wo er zwischen 2008 und 2012 als Direktor von lucernaiuris (Institut für Juristische Grundlagen) amtete. Seit Oktober 2012 ist Vagias Karavas Co­Geschäftsführender Di­ rektor des Instituts. Im Januar 2016 wurde er zum Präsidenten des Geschäftsleitenden Ausschusses des Kulturwissenschaftli­ chen Instituts (Kultur­ und Sozialwissenschaftliche Fakultät) gewählt. (red.) Mehr Informationen: www.unilu.ch/vagias-karavasProf. Dr. Vagias Karavas. 12 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017FORSCHUNG UND LEHRE Management­Strategien auf dem Prüfstand Studierende der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät haben im Rahmen eines Fallstudien seminars die Strategien von 17 Zentralschweizer Unternehmen geprüft und neue Ideen entwickelt. Zum Schluss präsentierten sie die Ideen den Firmenchefs. FABIENNE ITEN Gleich zum Start ihres Wirtschaftsstudiums wurden die über hundert Studierenden der neuen Wirtschaftsfakultät auf die Probe gestellt: In der Vorlesung «Strategisches Management» lernten sie, dass sich Unternehmen heutzutage permanent neu erfinden müssen, um langfristig auf dem Markt erfolgreich zu bleiben. Damit dies nicht Theorie bleibt, bekamen die Studieren­ den die Aufgabe, ein Zentralschweizer Unternehmen unter die Lupe zu nehmen. Gearbeitet wurde in Teams von vier bis acht Studierenden; gecoacht wurden diese direkt vom Geschäftsfüh­ rer (CEO) oder dem Verwaltungsratspräsidenten (VRP) des Unter­ nehmens. Ihre Aufgabe bestand darin, die strategische Positio­ nierung des Unternehmens zu analysieren und neue Stossrichtungen zu entwickeln. Der Höhepunkt folgte am Ende des ersten Semesters, am 16. Dezember 2016: Die Studierenden präsentierten ihre Vorschläge den Firmenchefinnen und ­chefs. In jeweils fünf Minuten galt es, sich auf das Wesentliche zu kon­ zentrieren und die Ergebnisse auf den Punkt zu bringen. Es folg­ ten kritische Fragen und Rückmeldungen seitens Ass.­Prof. Dr. Karolin Frankenberger sowie von den anwesenden Coaches. Win-win-Situation Das Fallstudienseminar beabsichtigt, möglichst früh eine Brücke zwischen Studium und Praxis zu bauen. Frankenberger, Assis­ tenzprofessorin für Betriebswirtschaftslehre, ist überzeugt: «Damit lernen die Studierenden nicht nur die theoretischen Modelle kennen, sondern auch, wie man diese in der Praxis an­ wendet. Diese Kompetenz ist sehr wichtig für zukünftige erfolg­ reiche Entscheidungsträgerinnen und ­träger.» Eine klassische Win­win­Situation: Die Studierenden profitierten vom frühen Kon­ takt zur Praxis und zu führenden Unternehmen in der Region, und die Firmen erhielten Zugang zu jungen Talenten mit frischen und innovativen Ideen. Das Vorlesungsformat wurde ent­ sprechend auch von beiden Seiten sehr geschätzt. Beispielsweise findet Matthias Spichiger, der mit seiner Gruppe die Centralschweizerische Kraftwerke AG analysierte: «Die Fall­ studie war eine einzigartige Gelegenheit, die im Studium erlern­ ten theoretischen Kompetenzen umgehend in der Praxis einzu­ üben und dabei interessante Kontakte zur regionalen Wirtschaft zu knüpfen.» Yannick Bapst von der Gruppe zum Entlebucher Medienhaus erachtet die Fallstudie als sehr wertvoll: «Die Arbeit ist sowohl interessant als auch fordernd, stellt sie einen doch vor unbekanntes Terrain, ermöglicht zugleich aber auch die ak­ tive Auseinandersetzung mit dem in der Vorlesung behandelten Stoff. Die Konzepte, Modelle und Analysen können so praxisnah an regionalen Unternehmen angewandt werden, und das theo­ rielastige Studium wird dadurch bereichert.» An der Wirtschafts­ fakultät studieren auch einige Italienischsprechende. Aus der Gruppe mit den sechs Tessiner Studierenden, die sich mit der Schurter AG auseinandergesetzt haben, heisst es: «Die Sprache stellte für uns eine grosse Herausforderung dar, ansonsten war es eine super Erfahrung. Wir sind stolz, dass die Präsentation so gut geklappt hat.» Ganz offensichtlich hat die Gruppe ihre Arbeit gut gemacht, denn VRP Hans­Rudolf Schurter war beeindruckt: «Ich muss zugeben, zu Beginn war ich schon etwas skeptisch, aber jetzt muss ich sagen, es hat sich definitiv gelohnt – sowohl für die Studierenden als auch für uns Unternehmer. Diese Ideen inspirieren.» Auch Mark Bachmann, VRP von 4B Fenster, ist be­ geistert: «Ich habe selber vor 30 Jahren BWL studiert. Sowas hätte ich damals auch gerne gemacht, das ist für die Studieren­ Ana dos Santos und ihre Gruppe bei der Präsentation von Analysen und Ideen. (Bilder: Lukas Portmann) Rektor Bruno Staffelbach mit Ivan Tschopp (CEO Tschopp Holzbau), Elmar Kunz (GL Pirmin Jung Ingenieure) und Felix Graf (CEO CKW) (v.l.) beim Apéro. 13UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FORSCHUNG UND LEHRE den das Salz in der Suppe. Dass die Uni auf diese Weise raus in die Regionen geht und so den Praxisbezug für motivierte und talentierte Menschen herstellt, das ist super! Als Vertreter der Realwirtschaft erhoffen wir uns eine Wirtschaftsfakultät, die betriebswirtschaftliches Wissen verbunden mit einem grossen Praxisbezug vermittelt.» Und Istvan Szalai, CEO der Garaventa AG, sagt: «Für die Studierenden ist es extrem wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was in den Unternehmen abgeht. Auf diese Weise kann man ihnen erste Einblicke geben. Ich fand das sehr spannend und würde sofort wieder mitmachen – das war eine Bereicherung!» Fortführung geplant Wieder mitmachen würden im Übrigen auch alle anderen Firmen­ chefs. Karolin Frankenberger hat es sich notiert und nimmt sie beim Wort. Sie wird auch dieses Jahr auf sie zugehen, wenn es heisst: Fallstudienseminar, Klappe die Zweite! Folgende Unternehmen haben ein Coaching übernommen: 4B Fenster AG, Mark Bachmann; Centralschweizerische Kraftwerke AG, Imre Kostyák; Elektrisola Feindraht AG, Benno Zemp; Entlebucher Medienhaus, Hieronymus Bieri; Gara- venta AG, Istvan Szalai; Haupt AG, Beat Haupt; Luzerner Theater, Birgit Aufter- beck Sieber; Perlen Papier AG, Peter Schildknecht; Pirmin Jung Ingenieure AG, Pirmin Jung; Rekag AG, Franz Wüest; Renggli AG, Max Renggli; Schurter Holding AG, Hans-Rudolf Schurter; Siga Holding AG, Reto Sieber; smeyers Immobilien Management AG, Thomas Lingg; Titlis Bergbahnen, Hotels & Gastronomie, Norbert Patt; Trisa AG, Roland Ulrich; Tschopp Holzbau AG, Ivan Tschopp Fabienne Iten ist Kommunikationsverantwortliche der Wirtschaftswissen- schaftlichen Fakultät. Im Austausch mit einer Koryphäe Hans­Werner Sinn ist neu ständiger Gastprofessor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Im Sommer kommt der renommierte deutsche Ökonom für zwei exklusive Veranstaltungen nach Luzern. FABIENNE ITEN Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans­Werner Sinn wurde auf das Herbstsemester 2016 hin zum ständigen Gastprofessor der Wirt­ schaftswissenschaftlichen Fakultät ernannt. Sinn, der als einer der einflussreichsten deutschsprachigen Ökonomen gilt, promo­ vierte 1978 an der Universität Mannheim und habilitierte sich 1983 ebenfalls dort. Der breiten Öffentlichkeit wurde er durch verschiedene wirtschaftspolitische Sachbücher bekannt. Seine neuesten Werke sind «Der Euro – Von der Friedensidee zum Zankapfel» und «Der Schwarze Juni: Brexit, Flüchtlingswelle, Euro­Desaster – Wie die Neugründung Europas gelingt». Die Veranstaltung am 8. Juni mit Hans­Werner Sinn besteht aus zwei Teilen; einem Hauptseminar mit ausgewählten Studierenden der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät am Vormittag und der «St. Charles Public Policy Conference» mit einem Vortrag und einem Lounge­Gespräch mit einem von Sinn gewählten Gast am Abend. Studierende im Mittelpunkt Das Hauptseminar mit den Studierenden findet am Vormittag im stilvollen Ambiente in der Villa St. Charles in Meggen statt. Die angehenden Ökonominnen und Ökonomen referieren in Grup­ pen zu einem aktuellen wirtschaftspolitischen Thema und stel­ len sich der Diskussion mit Hans­Werner Sinn. Im Anschluss an das Seminar sind die Studierenden zum Mittagessen eingeladen, bei dem sie weitere Gelegenheiten haben, sich mit dem heraus­ ragenden Experten auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik auszu­ tauschen. Bewusst werden keine Professorinnen und Professo­ ren bei den Präsentationen dabei sein, um den Studierenden die Chance zu geben, in diesem Rahmen im Mittelpunkt zu stehen. Im Vorfeld bereiten sich die Studierenden gemeinsam mit zwei wissenschaftlichen Assistenten von Prof. Dr. Christoph A. Schalt­ egger an zwei bis drei Veranstaltungen eingehend auf das Treffen mit Hans­Werner Sinn vor. Im Fokus stehen Themen wie Steuern, Umwelt, Wachstum und erschöpfbare Ressourcen, Risikotheorie, Klima und Energie. Der Kick­off findet zu Beginn dieses Frühjahrssemesters statt. Die Anzahl der Studierenden am Hauptseminar ist auf zwölf beschränkt, um einen intensiven Austausch mit Hans­Werner Sinn zu gewährleisten. Interessierte Studierende können sich über das Vorlesungsverzeichnis für das Hauptseminar anmelden. Die Auswahl erfolgt über ein Motivati­ onsschreiben. Ebenfalls in der Villa St. Charles findet am Abend die «St. Charles Public Policy Conference» mit rund 80 geladenen Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft statt. Gestartet wird mit einem Vortrag von Hans­Werner Sinn zu einem aktuellen wirtschaftspolitischen Thema. Im Anschluss findet ein moderier­ tes Gespräch mit einem von ihm gewählten Gesprächsgast statt. Prof. Dr. Hans­Werner Sinn. 14 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017FORSCHUNG UND LEHRE «Es herrscht eine gewisse Aufbruchsstimmung» Das Politikwissenschaftliche Seminar ist im Herbstsemester mit einem neuen Professor und einer neuen Assistenzprofessorin gestartet. Die beiden Neuankömmlinge blicken zurück und nach vorn – ein Interview in Fragebogenform. Prof. Dr. Alexander Trechsel Ordentlicher Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Kommunikation; Leiter Politikwissenschaftliches Seminar Seit September 2016 lehren und forschen Sie an der Universität Luzern. Wie fühlen Sie sich nach einem Semester? Kaputt :­) Nein, im Ernst: Es war ein sehr intensives Semester, aber ich fühle mich sehr gut und habe mich ausgezeichnet in Luzern und an der Universität eingelebt. Dies vor allem dank des äusserst kollegialen Empfangs in der Fakultät, der höchst kompetenten und freundlichen Unterstützung der Verwaltung und nicht zuletzt dank den motivierten und aufgestellten Studenten und Studentinnen. Die Universität Luzern ist die kleinste und jüngste Uni der Schweiz. Woran ist das für Sie erkennbar? Die Uni Luzern schreibt sich auf die Fahne, dass sie persönlich sei. Das ist nicht nur ein Werbespruch, sondern trifft absolut ins Schwarze. Sie erinnert mich in dieser Beziehung sehr an meinen früheren Arbeitgeber, das Europäische Hochschulinstitut in Flo­ renz, das ebenfalls relativ jung und klein ist. Man begegnet sich in den Gängen, man hat einen konstanten Austausch mit den Studierenden, die Vorlesungen und Seminare sind nicht über­ laufen und die Arbeitsatmosphäre ist allgemein sehr angenehm. Zudem herrscht noch eine gewisse «Aufbruchsstimmung» – man merkt, dass Vorschläge zur weiteren Entwicklung, zur Inter­ nationalisierung, zum allgemeinen Ausbau der Universität und zu Initiativen in Forschung und Lehre erwünscht sind. Die Struk­ turen scheinen mir viel flexibler als jene, die in grossen, alten Institutionen oft innovationshindernde Wirkungen entwickeln. Welche Projekte streben Sie 2017 an? Nach elf Jahren ausschliesslicher Doktorandenausbildung bin ich jetzt in der Lehre sehr gefordert. Ich dachte, ich müsse die An­ sprüche stark senken, komplexe Zusammenhänge vereinfacht darstellen, die Erwartungen an Diskussionen herunterschrauben. Damit lag ich völlig falsch. Es ist erstaunlich, wie motiviert und seriös die meisten Studierenden bei uns sind – und es macht richtig Spass, diese wirklich guten und talentierten jungen Leute zu unterrichten! In der Forschung habe ich mir viel vorgenom­ men: Ich möchte auf dem Gebiet der politischen Kommunikation und des politischen Verhaltens vor allem die Rolle neuer Medien und Technologien untersuchen. Dabei nutze ich vermehrt Experi­ mente und innovative Daten­ erhebungen. Auch möchte ich versuchen, vermehrt Post­ docs und fort geschrittene Forschende nach Luzern zu bringen. In Teams können tolle Interaktionen ent­ stehen. Auch Interdisziplinarität ist mir wichtig. Ich sehe viele Forschungsfragen, die ich gerne zusammen mit Öko­ nominnen, Soziologen, Juristinnen, Historikern oder Philosophin­ nen besprechen möchte – wir haben an der Uni Luzern hervor­ ragende Kollegen und Kolleginnen, mit denen ich mir sehr gut vorstellen könnte, gemeinsame Projekte auf die Beine zu stellen. Angenommen, Sie haben drei Wünsche frei – was erhoffen Sie sich für die kommenden drei Semester? Der erste Wunsch hängt mit dem Politikwissenschaftlichen Semi­ nar zusammen. Da mein Kollege Joachim Blatter seit Januar ein Freisemester hat, wurde mir die Leitung unseres Departements anvertraut. Mein erster Wunsch ist, dass ich seine hervorragende Arbeit weiterführen kann. Wir haben eine sehr gute Atmosphäre im Seminar, und dazu gilt es Sorge zu tragen. Ich hoffe, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin. Mein zweiter Wunsch gilt nicht dem Erhalt von bereits Erreichtem, sondern der Weiterentwick­ lung der Politikwissenschaften in Luzern. Ich wünsche mir, dass wir in Luzern zu einer kleinen, aber feinen Referenz in der schwei­ zerischen Uni­Landschaft – und vielleicht sogar auf internatio­ nalem Parkett – werden. Mit dem Rekrutieren guter, junger Forschenden, mit Projektfinanzierungen und mit dem Verknüpfen unserer Aktivitäten sowohl innerhalb der Uni als auch mit dem internationalen Netzwerk, das wir haben, wird uns dies hoffent­ lich gelingen. Ich wünsche mir als Drittes, dass sich die poli­ tischen Entscheidungsträger im Kanton Luzern bewusst bleiben, wie wichtig die Universität für die gesamte Region ist. Unsere Forschung, unsere Lehre geniesst hervorragende Rahmenbedin­ gungen. Ich bin überzeugt, dass sich das Investieren in die Uni­ versität auf sehr vielen Ebenen lohnt, und ich freue mich darauf, meinen kleinen Beitrag zu leisten, um dies zu beweisen. Mehr Informationen: www.unilu.ch/alexander-trechsel ANNA OSPELT 15UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 FORSCHUNG UND LEHRE Ass.-Prof. Dr. Lena Maria Schaffer Assistenzprofessorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Inter- und Transnationale Beziehungen Seit September 2016 lehren und forschen Sie an der Universität Luzern. Wie fühlen Sie sich nach einem Semester? Gut angekommen und zufrieden. Erstens wurde ich von allen hier sehr gut empfangen und finde mich inzwischen ganz gut zurecht. Zweitens ist meine erste grosse Vorlesung vorbei, und es hat, von einigen Anlaufschwierigkeiten abgesehen, ganz gut geklappt. Die Universität Luzern ist die kleinste und jüngste Uni der Schweiz. Woran ist das für Sie erkennbar? Zum einen schlicht durch die Tatsache, dass alles in einem Ge­ bäude stattfindet. Daraus resultieren die sprichwörtlich kurzen Wege ebenso, wie es den Dozierenden, den Studierenden und der Verwaltung Berührungspunkte schafft und dadurch das Mitein­ ander fördert. Man sieht sich eben häufig. Zum anderen sind auch die Strukturen noch nicht so festgefahren, dadurch hat man ausreichend Gestaltungsspielraum in Lehre und Forschung. Welche Projekte streben Sie 2017 an? Ich möchte mich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung in Zukunft stärker auf mein Interesse im Bereich der Internationa­ len Klima­ bzw. Energiepolitik fokussieren und strebe schweiz­ weit Kooperationen an. Welchen Lehrstil dürfen die Studierenden von Ihnen erwar- ten? Ich hoffe, dass ich es schaffe, den Studierenden meine Fas­ zination für die Themen, die ich lehre, zu vermitteln. Mei­ nen Lehrstil würde ich als sehr inter­ aktiv und nah an den Studierenden beschreiben. Ich versuche, nicht ausschliesslich Fakten zu vermitteln, sondern Wege aufzu­ zeigen, wie die (politische) Welt begreifbar gemacht werden kann. Angenommen, Sie haben drei Wünsche frei – was erhoffen Sie sich für die kommenden drei Semester? Erstens wünsche ich mir, dass mein Verhältnis zu Kollegen und Studierenden ähnlich gut bleibt wie bisher. Zweitens wünsche ich mir, dass wir viele Studierende für die Politikwissenschaft in Luzern begeistern können. Drittens wünsche ich mir, dass viel­ leicht eines meiner Gesuche um Forschungsförderung bewilligt wird und ich mir ein eigenes Team zusammenstellen kann. Mehr Informationen: www.unilu.ch/lena-schaffer Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat seine Unterstützung des Forschungsprojekts «Enlightened Anarchism: What Can We Learn from the Anarchist Critique of the State, the Law and Au­ thority?» um fünf Monate verlängert. Neu dauert das unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Mathis, Ordinarius für Öffentliches Recht, Recht der nachhaltigen Wirtschaft und Rechtsphilosophie, stehende, im April 2014 begonnene Projekt bis Ende Oktober 2017. Das von Luca Langensand bearbeitete Dissertationsprojekt un­ tersucht die anarchistische Herrschaftskritik. In einem ersten Teil wird der Forschungsgegenstand «Anarchismus» definiert, indem die verschiedenen anarchistischen Strömungen der Ge­ schichte und Gegenwart vorgestellt und hinsichtlich Unterschie­ den und Gemeinsamkeiten analysiert werden. Im zweiten Teil werden aus der breiten und vielfältigen anarchistischen Kritik an Staat, Recht und Herrschaft allgemeine anarchistische Grund­ sätze hergeleitet. Im dritten steht die Frage im Fokus, inwiefern dieser Kritik Rechnung getragen werden kann, indem einzelne anarchistische Prinzipien in die bestehende gesellschaftliche Ordnung implementiert werden. Es wird dabei untersucht, ob es für das menschliche Zusammenleben gewinnbringend sein kann, anarchistischen Grundsätzen freien Raum zur Entfaltung in der Gesellschaft zu lassen, unabhängig von jeglichen staatlichen, ökonomischen oder sozialen Herrschaftsstrukturen. Wahl in SVRSP-Vorstand Prof. Dr. Klaus Mathis ist ausserdem als Vertreter der Universität Luzern in den Vorstand der Schweizerischen Vereinigung für Rechts­ und Sozialphilosophie (SVRSP) gewählt worden. Mit dieser führt die Universität Luzern vom 7. bis 13. Juli 2019 den 29. Weltkongress der Internationalen Vereinigung für Rechts­ und Sozialphilosophie (IVR) durch. Bei dieser einwöchigen Veranstal­ tung zum Thema «Dignity, Democracy, Diversity» wird mit 800 bis 1000 Teilnehmenden aus aller Welt gerechnet. (red.) SNF­Projekt zu Anarchismus: Förderung verlängert Anna Ospelt war bis Ende 2016 für den Wissenstransfer und die Öffentlich- keitsarbeit an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zuständig. 16 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 Doktorierende erhalten Mobilitäts­Stipendium ALESSIA TREZZINI Alexandra Birchler (Rechtswissenschaft, Bereich Öffentliches Recht) weilt seit Anfang Februar für elf Monate an der University of Wollongong in Australien, um dort an ihrem Doppeldoktorat zu arbeiten. Sie ist die erste Doktorandin der Universität Luzern, die ein Doppeldoktorat, also eine Promotion an zwei Universitäten, ausserhalb Europas anstrebt. Ermöglicht wird dies durch ein Doc.Mobility­Stipendium, das der Luzernerin vom Schweize­ rischen Nationalfonds (SNF) zugesprochen wurde. Auch Jonas Perrin (ebenfalls Bereich Öffentliches Recht) kann von einem solchen Mobilitäts­Stipendium profitieren: Seit dem vergangenen November forscht er während zwölf Monaten an der Universi ­ dad Central del Ecuador zum Thema indigene Landrechte. Das Stipendium deckt die Lebenshaltungskosten, Reisespesen, For­ schungs­ und Kongresskosten sowie die Einschreibegebühren. Erfahrungsschätze verbinden Alexandra Birchlers Dissertationsprojekt «International Disaster Law – the Responsibility of States before and in the Aftermath of a Disaster» verfolgt den Ansatz, eine Pflicht zu Geldzahlungen für den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen sowie für Früh­ warnmechanismen von Staaten, welche den Klimawandel be­ günstigen, zu begründen. «Ich habe mich für die University of Wollongong entschieden, da dort mit dem Australian National Centre for Ocean Resources and Security (ANCORS) ein Institut angegliedert ist, das interdisziplinär agiert und sich stark auf den Pazifischen Raum fokussiert. Dieser ist für meine Dissertation besonders interessant, weil da die Häufigkeit der klimabedingten Naturkatastrophen höher ist sowie auch die Problematik der stei­ genden Meeresspiegel vorherrscht», sagt Birchler zur Wahl der Gastinstitution. Durch das Doppeldoktorat verfügt sie an beiden Institutionen über eine Erstbetreuung. «Mit Prof. Dr. Stuart Kaye habe ich in Wollongong eine Person, die einen grossen Erfahrungsschatz im Bereich des Internationalen Umweltrechtes sowie des Disaster Managements mitbringt. Mit Prof. Dr. Martina Caroni habe ich in Luzern eine starke Völkerrechtlerin, welche perfekt das all­ gemeine Völkerrecht und auch das humanitäre Völkerrecht in meiner Arbeit abdeckt.» Von ihrem Aufenthalt in Australien erwartet die Doktorandin, eine andere Perspektive auf den Themenkomplex der Dissertation zu erhalten: «Gerade durch die interdisziplinäre Ausrichtung der Universität dürfte der Wissens­ und Erfahrungszuwachs durch den Forschungsaufenthalt in Wollongong sehr hoch sein, woraus ich mir nur Vorteile für meine Arbeit erhoffe.» Exzellente Voraussetzungen Jonas Perrin untersucht die Entwicklung indigener Landrechte im Rahmen des internationalen Rechts mit Fokus auf Latein­ amerika. Aufgrund verschiedener Rechtsauffassungen konnten indigene Landrechte im Kontext des internationalen Rechts bis heute nicht zufriedenstellend geregelt werden. In seinem Disser­ tationsprojekt «Die Entwicklung indigener Landrechte Latein­ amerikas: Negation. Menschenrecht. Souveränität?» will Perrin einen Schutzstandard nach internationalem Recht herausarbei­ ten, welcher mit dem verfassungsrechtlichen Schutzstandard von Ecuador verglichen wird. Zu seiner Gastinstitution, der Uni­ versidad Central del Ecuador in Quito, meint er: «Quito gilt all­ gemein als Epizentrum der akademischen Diskussion indigener Rechte. Die Universität bietet für meine Arbeit exzellente Voraus­ setzungen: Ihre Professuren sowie ihre Bibliotheken sind auf die Thematik meiner Dissertation zugeschnitten.» Betreut wird Perrins Arbeit an der Universität Luzern von Prof. Dr. Sebastian Heselhaus und an der Universidad Central von Prof. Dr. Philipp Altmann, der seit einigen Jahren Dozent an der dortigen soziologischen Fakultät ist. «Insbesondere seine For­ schung im Bereich der Verfassungsprinzipien wird für die methodolo gischen Grundlagen meiner Arbeit äusserst hilfreich sein», führt Perrin aus. Von seinem Aufenthalt in Quito erhofft sich der Doktorand nicht nur, dass er sich das für seine Dissertation notwendige Wissen an eignen kann: «Zusätzlich wäre es wünschenswert, wenn durch meinen Aufenthalt in Quito ein zukünftiger Austausch der Univer­ sidad Central und der Universität Luzern entstehen könnte.» Alessia Trezzini ist Praktikantin bei der Öffentlichkeitsarbeit. Alexandra Birchler und Jonas Perrin haben ein Doc.Mobility­Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds zugesprochen erhalten. Im Rahmen des Doktoratsstudiums forscht sie in Australien und er in Ecuador. Alexandra Birchler und Jonas Perrin. FORSCHUNG UND LEHRE 17UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 SNF­Projekt zur Metaphysik und Ontologie in der Schweiz Die aktuelle Renaissance von Metaphysik und Ontologie bildet den Rahmen einer auf drei Jahre angesetzten Studie am Lehrstuhl für Philosophie an der Theologischen Fakultät. Dabei wird auch die Vorgeschichte der Universität Luzern erforscht. GIOVANNI VENTIMIGLIA | WOLFGANG ROTHER Das Forschungsteam um Prof. Dr. Giovanni Ventimiglia hat für das Projekt «Metaphysik und Ontologie in der Schweiz im Zeit­ alter der Reformation (1519–1648)» rund 460 000 Franken vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zugesprochen erhalten. Ventimiglia, der vorher an der Facoltà di Teologia di Lugano lehrte, wurde im August 2016 als Nachfolger von Prof. Dr. Rafael Ferber zum ordentlichen Professor für Philosophie berufen. Seit je beschäftigt sich die Metaphysik mit allem, was existiert, und mit dessen Ursache: Gott. Renaissance der Metaphysik? Nietzsche hatte den Tod Gottes verkündet, der logische Positivis­ mus das Ende der Metaphysik. Ersteres lässt sich nicht bewei­ sen, Letzteres hat sich als Fehlprognose erwiesen. Wenn man z.B. auf dem aktuellen Buchmarkt nach Titeln über «Meta­ physics» sucht, findet man nicht weniger als 18 804 lieferbare Werke. Die totgesagte Disziplin lebt – die Metaphysik, jene «erste Wissenschaft», die die letzten Fragen erforscht und die bekanntlich auf Aristoteles zurückgeht. Mit der Entstehung der Ontologie, die innerhalb der Metaphysik nach dem Seienden fragt, löst sich die Philosophie im 16. Jahr­ hundert aus dem theologischen Kontext, in dem sie seit dem Mittelalter stand. Das Wort «Ontologia» taucht, wie Raul Co­ razzon und Marco Lamanna unlängst entdeckt haben, erstmals 1606 in der Schweiz auf, in einem Lehrbuch von Jacob Lorhard, Rektor des reformierten Gymnasiums in St. Gallen. Ziel des Projekts ist die Erforschung der Entstehung und Verbrei­ tung der Ontologie in der Schweiz. In Fallstudien werden die Entwicklungen und Diskussionen in Basel, Chur, Genf, Luzern, St. Gallen und Zürich untersucht. In Luzern steht das Jesuiten­ kolleg im Zentrum, an dem im 16. Jahrhundert Professoren unterrichteten, die am einflussreichen Collegium Romanum aus­ gebildet worden waren. Die Jesuiten hatten damals ontologische Konzepte diskutiert, die später von reformierten Philosophen weiterentwickelt wurden. Insofern erforscht das Projekt auch die Vorgeschichte der Universität Luzern. Im Jahresbericht der Universität Luzern, der Mitte Mai erscheint, wird ein ausführlicherer Artikel über das Forschungsprojekt publiziert. Prof. Dr. Giovanni Ventimiglia hält seine Antrittsvorlesung «Tod der Metaphysik? Eine ‹Trauerrede›» am 9. Mai (18.30 Uhr, Hörsaal 10). Um Anmeldung bis am 28. April wird gebeten: helene.grueter@unilu.ch FORSCHUNG UND LEHRE Dr. Marco Lamanna (Forschungsmitarbeiter), Prof. Dr. Giovanni Ventimiglia (Projektleiter), Prof. Dr. Wolfgang Rother (Universität Zürich, Projektpartner) und Dr. Alice Ragni (Forschungsmitarbeiterin) (v.l.). (Bild: Alessia Trezzini) Öffentliche Ringvorlesungen zu Familie und Aufklärung Lust auf Wissenschaft? In diesem Frühjahrssemester werden an der Universität Luzern zwei öffentliche Ringvorlesungen mit freiem Eintritt angeboten. Zum einen handelt es sich um «Fami- lienvorstellungen im Wandel. Biblische Vielfalt, kirchen- geschichtliche Entwicklungen, gegenwärtige Herausforderun- gen» des neuen universitären Forschungsschwerpunkts «Wandel der Familie» (donnnerstags ab 2. März, 18.15 Uhr, Hör­ saal 7). Zum anderen suchen die drei SNF­Förderprofessuren der Kultur­ und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in «Aufklärung unter Druck» auf interdiszipläre Weise Antworten auf die Frage, wie sich der Anspruch auf Pluralität und Gleichberechtigung, auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unter aktuellen Bedingun­ gen weiter verwirklichen lässt (mittwochs ab 1. März, 16.15 Uhr, Raum 3.A05). Mehr Informationen: www.unilu.ch/agenda (red.) 18 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 Bewährte Weiterbildung jetzt auch im Tessin läuft der siebte Durchgang – ein. Die elf auf ein Jahr verteilten Abendveranstaltungen richten sich in erster Linie an Anwältin­ nen und Anwälte, die ihr Wissen in verschiedenen juristischen Bereichen schnell auf den neusten Stand bringen möchten. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden themenbezogene Unterrichtseinheiten angeboten, in denen über aktuelle Entwick­ lungen, beispielsweise im Verfahrensrecht, Bankengesetz, Gesellschaftsrecht, Familienrecht und im öffentlichen Beschaf­ fungswesen, informiert wird – auf Deutsch und Italienisch, mit zweisprachiger Dokumentation und einem Onlineportal mit lau­ fenden Aktualisierungen. (red.) Mehr Informationen: www.unilu.ch/weiterbildungrecht Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Luzern bietet die «Expressfortbildungen für Anwältinnen und Anwälte» seit Januar auch im Tessin an. Dies in Zusammenarbeit mit der Università della Svizzera Italiana. Das gemeinsam in Luzern und Lugano entwickelte Weiter­ bildungsprogramm läuft unter dem Titel «Formazione continua e aggiornamento per giuristi». Es wird an der Università della Svizzera Italiana (USI) vom Rechtsinstitut (IDUSI) koordiniert und wird unterstützt von der Anwaltskammer des Kantons Tessin (OATI), der Cornèr Bank in Lugano und der Rechtsabteilung des Kantons Tessin. Renato Cabrini, Präsident der Anwaltskammer des Kantons Tessin, betont, dass die OATI diese Initiative stark gefördert hat, um dem Bedürfnis nach einer strukturierten Wei­ terbildung auf hohem wissenschaftlichem Niveau auch im Tessin entsprechen zu können. Das Studienprogramm führt in Lugano die an der Universität Lu­ zern bereits bestens bewährte «Express­Fortbildung» – aktuell FORSCHUNG UND LEHRE ENDLICH ETWAS ANSTÄNDIGES ZUM ANZIEHEN > > SHOP NOW! Off izieller Online-Shop der Universität Luzern www.unilushop.ch 19UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 TAGUNGEN UND VORTRÄGE Waldschäden im Lichte des revidierten Waldrechts Im Zuge der Globalisierung verstärkt sich nicht nur der Personen­ und Warenverkehr. Als «ungebetene Gäste» reisen Schädlinge mit in die Schweiz ein. Aber auch infolge abiotischer Schädigungen leidet die Schutzfunktion des Waldes. PHILIPP REBSAMEN Damit die Waldfunktionen auch weiterhin erfüllt werden können, hat das Parlament das Waldgesetz ergänzt und in der Folge der Bundesrat die Waldverordnung revidiert. Ausgehend von diesen am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Reglungen widmete sich am 13. Dezember 2016 die vom Center for Law and Sustain­ ability (CLS) unter der Leitung von Prof. Dr. Roland Norer durch­ geführte und rege besuchte 4. Waldrechtstagung an der Univer­ sität Luzern den Grundlagen für die Prävention sowie die Bekämpfung biotischer und abiotischer Waldschäden. Biotische und abiotische Schäden In einem ersten Teil widmete sich Walter Beer (Bereichsleiter Schutzwald, Biodiversität und Waldschutz, Amt für Wald des Kan­ tons Bern) den abiotischen Waldschäden wie Waldbrand, Sturm und Lawinenniedergang, beschrieb deren Schadenspotenzial und erläuterte Lösungsansätze, wie man den diversen waldpolitischen Zielen gerecht werden kann. Dr. Therese Plüss (Stv. Sektionschefin Waldschutz und Waldgesundheit, Bundesamt für Umwelt) ging so­ dann vertieft auf die biotischen Waldschäden ein und erläuterte Konzepte und Strategien zur Vermeidung, Erkennung und Bekämp­ fung gerade im globalisierten Kontext. So handelt es sich bei­ spielsweise beim Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB; siehe Bild) um einen der weltweit gefürchtetsten Laubholzschädlinge, der insbesondere im Verpackungsholz für Steine für den Strassenbau aus China in die Schweiz eingeschleppt wurde. Dies erforderte die Einführung eines umfassenden Systems von Überwachungs­ und Bekämpfungsmassnahmen, welches von einer Meldepflicht für Importeure und Einfuhrkontrollen durch den Bund bis hin zum Monitoring von befallenen Gebieten und zur Koordination der Bekämpfung durch Kantone und Gemeinden reicht. Fallbeispiel und rechtliche Einzelheiten Des Weiteren gewährte Georgio Moretti (Ufficio della selvicoltura e del Demanio del Cantone Ticino) Einblick in den Umgang der kantonalen Forstbehörden des Kantons Tessin mit dem Götter­ baum, einer ursprünglich aus China und Nordkorea stammenden Zier­ und Nutzpflanze, die sich nun – insbesondere aufgrund ih­ rer grossen Widerstandsfähigkeit – derart schnell ausbreitet, dass innert kurzer Zeit enorme Flächen in Beschlag genommen und vollkommen überwachsen werden. Lukas Berger (Wissen­ schaftlicher Mitarbeiter Rechtsdienst, Bundesamt für Umwelt) schliesslich zeigte rechtliche Einzelheiten und Eigenheiten in Bezug auf das Verursacherprinzip im Umweltrecht im Allgemei­ nen sowie im Waldrecht im Speziellen auf. Hierbei ging er ins­ besondere auf die mit der Revision neu geschaffene Rechtsfigur des «schuldhaften Verursachers» ein, deren juristische Folge­ wirkung noch völlig unklar ist und die die Rechtsdogmatik noch nachhaltig beschäftigen wird. Markus Brunner (Direktor WaldSchweiz) rundete die Tagung ab, indem er insbesondere Chancen und Risiken der neuen Wald­ gesetzgebung auslotete und auf künftige Schwierigkeiten in der Waldwirtschaft einging. Philipp Rebsamen ist Assistent für öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raumes beim Lehrstuhl von Prof. Dr. Roland Norer. Befällt verschiedene Laubholzarten – auch gesunde Bäume – und kann sie binnen weniger Jahre zum Absterben bringen: Exemplar eines Asiatischen Laubholz- bockkäfers (ALB). (Bild: Reinhard Lässig / Eidg. For- schungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL) 20 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017TAGUNGEN UND VORTRÄGE Menschenrechte und Religionen In welchem Verhältnis stehen nichtstaatliche Akteure zu den Menschenrechten? Um diesen Themenkomplex ging es an einer von der Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht veranstalteten Tagung an der Universität Luzern. FRANCESCO PAPAGNI Menschenrechte und Religionen – diese Formel ist nicht selbst­ erklärend, denn Menschenrechte sind ursprünglich Abwehrrechte des Individuums gegenüber dem Staat. Dass nichtstaatliche Akteure, wie Unternehmen, NGOs, Religionsgemeinschaften, menschenrechtlich gebunden sind, stellt eine relativ neue Betrachtungsweise dar, die aber sehr schnell an Boden gewinnt; die Konzernverantwortungsinitiative, über die hierzulande bald abgestimmt wird, zeigt es an. Sind Menschenrechte westlich? An der Veranstaltung vom 2. Dezember 2016 wurde zunächst das Feld historisch aufgerollt, wobei auch über die Genese der Menschenrechte gestritten wurde. Auf diese Diskussion Bezug nehmend, fragte Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas, Professor in Berlin und Chicago und eine der wichtigsten Figuren in dieser Debatte: Sind Menschenrechte westlich? Die Frage wurde von ihm ins­ gesamt klar verneint. Sie sind nicht westlich in einer ideen­ geschichtlichen Perspektive; sie sind es in einer verfassungs­ rechtlichen Perspektive, da lange Zeit lediglich zwei Länder (USA und F) eine Kodifikation vornahmen. Und sie sind es nicht im Hinblick auf die UN­Charta von 1948, die das Resultat globaler Zusammenarbeit ist. Die Ab straktheit der UN­Menschenrechts­ charta erlaubt es denn auch jeder Kultur und Religion, diese Aus­ sagen auf je eigene Weise ins eigene Weltbild einzubauen. Religionen müssen sich rechtfertigen Der Vormittag ging mit einer Podiumsdiskussion unter der Mode­ ration der bekannten Fachjournalistin Judith Hardegger zu Ende. Die Religionsgemeinschaften, namentlich die Katholische Kirche, müssten sich fragen lassen, ob die Menschenrechte, die sie nach aussen einfordern, auch nach innen gelten würden, so Prof. Dr. Adrian Loretan, Co­Leiter des Luzerner Zentrums für Reli­ gionsverfassungsrecht. Prof. Dr. Ingeborg Gabriel von der Uni­ versität Wien bemerkte nüchtern dazu, dass der Menschen­ rechtsdiskurs die Religionsgemeinschaften unter dauernden Druck setzen würde. Und alle waren sich einig, dass der Westen den egozentrischen Blick überwinden müsse, wenn die Men­ schenrechte in anderen Erdteilen nicht als westliches Export­ produkt wahrgenommen werden sollen. Die vom Westen weit­ gehend unbewältigte Kolonialgeschichte versperre nach wie vor viele Wege des Dialogs. Für den nötigen Dissens sorgte der aus dem Sudan stammende, an der Emory University tätige Prof. Dr. Abdullahi Ahmed An- Na’im mit seiner extrem individualistischen Sicht. Er bestritt, dass es so etwas wie kollektive Subjekte überhaupt gibt, und provozierte Fragen in Bezug auf den Status von Scharia­Schulen oder religiösen Autoritäten. Seine Antwort: Da niemand verpflich­ tet wäre, sich irgendeiner Tradition oder Schule anzuschliessen, würde der Islam auf reiner Freiwilligkeit beruhen. Seinem Aufruf zu mehr Bescheidenheit konnten sich die anderen an der Tagung Teilnehmenden dann aber anschliessen. Diese Diskussion veran­ schaulichte die Probleme realer interkultureller Dialoge. Kein staatliches «ius reformandi» Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt hat als UN­Sonderberichterstat­ ter für Religions­ und Weltanschauungsfreiheit reiche Erfahrun­ gen sammeln können. Dabei bleibt er kritisch nach allen Seiten, auch was die staatliche Durchsetzung der Menschenrechte gegenüber Religionsgemeinschaften angeht: Dem Staat kommt kein Recht zu, Religionsgemeinschaften zu reformieren (ius re­ formandi), so die pointierte Schlussfolgerung des Ehrendoktors der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Die hochkarätig besetzte, von PD Dr. Peter G. Kirchschläger und Prof. Dr. Adrian Loretan organisierte Tagung zog mit ihrem Thema Aufmerksamkeit auch ausserhalb des akademischen Milieus auf sich. Die hochstehenden, manchmal kontroversen Diskussionen im Anschluss an die Vorträge verdeutlichen, dass ein disziplin­ übergreifendes Gespräch tatsächlich gelungen ist. Francesco Papagni ist freier Wissenschaftsjournalist. Prof. Dr. Heiner Bielefeldt (mit Mikrofon) während einer Diskussion im Laufe der Tagung. Neben ihm sitzend: Prof. Dr. Florian Wettstein, Universität St. Gallen, und Prof. Dr. Ingeborg Gabriel. (Bild: Benno Bühlmann) 21UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 TAGUNGEN UND VORTRÄGE Energieträger in der Wärme­ und Kälteversorgung Rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte im Bereich Fernwärme/Fernkälte beleuchten und diskutieren: Diese Themen standen auf dem Programm einer Tagung für Führungskräfte und Fachspezialistinnen und ­spezialisten der Energiebranche. NADJA GERMANN Rund 50 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Energie wer­ den zur Wärme­ oder Kälteerzeugung, vorwiegend zum Heizen und Klimatisieren von Wohn­ und Arbeitsräumen, verwendet. Der überwiegende Anteil Wärme wird nach wie vor auf der Basis von konventionellen Energieträgern wie Erdöl oder Erdgas produziert. Die Kälteproduktion erfolgt heute noch mehrheitlich über indivi­ duelle, durch Strom betriebene Klimaanlagen. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere der Bedarf an Gebäudeklima­ tisierung und ­kühlung in den nächsten Jahren steigen wird. Fernwärme­ und Fernkältenetze gelten als umweltschonende Alternativen zu individuellen Klimaanlagen. Am 2. Dezember 2016 führte das Center for Law and Sustaina­ bility, Lehrstuhl Prof. Dr. Sebastian Heselhaus, in Zusammen­ arbeit mit dem Institut für Unternehmensrecht, Competence Center Infrastructure, im Hotel Radisson Blu Luzern eine Tagung zum Thema «Neue und konventionelle Energieträger in der Wärme­ und Kälteversorgung» durch, die sich mit diesen The­ men aus rechtlicher, betriebswirtschaftlicher und technischer Sicht befasste. Rechtsvergleich mit EU und D Das Einführungsreferat von Prof. Heselhaus gab einen Überblick zu den herrschenden Rechtsgrundlagen im Bereich Wärme­ und Kälteversorgung in der Schweiz. Dieses wurde ergänzt durch einen Rechtsvergleich mit der EU und mit Deutschland, präsen­ tiert von Dr. Norman Fricke, dem Verantwortlichen für den Bereich Fernwärmerecht vom AGFW, dem zentralen Verband der Fernwärmebranche in Deutschland. Mit der spezifischen Analyse von Kundenbedürfnissen und mit neuen Geschäftsmodellen für die Wärme­ und Kältebranche befassten sich die Referate von Dr. Nadja Germann und von Ass.­Prof. Dr. Karolin Frankenberger. Zu Wärme­ und Kältenetzen in Arealen und besonders zu den verschiedenen Speichermöglichkeiten äusserte sich Dipl.­Ing. Joachim Ködel von der «Hochschule Luzern – Technik und Archi­ tektur». Zwei Fallbeispiele, das Wärme­Kältenetz von IBAarau (das erste dieser Art in der Schweiz; Referent: Dipl. Masch.­Ing. ETH Matthias Bobst) und das beeindruckende Fernkältenetz Berlin­Mitte (das grösste Fernkältenetz Deutschlands; Referent: Dipl.­Ing. Gerhard Plambeck), ergänzten die Ausführungen an der Tagung. Das mehrheitlich technisch gebildete Publikum zeigte sich äus­ serst interessiert an den rechtlichen und betriebswirtschaft­ lichen Fragestellungen. Diese erhalten in Zeiten der Energie­ wende und im Hinblick auf eine Energiestrategie 2050 des Bundes zunehmend an Gewicht. Die in der Energiebranche gern zitierte Aussage, die Kundin resp. der Kunde interessiere sich nur dafür, dass ihre bzw. seine Stube warm oder das Büro gekühlt sei, muss relativiert werden. Besonders Industrie­ und Gewerbe­ kunden sind durchaus auf das Thema «Wärme» sensibilisiert. Sie interessieren sich dafür, auf der Basis welcher Energieträger die Wärme produziert wird und ob es Möglichkeiten gibt, betriebs­ eigene Abfälle oder Abwärme in irgendeiner Form energetisch weiterzuverwenden. Fernkälte noch nicht etabliert In der Schweiz ist Fernkälte zurzeit noch wenig bekannt. Damit die Versorgung durch Fernkälte gefördert werden kann, ist es wichtig, dass die Technik (wie produziert man bspw. Kälte aus Wärme) zielgruppengerecht erklärt und der Beitrag von Wärme­ und Kältenetzen als eine der Massnahmen im Rahmen der Energiewende auch für Kundinnen und Kunden, besonders aus den Bereichen Industrie und Gewerbe, aber auch von privaten Haushalten, verdeutlicht wird. Die Tagung hat versucht, einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende, im Sinne der Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes, zu leisten. Dr. Nadja Germann ist Geschäftsleiterin des Center for Law and Sustainability und Leiterin des Competence Center «Infrastructure – Energy, Waste and Recycling» am IFU | BLI. Blick in die Fernwärmezentrale Au. (Bild: Sankt Galler Stadtwerke) 22 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017TAGUNGEN UND VORTRÄGE Reading Law with Shakespeare example in particular fed into an extended exploration of the en­ tanglements between questions of identity and legal persona on one hand and those of legitimacy and illegitimacy on the other – were Juliet to be deprived of her name, so the argument, she would according to the legal customs of the time be reduced to a bastard child and thus divested of her legitimacy as a citizen and legal subject: sans protection, sans the right to inheritance, sans legal existence. The insights delivered in the readings of the plays were at once both authoritative and provocative, supplying a welter of infor­ mation on the texts and their contexts, but at the same time opening up enticing spaces for further reflection. This was attested to by the lively discussion at the close during which a number of issues relating to both content and methodologies were debated in a spirit of intellectual openness charged with a good measure of interdisciplinary vibrancy. Next lecture: March 16, Prof. John Gardner (Oxford). More information: www.unilu.ch/lucernaiuris Dr. Steven Howe is Academic Coordinator and Research Fellow at the Institute for Research in the Fundaments of Law – lucernaiuris. What can the modern lawyer learn from Shakespeare’s plays? To what extent did they shape contemporary legal ideas? These were just some of the questions addressed during the latest laboratorium lucernaiuris lecture. «The first thing we do, let’s kill all the lawyers»: So counsels Dick the Butcher in William Shakespeare’s «Henry VI», Part II. Four centuries on from the Bard’s death in 1616, his most famous «anti­lawyer» line is still frequently invoked to deride the legal profession. That the words are uttered by a follower of the rebel Jack Cade, who is plotting treason against the state, is commonly overlooked; the crispness of the declaration lends it, it seems, an almost irresistible quotability. Interpretive nuances notwithstanding however, what is clear is that the lines serve insufficiently to capture the fuller sweep of Shakespeare’s legal nego tiations – his dramas teem with references to juridical con­ cerns and terminology, and taken together, make up a rich and complex tapestry of reflections on the ethics and politics of law. It is not without reason that Atticus Finch lists reading Shakespeare as a vital component of legal education. Densely-Packed Tour Excavating some of Shakespeare’s engagements with the law was the aim and purpose of the talk delivered by Daniela Carpi on December 6. Professor of English Literature at the University of Verona, Prof. Carpi is among the foremost authorities in the field of «Shakespeare and the Law» studies and the breadth of her knowledge was evident as she took the audience on a dense­ ly­packed tour through three works: «The Merchant of Venice», «Othello» and «Romeo and Juliet». The themes covered were far­ranging and can only be cursorily indicated here. Regarding «The Merchant of Venice», the focus was primarily on the concept of «equity»: the speaker traced a brief history of the term back to Aristotle’s notion of epieikeia and the Roman aequitas, delineated its function as a form of cor­ rective justice that mitigates a narrow and rigid legalism, and deftly illustrated its creative rendering in the conflict between Shylock’s tenacious clinging to the terms of his bond («I stand here for law», «I crave the law») and Portia’s plea for the «qua­ lity of mercy». In the case of «Othello», attention was placed on the charge of deception levelled by Brabantio against the title­figure in his wooing of Desdemona, here reinterpreted in the light of a radical shift in contemporary aesthetic discourses of beauty and alterity. Acts of Naming and Re-Naming Finally, in «Romeo and Juliet», the spotlight was turned onto questions of identity, subjectivity and legal personhood, exem­ plified via reference to the various acts of naming and re­naming in the text – from Juliet’s supplication to Romeo to «deny thy father and refuse thy name» to Capulet’s disowning of his daughter («by my soul, I’ll never acknowledge thee»). The latter Scene from the climax of Shakespeare’s «The Merchant of Venice» in the court of the Duke of Venice, painted by Frank Howard. («Portia Pronouncing Sentence», circa 1830/31; Folger Shakespeare Library Digital Image Collection) 23UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 TAGUNGEN UND VORTRÄGE Die «Export Compliance»­Verantwortung des Spediteurs Sanktionen, Embargos und Einfuhrbeschränkungen: Beim Export haben insbesondere Spediteure eine Reihe von besonderen Aufgaben. Diese wurden an der Compliance­Tagung der Kompetenzstelle für Transport­ und Logistikrecht (KOLT) unter die Lupe genommen. THERESA RUPPEL Wieso benötigt es Exportkontrollen? Wer haftet im Falle eines fehlerhaften Exports? Welche (technischen) Möglichkeiten sind bereits vorhanden, um Exportvorschriften und Embargoinforma­ tionen einzuholen? Kann die Compliance­Aufgabe an Dritte über­ bunden werden? Rund 30 Teilnehmende von kleinen und grossen Logistikunter­ nehmen, Anwaltskanzleien, Versicherungen und Verbänden hatten sich am 14. Oktober 2016 zur Tagung «Die ‹Export Compliance›­Verantwortung des Spediteurs – Der erfolgreiche Umgang mit ‹Export Compliance›­Risiken als Wettbewerbs­ vorteil» im Universitätsgebäude eingefunden. Auf dem Pro­ gramm standen spannende Referate, in denen die Aufgaben und Verantwortungen von Spediteuren aus verschiedenen Blick­ winkeln erläutert wurden. Informationen aus erster Hand Die Exportkontrollen für Speditions­ und Logistikunternehmen standen im Einführungsreferat von Jürgen Boehler-Royett Mar- cano im Vordergrund. Als Chef für Dual Use Licensing am Eid­ genössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) in Bern versorgte er die Teilnehmenden mit Informationen aus erster Hand. Er konnte praxisnah aufzeigen, welchen Zweck Ex­ portkontrollen verfolgen, welche Personen beim Export involviert sind, was bei einem Export zu beachten ist und welche Unter­ schiede zwischen Exportsanktionen und Embargos bestehen. In seinem Referat zur Verantwortung und Haftung des Spedi­ teurs gegenüber dem Versender und dem Empfänger vermittelte KOLT­Direktor Prof. Dr. Andreas Furrer einen Überblick über die Rechtsquellen der Exportkontrolle sowie über die Verantwortung des Spediteurs. Je nach dem konkreten Verhalten kann er im Ein­ zelfall als Täter oder Gehilfe haften. Ausgehend vom sogenann­ ten Lotus­Prinzip erklärte David Hayes die extraterritorialen Wirkungen der EU­ und USA­Exportgesetzgebung. Die extraterri­ toriale Wirkung der EU­Sanktionsgesetze betrifft Unternehmen der EU­Mitgliedstaaten und auch der Schweiz. Der nächste Vor­ trag von KOLT­Co­Direktorin Dr. Juana Vasella gab den Teilneh­ menden einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen der vertraglichen Überbindung der Compliance­Verantwortung. Praxisbeispiele von Siemens und SWISS Im ersten Referat nach der Mittagspause stellte Erika Stobbe das Compliance System der Siemens Schweiz AG vor. Teil des Compliance­Konzepts sind bspw. die «Due Dilegence»­Prüfun­ gen der Spediteure oder ein Code of Conduct, den alle mit Sie­ mens in einer Beziehung stehenden Lieferanten unterzeichnen müssen, um die Einhaltung der Nachhaltigkeit, der Gesetze und Grundrechte zu sichern sowie Korruption und Kinderarbeit einzu­ dämmen. Im folgenden Vortrag thematisierte Martin Hensel die Anforderungen, welche die SWISS gegenüber (Export­)Spediteu­ ren hat, damit sie selber die Vorgaben der Handelskontroll­ gesetze der Schweiz, der EU und der USA einhalten kann. Anschliessend verbanden Peter Henschel und Thomas Koller ihr Know­how im Bereich der Best Practice, indem sie das techni­ sche Angebot zur Sicherstellung der Compliance in der Export­ kontrolle anhand von praxisnahen Beispielen veranschaulichten. In einem theoretischen und einem praktischen Teil erklärten sie den Umgang mit dem Internen Compliance Programm (ICP). Zum Abschluss konnte Prof. Dr. Christian Hauser vom PRME Business Integrity Action Center an der Hochschule für Technik und Wirt­ schaft Chur (HTW Chur) aufzeigen, dass Compliance neben Herausforderungen mit dem erworbenen Wissen über interne Abläufe auch Chancen birgt. In der abschliessenden Diskussionsrunde wurden einzelne Schwerpunktthemen der Referate nochmals detaillierter bespro­ chen und Fragen aus dem Publikum geklärt, sodass die Teil­ nehmenden mit vielen lehrreichen Informationen in den Feier­ abend entlassen werden konnten. Im KOLT-Newsletter 4/2016 wurde eine ausführliche Fassung des Tagungsberichts veröffentlicht: www.unilu.ch/kolt > News > Newsletter Theresa Ruppel ist Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Privatrecht bei Prof. Dr. Andreas Furrer. Masterinformationstage vom 7.–9. März 2017 Informationen und Anmeldung: www.masterinfotage.unibe.ch Informiert entscheiden, fokussiert studieren. MIT_2017_Anzeige_UL_225x300.indd 1 10.01.17 16:43 25UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 NEUERSCHEINUNGEN This book provides an economic analysis of recent development in environmental law and policy in Europe and gives answers to the following questions: to what extent is it justifiable to rely on mar­ kets and continued technological innova­ tion, especially in relation to the present exploitation of scarce resources? To what extent is it necessary for states to inter­ vene in energy markets? Which regula­ tory policies and methods will most ef­ fectively spur sustainable consumption and production of energy in order to pro­ tect the environment while mitigating any potential negative impact on economic deve lopment? How can economists predict the market’s complex reactions to this energy policy? The contributors apply insights from neoclassical and be­ havioral economics to the study of envi­ ronmental law and policy. In addition, the essays feature theoretical insights as well as empirical findings. Environmental Law and Economics Klaus Mathis | Bruce R. Huber (Eds.) Environmental Law and Economics Cham et al. 2017 ISBN 978­3­319­50931­0 Ethik von Banken und Finanzen Manfred Stüttgen (Hrsg.) Ethik von Banken und Finanzen Zürich/Baden­Baden 2017 ISBN 978­3­290­22037­2 In der Finanzindustrie zeichnen sich neue Spielregeln ab: Neben finanzieller Rendite gewinnen nichtökonomische Motive an Bedeutung. Anlegerinnen und Anleger for­ dern nachhaltige Investments, Banken positionieren sich als sozial und umwelt­ bewusst und Kapitalmarktakteure müs­ sen die Verteilung von gesellschaftlichem Risiko und privatem Gewinn als fair legiti­ mieren. Dieser transdisziplinäre Sammel­ band vereinigt Forschungsresultate, kri­ tische Reflexionen und Denkanstösse führender Expertinnen und Experten aus den Bereichen Investment, Bankmanage­ ment, Finanzethik und Moraltheologie aus der Schweiz, Deutschland, Öster­ reich, Kanada und den USA. Die Texte in der Liturgie sind durch und durch biblisch geprägt. Das gilt auch für die Dialoge, Redewendungen, Gebete etc. Manche Texte sind sogar wörtlich aus der Heiligen Schrift übernommen. Bei ande­ ren Texten wurde ein biblisches Motiv entweder weiterentwickelt oder es wur­ den mehrere Motive miteinander verbun­ den. Dies ist vielen Mitfeiernden, aber auch den Fachtheologinnen und ­theolo­ gen oft nicht bewusst. Der «Luzerner Biblisch­Liturgische Kommentar zum Ordo Missae» will diesen verborgenen Schatz heben und die Bedeutungsfülle des liturgischen Vollzugs wieder ins Be­ wusstsein rücken. Der vorliegende dritte Band setzt sich inhaltlich mit der Mahl­ feier der Eucharistie und der den Gottes­ dienst abschliessenden Entlassung der Gemeinde auseinander. Leib Christi empfangen, werden und leben Birgit Jeggle­Merz | Walter Kirchschläger | Jörg Müller (Hrsg.) Leib Christi empfangen, werden und leben – Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten. Stuttgart 2016 ISBN 978­3­460­33137­2 Herausgeberin Universität Luzern Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Lukas Portmann Redaktion Dave Schläpfer Layout Daniel Jurt Korrektorat Mirjam Weiss (dt.) / Ian Black (engl.) Comic Tiemo Wydler Auflage 2900 Exemplare Inserate Go! Uniwerbung, St. Gallen www.go­uni.com/uniluaktuell Kontakt / Abo Universität Luzern Öffentlichkeitsarbeit Frohburgstrasse 3, 6002 Luzern uniluaktuell@unilu.ch Website / Archiv www.unilu.ch/uniluaktuell Das nächste uniluAKTUELL erscheint am 30. Mai. Das Magazin ist kostenlos abonnierbar: uniluaktuell@unilu.ch IMPRESSUM 26 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017PANORAMA «Ich habe mich ins kalte Wasser gestürzt» Alumni im Gespräch: «Das probiere ich jetzt einfach», sagte Hildegard Aepli, als sie sich für ein Theologiestudium in Luzern entschloss. Inzwischen ist sie seit 22 Jahren mit Freude in der Kirche tätig und engagiert sich hier auch für die Frauen. INTERVIEW: FELIX HUNGER Hildegard Aepli, im Jahr 2011 pilgerten Sie nach Jerusalem und im Sommer des vergangenen Jahres nach Rom. Sie scheinen eine sportliche Theologin mit viel Ausdauer zu sein … Hildegard Aepli*: Ja, das stimmt! (lacht) Schon während des Theologiestudiums spielte ich in einer Gruppe Studierender wöchentlich Volleyball. Aber Pilgern läuft für mich nicht unter Sport, dazu reicht eine gute körperliche Grundkonstitution. Zu­ allererst braucht es psychische Stärke. Es gilt Spannungen aus­ zuhalten und mit den vielen Ungewissheiten umgehen zu kön­ nen, beispielsweise: Wo finden wir eine Unterkunft? Wo gibt es Wasser? Wie gehen wir mit gefährlichen Situationen um? Da ist ein «bei sich sein», ein Grundvertrauen zentral. Was war das Ziel der Pilgerreise nach Rom? Die Pilgerreise war ein Teil von «Für eine Kirche mit* den Frauen» (www.kirche­mit.ch). Es war ein spirituelles Projekt, das heisst, wir sind in einer spirituellen Haltung nach Rom gepilgert, als christliche, gläubige Frauen und Männer, die das auch zum Aus­ druck brachten. Das Projekt hat ausserdem einen kirchenpoliti­ schen Aspekt: Wir nahmen die rund 1200 Kilometer unter die Füsse, um unser Anliegen bei Papst Franziskus zu deponieren, dass Männer in der Katholischen Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung und Rolle und über die Belange der Kirche insgesamt nachdenken, diskutieren und entscheiden. Der Startschuss dafür fiel am 2. Mai 2016 in St. Gallen, und am 2. Juli 2016 fand der Schlusspilgertag in Rom statt. Auf dem Weg haben sich uns über 1000 Menschen angeschlossen, um eine kürzere oder längere Etappe mit uns zu pilgern. Wie geht es nun weiter? Vielfältig! Zum einen erscheint in diesem Sommer der Dokumen­ tarfilm «Habemus Feminas», der von drei jungen Männern – zwei davon sind kirchenfern – gedreht wurde. Zum anderen erhalten wir am 19. März den Preis der «Herbert Haag Stiftung – für Freiheit in der Kirche». Dazu organisieren wir einen Pilger­ tag und laufen mit allen, die Lust haben, von Eschenbach LU nach Luzern. Die Überlegung dahinter ist, dass dieser Preis nicht nur dem Kernteam gehört, sondern allen, die sich mitengagiert haben. Zudem halten wir auf Anfrage gerne Rückblicke auf un­ sere Pilgerreise. Fortan feiern wir im Bistum St. Gallen jedes Jahr den 2. Mai, den Gedenktag der Heiligen Wiborada, als unseren Pilgerstarttag. Das Projekt lebt in Zukunft stark von den Men­ schen, die vor Ort in Eigeninitiative etwas organisieren. Das muss auch nicht durch uns abgesegnet oder koordiniert werden. Das Kernteam wird ein Buch über das Pilgerprojekt schreiben. Unter Pilgerinnen und Pilgern: Hildegard Aepli auf ihrer Pilgerreise nach Rom. (Bild: Sylvia Stam) 27UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 Auszeichnung für rechtswissenschaftliche Dissertation Dr. iur. Chris Lehner hat den Professor Walther Hug Preis für seine an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern verfasste Doktorarbeit erhalten. Die Auszeichnung wird jährlich für die besten an Schweizer Universitäten abgenomme­ nen Dissertationen verliehen und dient der Förderung der rechts­ wissenschaftlichen Forschung. Die Preisübergabe fand am 15. Dezember 2016 in Luzern statt. Als Mitglied des Stiftungsrats hielt Prof. Dr. Felix Bommer, Profes­ sor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Internationales Straf­ recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern, die Laudatio. Die Doktorarbeit mit dem Titel «Nachträgliche Anordnung statio­ närer therapeutischer Massnahmen», die in der Schriftenreihe «Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft» erschienen ist, wurde 2015 bereits mit dem Dissertationspreis des Universitäts­ vereins Luzern ausgezeichnet. Dr. Chris Lehner, der zunächst als PANORAMA Nach Ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin haben Sie 1989 das Theologiestudium in Luzern in Angriff genommen. Was hat Sie damals bewogen, diesen Schritt zu wagen? Nach drei Jahren als Primarlehrerin durfte ich ein unbezahltes Urlaubsjahr machen und verbachte dieses in Nordostbrasilien, nachdem ich vorgängig in einem Crashkurs Portugiesisch gelernt hatte. Dort lernte ich die basiskirchlichen Strukturen kennen und bin vor allem in Kontakt mit der Armut gekommen. Das hat mich richtig durchgeschüttelt und mein Weltbild auf den Kopf gestellt. Nach meiner Rückkehr überlegte ich mir, wie es weitergehen soll. Dabei hatte ich drei Optionen: Musik, Sport und Religion. Weil mich jemand auf das Theologiestudium angesprochen hatte, liess mich dieser Gedanke nicht mehr los, obwohl ich mich überhaupt nicht an einer Uni gesehen habe. Ich habe den Gedanken geprüft und sagte schlussendlich: «Das probiere ich jetzt einfach!» Welches Ziel hatten Sie zu Stundenbeginn, und hat sich dieses im Verlauf des Studiums verändert? Zu Beginn hatte ich keine Vorstellungen, ich stürzte mich ins kalte Wasser und war nicht zielorientiert. Im Bergtal, wo ich aufgewachsen war – meine Eltern führten hier ein Internat mit 130 Knaben –, gab es keine einzige Frau im kirchlichen Dienst, und so wusste ich nicht einmal, dass es den Beruf der Pasto­ ralassistentin gibt. Im Haus Bruchmatt in Luzern lernte ich die Exerzitien kennen und merkte, dass ich damit das finde, wonach ich gesucht hatte. Am Schluss des Studiums kam das Bistum St. Gallen auf mich zu und bot mir eine Stelle an. Ich liess mich darauf ein. Unterdessen arbeite ich seit 22 Jahren mit Freude im kirchlichen Dienst. Wie haben Sie Ihre Studienzeit (1989–1994) erlebt? Das war für mich eine super Zeit! In den ersten zwei Jahren hat sie mich allerdings an meine Grenzen gebracht, weil ich in Kon­ takt kam mit meinen innerpsychischen Mustern. Insgesamt war es eine reiche Zeit, weil ich all meinen Fragen auf den Grund ge­ hen konnte. 2011 eine Pilgerreise, 2016 eine weitere – wohin geht es 2021? Also in Santiago de Compostela war ich schon zweimal, auch wenn ich nicht die ganze Strecke gelaufen bin! (lacht) Ich weiss es ehrlich gesagt noch nicht … * Hildegard Aepli, geboren 1963, ist in Vättis SG aufgewachsen. Nach ihrer Tätigkeit als Primarlehrerin und ihrem Theologiestudium arbeitete sie einige Jahre in der Pfarreiseelsorge im Bistum St. Gallen. Von 2000 bis 2011 war sie Hausleiterin des Convict Salesianum in Fribourg und mitverantwortlich für die geistliche Ausbildung und Begleitung der deutschsprachigen Theologie- studierenden. Seit dem Jahr 2000 ist sie auch Exerzitienleiterin. Seit 2012 arbeitet Hildegard Aepli als Mitarbeiterin des Pastoralamtes, Abteilung Spiri- tualität und Bildung, im Bistum St. Gallen sowie als Pastoralassistentin der Dompfarrei St. Gallen. Sie ist auch freischaffend tätig. Bei «Alumni im Gespräch» handelt es sich um eine Interview-Reihe mit ehemaligen Studierenden und Doktoranden. Die Serie wird von der Alumni Organisation der Universität Luzern betreut: www.unilu.ch/alumni Felix Hunger ist Co-Präsident der Sektion Theologische Fakultät der Alumni Organisation der Universität Luzern. Er hat in Luzern und Rom Theologie studiert und wirkt heute als Vikar in der Pfarrei Rüti-Dürnten-Bubikon. Prof. Dr. Felix Bommer (links) gratuliert Dr. Chris Lehner. ausserordentlicher Kantonsrichter tätig war, hat im Januar sein neues Amt als Richter am Bezirksgericht Luzern angetreten. (red.) 28 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017PANORAMA Für immer ohne Zukunft Diesen März besetzen Jugendliche aus der Region das Luzerner Theater. Mit der Produktion «No Future Forever» laden sie dazu ein, ihre Idee von Zukunft mitzuerleben und Teil ihres Paralleluniversums zu werden. Assoziationen von zwei Mitwirkenden. MADLEINA CAVELTI | MELANIE GUNTERN Wir sind 17 junge Menschen, die – aber was nützt dir diese Zahl schon? Ab 7 kann man sich Zahlen nicht mehr vorstellen. Ab 7! Schon bei der Zahl 7 muss der Grossteil der Menschen zuerst an 4 und dann an 3 denken. Also gut, versuchen wir es anders. Wir sind Teala, Malini, Ulrichtu, Pikatata, Supp Supp, Klüsian, Frett, Kasupstopf, Wraschta, Nanana, Ara­Hüf, Pleckell, Siechfo, Chr, Hasch, Ugzhaua, und die andere Ulrichtu. Und jetzt? Weisst du jetzt, wer wir sind? Wahrscheinlich nicht. Neuer Versuch. Was uns aufgefallen ist, über was wir so nachdenken: Muster. Der Mensch lebt nach Mustern. Wir bleiben bei Rot ste­ hen, gehen nicht rückwärts, seitwärts oder sonst wie, sondern geradeaus, im Zug sitzen wir bevorzugt allein ins Abteil, und Verliebte halten Hände. Können wir ausbrechen? Machen diese Muster uns aus? Identität. Jedes Individuum besitzt eine Identität. Oder? Ja, nein. Vielleicht. Willst du überhaupt eine Identität? Ja, nein. Vielleicht. Ängste. Bereuen, nicht gewagt zu haben. Uni­Stoff. Die grosse Liebe verpassen. Wünsche. Ein riesiger Fisch als fancy Deko. Nein, sorry. Es tun und darin aufblühen. Existieren. Wirklich existieren. Druck. Nur richtige Entscheidungen, alles wissen und die Besten sein. Oder doch eher: Nur richtige Fehlentscheidungen, das Rich­ tige nicht wissen, die beste Version von sich sein. Woher kommt dieser Druck? Gesellschaft? Von uns selbst? Und von was wollen wir nicht abgehängt werden? Zukunft. Was erwartet uns? Was wir jetzt tun, werden wir auch in der Zukunft tun. Daraus folgt, es gibt gar keine Zukunft. Die Zu­ kunft ist jetzt. Für immer. Also, wenn du verstehst, was ich meine. Es sei denn, wir tun in der Zukunft etwas anderes, als wir jetzt tun. Womit die Zukunft in der Zukunft wäre und somit exis­ tieren würde. Ein Schritt nach vorne. Wir wollen uns unsere Zu­ kunft erschaffen. Vielleicht denken wir auch einfach zu viel. «No Future Forever», Musiktheater von Jugendlichen aus der Zentralschweiz und dem Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ZJSO, inszeniert von Marco Štorman. Luzerner Theater, 3.–26. März. Für Studierende bis 30 Jahre: Last-Minute-Karten für 15 Franken ab 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse. Mehr Informationen: www.luzernertheater.ch/nofutureforever Szenen aus dem Probenprozess: «Viel Rumgequatsche, viele Pseudoweisheiten und am Ende doch etwas.» 29UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 PANORAMA Ende gut – alles neu! Eine der Fragen, die sich Studierende der Kulturwissenschaften ständig anhören müssen, ist diejenige, was man nach dem Studium denn zu tun gedenke. «Die Welt steht einem offen, wenn man Kulturwissenschaften macht», pflegte ich stets zu sagen. «Uns braucht es überall: Journalismus, Marktforschung, Sponsoring, Werbung, kundenorientierte Weiterentwicklung von Produkten, Verlagsarbeiten und sogar im Bereich Human Resour­ ces.» Sicherlich hatte ich damit nie unrecht. Denn all das, was man in der Uni­Bibliothek in sich reinprügelt, all die Arbeiten, die man schreibt, und die Referate, die man vorbereitet, dienen nicht nur dem Wissen, sondern sie lehren auch, wie man unter Zeit­ druck arbeitet, wie man Hunderte von Seiten auf das Elementare runterbricht oder wie man um die Ecke denkt. Das alles sind Skills, die in verschiedensten Jobs wichtig sind. In der Theorie klingt das alles sehr plausibel. Als ich aber im letz­ ten Herbst meine Masterarbeit abgab, folgte der Praxistest: Ich musste mich auf Stellen bewerben, um nicht mit leeren Händen dazustehen. Das zwang mich dazu, mich mit ganz lebenswelt­ lichen Fragen zu beschäftigen. Womit will ich mein Brot verdie­ nen? Wo möchte ich die nächsten Jahre verbringen? Für welchen Job bringe ich genügend Erfahrung mit? Für meine Entschei­ dung, in welche Richtung es gehen soll, kam mir meine eigene Laufbahn zu Hilfe: Als gelernter Elektroniker bin ich noch immer an technischen Aspekten der IT­Branche interessiert. Zudem liebe ich es zu schreiben; mich in Worten auszudrücken, zu schauen, was sprachlich alles möglich ist, finde ich etwas un­ glaublich Schönes. Bei der Suche auf gängigen Jobportalen fand ich im Bereich Jour­ nalismus einige interessante Stellen. Zudem waren in einem ähn­ lichen Bereich mindestens genauso viele Stellen ausgeschrie­ ben: Spezialist im Bereich Social Media oder Social Media Manager. Ich überarbeitete also meine Bewerbungsunterlagen, stellte einen fancy Lebenslauf zusammen und bewarb mich auf alles, das meinem Profil einigermassen entsprach und bei dem ich mir vorstellen konnte, mich langfristig damit zu beschäftigen. Innert zwei Tagen füllte sich mein Mailkonto mit Eingangsbestä­ tigungen – einige Wochen später kamen die ersten Absagen. Deprimiert hat mich das alleweil, doch ich machte weiter. Nach etwa zwei Dutzend Bewerbungen folgten die ersten Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Es kristallisierte sich heraus, dass ich im Bereich Social Media die besten Chancen hatte. Ich liess mir Bücher zukommen, las mich tiefer ins Thema ein, verbrachte Abende damit, mir neue Tools anzuschauen und die Firmen, bei denen ich mich bewarb, auf ihre Social­Media­Kanäle zu unter­ suchen. Ich dachte mich in die neuesten Auswertungsmethoden Peter Limacher. (Bild: Markus Forte) hinein und schaute unzählige YouTube­Tutorials an. All die daraus gezogenen Erkenntnisse flossen wieder in meine Bewerbungen ein, und nach mehr als einem Monat kam die erste Einladung für eine zweite Runde. Die Freude war gewaltig, und die Nervosität stieg von Tag zu Tag an. Ich schaute mir die Firma an, ihre Leitziele, ihre Ideen, und überlegte, wo ich Vorschläge einbringen könnte, was mir an ihrem Auftritt gefiel und was weniger. Als ich vom zweiten Gespräch zurückfuhr, merkte ich, dass ich genau diese Stelle wollte. Den ganzen Nachmittag schaute ich nur noch aufs Natel. Endlich kam das erlösende Telefon, die Zusage, dass ich künftig für eine Firma tätig sein kann, mit deren Leitbild ich mich identi­ fizieren und hinter deren Ideen ich stehen kann. Der Stein, der mir vom Herzen fiel, war gewaltig. Ende gut – alles neu! Peter Limacher hat im vergangenen Herbstsemester sein Studium der Kulturwissenschaften im Master mit Major Wissenschaftsforschung abgeschlossen und arbeitet ab März als Social Media Manager bei der Stiftung «Science et Cité», die den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern will. Im auf dem Online-Portal «zentralplus» erscheinenden Campus-Blog schreiben Studierende der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät über die Hochs und Tiefs des studentischen Alltags: www.zentralplus.ch/de/blogs/campusblog Mit dem Ende des Studiums ist nicht nur das Abschlussverfahren verbunden, sondern auch ein Stress, der schwer auf dem Magen liegen kann: Was mache ich danach? In dieser Folge des Campus­Blogs berichtet Peter Limacher von seinem Weg ins Berufsleben. 30 UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017PANORAMA Kinderuni bietet Einblick in die Welt der Wissenschaft Am 10. März beginnt die zehnte Vorlesungsreihe der Kinderuni Luzern. Dozierende der Universität und des Luzerner Kantonsspitals vermitteln den Kindern altersgerecht Wissenswertes aus Ethnologie, Wirtschaft, Recht und Medizin. «Vom Dschungel Papua­Neuguineas in den Dschungel des Inter­ nets: Wie forschen Ethnologen?», «Wie Dagobert Duck seinen Glückstaler vor Gundel Gaukeley schützen könnte» und «Ein brandgefährlicher Besuch im Stadion – Wird der Fussball­Fan für seine zündende Idee bestraft?»: So lauten die drei Themen der Vorlesungen an der Universität. Am Kantonsspital kommen die Kinder in den Genuss von zwei Vorlesungen an einem Nach­ mittag: «Wofür brauchen wir Hormone?» und «Unser Gehirn kann mehr als wir denken». Eingeladen zur Kinderuni sind alle Primarschülerinnen und ­schüler der 4. bis 6. Klasse. Zur Teilnahme braucht es we­ der einen bestimmten Notendurchschnitt noch gibt es Prüfungen oder Hausaufgaben. Was zählt, ist das Interesse, Neues zu lernen, und die Motivation, alle vier Vorlesungen zu besu­ chen. Dafür gibts am Ende der letzten Vorlesung ein Diplom. Die Vorlesungen der Luzerner Kinderuni finden jeweils am Freitagnachmittag von 16.15 bis 17 Uhr (am Kantonsspital bis 18 Uhr) statt, am 10., 24. und 31. März an der Universität sowie am 17. März am Kantonsspital. So spannend die Themen auch sind: Die Eltern sind zu den Vorlesungen nicht zugelassen. Die Kinderuni wird organisiert von der Öffentlichkeitsarbeit der Universität Luzern in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kan­ tonsspital. (red.) Die Teilnahme an der Kinderuni ist kostenlos. Die Platzzahl ist beschränkt. Informationen und Anmeldung: www.unilu.ch/kinderuni COMIC 31UNILU AKTUELL · AUSGABE NR. 58 · FEBRUAR 2017 PANORAMA Drei Perspektiven auf das Fremde Wahrnehmung des Fremden nicht als Bedrohung, sondern als Chance: Darüber sprachen an der jüngsten Ausgabe der «Luzerner Begegnungen» ein regieführender Theater intendant, eine Philosophin und ein Psychotherapeut. Mit Neugier und Interesse, aber auch mit Skepsis, Angst oder Abwehr – es gibt viele Arten, wie man «dem Fremden» begegnen kann. Nicht selten scheint, mit einem Blick auf das Welt­ geschehen und in die Kommentarspalten, die Einschätzung als Be drohung zu dominieren. Dass die Auseinandersetzung mit dem Fremden demgegenüber auch als Chance begriffen werden kann, stand im Zentrum der Austragung der Gesprächsreihe «Luzerner Begegnungen» vom 5. Februar. Zum traditionell am Sonntag morgen stattfindenden Anlass hatten das Luzerner Theater, die Universität Luzern und Pro Senectute Kanton Luzern in die Box des Luzerner Theaters eingeladen. Rund 50 Personen waren gekommen, um das Gespräch zwischen Moderator Claudio Brentini und Benedikt von Peter, Intendant des Luzerner Theaters, Prof. Dr. Christine Abbt, SNF­Förder­ professorin für Philosophie an der Universität Luzern, und Dr. Alexander Fries, Fachpsychologe für Psychotherapie in Luzern, mitzuverfolgen. Spontan komme ihm zum Thema, so Be­ nedikt von Peter, sein Zwillingsbruder in den Sinn. Zunächst hät­ ten sie in einem nur für sie beide verständlichen Dialekt kommu­ niziert und erst als Fünfjährige normal zu sprechen begonnen. «Das Ich, die eigene Identität, bildet sich aus dem Kontakt mit dem Gegenüber – und eben auch aus der Differenzerfahrung – heraus.» Nicht nur für die menschliche Entwicklung, auch im Bereich der Kunst sei das Sich­Befassen mit dem Anderen, dem Fremden zentral und ein wichtiger Motor, so der Opernregisseur. Auch Christine Abbt sieht diesbezüglich viel Potenzial: Indem bspw. in literarischen Texten Handlungsszenarien aufgezeigt wer­ den, könne über die Lektüre der eigene «Möglichkeitssinn» ge­ schärft werden, die Vorstellung, durchaus auch eine Andere resp. ein Anderer zu sein, anders zu handeln. So oder so sei die Grenze zwischen Vertrautem und Fremdem gar nicht so klar: «Denn sind wir wirklich dieselben wie vor zehn Jahren, wie gestern?» Generell wünscht sich die Politphilosophin eine Gesellschaft, die – anstatt sich von Ignoranz leiten zu lassen – vermehrt Räume für die Kontaktaufnahme mit Fremdem, mit Fremden schafft. Vorstoss zum «eigenen Fremden» Man müsse sich bewusst sein, so Alexander Fries, dass nicht das Fremde an sich Angst mache, sondern die durch das eigene Welt­ bild geprägte Bedeutung, die man diesem zuschreibe. Die Er­ kenntnis und der Umgang damit, dass etwa ein «Ausländer» gar nicht so fremd ist wie gedacht – oder aber sogar «schweize­ rischer» als man selbst –, sei nicht immer einfach. In seinem Be­ ruf gehe es oft darum, zum «eigenen Fremden» der Personen, die bei ihm in Therapie sind, vorzustossen, sie in Kontakt zu bringen mit in ihnen schlummernden Seiten: «Die schönsten Lösungen kommen aus dem Menschen selbst heraus.» (Dave Schläpfer) Die nächsten «Luzerner Begegnungen» finden am Sonntag, 30. April, um 11 Uhr in der Box des Luzerner Theaters statt. Der Anlass – diesmal zum Thema «Rollen» – ist wie gewohnt öffentlich; Eintritt frei. Als Gesprächsgäste dabei: Benedikt von Peter, Prof. Dr. Christine Abbt und Dr. Alexander Fries (v.l.). (Bild: Dave Schläpfer) Masterstudium Universität Luzern Attraktive Studiengänge, persönliche Atmosphäre Jetzt anmelden! www.unilu.ch/masterinfo Informationsabend Dienstag, 21. März 2017 Theologie, Rechtswissenschaft, Kultur- und Sozialwissenschaften Masterwoche Kultur- und Sozialwissenschaften 20. – 24. März 2017

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    Das Luzerner Universitätsgesetz im Fokus der Rechtswissenschaft

    untitled das luzerner universitätsgesetz im fokus der rechtswissenschaft dies academicus 26. Oktober 2000 12luzerner universitätsreden paul richli Impressum: Im Auftrag des Senates der Universität Luzern (UniLu) herausgegeben vom Rektorat, Luzern 2001 Für den Inhalt dieser Nummer sind die Autoren /Autorinnen verantwortlich. Redaktion: Edith Zingg Layoutkonzept: schifferli DESIGN, Basel Auflage: 2200 Exemplare Schutzgebühr: Fr. 10.– Finanziert vom Universitätsverein, Luzern Die Luzerner Universitätsreden enthalten öffentliche Vorträge, die an der Universität Luzern (UniLu) gehalten wurden. Damit sollen wissenschaftliche Inhalte an eine breitere Öffentlichkeit vermittelt werden. Diese Publikationsreihe, die durch private Mittel finanziert wird, erscheint in unregelmässigen Abständen. 1 das luzerner universitätsgesetz im fokus der rechtswissenschaft paul richli dies academicus 26. Oktober 2000 12luzerner universitätsreden 2 Inhalt Teil 1 Paul Richli, Gründungsdekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (Prof. Dr. iur.), Vortrag: «Das Luzerner Universitätsge- setz im Fokus der Rechtswissenschaft» Teil 2 Walter Kirchschläger, Rektor der Universität Luzern (Prof. Dr. theol.), Ansprache Monika Schumacher-Bauer, Vertreterin der Studierenden, Kurzansprache der Studierenden Ehrenpromotion Krzysztof Penderecki (Prof. Dr. h.c.) Urkunde, Laudatio und Dankesworte Ulrich Fässler, Erziehungs- und Kulturdirektor (Dr. iur.), Schlussansprache Anhang: Kurt Koch, Bischof des Bistums Basel (Prof. Dr. theol.), Homilie beim Gottesdienst der Theologischen Fakultät 04 31 38 40 47 51 Paul Richli geboren 1946 in Hallau SH; Prof. Dr. iur.; 1974 Promotion. 1984 Habilitation. Von 1974 bis 1990 an verschiedenen Stellen in der Bundesver- waltung tätig, u.a. als Sekretär der Kartellkommission, seit 1982 in lei- tender Funktion in der Hauptabteilung Staats- und Verwaltungsrecht des Bundesamtes für Justiz. Ab 1987 Lehraufträge an der Universität Bern, später auch an der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Von 1990 bis 1993 Ordinarius an der Universität St. Gallen, bevor er 1993 dem Ruf nach Basel folgte. Seit 1998 Vizerektor für Studierende und Mittelbau der Universität Basel. Im Juni 2000 Wahl zum Grün- dungsdekan der neuen Fakultät III für Rechtswissenschaft an der Uni- versität Luzern. 3 das luzerner universitätsgesetz im fokus der rechtswissenschaft teil 1 Prof. Dr. iur. Paul Richli 4 1. Einleitung1 Worüber soll der Gründungsdekan der Rechtswissenschaftli- chen Fakultät am Dies Academicus 2000 der Universität Luzern spre- chen? Über die neue Fakultät? Das wäre verfrüht. Es gibt sie noch gar nicht. Es gibt erst Entwürfe, die auf der Homepage2 eingesehen, kom- mentiert, kritisiert und gelobt werden können. Und es gibt eine Beru- fungskommission sowie einen Fakultätsmanager, die hart und gut ar- beiten. In wenigen Monaten werden wir die Professorinnen und Professoren kennen, welche am Start dabei sein werden. Was wir heu- te aber bereits haben, ist das Universitätsgesetz. Es ist am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft getreten. Und darüber zu sprechen, liegt für mich geradezu auf der Hand: Zunächst einmal hat Luzern das neuste Universitätsgesetz, und man darf annehmen, dass es von den Vorgängererlassen gelernt hat. Wer das Luzerner Gesetz in den Fokus nimmt, äussert sich daher in relevanter Weise zur schweizerischen Universitäts-gesetzgebung all- gemein. Wird dies aus der Sicht der Rechtswissenschaft gemacht, so leistet der Referent einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Universi- tätsrechts, einer Sparte der Rechts-wissenschaft, welche in der Schweiz schon immer ein kümmerliches Dasein fristete. Im Grunde genommen müssen wir bis zur Berner Rektoratsrede von 1983 meines akademischen Lehrers und wissenschaftlichen Förderers, Fritz Gygi, zurückgehen, bis wir besonders Belangvolles finden3. Gar 30 Jahre zu- rück liegt der erste wesentliche Beitrag Gygis zum Thema der Rechts- gestalt der Universität4. Ausserdem kann ich mit dieser Themenwahl illustrieren und dokumentieren, dass die Rechtswissenschaft zu den relevanten The- men der heutigen Zeit etwas zu sagen hat. Dies mag diejenigen Akteu- re im Rahmen des Luzerner Universitätsprojekts bestärken, welche sich dafür eingesetzt haben, dass die neue Fakultät eine rechtswissen- schaftliche und nicht irgend eine andere sein soll. 5 Das Luzerner Universitätsgesetz steht ganz im Banne des Zeit- geistes, der auf das New Public Management (NPW) oder, so die deut- sche und auch in Luzern bevorzugte Begriffsverwendung, auf die Wir- kungsorientierte Verwaltungsführung (WOV) eingeschworen ist5. Ich will daher im Folgenden zunächst skizzieren, worum es bei der WOV geht (Ziff. II). Alsdann benenne ich das Analyseinstrumentarium, mit dem ich das Universitätsgesetz Luzern fokussiere (Ziff. III). Ein Blick zurück auf die Rechtsgrundlagen der bisherigen Universitären Hoch- schule Luzern soll den Traditionsanschluss an das neue Gesetz schaf- fen (Ziff. IV). Damit sind wir darauf vorbereitet, ausgewählte Bestim- mungen des Universitätsgesetzes Revue passieren zu lassen (Ziff. V). Ich beende die Überlegungen mit einer Schlussbemerkung (Ziff. VI). 1 Dank für Ihre Unterstützung gebührt den Herren lic. iur. Crispin Hugenschmidt, lic. iur. Konrad Sahlfeld, LL.M sowie Dr. iur. Christoph Spenlé. 2 www.unilu.ch/rf 3 FRITZ GYGI, Die Universität des demokratischen Freistaates Bern, Berner Rektoratsre- den 1983, Bern 1983, abgedruckt in: Beiträge zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Festgabe zum 65. Geburtstag des Verfassers, Bern 1986, S. 521–534. 4 FRITZ GYGI, Die Rechtsgestalt der Universität, Zeitschrift des Bernischen Juristenver- eins, Band 106 (1970), S. 133–157, abgedruckt in: Beiträge zum Verfassungs- und Ver- waltungsrecht, Festgabe zum 65. Geburtstag des Verfassers, Bern 1986, S. 497–519. 5 Siehe Botschaft des Regierungsrates an den Grossen Rat zum Entwurf eines Gesetzes über die universitäre Hochschulbildung (Universitätsgesetz), S. 6 und 12. 6 2.1. WOV-Grundsätze im Allgemeinen 2. Der Kontext der Wirkungsorien- tierten Verwaltungsführung (WOV) 2.1.1. Zur Diskussion in der Schweiz Die in der Schweiz relevanten Grundgedanken der WOV lassen sich in 10 Punkten wie folgt skizzieren6: 1. Kunden- und Publikumsorientierung (sog. Total Quality Mana- gement): Die Verwaltung soll sich ausdrücklich auf die Wünsche der Bevölkerung (Publikum, Kunden) einstellen und diese optimal befrie- digen. Das erfordert eine transparente Verwaltungstätigkeit, die der Evaluation der Zufriedenheit mittels Umfragen bedarf. 2. Kostensenkungs- und Effizienzdruck (sog. Lean Production): Die politische Steuerung setzt stets anspruchsvollere Vorgaben hinsichtlich Kosten je Leistungseinheit oder immer höhere Qualitätsanforderungen bei gleichbleibenden Kosten. Dadurch soll die Effizienz in der öffentlichen Verwaltung nachhaltig gesteigert werden. Angestrebt wird auch eine schlankere Verwaltungsorganisation allgemein. 3. Output- statt Inputsteuerung: Die Steuerung der Verwaltung soll nicht über die Bewilligung von finanziellen und personellen Mit- teln erfolgen, sondern über die Leistungen und Wirkungen mit Hilfe des Kostencontrolling. Das setzt Vergleiche auf der Basis von Vollko- stenrechnungen voraus. Die Kontrolle erfolgt über Rechenschaftsbe- richte auf der Grundlage von Evaluationen sowie mit ständig zu über- 6 Vgl. ERNST BUSCHOR, Wirkungsorientierte Verwaltungsführung, Referat an der Ge- neralversammlung der Zürcher Handelskammer vom 1. Juli 1993, Wirtschaftliche Pu- blikationen der Zürcher Handelskammer, 52, Zürich 1993, S. 5 ff., bes. S. 19; ferner na- mentlich THEO HALDEMANN, New Public Management: Ein neues Konzept für die Verwaltungsführung des Bundes? Schriftenreihe des Eidg. Personalamtes, Band 1, Bern 1995, S. vii f. und S. 1 ff., bes. S. 5 f.; KUNO SCHEDLER, Ansätze einer wirkungsorien- tierten Verwaltungsführung, Von der Idee des New Public Management (NPM) zum konkreten Gestaltungsmodell, Fallbeispiel Schweiz, Bern 1995, S. 18 ff. Allerdings gibt es auch bereits Relativierungen, siehe etwa REINHOLD HARRINGER, Das Globalbudget als Zentral- und Schwachstelle im Modell der «Wirkungsorientierten Verwaltung», Schweiz. Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht 2000, S. 505 ff. mit Hinweisen. 7 prüfenden Kosten- und Leistungsvereinbarungen. Ein zentrales Stich- wort ist der Leistungsauftrag. Die bisherige Steuerung durch Rechts- normen in Form von Konditionalprogrammen soll durch die Steuerung durch Rechtsnormen in Form von Final- oder Zweckprogrammen abge- löst werden. 4. Trennung von strategischen Entscheidungen der politischen Be- hörden und operativen Kompetenzen der Verwaltung sowie Vernetzung von Planung, Vollzug und Kontrolle: Gefragt ist eine klare Aufgabentei- lung und eine Entflechtung der Zuständigkeiten zwischen Politik und Verwaltung. Die Politik soll sich auf die Strategie beschränken. Die Abgrenzung von strategischer und operativer Ebene sowie die Zuord- nung der einzelnen Kompetenzen auf die verschiedenen staatlichen Funktionsträger dürfte allerdings zu den schwierigsten Aufgaben ge- hören7, ganz abgesehen von den damit verbundenen rechtlichen Pro- blemen8. Gefordert werden weiter einheitliche Kosten-, Leistungs- und Wirkungsindikatoren. Sie sind Voraussetzung für eine höhere Vernet- zung der Planungs-, Vollzugs- und Kontrollphasen. 5. Trennung der Funktion des Finanzierers, des Käufers, des Er- bringers und des Empfängers der Leistungen: Diese Trennung drängt sich mit Blick auf die Einführung von Wettbewerbselementen im inter- nen und externen Bereich auf. Damit dieser nicht verfälscht wird, müssen die einzelnen Funktionen organisatorisch und personell ge- trennt werden. 6. Einführung von konzernähnlichen Verwaltungsstrukturen: Das erfordert eine (mindestens bereichsweise) Absage an die hierarchisch gegliederte Verwaltung. Besonders beliebt sind ausgegliederte Verwal- tungseinheiten, die Agenturen (Agencies), die ein Höchstmass an ope- rativer Autonomie und Selbstverantwortung erhalten. Ein weiteres An- liegen ist die Schaffung flacher Hierarchien. Eine Holdingstruktur soll so viel zentrale Steuerung und Kontrolle wie nötig sicherstellen. 7 Vgl. HALDEMANN (Fn. 6), S. 22; auch BUSCHOR (Fn. 6), S. 24 ff. 8 Siehe dazu CHRISTOPH MEYER, New Public Management als neues Verwaltungs- modell – Staatsrechtliche Schranken und Beurteilung neuer Steuerungsinstrumen- te, Diss. Basel 1998, S. 137 ff. und 171 ff. 8 7. Leistungsaufträge für gemeinwirtschaftliche Leistungen: Im Zentrum des Interesses stehen neu Leistungsvereinbarungen. Sie sind das eigentliche Steuerungsmittel für die Verwaltungstätigkeit. Die Verwaltung soll ihre Leistungen auf der Grundlage von Kostenrech- nungen anbieten und erbringen. Dieses Konzept ist mit Globalbudgets verbunden und hat zur Folge, dass die Verwaltung keine Aufträge an- nehmen und erfüllen soll, die finanziell nicht abgedeckt sind. 8. Wettbewerbsorientierung nach innen und aussen: Zur internen Verrechnung entsprechend einer Vollkostenrechnung treten schritt- weise zusätzliche Wettbewerbselemente. Man vergleicht verschiedene Angebote für bestimmte Leistungen (Leistungs-Quervergleich), ermit- telt das beste Angebot und nimmt es als Zielgrösse (sog. «Bench Mar- king»). Weiter wird Wettbewerb zwischen internen und externen An- bietern simuliert, dies aufgrund einer internen und externen Ausschreibung für eine genau definierte Leistung (sog. «Market Te- sting»). Zu denken ist auch an Gutschein-Systeme, etwa im Schulwe- sen, welche zu einer Steuerung über die Leistungsnachfrage statt über das Leistungsangebot führen. Schliesslich werden Aufträge, beispiels- weise die Produktion von Computer-Software, nach aussen vergeben (sog. «Contracting Out»), oder es werden Aufträge von aussen herein- geholt (sog. «Contracting In»). 9. Umfassende Wirkungs- und Ordnungsmässigkeitsprüfung: Die Kontrolle der Ordnungsmässigkeit, die nicht mit der Rechtmässigkeit zu verwechseln ist, der Buchführung und der Einhaltung der Budget- vorgaben stehen nicht mehr im Mittelpunkt. Von besonderem Interes- se sind umfangreiche Indikatoren zur Kosten-, Leistungs- und Wir- kungsmessung. Es geht um die Wirtschaftlichkeit (Verhältnis zwischen vorgegebenen und tatsächlichen Kosten), um die Effizienz (Verhältnis von Mitteleinsatz und Ergebnis), um die Effektivität (Ver- hältnis der zu erbringenden Leistung zur erbrachten Leistung), um die Wirksamkeit (Verhältnis zwischen Leistung und Kosten) sowie um die Service-Qualität (Verhältnis der tatsächlichen zur geschuldeten Quali- tät). 10. Förderung nicht monetärer Leistungsanreize und Leistungs- lohn: Gefragt sind neue Managementtechniken und Führungsins- trumente, namentlich aus dem Bereich der Organisations- und Perso- nalentwicklung. Gefördert werden kollektive und individuelle Motivationen und Leistungsanreize für die Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter. Man arbeitet mit Leistungs- und Erfolgslöhnen sowie mit Sparprämien. 9 2.1.2. Zur Übertragbarkeit des Konzeptes der WOV auf den Hochschulbereich ? Grundsätzlich ist das Konzept der WOV auch im Hochschulbe- reich anwendbar. Zwei Gründe sprechen allerdings gegen eine pau- schale Übertragung: 1. Detaillierte Vorgaben auf der normativen und strategischen Ebene an die Leistungserbringer sind nur beschränkt möglich. Das Know-how über sinnvolle Zielsetzungen bezüglich Tätigkeiten von Universitäten ist weitgehend bei diesen selbst konzentriert. Im Übri- gen wären solche Vorgaben auch nicht sinnvoll, weil sie den unerläs- slichen Raum für Kreativität und Innovation eingrenzen würden. Dies geriete in Konflikt mit der Freiheit von Forschung und Lehre. 2. Die von der WOV geforderten Kontrollen der Leistungen und Wirkungen sind im Hochschulbereich nur bedingt machbar, weil insbe- sondere die Wirkungen von Lehre und Forschung mindestens teilweise erst mit grosser zeitlicher Verzögerung eintreten. Dies gilt insbesondere für den Praxiserfolg der Lehre. Bis die erfolgreichen Studienabgängerin- nen und -abgänger auf dem Arbeitsmarkt auftreten und von diesem ein- geschätzt werden können, verstreichen Jahre. Sodann ergeben sich In- novationen aufgrund vorausgegangener Forschungstätigkeit oft erst mit grosser zeitlicher Verzögerung. Das Konzept der WOV muss daher den spezifischen Gegeben- heiten der Hochschulen angepasst werden9. Die wichtigsten Elemente eines solchen New University Management (NUM), wie es in der Schweiz diskutiert wird, sind10: – Festlegung von Vorgaben bezüglich der Tätigkeiten von Hochschulen auf der normativen Ebene (politische Ziele) durch die po- litischen Behörden (Regierung und Parlament) – Übertragung sämtlicher Entscheidungen auf strategischer und operativer Ebene an Hochschulen – Steuerung der Leistungserbringung durch einen vom Parla- ment definierten Leistungsauftrag und durch Leistungsvereinbarun- gen zwischen Regierung und Hochschulen 9 Es wird auch die Meinung vertreten, dass es generell keine für alle Verwaltungs- bereiche einheitliche Betrachtungsweise der WOV gäbe, sondern für jeden einzel- nen Bereich bei einer klaren Zielvorstellung nach unterschiedlichen Modalitäten der Anwendung zu suchen sei. Vgl. ROLF DUBS, Recht und NPM im Schulwesen, in: Der Verfassungsstaat vor neuen Herausforderungen, Festschrift für Yvo Hangart- ner, St. Gallen 1998, S. 389 ff. 10 Siehe dazu DANIEL KOPP, New University Management, Diss. Basel 1998, S. 16 ff. 10 – Schaffung von flexiblen, dezentralen Organisationsstruktu- ren, welche klare Trennung zwischen normativen, strategischen und operativen Kompetenzen beinhalten – Aufbau von Methoden, die eine Überprüfung der Erreichung der geforderten Leistungen und Wirkungen ermöglichen – Schaffung und Umsetzung eines Personalrechts, das den Hochschulen genügend Freiraum für flexibles und unternehmerisches Verhalten lässt. 11 Siehe etwa FRANZ ZIEGELE, Hochschule und Finanzautonomie: Grundlagen und Anwendung einer politischen-ökonomischen Theorie der Hochschule, Frankfurt a.M. 1997; STEPFAN BUSE, Globalbudgetierung in Hochschulen: Eine kritische Analyse der Ansätze in der BRD, Hamburg Arbeitsbereich Public Management/ Hochschule für Wirtschaft und Politik 1993; Hochschulrektorenkonferenz: Zur Fi- nanzierung der Hochschulen, Entschliessung des 179. Plenums der Hochschulrek- torenkonferenz, Berlin 9. Juli 1996, Dokumente zur Hochschulreform 110/1996. 12 Vgl. Arbeitskreis Qualität und Effizienz der Hochschulverwaltung der Universi- tätskanzler der BRD, Zeitgerechte Leitungs- und Verwaltungsstrukturen für Univer- sitäten, in: Forschung & Lehre, Sonderbeilage 7/1997, S. 4. 13 Vgl. BUSE (Fn. 11), S. 76. 14 Vgl. Arbeitskreis (Fn. 12), S. 4 und 5. 15 Siehe dazu den Diskussionbeitrag zur Struktur der zentralen Leitungsebene des Arbeitskreises (Fn. 12), insbes. S. 5 ff. 16 Siehe dazu ANDREA JANSER (Bearb.): Das neue Hochschulrecht: Gesetzestexte, Materialien, Hinweise, Wien 1993, S. 25 ff. 17 FRANZ STREHL, Controlling an Universitäten, in: Rudolf Strasser (Hrsg.), Die Universität nach dem UOG 1993, Wien 1996, S. 27 und 29. 11 Soweit das Auge reicht, erblickt es Einflüsse der WOV in den Universitäten der Schweiz, Deutschlands und Österreichs. Die allgemeine Entwicklung in der Schweiz geht in Richtung Stärkung der Autonomie der Universitäten: Stichworte sind: eigene Rechtspersönlichkeit, Verlagerung von operativen Führungsaufgaben an die Universitäten, Wahrnehmung von strategischen Kompetenzen teilweise durch Universitätsräte (so in Basel, Genf, Luzern, St. Gallen und Zürich), Finanzierung über Globalbudgets bzw. globalbudgetähnli- che Kredite. Im Zentrum der WOV-Diskussion in Deutschland steht die Fi- nanzautonomie im Hochschulbereich. Die Rede ist, wie in der Schweiz, von Globalbudgets11. Mit der Einführung von Globalhaushalten werden verstärkt die Leistungen in Lehre und Forschung berücksichtigt (z.B. Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit und der Studienabschlüs- se, Zahl der Promotionen etc.)12. Die Mittelzuteilung für die wissen- schaftlichen Einheiten erfolgt gemäss einer Untersuchung von 1993 – von vereinzelten Ausnahmen abgesehen – i.d.R. jedoch nicht output- bzw. leistungsbezogen13. In allen Bundesländern haben sich aufgrund eingeleiteter Reformen der Landesverwaltungen bei den Universitäten Aufgabenzuwächse im Personal- und Haushaltsbereich, verbunden mit entsprechender Entscheidungsverantwortung, ergeben. Gleichzeitig ge- hen einige Länder dazu über, ihre Aufsichts- und Lenkungsfunktion über Leistungsabsprachen und nicht mehr über detaillierte Vorgaben im Erlasswege wahrzunehmen14. Vor diesem Hintergrund, insbesondere angesichts der Konfrontation mit betriebswirtschaftlichen Fragestellun- gen, werden neue Handlungsentwürfe für ein modernes Leitungs- und Verwaltungsmanagement im Hochschulbereich diskutiert15. In Österreich geht die Universitätsreform auf das neue Universi- tätsorganisationsgesetz von 1993 (UOG 1993) zurück. Dieses atmet ganz den Geist der WOV. Zwei Elemente stehen im Vordergrund16. Zu- nächst wird die Autonomie der Universitäten durch erhöhte Entschei- dungskompetenzen mit Bezug auf das Personal gestärkt. Sodann wird die innere Leitung und Verwaltung der Universitäten zum Zweck der Steigerung ihrer Effizienz durch Einführung eines unternehmensähn- lichen Managements neu geordnet. In diesem Zusammenhang wird die Entwicklung und Einführung eines Controllingkonzeptes diskutiert17. 2.2. WOV-GRUNDSÄTZE IN DEN UNIVERSI- TÄTEN DER SCHWEIZ, DEUTSCHLANDS UND ÖSTERREICHS 12 3. Zum Analyseinstrumentarium Die vorstehend skizzierte WOV ist keine rechtswissenschaftli- che Errungenschaft, sondern eine solche der Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung. Die Rechtswissenschaft verneigt sich vor ihr teilweise. Es gibt unter Aspekten des rechtswissenschaftlichen Analyseinstrumentariums aber auch Vorbehalte und Kritik18. Ange- merkt sei, dass es beruhigend ist zu wissen, dass nicht nur die Rechts- wissenschaft kritische Einwände gegen die Radikalisierung des Kon- zepts der WOV erhebt, sondern dass solche auch von ökonomischer Seite kommen. Neustens äussert sich Henner Kleinewefers auf äus- serst kritische Weise zur WOV. Mit der Wissenschaftlichkeit des Kon- zepts sei noch kaum Staat zu machen; es gebe gravierende Theoriede- fizite. Und die überzeugenden Teile seien im Wesentlichen nicht neu, sondern lediglich neu verpackt19 Mehr als ernüchternd klingt sein zu- sammenfassendes Urteil20: «Das NPM dürfte nicht viel zur Verminde- rung des Staatsversagens im allgemeinen beitragen, wenn überhaupt, und die Erwartungen in Bezug auf substantielle und nachhaltige Ein- sparungen im besonderen dürften weit überzogen sein. Die Diskussion um das NPM lenkt davon ab, dass die wirklich entscheidenden Proble- me im politischen Bereich liegen und nicht in der Verwaltung.» 18 Siehe etwa DIETER DELWING/HANS WINDLING «New Public Management»: Kri- tische Analyse aus staatsrechtlicher und staatspolitischer Sicht, in: Schweiz. Zen- tralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht 1996, S. 183 ff.; PAUL RICHLI, New Pu- blic Management und Personalrecht, in: Peter Helbling/Tomas Poledna (Hrsg.), Personalrecht des öffentlichen Dienstes, Bern 1999, S. 102 ff. 19 HENNER KLEINEWEFERS, Staatsversagen, Verwaltungsversagen und New Public Management, Seminar für Wirtschafts- und Sozialpolitik der Universität Freiburg/ Schweiz, Freiburg 2000, S. 38 ff. 20 KLEINEWEFERS (Fn. 19), S. 43; kritisch neustens auch: HARRINGER (Fn. 6), S. 505 ff. 13 21 Systematische Rechtssammlung Luzern Nr. 1. 22 Systematische Sammlung des Bundesrechts Nr. 101. 23 Systematische Sammlung des Bundesrechts Nr. 0.103.1. 24 PAUL RICHLI, Interdisziplinäre Daumenregeln für eine faire Rechtsetzung, Ein Beitrag zur Rechtsetzungslehre im liberalen sozial und ökologisch orientierten Rechtsstaat, Basel/Frankfurt a. Main/München 2000. Die Grundsätze der WOV reiben sich an einer Reihe von Rechts- grundsätzen, Rechtsinstituten und Rechtsnormen, welche sich in Jahr- hunderten oder wenigstens Jahrzehnten herausgebildet haben und wel- che die Rechtswissenschaft im Gespräch und in Respekt zu halten berufen ist. Diese Grundsätze sind zugleich ein Teil des Analyseinstru- mentes, das ich im folgenden anwende: Es geht namentlich um: das Le- galitätsprinzip (§ 47 Kantonsverfassung Luzern; nachfolgend KV LU21; Art. 164 Bundesverfassung, nachfolgend BV22), das Recht auf Bildung (Art. 13 UN-Sozialpakt23), die Rechtsgleichheit (Art. 8 BV) und um die Wissenschaftsfreiheit (Art. 20 BV). Diese verfassungsrechtlichen Fix- punkte werden für die Analyse des Universitätsgesetzes oder anders ge- sagt für dessen Auslegung bzw. Interpretation von Belang sein. Zudem fliessen einige Überlegungen zur guten Rechtsetzung ein, die ich soeben in meiner neusten Publikation entwickelt habe24. 14 25 Systematische Rechtssammlung Luzern Nr. 400. 26 Systematische Rechtssammlung Luzern Nr. 540. 27 Systematische Gesetzessammlung des Kantons Basel-Stadt Nr. 440.100. 28 Bernische Systematische Gesetzessammlung Nr. 436.11. 29 Gesetz über die Universität Zürich, Zürcher Loseblattsammlung Nr. 415.11. 4. Vom Erziehungsgesetz und von den Statuten der Hochschule Luzern zum Gesetz über die universitäre Hochschulbildung (Universitäts- gesetz) Die bisherige Universitäre Hochschule Luzern beruhte auf dem Erziehungsgesetz vom 28. Oktober 195325. Darin fand sich der (durch § 35 Absatz 1 des Universitätsgesetzes aufgehobene) § 56, wonach der Staat eine Hochschule Luzern (HSL) unterhielt, bestehend aus einer Fakultät I für Römisch-katholische Theologie und einer Fakultät II für Geisteswissenschaften (Abs. 1). Dem Regierungsrat war die Regelung des Näheren aufgetragen (Abs. 2). Für die Fakultät I war mit dem Bi- schof von Basel eine Vereinbarung zu treffen (Abs. 3). Der Grosse Rat konnte durch Dekret weitere Fakultäten errichten (Abs. 4). Angesichts dieser Bestimmung hätte es aus juristischer Sicht des Erlasses des Universitätsgesetzes gar nicht bedurft, um die Fakultät III für Rechts- wissenschaft zu gründen. Hingegen wäre § 56 eine (zu) schwache Grundlage für die Schaffung der Universität Luzern gewesen. Im Ver- gleich zum Erziehungsgesetz waren die Statuten der Hochschule Lu- zern jungen Datums. Sie stammten vom 27. September 199626. Solange das neue Vollzugsrecht nicht erlassen ist, gelten die bisherigen Be- stimmungen aufgrund der Übergangsbestimmungen des Universitäts- gesetzes (§ 36) weiter. 15 Zeit und Raum gestatten es nicht, sämtliche Bestimmungen des Universitätsgesetzes zu analysieren. Ich beschränke mich daher auf Vorschriften, welche mir auch im nationalen Kontext besonders be- deutungsvoll erscheinen und welche das Gesetz in besonderer Weise strukturieren und charakterisieren. 5.1. Vorbemerkung 5.2. Analyse ausgewählter Bestimmungen 5.2.1. Grundsatzbestimmung Die Grundsatzbestimmung für das Luzerner Universitätsgesetz findet sich in § 1. Sie lautet: I. Allgemeines § 1 Grundsatz 1 Die Universität ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eige- ner Rechtspersönlichkeit. Sie hat ihren Sitz in Luzern. 2 Sie plant, regelt und führt ihre Angelegenheiten aufgrund ei- nes Leistungsauftrags im Rahmen von Verfassung und Gesetz. Das UG konstituiert die Universität als eine öffentlichrechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit. Damit stellt es sich in die unkritische Nachfolge der anderen neuen Universitätsgesetze, so etwa von § 2 des Basler27, von Artikel 1 des Berner28 und von § 1 des Zür- cher29 Universitätsgesetzes. Weshalb unkritische Nachfolge? In der schweizerischen Rechtslehre und Rechtsprechung herrscht, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Fritz Gygi, die Meinung vor, die Uni- versität sei eine Anstalt. Die rechtlich selbstständige Anstalt ist begrifflich 5. Universitätsgesetz im rechtswissenschaftlichen Fokus 16 eine Organisation, welche ausserhalb der unmittelbaren Staatsverwaltung eine dauernde öffentliche Aufgabe erfüllt. Diese Anstalt wird von einem staatlichen Trägerverband (Bund, Kanton, Gemeinde) gegründet, ausge- stattet und aufrecht erhalten. Die Anstalt ist für die Finanzierung auf den Trägerverband angewiesen, der mindestens eine Defizitgarantie gibt. Wei- ter hat die Anstalt Benützerinnen und Benützer, welche die Leistungen der Anstalt (im Sinne von Kundinnen und Kunden) beanspruchen30. Dieses Design ist für die Universität Luzern wie für andere Univer- sitäten mindestens teilweise überholt. Die Studierenden sind mehr als Be- nützerinnen und Benützer. Sie gestalten die Universität je länger desto mehr mit, indem sie sich an der universitären Selbstverwaltung beteili- gen. Und gute Lehrveranstaltungen stehen und fallen mit der Beteiligung der Studentinnen und Studenten. Angemerkt sei, an dieser Stelle, dass auch das Konzept der WOV für die Universität schief ist. Darin wird die Bürgerin zur Kundin und der Bürger zum Kunden. Die Studentinnen und Studenten sind aber mehr als blosse Kundinnen und Kunden: sie sind Partnerinnen und Partner eines Bildungsverhältnisses. Auch die Finanzierung hat sich stark geändert. Die Universitäten werden je länger desto weniger nach Inputkriterien aus allgemeinen Steu- ermitteln finanziert. Zumal die Universität Luzern rechnet mit Output- grössen und will die Staatskasse möglichst wenig belasten. Hierauf wird zurückzukommen sein. Angesichts des gewandelten Selbstverständnisses der Universitä- ten sowie ihrer Finanzierung gibt es gute Gründe, die Rechtsform der An- stalt in Frage zu stellen und den organisationsrechtlichen Gegenpol in den Blick zu nehmen, die Körperschaft. Diese zeichnet sich durch Mitglie- der aus und nicht durch Benützerinnen und Benützer. Laut Gygi finan- ziert sich die Körperschaft selber. Als Beispiel führt er die Gemeinden an31. Doch sind auch Gemeinden von einer eigenständigen Finanzierung seit jeher weit entfernt. Sie erhalten die Steuerkompetenzen vom Kanton und sind in ein Finanzausgleichssystem eingebunden. Die Universitäten werden je länger desto mehr durch Beiträge finanziert, welche im direk- ten Austausch für ihre Leistungen für die Studierenden und für die For- schung erbracht werden. Der Unterschied zur Gemeindefinanzierung schwindet. Auch wenn die heutige Universität noch nicht eindeutig alle Elemente einer Körperschaft aufweist, so werden körperschaftliche Elemente jedenfalls wichtiger und haben die Neigung, die Charakteris- 30 Siehe GYGI, (Fn. 3), S. 497 ff.; MATTHIAS SCHNYDER, Die Universität Basel als öffentlich-rechtliche Anstalt, Basel/Frankfurt a.M. 1985, S. 49 f. und 54 ff.; BGE 98 Ib 301 (305). 31 GYGI, (Fn. 3), S. 499 ff. 17 tika der Anstalt zu überrunden. An dieser Stelle ist ein Hinweis auf das deutsche Recht von Interesse. Das Hochschulrahmengesetz erklärt in § 58 Absatz 1 die Hochschulen prinzipiell zu öffentlichrechtlichen Körperschaften32. Das ist keine neue Errungenschaft, sondern ent- spricht der seit längerem herrschenden Auffassung in der Rechtslite- ratur33. Die Gegenstimmen34, welche sich für die Rechtsgestalt der An- stalt aussprechen, vermochten sich jedenfalls auf der Ebene der Gesetzgebung nicht durchzusetzen. Dass gewisse Merkmale der An- stalt gegeben sind, führt noch nicht zur Qualifikation als Anstalt; die körperschaftlichen Elemente überwiegen nach dieser Lesart35. Zwar ist (auch heute noch) einzuräumen, dass sich die deutsche Beurteilung nicht ohne weiteres auf die schweizerische Situation übertragen lässt. Die namhaft gemachten Unterschiede36 verlieren indessen aus ver- schiedenen Gründen an Gewicht. Anders als andere Schweizer Universitätsgesetze sowie das deutsche Universitätsrahmengesetz nennt das Luzerner Gesetz die Au- tonomie der Universität nicht ausdrücklich. Laut Botschaft des Regie- rungsrates soll sie aber mit gemeint sein37. Die historische Auslegung spricht also für Autonomie. Dies ergibt sich im Übrigen auch aufgrund der systematischen Auslegung. Laut § 1 Absatz 2 des Universitätsgesetzes plant, regelt und führt die Universität ihre Angelegenheiten aufgrund eines Leistungsauftrags. Das Instrument des Leistungsauftrags ist die erste augenfällige Referenz im Luzerner Universitätsgesetz an das Steuerungsmodell der WOV. Sie illustriert zugleich, dass es diesbezüglich noch keine kohä- rente Regelungspraxis in der Schweiz gibt. Im Vergleich dazu enthält das Basler Universitätsgesetz noch keine Verankerung des Leistungs- auftrags, auch nicht der Leistungsvereinbarung. Hingegen haben Re- gierungsrat und Universitätsrat vor kurzem eine Leistungsverein- barung abgeschlossen. Auf die gleichzeitige Erteilung eines Leistungsauftrags wurde verzichtet, weil sich eine gewisse Ratlosig- keit mit Bezug darauf breit machte, was er denn neben der Leistungs- vereinbarung aussagen sollte. Das Berner Universitätsgesetz spricht demgegenüber nur von der Leistungsvereinbarung (Art. 59 Abs. 1). Auf 32 Vom 26. Januar 1976 (BGBl. I S. 185), in der Fassung der Bekanntmachung vom 9. April 1987 (BGBl. I S. 1170), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 20. August 1998 (BGBl. I S. 2190). 33 Siehe SCHNYDER (Fn. 30), S. 52 mit Hinweisen. 34 Siehe SCHNYDER (Fn. 30), S. 52 f. mit Hinweisen. 35 Vgl. etwa HARTMUT MAURER, Allgemeines Verwaltungsrecht, München 1999, S. 579 ff. 36 SCHNYDER (Fn. 30), S. 54. 37 Siehe Botschaft (Fn. 5), S. 16. 18 Bundesebene finden wir immerhin ein Regelungsbeispiel, das beide In- strumente nennt. So sieht der Entwurf des Heilmittelgesetzes38 vor, dass ein Leistungsauftrag und eine Leistungsvereinbarung für das Heilmittel- institut abzuschliessen sind (Art. 70 E-HMG). Der Leistungsauftrag an das Institut soll vom Bundesrat erteilt werden (Abs. 1), während das De- partement diesen Auftrag in einer Leistungsvereinbarung mit dem Insti- tut konkretisiert (Abs. 2). Die Botschaft des Bundesrates zum Heilmittel- gesetz bringt wenig zusätzliche Klärung39. Die instrumentelle Unsicherheit der WOV zeigt sich auch in der einschlägigen Literatur und Rechtsetzung. Zuweilen taucht die Leistungsvereinbarung bzw. der Kon- trakt auf, zuweilen der Leistungsauftrag, zuweilen beides40. Auch die rechtliche Qualifikation dieser Instrumente lässt noch zu wünschen übrig. Man hat es mit einer juristischen Baustelle zu tun41, an der hier nicht wei- ter gearbeitet werden kann. Zum Einen bedarf die Begriffsverwendung der Klärung. Zum Anderen – und das zählt mehr – harrt die rechtliche Einordnung der Instrumente noch der rechtlichen Klärung bzw. Kon- struktion. 5.2.2. Ziele und Aufgaben der Universität In Ziffer II regelt das Universitätsgesetz Ziele und Aufgaben. Die hier besonders interessierenden Bestimmungen haben den folgen- den Wortlaut: II. Bildungsziele § 3 Allgemeines Bildungsziel 1 Ziel der Bildung ist die dauernde, gezielte und systematische Förderung des Wissens, des Könnens, der ethisch begründeten Hand- lungsorientierungen, der Gemeinschaftsfähigkeit, der Lernfähigkeit und der Lernbereitschaft des Einzelnen im Hinblick auf eine sinnvolle Bewältigung und Gestaltung des Lebens. 38 Botschaft zu einem Bundesgesetz über Arzneimittel und Heilmittelprodukte, Bun- desblatt 1999, S. 3453 ff. 39 Botschaft (Fn. 38) 1999, S. 3552 f. 40 Vgl. etwa SCHEDLER (Fn. 6), S. 130 und 147; DANIEL BRÜHLMEIER/THEO HAL- DEMANN/PHILIPPE MASTRONARDI/KUNO SCHEDLER, New Public Management für das Parlament: Ein Muster-Rahmenerlass WoV, Schweiz. Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht 1998, S. 309; Art. 44 des Regierungs- und Verwaltungsorga- nisationsgesetzes, Systematische Sammlung des Bundesrechts Nr. 172.010. 41 Vgl. etwa PHILIPPE MASTRONARDI, in: Philippe Mastronardi/Kuno Schedler, New Public Management in Staat und Recht. Ein Diskurs, Bern/Stuttgart/Wien 1998, S. 110 ff.; Christoph Meyer (Fn 8), S. 248 ff. 19 2 Bildung fördert die Reflexions-, Handlungs- und Entwick- lungsfähigkeit der einzelnen Menschen, ihrer Gemeinschaften und der Gesellschaft. 3 Sie befähigt Menschen, Leistungen zu erbringen, das gesell- schaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben mitzugestalten und sich darin zu bewähren. § 4 Ziele und Aufgaben der Universität Die Universität leistet wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Lehre im Interesse der Allgemeinheit. Insbesondere a. fördert sie das geistige Leben, den Dienst an Mensch, Gesell- schaft und Natur sowie den Umgang mit den Menschen, b. vermittelt sie wissenschaftliche Bildung und schafft damit die Grundlagen zur Ausübung von akademischen Tätigkeiten und Be- rufen, c. ... d. ... Die Abschnittüberschrift spricht einzig von Bildungszielen. In § 3 wird dann zunächst ein allgemeines Bildungsziel definiert. § 4 nennt so- dann konkrete Ziele und Aufgaben. Im Rahmen einer grammatikali- schen Interpretation erscheint die Forschung lediglich als Funktion der Bildung. Zieht man allerdings die Botschaft des Regierungsrates heran, so liest man dort, dass Forschung und Lehre zusammengehören sollen42. Die Theologie wird mit ihren Anliegen jedenfalls nur unvoll- ständig abgebildet. Es ist nirgends davon die Rede, dass sich Theologie auch mit Religion bzw. Transzendenz zu beschäftigen habe. Mit dieser Benennungshemmung schliesst das Luzerner Universitätsgesetz zwar an die bisherigen Statuten der Hochschule Luzern an43. Doch war jene Formulierung insofern offener, als die Hochschule kurz und bündig den Auftrag hatte, Forschung und Lehre in den Wissenschaftsbereichen ihrer Fakultäten zu fördern (§ 1 Abs. 2). Damit war keine gegenständli- che Eingrenzung verbunden, wie sie mit dem Wortlaut der §§ 3 und 4 einher geht. Dürfte man bei einer derart feingliedrigen Aufzählung der Aufgaben einer neuen Universität, die ihre Wurzeln fraglos in der Theolo- gie hat, nicht erwarten, dass auch der Forschungsgegenstand der Theolo- gie adäquaten Ausdruck findet? Oder hat etwa Bischof Koch völlig dane- ben gegriffen, als er Theologie vor gut zwei Jahren in einer inspirierenden Rede über das Verhältnis von Universität und Kirche als die Wissenschaft von Gott bezeichnet und sich dafür eingesetzt hat, dass sich Theologie um 42 Botschaft (Fn. 5), S. 17 f. 43 Systematische Rechtssammlung Luzern Nr. 540. 20 eine zeitgemässe Rede von und über Gott sorgt44? Die Thematik kann hier nicht vertieft werden. Doch sei die Frage am Beispiel des Luzerner Univer- sitätsgesetzes auch für andere schweizerische Universitätsgesetze aufge- worfen, ob die Theologie darin eine hinreichende Benennung erhalte. Soll- te die Theologie in Kultur, Gesellschaft und Geist inbegriffen sein, müsste man mir jedenfalls erklären, weshalb sie nicht mit der geisteswissen- schaftlichen Fakultät zusammengelegt werden könnte. So oder anders ist die Formulierung in den §§ 3 und 4 des Univer- sitätsgesetzes zu bildungslastig. Die Forschung wird zwar jeweils vorweg erwähnt, aber doch nur als Funktion der Bildung. Daran ändert der Hin- weis auf die anderslautende Botschaft des Regierungsrates wenig. Wenn wir in diesem Kontext auf die Idee der Universität zurückgreifen, wie sie Karl Jaspers im Kern noch immer gültig auf meisterliche Weise umrissen hat, so eignet der Forschung neben der Lehre und Bildung durchaus ein Eigenwert. Forschung, Lehre und Bildung sollen eine Einheit bilden. In der Kurzversion ist die übergreifende Aufgabe der Universität die Wissen- schaft, nicht die Bildung45. Es wäre nach alledem treffender, in der Abschnittüberschrift von Wissenschaftszielen statt von Bildungszielen zu sprechen und in den §§ 3 und 4 neben der Gesellschaft, Kultur und dem Geist minde- stens auch die Religion zu erwähnen. 44 Bischof KURT KOCH, Universität und Kirche. Zu einer notwendigen Beziehung mit Spannungen. Vorträge der Aeneas-Silvius-Stiftung an der Universität Basel, Basel 1999, S. 8 ff. Vgl. auch etwa die folgende Definition von Theologie: «Heute bezeichnet Theologie im engeren Sinn die Lehre von Gott als Teilgebiet der Dogmatik, im meist gebrauchten weiteren Sinn ein denkendes Nachvollziehen des Geglaubten. Die Theo- logie liefert dem Glauben nicht erst den Grund, sondern setzt diesen (im Unterschied zur Religionswissenschaft) voraus. [...] Die Bezeichnung der Theologie als Wissen- schaft bedeutet nicht ihre Einpassung in einen vorgegebenen Wissenschaftsbegriff; verpflichtet ist sie allein ihrem Gegenstand und Grund. Sie hat gleichwohl methodisch an wissenschaftlicher Arbeitsweise teil, indem sie ihre Voraussetzungen deutlich macht, in ihren Denkvollzügen logisch und kontrollierbar vorgeht und beide begriff- lich klar und geordnet darstellt, also den Glauben verstehbar und nachvollziehbar ent- faltet.» (GLATZ in Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, hrsg. von Hel- mut Burkhardt und Uwe Swarat, Wuppertal/Zürich 1994.) 45 KARL JASPERS, Die Idee der Universität, Reprint, Berlin/Heidelberg/New York 1980, S. 38 ff. 46 Vgl. etwa JÖRG PAUL MÜLLER, Grundrechte in der Schweiz. Im Rahmen der Bun- desverfassung von 1999, der UNO-Pakte und der EMRK, Bern 1999, S. 316 und 322 f. 47 Botschaft (Fn. 5), S. 18. 21 5.2.3. Wissenschaftsfreiheit § 5 UG verankert die Forschungs- und Lehrfreiheit. Damit ent- spricht die Bestimmung Artikel 20 der Bundesverfassung (BV). Sie läuft insofern leer, d.h. sie schützt nicht mehr als die BV. Tatsächlich umfasst die Wissenschaftsfreiheit aufgrund von Rechtslehre und Rechtsprechung neben der Forschungs- und Lehrfreiheit aber auch die Lernfreiheit46. Sie sichert die Freiheit der Studentinnen und Studen- ten, ihr Studium, insbesondere ihre wissenschaftlichen Arbeiten, sel- ber zu gestalten. Die Studentinnen und Studenten dürfen danach ins- besondere nicht zur Übernahme von bestimmten Lehrmeinungen gezwungen werden. Von dieser Lernfreiheit lässt das Gesetz nichts er- kennen. Einmal mehr ist die Botschaft des Regierungsrates besser for- muliert. Dort stossen wir auf diesen Teil der Wissenschaftsfreiheit47. Es wäre ein Gebot der Ausgewogenheit und des Respekts vor der Persönlichkeit der Studentinnen und Studenten, ja geradezu ein Gebot ihrer Menschenwürde (Art. 7 BV), die Lernfreiheit als Teil der Wissen- schaftsfreiheit auch im Universitätsgesetz ausdrücklich zu benennen und sie damit sinnfällig zu gewährleisten. Auf diese Weise erhielte die Rechtsposition der Studentinnen und Studenten die ihr gebührende grundrechtliche Einbettung und Würde. Dies wäre umso mehr geboten, als die Studentinnen und Studenten an der Universität strukturell immer noch die schwächsten Partner sind und es angesichts des Charakters des Bildungsverhältnisses auch bleiben werden. Nicht zuletzt im Umfeld ei- ner so bedeutungsvollen theologischen Fakultät wäre die ausdrückliche Verankerung der Lernfreiheit wünschenswert. Sie wäre institutioneller Ausdruck dafür, dass sich Lehrende und Studierende an der Universität im Geiste gegenseitiger Achtung und Anerkennung begegnen sollen. 5.2.6. Organisation der Universität Die Organe der Universität Luzern lassen sich mit denjenigen anderer Schweizer Universitäten mit neuen gesetzlichen Grundlagen vergleichen. Auf gesamtuniversitärer Ebene – und nur sie soll hier in den Fokus genommen werden – treffen wir den Universitätsrat (§ 15), die Rektorin oder den Rektor (§ 17) sowie den Senat (§ 17). Teilweise neue Wege geht Luzern mit der Zusammensetzung dieser Organe und ihren Zuständigkeiten. Besonders hervorzuheben sind hier die folgen- den Merkmale: Zwar ist der Universitätsrat das strategische Führungsorgan der Universität (§ 15 Abs. 1). Er besteht von Amtes wegen aus der Vor- steherin oder dem Vorsteher des zuständigen Departements sowie aus 22 vier bis acht vom Regierungsrat gewählten Persönlichkeiten aus Wissen- schaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Weiter kommen, von Amtes wegen, mit beratender Stimme die Rektorin oder der Rektor dazu. Was das für eine Universität zentrale Geschäft, die Wahl von Professorinnen und Professoren betrifft, lässt das Luzerner Gesetz vornehme und funktio- nal höchst begrüssenswerte Zurückhaltung erkennen. Der Universitätsrat begnügt sich mit einer Genehmigungskompetenz (§ 16 Abs. 1 Bst. k). Ei- gentliches Berufungsorgan ist der Senat (§ 18 Abs. 3). Genehmigungs- kompetenz heisst, dass der Universitätsrat rechtlich gesehen einzig ein Vetorecht hat. Er kann nicht verlangen, dass eine bestimmte Person beru- fen wird. Die Rechtslage ist insofern ähnlich wie bei Regierungsratsver- ordnungen, welche der Genehmigung durch das Parlament unterliegen, oder wie bei der Ernennung der im Zuge der Staatsleitungsreform im Bund vorgesehenen Ministerinnen und Ministern. Diese soll der Bundes- rat wählen, unter Vorbehalt der parlamentarischen Bestätigung (Entwurf von Art. 164a Abs. 2 BV). Auch in diesen Fällen steht den Genehmigungs- organen kein eigenes Gestaltungs- bzw. Auswahlrecht zu, sondern ledig- lich ein Vetorecht48. Damit wird das institutionelle Risiko ausgeschlossen, dass der Universitätsrat, anders als an anderen Universitäten, wo der Uni- versitätsrat das eigentliche Berufungsorgan ist, aus politischen Gründen eine andere Wahl als die beantragte vornehmen kann. Die Luzerner Rege- lung weist dem universitätsinternen Gremium, dem Senat, in diesem Sin- ne erheblich mehr Kompetenzen ein, als dies andere Universitätsgesetze tun. So ist etwa in Basel (§ 9 Ziff. 7) und Zürich (§ 29 Abs. 5 Ziff. 6) der Universitätsrat Wahlorgan. Demgegenüber wählt in Bern (Art. 73 Abs. 2 Bst. h) der Regierungsrat und in Freiburg (Art. 17 Abs. 1)49 der Staatsrat die Professorinnen und Professoren. 48 Für die Genehmigung von Regierungsverordnungen durch das Parlament siehe namentlich MARCEL BUTTLIGER, Die Verordnungstätigkeit der Regierung, insbe- sondere deren Kontrolle durch das Parlament mittels Verordnungsvorbehalt, Bern etc. 1993, S. 236 ff.; ferner: ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 4. Aufl., Zürich 1998, Rz. 1019; für die Wahl von Ministerinnen und Ministern siehe Vernehmlassungsvorlage vom 11. November 1998 des Eidg. Ju- stiz- und Polizeidepartements zur Staatsleitungsreform, S. 31. 49 Universitätsgesetz, Systematische Sammlung des Kantons Freiburg Nr. 430.1. 50 Nicht amtlich publiziert. 51 Systematische Gesetzessammlung des Kantons Basel Stadt Nr. 440.110. 52 Siehe JÖRG KÜNZLI/WALTER KÄLIN, Die Bedeutung des UN-Paktes über wirt- schaftliche, soziale und kulturelle Rechte für das schweizerische Recht, in: Walter Kälin/Giorgio Malinverni/Manfred Novak (Hrsg.), Die Schweiz und die UNO-Men- schenrechtspakte, 2. Aufl., Basel/Frankfurt a.M./Bruxelles 1997, S. 149 f. 53 Vgl. PAUL RICHLI, Chancengleichheit im Schul- und Ausbildungssystem als Pro- blem des Staats- und Verwaltungsrechts, Schweiz. Zentralblatt für Staats- und Ver- waltungsrecht 1995, S. 218 ff. 23 Die Luzerner Regelung ist zusätzlich insofern bemerkenswert, als der Senat sehr klein ist. Er besteht aus der Rektorin oder dem Rek- tor, der Dekanin oder dem Dekan jeder Fakultät, der Verwaltungsdi- rektorin oder dem Verwaltungsdirektor und je einer Vertreterin oder einem Vertreter der Professorinnen und Professoren, des wissen- schaftlichen Personals sowie der Studentinnen und Studenten (§ 8 Abs. 2). Vergleicht man dies etwa mit der Universität Basel, so ent- spricht der Luzerner Senat nahezu dem Basler Regenzausschuss (§ 2 Geschäfts- und Wahlreglement der Regenz der Universität Basel)50. Die Regenz selber zählt viel mehr Vertreterinnen der universitären Gruppie- rungen (§ 10 Universitätsstatut)51. Sucht man nach einem charakterisie- renden Merkmal, so kann man sagen, der Senat nach Luzerner Universi- tätsgesetz sei strukturell in der Hand der operativen Leitungsorgane von Universität und Fakultäten. Es wird des Feingefühls der Persönlichkeiten in diesen Leitungsfunktionen bedürfen, damit sich eine Kultur des Zu- sammenwirkens der Vertretung der Gruppierungen und der Leitungsor- gane entfaltet. 5.2.7. Zulassungsbeschränkungen Die Universität Luzern kann Zulassungsbeschränkungen einführen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, insbesondere die finanziel- len Möglichkeiten eine Erhöhung der Aufnahmekapazität nicht zulassen. Die einschlägige Bestimmung lautet wie folgt: § 22 Zulassungsbeschränkung 2 Bei Zulassungsbeschränkung entscheidet die Eignung der Stu- dienanwärterinnen und -anwärter. Die Eignung wird vor der Aufnah- me des Studiums durch ein vom Universitätsrat festgelegtes Eignungs- verfahren und nach dem Studienbeginn durch Vorprüfungen abgeklärt. Diese Bestimmung nennt als Selektionskriterium ausdrücklich die Eignung. Darauf kommt es tatsächlich an. Unter Aspekten des Rechts auf Bildung in Artikel 13 UN-Sozialpakt ist prinzipiell kein an- deres Kriterium als die Eignung zulässig52. Nicht alle Universitätsge- setze sind derart explizit mit Bezug auf das zulässige Kriterium. So sucht man eine entsprechende Bestimmung etwa im Basler Universi- tätsgesetz umsonst (§ 23). Die Eignung im Falle einer Zulassungsbeschränkung zum vor- aus mit einer entsprechenden Prüfung (externer Numerus clausus) oder, alternativ, nach einem Eingangsstudium mit Vorprüfungen (in- terner Numerus clausus) abgeklärt werden. Diese Regelung vermag den rechtlichen Anforderungen vollauf zu genügen53. 24 Betont sei an dieser Stelle, dass die Universität Luzern alles daran setzen sollte, keinen Numerus clausus einführen zu müssen. Diese Massnahme schafft nämlich ein offensichtlichen Spannungsfeld zum Recht auf Bildung (Art. 13 UN-Sozialpakt), zur Bildungschancen- gleichheit (Art. 8 BV) und zur Freiheit der Berufswahl (Art. 27 Abs. 2 BV), welche je länger desto mehr eine herausragende faktische und rechtliche Bedeutung haben54. Die Bildungschancengleichheit ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Voraussetzung für den Zu- gang zu attraktiven Lebenschancen. Ohne Bildung auf allen Stufen läuft heute buchstäblich nichts mehr. Die Universität Luzern sollte im Übrigen angesichts der Wahl der Fakultäten und des Finanzierungsmodus ohnehin weniger als die meisten anderen Universitäten in die Kapazitätsfalle geraten. Sie hat strukturell «billige» Fakultäten, die sich zum grossen Teil aus den Beiträgen der an- deren Kantone, den Beitragsäquivalenten des Kantons Luzern sowie den Bundesbeiträgen finanzieren lassen. Ein Zuwachs von Studentinnen und Studenten bringt insofern auch zusätzliche Einnahmen, die in der Nähe der zusätzlichen Kosten liegen dürften. 5.2.8. Mitbestimmung der Studierenden Das Luzerner Universitätsgesetz zeigt sich mit Bezug auf die Einflussnahme der Studentinnen und Studenten auf die Universität betont zurückhaltend. Es überantwortet die Regelung der Mitsprache und Vertretung in den Universitätsorganen dem Universitätsstatut. Eine moderne Universität, welche die Studentinnen und Stu- denten als Partnerinnen und Partner eines Bildungsverhältnisses be- greift, wird mehr als nur Mitsprache, sie wird eine angemessene Mit- bestimmung gewähren wollen. 5.2.9. Finanzierung Im Abschnitt VIII. über Planung und Finanzen stossen wir auf eigentliche Schlüsselbestimmungen. Hier will ich den Blick auf die Fi- nanzierungsbestimmung konzentrieren: § 27 Finanzierung 1 Die Betriebs- und die betrieblichen Investitionskosten der Universität werden durch Beiträge des Kantons Luzern, durch Subven- tionen des Bundes, durch interkantonale und private Mittel und durch Eigenleistungen der Universität finanziert. 25 2 Der Kanton Luzern entrichtet einen jährlichen Beitrag an die Ausbildungskosten seiner Kantonsangehörigen. Der Beitrag entspricht der Summe der Beiträge, die er gemäss der Interkantonalen Universi- tätsvereinbarung für sie zahlen müsste, wenn sie ausserkantonal stu- dieren würden. 3 Der Kanton Luzern leistet ausserdem eine Kostenabgeltungs- Pauschale. Diese wird im Voraus pro Studierende oder Studierenden festgelegt und enthält eine Betriebspauschale und einen Beitrag für die betrieblichen Investitionskosten. Bevor die Kostenabgeltungs-Pau- schale ermittelt wird, sind alle anderen Einnahmen der Universität, einschliesslich des Beitrags gemäss Absatz 2, abzuziehen. 4 In die Kostenabgeltungs-Pauschale wird ein Risikozuschlag einberechnet, damit Eigenkapital gebildet werden kann, welches dem Ausgleich von Fehlbeträgen dient. In dieser Finanzierungsbestimmung bricht die Konzeption der WOV stärker als anderswo im Luzerner Universitätsgesetz durch. Bei oberflächlicher Analyse hat man es mit einer konsequent outputorientierten Finanzierung zu tun. Die Universität erhält vom Kanton Geld nach der Zahl der Studierenden. Damit führt sie faktisch den Bildungsgutschein ein. Diese Finanzierungsart wird dann brisant, wenn man zusätzlich zum Wortlaut der Bestimmung die Botschaft des Regierungsrates konsultiert. Darin wird die Berechnung ausgebreitet und vorgerechnet, wie viel die Universität den Kanton kosten wird. Diese Rechnung beruht auf einer Prognose von 900 Studierenden55. Sollte die Zahl wider Erwarten erheblich tiefer liegen, gerät das Modell ins Wanken. Der Kanton muss dann mehr bezahlen. Der nahe liegende Weg wäre die Erhöhung der Kostenabgeltungs-Pauschale (§ 27 Abs. 3). Tatsächlich wird man nach der Architektur der Finanzierungsbestim- mung die Finanzierung über diese Pauschale steuern müssen. Denn die Beiträge der anderen Kantone nach der Interkantonalen Universi- tätsvereinbarung für ihre Studentinnen und Studenten und damit auch die Äquivalenzbeiträge des Kantons Luzern für die eigenen Studieren- den sowie die Bundesbeiträge werden in nächster Zeit kaum wesent- lich steigen. Nach Sinn und Zweck des Universitätsgesetzes, das eine Universität auf Dauer und nicht nur als Experiment schafft, kann die Bestimmung über die Pauschale nicht anders interpretiert werden, als dass sie die Funktion einer Defizitgarantie hat. Jedenfalls habe ich sel- ber sie so gelesen und diese Lesart auch unwidersprochen deponiert, als ich mich auf das Abenteuer einliess, die Funktion des Gründungsde- kans der Fakultät III für Rechtswissenschaft zu übernehmen. Und auch 54 Vgl. etwa MÜLLER (Fn. 46), S. 440 f., 443 und 650 ff.; RICHLI (Fn. 53), S. 199 ff. 55 Botschaft (Fn. 5), S. 12 f., siehe auch S. 7 f. 26 die Bewerberinnen und Bewerber für die ausgeschriebenen Professuren könnte man beinahe ausnahmslos mit Leichtigkeit von ihrem Vorhaben abbringen, wenn man diesbezügliche Zweifel ausstreuen würde. Die vorgestellte Finanzierungsregelung unterscheidet sich kon- zeptionell erheblich von der Finanzierung anderer Universitäten. So schiesst etwa Bern die Mittel für den Betrieb der Universität ein (Art. 63 Abs. 1). Und Basel (§ 26) und Zürich (§ 39 Abs. 1) leisten Globalbei- träge an den Betrieb der Universität, ohne dass dafür Berechnungskri- terien wie in Luzern benannt würden. Wir wissen allerdings aus den genannten Kantonen, dass deren Finanzierungsart keine paradiesi- schen Zustände sichert, sondern durchaus auch Sparmassnahmen nö- tig machen kann. Per Saldo wird man daher mit dem Luzerner Modell ähnliche Ergebnisse erzielen wie anderswo. Bei näherer Analyse erweist sich die genannte Finanzierungs- bestimmung im Übrigen als eine solche der ersten Generation einer Outputsteuerung. Sie enthält nämlich erhebliche Steuerungsdefizite: Erstens schafft sie dadurch fragwürdige Anreize, dass sie einzig auf die Zahl der Studentinnen und Studenten abstellt. Damit wird jeder Anreiz beseitigt, die Studiendauer so kurz wie möglich zu gestalten. Es ist viel attraktiver, die Studentinnen und Studenten zwölf Semester zu betreuen als sie zu ermuntern, nach neun oder zehn Semestern abzu- schliessen. Weiter fehlen Anreize für die Forschung. Damit bestätigt sich der Eindruck, der in der Überschrift zu Abschnitt II vermittelt wird, dass die Universität Luzern (zu) einseitig die Lehre im Sinne habe und die Forschung lediglich als deren Funktion begreife. Schlies- slich wird auch der Eindruck vermittelt, die Pauschale müsse für alle Studentinnen und Studenten gleich hoch sein. Würde man tatsächlich so vorgehen, so würden die theologische und die geisteswissenschaft- liche Fakultät gegenüber der rechtswissenschaftlichen Fakultät struk- turell benachteiligt. Denn diese haben höhere Kosten je Studentin und Student als die rechtswissenschaftliche Fakultät. Sie müssten bei glei- chen Pauschalen auf Dauer zu Lasten der rechtswissenschaftlichen Fa- kultät quer subventioniert werden, eine Lösung, die strukturell am ei- nem Ort Armut und am anderen Reichtum schaffen würde. Eine Interpretation nach Sinn und Zweck muss daher wohl dazu führen, dass Kostenabgeltungs-Pauschalen nach Fakultäten berechnet und in unterschiedlicher Höhe angesetzt werden. 27 5.2.10. Studiengebühren Werfen wir schliesslich noch einen Blick auf die Studiengebüh- ren. Sie eröffnen uns die Möglichkeit, auf die verfassungskonforme und die völkerrechtskonforme Interpretation von Gesetzen zu spre- chen zu kommen, nachdem wir bisher vor allem die grammatikalische, die historische und die teleologische Auslegung illustriert haben. Einschlägig ist § 30. Er lautet wie folgt: § 30 Studiengebühren 1 Die immatrikulierten Studierenden sowie die Hörerinnen und Hörer haben der Universität Studiengebühren zu entrichten. 2 Die Immatrikulations- und Prüfungsgebühren sowie die weite- ren Gebühren tragen zur Deckung der Kosten bei und sind so bemes- sen, dass sie den Zugang zu den Studien nicht beeinträchtigen und im schweizerischen Vergleich konkurrenzfähig sind. 3 ... 4 ... Studiengebühren, insbesondere deren Erhöhung, sind für Stu- dentinnen und Studenten beliebte Anfechtungsobjekte. Es gibt mittler- weile eine Reihe einschlägiger Urteile des Bundesgerichts56. Daraus geht hervor, dass Studiengebühren auf eine allgemeine gesetzliche Grundlage abgestützt werden können, so lange sie sich im Bereiche des bisher Üblichen bewegen. Massive Erhöhungen wären ohne ge- setzliche Bemessungskriterien im Gesetz nicht zulässig. So oder an- ders wäre es angesichts dieser Rechtsprechung wünschenswert, eine konkreter formulierte gesetzliche Grundlage als § 30 zu schaffen. Es wäre prinzipiell geboten, die Berechnungskriterien zu benennen. Sicher ist, dass Studiengebühren ohne ausdrückliche gesetzli- che Grundlage nie kostendeckend angesetzt werden dürfen. Das Krite- rium, die Gebühren dürften den Zugang zu den Studien nicht verun- möglichen, steht zwar bereits gegen kostendeckende Gebühren. Es vermag aber keine klare Richtungsweisung zu geben und ist nament- lich auch ambivalent. Weist es in Richtung eines allgemein tiefen Ge- bührenansatzes, so dass der Zugang zur Universität auch für finanziell Schwächere erschwinglich bleibt und für die finanziell Stärkeren zur Bagatelle verkommt, oder weist es in Richtung einer differenzierten Gebührenregelung entsprechend der finanziellen oder wirtschaftli- chen Leistungsfähigkeit der Studentinnen und Studenten bzw. der un- terstützungspflichtigen Personen? 56 Namentlich BGE 120 Ia 1 ff.; 121 I 273 ff.; 123 I 254 ff. 28 Interessant ist im Kontext der Hinweis auf die Wettbewerbs- fähigkeit. Damit werden Gebühren zum vornherein ausgeschlossen, welche die Studentinnen und Studenten abschrecken und an andere Universitäten treiben. Solches wäre im Hinblick auf die Finanzie- rungsarchitektur auch ganz und gar kontraproduktiv. Man wird im Ge- genteil annehmen dürfen, dass Wettbewerbsanreize geschaffen wer- den könnten. Weshalb nicht beispielsweise den ersten 80 Studentinnen und Studenten, die sich für das Rechtsstudium anmel- den, in der Reihenfolge der Anmeldung ein Univelo mit dem sanft-grü- nen Unilogo schenken? Das wäre durch § 30 Absatz 2 jedenfalls abge- deckt. An dieser Stelle ist nun aber darauf hinzuweisen, dass die schweizerische Gebührenerhebung an Universitäten in den Ein- flussbereich von Artikel 13 Absatz 2 Buchstabe c des UN-Sozialpakts gerät. Das Bundesgericht glaubt die direkte Anwendbarkeit und damit Relevanz dieser Bestimmung zwar noch verneinen zu können57. Inzwi- schen gibt es aber Anhaltspunkte dafür, dass diese Auffassung revi- diert werden muss. Nach der neusten Auffassung in der Rechtslehre muss die Schweiz als Mitgliedstaat des UN-Sozialpakts eine Gebühren- politik einleiten, welche auf eine Reduktion abzielt, bis hin zur Kosten- losigkeit jedweder Schulbildung58. Nach dieser Lesart des UN-Sozial- pakts müsste das Luzerner Universitätsgesetz wie die anderen Universitätsgesetze völkerrechtskonform interpretiert werden, mit dem Ergebnis, dass die Gebührenerhebungskompetenz zunehmend an Substanz verlieren würde. Verschenken wir also Universitätsvelos, so lange sie die Studierenden über die Gebühren wenigstens noch selber bezahlen! 57 BGE 120 Ia 11 ff. 58 Siehe LUDWIG A. MINELLI, Nochmals: «Soziale Menschenrechte: blosse Gesetzge- bungsaufträge oder individuelle Rechtsansprüche?», in: Aktuelle Juristische Praxis 2000, S. 1174 f.; vgl. auch KÜNZLI/KÄLIN (Fn. 52), S. 147 f. 59 Zur Auslegungslehre im Allgemeinen siehe im Übrigen etwa: ERNST A. KRAMER, Juristische Methodenlehre, Bern 1998; KARL ENGISCH, Einführung in das juristi- sche Denken, 9. Aufl., Stuttgart etc. 1997; PETER FORSTMOSER/WALTER R. SCHLUEP, Einführung in das Recht, Band I, 2. Aufl., Zürich 1998; ERNST HÖHN, Praktische Methodik der Gesetzesauslegung, Zürich 1993; REINHOLD ZIPPELIUS, Juristische Methodenlehre: eine Einführung, 6. Aufl., München 1994; HANSJÖRG SEILER, Einführung in das Recht, Zürich 2000. 29 Der Gang durch das Luzerner Universitätsgesetz hat uns ge- zeigt, dass für die rechtliche Interpretation eines Gesetzes59, und da- mit für eine der Hauptaufgaben der Rechtswissenschaft, je nach Pro- blem das eine oder andere Auslegungselement oder eine Verbindung von Auslegungselementen aktuell ist. Setzt man beim Wortlaut an, der stets den Ausgangspunkt für die Auslegung darstellt, so geht es um die grammatikalische Auslegung. Drängen die Gesetzesmaterialien die Auslegung in eine bestimmte Richtung, so haben wir es mit der histo- rischen Auslegung zu tun. Ist der Gesamtzusammenhang, in dem eine Vorschrift steht, von Bedeutung, kommt die Rede auf die systemati- sche Auslegung. Im Vordergrund steht aber stets die Aufgabe, Sinn und Zweck einer Rechtsnorm zu ermitteln und zu verwirklichen. Das führt zur teleologischen Auslegung von Gesetzen. Angesichts der Stu- fenordnung des Rechts muss die Interpretin bzw. der Interpret immer auch die Verfassung beachten, zunächst die Kantonsverfassung, dann die Bundesverfassung. Das nötigt zur verfassungskonformen Ausle- gung. Und je länger desto mehr gibt es völkerrechtliche Bindungen, die zu veranschlagen sind. Alsdann ist uns eine völkerrechtskonforme Auslegung von Gesetzen aufgetragen. Das alles haben wir am Beispiel des Luzerner Universitätsge- setzes Revue passieren lassen. Es hat seine Unvollkommenheit und damit seine Auslegungsbedürftigkeit aufs Schönste erwiesen. Sie er- warten von mir jetzt sicherlich, dass ich nach den aufgebrachten Ein- wänden eine sofortige Revision des am 1. Oktober 2000 in Kraft getre- tenen Gesetzes postuliere. Ich verzichte darauf. Ich verzichte darauf, weil ich aus mehr als 20 Jahren Rechtsetzungsberatung weiss, dass es keine vollkommenen Gesetze gibt. Allerdings gibt es unterschiedliche Grade der Unvollkommenheit und ich unterlasse es, das Luzerner Uni- versitätsgesetz auf der Skala der Unvollkommenheit zu verorten und diesbezüglich eine Benchmark zu identifizieren. Wir werden vorerst einmal mit diesem unvollkommenen Universitätsgesetz leben und es als Übungsobjekt für die Ius-Studentinnen und Ius-Studenten verwen- den, welche Luzern ab Oktober 2001 bevölkern werden! 6. Schlussbemerkung 30 teil 2 31 1. Dank, Freude am Etappenziel «Der Regierungsrat beschließt: Das Gesetz über die universitäre Hochschulbildung tritt am 1. Oktober 2000 in Kraft.» Dieser lapidare Regierungsratsbeschluß Nr. 1071 vom 30. Juni 2000 setzt den Schluß- punkt hinter eine intensive Entwicklungsphase, die uns in den letzten Jahren öfters als einmal den Atem anhalten ließ. In seiner Erwägung, die diesem Beschluß zugrunde liegt, kommt der Regierungsrat auf die entscheidenden Grundlagen zu sprechen: auf die große Mehrheit bei der Verabschiedung des Gesetzes durch den Großen Rat, und auf die Abstimmung vom 21. Mai 2000, in der sich über 72 % der Luzerner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für diese Universität Luzern ausgesprochen haben. Es ist daher heute meine erste Aufgabe, den Luzernerinnen und Luzernern für dieses überwältigende Votum zu danken. Sie haben damit den Weg gutgeheißen, den wir in den Planungen entwickelt haben. Sie haben uns grünes Licht dafür gegeben, diese Vision der Universität Lu- zern umzusetzen – eine Vision, die ja seit Jahrzehnten den Stand Lu- zern immer wieder beschäftigt hat. Sie haben uns damit Ihr Vertrauen ausgedrückt und zugleich viel Verantwortung übergeben. Beides, das Vertrauen und die Verantwortung, greifen wir auf, um damit konse- quent weiterhin an der Arbeit zu bleiben. Es ist nicht zu verhehlen und soll auch nicht verschwiegen wer- den: Wir alle, die wir zu dieser Universität Luzern gehören, wir freu- en uns sehr an diesem heutigen Tag. Ich lade Sie ein, diese Freude mit uns zu teilen – vermutlich sind Sie ja deswegen heute hieher gekom- men – und auch die Erleichterung darüber auszutauschen, daß weder die Anstrengungen so vieler Menschen noch auch die Entwicklungsar- beiten vergeblich waren. Mit der nunmehr geschaffenen neuen Rechtsgrundlage des Universitätsgesetzes hat die Universität eine solide Basis, von der sie vor wenigen Jahren nur träumen konnte. Aber da gab es viele und ver- schiedene Menschen, die bereit waren, so zu träumen – in der Univer- sitären Hochschule Luzern selbst ebenso wie in ihrem Umfeld: im Uni- versitätsverein, in der Universitätsstiftung, im politischen Ambiente. Aus dem Erreichten die Zukunft entwickeln Ansprache des Rektors Prof. Dr. theol. Walter Kirchschläger 32 Dieser realistische Optimismus war stark genug, das umzusetzen, was seinerzeit, angesichts der Vorgaben von «Luzern ’99», nur recht weni- ge für möglich hielten. Rückblickend können wir sagen: Die Zustim- mung wuchs Schritt für Schritt, bei den politischen Instanzen wie auch in der Bevölkerung. Allmählich gewann das Projekt Sympathie – innerhalb und außerhalb des Kantons Luzern. Wir hatten viele helfen- den Hände, die uns – je verschieden nach Möglichkeiten und Bedarf – unterstützten, um zu diesem Tag zu gelangen. So haben wir also dieses Ziel erreicht. Es ist ein Gemeinschaftswerk vieler, und ohne Zweifel hat der Prozeß der letzten Jahre die Universität und die Bevölkerung von Luzern einander näher gebracht. Es ist ein Mei- lenstein für die Geschichte Luzerns und der gesamten Region. Zugleich wissen wir: Es ist ein Etappenziel; wir sind, wir bleiben mitten im eingelei- teten Prozeß. Es wäre verhängnisvoll, wollten wir stehenbleiben. 2. Entwicklungspläne und Profilierungswege Aber sicherlich nein: Davon kann keine Rede sein. Der Weg der Entwicklung ist zu eindeutig markiert. Die Organisationsstrukturen der Universität mit dem Universitätsrat an der Spitze werden kontinu- ierlich aufgebaut. Ich freue mich darüber, daß mit der Wahl meines Nachfolgers auch bereits Klarheit über die operative Leitung nach dem Herbst 2001 geschaffen wurde. Die Planungen für die Aufnahme des Forschungs- und Lehrbetriebs an der Fakultät III für Rechtswissen- schaft wurden in der Zwischenzeit organisch von der Vorbereitungs- gruppe in die Verantwortung des Gründungsdekans weitergeführt, und sie gehen zügig voran. Wie vorgesehen, wird diese Fakultät in ei- nem Jahr ihren Betrieb aufnehmen. In gleicher Weise wird die Erwei- terung der geisteswissenschaftlichen Fakultät um das Fach Soziologie auf Beginn des nächsten Studienjahres erfolgen. Natürlich denken wir auch weiter: Es wird die entscheidende Aufgabe der kommenden Jahre sein, der Universität Luzern im Kon- zert der Schweizer universitären Forschung und Lehre ein eigenständi- ges Profil zu geben. Dafür bedarf es der exzellenten Wahrnehmung der eigenen Aufgaben in Forschung, Lehre und Dienstleistung. Es bedarf der gesellschaftlichen Präsenz und des aktiven Mitspielens auf dem Markt der Wissenschaft und des entsprechenden Transfers in das Le- ben im Alltag. Schließlich bedarf es Nachjustierung des gewonnenen Profils zur Erhöhung von Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit. Bereits vor einem Jahr habe ich Ihnen zu diesem Anlaß die zukünf- tige Universität Luzern als eine gesellschafts- und kulturwissenschaftlich orientierte Institution präsentiert. Die Entwicklung des Leitbildes während 33 des kommenden Arbeitsjahres wird dieser Grundvision präzisere Kontu- ren geben. Die Universität Luzern versteht sich als ein Denkzentrum für jene Wissenschaftsbereiche, welche die Grundlagen menschlicher und ge- sellschaftlicher Existenz hinterfragen und die entsprechenden Zusam- menhänge erforschen. In einer Zeit, in der menschliches Leben und Zu- sammenleben, auch menschliche Identitätsfindung zunehmend komplexer wahrgenommen werden, erhält diese geistes- und sozialwis- senschaftlich ausgeprägte Komponente des Wissenschaftsbetriebs erheb- lichen Stellenwert. Ohne klare Gesellschaftsstrukturen und -abläufe, ohne reflektierte menschliche Identifikation werden latent Unzulänglichkeiten und Problemfelder als Störungsfaktoren im Leben der Gesellschaft mitge- führt. Hier ist es Aufgabe dieser Universität, Grundlagen zu erforschen, Strategien, Lösungsvorschläge, Prozeßraster zu entwickeln. Sie werden sich in den verschiedenen Lebensfeldern unseres Alltags niederschlagen: Rechtspraxis, Wirtschaftsmanagement, kirchliches Leben, Kultur- und Zeitfragen, religiöse, kulturelle, geschichtliche Vielfalt unserer Gesell- schaft, usw. Kultur und Kommunikation als wichtige Leitbegriffe werden uns aktiv beschäftigen. Dabei wird es darum gehen, die Kompetenz in diesen Bereichen so zu steigern, daß wir gesamtschweizerisch zur ersten Adresse dafür wer- den und international unter den Besten mitspielen können. Das scheint angesichts der vergleichsweise ja auch beschränkten Rahmenbedingun- gen vielleicht manchen etwas hoch gegriffen – wie eine Quadratur des Kreises. Aber für diesen Vorgang haben wir in der Zwischenzeit Erfah- rung und Know-how gesammelt. Ich bin überdies davon überzeugt, daß motivierter Einsatz von guten Kräften in Verbindung mit ordentlichem Management hier einiges an Mittelknappheit wettmachen kann. 3. Die Universität 2000 – eine neue Studierstube Die Universitäten stehen in einer Umbruchsituation, nicht nur in der Schweiz. Dabei geht es um Grundoptionen für ihr Selbstver- ständnis und ihre zukünftige Tätigkeit. Das Luzerner Universitätsge- setz hat die Universität mit zeitgemäßen, schlanken Strukturen ausge- stattet. Sie hat damit der Universität auch alle Möglichkeiten eröffnet, ihren Arbeits- und Wirkungsraum selbst zu gestalten. Die Universität ist die Studierstube von heute. Das ist zwar eine et- was andere Vision, als sie uns Goethe in seinem Faust darstellt – schon al- lein deswegen, weil Luzern ja nie die Feststellung, man habe auch Theolo- gie studiert, mit dem Begriff «leider» verknüpfen würde, und weil ja auch ein Medizinstudium hierorts nicht in Aussicht steht. Aber die Kombinati- on von «Philosophie» (im weiteren Sinn des Wortes), von «Juristerei» und 34 Theologie als universalwissenschaftlicher Grundlagenhorizont – das wäre von Dr. Faustus schon in unsere Gegenwart mitzunehmen. Wohin sich die Universität aber wieder bewegen muß, ist jene Studierstubenatmosphäre, in die uns Goethe hineinführt. Da ist Faust, der an seinem Studierpult über den rechten und tieferen Sinn der Be- griffe – damit über ihr Wesen forscht, der den Sinnzusammenhang quer durch Kulturen sucht, da er den Prolog des Johannesevangeliums zu übersetzen trachtet. «Geschrieben steht: Im Anfang war das Wort. Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?» Er erkennt zurecht: Mit dieser Übertragung allein wird man dem lógos-Begriff nicht gerecht werden können: «Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, ich muß es an- ders übersetzen.» Und er sucht weiter: der Sinn, die Kraft, die Tat… (J. W. v. Goethe, Faust I, Studierzimmer). In diese Atmosphäre des Suchens, Denkens und Besinnens tritt nach Wagner, nach dem als Scholasticus verkleideten Mephistopheles, der Schüler ein, der Student also, gleichsam ein Wanderbursche der Wis- senschaft. Zaghaft kommt er ins Gespräch. (Daß er der Täuschung des Me- phistopheles erliegt und dessen Verkleidung als Faust nicht erkennt, tut hier jetzt nichts zur Sache). Der große Name des Gelehrten ist für das Ge- spräch eher hinderlich, der Student wird erst allmählich besser behandelt, und er geht schließlich mit der Absicht, ein andermal wiederzukommen. Die Universität wird wieder zu einer Studierstube: Zu jenem Ort also, wo Forschung und Lehre, bzw. Lernen organisch ineinander- greifen und wo die Lehrenden und Studierenden einander in diesem fragenden Gespräch begegnen. Aber nein, keine Angst: Wir werden die enge, meist ja auch dü- ster inszenierte Studierstube des Dr. Faust nicht nachbauen. Die Studierstuben von heute sind weit, offen, hell, sie haben EDV-Ausrü- stung, sind via e-mail und Internet verknüpft. Da darf das Kommen des und der Studierenden durchaus auch bisweilen stören, solange sie di- rekt hineingenommen werden in das, was die wissenschaftlichen Gei- ster da gerade plagt, beseelt und zu intensivem Tun anregt. Wir werden auch das bei Goethe umgesetzte Verhältnis 1:1 nicht übernehmen kön- nen und nicht jeder und jedem Studierenden eine forschende und leh- rende Person gegenüberstellen, aber wir werden dafür besorgt sein, daß das Gespräch in sinnvoller Weise möglich bleibt – sowohl in den institu- tionalisierten Formen der Vermittlung als auch im informellen Rahmen. Dies geschieht aus der Erkenntnis, daß es die von Forschenden und Ler- nenden gemeinsam bevölkerte Studierstube ist, die zu angeregter For- schung und zu daraus vermittelter vertiefter Kompetenz führt. 35 Das setzt seitens der Studierenden erhöhte Einsatz- und Leis- tungsbereitschaft voraus, seitens der Lehrenden hohe didaktische Befä- higung und qualifiziertes Sozialverhalten. Leitung und Verwaltung der Universität haben ebenfalls alles daran zu setzen, um solche Wissen- schaftsprozesse bestmöglich zu fördern. Wer in Zukunft an der Univer- sität Luzern in verschiedener Form tätig ist, wird sich in diesen Stan- dards ausweisen, bzw. sie sich zu eigen machen. Diese Studierstube Universität steht heute vor grundsätzlichen Weichenstellungen. Die Tendenz zur Verschulung der Studierpläne muß mit der Vielfalt akademischen Lernens vereinbart werden. Mei- lenstein-Vorgaben und klar umrissene Prüfungsinhalte als Erfolgskon- trolle eines auch individuell gestaltbaren Aneignungsprozesses sind Eckpunkte auf dem richtigen Weg. Die Studiengestaltung in definier- ten Modulen begünstigt einen solchen Prozeß. Vermutlich wird jene Institution den Zuschlag der Studierenden erhalten, die hier eine vari- antenreiche Bandbreite anbietet: Vorlesung, Seminar, Praxistransfer- einheiten, angeleitetes Selbststudium, eigenständige Vertiefung, Ele- mente virtuellen Lernens. Es ist dies aber keineswegs nur eine Frage des marktbezogenen Erfolgs. Es ist dies auch eine Identitätsfrage dieser Institution. Seit den Uranfängen der europäischen Universitätstradition gehört das dia- logische Prinzip unentbehrlich zum Prozeß des Forschens, Lehrens und Lernens an den akademischen Anstalten. Goethe hat uns dies in Faust’s Studierzimmer lediglich dramaturgisch eingerichtet. Es wäre verhängnisvoll, wollten wir dies nicht wieder vermehrt ernst nehmen. Die hohen Studierendenzahlen, die dem vielfach entgegenstehen, werden ja für Luzern zumindest zunächst kein Problem darstellen. Ich halte es für unsere Universität auch nicht für notwendig, über zahlen- mäßige Grenzwerte für diese Studierstube nachzudenken. In dem Rah- men, in dem wir uns größenordnungsmäßig bewegen, ist die Umsetz- barkeit eher an den Willen aller Beteiligten und an ihre dementsprechende Einstellung gebunden. Und es ist eine Frage der Res- sourcen. Denn es ist billiger, in einem Hörsaal eine größere Zahl von Studierenden mit dem Lehrstoff zu konfrontieren, als dasselbe in Form von kleineren Studiergruppen im dialogischen Verfahren zu tun. Für die Studierstube Universität bleibt weiterhin kennzeichnend, daß Studierende – wie einst in früheren Zeiten – auf der Wanderschaft sind und an die Türe Dr. Fausts an anderen Universitäten klopfen. Nicht umsonst ist diese mögliche Vielfalt des Lernens, des Wissens- und Er- fahrensaustausches durch die Jahrhunderte in verschiedenen Berufsbe- reichen lebendig geblieben. Luzern hat schon in den letzten Jahrzehnten die eigenen Studierenden dazu ermutigt, zumindest zwei Semester an anderen Studienorten zu verbringen und hat stets offene Türen für Stu- 36 dierende von anderen Universitäten gehabt. Die europäische Entwick- lung begünstigt diese Haltung, und der heutige Wissenschaftsbetrieb macht sie erforderlich. Die Einführung von Bachelor- und Masters-Studi- engängen – genau genommen also die Rückkehr zum ursprünglichen Baccalaureus- und Magistergrad – macht in Verbindung mit zahlreichen Unterstützungsprogrammen die Mobilität für Studierende zusätzlich at- traktiver. Die Universität Luzern arbeitet an der Umstellung ihrer Stu- diengänge auf Beginn des kommenden Studienjahres, damit die Institu- tion wettbewerbsfähig und für Studierende attraktiv bleibt. Mit einer isolierten Studierstube «Universität» wird es also in Zu- kunft sicherlich nicht getan sein. Virtuelle Kommunikation und geän- derte Reisegewohnheiten und -möglichkeiten in einer globalisierten Welt ermöglichen uns neue Wege und Formen der Kooperation auf buch- stäblich allen Ebenen. Die Universität Luzern versteht sich als eine vernetzte Studierstu- be. Am Standort Luzern trägt sie die Zusammenarbeit mit den anderen In- stitutionen auf tertiärer Ebene, namentlich mit der FHZ, bzw. ihren Schu- len, mit der zukünftigen Pädagogischen Hochschule, mit dem Armee-Ausbildungszentrum Luzern (AAL), mit dem Medienausbildungs- zentrum (MAZ), mit der Zentral- und Hochschulbibliothek und selbstver- ständlich mit der Senioren-Universität entscheidend und maßgeblich mit. Die Initiative und das Programm des «Offenen Campus Luzern», das in diesem Herbst erstmals lanciert wurde, kann dafür als Signal gelten. Die- se Vernetzung macht überdies in recht eindrücklicher Weise das tertiäre Bildungs- und Ausbildungspotential sichtbar, das heute schon in Luzern besteht und das allen Menschen in dieser Region zugänglich ist. Wir wün- schen uns, daß dieses Angebot auch in die gesamte Region Zentralschweiz ausstrahlt. Obgleich kantonale Institution, wird die Universität Luzern mit ihrer Einladung nicht an der Kantonsgrenze halt machen, sondern sich besonders in diese Region unseres Landes offenhalten. Für die Universitätslandschaft der gesamten Schweiz schließt sich mit dieser Universität der letzte weiße Fleck auf der Landkarte. Die Aufgabe der Integration in das Ganze – im Mittragen und Mitgestalten der akademischen Anliegen – bei Wahrung der eigenständigen Profilie- rung ist der geeignete Weg, um hier die Verantwortung von Vernetzung und Zusammenarbeit entsprechend wahrzunehmen. Die Landesgrenzen sind für diese Tendenz keine Demarka- tionslinien mehr. Internationale Zusammenarbeit und Partnerschaft ist gerade für die kleine Universität, für die Sicherung ihres Qualitätsstan- dards und für ihren bleibenden Erfolg unerläßlich. 37 4. Ausblick Sie mögen mir vorhalten, daß ich bei der Skizzierung unserer Studierstube vielfach in Zukunftsformen gesprochen habe. Ja, vieles ist noch Vision, anderes schon Programm, manches bereits in der Umset- zung. Das Erreichte stimmt uns zuversichtlich: Wir können die Gegen- wart in die Zukunft führen, aufbauend auf der Erfahrung unserer Ver- gangenheit. Dabei ist nicht einfache Ankündigungspolitik unser Metier, sondern ernste Arbeit. Ich verhehle Ihnen nicht, daß wir dabei auch Sorgen haben. Nach wie vor ist der Rechenstift unser alltägliches Arbeitsinstrument, und öf- ter als uns lieb ist, müssen wir kleinere Zahlen schreiben als sachbezo- gen angemessen wäre. Entscheidende Aufgaben sind in den kommen- den Jahren noch zu lösen, an Detailarbeit mangelt es ebenfalls nicht. Das Luzerner Stimmvolk hat das Jahr 2000 zum Jahr der Universi- tät gemacht. Der Rückhalt, den wir damit erhalten haben, verändert un- seren Blick in die kommenden Jahre in einer nur schwer beschreibbaren Weise. Wir wissen, auf welch breit abgesicherter Grundlage wir stehen, und wir wissen vor allem, wer alles mit uns geht. Das ist für uns in die- sem Jahr neu geworden, das mobilisiert Phantasie und Energie. Damit konnte die UniLu 2000 Wirklichkeit werden, eine Stu- dierstube im Herzen der Schweiz. Sie möge leben, sie möge wachsen, sie möge gedeihen! Vivat, crescat, floreat Alma Mater Lucernensis ! 38 Liebe Freundinnen und Freunde der Uni Luzern Da ich diese Rede zusammen mit Simone Rudiger plante, die nun leider verhindert ist, bedeutet die Wir-form nicht das Sprechen im plura- lis majestatis, sondern die Gemeinschaft mit einer Studienkollegin, der ich mich verbunden fühle. Als wir vor drei Jahren unser Studium an der Universitären Hochschule Luzern begannen, war dies ein Schritt in eine ungewisse studentische Zukunft. Doch wir setzten auf das Prinzip Hoffnung. So wie Luther gesagt haben soll, auch wenn die Welt morgen untergeht, pflanze ich heute ein Apfelbäumchen, so nahmen wir unsere Studien in Luzern in Angriff mit dem Bewusstsein, dass unsere Präsenz in Luzern ein In- diz für die Lebendigkeit des universitären Betriebes markierte. Was macht eine Hochschule ohne Studentinnen und Studenten? Aber unsere oft tägliche Reise nach Luzern war natürlich nicht nur selbstlos. Wir ha- ben diesen Ort gewählt, weil der Boden für ein Studium trägt. Der kleine Rahmen gefällt uns, erlaubt individuelle Studiengänge, das Klima ist of- fen und meist frauenfreundlich – auch wenn wir uns noch mehr Profes- sorinnen wünschen –, der persönliche Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden ist rege, die Qualität der Vorlesungen ist hoch – und wo das nicht zutrifft, ist es möglich, im Austauschprogramm gewisse Fä- cher an anderen Universitäten zu belegen. Unser Hoffen auf eine Fortsetzung der Studien in Luzern hat sich gelohnt, ebenfalls das Ausharren durch alle Unannehmlichkeiten des Abstimmungskampfes hindurch. Die Luzernerinnen und Luzerner ha- ben Ja gesagt zu ihrer Uni. Als Dank für den Einsatz von vielen haben wir Studierenden ein Geburtstagsgeschenk mitgebracht. Was könnte es anders sein als ein Apfelbäumchen? Es steckt in einem Topf, der gefüllt ist mit Erde vom Wohnort vieler Studierender. Wir wollen mit dem Bäumchen zeigen, dass Bildung eine grenz- überschreitende Investition ist, die Früchte trägt. Nicht nur das Zu- sammensein von Studierenden aus verschiedenen Kantonen berei- chert das Leben an der Universität Luzern, auch die ökumenischen und religionenüberschreitenden Verbindungen liegen uns Studieren- den sehr am Herzen Kurzansprache der Studierenden Monika Schumacher-Bauer 39 Trotz sorgfältig zusammengetragener Erde ist ein kleiner Baum vielen Gefahren ausgesetzt. Ungeziefer, das an den Wurzeln nagt, auf den Blättern hockt, Neid und Missgunst unter den Fakultäten, man- gelndes Engagement einiger Studierender und Lehrbeauftragten, die Sparwut des Staates, gefährden das Wachsen des Unibaumes. Doch wo die Blattläuse nisten, gedeihen die Marienkäfer. So hoffen wir, dass auch hier die Artenvielfalt der Uni gut tut. Das Apfelbäumchen wird klimatischen Bedingungen ausgesetzt sein, die wir Menschen wenig beeinflussen können. Aber als bibelge- wandte Studentinnen wissen wir, dass Gottes Kraft in Regen und Sturm, in Sonne und Hitze und im Säuseln des Windes liegt. So hoffen wir, dass beim Planen und Konkretisieren der neuen Universität, und nicht nur bei der theologischen Fakultät, ein guter Geist wehen wird. Ganz bewusst haben wir eine alte, robuste Baumsorte gewählt, da die Universität in Luzern eine jahrhundertealte Tradition hat. Auf- gepfropft auf die theologische Mutterpflanze hoffen wir, dass sich die geisteswissenschaftliche und juristische Fakultät bestens entfalten kann und dass eine gegenseitige Befruchtung stattfindet. Das rechts- wissenschaftliche Profil der UniLu soll sich durch Praxisnähe aus- zeichnen. Möge dieser Entwurf Wirklichkeit werden und abfärben auf die theologische Ausbildung, die zu oft im elfenbeinernen Turme statt- findet. Wir hoffen, dass der Baum im Universitätsgelände gepflanzt werden kann, um Schatten zu spenden, wenn die Prüfungen erhitzen, und um Menschen anzulocken, die Erkenntnis pflücken wollen. Möge der Biss in den Apfel des Studiums nicht nur sauer sein und nicht die biblischen Folgen zeigen und die Menschen geschlechterspezifisch für ihren Wissensdurst bestrafen. Als Vertretung für all die Menschen, die Tag und Nachts unter- wegs waren und für die Uni Luzern warben, möchten wir das Bäum- chen nun dem Rektor übergeben. Herzlichen Dank. 40 Universität Luzern Die Theologische Fakultät der Universität Luzern ernennt Herrn Prof. Dr. h.c. Krzysztof Penderecki, Komponist zum Doktor der Theologie honoris causa und verleiht ihm alle mit dem Doktorgrad verbundenen Rechte Geprägt von christlicher Spiritualität und universeller Humanität hat er mit seiner Musik die existenziellen Dimensionen des Menschen künstle- risch ausgelotet. Er hat mit seiner Kunst wesentlich dazu beigetragen, die un- fassbaren Leiden, die Krieg und Ideologien im 20. Jahrhundert verursachten, in versöhnendem Geiste zu mildern. Er schuf mit seinen geistlichen Komposi- tionen, inspiriert von Texten des Alten und des Neuen Testaments, inspiriert von der Liturgie der orthodoxen, der katholischen und der protestantischen Christenheit, inspiriert aber auch von einer lebendigen Volksfrömmigkeit eine Summa der Musica sacra am Übergang zum 21. Jahrhundert. Sein künstlerisches Genie respektiert die Tradition der abendländi- schen Musik seit der Gregorianik und öffnet mit vollendeter Meisterschaft, mit höchster Ehrlichkeit und mit visionärer Imaginationskraft Perspektiven einer neuen Musik, deren historische Bedeutung schon heute erkannt wird. Als Künstler, der unermüdlich auf allen Kontinenten tätig ist, bleibt er seiner polnischen Heimat und auch seiner Luzerner Destination als Kompo- nist und Dirigent verbunden; er lässt Studierende und Suchende in freund- schaftlicher Offenheit an seinem Wissen, seinem Können und seiner Spiritua- lität teilhaben. Luzern, den 26. Oktober 2000 Universität Luzern Theologische Fakultät Der Rektor Der Dekan Prof. Dr. Walter Kirchschläger Prof. Dr. Adrian Loretan Der Designierte Rektor Der Designierte Dekan Prof. Dr. Markus Ries Prof. Dr. Edmund Arens Ehrenpromotion Krzysztof Penderecki 41 Laudatio des Dekans der Theologischen Fakultät Prof. Dr. theol. Adrian Loretan Der Komponist Penderecki wird 1959 als 26jähriger durch sei- ne Psalmen Davids über Nacht bekannt. Mit der Lukaspassion erlangt er 1966 Weltgeltung. Mit dieser Passionsvertonung hat er ein Werk geschaffen, das in den kompositorischen Mitteln revolutionär ist. In- haltlich verbindet er Leiden und Tod Christi mit dem Leiden und dem Tod der Menschen in den Konzentrationslagern. Der Bogen der Geistlichen Musik Pendereckis spannt sich von den «Psalmen Davids» und der «Lukaspassion» über vier Jahrzehnte hin zur Vertonung des Credo 1998. Penderecki setzt sich mit den Aussagen des Glaubensbekenntnisses in einer Weise auseinander, wie es höchstens Bach in seiner h-moll-Messe gelang. Der Bezug zu Bach in Pendereckis Credo ist denn auch evident, ebenso die Bezüge zur Gregorianik, zur alt- klassischen Vokalpolyphonie, zu Bruckner, zu rhythmischen Beschwö- rungen eines Strawinsky und zum einfachen polnischen Kirchenlied. Die vollendete Meisterschaft des Komponisten Penderecki, seine künsterliche Ehrlichkeit und seine geniale Imaginationskraft lassen diese Credo-Verto- nung zu einer Summa der Musica sara am Ende des 20. Jahrhunderts wer- den, wie sich unser Kirchenmusiker, Dr. Alois Koch, ausdrückt. Ebenfalls ein grossartiges Werk stellt die Vertonung von Psal- men in der 7. Sinfonie Pendereckis dar. Die sieben Tore Jerusalems, wie das Werk auch genannt wird, entstand als Jubiläumswerk zur 3000- Jahr-Feier Jerusalems als 70minütiges grossbesetzes Werk. Wo immer diese Komposition aufgeführt wird, nehmen es die Zuhörer und Zuhö- rerinnen mit Begeisterung auf. Die der Lukaspassion folgenden Oratorien Dies irae, Utrenja, und Magnificat waren von avantgardistischen Kompositionsmitteln ge- prägt. Im Te Deum, das der in Chicago von der Papstwahl eines Polen überraschte Komponist dem neuen Papst widmete, im Polnischen Re- quiem, im Agnus Dei und im Sanctus wird neu mit vertrautem Material gearbeitet, ohne seine avantgardistische Phase zu verleugnen. Wir werden heute abend im Chorkonzert in der Jesuitenkirche, die Gelegenheit haben, den künstlerischen und spirituellen Reichtum seiner a cappella-Chormusik kennenzulernen. Wir hören u.a. – das 1962 entstandene Stabat mater, das später als Kernstück Eingang in die Lukaspassion gefunden hat, – und ein De profundis aus den «Sieben Toren Jerusalems». Einen Bezug zur Orthodoxen Liturgie stellt der 1986 entstande- ne Cherubinische Lobgesang her, den wir im Anschluss an diese Akade- mische Ehrung hören werden. Diese Stücke zeigen Pendereckis Affini- tät zu einer Spiritualität in der Musik. 42 Neben dem Sacrum kennt Pendereckis Gesamtwerk aber auch das Profanum, in seinen Opern, in der Sinfonik, im Bereich der Instru- mentalmusik und in der Kammermusik, wie das Programm dieses Festaktes zeigt. – Die Theologische Fakultät der Universität Luzern ehrt den Komponisten Penderecki für sein Geistliches Werk, das mit den Mit- teln der Musik spirituelle und theologische Einsichten vermittelt. Denn es gibt Erfahrungen von existentieller Bedeutung, die sich einem exklusiv rationalen Verstehen entziehen. Sie wollen den- noch mitgeteilt werden. Die Geistliche Musik Pendereckis ist eine sol- che universale Kommunikationsform. Musik wird hier zum Symbol der Gott-Fähigkeit und Gott-Begeisterung des Menschen. Thomas von Aquin schreibt, dass Gott nicht des Lobes der Men- schen brauche. Das Lob der Stimme sei aber deswegen notwendig, weil in den Menschen die Affekte für Gott erregt würden. Je nach dem Klang verschiedener Melodien werde die Seele des Menschen auf ver- schiedene Weise disponiert (vgl. STh II-II 91,2). – Die Theologische Fakultät ehrt den Menschen Penderecki auch für seine engagierte Humanitas, die viel bewirkt hat. – Sie ehrt ihn für seine Verbundenheit mit Luzern, wo Teile sei- nes Credo entstanden sind und wo seine Arbeit mit den Studierenden neue Perspektiven eröffnet. So darf ich als Dekan der Theologischen Fakultät nun die Eh- renpromotion vornehmen, indem ich Ihnen den Text der Ehrenpromo- tionsurkunde bekanntgebe. 43 Dankesworte von Prof. Dr. h.c. Krzysztof Penderecki Lassen Sie mich hiermit meinen Dank für die so eben verliehene Ehrendoktorwürde aussprechen. Dieses ist für mich insofern von beson- derer Bedeutung, als ich Luzern oft als meinen Zweiten Wohnsitz bezeich- ne. Hier halte ich gerne inne und mache Station auf meinen unzähligen, oft ermüdenden Reisen. Die Schweiz – seit Jahrhunderten eine Oase der Toleranz und Har- monie – ist mir in ihrer Ehrfurcht vor Tradition und Natur seelenver- wandt. Auf die Frage nach dem Wesen meines Werkes möchte ich den polnischen Dichter und Denker, Czes$aw Mi$osz, zitieren: «Wenn ich nur endlich sagen könnte, was in mir steckt. Ausrufen: Leute, ich habe euch belogen. Behauptend, in mir gäbe es das nicht, derweil ist jenes GEWISSE ETWAS stets da, Tag und Nacht. Dennoch, gerade dank dessen konnte ich Eure leicht entflammba- ren Städte beschreiben; eure kurzen Lieben und vermodernden Spiele; Ohrringe; Spiegel; ein von der Schulter gleitender Träger; Szenen in Schlafzimmern und auf Schlachtfeldern. Schreiben war für mich Abwehrstrategie, Spurenverwischen. Denn es darf den Menschen nicht gefallen, wer nach Verbotenem greift.» Diese Verse stammen aus seinem neusten Gedichtband mit dem Titel TO (DAS GEWISSE ETWAS, Anm. d. Übersetzerin) und sind Kom- mentar zu seinem künstlerischem Weg, dem Zustand des Ungesättigt- seins, der unentwegten Unsicherheit, der Suche nach der Wahrheit in sich selbst. Die Frage, wo bei mir DAS GEWISSE ETWAS stecke, lässt mich einem ähnlichen Skeptizismus verfallen. In den verschiedensten Gattungen der Musik, in denen ich mich bewege – Symphonie, Kammer- musik, Oper, Konzerte, auch Theater- und Filmmusik meiner jungen Jahre – komme ich mir selbst so unbeständig vor. Immer wieder zerschlage ich die Logik bereits beschlossener Vorhaben, offenbare Widersprüche und Kontraste. Sowohl Sacrum als auch Profanum reizen mich, Gott und der Teufel, Erhabenheit und deren Übertretung. Erhabene Werke vom Typ Sacra Rappresentazione wie das «Polnische Requiem» und «Dies Irea» fin- den ihren Kontrapunkt in bilderstürmerischen Formen, wie bei den «Teu- feln von Loudun» und der Buffa «Ubu Rex». Den Wandel durch verschiede- ne Musikformen, den Versuch, die Sprache der Avantgarde mit der Tradition in Einklang zu bringen, könnte man auch als Akt der Verwir- rung bezeichnen, dem DAS GEWISSE ETWAS zugrunde liegt, das genauer zu bezeichnen ich nicht wage. Ich habe eine Schwäche für das LABY- 44 RINTH, als gleichsam symbolische und reale Figur. In meinem Park von Lus$awice habe ich einen Irrgarten, ein Labyrinth eingerichtet, in dem ich mich sicher fühle; ich gehe vor und wieder zurück, finde neue Wege und gehe ungern wieder hinaus. In Lus$awice entsteht auch die Musik, die mir am nächsten ist: die Symphonien, an denen ich jahrelang gearbeitet habe, sowie die Kammermusik – meine Musica domestice. An diesem Zu- fluchtsort, in dieser Intimität, in dieser der Stille nahen Welt – nähere ich mich dem Wesen der Musik. Nach den Jahren sucht man Angelpunkte, DAS GEWISSE ETWAS, das Wiederkehrende, das, was sich als wichtig erwiesen hat. Im Labyrinth meines Lebens sehe ich zwei solcher Punkte: Das Komponieren der «Lukaspassion» und der Kauf von Lus$awice. Die «Lukaspassion» war ein Umbruch, weil sie mich in die Welt der musikalischen Tradition führte. Das Thema der Passion war seit Bach nicht wirklich wieder aufgenommen worden und von der Musik des 20. Jahrhunderts als musikalische Fossile abgetan. Das Wiederaufgreifen die- ses Themas brachte mir auch den Spitznamen «Trojanisches Pferd der eu- ropäischen Avantgarde» ein. «Opus Lus$awice» ist der Titel eines vor kurzem in Polen erschie- nenen Buches, das die Geschichte von Lus$awice als ein im 16. und 17. Jahrhundert für Polen und Europa wichtiges Zentrum Andersgläubiger darstellt. Es enthält zugleich eine Dokumentation der aus Landhaus und Park entstehenden Anlage mit Verzeichnis des aktuellen Bestandes an Bäumen und Pflanzen. «Opus Lus$awice» enthüllt meine Verbindung zu Tradition und Na- tur. Als ich in den Besitz von Lus$awice kam, unterschrieb ich gewisser- massen einen Bündnispakt mit Geschichte und Natur. Was ich vorfand, war ein 20 Jahre zuvor zerschellter historischer Raum, ein ruiniertes Landhaus mit Resten von Park und Garten. Den Häresieforschern unter den Historikern wird es nicht unbe- kannt sein, dass in Lus$awice in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Fausto Sozzini tätig war, der Anführer einer vom Kalvinismus abgeleite- ten Strömung und Schöpfer einer nach ihm auch «Sozinianismus» ge- nannten religiösen Doktrin. Es gibt Beweise, dass er Einfluss auf die nie- derländische Theologie des 17. Jahrhunderts ausübte. Die Person dieses religiösen Freidenkers ist eindrucksvoll; italienischer Theologe und Jurist, der, ständig verfolgt, von Land zu Land zog, sich in der Schweiz (in Zürich und Basel) aufhielt, ausserdem in Florenz, Siebenbürgen und sich schlies- slich in Polen, in Krakau niederliess und gegen Ende des Lebens eben in Lus$awice, von wo aus er seine Ideen verkündete, Schriften herausgab und eine reiche Korrespondenz führte, unter anderem mit Erasmus von Rotterdam. Auf dem Anwesen von Lus$awice waren Reste eines alten La- mus vorhanden (ein als Lager und Schatzkammer dienendes Wirtschafts- 45 gebäude), das mir gelungen ist, zu rekonstruieren. Es erfüllte ehemals die Funktion eines Gotteshauses und zugleich einer Druckerei. Im Park befin- det sich auch ein Denkmal zu Ehren von Sozzini mit grossem Baldachin, das 1933 auf die Bestellung von Professoren aus Oxford und Berkeley er- richtet wurde. In das Denkmal eingelassen ist eine Original-Grabplatte vom nahegelegenen Friedhof. Die Stifter brachten folgende Widmung an dem Denkmal an: IN MEMORIAM FAUSTI SOCINI ITALI SENSIS DEC. 5. 1539 DE- NATI LUCLAVICIS MAR. 3. 1604. ET IN RECOGNITIONE LABORUM EIUS PRO LIBERTATE RATIONE ET TOLERANTIA IN RELIGIONE POSUERUNT 1933 CULTORES IN EUROPA, ANGLIA, AMERICA (...). Die Analyse der theologischen Ausführungen von Sozzini, wie die Ablehnung des Dogmas der Dreifaltigkeit und Gottmenschlichkeit Christi, die Negation der Existenz der Erbsünde möchte ich den Theologen und Philosophen überlassen. Jedoch für uns als Menschen immer noch denk- würdig sind die von ihm verbreiteten und ins Leben umgesetzten Regeln: «Gottesfurcht», «Gerechtigkeit», «Verurteilung der Krieges und jeglicher Rache». Äusserliches Zeichen der Bekenner Sozzinis – auch Arianer ge- nannt und «ecclesia minor der Polnischen Brüder» – waren am Gürtel be- festigte Holzschwerter. Die Kommentatoren Sozzinis unterstreichen bei ihm die Idee des passiven Widerstandes, der wird später bei Leo Tolstoi und Mahatma Gandhi begegnen, und erwähnen auch die Sozianischen Po- stulate der Toleranz und Teilung von Staat und Kirche. Leszek Ko$akowski – Philosoph europäischen Formates – liess sich dazu hinreis- sen, in der wissenschaftlichen Abhandlung «Religiöses Bewusstsein und kirchlicher Verbund. Studium zum unkonfessionellen Christentum des 17. Jahrhunderts» Fausto Sozzini mit anderen, bekannten Klassikern der Philosophie und Religion zu vergleichen und zeigt am Ende des Absatzes die positive Dimension einer Reflexion über häretische Gedanken auf. «Da jedoch angesichts der offenbarten Schriften – schreibt Ko$akowski – auch selbständige Forschung notwendig ist, sollte man furchtlos alles lesen, was in philosophischen und theologischen Dingen jemals gesagt worden ist; selbst die kritische Lektüre heidnischer und häretischer Schriften ist bereichernd – Augustinus und Arius, Mohammed und Sozzini, Calvin und Luther, Platon, Aristoteles und Descartes; in der Atmosphäre unvoreinge- nommener, rationeller Analyse können wir die Auflösung von Sekten und die geistigen Vereinigung der Welt herbeiführen.» Ich stimme Leszek Ko$akowski zu, was die Notwendigkeit von gei- stiger und religiöser Grenzüberschreitung angeht. Der Imperativ zur Öff- nung gegenüber verschiedenen religiösen Abspaltungen und Häresien ist mir nahe. Ohne meine Studien zum Thema Religion und sakraler Musik, ohne die Inspirationen – die ich aus dem Alten und Neuen Testament, aus katholischen und evangelischen Schriften sowie der orthodoxen Liturgie 46 schöpfe – wären Werke wie «Verlorenes Paradies», «Die schwarze Mas- ke», «Aus den Psalmen Davids», «Sieben Tore Jerusalems», «Credo», «Mor- gengebet» nicht denkbar. Von der inneren Überzeugung her bin ich Öku- mene, doch sehe ich auf der anderen Seite, wie sehr der erhabene Plan einer Synthese der Religionen Täuschung ist und welche karikaturisti- schen Formen er in der Geschichte annahm. In der «Schwarzen Maske» zeigt der barocke Todestanz den Wahnsinn des Bösen und religiösen Ver- falls. Die Fabel der Oper beginnt mit Religionsfrieden. Im Hause des Bür- germeisters Schuller treffen sich kurz nach dem Ende des Dreissigjähri- gen Krieges zum feierlichen Mittagessen – am gemeinsamen Tisch – Jude, Hugenotte, Jansenist, evangelischer Pastor und katholischer Abt. Es herrscht eine Atmosphäre «konfessioneller Vereinigung». Doch bei der Nachricht von der Pest zerbricht die Einigkeit, und in der Schlussszene des Danse macabre dominieren Brutalität, Falschheit und Intrigen. Nach Lus$awice kehre ich heim wie Odysseus nach Ithaka. Dort befindet sich nämlich mein irdisches Arkadien. Auf diesem ländlichen Anwesen, das in einer milden Hügellandschaft und dem milden Klima des südlichen Polen gelegen ist, habe ich ein Arboretum angelegt, wo etwa 1400 Baumsorten und ihre Abarten wachsen. Jeden Baum bemühe ich mich, selbst zu pflanzen. Das Komponieren eines Gartens hat für mich viel gemein mit dem Komponieren musikalischer Werke. Sowohl hier als auch dort zählt konstruktivistische Phantasie, die Fähigkeit, ein Ganzes zu denken. Garten – das ist mathematisierte Natur, sowie die Musik ma- thematisierte Emotion ist. Durch den Kontakt mit der Natur suche ich das schwer erfüllbare Versprechen, wie es am Anfang des Buches der Psalmen geschrieben steht: «Selig der Mann, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, sich nicht auf den Pfad der Sünder stellt, noch im Kreise der Lästerer sitzt, vielmehr am Gesetz des Herrn seine Freude hat, ja, sein Gesetz betrachtet bei Tag und bei Nacht. Er gleicht dem Baum, gepflanzt an strömenden Wassern, der seine Früchte trägt zur rechten Zeit und dessen Laub nicht welkt. Was immer er beginnt, vollführt er glücklich.» 47 Meine Damen und Herren Heute ist der erste Dies academicus der neuen selbständigen Universität Luzern seit dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzes am 1. Oktober 2000, selbständig nach dem Willen des Luzerner Grossen Ra- tes und der Regierung und hoffentlich mit dem Segen und dem Schutze Gottes, den Sie lieber Herr Bischof und Magnus cancellarius der Theolo- gischen Fakultät in grösstmöglicher Stärke vermitteln. Wir haben wahr- haftig Grund zur Freude und zum Feiern. Wir alle in diesem Saal – liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter – haben dieses Recht in harter Arbeit erworben, heute und dann noch beim versprochenen Uni-Fest. Zu die- sem festlichen Anlass überbringe ich Ihnen die herzlichen Grüsse und vor allem den tief empfundenen Dank der Luzerner Regierung für all das, was Sie zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Der Ort die- ses Dies academicus könnte besser nicht gewählt sein. Haus und Anlass passen zusammen. Beides entstand dank dem Engagement mutiger und risikobereiter Menschen, durch Entscheide eines fortschrittlichen, vor- ausschauenden Volkes – als Zeichen des Aufbruchs ins neue Jahrhun- dert –, eine geglückte Verbindung von unternehmerischem Mut und kultureller, musikalischer Verpflichtung. Und damit ist der Bogen ge- spannt zu Ihnen, sehr geehrter, Herr Professor Krzysztof Penderecki, denn auch für die Verleihung der Ehrendoktor-Würde an Sie hätte man wohl kaum einen besseren Ort als diesen wunderschönen Saal finden können. Wir gratulieren Ihnen herzlich, und wir hoffen, diese Zeichen beflügle Sie in Ihrem zukünftigen Werk. Wir freuen uns auf das Konzert von heute Abend und vor allem auf die Uraufführung Ihres Credo bei den Luzerner Osterfestspielen 2001. Meine Damen und Herren, es reicht nicht fürs protokollarisch Richtige. – Ich sehe Sie, Herr Stadtpräsident, meine Damen und Herren Ge- meindevertreterinnen und -vertreter. Seien Sie herzlich willkommen. Ich weiss, Sie hängen gebannt an meinen Lippen um zu hören, wie Ihre Wer- bung bei der Braut UniLu angekommen ist. Noch hat sie sich nicht ent- schieden, und sie lässt sich – bei der beabsichtigten langfristigen Bin- dung durchaus angezeigt – kompetent beraten. Gegen Ende des Jahres wird sie ihre Empfehlungen zur richtigen Wahl des Standortes abgeben. Schlussansprache Erziehungs- und Kulturdirektor Dr. iur. Ulrich Fässler 48 Meine Damen und Herren, nun noch einmal einen ganz allgemei- nen Dank abzustatten, einen Dank, der auch zu all jenen vordringen soll, die im Hintergrund und im Verborgenen gearbeitet haben, ist mir ein ech- tes Bedürfnis. Eingeschlossen in diesen Dank sind ausdrücklich auch die 78-er, die damals nach intensivem Kampf eine Schlacht verloren haben. Sie haben den Weg bereitet für den heutigen Erfolg. Einem Mann gilt der ganz besondere Dank der Luzerner Regierung, gilt mein persönlicher Dank und mein ganzer Respekt, nämlich jenem Mann, der – 600 Jahre nach dem vergeblichen Versuch des guten Erzherzogs Leopold – mit Un- terstützung von Gattin und Familie Luzern erobert und hier ein grosses Werk realisiert hat, unter Einsatz aller seiner Kräfte, manchmal sogar zu- viel Suaviter in modo – fortiter in re. Lieber Walter Kirchschläger, Du bist ein Luzerner! Wir sind Dir und Deiner lieben Gattin – Deiner ganzen Fa- milie – zu tiefem Dank verpflichtet! Diese Rosen, liebe Frau Kirchschlä- ger, sollen ein ganz kleines Zeichen unserer Dankbarkeit sein. Meine Damen und Herren, wir haben heute Grund zum Feiern. Wir haben aber auch Anlass, uns die grosse Verantwortung in Erinnerung zu rufen, die das Luzerner Volk uns im Mai dieses Jahres übertragen hat. Es wurde schon gesagt, der 21. Mai 2000 kann zu einem historischen Da- tum werden. Dann nämlich, wenn wir die Versprechen aus dem Abstim- mungskampf wirklich einlösen. Schon im nächsten Jahr wird uns nie- mand mehr einfach auf die Schulter klopfen, Glück und Erfolg wünschen. Schon bald wird man uns, die Verantwortlichen der Politik und der Uni fragen, was habt ihr erreicht. Sind die Studentinnen und Studenten ge- kommen. Dann müssen wir sagen können: – Der Kern dieser kleinen Uni ist gebildet. Wir haben drei gute Fa- kultäten mit einem ausgezeichneten Lehrkörper, mit modernen Lehr- und Lernmethoden, mit zukunftsweisenden Forschungsansätzen. – Wir haben leistungsfähige universitäre Institutionen und koordi- nierte – im Rahmen des Campus – Infrastrukturen und Dienstleistungen, die Studierenden und Dozierenden optimal dienen von der Administration bis zum Sport. – Wir sind im Campus Luzern integriert oder besser gesagt feder- führend. Hier in Klammern gesagt, es hat mich mit grosser Freude und Befriedigung erfüllt, dass bereits auf dieses Wintersemester die Idee mit den Veranstaltungen des offenen Campus handfest lanciert wurde. Diese systematische Kooperation unter allen Luzerner Hochschulinstitutionen liegt mir ganz besonders am Herzen, und ich bin überzeugt, das ist eine unserer ganz grossen Chancen und Vorteile gegenüber den anderen Uni- versitätsstandorten. Damit wir die skizzierten Ziele erreichen, braucht es gewaltige An- strengungen aller Beteiligten. Der Wettbewerb der Hochschulen um Geld, Studierende, Projekte, um gute Dozierende und Forschende, um Res- 49 sourcen im weitesten Sinn nimmt rapide zu. Bildung und Forschung lassen sich heutzutage nicht mehr administrieren. Gefragt ist die Taug- lichkeit, Exzellenz, auf einem intensiven, offenen, internationalen Markt des Wissens, der Wissensvermittler, der Wissensanwender und der Wissbegierigen. Als Newcomer in manchen Bereichen muss sich die Universität Luzern auf diesem Markt erst noch ihren Platz erkämp- fen. Gefordert ist dabei auch ein professionelles Qualitätsmanagement, das die Dozierenden und die Forschenden unserer Universität dazu motiviert, Höchstleistungen zu erbringen und ihre Tätigkeit kontinu- ierlich und von unabhängigen Expertinnen und Experten auf ihre Qua- lität hin überprüfen zu lassen. Bei der juristischen Fakultät ist diese Prüfung mit einem Akkreditierungsverfahren gegeben. Ich bin über- zeugt, dass sich auch die anderen Fakultäten zwingend derartigen Eva- luationen stellen müssen. Dies nur ein paar Stichworte meine Damen und Herren, ent- scheidend wird sein, dass wir die richtigen Menschen für den richti- gen Platz an dieser Universität finden. Vor allem natürlich ausgezeich- nete Professorinnen und Professoren. Da gibt es keine Kompromisse, denn auch Universitäten werden in erster Linie von Menschen und nicht von Strukturen geprägt. Dabei dürfen nicht allein hervorragende wissenschaftliche Qualifikationen den Ausschlag für eine Anstellung geben, sondern auch pädagogische und soziale Kompetenzen. Wir wol- len an der Universität nicht elitäre Einzelkämpfer sondern wir wollen gute Teams in den Fakultäten. Und da werden auch die Studentinnen und Studenten eine Rolle spielen. Der relativ kleine Rahmen bietet die Chance, Sie liebe Studentinnen und Studenten in den Entwicklungs- prozess dieser Universität einzubeziehen. Sie als erste Generation sind da ganz besonders gefordert. Sie sind beim Aufbruch dabei – go west! Auch Sie meine Damen und Herren brauchen wir in den näch- sten Jahren. Ihre Unterstützung, ideell und materiell, ist für den Erfolg der Universität Luzern mitentscheidend. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag! 50 anhang 51 Ermutigung zum Theologiestudium Im Leben von uns Menschen spielt die eigene Wohnung zumeist eine grosse Rolle. Wir pflegen sie so einzurichten, dass sie unserem Ge- schmack entspricht, dass wir uns in ihr daheim fühlen und dass sie uns Lebensqualität ermöglicht. Die Wohnung ist so sehr ein Stück von uns selbst, dass man geradezu sagen kann: «Sage mir, wo und wie Du wohnst, und ich sage Dir, wer Du bist!» Die Wohnung ist von so grundle- gender Bedeutung, dass es uns nicht erstaunen wird, dass auch die Fra- ge aufkommen kann, wo denn wohl Gott wohnt. Auf das erste Hinhören hin mag dies zwar wie eine typische Kinderfrage tönen, die aus der kindlichen Neugierde heraus entsteht, die sich aber für Theologen nicht mehr geziemt. Hinter dieser Frage liegt freilich sehr viel mehr verbor- gen. Denn mit unserer Antwort auf diese Frage kommt auch heraus, wie wir von Gott denken und wie wir zu Gott stehen. 1. Öffentliches Reden von Gott in einer säkularisierten Welt Mit Gott hat es im emphatischen Sinne die Theologie zu tun. Sie ist im Kern Rede von Gott, intellektuell verantwortetes Gott-Sagen und Wissenschaft von Gott. Deshalb eignet sich gerade die elementare Frage, wo denn wohl Gott wohnt, als Leitfaden für eine kurze Besin- nung am heutigen Dies academicus, mit dem wir nicht nur ein neues akademisches Studienjahr an der Theologischen Fakultät eröffnen, sondern mit dem wir zunächst auf eine vierhundertjährige Präsenz philosophisch-theologischer Bildung in Luzern zurückblicken dürfen. Dieses Jubiläum darf uns mit Dankbarkeit und Freude darüber erfül- len, dass das christliche Reden von Gott in der Geschichte des Kantons Luzern immer wieder glaubwürdig verantwortet und in der gesell- schaftlichen Öffentlichkeit wachgehalten wurde. Das vierhundertjährige Jubiläum ist aber auch ein Aufbruch zu neuen Ufern, zumal in diesem Jahr die Existenz der Theologischen Fa- kultät unter dem Dach der Universität Luzern mit einer erfreulich ho- hen Zustimmung des Volkes gesichert werden konnte. Dieser Neuan- In der Wahrheit Gottes wohnen Homilie des Bischofs beim Gottesdienst der Theologischen Fakultät Prof. Dr. theol. Kurt Koch 52 fang bedeutet auch die grosse Verpflichtung, das Reden von Gott auch in der heutigen Gesellschaft glaubwürdig zu verantworten. Dieser Auf- trag ist gewiss nicht leichter geworden, weil sich das gesellschaftliche Leben seit den Anfängen unserer philosophisch-theologischen Bil- dungsinstitution vor vierhundert Jahren entscheidend geändert hat. Denn wir leben heute in einer durch und durch säkularisierten Gesell- schaft, die stets deutlicher zu Tage tritt. Mit dieser Situation ist ein ebenso einmaliges wie schwieriges historisches Experiment verknüpft, das es als besondere Herausforde- rung an Kirche und Theologie sensibel wahrzunehmen gilt. Denn Euro- pas Versuch, Gesellschaften oder gar eine Gemeinschaft von Staaten zu bauen, die von einem religiösen Fundament prinzipiell absehen, stellt ohne jeden Zweifel ein kulturgeschichtliches Novum dar; und niemand kann sagen, wie dieses Experiment ausgehen wird. Ebenso wenig kann man sagen, welche Konsequenzen dieses Experiment für den Status von Theologischen Fakultäten an den Universitäten haben wird. Es wird jedenfalls immer offenkundiger, dass die Theologie an zunehmender Vereinsamung und Isolation im Ensemble der Wissen- schaften leidet. Immer mehr droht die Theologie gleichsam als «Orchi- deenfach» betrachtet und an den Rand des universitären Gartens ge- drängt zu werden, und zwar mit wenig Licht und wenig Wasser. Angesichts dieser prekär gewordenen Situation darf die Theologie aber nicht resignieren, was freilich nur möglich ist, wenn sie entschieden ihre Aufgabe des öffentlichen Redens über Gott wahrnimmt und dabei bei der elementarsten Frage ansetzt, wo denn wohl Gott wohnt. 2. Theo-logische Wohnung für Christus Die herkömmliche und auch heute spontan geäusserte Antwort geht zumeist dahin, dass Gott in der Höhe des Himmels wohnt. Diese Antwort ist gewiss nicht falsch; im Gegenteil: Gott ist der Transzenden- te, der Welterhabene und der Unfassbare, den nicht einmal die Himmel der Himmel fassen können. Dennoch ist dies nur die halbe Wahrheit, ge- nauso wie bei uns Menschen noch nicht alles ausgesagt ist, wenn wir bloss wissen, wo wir wohnen. Es gibt nämlich auch Menschen, die zwar einen konkret angebbaren Wohnort haben und dennoch in ihrem Her- zen eine ganz andere, nämlich eine Wahlheimat tragen. Man kann bei- spielsweise als Zürcher geboren sein und dennoch seine Wahlheimat in Luzern haben, so dass Luzern wichtiger sein wird als Zürich. Es will scheinen, dass es sich bei Gott ähnlich verhält. Seine an- gestammte Heimat ist durchaus der Himmel. Aber auch Gott kennt eine Wahlheimat, und diese befindet sich auf unserer Erde. In diesem Sinne 53 betont der Epheserbrief, dass Gott in Christus in unseren Herzen woh- nen will, und zwar durch den Glauben: «Durch den Glauben wohne Chri- stus in eurem Herzen» (Eph 3,17a). Die heutige Lesung verkündet uns, dass Gott in Christus unter uns Menschen wohnen will, und zwar im Herzen eines jeden einzelnen Glaubenden. So will Christus auch und ge- rade in jeder Theologin und in jedem Theologiestudenten wohnen. Die Theologie als Rede von Gott soll sogar eine besondere Wohnung für Christus sein. Denn sie ist in pointierter Weise berufen und verpflichtet, sich jenes Imperativs anzunehmen, den der Epheserbrief unmissver- ständlich formuliert: «In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verste- hen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.» (Eph 3,17b-19) Damit ist ein sehr hoher Anspruch an die Theologie ausgespro- chen. Ihr kommt die Verantwortung zu, die «Länge und Breite, die Höhe und Tiefe» des Gottesgeheimnisses zu ermessen und zu ergründen. Oder mit anderen Worten: Die Theologie hat es mit nichts anderem zu tun als mit der «ganzen Fülle Gottes» und damit mit seiner Wahrheit. Zu billige- ren Preisen kann es die Theologie gar nicht geben. Darin besteht die uner- lässliche Freiheit, die der Theologie im Lebensraum der Kirche zukommt und zukommen muss. Dabei kann es keine grössere Freiheit geben als die Freiheit der Wahrheit; und diese bildet den Kern der «akademischen Frei- heit». Was der grosse katholische Theologe Romano Guardini in einer recht verworrenen Zeit als das Wesen des wahrhaft Akademischen her- ausgestellt hat, gilt auch und erst recht für eine Theologische Fakultät in der heutigen gesellschaftlichen Situation: «Wenn die Universität einen geistigen Sinn hat, dann jenen, die Stätte zu sein, wo nach der Wahrheit gefragt wird, nach der reinen Wahrheit – nicht um eines Zweckes, son- dern um ihrer selbst willen: deswegen, weil sie Wahrheit ist.»1 Die Theologie ist gerade dadurch eine Wohnung für Christus, dass sie in der Wahrheit Gottes wohnt. Als Wohnung für die Wahrheit Gottes zur Verfügung zu stehen, macht die grösste Würde aus, die der Theologie zukommt. Mit dieser Würde ist freilich eine grosse Bürde verbunden. Denn die Wahrheit Gottes kommt zwar dem Menschen zu- gute, aber sie ist keineswegs nur bequem. Darauf weist Jesus im heuti- gen Evangelium mit unmissverständlichen Worten hin. Er umschreibt seine Sendung in die Welt damit, er sei gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen: «Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!» (Lk 12,49). Das Feuer, das Jesus in die Welt gebracht hat, ist das Feuer der Wahr- 1 R. Guardini, Verantwortung. Gedanken zur jüdischen Frage (München 1952) 10. 54 2 E. Jüngel, «Meine Theologie» – kurz gefasst, in: Ders., Wertlose Wahrheit. Zur Identität und Relevanz des christlichen Glaubens. Theologische Erörterungen III (München 1990) 1–15, zit. 1–2. heit Gottes. Für diese Wahrheit hat Jesus mit feuriger Leidenschaft ge- kämpft, selbst wenn sie nicht Frieden, sondern Spaltung bewirkt. Selbstverständlich gehört der Friede zur Wahrheit Gottes. Ja, es gibt nichts Wahreres als den Schalom Jahwes. Doch ebenso gibt es für Je- sus keinen Frieden an der Wahrheit vorbei oder gar mit der Unwahr- heit. Wer der Unwahrheit oder auch nur der Halbwahrheit dient, kann deshalb nicht im Frieden leben, sondern dient der Zwietracht. Von diesem leidenschaftlichen Feuer für die Wahrheit Gottes soll- te auch die Theologie angestachelt sein. Sie hat die Wahrheit Gottes zu verkünden und nicht einfach persönliche Meinungen zu vertreten. Diese eigenartige Versuchung zeigt sich vor allem im nervösen Anspruch von Theologen, auf jeden Fall originell sein zu wollen und es auch zu müssen. In einem solchen Anspruch erblickt der evangelische Theologe Eberhard Jüngel aber mit Recht eine «völlig unangemessene Unterschätzung des- sen, was Theologie ist» sowie eine «masslose Überschätzung des Theolo- gen» und er begründet dies so: «Die Selbstprofilierungssucht neuzeitlicher Theologen – in jüngster Zeit ihr Schielen nach den Medien – wächst denn auch in demselben Masse, in dem die theologische Substanz verloren- geht.»2 Denn auch und gerade die Theologie kann keine andere Originali- tät kennen und beanspruchen als jene, die sich an der wahren Origo der Wahrheit Gottes orientiert. Darin besteht die entscheidende Gewissensfra- ge, der die Theologie sich selbst immer wieder aussetzen muss. Denn sie kann nur dann der Autorität der Wahrheit Gottes allein die Ehre geben und sich im Lebensraum der Kirche als reinigender Dienst an der Wahr- heit verstehen und vollziehen, wenn sie sich selbst immer wieder dem Purgatorium ihrer eigenen Orientierung an der Wahrheit Gottes aussetzt. 3. Versöhnung von Wahrheit und Lieben im Herzen Die Theologie ist berufen und verpflichtet, in der Wahrheit zu wohnen und mit leidenschaftlichem Feuer der Wahrheit zu dienen. Aus Erfahrung wissen wir freilich, dass solcher Eifer für die Wahrheit auch fanatisch werden und Menschen verletzen kann. Wo dies ge- schieht, ist es ein sicheres Anzeichen dafür, dass man bereits nicht mehr in der Wahrheit wohnt. Denn der Einsatz für die Wahrheit muss sich paaren mit der Liebe zu den Menschen, denen wir die Wahrheit verkünden. Es ist kein Zufall, dass der Epheserbrief die Zumutung, «die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe» der Wahrheit Gottes zu er- 55 messen, damit einleitet: «In der Liebe verwurzelt und auf sie gegrün- det» (Eph 3,17b). Die Liebe ist der Notenschlüssel für die Melodie auch und gerade der theologischen Wahrheitssuche. Solche Liebe bedeutet freilich nie die Dispens von der Wahrheits- frage. Wahre Liebe besteht vielmehr darin, dass sie dem anderen auch die Wahrheit zumutet, es aber eben in Liebe tut. Müssten wir deshalb heute nicht neu lernen, wieder zusammenzusehen, was unlösbar zu- sammengehört: Wahrheit und Liebe. Denn Wahrheit ohne Liebe kann brutal werden, weil sie die weise Empfehlung nicht beherzigt, die Max Frisch einmal so ausgedrückt hat, man solle die Wahrheit einem Men- schen nicht sagen wie einen Waschlappen, den man ihm um die Ohren schlägt, man solle die Wahrheit einem Menschen vielmehr hinhalten wie einen Mantel, in den er schlüpfen kann. Auf der anderen Seite aber kann Liebe ohne Wahrheit banal werden, weil sie dem Menschen das Kostbarste vorenthält, das es gibt, nämlich die Wahrheit. Wahrheit ohne Liebe ist blind; aber Liebe ohne Wahrheit ist leer. Jenseits von liebloser Wahrheit und wahrheitsleerer Liebe zeich- net sich der Eros der Theologie durch eine sensible Liebe zur Wahrheit aus. Damit kommt das Subjekt der Theologie in den Blick, das dabei in erster Linie gefragt ist. Denn es ist wiederum kein Zufall, dass der Epheserbrief emphatisch betont, dass Christus durch den Glauben «in eurem Herzen» wohne (Eph 3,17a). «In Eurem Herzen»: Auch und ge- rade in der theologischen Arbeit, die vor allem eine Sache des Kopfes ist, muss es in erster Linie um das Herz gehen, um das eigene zumal und zuvörderst. Denn wo dies nicht geschieht, steht der Theologe in der Gefahr, dass man ihm nicht mehr anmerkt, dass er selbst am Heili- gen Feuer der Wahrheit lebt, sondern dass er bloss noch davon er- zählt, dass es ein solches heiliges Feuer geben soll. Müsste deshalb unsere theologische Arbeit nicht spiritueller werden? Diese Frage wäre freilich missverstanden, wenn wir in ihr eine Alternative zum rationalen Denken in der Theologie sehen wür- den. Denn Spiritualität und Rationalität schliessen sich nicht aus, son- dern fordern und fördern sich wechselseitig. Die Theologie wird des- halb ihren allerersten Praxisbezug in der Entwicklung und Förderung der persönlichen Spiritualität der theologisch Arbeitenden erblicken und wahrnehmen. Denn das Reden zu Gott ist viel elementarer und au- thentischer als das Reden von Gott. Deshalb kommt alles theologische Denken vom Reden zu Gott her und mündet wiederum in das Reden zu Gott. So richtig mündig im Doppelsinn dieses Wortes wird die Theolo- gie erst in der Doxologie. In diesem Sinn ist das Gebet der Ernstfall des Glaubens und der Theologie. Von daher ist es nochmals kein Zufall, dass die heutige Le- sung aus dem Epheserbrief als grosse Fürbitte für die Kirche gedacht 56 und formuliert ist. Denn die Zumutung, die «Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen», ist verbunden mit der weiteren Einladung, dies «zusammen mit allen Heiligen» zu tun (Eph 3,18). Damit wird der kirch- liche Ort der theologischen Arbeit sichtbar. Wenn nämlich die Aufgabe der Theologie in der sachgerechten Erkenntnis und in der zeitgemässen Darlegung der Wahrheit des christlichen Glaubens besteht, dann wird nicht nur ihre kirchliche Bindung deutlich, sondern dann wird sie auch verstehbar als ein notwendiger Dienst an der Kirche, ja als ein eigentli- cher kirchlicher Dienst. Dieser besteht vor allem darin, dass die Theolo- gie sich stark macht für die Wahrheit Gottes in der Kirche und ihr die Gewissensfrage nach ihrer eigenen Bewohnbarkeit stellt: Ist die Kirche sich immer dessen bewusst, dass Christus sie als seine Wohnung in die- ser Welt ausgewählt hat. Und ist die Kirche heute wirklich bewohnbar für Gott, so dass Gottes Wohnung dem heutigen Menschen zum Ort sei- ner Gottesbegegnung werden kann? Diesen kritischen Dienst kann die Theologie aber nur erfüllen, wenn sie selbst in der Wahrheit Gottes wohnt und dieser Wahrheit un- eigennützig dient. Denn dazu ist sie notwendig, und dann ist sie wirk- lich bei ihrer Sache. Dass dies der Theologie in Luzern immer wieder gelingt, ist mein Wunsch an sie für das bevorstehende Akademische Jahr und überhaupt in eine gute Zukunft hinein. Diesen Wunsch ver- mag ich freilich nicht besser auszudrücken als mit den verheissungs- vollen und verantwortungsvollen Worten des Epheserbriefes: «Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fä- hig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen, und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So wer- det ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.» Amen. In der Reihe «Luzerner Universitätsreden» sind bis jetzt erschienen und beim Rektorat erhältlich: 1 Walter Kirchschläger, Pluralität und inkulturierte Kreativi- tät. Biblische Parameter zur Struktur von Kirche finanziert von: Luzerner Kantonalbank (vergriffen) 2 Helmut Hoping, Göttliche und menschliche Personen. Die Diskussion um den Menschen als Herausforderung für die Dogmatik finanziert von: Winterthur Versicherung 3 Rudolf Zihlmann, Zur Wiederentdeckung des Leibes. Vom Zenbuddhismus zu neueren westlichen Erkenntnissen finanziert von: Bank Julius Bär & Co. AG (vergriffen) 4 Clemens Thoma, Das Einrenken des Ausgerenkten. Beurtei- lung der jüdisch-christlichen Dialog-Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges finanziert von: Otto’s Warenposten AG (vergriffen) 5 Walbert Bühlmann, Visionen für die Kirche im pluralisti- schen Jahrtausend finanziert von: Neue Luzerner Zeitung 6 Charles Kleiber, L’ Université de Lucerne, quel avenir? finanziert von: Gemeinnützige Gesellschaft Luzern 7 Helga Kohler-Spiegel, «Wenn ich könnte, gäbe ich jedem Kind einen Leuchtglobus...» 8 Rolf Dubs, Universitätsstudium – Anforderungen aus Sicht der Lehr- und Lernfordung; Dokumentation des Dies academicus 1999 finanziert von: Universitätsverein Luzern 9 Kaspar Villiger, Bildung an der Schwelle des 21. Jahrhun- derts; Dokumentation der 400-Jahr-Feier finanziert von: Dr. Josef Schmid-Stiftung Luzern 10 Menschen züchten? Nach der Sloterdijk-Debatte: Humanis- mus in der Krise. Enno Rudolph, Gabriel Motzkin, Beat Sitter-Liver, Uwe Justus Wenzel, finanziert durch einen anonymen Spender 11 Kurt Seelmann, Thomas von Aquin am Schnittpunkt von Recht und Theologie finanziert von: Ordinariatsstiftung der Diözese Basel

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    Erstellungsdatum: 20.05.2014

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    Masterarbeit Master of Advanced Studies in Forensics (MAS Forensics) Zeugengefahr – gefährlicher Zeuge [...] als Auskunftsperson somit zwin- gend die Belehrungen über ein allfälliges Zeugnisverweigerungsrecht [...] sind gewisse Vorschriften zwin- gend einzuhalten. So hält Art. 141 Abs. 2 StPO fest, dass ein Beweis

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    Erstellungsdatum: 09.06.2016

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    Kenia in die Schweiz, um zu studieren. Als sie ihren damaligen Freund kennenlernte – ebenfalls ein [...] Agency. 2019. Background Note on Gender Equality, Nationality Laws and Statelessness. Geneva. Langfassung

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    Erstellungsdatum: 06.07.2021

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    Ivanovic Coronavirus SARS CoV 2 Jusletter 18.05.2020

    und des damit zusammenhän- genden, vorübergehenden Ausfalls der Besuchs- und Betreuungstage zwischen [...] damit – neue, anderslautende Studien vorbehalten – auf unbestimmte Zeit Risikopatient. Den persön- [...] Massnahmen zusammenhän- gende Gründe (z.B. Erkrankung des Kindes) für ihr «verweigerndes»

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    Erstellungsdatum: 22.11.2021

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    KurtKardinalKoch OEkumenische Perspektiven Papstamt

    Jahres das vatika- nische Studienpapier «The Bishop of Rome»5 veröf- fentlicht werden würde. Es ist [...] Cullmann: Begegnung der Christen. Studien evangelischer und katholischer Theologen. FS Karrer zum 70. [...] nun auch das vatikanische Studiendokument «The Bishop of Rome» ein Versprechen der Erneuerung. Die

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    Erstellungsdatum: 07.01.2025

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    Jahresbericht der Universität Luzern 2021

    Jahresbericht der Universität Luzern 2021 FOKUSSIERT IN DIE ZUKUNFT JAHRESBERICHT 2021 Fokussiert in die Zukunft Verhaltenswissenschaften und Psychologie, Gesundheit, Digitalisierung: Mit diesen drei Entwicklungsschritten will die Universität Luzern ihr humanwissenschaftliches Profil stärken und ihren Beitrag zu gesellschaftlichen Herausforde- rungen und zum Fachkräftemangel leisten. Diese Pläne hat Rektor Bruno Staffelbach im Herbst des Berichtsjahrs öffentlich gemacht (siehe Seite 55). Einen der Schritte stellt die geplante Gründung einer neuen Fakultät für Verhaltens- wissenschaften und Psychologie plus die Umwandlung des heutigen Departements Gesundheitswissenschaften und Medizin in eine Fakultät dar. Die beiden weiteren Schritte sind die Lancierung einer Initiative für Funktionsfähigkeit, Ge- sundheit und Wohlbefinden sowie eines Zentrums für digitale Innovation. Die Thematik findet auf den neun Kapitel-Doppelseiten in Bild und Text Aufnahme. Um einen plastischen Eindruck zu vermitteln, um welches Erkenntnisinteresse es in jedem der Bereiche der drei Entwicklungsschritte geht, werden ent- sprechende – im bereits zum jetzigen Zeitpunkt mög lichen Spektrum von Forschenden der Universität Luzern beant- wortbare – Wissensfragen gestellt. Die Antworten finden sich unter www.unilu.ch/jahresbericht. So beantwortet unter an- derem Dr. Anja Feierabend die Frage «Warum treffen intelli- gente Menschen dumme Entscheidungen?» (Seiten 48/49). Die Oberassistentin am Center für Human Resource Manage- ment an der Wirtschaftswissenschaft lichen Fakultät führt aus, dass die Neurowissenschaft davon ausgeht, dass wir pro Sekunde mit 11 Millionen Sinnes eindrücken konfrontiert sind – davon würden aber nur gerade einmal 0,0005 Prozent wirk- lich bewusst verarbeitet. Um Situationen rasch erfassen und Entscheide innert nützlicher Frist treffen zu können, würden unbewusst Abkürzungen oder «Daumenregeln» entwickelt. Bei allem positiven Nutzen könnten diese im Alltag zu Fehl- einschätzungen und kognitiven Verzerrungen führen, also zu «dummen» Entscheidungen, so Feierabend. Der vorliegende Jahresbericht entspricht dem im Universitätsgesetz geforderten Geschäftsbericht. ORGANISATION UND VERWALTUNG Organisation / Universitätsrat, Senat 8 / 9 An Herausforderungen wachsen 13 FORSCHUNG UND LEHRE Humanwissenschaften und Digitalisierung 16 Mit Flexibilität und Kreativität zum Ziel 17 Dialog der Religionen 18 Kirchliche Ehe und Nicht-Diskriminierung 21 Neue Werkzeuge für die Soziologie 22 Schwerpunkt Digitalisierung 25 Wenn universitäre Lehre auf die Praxis trifft 26 Rechtssicherheit im internationalen Handel 29 Datenkompetenzen für die Zukunft 30 Transformation und Innovation 33 Premieren am Departement 34 Neues Zentrum für Hausarztmedizin 37 An-Institute 38 WEITERBILDUNGSAKADEMIE Innovativ vorwärts 42 GRADUATE ACADEMY Nachwuchsförderung im Blick 43 UNIVERSITÄTSENTWICKLUNG Mit Nachbarn wissenschaftlich verbunden 46 PERSONAL UND PROFESSUREN Löhne: fair und transparent 47 PANORAMA Panorama 50 Universitätsbetrieb in Zeiten der Pandemie 54 Fokussiert in die Zukunft 55 Akademischer Feiertag 56 Solidarität mit der Ukraine 57 FACTS AND FIGURES Jahresrechnung 60 Entschädigungen / Donationen 62 Mitarbeitendenstatistik 65 Studierendenstatistik 66 Berufungen und Ernennungen 70 Habilitationen und Dissertationen / Ehrungen / Preise und Auszeichnungen 72 Dienste / Partnerin 76 / 79 Förderinstitutionen 80 WEITERE INFORMATIONEN Studienangebot 84 Institute, Seminare und Forschungsstellen 85 INHALT 5 Auch das «Jahr 2» der Pandemie hat die Universität Luzern organisatorisch und technisch sehr gut gemeistert. Trotz erschwerter Bedingungen wurden 2021 wichtige Weichen für die künftige Entwicklung gestellt. Dabei konnte sich Luzern erfolgreich als Spezialitätenuniversität mit einem human- wissenschaftlichen Fokus positionieren. Sie ist mit dieser Strategie auf gutem Weg, mittelfristig zu den führenden humanwissenschaftlichen Universitäten Europas zu gehören. Die Pandemie hat verdeutlicht, dass Politik und Gesellschaft auf wissenschaftlich fundierte Ergebnisse angewiesen sind. Unser politisches System lebt vom Vertrauen in Fakten und davon, dass überall, wo wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden, Widerspruch laut werden muss. Die Wissenschaft muss ihre Rolle in der Gesellschaft weiter stärken, indem sie anschaulich vermittelt, wie neue Erkennt- nisse zustande kommen. Sie muss aber auch Kritik ertragen können, denn Irrtum ist Teil der Forschung. In einer Zeit enormer geopolitischer Herausforderungen müssen wir über die grossen Fragen der Zukunftsgestaltung in aller Gründlichkeit nachdenken. Dies erfordert neue Netzwerke aus Politik, Wirtschaft – und Wissenschaft, und zwar nicht nur im Fall der Pandemiebekämpfung oder der Sicherheit, sondern auch für eine Reihe anstehender gesell- schaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel, der steigenden Lebenserwartung oder der digitale Transforma- tion. Unsere dynamische Universität ist in verschiedenen Zukunftsthemen gut positioniert – und soll auch massvoll weiterwachsen können. Der Regierungsrat unterstützt in diesem Kontext die Erweiterung um zwei neue Fakultäten (siehe Seite 55): einerseits die Umwandlung des Departe- ments für Gesundheitswissenschaften und Medizin, ande- rerseits die Gründung der Fakultät Verhaltenswissenschaf- ten und Psychologie. Zu den dafür notwendigen gesetzlichen Anpassungen wurde bis Mitte März eine breit abgestützte Vernehmlassung durchgeführt. Die ersten Studierenden der Masterausbildung sollen bereits 2023 die Diplome von der «Fakultät Gesundheitswissenschaften und Medizin» über- reicht erhalten. Gesellschaftlich und technologisch verändert sich unser Leben in einem rasanten Tempo. Es ist letztlich nur eine kurze, spannende Zeit, in der wir leben. Dieses Leben ist in den vergangenen Jahren viel zu komplex für einfache Ant- worten geworden. Hier setzt die Universität Luzern an und beschäftigt sich aus ihrer humanwissenschaftlichen Pers- pektive intensiv mit ineinandergreifenden Fragen. Dazu gehören beispielsweise Gesundheitsthemen, die Erfor- schung von Resilienz in einer digitalen Gesellschaft oder die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz. Denn Digitalisierung ist keineswegs ein rein technisches Phäno- men, sondern ebenfalls ein soziales, das tief in das mensch- liche Miteinander eingreift. Online-Märkte, «Big Data» oder künstliche Intelligenz befeuern die digitale Transformation persönlicher Lebensbereiche, verändern aber auch Politik, Wirtschaft und Wissenschaft fundamental. Die geplante Gründung eines Zentrums für digitale Innovation trifft damit auch den Nerv der Zeit. Mit den drei Entwicklungsschritten Verhaltenswissenschaf- ten und Psychologie, Gesundheit sowie Digitalisierung (siehe auch das Jahresbericht-Motto) stärkt die Universität Luzern ihr humanwissenschaftliches Profil und leistet ihren Beitrag für neue Lösungsansätze bei gesellschaftlichen Herausfor- derungen. Dahinter steht auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung: Im Zuge der weiteren Stärkung ihres Profils trägt die Universität dazu bei, den Fachkräftemangel in kritischen Branchen zu reduzieren sowie die Standort attraktivität von Luzern und der Zentralschweiz zu steigern. Hinter den Erfolgen der Universität Luzern steht ein enormes Engagement. Der Dank für die grosse Leistungsbereitschaft richtet sich an alle Universitätsangehörigen – insbesondere an die Universitätsleitung, die Dozierenden, Forschenden, Mitarbeitenden und Studierenden. Im Namen des Regie- rungsrates danke ich auch den Unterstützerinnen und Unterstützern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für ihren wertvollen Einsatz. Sie alle engagieren sich stark zum Wohle der Universität Luzern – und zu jenem des Bildungs- standorts, dem Kanton Luzern. Packen wir die Herausforde- rungen der Gegenwart und der Zukunft an, um langfristig den Erfolg für die Universität Luzern zu garantieren! Marcel Schwerzmann, im Mai 2022 DIE WELT IST VIEL ZU KOMPLEX FÜR EINFACHE ANTWORTEN REGIERUNGSRAT / UNIVERSITÄTSRAT Marcel Schwerzmann, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Luzern, Präsident des Universitätsrats 7 ZIELE, WEGE UND MITTEL Die Universität Luzern ist jung. Junge Organisationen glau- ben an die Zukunft und sie haben grosse Pläne. Sie streben hohe Ziele an und sie wollen sich beweisen. Sie suchen Erfolge und sie lassen sich nicht kleinkriegen. Wir sind eine fokussierte Universität, die sich auf humanwissenschaftliche Fächer konzentriert, keine Voll-Uni im Kleinformat. Mit diesem Profil sind wir die einzige Universität in der Schweiz, aber nicht die einzige in Europa. Auf dem Weg zu einer profilierten hu- manwissenschaftlichen Universität haben wir im vergangenen Jahr wichtige Schritte getan, zum Beispiel: • die Gründung des Zentrums für Theologie und Philosophie der Religionen an der Theologischen Fakultät und die Gründung des Zentrums für Hausarztmedizin und Com- munity Care am Departement für Gesundheitswissen- schaften und Medizin (siehe Seiten 18–20 und 37); • die Akkreditierung des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Seite 38); • die Entwicklung des Fachbereichs Rehabilitation am Departement für Gesundheitswissenschaften und Medizin und die Projektierung einer Fakultät für Verhaltenswissen- schaften und Psychologie mit Vertiefungen in Kinder-, Rechts-, Gesundheits- und Rehabilitationspsychologie; • die Planung eines neuen Masterprogramms in Klima- politik, -recht und -ökonomie an der Kultur- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät; • erste Abschlüsse im Weiterbildungsstudiengang «Huma- nitarian Leadership», der gemeinsam mit dem Internatio- nalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) durchgeführt wird; • die Lancierung neuer Zertifikatskurse, unter anderem für Kranken- und Privatversicherungsrecht oder für Diskurs- kompetenzen von Führungspersonen. Grundlegend ist dabei die Überzeugung, dass ein Leben mit Wissen besser ist als ein Leben ohne Wissen. Wenn Wissen aber gut ist für das Leben, dann bezweckt Wissenschaft ein gutes Leben, und dann ist es unsere Aufgabe, die Welt mit Wissen besser zu machen – nicht alleine, sondern im Verbund. Vernetzung ist das Gebot der digitalen Welt und für uns eine Tugend, die sich aus der zentralen Lage im Herzen der Schweiz und im Kern Europas ergibt. Die Verbundenheit mit internationalen Organisationen (z.B. IKRK, WHO), mit führen- den universitären Institutionen (z.B. mit der Universität Zürich für den Joint Master Medizin) und mit regionalen (z.B. Hoch- schule Luzern, Pädagogische Hochschule Luzern), nationalen (z.B. Höhere Kaderausbildung der Armee) und europäischen Partnern (z.B. Europäisches Universitätsinstitut Florenz) ermöglicht es uns, unsere wissenschaftliche Kraft im Ver- gleich zu unserer Grösse überproportional zu entfalten. Entwicklungen bedingen entsprechende Mittel. Der Träger- kanton Luzern hat sich entschieden, den Grundbeitrag für die Universität ab 2022 um eine Million Franken zu erhöhen. Damit können wir das strukturelle Defizit bereinigen. Die Forschungsbeiträge des Schweizerischen Nationalfonds nehmen dank erfolgreicher Eingabe von Forschungsprojekten zu, und auch Donationen von privater Seite, die einzeln ausge- wiesen sind (siehe Seiten 62–64), haben uns auf unserem Weg geholfen. Ihnen allen danke ich sehr – persönlich und im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Universität Luzern ist ein junges Unternehmen. Junge Unternehmen glauben an die Zukunft und sie haben grosse Pläne, aber sie müssen auch vieles lernen. Lernen ist wichtig, denn wenn man immer nur das tut, was man kann, bleibt man, was man ist. Wenn wir dorthin kommen sollen, wo wir hinwol- len, müssen wir Gewohntes verlassen, Neues suchen, Schwä- chen wahrnehmen und uns verbessern – in vier Bereichen: • Erstens: Auf Antrag der Schweizerischen Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung wurde unsere Uni nach aufwändiger Überprüfung im Herbst 2021 akkredi- tiert – obwohl unser Handbuch zum Qualitätsmanagement nicht auf dem neusten Stand ist. Unsere Qualitätssiche- rung müssen wir umgehend und professionell verbessern. • Zweitens: Wir sind in einem Minergiehaus, haben Sonnen- kollektoren auf dem Dach, liegen ohne eigene Parkplätze direkt neben dem Bahnhof, haben präzise CO2-Statistiken, aber keine Nachhaltigkeitsstrategie! Hier brauchen wir Pläne mit konkreten Zielen. Wir forschen und lehren zu Nachhaltigkeit. Der Beweis für diese Kompetenz muss darin liegen, dass wir sie auch bei uns selbst anwenden. • Drittens: Chancengleichheit ist für uns ein wichtiges Thema, aber bei den Professuren sind wir in Schieflage. Mit der Diversity-Strategie, welche die Uni letzten Sommer in Kraft gesetzt hat, muss es gelingen, das Geschlechter- verhältnis ausgeglichen zu gestalten. • Viertens: Bei einer gesamtschweizerischen Stichprobe erklärten 31 Prozent von 517 Befragten, sie wüssten nicht, dass es in Luzern eine Universität gibt. Es liegt an uns, die Schweiz von der Uni Luzern zu überzeugen! «Die Dinge sind nie so wie sie sind, sie sind immer das, was man aus ihnen macht», formulierte der französische Drama- tiker Jean Anouilh. Die Universität Luzern ist ein junges Unternehmen. Junge Unternehmen haben grosse Pläne und sie glauben an die Zukunft. Wir wollen etwas machen! Ich danke allen, die an der Weiterentwicklung unserer Universi- tät mitwirken, und ich danke allen, die dafür günstige Vor- aussetzungen schaffen. Ich freue mich auf unsere nächsten Entwicklungsschritte. Dazu wünsche ich uns allen viel Kraft, Gesundheit und Vertrauen – in uns, um uns und über uns. Bruno Staffelbach, im Mai 2022 UNIVERSITÄTSLEITUNG Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Rektor der Universität Luzern 8 ORGANISATION Stand: 1. Mai 2022 UNIVERSITÄT Theologische Fakultät ROBERT VORHOLT Dekan Kultur- und Sozialwissen- schaftliche Fakultät MARTIN HARTMANN Dekan Universität Luzern BRUNO STAFFELBACH Rektor Universitätsrat Senat Forschung ALEXANDER H. TRECHSEL Prorektor Universitätsentwicklung MARKUS RIES Prorektor, stv. Rektor 1 Lehre und Internationale Beziehungen MARTINA CARONI Prorektorin 1 ab 1. August 2022: Prof. Dr. Bernhard Rütsche (beide Ämter) 2 ab 1. August 2022: Prof. Dr. Nicolas Diebold 3 bis 31. Januar 2022: Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger Universitätsmanagement DORIS SCHMIDLI Universitätsmanagerin Rechtswissenschaftliche Fakultät ANDREAS EICKER Dekan 2 Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät SIMON LÜCHINGER Dekan 3 Departement Gesundheits- wissenschaften und Medizin GEROLD STUCKI Vorsteher Personal und Professuren REGINA E. AEBI-MÜLLER Prorektorin 9 Universitätsrat Der Universitätsrat ist das strategische Führungs- und Aufsichtsorgan der Universität. Ihm gehören die Vorsteherin oder der Vorsteher des zuständigen Departements, vier bis acht vom Regierungsrat gewählte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sowie mit beratender Stimme die Rektorin oder der Rektor an. Die Amtsdauer der vom Regierungsrat gewählten Mitglieder beträgt vier Jahre. Der Universitätsrat konstituiert sich selbst. Näheres zum Universitätsrat ist im Universitätsgesetz und im Organisationsreglement des Universitätsrats festgelegt. Senat Der Senat ist das oberste universitäre Organ für akademi- sche Fragen. Er setzt sich zusammen aus der Rektorin oder dem Rektor, der Universitätsmanagerin oder dem Universi- tätsmanager, den Dekaninnen und Dekanen der Fakultäten sowie Vertreterinnen bzw. Vertretern der Professorinnen und Professoren, der wissenschaftlichen Mitarbeitenden, der Studierenden und des administrativ-technischen Personals. Der Senat beruft Professorinnen und Professoren. Er unter- stützt und berät die Rektorin oder den Rektor in wichtigen Studien-, Forschungs- und Entwicklungs- sowie Dienstleis- tungs-, Personal- und Finanzangelegenheiten. Er bereitet die Geschäfte des Uni versitätsrats vor und stellt entsprechend Antrag. Näheres zum Senat ist im Universitätsstatut und im Organi- sationsreglement des Senats festgelegt. Mitglieder des Universitätsrats Stand: 1. Mai 2022 Marcel Schwerzmann, Präsident Regierungpräsident, Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements des Kantons Luzern Prof. Dr. Katja Rost Ordinaria für Soziologie an der Universität Zürich Prof. Dr. Abraham Bernstein Ordinarius am Institut für Informatik der Universität Zürich Prof. em. Dr. Bruno S. Frey ständiger Gastprofessor an der Universität Basel Andrea Gmür-Schönenberger Ständerätin, Luzern Prof. em. Dr. Peter Nobel Nobel & Hug Rechtsanwälte, Zürich Patrizia Pesenti Rechtsanwältin Prof. Dr. Christa Schnabl Vizerektorin der Universität Wien Prof. em. Dr. Giatgen A. Spinas Universität Zürich Prof. Dr. Bruno Staffelbach Rektor der Universität Luzern, Mitglied mit beratender Stimme Mitglieder des Senats Stand: 1. Mai 2022 Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Vorsitz Rektor der Universität Luzern Prof. Dr. Robert Vorholt Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Martin Hartmann Dekan der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Andreas Eicker Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Simon Lüchinger Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Doris Schmidli Universitätsmanagerin Prof. Dr. Adrian Loretan Vertreter der Professorenschaft Prof. Dr. Manuel Oechslin Vertreter der Professorenschaft Prof. Dr. Jörg Schmid Vertreter der Professorenschaft Dr. Markus Schreiber Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Patrick Schenk Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Alexander Ort Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Studierenden Jetesa Huskaj Vertreterin der Studierenden Noel Baumann Vertreter der Studierenden Colette Lenherr Vertreterin des administrativ-technischen Personals Dave Schläpfer Vertreter des administrativ-technischen Personals Prof. Dr. Gerold Stucki Vorsteher des Departements Gesundheitswissenschaften und Medizin (ständiger Gast) Wieso ist Rehabilitation für ein gesundes Altern zentral? Ass.-Prof. Dr. Carla Sabariego, Assistenzprofessorin für Rehabilitation und Gesundes Altern Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht MOVING HUMAN SCIENCES 13 UNIVERSITÄTSMANAGEMENT «Nichts ist steter als der Wandel» lautete der Titel meines Beitrags im letzten Jahresbericht, als das Universitäts- management neu geschaffen worden war. Diese Feststellung passt nach wie vor: So ist es noch immer, aber keineswegs nur die Corona-Pandemie, die uns laufend vor Herausforde- rungen stellt, auf die angemessen zu reagieren ist. Generell haben wir den Anspruch, kontinuierlich nach dem Warum und Wozu zu fragen und Verbesserungsprozesse anzustos- sen. Gefragt sind Agilität, Kreativität und Anpassungsfähig- keit, aber auch Ausdauer, Vertrauen und Teamspirit. Die Mitarbeitenden im Universitätsmanagement leisten täglich ihren Beitrag, um einem veränderten Umfeld zeitnah mit innovativen Lösungen zu begegnen. Die grossen Umstellungen vom Präsenzmodus auf digitale und hybride Lehre sowie auf die Arbeit im Homeoffice haben die Informatikdienste optimal weiterbegleitet. Mit viel Enga- gement wurde Verschiedenes erreicht – auch in Sachen Sicherheit: Im Bestreben, bei den Gefahren, die in der digi- talen Welt lauern, stets einen Schritt voraus zu sein, wurden Schutzschirme installiert. Dies, um Malware und Phishing zu verhindern und um die Universitätsangehörigen vor böswilligen Websites und Links zu schützen. Zahlreiche Aperos und persönliche Begegnungen waren wegen Corona nicht möglich. Die vom Facility Management neu realisierten Pergolen auf dem Pausenplatz im 2. Stock laden dazu ein, im Freien auf ein gelungenes Projekt oder im Rahmen eines Events anzustossen. Dabei steht man weder im Regen noch fehlen schattenspendende Sonnen- storen. Apropos Regen: Aufgrund des Hochwassers musste im Sommer die «Gefahrenstufe 3» ausgerufen werden. Mit einigen Rund-um-die-Uhr-Einsätzen konnten grössere Schäden verhindert werden. Buchstäblich vom Winde verweht wurde im Dezember das Testzelt vor dem Uni/PH-Gebäude. Der Betreiber trotzte den widrigen Bedin- gungen, und unermüdlich wurden Antigen- und Pooltests gemacht, damit unsere Studierenden jederzeit die Mög- lichkeit hatten, an Präsenzunterricht teilzunehmen oder in der Bibliothek zu lernen. Im Frühsommer wurde der Zuschlag für den weiteren Be- trieb der Mensa der Gastronomiegruppe ZFV Zürcher Frauenverein erteilt. Nach vielen Monaten ohne Gastronomie im Haus war die Freude entsprechend gross; auch betraten wir mit dem verstärkten Fokus auf Nachhaltigkeit, Regionali- tät und Saisonalität Neuland. Mit der sehr hohen Medien- präsenz aufgrund des vorwiegend vegetarisch/veganen Angebots war die Uni-Mensa im Sommer 2021 die wohl bekannteste weit und breit. Die Ergebnisse einer ersten Befragung zeigen, dass der eingeschlagene Weg vom Gros der Kundinnen und Kunden geschätzt wird. Der Hochschulsport Campus Luzern (HSCL) konnte sein 20-jähriges Bestehen feiern. Im Projekt «Healthy Campus» des internationalen Hochschulsportverbands FISU wurde die «Silber Level»-Zertifizierung erfolgreich erreicht. Ein herber Schlag war die kurzfristige Absage der Winteruniver- siade. Die Teams aus dem Universitätsmanagement waren in die Organisation dieses Grossanlasses eng eingebunden. Das Uni/PH-Gebäude sollte den Dele gationen aus 52 ver- schiedenen Nationen als Hauptquartier dienen. Die Universi- tät hatte daher für Dezember einen mehrheitlich digitalen Lehrbetrieb geplant und für Prüfungen alternative Standorte bestimmt. An diesem Entscheid hielt man fest. Die nunmehr ungenutzt bleibenden Lehrräume wurden kurzerhand als Arbeitsräume für die Studierenden freigegeben. Es gäbe noch vieles zu berichten, das aufzeigt, wie unter- schiedliche Perspektiven uns vorantreiben und unsere Vision, die Dienstleistungen zu verbessern, manchmal auch auf ungewöhnliche Art und Weise bereichern. Unsere Arbeit darf und soll Spass machen, denn Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Im Namen des Universitätsmanagements geht ein grosses Dankeschön an Mitarbeitende, Studierende, Lieferanten und alle Partnerinnen im Haus, namentlich die Pädagogische Hochschule, die Zentral- und Hochschulbibliothek, die Campusorganisationen und die Mensabetreiberin ZFV. 2021 war ein Jahr, das uns allen erneut viel abverlangt hat. Den- noch dürfen wir auf eine Zeit zurückblicken, die uns näher zusammenrücken liess, auch wenn die Pandemie physische Distanz erforderte. Neue Denkweisen, neue Strukturen und neue Methoden lassen es zu, Herausforderung für Heraus- forderung zu meistern und daran zu wachsen, sodass wir uns auf jede neue freuen. Doris Schmidli AN HERAUSFORDERUNGEN WACHSEN Doris Schmidli, Universitätsmanagerin «Moving Human Sciences»: voller Einsatz, auch am Luzerner Stadt- lauf. Im Bild: HSCL-Leiter Patrick Udvardi (Seiten 76/77). Prof. Dr. Sara Rubinelli, a. o. Professorin für Gesundheitskommunikation Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Vor welche Herausforderungen stellt die Informations - gesellschaft die institutionelle Gesundheits- kommunikation? 16 Im Jahr 2021 kam es an der Universität Luzern auch im Bereich der Forschung zu grossen, pandemiebedingten Herausforderungen. Projektmeetings, Konferenzen, Work- shops und Vorträge mussten weitgehend online abgehalten werden – oder fielen der Pandemie gleich vollständig zum Opfer. Ein rein digitaler Austausch unter Forschenden ist gerade bei nationaler und internationaler Zusammenarbeit, wovon es immer mehr gibt, hinderlich. Es geht eben auch bei der Forschung nichts über den persönlichen Austausch, abseits der digitalen Bildschirme. Trotz dieser Herausforderungen kann die Universität auf eine höchst erfolgreiche Bilanz im Forschungsbereich zurück- schauen. Viele Projekte wurden intern und extern gespro- chen. Vor allem gilt es herauszustreichen, dass Prof. Dr. Mira Burri als erste Forschende an der Universität Luzern einen «European Research Council Grant» erhalten hat, einen sogenannten «Consolidator Grant», was für die Universität und die Rechtswissenschaftliche Fakultät als Grosserfolg gewertet werden darf. Professorin Mira Burri arbeitet an der Schnittstelle zwischen der Rechtswissenschaft und der Digitalisierung der Gesell- schaft, also einem der wichtigen Entwicklungskorridore, den sich die Universität Luzern gegeben hat. Unsere Kompeten- zen auf dem Gebiet der Digitalisierung werden zunehmend gestärkt. Nebst den individuellen Lehr- und Forschungs- angeboten unserer Forschenden konnte auch das gesamt- universitäre Spektrum bedient werden durch die Fortführung des von swissuniversities, der Dachorganisation der Schwei- zer Hochschulen, finanzierten P8-Projekts zur Förderung der «Digital Skills». Die Universität Luzern ist Projektpartnerin im Verbund, der unter dem Lead der Università della Svizzera italiana (USI) in Zusammenarbeit mit der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) konzipiert wurde. Zu erwähnen gilt es zudem, dass der neu geschaffe ne «Lucerne Master in Computational Social Sciences» (LUMACSS) mit zunehmenden Studierendenzahlen unter- wegs ist. Schliesslich sah das Berichtsjahr den Start von mehreren von der Forschungskommission und vom Schwei- zerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten – kleineren und grösseren – Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Digitalisierung. In seiner strategischen Planung hat die Universitätsleitung daher den Aufbau eines universitätsübergreifenden «Lucer- ne Center for Digital Innovation» befürwortet. Ziel dieses Zentrums soll es sein, das Fehlen von Computer Science und naturwissenschaftlichen Disziplinen so aufzufangen, dass die Universität Luzern die humanwissenschaftlichen Impli- kationen der digitalen Gegenwart und Zukunft in ihren Lehr- und Forschungsangeboten verstärkt. Noch existiert das Zentrum für digitale Innovation erst auf dem Reissbrett. Die Universität ist aber zuversichtlich, dass dessen Aufbau dank Drittmitteleinwerbungen vorangetrieben werden kann. Alexander H. Trechsel HUMANWISSENSCHAFTEN UND DIGITALISIERUNG FORSCHUNG Prof. Dr. Alexander H. Trechsel, Prorektor Forschung, Professor für Politik- wissenschaft mit Schwerpunkt Politische Kommunikation 17 Auch das Prorektorat Lehre und Internationale Beziehungen funktionierte im Berichtsjahr nolens volens weiterhin zu grossen Teilen im Pandemiemodus. So mussten die ver- schiedenen Dienste des Prorektorats alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung setzen, damit trotz Kon- taktbeschränkungen, Homeofficepflicht und behördlich angeordnetem Fernunterricht ein möglichst reibungsloser und normaler Lehr- und Studienbetrieb gesichert werden konnte. Denn Leitmotiv und Ziel für uns alle war wie bereits im Vorjahr das Schaffen günstiger Voraussetzungen, damit die Pandemie nicht zu Studienverlängerungen führt. Angesichts der sich zuweilen im Wochentakt ändernden behördlichen Vorgaben hat das dem gesamten Team viel Flexibilität und Kreativität abverlangt sowie die Bereitschaft, erprobte Vorgehensweisen über Bord zu werfen. Die Aus- nahmesituation hat aber auch zu spannenden neuen Ideen und Projekten geführt. So hat etwa das International Rela- tions Office anstelle physischer Mobilität ein digitales Mobili- tätsformat getestet: An ausgewählten Lehrveranstaltungen nahmen nicht nur Studierende der Universität Luzern, sondern etwa auch Studierende aus Litauen oder Indien teil. Die Studiendienste konnten das Projekt der digitalen Imma- trikulation weiterentwickeln, und auch im Zentrum Lehre sowie in der Weiterbildungsakademie konnten spannende, wegweisende Projekte nicht nur, aber auch wegen der pandemischen Ausnahmesituation vorangetrieben werden. Das gesamte Team des Prorektorats Lehre und Internationa- le Beziehungen hat auch im zweiten Pandemiejahr an einem Strick gezogen und vermochte einen grossen Beitrag zu leisten, sodass das Jahr 2021 zwar intensiv, aber erfolgreich war. Dafür danke ich allen von Herzen. Martina Caroni MIT FLEXIBILITÄT UND KREATIVITÄT ZUM ZIEL LEHRE UND INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN Prof. Dr. Martina Caroni, LL.M. (Yale), Prorektorin Lehre und Internationale Beziehungen; Professorin für öffentliches Recht, Völkerrecht und Rechts vergleichung im öffentlichen Recht 19 DIALOG DER RELIGIONEN THEOLOGISCHE FAKULTÄT Das neue Zentrum für Theologie und Philosophie der Religionen widmet sich den mannigfaltigen Verbindungslinien zwischen Christentum, Judentum und dem Islam. Es geht darum, so die Zentrumsleitenden, ein «gemeinsames Gedächtnis» zu schaffen. Erdal Toprakyaran, Giovanni Ventimiglia und Verena Len- zen, Sie leiten das neue Zentrum. Welche Bedeutung hat dieses für die Theologische Fakultät? Erdal Toprakyaran: Theologische Fakultäten müssen sich in unserer pluralistischen Gegenwart immer stärker öffnen. Theologinnen und Theologen können heute nicht mehr in ihrem Elfenbeinturm sitzen oder sich allein mit der eigenen Form von Religiosität beschäftigen. Wir wissen heute, dass Religionen keine monolithischen Phänomene sind, sondern sich prozesshaft und stets in positiver oder negativer Ausein­ andersetzung mit anderen Weltanschauungen entwickeln und verändern. Giovanni Ventimiglia: Genau. Heutzutage ist der inter­ religiöse Dialog ein heisses Thema. Keine theologische Fakul­ tät kommt umhin, sich damit zu befassen. Aber der Dialog kann auf zwei Arten geführt werden: trotz des Glaubens oder dank des Glaubens. Im ersten Fall wird der Dialog geführt, indem die eigene Glaubensidentität in Klammern gesetzt wird; im zweiten Fall wird er geführt, indem die Geschichte der eige­ nen Identität erforscht wird. Und wenn wir zu den Wurzeln der christlichen Theologie zurückgehen, finden wir wichtige Spuren des Judentums und des Islams. Man denke nur an den Einfluss von Avicenna oder von Moses Maimonides auf die christliche Theologie. Das ist die Bedeutung des neuen Zen­ trums für die Fakultät: Indem sie ihren Wurzeln treu bleibt, öffnet sich die Theologie in Luzern für andere Religionen. Verena Lenzen*: Ja, das Zentrum ermöglicht eine inter­ religiöse Erweiterung durch die Einbeziehung von Islam und Islamtheologie. Das Institut für Jüdisch­Christliche For­ schung (IJCF) behandelt bereits seit 40 Jahren die besondere, ja, einzigartige Beziehung zwischen Judentum und Christen­ tum. 50 Jahre Judaistik in Luzern haben dem Fach die seit der Emanzipation erhoffte akademische Integration und Eigenständigkeit gebracht. Aufgabe des Zentrums sollte ein weiterer Ausbau der Islamwissenschaft sein. Und welche Bedeutung hat das Zentrum für Sie persönlich und für Ihre Arbeit? Toprakyaran: Für mich persönlich geht damit ein Traum in Erfüllung. Denn das trialogische und damit abrahami­ tische Zentrum in Luzern bietet mir als muslimischem Theo­ logen die Möglichkeit, mit Kolleginnen und Kollegen aus der christlichen Theologie und der Judaistik eng vernetzt zu sammenzuarbeiten. Ventimiglia: Für mich ist das Zentrum die natürliche Weiterentwicklung eines Themas, das meine Forschung und Lehre seit Jahren begleitet: die multikulturelle Natur der «DNA» des Westens. Kurzum: Wer sich mit der Geschichte der Philosophie und ganz allgemein mit der Geschichte der westlichen Kultur beschäftigt, wird feststellen, dass die west­ liche kulturelle Identität das Ergebnis der Begegnung der griechisch­heidnischen Kultur mit der jüdischen, christ­ lichen und islamischen Kultur ist. Welche Ziele werden mit dem Zentrum verfolgt? Ventimiglia: Die Ziele des Zentrums sind die gleichen wie diejenigen der Universität, nämlich Forschung und Lehre. Die Forschungsgebiete sind vor allem: Komparative Theo­ logie, Theologie der Religionen, Philosophie der Religionen, Mystik der Religionen, interreligiöser Dialog und interreli­ giöse Konfliktforschung. Diese Bereiche werden in enger Zusammenarbeit innerhalb und ausserhalb der Universität Luzern mit anderen Universitäten und Forschungsinstituten in und ausserhalb Luzerns in methodischer und historischer Perspektive bearbeitet. Interview: Martina Kumli Zwei der Zentrumsleitenden: Giovanni Ventimiglia (r.), Professor für Philosophie (Vorsitz) und Erdal Toprakyaran, Professor für Islamische Theologie. Nicht auf dem Bild: Verena Lenzen, Professorin für Judaistik und Theologie. 20 Toprakyaran: Wir möchten zeigen, dass die Anhängerin­ nen und Anhänger der drei abrahamitischen Religionen viel­ fältiger, kreativer und offener waren als angenommen und es auch heute noch sind. Wir werden durch unsere primär his­ torische Forschung verdeutlichen, dass sich die theologi­ schen, philosophischen oder mystischen Schulen in den drei Religionen oftmals interreligiös inspirieren liessen. Deshalb macht heute eine voneinander losgelöste, monolithisch gedachte Erforschung der drei Religionen keinen Sinn mehr, da die Grenzen der Religionen und der religiösen Richtun­ gen nicht immer scharf waren. Abgesehen von den zahlrei­ chen kulturellen Gemeinsamkeiten der Anhängerinnen und Anhänger der drei Religionen, gab es auch stets (inter­)reli­ giöse Grauzonen und Überlappungen. So existieren ver­ schiedene Orte, Räume, Personen oder Gegenstände, die in unterschiedlichen religiösen Traditionen als gleichermassen heilig angesehen werden, etwa Abraham oder die Stadt Jerusalem. Mit der Vergabe der Ehrendoktorate der Fakultät an die beiden international anerkannten Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Mualla Selçuk und Prof. Dr. Susannah Heschel stand das neue Zentrum bereits im Gründungsjahr im Fokus der Geschehnisse an der Fakultät. Wie ist die Annah- me des Ehrendoktorats der beiden Forscherinnen ein- zuschätzen? Welche Bedeutung hat dies für das Zentrum? Toprakyaran: Die Verleihung der Ehrendoktorate würde ich bereits jetzt als einen Meilenstein in der Geschichte der Fakultät und auch des Zentrums sehen. Es ist sicherlich ein vielversprechendes Zeichen, wenn man bereits wenige Monate nach Gründung des Zentrums mit einem als histo­ risch zu bezeichnenden Ereignis aufwarten kann. Denn erst­ mals wurden gleichzeitig einer muslimischen und einer jüdi­ schen Wissenschaftlerin vonseiten einer christlichen Fakultät ein Ehrendoktorat verliehen. Ich kenne weder in der Schweiz noch in Deutschland oder einem anderen Land einen ver­ gleichbaren Fall. Auch die Tatsache, dass hier zwei als theo­ logisch progressiv geltende und dialogisch orientierte Frauen ausgezeichnet wurden, ist bemerkenswert. Ventimiglia: Die Bedeutung ist einfach: Das Zentrum nimmt die Herausforderung des interreligiösen Dialogs sehr ernst. Der interreligiöse Dialog wird nicht durch langwierige Diskussionen darüber geführt, wie der interreligiöse Dialog gestaltet werden sollte, sondern indem man tatsächlich mit Menschen verschiedener Religionen spricht. Fakten statt Sit­ zungen; Menschen statt Konzepte. Im Herbst 2022 startet der neue, komplett auf Englisch gehaltene Online-Master «Philosophy, Theology and Religi- ons», ein Projekt, das im Rahmen der Zentrumsgründung entstanden ist. Was dürfen künftige Studierende vom Studiengang erwarten? Ventimiglia: Sie sollten erwarten, die Geschichte der Phi­ losophie in ihrer Gesamtheit zu studieren. Sie werden entdecken, dass es ohne Judentum, Christentum und Islam keine Geschichte der Philosophie und keine Kultur geschichte des Westens gäbe. Sie werden auch entdecken, dass es eine sehr interessante Geschichte der islamischen Philosophie gibt, die bis in die heutige Zeit reicht! Etwas, das im Westen völlig unbekannt ist. Toprakyaran: Dieser Studiengang ist ein Unikat. Zwar gibt es auch an anderen Universitäten interreligiöse oder auch trialogische Studiengänge – etwa in Tübingen –, jedoch handelt es sich beim Luzerner Studiengang um einen abra­ hamitischen Online­Master in Englisch. Studierende aus aller Welt können, ohne nach Luzern reisen zu müssen, an diesem Studiengang teilhaben und von einigen der namhaf­ testen Expertinnen und Experten der drei Religionen profi­ tieren. Wo sehen Sie das Zentrum in zehn Jahren? Bzw. welchen Stellenwert soll es bis dann erreichen? Ventimiglia: Nach einigen interessanten neuen theolo­ gischen Strömungen der Gegenwart, wie derjenigen des so genannten Offenen Theismus, kennt nicht einmal Gott die Zukunft. Woher soll ich das wissen? Scherz beiseite: Aristo­ teles meinte, dass eine gute Gesellschaft nicht durch gute Pläne, sondern durch gute Menschen geschaffen wird. Die Zukunft dieses Zentrums hängt also von den Personen ab, die hier arbeiten werden. Wenn sie gut sein werden, wird die Zukunft des Zentrums gut und erfolgreich sein. Toprakyaran: In zehn Jahren sollten am Luzerner Zen­ trum zahlreiche Forschende aus aller Welt an innovativen interreligiösen Fragestellungen arbeiten. Besonders wichtig ist es, frühzeitig Nachwuchsforschergruppen in die Arbeit des Zentrums einzubeziehen. Denn nur durch intensive multiperspektivische Forschungsarbeit kann gezeigt werden, dass es möglich und auch von grosser gesellschaftlicher und sogar globaler Relevanz ist, ein «gemeinsames Gedächtnis» zu schaffen, wie es Giovanni Ventimiglia immer wieder betont. Ventimiglia: Ich träume von einem echten Forschungs­ zentrum, wenigen Aperos und vielen Studien. Nur wenn wir eine Finanzierung für eines unserer Forschungsprojekte zum interreligiösen Dialog vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erhalten haben, werden wir alle zusammen ein Glas Wein trinken gehen. www.unilu.ch/theirs * Prof. Dr. Verena Lenzen hat ein summarisches Statement beigesteuert. Martina Kumli ist die Verantwortliche für Kommunikation und Wissenstransfer an der Theologischen Fakultät. 21 Das Eherecht der römisch­katholischen Kirche beinhal­ tet eine Regelung, die es beischlafsunfähigen Menschen ver­ unmöglicht, eine kirchliche Ehe einzugehen. Dies tangiert ein Menschenrecht, das dadurch nicht ausgeübt werden kann. Sabine Baggenstos konfrontiert in ihrer im Berichts­ jahr publizierten Doktorarbeit die kirchliche Rechtsordnung mit den im staatlichen Recht der Schweiz geltenden Normen, die das Menschenrecht auf Ehe und das Verbot der Diskri­ minierung aufgrund einer Behinderung enthalten. Lösungsansätze im Fokus Es erfolgt die Diskussion dreier Lösungsansätze, mit denen die Diskriminierung behoben werden könnte: Im ers­ ten, kirchenrechtlichen Lösungsansatz wird aufgezeigt, dass der Heilige Stuhl die Behindertenrechtskonvention unter­ zeichnen kann. Denn: Gedanken der Gleichberechtigung und der Inklusion der 2006 von der UNO­Generalversamm­ lung verabschiedeten Behindertenrechtskonvention sind in der kirchlichen Lehre bereits seit 1981 vorhanden. Der zweite, ebenfalls kirchenrechtliche Lösungsansatz ergibt sich auf­ grund der Anerkennung der Menschenrechte durch die Kir­ che. Der Menschenrechtscharakter der Ehe müsste daher KIRCHLICHE EHE UND NICHT-DISKRIMINIERUNG mehr betont werden und auch Menschen mit einer Behinde­ rung (Impotenz) müssten zur Ehe zugelassen werden, so die Schlussfolgerung der Autorin. Im dritten, religionsverfas­ sungsrechtlichen Lösungsansatz wird die Frage behandelt, ob das staatliche Diskriminierungsverbot auch für die Kir­ che gilt. Die Dissertation entstand im Rahmen des «Swiss Lear­ ning Health System», einer interdisziplinären nationalen Forschungsplattform, die vom Departement Gesundheits­ wissenschaften und Medizin an der Universität Luzern gelei­ tet wird. Die von Prof. Dr. Adrian Loretan, Ordinarius für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, betreute Dissertation ist unter dem Titel «Das kanonische Grundrecht auf Ehe und das Ehehindernis der Impotenz in Gegenüberstellung mit dem staatlichen Recht (CH)» (LIT, Zürich) erschienen. Die Studie wurde mit dem universitären Dissertationspreis aus­ gezeichnet, die Preisvergabe fand im November am Dies Academicus (siehe Seite 56) statt. Dr. Sabine Baggenstos 22 Die Soziologie kann im Umgang mit «Big Data» eine wichtige Brückenfunktion einnehmen. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit den grossen Daten auch, das bewährte methodische Repertoire zu erweitern, so Professorin Sophie Mützel. NEUE WERKZEUGE FÜR DIE SOZIOLOGIE Omnipräsente Datenerhebung: Sophie Mützel, Professorin für Soziologie mit Schwerpunkt Medien und Netzwerke sowie Prodekanin der Kultur- und So- zialwissenschaftlichen Fakultät, bei einer Velozählanlage in der Stadt Luzern. KULTUR- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Sophie Mützel, was muss man sich unter Big Data vorstellen? Sophie Mützel: Das Schlagwort umfasst die Idee von grossen, unstrukturierten und klassischerweise auch nicht aufbereiteten Datenmengen bzw. Datenpunkten. Im digi­ talen Zeitalter produzieren wir diese etwa, indem wir uns mit unseren Smartphones durch die Welt bewegen. Daneben entstehen grosse Daten aber zum Beispiel auch, wenn Archive digitalisiert werden. Mit solchen grossen Daten müssen wir anders arbeiten als bisher. Welche Stärken bringt die Soziologie bezüglich der Arbeit mit Daten bereits mit? Lange Zeit war die Soziologie davon geprägt, mit weni­ gen Daten, ja: mit einem Mangel von Daten zu arbeiten. Klassischerweise stehen uns nicht genügend Mittel zur Ver­ fügung, um jede Schweizerin und jeden Schweizer zu allen Themen von Interesse zu befragen. So wurden Methoden entwickelt, wie auch mit wenigen Daten aussagekräftige Ergebnisse erlangt werden können. Wir ziehen also eine repräsentative Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung, ana­ lysieren diese und können auf dieser Basis zuverlässige Aus­ sagen treffen. Ebenfalls können wir Interviews führen oder Beobachtungen machen, um Einsichten zu gewinnen. In der Erhebung dieser Daten – und in den damit verbundenen Auswertungsmethoden – ist die Soziologie sehr stark. Welche Herausforderung stellt sich der Soziologie nun angesichts von Big Data? Heute ist die Situation eine andere. Um ein Beispiel zu machen: Wir haben potenziell Daten von 98 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, da diese ein Smartphone nutzen. Damit sind andere Daten als bis anhin verfügbar. Weil also der Werkzeugkasten auf eine andere Datengrund­ lage ausgerichtet ist, brauchen wir auch neue Werkzeuge. Was sind die Ergebnisse aus Ihrer nun abgeschlossenen Studie «Facing Big Data» (vgl. Hinweis ganz am Schluss)? Wichtig ist mir zu betonen, dass das, was die Soziologie bis anhin gemacht hat, weder falsch noch schlecht ist. Im Gegenteil. Aber wir müssen uns nun auch mit dem anderen Typ von Daten beschäftigen, die das Soziale ausmachen und die auch von den Studierenden wie den zukünftigen Arbeit­ geberinnen und Arbeitgebern analysiert werden wollen. Das heisst, wir müssen lernen, diese neuen digitalen Daten zu erheben, sie aufzubereiten und bestimmte Gütekriterien zu entwickeln. Zwar besitzen, um auf das Beispiel zurückzu­ kommen, 98 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer Smartphones, aber weit weniger von ihnen sind auf Twitter. Was heisst das dann also, wenn ich die Daten von allen Schweizer Twitter-Nutzerinnen und -Nutzern und ihren Abstimmungs-Tweets analysiere? Dass wir neue Methoden brauchen, betrifft gleichsam die Auswertung der Daten, wo es mehr in Richtung «Data Mining» geht: Wir nutzen Algorithmen, um zu schauen, was uns die Daten sagen – statt klassisch mit einer These oder Hypothese an die Daten heranzugehen und entsprechende Analysen zu machen. Das ist eine grosse Herausforderung für die Soziologie. Auch der Zugang zu den Daten erfordert neue Instrumente: Wir nutzen heute etwa Application Programm­ ing Interfaces (APIs) und Schnittstellen, um an Daten, etwa von Twitter, zu kommen. Und: Die grossen Daten gehören oftmals US­amerikanischen Konzernen. Hier fordert uns die Diskussion um Zugangs­ und Nutzungsrechte. Interview: Vera Bender 24 Zum Projekt gehörten drei Bereiche. Welche Ergebnisse zeigen sich dort? Mit Rahel Estermann, Lisa Kressin und Philippe Saner hatte ich ein sehr gutes Team. Alle drei haben ihre Disserta­ tion erfolgreich abgeschlossen und werden im Jahr 2022 Monografien veröffentlichen. Drei verschiedene Felder haben wir uns angeschaut: «Datenjournalismus», «Metho­ den in der Soziologie» und «Datenwissenschaften». Das Feld der Datenwissenschaften hat Philippe Saner bearbeitet – für seine Doktorarbeit wurde ihm von der Gesellschaft für Hochschulforschung der Ulrich­Teichler­Preis zugespro­ chen. Saner hat sich mit der Entstehung dieses in der Schweiz noch jungen Feldes beschäftigt. Dafür hat er sich zum Bei­ spiel die Curricula der neu entstandenen Studienprogramme angeschaut oder Stellenausschreibungen für so genannte Data Scientists untersucht. Wie sich zeigt, ist das Feld der Datenwissenschaft ein transversales, wo ganz bestimmte Fähigkeiten gesucht und gefördert werden. Was wurde hinsichtlich Datenjournalismus untersucht? Auch dies ist ein Feld, das gerade erst entsteht – auch wenn es schon sehr lange den Versuch gibt, journalistische Berichte visuell zu unterlegen, das heisst, mit Bildern Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel während der Corona­ Zeit begleiteten uns solche datenjournalistischen Visualisie­ rungen täglich. Estermann hat sich in zwei datenjournalis­ tische Teams hineingegeben, um herauszufinden, wie diese mithilfe von Daten und deren Visualisierungen Geschichten bzw. Nachrichten produzieren. Und was ergab die Untersuchung des dritten Bereichs? Hier hat Lisa Kressin untersucht, welche Methoden in der Soziologie genutzt werden. Das ist ein herausfordernder «Blick auf den eigenen Bauchnabel». Mithilfe vieler Inter­ views und Dokumente hat sich Lisa Kressin diesem Feld genähert – mit dem Fokus auf die Lehre, also den Unterricht. Was kommt auf einen Vorlesungsplan? Welche Bücher ste­ hen auf der Literaturliste? Kressin hat vier Lehrkulturen fest­ gestellt, die in der deutschsprachigen Soziologie vorkom­ men. Es zeigt sich eine grosse Spanne, was die Offenheit gegenüber Lehrveranstaltungen zu grossen Daten betrifft. Welche Rolle kann die Soziologie in der Forschung und Arbeit mit Big Data einnehmen? Es gibt sehr viele Disziplinen, die fantastisch mit grossen Daten umgehen können. Aber oftmals fehlen dann substan­ zielle Fragestellungen oder ein Verständnis davon, wie das Soziale strukturiert ist. Hier kann die Soziologie die Rolle einer Brückenbauerin einnehmen. Haben Sie ein Beispiel dafür? Zum Beispiel wissen wir seit Langem, dass Frauen aus verschiedenen Gründen auch in gleichen Positionen weniger verdienen als Männer. Das ist eine Information, über die man Kenntnis haben sollte, wenn man einen Datensatz über Einkommen bearbeitet. Wir sorgen darum dafür, dass unsere Studierenden einerseits die richtigen Fragen stellen können und andererseits ein Wissen darüber mitbringen, wie das Soziale strukturiert ist. Damit können sie zum Beispiel im Marketing eines Unternehmens aus der verfügbaren Daten­ menge die «Schätze» heraussuchen, diese entsprechend ana­ lysieren und interpretieren. So bereichern die Soziologinnen und Soziologen die Zusammenarbeit der involvierten Diszi­ plinen rund um die grossen Daten. Wie fliessen Ihre Forschungsergebnisse in die Lehre ein? Wir haben an der Universität Luzern in den letzten Jah­ ren bereits zwei wichtige Dinge getan: Zum einen haben wir einen Lehrschwerpunkt zur Digitalisierung an der Kultur­ und Sozialwissenschaftlichen Fakultät geschaffen, wo wir unter anderem einen fakultätsweiten Kurs für Studienanfän­ gerinnen und ­anfänger anbieten, der sich mit der Arbeit mit digitalen Daten beschäftigt. Wir überlegen uns genau, wie wir unsere Studierenden fit machen für einen Arbeitsmarkt, der den Umgang mit digitalen Daten immer stärker verlangt. Wenn es dann heisst: «Machen Sie doch mal eine Analyse unserer Twitter­Follower», dann wissen sie, was zu tun ist. Zum anderen haben wir den interdisziplinären Lucerne Master in Computational Social Sciences (LUMACSS) ge­ gründet. Dieser schweizweit einzigartige Studiengang kombi­ niert sozialwissenschaftliches Wissen mit den gefragten Fähigkeiten, grosse Datenmengen computerunterstützt zu erheben und zu analysieren. Auch hier gilt, dass der LUMACCS den Dialog bspw. zwischen Sozialwissenschaften und Informatik oder Ingenieurswissenschaften ermöglicht – weil Absolvierende die verschiedenen «Sprachen» sprechen. Dazu fliessen unsere Erkenntnisse natürlich auch in den Stu­ diengang Gesellschafts­ und Kommunikationswissenschaften (SoCom) ein. Welchem Forschungsprojekt widmen Sie sich als nächstes? Dieses ist bereits am Laufen: Mit «Digital Payments. Making Payments personal and social» beschäftige ich mich mit einer weiteren Facette dieser grossen Daten, nämlich mit digitalen Bezahlsystemen. Dabei richten wir den Blick auf die Schweiz und auf Schweden und beobachten zum Bei­ spiel, wie sich soziale Beziehungen mit diesen schleichenden Digitalisierungsprozessen verändern. «Facing Big Data. Methods and Tools for a 21st Century Sociology» lief von 2017 bis 2021, wurde im Rahmen des Natio­ nalen Forschungsprogramms «Big Data» (NFP 75) durch­ geführt und war mit rund 658 000 Franken an Drittmitteln dotiert. www.unilu.ch/sophie-muetzel Vera Bender ist freischaffende Texterin; Sektionsvorsteherin Kultur- und Sozialwissenschaften der ALUMNI Organisation der Universität Luzern 25 Die Studierenden sollen auf eine digitalisierte Welt vor­ bereitet werden, deren Herausforderungen immer komple­ xer werden: Dies ist das Ziel im Bereich Lehre des an der Kultur­ und Sozialwissenschaftlichen Fakultät lancierten Schwerpunkts Digitalisierung. Dieser steht unter der Lei­ tung von Prof. Dr. Sophie Mützel (siehe Interview auf den voran gehenden Seiten) und Prof. Dr. Daniel Speich Chassé. Das interdisziplinäre Curriculum ermöglicht den Studie­ renden die Aneignung von Expertise zur digitalen Trans ­ formation. Befähigung auch für die Berufswelt Die Resonanz bei den Studierenden ist gut; so sagt etwa Bachelorstudentin Valentina Meyer: «Das Bewusstsein für das Generieren und Sammeln von digitalen Daten in alltäg­ lichen Anwendungen – und dabei auch für deren Verwen­ dung – wird durch die im Rahmen des Schwerpunkts ange­ botenen Lehrveranstaltungen bedeutend geschärft.» Gerade die rege besuchten Lehrveranstaltungen «Digitales Bezah­ len, virtuelles Geld und soziale Beziehungen» sowie «Daten­ visualisierungen. Die Grammatik digitaler Daten» erachtet SCHWERPUNKT DIGITALISIERUNG sie als «gute Vorbereitung auf die Berufswelt». Auch der his­ torische Blick auf den Begriff der Digitalisierung ist zentral für die Ausbildung in den Geisteswissenschaften. Dies­ bezüglich durfte sich Valentina Meyer im letzten Herbst­ semester in der Vorlesung «Geschichte der Digitalisierung» mit dem Begriffswandel der Digitalisierung auseinander­ setzen und erfahren, was bspw. die Standardisierung von Zeit damit zu tun hat. Im Bereich Forschung konnten mehrere Projekte lan­ ciert werden; einige davon wurden mit Drittmitteln geför­ dert. Im aktuellen Frühjahrssemester wurde zudem erst­ mals eine öffentliche Ringvorlesung angeboten, die sich mit interdisziplinären Sichtweisen auf den digitalen Wandel beschäftigte und auf ein breites Interesse stiess. www.unilu.ch/ksf-digitalisierung Nadia Bühler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schwer- punkt Digitalisierung. 26 RECHTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Die «Law Clinic Wirtschaftsrecht» bietet Studierenden auf Master- stufe die Möglichkeit, sich unter professioneller Betreuung mit realen Fällen auseinanderzusetzen. Das Lehrformat schlägt eine Brücke zwischen der theoretischen Ausbildung und der prak- tischen Anwendung. WENN UNIVERSITÄRE LEHRE AUF DIE PRAXIS TRIFFT Die Law Clinic Wirtschaftsrecht ist ein neues Lehrformat an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Seit dem Frühjahrs- semester 2021 können Masterstudierende in Teams von zwei bis drei Personen einen realen Fall zu wirtschaftsrechtlichen Themen bearbeiten. Sie verfassen zuhanden eines Auftrag- gebers – in der Regel ein Unternehmen – ein Rechtsgutach- ten und präsentieren ihre Ergebnisse an einer Schlussveran- staltung. Die Teams werden von Professorinnen und Professoren sowie Lehrbeauftragten der Universität oder dem unternehmensinternen Rechtsdienst fachlich betreut und angeleitet. Die Betreuerin oder der Betreuer steht ihnen während des Semesters mit Rat und Tat zur Seite, um fach- liche und strukturelle Fragen oder Gutachtensentwürfe zu besprechen. Die akademische Leitung liegt bei den Profes- soren Nicolas Diebold und Bernhard Rütsche. Kooperations- partner der Law Clinic ist die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ), der mehrere hundert Unternehmen angeschlossen sind. Vielfältige Rechtsfragen Die Fälle, die bisher in der Law Clinic bearbeitet worden sind, verdeutlichen die Vielfältigkeit dieses Lehrformats. So bearbeiteten im Frühlingssemester 2021 zwei Studierenden- teams einen Fall aus dem Medizinprodukterecht mit Berüh- rungspunkten zu den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU. Konkret ging es um «Virtual Walking», eine am Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil (SPZ) entwickelte visuelle Therapiemethode, mit der chronische neuropathische Schmerzen nach Rückenmarksverletzungen behandelt werden können. Im Zentrum stand die Frage, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen diese an Patien- tinnen und Patienten angewendet und in Verkehr gebracht werden darf. Die Studierenden mussten sich mit der komple- xen Materie des Heilmittelrechts auseinandersetzen. Dabei bestand eine grosse Herausforderung darin, dass das europäische Recht kurz zuvor geändert worden war und dass aufgrund des gescheiterten Rahmenvertrags unklar war, welche Vorschriften in der Schweiz anwendbar sein würden. Die Betreuung der Studierenden erfolgte durch die Professoren Diebold und Rütsche in Zusammenarbeit mit Roger Abächerli, Professor für MedTech am Institute for Medical Engineering der Hochschule Luzern. Im Herbstsemester 2021 wurden zwei Fälle an die Law Clinic herangetragen. Im ersten Fall befassten sich zwei Gruppen von Studierenden mit bau-, raumplanungs-, sozial- und vertragsrechtlichen Fragen rund um die touristische Nut- zung und den Betrieb von Kleinsthäusern aus Holz («Tiny Houses»). Die Renggli AG, Spezialistin im nachhaltigen Bauen mit Holz, und mySaess, die Betreiberin einer Internet- buchungsplattform, liessen abklären, unter welchen recht- lichen Voraussetzungen diese Kleinsthäuser als Übernach- tungsmöglichkeiten für Luxus-Camping genutzt und namentlich von Landwirtinnen und -wirten, auf deren Land die Bauten aufgestellt würden, betrieben werden dürften. Für die Studierenden bestand die Schwierigkeit darin, dass zum Text: Marc M. Winistörfer Win-win-Situation (v. l.): die Studierenden Magdalena Lottenbach und Mario Schwager mit MedTech-Professor Roger Abächerli, dem ersten Auftraggeber der Law Clinic. 28 Zeitpunkt der Fallbearbeitung kein vollständiges Geschäfts- modell vorlag. Sie mussten deshalb flexibel auf allfällige Veränderungen des Sachverhalts reagieren und Abklärun- gen für verschiedene Varianten treffen. Fachlich wurden die Studierenden von den Professoren Roland Norer und Marc Hürzeler betreut. Der zweite Fall im Herbstsemester drehte sich um rechtliche Fragen im Vermögensverwaltungsgeschäft. Zwei Studieren- denteams prüften im Auftrag der UBS AG, unter welchen Voraussetzungen die konzerneigene Asset Management AG im Rahmen von diskretionären Mandaten – also solchen, bei denen Kundinnen und Kunden Anlageentscheidungen an Vermögensverwalter delegieren – in sogenannte illiquide Anlagen investieren darf. Die Studierenden hatten abzuklä- ren, welche Risiken zu beachten sind und wie diese reduziert werden können. Die Herausforderung lag in der hohen Technizität der Materie. Um die Rechtsfragen beantworten zu können, mussten sich die Studierenden mit komplexen wirtschaftlichen Sachverhalten vertraut machen. Im Unter- schied zu den anderen Fällen wurden die Teams vom unter- nehmensinternen Rechtsdienst betreut, und zwar von Rechtsanwältin Andrea Vontobel, Leiterin Legal Client Coverage EMEA & CH der UBS Asset Management AG. Beidseitiger Gewinn Das neue Lehrgefäss der Law Clinic ist mit den drei Fällen im 2021 erfolgreich gestartet. Es hat sich gezeigt, dass die Studierenden dank des hohen Praxisbezugs der Veranstal- tung wertvolle Erfahrungen sammeln können, die über die Aneignung von juristischem Fachwissen hinausgehen. Die Studierenden waren denn auch motiviert bei der Sache und legten eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft an den Tag. Sie nutzten die Möglichkeit, praktische Fähigkeiten wie Problemerkennung, analytisches Denken und Zeit- management sowie ihre kommunikativen Fähigkeiten zu trainieren. Ausserdem lernten sie, was es heisst, projekt- bezogen in kleinen Teams zu arbeiten, und wie wichtig Teamfähigkeit in solchen Situationen ist. Im Rahmen der fachlichen Betreuung mussten sie selbstständig Lösungen für die komplexen praktischen Probleme erarbeiten und trugen die Hauptverantwortung für den Inhalt der Gutachten. Die Law Clinic ist aber auch für die als Auftraggebende beteiligten Unternehmen ein Gewinn. Sie leisten einen wertvollen Beitrag zur juristischen Ausbildung und können Kontakte mit engagierten Mitgliedern der Fakultät knüpfen. Dabei profitieren sie vom juristischen Fachwissen der Stu- dierenden wie auch der Betreuerinnen und Betreuer und erhalten eine kostenlose Rechtsauskunft zu einem konkre- ten Fall. Überdies eröffnet sich ihnen die Gelegenheit, die Studierenden als potenzielle Arbeitnehmerinnen und -neh- mer kennenzulernen. Die Law Clinic bietet eine Plattform, wo die Praxis auf die universitäre Lehre trifft und wo der gegen- seitige Austausch gefördert wird. www.unilu.ch/law-clinic Dr. Marc M. Winistörfer ist Koordinator der Law Clinic. 29 Bei den «Haager Prinzipien betreffend die Rechtswahl in internationalen Wirtschaftsverträgen» handelt es sich um eine von der Haager Konferenz für Internationales Privat- recht erarbeitete systematische Sammlung von Regeln. Diese sollen gelten, wenn die Parteien von internationalen Han- delsverträgen das auf ihren Vertrag anwendbare Recht wäh- len. Das im Berichtsjahr abgeschlossene Forschungsprojekt «The Hague Principles and Beyond» hatte zum Ziel, die Haa- ger Prinzipien zu analysieren und diese mit nationalen und internationalen Regeln über die Rechtswahl auf der ganzen Welt zu vergleichen. Die in Kooperation mit Forschenden der Universitäten Genf und Johannesburg (Südafrika) realisierte Studie hatte eine Laufzeit von drei Jahren und wurde vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert. Antragsteller war Prof. Dr. Daniel Girsberger, Professor für Schweizerisches und Internationa- les Privat-, Wirtschafts- und Verfahrensrecht sowie Privat- rechtsvergleichung. Agatha Brandão de Oliveira arbeitete im Projekt als wissenschaftliche Assistentin und fungierte im Luzerner Team als leitende Forscherin. RECHTSSICHERHEIT IM INTERNATIONALEN HANDEL Buchpräsentation online Die Ergebnisse wurden in einem über 1300 Seiten umfassen- den Werk publiziert: «Choice of Law in International Com- mercial Contracts. Global Perspectives on the Hague Prin- ciples» (Oxford University Press). Mehrere Hundert Teil- nehmende aus der ganzen Welt besuchten die im Frühling im Rahmen eines Webinars durchgeführte Buchpräsentation. Zum einen gaben die leitenden Herausgebenden einen Über- blick über die geleistete Arbeit und hoben die Besonderhei- ten des rechtsvergleichenden Gesamtberichts hervor. Zum anderen befassten sich die regionalen Herausgebenden mit der Frage, inwieweit die heutigen gesetzlichen Regeln und die Rechtspraxis in den jeweiligen Regionen mit den Haager Prinzipien vereinbar sind. Insgesamt bestätigte sich, dass die Haager Prinzipien dazu beitragen können, die internationale Modernisierung von Regeln über die Rechtswahl voranzu- treiben, Lücken zu schliessen und Unstimmigkeiten in den verschiedenen Rechtsordnungen und Instrumenten zu korrigieren. Prof. Dr. Daniel Girsberger und Agatha Brandão de Oliveira 31 WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Sei es beim Kauf von Fahrkarten, beim Surfen durch das World Wide Web oder bei der Nutzung von Applikationen, die auf unseren Geschmack zugeschnittene Musik und Videos zusammenstellen: Daten umgeben und begleiten uns in diversen Situationen unseres Alltags. Damit die verwen deten Anwendungen wie gewünscht und gewohnt funktionieren können, werden Daten verarbeitet, aggregiert, ana lysiert, personalisiert oder anonymisiert. Prozesse, von denen die Nutzenden in der Regel nichts mitbekommen und die zu einem Grossteil automatisiert durch Algorithmen und Programme im Hintergrund ausgeführt werden. Unter den Oberbegriff der Digitalisierung fallen diverse Entwicklungen, Bemühungen und damit verbundene He- rausforderungen: die Optimierung und Umgestaltung von Unternehmensprozessen oder von Dienstleistungen öffent- licher Verwaltungen wie auch die Schaffung neuer Möglich- keiten und Angebote. Geht man eine Ebene tiefer, geht es bei Digitalisierung im Grundsatz um die Transformation analoger Daten und physischer Gegenstände in digitale Daten sowie um die datenbasierte Abbildung bestehender oder neuartiger Prozesse in digitalen Systemen und Anwendungen. Basis im Bachelor, Spezialisierung im Master Nebst der eigenen Disziplin der Data Science gibt es sowohl in der Betriebswirtschaft als auch in der Volkswirtschafts- lehre diverse Gebiete, in denen Datenwissenschaft relevant ist und zum Einsatz kommt. Im Studium der Wirtschaftswis- senschaften an der Universität Luzern drückt sich dies in zahlreichen Lehrveranstaltungen sowie in der Master-Spe- zialisierung «Applied Data Science» aus. Im Bachelor- programm wird den Studierenden eine breite Basis an Kompetenzen für die Erhebung, Bearbeitung und Analyse von Daten vermittelt. Basierend auf den persönlichen Inter- essen und beruflichen Ambitionen kann diese Basis durch Wahlkurse erweitert und im Master mit dem entsprechenden Spezialisierungsprogramm vertieft werden. Das Angebot umfasst verschiedene Methodenkurse sowie Veranstaltun- gen zu «Machine Learning», Datenbanken, «Big Data Ana- lytics» und Datenvisualisierungen. In der Forschung gehört die Erhebung und Analyse von quantitativen und qualitativen Datensätzen zu den wichtigs- ten Grundlagen für die Ableitung von Thesen und Erkennt- nissen. Für Unternehmen hat die Fähigkeit, aus Datengrund- lagen Erkenntnisse und Entscheidungsgrundlagen abzuleiten, in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Prof. Dr. Leif Brandes, Professor für Marketing und Strategie, erklärt, dass dadurch gleichzeitig auch die Herausforderungen spürbar gestiegen sind: Galt es früher vor allem Zusammenhänge in «strukturierten» Daten wie Produktionsmengen, Umsatz pro Absatzkanal oder Werbe- ausgaben zu finden, so existieren heutzutage immer mehr «unstrukturierte» Daten. Beispiele dafür sind Texte und Bilder auf Social Media, Chatprotokolle von Supportdiensten oder Produktrezensio- nen, deren Analyse moderne Methoden erfordern. Derartige Analysen können Unternehmen wichtige Einsichten bringen: Spontane Kundenreaktionen auf Fernsehwerbung via Social Media erlauben eine Evaluation der Werbung in Echtzeit, Chatprotokolle können Unternehmen helfen, ihre Mitarbei- tenden besser zu schulen und Chatbots besser zu program- mieren. Die automatisierte inhaltliche Analyse von Rezen- sionstexten ermöglicht dem Kundendienst, schneller auf kritische Bewertungen oder auf Fragen einzugehen. Wem das schon komplex erscheint, dem sei gesagt: Mit Die digitale Transformation bietet weitreichende Chancen und erfordert gleichermassen vielfältige Kompetenzen. Die Studien- programme der Wirtschaftswissenschaften tragen dem mit einer breiten Basis an Grundlagen sowie zusätzlichen Spezialisierungs- möglichkeiten in «Data Science» Rechnung. DATENKOMPETENZEN FÜR DIE ZUKUNFT Text: Oliver Rölli Lukas Schmid, Professor für Empirische Methoden 32 Voice-Daten und Smart Contracts wie NFTs steht die nächs- te Generation von datenbasierten Anwendungsmöglich- keiten bereits in den Startlöchern. Selbstlernende Programme im Fokus Maschinelles Lernen, besser bekannt unter dem englischen Begriff «Machine Learning», ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Datenwissenschaft geworden. Es handelt sich dabei um einen Teilbereich der künstlichen Intelligenz mit dem Ziel, auf der Basis vorhandener Datenbestände Muster und Gesetzmässigkeiten zu erkennen und diese zu verallgemeinern. Dadurch sind die dafür geschriebenen Programme in der Lage, eigenständig Lösungen für neue und unbekannte Probleme zu finden; man spricht auch von selbstlernenden Programmen. Als Konsumentinnen und Konsumenten begegnen wir Programmen, die auf Machine Learning basieren, unter anderem bei der Spracherkennung auf Mobiltelefonen, der Gesichtserkennung in Fotodaten- banken oder beim E-Mail-Spamfilter. Prof. Dr. Lukas Schmid, Professor für Empirische Methoden, betont, dass es gerade für die Wirtschaftswissenschaftlerin- nen und -wissenschaftler der Zukunft wichtig ist, diese Technologien und Anwendungen mit ihren Stärken und Schwächen zu kennen. Dies erlaubt ihnen einen Austausch mit technischen Spezialistinnen und Spezialisten auf fach- licher Augenhöhe. Diese Art von Zusammenarbeit zwischen Technikern und Fachkräften mit zusätzlichem wirtschafts- wissenschaftlichem Hintergrund ermöglicht die volle Aus- schöpfung des Potenzials der Datenrevolution. In der Vorlesung «Machine Learning» von Dr. Massimo Mannino wenden die Studierenden die Methoden des ma- schinellen Lernens auf verschiedene konkrete Aufgabenstel- lungen an. Sie erarbeiten beispielsweise ein Modell für eine Bank, welches zu prognostizieren versucht, bei welchen Klientinnen und Klienten eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie ihre Kreditkartenrechnungen nicht bezah- len. Aus Sicht der Bank ist diese Prognose zentral, weil durch nicht bezahlte Kreditkartenabrechnungen Abschreibungen und administrativer Aufwand anfällt. Mithilfe von Daten zum Einkommen, der Kreditkartenlimite und weiteren Einfluss- grössen der bestehenden Kundschaft wird ein Modell er- stellt, welches eine Prognose für künftige Kunden erlaubt. Eine weitere Anwendung im Kurs ist die Modellierung der Nachfrage für ein bestimmtes Hotel in Abhängigkeit der geografischen Herkunft der potenziellen Kundinnen und Kunden, wodurch eine optimierte Ausrichtung der Marke- tingkampagnen möglich wird. Zukunftsperspektiven Die Bedeutung von Datenwissenschaften und digitalen Kompetenzen im Allgemeinen wird in naher Zukunft weiter zunehmen. Die Bundesverwaltung hat auf die Entwicklungen reagiert, indem sie Anfang 2021 ein nationales Kompetenz- zentrum für Datenwissenschaft geschaffen hat. Der «Future of Jobs Report» des World Economic Forum listet das Job- profil «Data Analysts and Scientists» auf Platz 1 der «Top 10 Emerging Jobs» für das Jahr 2025. Weitere Digitalisierungsschritte stehen bevor, verbunden mit neuen Möglichkeiten und einer zusätzlich erhöhten Nach- frage für Datenkompetenzen. Nebst einer Vielzahl an Chan- cen gehen mit der digitalen Transformation unterschiedliche Herausforderungen einher: Viele davon sind technischer Natur; zusätzlich stellen sich gesellschaftliche, politische und rechtliche Fragen. Eine stets naheliegende Frage betrifft den Schutz personenbezogener Daten. Bildungsinstitutionen sind in der Ausgestaltung ihrer Lehr- programme gefragt, nebst technischen Kernkompetenzen auch damit verbundene Fragestellungen aus anderen Pers- pektiven zu vermitteln. Absolventinnen und Absolventen sollen bereit sein für die Anforderungen der Wirtschaft und eine aktive und gewinnbringende Rolle in der digitalen Transformation einnehmen können – gleichzeitig müssen sie auch dazu in der Lage sein, Dinge zu hinterfragen und rele- vante Aspekte aus anderen Bereichen in ihre Arbeit mitein- zubeziehen. Mit den inhaltlich breit angelegten Studien- programmen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und der humanwissenschaftlichen Fokussierung der Universität Luzern wird diesen Ansprüchen Rechnung getragen. Oliver Rölli ist Verantwortlicher für Kommunikation und Marketing an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. 33 Mit dem Bereich «Innovation» am Institute of Marketing and Analytics (IMA) verfügen die Wirtschaftswissenschaft­ liche Fakultät und die Universität über hohe Forschungs­ und Praxiskompetenz im wichtigen Themenfeld des Innovations­ managements. 2021 gab es mehrere Initiativen mit einem Fokus auf «radikaler Innovation». Was ist damit gemeint? Fast alle Firmen betreiben Innova­ tion. Doch oft beschränken sie sich dabei auf eine Weiterent­ wicklung des Kerngeschäfts. In Zeiten der Digitalisierung reicht dies allerdings oft nicht mehr aus: Firmen müssen grosse Innovationsschritte vornehmen, um auf den Zug der Digitali­ sierung aufzuspringen und mit den neuen Anforderungen digital affiner Kundschaft sowie den Bedrohungen durch neue Konkurrenz aus der digitalen Welt klarzukommen. Sogenannt radikale Innovation ist gefordert. Und auch völlig neue Kom­ petenzen im Innovationsmanagement: kundenzentrierte Innovation, iteratives, schnelles und agiles Entwickeln von Produkten, die Innovation ganzer Geschäftsmodelle, Koopera­ tion mit Start­ups und externen Partnern, mitunter sogar mit Konkurrenten – und auch ein kultureller Wandel innerhalb der Firma. In diesem Kontext konnten vier Publikationen in TRANSFORMATION UND INNOVATION führenden wissenschaftlichen Magazinen veröffentlicht wer­ den. Doch vor allem wurden viele Ergebnisse direkt in die Pra­ xis transferiert: Und zwar über einen Thinktank zu «Inno­ vation Ecosystems» mit sechs Schweizer Unternehmen, der Ende Jahr abgeschlossen wurde. Der «CAS in Growth and Transformation» startete zu seiner ersten Durchführung und bildet Mitglieder des Vorstands einer Bank im Bereich radikale Innovation aus. Zudem wurde der IMA­Institutsrat mit Ver­ tretungen aus dem Topmanagement von 15 Zentralschweizer Firmen gegründet. Dies, um einen Austausch über Theorie und Praxis von Themen wie Digitalisierung, Transformation, Analytics und radikale Innovation zu ermöglichen. All dies illustriert den Fokus des Bereichs «Innovation»: Fragestellungen der Wirtschaft bilden immer den Ausgangs­ punkt. Diese werden mit rigoroser Forschung bearbeitet. Und das Ergebnis fliesst nicht nur in internationale wissenschaft­ liche Journale, sondern vor allem auch zurück in die (Zen­ tral­)Schweizer Wirtschaft. Dr. Bernhard Lingens ist am IMA Mitglied der Institutsleitung und Leiter des Bereichs «Innovation». Impression vom ersten Treffen des IMA-Instituts- rats im Herbst 2021. Bern- hard Lingens (stehend) bei einer der Präsentationen. 35 PREMIEREN AM DEPARTEMENT GESUNDHEITSWISSENSCHAFTEN UND MEDIZIN Jedes Jahr zieht der englischsprachige Master in Health Sciences (M. Sc.) zwischen 40 und 50 Studierende aus dem In- und Ausland nach Luzern. Ergänzend zu diesem sehr gefragten Studiengang wurde im vergangenen Herbst- semester ein einzigartiges deutschsprachiges Bachelor- programm in Gesundheitswissenschaften (B. Sc.) lanciert – somit ist das Studium ab jetzt auf allen Stufen möglich, bis und mit Doktorat. Die Studierenden des neuen Bachelors erwarten vielseitige und innovative Inhalte, welche die zentralen Perspektiven von Gesundheitswissenschaften aufgreifen und genau darauf zugeschnitten sind: Multidiszi- plinarität, Förderung von Gesundheit und Vermeidung von Krankheit (Prävention, Kuration, Rehabilitation, Palliation), Anwendungsbezug, Perspektive der individuellen Bedürfnis- se, Bevölkerungs- und Systembezug. Gefragte Fachkräfte Der Bachelor hebt sich von vergleichbaren Studienprogram- men in der Schweiz ab: In Luzern erwerben die Studierenden nicht nur wichtige Kompetenzen in den Bereichen Politik-, Pflege-, Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften sowie Psychologie und Soziologie, welche auf der Makro- und Mesoebene zu verorten sind. Darüber hinaus und dank der Kooperation mit Partnerinstitutionen und der Fachkom- petenz des Departements im Bereich Medizin sind auch Studieninhalte aus diesen stärker auf das Individuum fokus- sierenden Wissenschaften in das Curriculum integriert. Damit trägt der Studienplan der zunehmenden Verzahnung, Interdependenz und Komplexität unterschiedlicher Bereiche des Gesundheitssystems Rechnung, welche nicht nur in der Inten sivierung interprofessioneller Zusammenarbeit in der Praxis, sondern auch in der zunehmend stattfindenden inter- und transdisziplinären Forschung der gesundheits- nahen Wissenschaftsdisziplinen zum Ausdruck kommt. Angesichts des Fachkräftemangels sind Absolvierende mit einem solchen Profil am Arbeitsmarkt entsprechend begehrt und können eine Tätigkeit in ganz unterschiedlichen Feldern des Gesundheitswesens anstreben. Hierzu zählen unter anderem: die Gesundheitsverwaltung (kantonale Ämter, BAG); Gesundheitsversorgung in Spitälern; Gesundheits- kommunikation in der Verwaltung, bei Versicherungen oder bei Verbänden; operative Tätigkeiten in der Pharmaindustrie; Gesundheitsförderung bei Verbänden sowie Tätigkeiten in der Forschung. Dass dieses Konzept nicht nur zukunfts- weisend und nachhaltig ist, sondern auch auf grosses Inter- esse stösst, zeigen die Studierendenzahlen. So haben im September über 40 Studierende ihr Bachelorstudium auf- genommen – doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Lehren und forschen Die Gründung neuer Studiengänge bringt spezifische Herausforderungen mit sich. Dies betrifft insbesondere den Ausbau des Lehrangebots sowie die Betreuung der zusätz- lichen Studierenden. Traditionell wird dieser Ausbau ent- weder über die Schaffung neuer Professuren realisiert – inklusive der damit verbundenen Mitarbeitendenstellen –, oder die steigende Lehr- und Betreuungs leistung muss im Rahmen der existierenden Strukturen respektive durch das akademische Personal aufgefangen werden. Hier hat sich das Departement gemeinsam mit der Universitätsleitung entschieden, neue Wege zu gehen. Abgestützt auf Para - graf 29 des Universitätsstatuts wurden bewusst kombinierte «Lehr- und Forschungsbeauftragten»-Stellen geschaffen und die ersten solcher ausgeschriebenen Stellen im Laufe des Jahres mit Akademikerinnen und Akademikern unterschied- lichster Fachrichtungen besetzt. Das Profil dieser Stellen ist im oberen akademischen Mittelbau, zwischen Oberassisten- tin bzw. -assistent und (Assistenz-)Professur, zu verorten. Viel Neues im Fachbereich «Gesundheitswissenschaft und Gesund- heitspolitik»: Zum einen wurde ein Bachelor programm in Gesund- heitswissenschaften lanciert. Zum anderen gibt es neu kombinierte «Lehr- und Forschungsbeauftragten»-Stellen. Text: Alexander Ort Dr. Alexander Ort, Lehr- und Forschungsbeauftragter Gesundheitswissenschaften 36 Das Aufgabengebiet beinhaltet hauptsächlich (zu zwei Dritteln) universitäre Lehrtätigkeit inklusive aller mit der Rolle als Dozierende und Dozierender zusammenhängenden Aufgaben. Wie es der Name bereits sagt, bietet eine Stelle als Lehr- und Forschungsbeauftragte und -beauftragter den Stellen inhabenden darüber hinaus explizit die Möglichkeit, eigenständige und thematisch frei wählbare Forschungs- vorhaben umzusetzen und so das eigene akademische Profil zu schärfen. Schliesslich engagieren sich die Lehr- und Forschungsbeauftragten auch in der akademischen Selbst- verwaltung sowie in universitären Kommissionen und Gremien. Der Ausbau von Stellen im oberen akademischen Mittelbau hat wesentliche Potenziale und bietet Chancen gleicher- massen für das Departement und die Universität als Bil- dungseinrichtung und wissenschaftliche Institution. Faktisch eröffnen die auf lange Sicht ausgelegten Stellen die Möglich- keit zur Verstetigung bzw. Sicherung von Wissen und Kom- petenz in Lehre und Forschung, und sie schaffen diesbezüg- lich Kontinuität. Über diesen Aspekt der Planbarkeit hinaus wirken sich zusätzlich Stellen für erfahrene Wissenschaft- lerinnen und Wissenschaftler positiv auf den akademischen Output aus, da sie neben der Unterstützung von Doktorie- renden sowie der eigenverantwortlichen Umsetzung von Projekten und Publikationen auch externe Forschungsgelder einwerben können. Aus einer übergreifenden strategischen Perspektive betrachtet, bringt dies einen mittel- und lang- fristigen Zusatznutzen: Einerseits können Lehr- und For- schungsbeauftragte signifikant zur Aufwertung des Lehr- angebots beitragen. Und da Studierende ihre Wahl der Universität und des Studiengangs hauptsächlich von der Qualität der Lehre abhängig machen, tragen die Stelleninha- benden damit auch zur Attraktivität der Studienprogramme und des Erfolgs der Universität bei. Andererseits trägt der mit den Stellen einhergehende Kompetenz- und Wissens- erhalt – insbesondere in der Lehre – zu den fortwährenden Bestrebungen im Hinblick auf die Qualitätssicherung bei. Diversifizierung der Karrierewege Auch für das wissenschaftliche Personal bieten die Rahmen- bedingungen des Stellenprofils Vorteile: So schaffen feste Stellen zwischen befristeter Assistenz und unbefristeter Professur nachhaltige Aussichten nach dem Doktorat. Gleichzeitig eröffnen solche Stellen auch völlig neue Pers- pektiven. Dies betrifft zum einen die Karriereplanung. Beispielsweise streben nicht alle promovierten Akademike- rinnen und Akademiker automatisch nach einer (Assis - tenz-)Professur und möchten sich vielleicht lieber auf die Gestaltung innovativer Lehrangebote konzentrieren. Neben dieser faktischen Diversifizierung der Karrierewege an der Universität wirken sich die mit den Stellen zusammen- hängenden Anstellungsverhältnisse positiv auf das Privat- leben, vor allem auf die Partnerschaft sowie die Vereinbar- keit von Beruf und Familie, aus. Durch Schaffung von Planungssicherheit und Stabilität wird so ein wichtiger Beitrag zur mentalen Gesundheit des wissenschaftlichen Personals geleistet. Die getroffenen Entscheide machen deutlich, dass man sich am Departement nicht auf althergebrachten Strukturen ausruht. Vielmehr wurde erkannt, dass es sich lohnt, mittels entsprechender administrativer Vorgaben auf sich verän- dernde Rahmenbedingungen im wissenschaftlichen System und, noch viel wichtiger, auf die Bedürfnisse des akademi- schen Personals zu reagieren. Dass solche Schritte eine wichtige Signalwirkung haben und ganz nah am Puls der Zeit sind, zeigt sich auch beim Blick auf andauernde poli- tische Debatten. So steht die vermehrte Nutzung dieses Stellenprofils im Einklang mit den Forderungen nach mehr Festanstellungen im akademischen Bereich, die bspw. im Rahmen der «Petition Academia» aktuell an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Schweiz herangetragen werden. Alexander Ort 37 Am 1. Februar 2021 wurde das Zentrum für Hausarzt­ medizin und Community Care (ZHAM & CC) gegründet. Im institutionellen Gefüge der Universität und eingebunden in das Departement Gesundheitswissenschaften und Medi­ zin, erfüllt das Zentrum seine Aufgaben nach dem Prinzip grösstmöglicher Eigenverantwortung. Es setzt sich für eine interprofessionelle Gesundheitsversorgung ein, arbeitet disziplinenüber greifend und beforscht unter anderem Bedingungen, die erforderlich sind, damit Menschen mit ihren Krankheiten möglichst wenig an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt sind. Mit der Zunahme von chronischen Erkrankungen und Mehrfacherkrankungen, die lebenslange Begleitung erfor­ dern, sowie durch den Hausärzte­ und Pflegepersonalmangel sind neue Modelle der Gesundheits versorgung unabdingbar. Das ZHAM & CC antizipiert diese Herausforderungen, indem zukunftsweisende Handlungsmöglichkeiten und Ver­ sorgungsansätze aufgezeigt und gefördert werden. Rebecca Tomaschek macht am Zentrum als Doktorandin die wissenschaftliche Evaluation eines Pilotversuchs, um die NEUES ZENTRUM FÜR HAUSARZTMEDIZIN medizinische Versorgung von querschnittgelähmten Personen in ländlichen Regionen zu verbessern. Durch koordinierte Zusammenarbeit von Spezialisten aus den Schweizer Quer­ schnittzentren und Hausärztinnen aus grösseren ländlichen Praxen soll die Langzeitbetreuung verbessert werden. Toma­ schek konnte für ihr Projekt acht Hausarztpraxen – vor allem aus dem Alpenraum – gewinnen. Sie hat ermittelt, dass die Versorgung durch Wissenstransfer, definierte Überweisungs­ prozesse und Absprache der Rollenverteilung zwischen Haus­ ärzten und Querschnittspezialistinnen verbessert werden kann. Um dies anzugehen, hat die Doktorandin Fortbildungen für die Hausärztinnen sowie Praxisbesuche durch Spezialisten organisiert und Möglichkeiten geschaffen, sich auszutauschen. Rebecca Tomaschek ist zuversichtlich, dass sie einen langfris­ tig positiven Effekt der Massnahmen auf die Gesundheit der Patientinnen und Patienten wird nachweisen können. www.unilu.ch/hausarztmedizin Prof. Dr. Armin Gemperli ist a.o. Professor für Gesundheits- wissenschaften mit Schwerpunkt Rehabilitationsforschung und Co-Leiter des ZHAM & CC. 38 Dank eines Strukturbeitrags vom Kanton Uri und von der Neuen Regionalpolitik (NRP) sowie eines jährlich zugesicher- ten Projektbeitrags der Dätwyler Stiftung konnte das Institut im zweiten Jahr der Pilotphase seine Tätigkeit weiter auswei- ten. Es wurden unterschiedliche Forschungsprojekte ver- folgt, die sich mit Strahlerfunden, die weitaus älter sind als Ötzi, mit transnationalen Stauwerken im Alpenraum, mit den Alpen im mehrsprachigen Schweizer Liedgut oder dem Reduit als literarischer Dystopie bis hin zur Frage nach der Rolle des Alpenstroms in einer dekarbonisierten Zukunft beschäftigen. Im Zentrum standen vor allem Dissertationen, aber auch Arbeiten von Postdocs und Forschungsaufträge von Dritten: so das Dialogprojekt mit Urner Bäuerinnen zu ihrer sozialen Absicherung oder eine erste Kulturinventari- sierung rund um den Gotthard, aber auch Veranstaltungen mit Exkursionen auf Alpweiden und zu Gletschern. Damit konnte das Ziel weiterverfolgt werden, sich mit der For- schung national und international im ganzen Alpenbogen zu positionieren und sich in der Urner Bevölkerung im Hinblick auf die Permanenz ab 2023 verankern. Der Vorstand des Vereins Wissenschaft Uri unter dem Präsidium von Ruth Wipfli Steinegger und unter dem Vizepräsidium von Dr. Ivo Schillig begleitet den Institutionalisierungsprozess mit viel Engagement. Dies, derweil Dr. Romed Aschwanden die Geschäftsführung an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und fachlicher Expertise gewährleistet und die Institutslei- tung mit Prof. Dr. Boris Previšić (Direktor, Bild), Prof. Dr. Roland Norer und Prof. Dr. Daniel Speich Chassé tatkräftig Projekte begleitet und aufgleist und damit die Verankerung an der Universität Luzern sichert. www.kulturen-der-alpen.ch Boris Previšić INSTITUT KULTUREN DER ALPEN AN-INSTITUTE Das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universi- tät Luzern (IWP) freut sich, erstmals im universitären Jahres- bericht über seine Tätigkeit zu informieren. Da sich das IWP erst am 15. Dezember 2021 offiziell der Öffentlichkeit vor- gestellt hat, fällt das eigentliche Berichtsjahr eher kurz aus. Dennoch gibt es bereits einiges zu berichten. Der Name ist Programm: Am zentral am Pilatusplatz in Luzern gelegenen IWP (siehe Bild) wird zur Schweizer Wirtschaftspolitik ge- forscht. Ein Team von jungen Forschenden beschäftigt sich mit aktuellen, gesellschaftsrelevanten Themen. In den drei Bereichen Sozialpolitik, Fiskalpolitik und politische Rahmen- bedingungen wird leidenschaftlich zu diesen Fragen ge- forscht: Wie ungleich ist die Schweiz? Und wie sozial? Woher kommt das Geld für den Staat und wofür gibt er es aus? Was bringen direkte Demokratie und Föderalismus? Wie prägt der Staat die Wirtschaft? Auch der Claim – «Wirtschaftspolitik für alle» – ist Programm: Das IWP will eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schlagen. Aus diesem Grund werden Forschungsergebnisse auf verständliche Art und Weise aufbereitet und allen frei zugänglich gemacht. Auf der Website finden sich bereits eine Reihe von leicht verständ- lichen Texten zur realisierten Forschung, ergänzt durch Interviews zu aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforde- rungen, und erste Videocasts. Die wissenschaft liche Leitung des IWP liegt in den Händen von Prof. Dr. Christoph A. Schalt- egger (Bild), Ordinarius für Politische Ökonomie. Geschäfts- führer des IWP ist der frühere Feuilletonchef der «Neue Zür- cher Zeitung», Dr. René Scheu. www.iwp.swiss Dr. Thomas M. Studer, Produktionsleiter INSTITUT FÜR SCHWEIZER WIRTSCHAFTSPOLITIK 39 Seit über 20 Jahren erforscht und fördert das Ökumenische Institut Luzern die Gemeinsamkeiten der christlichen Konfes- sionen und ist gleichzeitig dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Das vom Kanton Luzern sowie der römisch- katholischen, der evangelisch-reformierten und der christ- katho lischen Landeskirche Luzern gestiftete Institut ist der Theologischen Fakultät angegliedert und wurde bis Mitte 2021 von Prof. Dr. Wolfgang W. Müller geleitet. In all diesen Jahren hat es unter anderem mit akademischen Tagungen sowie mit der einem breiten Publikum bekannten Veranstal- tungsreihe «Forum Ökumene» den ökumenischen Dialog wissenschaftlich sowie praxisbezogen bereichert. In der Schriftenreihe «Ökumenisches Institut Luzern» (Theo logi- scher Verlag Zürich) sind bis heute mehrere Tagungsbände erschienen, und die renommierten Otto-Karrer-Gedenk- vorlesungen (siehe Foto nebenan einer früheren Durch- führung) werden ebenfalls von der Leitung des Instituts verantwortet. Im Mai des Berichtsjahres beendete Wolfgang W. Müller seine fruchtbare Arbeit mit der Tagung «Theologie und Musik: Das Leben Jesu. Theologische und musikalische Interpretationen». Das Ökumenische Institut Luzern wird seit August von Prof. Dr. Nicola Ottiger (Bild), Honorarprofes- sorin für Ökumenische Theologie, geleitet. Auf grosses Interesse gestossen sind 2021 die beiden Veranstaltungen des «Forum Ökumene» gegen Ende des Jahres: zum einen die theologische wie filmwissenschaftliche Reflexion des «Zwing- li»-Filmes von Stefan Haupt mit Dr. Natalie Fritz und Silvan Hohl, Zürich, zum anderen das Forum des Ökume nischen Fördervereins «Von der transformierenden Kraft der Stille. ‹Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein – und Freude› (Dorothee Sölle)» mit Noa Zenger, Bad Schönbrunn. www.unilu.ch/om Nicola Ottiger ÖKUMENISCHES INSTITUT Bei An-Instituten handelt es sich um organisatorisch unabhängige Einheiten, die eigenständig Reglemente und Vorgaben erlassen können und sollen. Sie werden an der Universität durch Beschluss des Universitätsrats akkreditiert. An-Institute werden von Professorinnen oder Professoren der Universität geleitet und von einer externen Institution getragen. Prof. Dr. Peter G. Kirchschläger, Professor für Theologische Ethik Leiter des Instituts für Sozialethik ISE Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Wie sorgt die Verletzbarkeit der Menschen dafür, dass sie sich für Menschenrechte aussprechen? 42 Die Perspektive nach einem «dramatischen, disruptiven, innovativen» 2020 habe ich an dieser Stelle vor einem Jahr wie folgt zusammengefasst: Die Weiterbildung an der Universität Luzern wünscht sich nicht die Zeit vor der Krise zurück. Sie sehnt die Zeit nach der Pandemie herbei – nicht zwingend dramatisch, doch umso innovativer und im positiven Sinne hoffentlich auch disruptiv. Nun, unser letztjähriger Wunsch ist für 2021 nicht in Erfüllung ge gangen. Die Dramatik ist verschwunden, die Pandemie noch nicht. Das Auf und Ab der Indikatoren, das Kommen und Gehen der Wellen, das Rauf und Runter der Massnahmen. Zuweilen synchron, zuweilen azyklisch. All das liess vielerorts Müdigkeit an die Stelle der Dramatik treten, nicht ungleich dem Schicksal der Long-Covid-Betroffenen, deren Lebens- gefahr zwar gebannt ist, die jedoch unter Müdigkeit und Erschöpfung leiden. Bei der gesunden Mehrheit, die dank Impfungen oder Massnahmen, Glück oder Vorsehung ver- schont blieben, führte die Länge der Massnahmen zu Er- schöpfungsreaktionen. Die Anzahl englischsprachiger Google-Treffer zeugt von der Verbreitung der neuartigen Müdigkeiten. Distance learning fatigue: 2570 Treffer. Home office fatigue: 14 900 Treffer. Zoom fatigue: 822 000 Treffer, davon 2970 alleine auf Google Scholar. Müde neue Welt. Mit diesen Herausforderungen steht die Weiterbildung natürlich nicht alleine dar. Und doch haben uns die Beson- derheiten der Weiterbildung ein weiteres Jahr ganz spezi- fisch gefordert. Im Bestreben, unsere Kundinnen und Kun- den zufriedenzustellen und damit den Fortbestand der Programme zu sichern, wurden neue Formate entwickelt, Preismodelle angepasst, alternative Gewinnungskanäle geöffnet, zusätzliche Marketingaktivitäten getestet. Den Studien- und Programmleitungen gilt es Kränze zu winden für ihren Gestaltungswillen und genauso den administrativen Assistentinnen und Assistenten. Diese haben zahlreiche Anfragen beantwortet, Bedenken geprüft, Ärger gedämpft, Fragen geklärt, Bedürfnisse gestillt und so das Vertrauen in unsere Programme aufrechterhalten. Schliesslich gilt un ser Dank aber auch der Universitätsleitung und mit ihr der AG Corona. Sie haben nicht nur die oft kurzfristigen Anord- nungen aus Bern noch kurzfristiger in ein lesbares Schutz- konzept übersetzt. Sie haben sich ebenso regelmässig auf übergeordneter Stufe, im Verbund mit den übrigen Hoch- schulen, für die Interessen der Weiterbildung eingesetzt und damit mehrfach noch restriktivere Vorgaben verhindert. Unter solchen Umständen ist es eine besondere Freude, dass die Innovationskraft der Weiterbildung nicht nur das Heute bewältigt, sondern auch das Morgen angepackt hat. Die Theologische Fakultät bietet neue Jahressprachkurse und eine Sprachen-«Summer School» an. Die Kultur- und Sozial- wissenschaftliche Fakultät hat ein neues CAS geschaffen, die Rechtswissenschaftliche Fakultät deren zwei, die Wirt- schaftswissenschaftliche Fakultät gar drei, und das Departe- ment Gesundheitswissenschaften und Medizin hat den Grundstein für die künftige Verdoppelung ihres Weiterbil- dungsangebots gelegt. Ich beglückwünsche alle, die hinter diesen Initiativen stehen und damit nach vorne blicken. Nicht nur in den Programmen, sondern auch auf Stufe der Weiterbildungsakademie wurde das Jahr genutzt, um an der Zukunft der Weiterbildung an der Universität Luzern zu schaffen. In einem breit abgestützten Vernehmlassungs- verfahren wurden sämtliche Stakeholderinnen und -holder abgeholt, um sowohl die Konzeption als auch die Regularien der Weiter bildung an unserer Universität weiterzuentwi- ckeln. Der Prozess ist weit fortgeschritten und stimmt uns zuversichtlich, im kommenden Jahr die Weiterbildungs- akademie auch formal aus der Taufe zu heben. Damit sind die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir die gestrigen Müdigkeiten bald vergessen und die morgigen Innovationen bald erleben können. www.unilu.ch/weiterbildung Patrick Hofstetter INNOVATIV VORWÄRTS WEITERBILDUNGSAKADEMIE Dr. Patrick Hofstetter, Leiter Weiterbildungsakademie 43 In nur drei Jahren ihres Bestehens hat sich die Graduate Academy bereits zu einer wichtigen, transuniversitären Einrichtung entwickelt. In englischer Sprache geführt und dem Prorektorat Forschung zugeordnet, hat sie zum Ziel, die Zusammenarbeit im Bereich der Nachwuchsförderung mit Partnerinstitutionen in der Schweiz und im Ausland zu fördern. An der Universität nimmt die Academy die Rolle einer Anlaufstelle für die gegenwärtig rund 400 Doktorieren- den und beinahe 70 Postdocs ein. Zu den Angeboten der Graduate Academy zugelassen sind auch Doktorierende der Kooperationspartner in der Schweiz und im nahen Ausland. Die Academy hilft als zentrale universitäre Stelle für Nach- wuchsförderung mit, die akademischen Laufbahnchancen junger Luzerner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern und die nationale und internationale Sichtbar- keit der Universität zu fördern. Dabei stützt sie sich auf fünf Fördersäulen: Förderung, Beratung, Vernetzung, Mobilität und finanzielle Unterstützung. Bei der Förderung geht es um ein gesamtuniversitäres Angebot von Kursen und Work- shops im Bereich der überfachlichen Kompetenzen. Dieses Generic-Skills-Angebot beinhaltet Veranstaltungen zu Themen wie Zeit- und Projektmanagement, Kommunikati- ons- und Präsentationsfähigkeit, wissenschaftliches Schrei- ben und Selbstmanagement. Vorschläge für anzubietende Themen und Dozierende können per Bottom-up-Prinzip an die Koordinationsstelle gerichtet werden. In puncto Beratung und Vernetzung geht es um eine Bera- tungsstelle, die auf die Bedürfnisse der Doktorierenden zugeschnitten ist, beziehungsweise um Angebote, welche die reale und digitale Vernetzung sowie den wissenschaft lichen Austausch innerhalb der Universität und mit der weiteren Scientific Community fördern. Die Graduate Academy möchte auch geeignete Formate für die Präsentation und Sichtbarmachung der Forschungsleistungen schaffen. Im Berichtsjahr konnte die Academy die ersten Mobilitäts- beiträge für Doktorierende der Universität Luzern sprechen. Mit der Abschaffung der Doc.Mobility-Stipendien des Natio- nalfonds hat die Universität Luzern den Ball aufgenommen und finanziert in Kooperation mit swissuniversities mindes- tens vier Auslandaufenthalte von Doktorierenden pro Jahr. Die Anträge von Bewerberinnen und Bewerbern werden einer eingehenden wissenschaftlichen Evaluierung durch die Forschungskommission unterzogen. Es ist erfreulich, dass trotz der erschwerten Umstände, die wegen der Pandemie das Reisen ins und Forschen im Ausland stark behinderten, die ersten Kandidatinnen und Kandidaten ihre Arbeit an ausländischen Forschungsinstitutionen aufnehmen konnten. Bislang sind rund 45 Kurse und Workshops im Bereich überfachliche Kompetenzen durchgeführt worden, die auf rege Teilnahme stiessen. Die zustande gekommenen Koope- rationen mit internen Akteuren (wie der Mittelbauorganisa- tion MOL und dem Zentrum Lehre) und externen Akteuren (wie dem Swiss Transferable Skills Network und dem Euro- pean University Institute EUI in Florenz) haben zur Etablie- rung eines Netzwerks beigetragen, das ein weitreichendes Interesse am Angebot der Graduate Academy hat. Erwäh- nenswert ist zudem die besonders intensive Kooperation beim von der Università della Svizzera italiana (USI) geleite- ten Programm P-8, das von swissuniversities finanziert wird und in dem die Universität Luzern und die Scuola universita- ria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) Partnerinsti- tutionen sind. Mit diesem Programm werden die Digital Skills unserer Forschenden und Lehrenden gefördert, und gerade aufgrund der Aktivitäten des «Lucerne Master in Computa- tional Social Sciences» (LUMACSS) gibt es für das Generic- Skills-Angebot der Graduate Academy wichtige Synergien. Die Academy ist nicht mit der Promotionsordnung, der eigentlichen Promotion oder der Begutachtung von Qualifi- kationsschriften beschäftigt, sondern ausschliesslich mit der Nachwuchsförderung. Die Promotionsverfahrens verbleiben bei den Fakultäten und beim Departement. Das Angebot der versteht sich also als ein Zusatz, der die Doktorierenden auf dem Weg zu ihrem Doktorat respektive in die wissenschaftli- che und ausseruniversitäre Karriere unterstützt. www.unilu.ch/graduateacademy Sarah Kaiser NACHWUCHSFÖRDERUNG IM BLICK GRADUATE ACADEMY Sarah Kaiser, Koordinatorin Graduate Academy Tanja Ivanovic, Anwältin und Notarin, Doktorandin an der Universität Luzern Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Warum missbrauchen Eltern ihre Kinder im Scheidungskampf? 46 MIT NACHBARN WISSENSCHAFTLICH VERBUNDEN UNIVERSITÄTSENTWICKLUNG Forschung und Lehre leben vom persönlichen Engagement, von sorgfältiger und intensiver Arbeit und auch von Koope- ration und Austausch. Seit ihrer Gründung hat die Universität Luzern deshalb ihr Netzwerk stetig erweitert, sodass aktuell mit 140 Universitäten in 39 Ländern Zusammenarbeits- verträge bestehen. Sie erreichen buchstäblich die ganze Welt: Angehörige unserer Universität führen Forschungs- projekte mit Partnerinnen und Partnern auf allen Kontinen- ten durch, und die Studierenden wie auch die Mitarbeiten- den erweitern im Rahmen strukturierter Austausch - programme laufend ihre Erfahrungen. Das bisher Erreichte bestärkt uns im Bestreben, die Kontakte weiter auszubauen. Neue Zusammenarbeitsmöglichkeiten suchen wir aktuell auch vor der eigenen Haustür – bei uns in der Zentral- schweiz. Mehrere Nachbarkantone haben Initiativen ergrif- fen. Sie werden aktiv und übernehmen auch als Nicht-Hoch- schulkantone in der Wissenschaft eine eigenständige Rolle. Dafür haben sie neue Forschungseinrichtungen gegründet oder sind im Begriff, es zu tun. Deren Einbindung in die Welt der Hochschulen ist möglich dank fester Kooperationen. Extern getragene, vertraglich mit einer Universität verbun- dene Institute werden als «An-Institute» bezeichnet. Die Form der Zusammenarbeit hat sich bereits an anderen Orten in der Schweiz bewährt: Das Biotechnologie Institut Thurgau in Kreuzlingen ist mit der Universität Konstanz verbunden, das Zentrum für Demokratie in Aarau mit der Universität Zürich, das Idiap Research Institute in Martigny mit der EPFL, der École polytechnique fédérale de Lausanne. In Luzern besteht seit 1998 das Ökumenische Institut. Ge- meinsam durch die Landeskirchen und den Kanton errichtet, ist es vertraglich mit der Universität verknüpft; die Leitung liegt stets in den Händen einer Person aus dem Professorin- nen- und Professorenkollegium der Theologischen Fakultät. Weitere vergleichbare Verbindungen sind hinzugekommen: 2019 gründete der Kanton Uri in Altdorf das Institut Kulturen der Alpen, 2021 nahm in Luzern das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik den Betrieb auf – beide sind mittlerweile ebenfalls als An-Institute der Universität Luzern konstituiert und werden von Professorinnen und Professoren geleitet (siehe Seiten 38/39). Die Gründungsepoche dauert an: In Vorbereitung ist die Assoziation von mindestens drei weite- ren Forschungseinrichtungen. Feste Zusammenarbeit der beschriebenen Art ist auf gegen- seitigen Nutzen angelegt: Dem Träger des Instituts ermög- licht die Kooperation die Einbindung in etablierte Wissen- schaftsstrukturen. Der Universität eröffnen solche Verbindungen die Chance, Aktivitäten in den eigenen Fach- gebieten zu erweitern und einigen Professuren eine bessere Ausstattung zu verschaffen. Attraktiv sind vorab zusätzliche Möglichkeiten im Bereich der Forschung; denn sie ist das primäre Arbeitsfeld jeder Universität. Um den Anforderun- gen gerecht zu werden und Risiken zu begrenzen, muss ein An-Institut möglichst viele der für eine solche Einrichtung üblichen Charakteristika aufweisen: Es ist auf Dauer errich- tet, von einem Kanton oder wenigstens von einer kantonal beherrschten Trägerschaft kontrolliert und gut ausgestattet. Erforderlich ist auch ein genügendes Mass an Autonomie: Das Institut ist räumlich eigenständig und kann ausserhalb der Universität bestehen. Die Trägerschaft ist in der Lage, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen, die Administration selbstständig zu führen und eine professionelle Rechnungs- legung zu garantieren. Mit ersten Kooperationen sind wichtige Grundsteine gelegt: Die Zukunft im Bereich der An-Institute ist vielversprechend – sie haben das Potenzial, zur künftigen Gestalt der Universi- tät einiges beizutragen! Markus Ries Prof. Dr. Markus Ries, Prorektor Universitätsentwicklung (bis 31. Juli 2022), Professor für Kirchengeschichte 47 Im Prorektorat Personal und Professuren war das Thema «Lohn» im Berichtsjahr in mehrfacher Hinsicht prägend. Zu meinem neuen Vokabular, das ich seit meinem Amtsantritt im November 2020 dazugewonnen habe, gehört der Begriff «Lohnlauf». Der Abschluss der Lohnbuchungen und das anschliessende Auslösen der Zahlungen, immer kurz vor dem 25. eines Monats, ist eine besonders anspruchsvolle Zeit für den Personaldienst. Damit alle Mitarbeitenden der Universität die korrekte Zahlung für die geleistete Arbeit erhalten, ist grosse Präzision angebracht, es dürfen keine Fehler passieren. Aber wie wird der «richtige» Lohn denn überhaupt festgesetzt? Wer entscheidet nach welchen Regeln darüber, wer wie viel verdient? Für die meisten festangestellten Mitarbeitenden gelten die Vorgaben des Kantons, die nur wenig Spielraum offenlassen. Das System ist aber nicht einfach durchschaubar, und es ist verständlich, dass immer wieder die Frage im Raum steht, ob die Lohneinreihung gerecht und fair erfolgt. Wie schon im Jahr 2020 hat die Universität im Frühjahr 2021 erneut eine externe Lohngleichheitsanalyse in Auftrag gegeben, und wiederum waren die Ergebnisse sehr erfreulich: Zwischen den Löhnen von Männern und Frauen gibt es keine signi- fikante Differenz. Das bedeutet für uns auch, dass wir ge- mäss Gleichstellungsgesetz von weiteren Überprüfungen nun bis auf Weiteres befreit sind. Die konkrete Festlegung der Löhne der Universitätsange- stellten war das Thema eines Mitarbeitendenanlasses, der schon vor längerer Zeit von der ATOL, der Organisation der Mitarbeitenden des administrativ-technischen Bereichs, angeregt worden war und der im Oktober endlich stattfinden konnte. Die Rückmeldungen haben gezeigt, dass die Trans- parenz und die Klärung des Verfahrens sehr geschätzt wurden. Der Anlass gab zudem Gelegenheit, dass sich die langjährige Ombudsperson der Universität, Dr. Crispin Hugenschmidt, den Mitarbeitenden persönlich vorstellen konnte. Alle Universitätsangehörigen können sich jederzeit für eine Beratung oder Schlichtung an ihn wenden, dies auch (aber nicht nur) bei allfälligen Konfliktsituationen am Arbeitsplatz. Die Neuregelung der Löhne von Lehrbeauftragten ist ein Anliegen, das die Universität seit mehreren Jahren beschäf- tigt. Das bisherige Lohnsystem sieht für Lehrbeauftragte insgesamt 189 (!) verschiedene Lohneinreihungen vor – und die konkrete Einreihung nimmt überdies keine Rücksicht darauf, ob es sich beispielsweise um eine aufwändige ein- malige Vorlesung oder um eine viel weniger anspruchsvolle, mehrfach geführte Übungsveranstaltung handelt. Insbeson- dere für junge Nachwuchsdozierende ist das bisherige System nachteilig. Im Dezember 2021 hat der Universitätsrat neue Richtlinien erlassen, die «ohne Ansehen der Person» grundsätzlich nur noch zwei unterschiedliche Entlöhnungen vorsehen. Diese werden nach Art der Veranstaltung fest- gesetzt. Die Umstellung und Einführung des neuen Systems erfolgt per Herbstsemester 2022. Nicht zu viele, sondern gar keine Vorgaben gab es bisher in Bezug auf die Festlegung von Honoraren für Weiterbildungs- veranstaltungen und Referate bei wissenschaftlichen Tagun- gen. Naturgemäss müssen hier Spielräume gegeben sein, denn es gibt erhebliche Unterschiede nicht nur beim Vor- bereitungsaufwand, sondern auch in Bezug auf das Publi- kum und vergleichbare Veranstaltungen von anderen Uni- versitäten und sonstigen Anbietern. Trotzdem: Eine faire Entschädigung, die sich an sachlichen Kriterien misst, sowie saubere Abläufe bei der Honorarfestsetzung und -abrech- nung müssen gewährleistet sein. Dafür wird künftig eine Richtlinie sorgen, die vom Prorektorat Personal und Profes- suren zusammen mit dem Prorektorat Lehre erarbeitet und im Dezember durch den Universitätsrat erlassen wurde. Auch wenn in Bezug auf Lohn- und Entschädigungssysteme im Jahr 2021 einiges an «Aufräumarbeit» geleistet werden konnte, darf nicht vergessen gehen: Ein fairer Lohn garan- tiert keine Arbeitszufriedenheit. Diese ist ein Thema, dem sich das Prorektorat in den kommenden Jahren vermehrt zuwenden wird. Regina E. Aebi-Müller LÖHNE: FAIR UND TRANSPARENT Prof. Dr. Regina E. Aebi-Müller, Prorektorin Personal und Professuren, Professorin für Privatrecht und Privatrechtsvergleichung PERSONAL UND PROFESSUREN Dr. Anja Feierabend, Oberassistentin und Dozentin am Center für Human Resource Management Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Warum treffen intelligente Menschen dumme Entscheidungen? 50 PANORAMA UMGANG MIT DIVERSITÄT VERBESSERN Chancengleichheit und Gleichstellung sowie der Schutz vor Diskriminierung und sexueller Belästigung sind zentrale Anliegen der Uni- versität Luzern. Alle Studierenden und Mitarbei- tenden sollen ein barriere-, belästigungs- und diskriminierungsfreies Umfeld vorfinden, in dem sie wertgeschätzt werden. Dazu wurde eine Diversity-Strategie verabschiedet; darauf aufbauend hat die Universitätsleitung erste Umsetzungsmassnahmen und Empfehlungen beschlossen und eingeleitet. Die Massnahmen reichen von einer besseren institutionellen Verankerung des Themas über Sensibilisie- rungsmassnahmen und Beratung bis zu Publi- kationen. So ist inzwischen beispielsweise ein Ratgeber zum Thema Elternschaft und Schwan- gerschaft erschienen. www.unilu.ch/diversity NEUE WEITERBILDUNGEN Das Institut für Marketing und Analytics an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bietet, wie im April 2021 kommuniziert wurde, neu fünf Zertifikatslehrgänge in den Bereichen Business und Marketing Analytics, Innovation, Wachstum und Transformation sowie Ökosysteme an. Die Teilnehmenden sollen befähigt werden, Heraus- forderungen der Digitalisierung zu meistern und das volle Wachstums- und Innovations- potenzial ihrer Unternehmen auszuschöpfen. Ebenfalls neu ist das CAS «Diskurskompetenzen für Führungskräfte» an der Kultur- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät. Ziel ist es, Kader- leuten aus Politik, Verwaltung, Bildungswesen und Unternehmen das Rüstzeug in die Hand zu geben, um souverän mit den Herausforderun- gen heutiger Diskurse umzugehen. www.unilu.ch/ima www.diskurskompetenzen.ch MATURAARBEITEN PRÄMIERT Maja Arnold (r.) und Selma Zoronjic haben den Luzerner Religionspreis 2021 gewonnen. Die Absolventinnen der Luzerner Kantonsschule Alpenquai werden für ihre Maturaarbeiten über religiöse Vielfalt ausgezeichnet. Während Maja Arnold einen literarischen Zugang gewählt und die stark persönlich geprägte Erzählung «Nur ein paar Wochen» verfasst hat, setzt sich Selma Zoronjic mit der Frage auseinander, was Schweizerinnen mit christlichem Hintergrund dazu bewegt, zum Islam zu konvertieren. Mit dem erstmals 2006 ausgeschriebenen Luzerner Religionspreis würdigen die Theologische Fakultät sowie das Religionswissenschaftliche Seminar der Kultur- und Sozialwissenschaft- lichen Fakultät herausragende Maturaarbeiten im Bereich Religion und Ethik. www.unilu.ch/religionspreis 8. April 20. April 1. Juni 51 «BIG DATA»-FORSCHUNG Im Rahmen des Nationalen Forschungs- programms «Big Data» (NFP 75) wurden an der Universität Luzern 2021 zwei mit insgesamt rund 1,2 Millionen Franken dotierte Forschungs- projekte abgeschlossen: dasjenige von Prof. Dr. Mira Burri (Internationales Wirtschafts- und Internetrecht) und dasjenige von Prof. Dr. Mira Burri (Soziologie; siehe auch Beitrag Seiten 22–24). In den NFP werden Studien durch- geführt, die einen Beitrag zur Lösung wichtiger Gegenwartsprobleme leisten; die Themen wählt der Bundesrat aus. Im Herbst wurde zudem bekannt, dass mit Dr. Nadir Weber und Dr. des. Sarine Waltenspül zwei Forschende die Univer- sität Luzern als Institution ausgesucht haben, um hier ihr «Eccellenza»- und ihr «Ambizi - one»-Projekt – beides Karriereförderungen durch den Schweizerischen Nationalfonds – durchzuführen. ZUM EHRENDOKTOR ERNANNT Prof. Dr. Roland Norer (Bild), Ordinarius für Öffentliches Recht und Recht des ländlichen Raums, ist von der ungarischen Universität Miskolc mit dem Ehrendoktortitel ausgezeich- net worden. Dies für seine Verdienste als einer der führenden Rechtswissenschaftler im euro- päischen Agrarrecht, für seine Arbeit als Gene- raldelegierter des Europäischen Agrarrechts- kongresses (CEDR) und für seine Förderung und Unterstützung des Fachbereichs Agrar- recht in Miskolc. Prof. Dr. Martin Hartmann, Ordinarius für Philosophie mit Schwerpunkt Praktische Philosophie, durfte sich über die Wahl von «Vertrauen. Die unsichtbare Macht» zum Wissenschaftsbuch des Jahres in der Sparte «Medizin & Biologie» freuen. Verleiher des Preises ist das österreichische Bundes- ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. ÜBER 70 MEDIZINSTUDIERENDE Im Herbstsemester 2021 hat die zweite Kohorte den «Joint Medical Master» begonnen. Ins- gesamt sind nun 72 Masterstudierende der Humanmedizin an der Universität Luzern immatrikuliert; die ersten Abschlüsse werden im Sommer 2023 stattfinden. Einen Höhepunkt im Ausbildungsprogramm 2021 stellte der Naht-/Spritzenkurs dar, der im Frühjahrssemes- ter in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- zentrum XUND angeboten wurde. In der inter- professionellen Lehrveranstaltung lernten die Studierenden gemeinsam mit Pflegefachkräf- ten verschiedene Injektions- und Nahttechni- ken, Blutentnahmen und die Grundlagen der Wundversorgung (Bild). Nach dem erfolgrei- chen Pilotprojekt wird der Kurs nun jährlich angeboten und bereitet die Studierenden auf ihre Tätigkeit als Unterassistierende im Wahl- studienjahr vor. www.unilu.ch/medizin 31. August 7. September 20. September 52 PANORAMA MENSA MIT NEUER BETREIBERIN Für das leibliche Wohl im Uni/PH-Gebäude sorgt seit dem Herbstsemester 2021 neu die Genossenschaft ZFV-Unternehmungen (ZFV). Der Mensa-Betrieb wurde ausgeschrieben, nachdem die vormalige Betreiberin nach rund neun Jahren ihren Vertrag gekündigt hatte. Zum Entscheid für das Zürcher Unternehmen hat unter anderem der starke Fokus der ZFV auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität geführt. Seitens Politik und Medien sorgte das Konzept, künftig auf ein in erster Linie vegan-vegetarisches Angebot zu setzen, für viel Aufmerksamkeit. Wie die Ergebnisse einer ersten Umfrage mit 602 Beteiligten im Novem- ber zeigten, sind die Mensa-Nutzenden mit der Qualität, dem Preis-/Leistungsverhältnis und dem vegetarisch-veganen Angebot mehrheit- lich zufrieden bis sehr zufrieden. JUDAISTIK: DOPPELTES JUBILÄUM 1971 wurde in Luzern erstmals Judaistik gelehrt. Die an der Theologischen Fakultät angesiedelte Professur war – nach der Einführung des Fa- ches in Berlin 1964 und in Wien 1966 – ein Schweizer Novum. Zehn Jahre später wurde das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) gegründet, das sich mit dem akademischen Engagement zur Erforschung und Verbesse- rung der jüdisch-christlichen Beziehungen international einen Namen gemacht hat. 50 und 40 Jahre: Anlässlich der beiden Jubiläen blickte Ehren-Alumnus Kardinal Kurt Koch in seinem Festvortrag auf die Geschichte des jüdisch- christlichen Dialogs zurück und verwies auf dessen bleibende Wichtigkeit. Ein drittes Jubiläum feierte schliesslich Prof. Dr. Verena Lenzen – sie hat den Lehrstuhl für Judaistik seit 20 Jahren inne (siehe auch Seiten 18–20). INSTITUTIONELLE AKKREDITIERUNG Der Schweizerische Akkreditierungsrat hat der Universität Luzern die institutionelle Akkreditie- rung gemäss Hochschulförderungs- und -koor- dinationsgesetz (HFKG) erteilt. Dies nach einem mehrstufigen Prüfverfahren, das sämtliche Schweizer Hochschulen durchlaufen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass diese über angemessene eigene Qualitätssicherungssysteme verfügen. Die Gutachtergruppe zeichnet das Profil einer «sehr persönlichen Universität». Es sei ein hohes Qualitätsbewusstsein vorhanden, vielfach fehle es aber an ausformulierten Strategien. Der positive Entscheid ist entsprechend mit Aufla- gen verbunden. Dies in den Bereichen Quali- tätssicherung, Nachhaltigkeit, Chancengleich- heit und Evaluierung der Forschung. Die Projekte zur Umsetzung waren bereits im Sommer 2021 gestartet worden. 20. September 5. Oktober 18. November 53 START DER «PRESIDENTIAL LECTURES» Mit einem Vortrag des Philosophen, Publizisten und Autors Richard David Precht fiel der Start- schuss zur neuen Veranstaltungsreihe «Presi- dential Lectures». Diese wird von der Universi- tätsstiftung und der Universität gemeinsam einmal pro Semester durchgeführt und bietet eine Plattform des Austausches zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In seinem Vortrag «Wissen schaffen durch Wissenschaft. Orientierungshilfe für die globalisierte Gesell- schaft» beleuchtete Precht die Rolle der Wis- senschaften und ging der Frage nach, was die - se sind und leisten können. Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, inwiefern sie in der von Corona geprägten Zeit eine Orientierungs- hilfe seien. Zudem setzte er sich mit der Skepsis auseinander, welche den Wissenschaften zuweilen entgegenschlägt. WINTERUNIVERSIADE ABGESAGT Nach langer, intensiver Vorbereitung musste die Winteruniversiade auf der Zielgeraden abge- sagt werden – dies wegen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Der internationale Grossanlass hätte vom 11. bis 21. Dezember in der Zentralschweiz und in Graubünden stattfinden sollen. Das Uni/PH-Ge- bäude war als Hauptquartier vorgesehen, und die Universität engagierte sich als einer der akademischen Partner. Von ihr mitorganisiert, hätte am 13./14. Dezember die Weltkonferenz des internationalen Hochschulsportverbandes FISU durchgeführt werden sollen, und zwar zum Thema «Herausforderungen und Chancen des Sports in der modernen Gesellschaft». Nach der Absage der Winteruniversiade wurden drei der Hauptvorträge digital als öffentliche Webinare durchgeführt. WAHL NEUER PROREKTOR Prof. Dr. Bernhard Rütsche (Bild), Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, ist im Dezember auf den 1. August 2022 hin zum Prorektor Universitätsentwicklung und stell- vertretenden Rektor gewählt worden. Er wird auf Prof. Dr. Markus Ries folgen. Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist seit Februar 2022 Prof. Dr. Simon Lüchinger; dies als Nachfolger von Prof. Dr. Christoph A. Schalteg- ger. Für eine weitere Amtsperiode sind die Dekane Prof. Dr. Robert Vorholt (Theologische Fakultät), Prof. Dr. Martin Hartmann (Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) und Prof. Dr. Andreas Eicker (Rechtswissenschaftliche Fakultät) gewählt worden. Im Mai 2021 hat Doris Schmidli, Verwaltungsdirektorin ad interim, ihr Amt als Universitätsmanagerin angetreten. 26. November 29. November 17. Dezember Richard David Precht mit Moderatorin Katja Stauber und Rektor Bruno Stafelbach (v. l.) 54 PANORAMA Nach dem ersten Pandemiejahr war der Uni- versitätsbetrieb in Lehre, Forschung und Ver- waltung auch im Berichtsjahr massgeblich von Corona beeinflusst. Die Situation verlangte nach wie vor von allen Angehörigen viel Flexibilität und Geduld, auch wenn sich in vielen Bereichen neue Abläufe gut eingespielt hatten. Sowohl die Studierenden als auch die Mitarbeitenden wurden routinierter im Umgang mit den He- rausforderungen, die sich durch die Hand- habung der digitalen Tools und die sich stetig wandelnden Massnahmen stellten. Im Frühjahrsemester 2021 fanden die regulären Lehrveranstaltungen ausschliesslich digital statt, auch die Prüfungen wurden digital durch- geführt. Das Herbstsemester konnte im Prä- senzmodus beginnen. Es wurde ein Zertifikat benötigt; zwecks Chancengleichheit übernahm die Universität für Studierende über mehrere Wochen hinweg die Testkosten. Im Monat Dezember wurde aufgrund der Einquartierung der Winteruniversiade auf digitale Lehre umgestellt; es blieb auch nach deren kurzfristi- ger Absage aufgrund der ungünstigen epide- miologischen Entwicklung bei diesem Ent- scheid. Seit der bundesrätlichen Aufhebung aller Massnahmen im Frühling 2022 ist der Universitätsbetrieb – bis dato – kaum mehr von Corona tangiert; bei den regulären Lehrveran- staltungen wurde das digitale Ersatzangebot bis zum Ende des Frühjahrssemesters weiter- geführt. Als Leitprinzip gilt weiterhin die gegen- seitige Rücksichtnahme. CORONA ALS FORSCHUNGSOBJEKT Mit Aspekten der Pandemie beschäftigten und beschäftigen sich diverse Forschende, etwa Prof. Dr. Gisela Michel und Prof. Dr. Reto Babst im Rahmen des Luzerner Teils der nationalen «Corona Immunitas»-Studie. Dieser wurde vom universitären Departement Gesundheitswissen- schaften und Medizin in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital (LUKS) durch- geführt. Zum einen erhob das Team, wie viele Personen im Kanton zu welchem Zeitpunkt Antikörper gegen das Corona aufwiesen. Zum anderen wurden mittels Befragungen die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit untersucht. Ebenfalls unterstützte beispielswei- se Prof. Dr. Sara Rubinelli vom Departement die Weltgesundheitsorganisation WHO bei einem Projekt zur Eindämmung der parallel zur Pande- mie verlaufenden «Infodemie» – also der kaum noch überschaubaren Flut an teils widersprüch- lichen Informationen rund um das Coronavirus. www.unilu.ch/safecorona Universitätsbetrieb in Zeiten der Pandemie 55 Am Dies Academicus 2021 (siehe nachfolgende Seite) hat Rektor Bruno Staffelbach Einblick in die Pläne der Universität gegeben. Das Ziel: in zehn Jahren zu einer der führenden humanwis- senschaftlichen Universitäten Europas zu gehören. In seiner Rede skizzierte der Rektor nicht nur diese Vision, sondern auch die drei dazu notwendigen Entwicklungsschritte (die das Motto und das Kapitelbilder-Thema dieses Berichts darstellen, siehe auch Seite 2). Ein erster zentraler Baustein ist die Gründung einer Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie. Die Verhaltenswissenschaften bilden eine Klammer, die alle Fakultäten verbin- det. In der Psychologie sind Vertiefungen in Rechtspsychologie, in Kinder- und Jugend- psychologie sowie in Gesundheits- und Reha- bilitationspsychologie geplant. Zur Finanzie- rung liegen verschiedene Zusagen von Philanthropinnen und Philanthropen vor. Für die Gründung der neuen Fakultät braucht es eine Änderung des Universitätsgesetzes. Die Ver- nehmlassung ist im März 2022 zu Ende gegan- gen. Die Vorlage wird gegenwärtig angepasst und anschliessend dem Kantonsrat unterbrei- tet. Vorgesehen ist auch die Umwandlung des heutigen Departements Gesundheitswissen- schaften und Medizin in eine Fakultät. Die Regierung begrüsst die beiden neuen Fakultä- ten, leisteten diese doch einen Beitrag, um vom Arbeitsmarkt nachgefragte Fachkräfte aus- zubilden. Das Fächerspektrum könne damit ergänzt, gestärkt und abgerundet werden. Zudem würde das geschärfte Profil die Uni- versität für Studierende attraktiver machen. Die Änderungen sollen auf den 1. Februar 2023 hin in Kraft treten. Ein zweiter Baustein ist die Gründung der Initiative für Funktionsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden. An dieser beteiligen sich alle Fakultäten und bringen ihre jeweilige Expertise ein. Im Zentrum steht das Anliegen, zuhanden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Standards für die Funktionsfähigkeit, die Gesundheit und das Wohlbefinden bei akuten und chronischen Krankheiten, nach einer Verletzung und im Alter zu bestimmen. Der dritte Baustein schliesslich ist die Gründung des Zentrums für digitale Innovation. Hier im Fokus: Online-Märkte, «Big Data» und künstliche Intelligenz, die persönliche Lebensbereiche, aber auch Politik, Wirtschaft und Wissenschaft fundamental verändern. Bruno Staffelbach: «Mit all diesen drei Entwicklungsschritten tragen wir dazu bei, den Fachkräftemangel in kritischen Branchen zu reduzieren, die Standortattraktivi- tät von Luzern und der Zentralschweiz zu steigern und das Profil der Universität zu stärken.» www.unilu.ch/moving Fokussiert in die Zukunft 56 PANORAMA Die Universität hat am 4. November ihren Dies Academicus gefeiert. Mit Bundesrat Ignazio Cassis durfte am akademischen Feiertag ein prominenter Festredner begrüsst werden. Der Vizepräsident des Bundesrates und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für aus- wärtige Angelegenheiten (EDA) ging in seiner Ansprache auf die Verbindung von Wissen- schaft und Innovation mit der Diplomatie ein: «Konkret versuchen wir, die möglichen Entwick- lungen der wissenschaftlichen Forschung und der technologischen Erneuerungen zu anti- zipieren und zur öffentlichen Diskussion zu stellen, damit die besten Entscheide getroffen werden – im Dienst jedes Menschen.» ORT DES DISKURSES Rektor Bruno Staffelbach und Regierungsrat Marcel Schwerzmann, Bildungsdirektor und Präsident des Universitätsrats, zeigten in ihren Reden die nächsten Entwicklungsschritte der Universität auf (siehe vorangehende Seite). Als Gastkanton war diesmal Zug eingeladen, re- präsentiert durch Bildungsdirektor Stephan Schleiss. Dieser verwies in seiner Grussbot- schaft auf die Bedeutung von Universitäten als Ort von Rede und Gegenrede – und bescheinig- te der Universität Luzern, ein solcher zu sein: «Kurze Wege sind in Politik und Wirtschaft ein Segen, beim Denken sind sie ein Graus», brach- te der Regierungsrat seine Überlegungen auf den Punkt. Bei den anschliessenden Ehrungen und Aus- zeichnungen erhielten Prof. Dr. Susannah Heschel, Prof. Dr. Mualla Selçuk, Dr. Heidi Witzig, Prof. Dr. Ursula Cassani, Prof. em. Dr. Hans-Werner Sinn sowie Prof. Charles P. Fried- man die Ehrendoktorwürde. Der «Credit Suisse Award for best Teaching» ging an Dr. Cyrill Mamin. Der Universitätsverein verlieh seine Dissertationspreise an Dr. Sabine Baggenstos, Dr. des. Anne Beutter, Dr. Silvan Schenkel und Dr. Christian Frey. Mit dem von der ALUMNI Organisation vergebenen Preis «Alumna des Jahres» und «Alumnus des Jahres» wurden Michèle Bucher, Stadtschreiberin von Luzern, und Michael Rauchenstein, SRF-Auslandkorre- spondent in Brüssel, aus gezeichnet. Mit Aaron Butler, Eric Franklin, Monika Plozza, Rino Heim und Yael Rachamin präsentierten Doktorieren- de ihre Forschungsprojekte. Für die musika- lische Rahmung des Anlasses sorgten das Alphorntrio Imlig und das Kammerensemble des Campus-Orchesters unter der Leitung von Michael Köck. www.unilu.ch/dies Akademischer Feiertag Die Ehrendoktorinnen und -doktoren (v. l.): Hans-Werner Sinn, Heidi Witzig, Mualla Selçuk, Ursula Cassani, Susannah Heschel und Prof. Charles P. Friedman. Bundesrat Ignazio Cassis 57 Aus aktuellem Anlass «Die Universität Luzern ist bestürzt über den Angriff Russlands auf die Ukraine und verurteilt diese massive Verletzung des Völkerrechts aufs Schärfste. Sie unterstützt vollumfänglich die Erklärung von swissuniversities, der Dach- organisation der Schweizer Hochschulen, sowie diejenigen ihrer Partnerinstitutionen und Netz- werke. Die Universität Luzern bekundet ihre Solidarität mit der Bevölkerung in der Ukraine und mit den ukrainischen Universitäten. Sie appelliert an alle zuständigen Stellen in der Schweiz, sich für die Beendigung dieser in Europa einmaligen Missachtung völkerrecht- licher Garantien und für die betroffenen Men- schen einzusetzen.» Dieses Statement hat die Universität Luzern am 2. März 2022 publiziert. Man werde sein Mög- lichstes tun, um Lehrenden, Forschenden und Studierenden von ukrainischen Hochschulen beizustehen. «Ukrainische Studierende und Forschende an der Universität Luzern können auf die Unterstützung der Universität zählen. Russischen Studierenden und Forschenden, die unverschuldet in diese Situation geraten sind, bietet die Universität ebenfalls ihre Hilfe an.» ERLEICHTERTE AUFNAHME Wie hat sich die Situation inzwischen – Stand: Drucklegung des Jahresberichts Mitte Mai – entwickelt? Laufend treffen beim International Relations Office (IRO), das als Anlaufstelle fungiert, Anfragen von Personen aus der Ukrai- ne ein, die ihr Studium oder ihre Forschung in Luzern fortsetzen möchten. In jedem Fall wird geprüft, was für eine Unterstützung möglich ist. Es gilt ein erleichtertes Aufnahmeverfahren für Personen mit dem «Schutzstatus S» als Gast- studierende. Für diese entfallen etwa der an- sonsten notwendige Nachweis von genügenden Deutsch kenntnissen, und sie müssen keine Studiengebühren bezahlen. Weiter können die Gaststudierenden von Stipendien, speziellen Deutsch-Intensivkursen und Aktivitäten zur sozialen Integration Gebrauch machen. Seit Beginn des Krieges war es auf diese Weise möglich, acht Personen aus der Ukraine auf - zunehmen, die somit ihr Studium bzw. ihre Forschungstätigkeit in Luzern fortsetzen kön- nen. Eine Person erfüllte die regulären Aufnah- mebedingen zum Studium schon vor Kriegs- ausbruch, sechs wurden als Gaststudierende und eine als «Visiting Researcher» akzeptiert. Ausserdem halten sich zwei Mobilitätsstuden- tinnen aus der Ukraine an der Universität auf. www.unilu.ch/ukraine Solidarität mit der Ukraine Prof. Dr. Gisela Michel, Professorin für Gesundheits- und Sozialverhalten Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Wieso kümmern wir uns erst um unsere Gesundheit, wenn wir krank werden? 60 JAHRESRECHNUNG FACTS AND FIGURES Die Universität Luzern ist eine konsolidierte Tochtergesell- schaft des Kantons Luzern. Im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2021–2024 musste für das Jahr 2021 aufgrund des strukturellen Defizits ein Aufwandüberschuss von 0,8 Mio. Franken budgetiert werden. Im Rechnungsjahr 2021 konnten die budgetierten Erträge, die durch die Anzahl Studierender und Projekte generiert werden, mehrheitlich erreicht werden. Das zweite Pandemiejahr in Folge führte wie auch im Vorjahr zu Minderausgaben. Durch weitere Anstrengungen und das konsequente Einhalten der Globalbudgets fällt das Ergebnis besser aus als budgetiert. Der Jahresabschluss schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 215 069 Franken ab. In den nicht ausgeschöpften Sachmitteln sowie auch im tiefer ausfallenden Gebäudeunterhalt zeigen sich die Aus- wirkungen von Homeoffice und digitaler Lehre. Mehrausga- ben gab es im Gegenzug im Rahmen des weiteren Ausbaus der IT-Infrastruktur. Der Personalaufwand weist gegenüber dem Vorjahr wieder- um einen Anstieg aus. Dies ist einerseits auf neue drittmittelfinanzierte Projekte, andererseits auf den Ausbau des Departements Gesundheitswissenschaften und Medizin zurückzuführen. Beide Bereiche werden durch Drittmittel und Studierendeneinnahmen finanziert. Der Globalbeitrag des Kantons konnte wie budgetiert mit 13,75 Mio. Franken vereinnahmt werden. Die vereinnahmten Drittmittel sind gegenüber dem Vorjahr insgesamt leicht rückläufig und belaufen sich auf 9,8 Mio. Franken. Die Bundesbeiträge verbleiben dennoch auf hohem Niveau aufgrund höherer Studierendenzahlen sowie der durch Forschung generierten Einnahmen. Das Eigenkapital der Universität Luzern beläuft sich per Jahresende auf 5,3 Mio. Franken. Weitere Details sind im Eigenkapitalnachweis ersichtlich. Die vollständige Swiss-GAAP-FER-Jahresrechnung und der Revisionsstellenbericht sind abrufbar unter www.unilu.ch/rechnung Bilanz per 31. Dezember 2021 Aktiven in CHF Passiven in CHF Flüssige Mittel 11 096 404 Verbindlichkeiten 2 617 294 Forderungen 2 654 158 Andere kurzfristige Verbindlichkeiten 345 083 Andere kurzfristige Forderungen 5 509 855 Passive Rechnungsabgrenzungen 10 386 432 Aktive Rechnungsabgrenzungen 387 260 Kurzfristiges Fremdkapital 13 348 808 Umlaufvermögen 19 647 677 Zweckgebundene Fonds 1 893 926 Langfristige Rückstellungen 538 000 Sachanlagen 954 500 Immaterielle Werte 477 700 Langfristiges Fremdkapital 2 431 926 Anlagevermögen 1 432 200 Freie Reserven 2 658 266 Personalhilfsfonds 164 359 Neubewertungsreserve 2 691 587 Jahresergebnis - 215 069 Eigenkapital 5 299 143 Total Aktiven 21 079 877 Total Passiven 21 079 877 61 Erfolgsrechnung 2021 in % 2020 in % Abweichung Erträge aus Lieferungen und Leistungen * 9 266 466 13.0% 8 735 604 12.9% 530 862 Beiträge Bund 1 14 495 142 20.3% 14 182 921 20.9% 312 221 IUV-Beiträge Kantone 2 16 654 953 23.3% 14 842 302 21.9% 1 812 651 Beitrag Kanton Luzern 3 21 074 850 29.5% 19 908 500 29.3% 1 166 350 Beiträge Dritter 4 9 860 908 13.8% 10 203 584 15.0% - 342 676 Betriebsertrag 71 352 319 100.0% 67 872 911 100.0% 3 479 408 Personalaufwand - 52 782 945 74.3% - 51 466 689 75.2% 1 316 256 Personalentschädigung ZHB - 2 622 976 3.7% - 2 568 592 3.8% - 54 384 Sachaufwand - 15 662 383 22.0% - 14 356 578 21.0% - 1 305 805 Betriebsaufwand (ohne Abschreibungen) - 71 068 303 100.0% - 68 391 859 100.0% - 2 676 444 Betriebsgewinn vor Abschreibungen 284 016 - 518 948 802 964 Abschreibungen auf Sachanlagen - 484 000 70.2% - 378 725 69.9% - 105 275 Abschreibungen auf immateriellen Anlagen - 205 741 29.8% - 163 349 30.1% - 42 392 Abschreibungen - 689 741 100.0% - 542 074 100.0% - 147 667 Betriebsergebnis - 405 725 - 1 061 022 655 297 Finanzertrag 7 256 15 728 - 8 472 Finanzaufwand - 16 600 - 4 512 - 12 088 Finanzergebnis - 9 344 11 216 - 20 560 Zuweisung Fonds 0 0 0 Entnahme Fonds 200 000 180 000 20 000 Fondsergebnis 200 000 180 000 20 000 Jahresergebnis - 215 069 - 869 805 654 736 Mittelherkunft Universität Luzern 2021 in % 2020 in % Abweichung Universität Studien-/Examengebühren 6 116 633 8.5 6 081 766 8.9 34 867 übrige Einnahmen (Dienstleistungen etc.) 3 157 089 4.4 2 669 566 3.9 487 524 Kanton Luzern Globalbeitrag 13 750 000 19.2 13 181 000 19.4 569 000 Bund/Kantone IUV-Äquivalent 7 324 850 10.2 6 727 500 9.9 597 350 IUV-Beiträge Kantone 16 654 953 23.3 14 842 302 21.8 1 812 650 Grundbeitrag Bund 13 689 258 19.1 12 760 711 18.7 928 547 Subventions- und Projektbeiträge SBFI ⁵ 805 885 1.1 1 422 210 2.1 - 616 325 Forschungsbeiträge SNF 6 5 173 136 7.2 5 200 455 7.6 - 27 319 Stiftungen/Vereine/Private Universitätsstiftung 1 657 868 2.3 1 969 786 2.9 - 311 918 kirchliche Beiträge 360 615 0.5 358 697 0.5 1 918 übrige Stiftungen/Vereine/Private 2 669 289 3.7 2 674 647 3.9 - 5 358 Entnahme Fonds 200 000 180 000 20 000 Total Mittelherkunft 71 559 575 100 68 068 640 100 3 490 936 * ab 2020 ohne HSCL und STAAK 1 Grundbeiträge gemäss HFKG sowie Projektbeiträge des SBFI 2 IUV, Interkantonale Universitätsvereinbarung: regelt die interkantonalen Beiträge inkl. IUV Äquivalente vom Kanton Luzern 3 Kostenabgeltungspauschale des Kantons Luzern an die Universität 4 Beiträge an Forschung und Projekte des SNF, von Stiftungen, kirchlichen und privaten Institutionen 5 SBFI, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation 6 SNF, Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung 62 ENTSCHÄDIGUNGEN FACTS AND FIGURES Der Universitätsrat ist das strategische Steuerungs- und Aufsichtsorgan der Universität (siehe Seite 9). Er tagt in der Regel viermal pro Jahr. Die Bildungs- und Kulturdirektorin respektive der Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Luzern ist von Amtes wegen Mitglied und erhält dafür keine Entschädigung. Die Universitätsleitung bestand 2020 aus dem Rektor, zwei Prorektorinnen und zwei Prorektoren sowie der Universitäts - managerin. Rektorat und Prorektorat sind Zusatzfunktionen, welche Professorinnen und Professoren übernehmen. Für diese Ämter werden sie zu 75 respektive 20 Prozent (Rekto- rat/Prorektorat) von ihren Aufgaben als Professorinnen bzw. Professoren freigestellt. Die Angaben zur Vergütung für die Universitätsleitung enthalten den Aufwand für diese Zusatz- funktionen. Rektorin/Rektor und Prorektorinnen/Prorektoren erhalten für das Amt zudem eine Funktionszulage. Universitätsrat Präsident Universitätsleitung davon Rektor Bruttolohn gemäss Lohnausweis (CHF) 40 000 – 490 815 160 338 Personen (Pensen in % VZÄ) 8 1 255 75 Durchschnittlicher Lohn (CHF) 5000 – 192 477 Funktionszulagen Rektor, Prorektoren (CHF) 71 000 25 000 Total 40 000 – 561 815 185 338 DONATIONEN Mit Drittmitteln von Förderinstitutionen, Stiftungen und Privaten war auch 2021 eine vielfältige Förderung von Pro- jekten in Forschung, Lehre und Universitätsentwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses möglich. Mit- arbeitende und Studierende danken für dieses weitsichtige, zukunftsgerichtete Engagement diverser Personen und Institutionen, das die Universität voranbringt und der All- gemeinheit zugutekommt. In der nebenan abgedruckten Übersicht ist die Herkunft von Donationen offengelegt. Dies, soweit Vergabungen nicht mit der Auflage «ohne Namensnennung» erfolgt sind; eine gesetz- liche Pflicht besteht lediglich für Donationen, die eine halbe Million Franken übersteigen. Die Universität stellt die Un- abhängigkeit von Forschung und Lehre sicher: Weder auf Personalentscheidungen noch auf die wissenschaftliche Arbeit nehmen Donatorinnen und Donatoren Einfluss. Zahlungen des Schweizerischen Nationalfonds zur Förde- rung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) und der Bundesagentur für Innovationsförderung Innosuisse sind in der Jahresrechnung (vorangehende Doppelseite) dargestellt und werden nicht als Donationen ausgewiesen. 63 Name der Donatorin / des Donators Betrag 2021 Gesamtbetrag Zweck (alphabetisch) (in CHF) und Dauer (in CHF) Donationen ab CHF 10 000 Bistum Basel, Kirchenopfer (Bischöfliches Ordinariat Solothurn) 70 404 Bildungsbeitrag Theologische Fakultät Bischöfliche Kanzlei 23 963 Bildungsbeitrag Theologische Fakultät Bistum St. Gallen, Kirchenopfer 20 964 Bildungsbeitrag Theologische Fakultät CSS Kranken-Versicherung AG 27 780 250 000 (2018–2026) Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät / Titularprofessur Versicherungsökonomie Daniel Gablinger Stiftung 60 000 Institut für Jüdisch-Christliche Forschung Fondazione Reginaldus 44 000 Stipendien für Studierende des Masters «Philosophy and Religions» Gebert Rüf Stiftung 18 235 240 000 (2018–2021) Vermittlungsprojekt «Swiss Sports History goes Public» Martin Haefner 75 000 450 000 (2018–2024) Habilitandenstelle «Ethik der Digitalisierung» Krebsforschung Schweiz 118 400 Forschungsprojekt «Bereavement Care. Needs, Desires and psychosocial Outcomes in bereaved Parents who lost their Child to Cancer. Palliative and End-of-Life Care in Paediatric Oncology» Krebsliga Zentralschweiz 25 000 100 000 (2019–2022) Forschungsprojekt «Krebs im Jugend- und jungen Erwachsenenalter» Now Foundation 30 000 Projekt «Nachhaltigkeit / Regulierungsfolgenabschätzung» Palatin-Stiftung 50 000 160 000 (2020–2022) Forschungsprojekt «Krebs im Jugend- und jungen Erwachsenenalter» P&K Pühringer Gemeinnützige Stiftung 62 000 620 000 (2016–2021) Aufbau Wirtschaftwissenschaftliche Fakultät Römisch-katholische Landeskirche Kanton Luzern 150 000 Professuren Theologische Fakultät Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ) 127 000 Arbeitshilfe zur Liturgiegestaltung, Fachstelle Katechese, Staatskirchenrecht Römisch-katholische Zentralkonferenz (RKZ) 233 500 Religionspädagogisches Institut Schweizerische Paraplegiker-Stiftung 450 000 Stiftungsprofessur und Mitarbeitende in Gesundheits- wissenschaften und Gesundheitspolitik Sportmuseum Schweiz 35 000 Dokumentation und Erforschung der Geschichte des ehemaligen Sportmuseums Stiftung Mercator Schweiz 50 000 Lucerne Summer University: Ethics in a Global Context (LSUE) Suva 20 000 120 000 (2017–2022) Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät / Titularprofessur Velux Stiftung 308 000 Professuren «Rehabilitation and Healthy Ageing» Verein wemakeit.ch 18 090 Weiterführung Vermittlungsprogramm «Swiss Sports History» Verein St. Charles Society 10 000 «Science to public»-Veranstaltungen und Forschungs- projekte des Zentrums für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) Total 2 027 335 Donationenliste 64 FACTS AND FIGURES Donationen ohne Namensnennungen Donation einer gemeinnützigen Stiftung 60 000 360 000 (2020–2023) Ständige Gastprofessur im Corporate Management und Wirtschaftsrecht, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Donation einer gemeinnützigen Stiftung 328 000 Lucerne Graduate School in Ethics (LGSE) Donation einer gemeinnützigen Stiftung 26 000 Stipendienfonds für Personen mit Fluchterfahrung Donation einer gemeinnützigen Stiftung 30 000 120 000 (2018–2021) Lucerne Summer University: Ethics in a Global Context (LSUE) Donation einer gemeinnützigen Stiftung 68 203 Forschungsprojekt «Center for Ethics and Entrepreneurship» Donation einer gemeinnützigen Stiftung 10 000 Ausbauprojekte Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Donation einer gemeinnützigen Stiftung 10 000 «Health 2040» Donation ohne Namensnennung 40 000 160 000 (2020–2023) Förderung «Themen Geldtheorie und Geldpolitik» Donation ohne Namensnennung 20 000 Dissertation «Datenbank über Verteilung der Einkom- men, Vermögen, Steuern in der CH» Total 592 203 Donationen unter CHF 10 000 Academie Suisse des Science Humaines et Sociales; Albane de Bouillé; ALUMNI Organisation; Brigitte Amrein; Rudolf und Maria Auf der Maur; Avenira-Stiftung; Tobias Bünter; Jürg Burger; Ursula Burger-Schriber; Yvonne Angela Burger; Büro für Geschichte, Kulturen und Zeitgeschehen; CKW; Concordia Versicherung AG; Förderverein Stadtbibliothek Kempen; Vincenz Graf; Ursula Guekos-Thoeni; Josef Müller Stiftung Muri; Krebsliga Zentralschweiz; Rosmarie Luginbühl; Aram Mattioli; Niederer Kraft Frey AG; Prof. Bürli-Stiftung; PwC Schweiz; Werner Renggli; Ursula Rieser; Marianne Schoy; Schweizerische Theologische Gesellschaft; Stämpfli Verlag AG; Stiftung Judentum/ Christentum; Stiftung Kloster Muri; Stiftung Theater Chur; Tschümperlin Lötscher Schwarz AG, Verlag Pro Libero; Benjamin Alexis Weidmann Total 80 309 Gesamttotal 2 699 847 6561 Die Angaben in den Grafiken sind Vollzeit äquivalente beziehungsweise Verträge. Diese teilen sich per Ende 2021 folgendermassen auf: Festangestellte: 641 Personen, davon Professuren: 82; Lehrbeauftragte*: 221 Personen * In der Statistik nicht enthalten sind rund 240 Lehrbe auftragte des Departements Gesundheitswissenschaften und Medizin, welche bei den Lehr- und Partnerspitälern und bei weiteren Partnerinstitutionen angestellt sind . 21 10000 20000 30000 40000 V ol lz ei tä q ui va le nt e 67% 33% 70% 30% 46% 54% 33% 67% 13205 (240) 19601 (431) 6425 (82) 3299 (231) 2000 4000 6000 8000 10000 V ol lz ei tä q ui va le nt e TF 21 21 21 21 2800 (54) 1045 (14) 397 (26) 5535 (118) 2100 (24) 1275 (83) 5546 (142) 2125 (27) 872 (67) 2525 (58) 625 (8) 605 (48) 21 2695 (49) 530 (9) KSF RF WF GWM 1918 20 12040 (224) 19195 (398) 6180 (73) 3139 (200) 11320 (212) 16740 (362) 6305 (75) 2793 (178) 12410 (234) 20680 (444) 6305 (77) 3089 (215) 15 (1) Lehrbeauftragte* Professuren Assistierende / Forschungsmitarbeitende Administratives und technisches Personal Lehrbeauftragte * Professuren Assistierende / Forschungsmitarbeitende MITARBEITENDE DER UNIVERSITÄT LUZERN AKADEMISCHES PERSONAL 21 10000 20000 30000 40000 V ol lz ei tä q ui va le nt e 67% 33% 70% 30% 46% 54% 33% 67% 13205 (240) 19601 (431) 6425 (82) 3284 (230) 2000 4000 6000 8000 10000 V ol lz ei tä q ui va le nt e TF 21 21 21 21 2800 (54) 1045 (14) 397 (26) 5535 (118) 2100 (24) 1275 (83) 5546 (1142) 2125 (27) 872 (67) 2525 (58) 625 (8) 605 (48) 21 2695 (49) 530 (9) KSF RF WF GWM 1918 20 12040 (224) 19195 (398) 6180 (73) 3139 (200) 11320 (212) 16740 (362) 6305 (75) 2793 (178) 12410 (234) 20680 (444) 6305 (77) 3089 (215) 30 (2) STELLENPROZENTE INKL. INTERFAKULTÄRE STELLEN (IN KLAMMERN: ANZAHL VERTRÄGE) STELLENPROZENTE PRO FAKULTÄT (IN KLAMMERN: ANZAHL VERTRÄGE) 66 FACTS AND FIGURES STUDIERENDENSTATISTIK HERBSTSEMESTER 2021 To ta l d av on Fr au en (% ) B ac he lo rs tu fe M as te rs tu fe D ok to ra te D ip lo m e oh ne ak ad . G ra d Fakultäten und Studienfächer Theologische Fakultät 283 54% 155 37 44 47 Theologie 195 49% 128 32 35 – Religionspädagogik 27 70% 27 – – – Theologie Spezial Curriculum 7 57% – – – 7 Religionspädagogisches Institut 40 68% – – – 40 Religionslehre – Religion 5 60% – 5 – – Theologische Studien 9 56% – – 9 – Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät 762 62% 420 267 75 – Religionswissenschaft 17 71% 7 5 5 – Judaistik 8 63% 2 5 1 – Philosophie 52 44% 30 13 9 – Geschichte 93 38% 49 28 16 – Ethnologie 20 80% 13 2 5 – Kulturwissenschaften 168 72% 109 48 11 – Soziologie 64 61% 36 7 21 – Wissenschaftsforschung 2 50% – – 2 – Politikwissenschaft 67 45% 54 8 5 – Politikwissenschaft Dual Degree 1 100% – 1 – – Computational Social Sciences 25 48% – 25 – – Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaft 181 78% 120 61 – – Weltgesellschaft und Weltpolitik 60 57% – 60 – – Public Opinion and Survey Methodology 4 75% – 4 – – Interfakultär 171 44% 129 42 – – Philosophy, Politics and Economics 149 43% 129 20 – – Religion – Wirtschaft – Politik 22 55% – 22 – – Rechtswissenschaftliche Fakultät / Rechtswissenschaft 1259 61% 587 479 193 – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät 466 44% 285 148 33 – Politische Ökonomie 5 40% 1 4 – – Wirtschaftswissenschaften 461 44% 284 144 33 – Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin 270 75% 42 170 58 – Health Sciences 198 81% 42 98 58 – Humanmedizin 72 58% – 72 – – Total Studium 3211 59% 1618 1143 403 47 Weiterbildung Theologische Fakultät 23 74% NDS Berufseinführung 19 74% CAS Kirchliche Jugendarbeit 1 100% CAS RPI Religionsunterricht 3 67% Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät 29 48% CAS Philosophie und Management 5 40% DAS Philosophie und Management 4 50% MAS Philosophie und Management 1 100% CAS Philosophie und Medizin 8 50% MAS Philosophie und Medizin 11 45% Rechtswissenschaftliche Fakultät 233 52% CAS Agrarrecht 27 44% CAS Forensics 121 47% CAS Forensics II 18 83% CAS Forensische Psychiatrie und Psychologie 33 61% CAS Judikative 34 47% Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät 185 35% CAS Decision Making 14 93% CAS Decision Making Situation Monitoring 1 100% CAS Growth Transformation 10 50% CAS Human Factors 27 37% CAS Information Management 2 0% CAS Leading by Example 61 41% CAS Leading by Operations 25 36% CAS Leading Teams 34 44% MAS Effective Leadership 19 21% MAS Humanitarian Leadership 17 12% Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin 25 80% CAS Palliative Care 25 80% Total Weiterbildung 495 46% Total Studium und Weiterbildung 3706 57% 1618 1143 403 47 67 STUDIERENDE DER UNIVERSITÄT LUZERN * Total Studierende ohne/mit Weiterbildung Alle übrigen Zahlen auf dieser Seite ohne Weiterbildung Weiterbildung Interfakultär Gesundheitswissenschaften und Medizin (GWM) Wirtschaftswissenschaften (WF) Rechtswissenschaft (RF) Kultur- und Sozialwissenschaften (KSF) Theologie (TF) HS 16 4 1 % 5 9 % 1021 1265 191 93 269 260 T 2 8 3 9/ 3 0 9 9 * HS 17 4 2 % 5 8 % 992 1278 260 114 300 266 T 2 9 4 4/ 32 10 * HS 18 4 2 % 4 2 % 5 8 % 5 8 % 984 789 1272 1276 314 135 378 138 154 299 296 291 447 T 3 0 0 7/ 32 9 8 * T 3 0 2 8/ 3 47 5* HS 19 4 2 % 5 8 % 769 1287 172 456 176 295 430 T 3 1 5 5/ 3 5 8 5* HS 20 BILDUNGSHERKUNFT NATIONALITÄTEN Schweiz 84 % Ausland 16 % Davon: Deutschland 42 % Italien 8 % Österreich 5 % Liechtenstein 2 % Spanien 2 % USA 2 % Kosovo 2 % Türkei 2 % Portugal 2 % Russland 2 % Serbien 2 % Übrige Nationalitäten 30 % Luzern 25 % Zürich 13 % Aargau 7 % Tessin 7 % Bern 5 % Zug 5 % Schwyz 4 % St. Gallen 4 % Graubünden 2 % Nidwalden 2 % Solothurn 2 % Thurgau 2 % Obwalden 2 % Basel-Landschaft 1 % Uri 1 % Basel-Stadt 1 % Wallis 1 % Übrige Kantone 2 % Ausland 13 % Die Bildungsherkunft der Studierenden (egal welcher Nationalität) bezieht sich auf den Wohnort, der bei Erwerb des Studienberechtigungsausweises (z.B. Matura, Abitur, etc.) gemeldet war. HS 21 762 1259 270 466 171 283 495 T 3 21 1 /3 7 0 6 * 4 3 % 5 7 % Prof. Dr. Mira Burri, Professorin für Internationales Wirt - schafts- und Internetrecht Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Wird die Digitalisierung das internationale Handelsrecht revolutionieren? 70 FACTS AND FIGURES BERUFUNGEN UND ERNENNUNGEN THEOLOGISCHE FAKULTÄT Christian Henkel, geboren 1985, ist per 1. August 2022 zum Professor für Pastoraltheologie berufen worden. Er studierte Katholische Theologie, Anglistik und Darstellendes Spiel in Bamberg und Oxford und promovierte an der Universität Münster zur Migrationspolitik. 2021 habilitierte er in Inns- bruck mit einer Studie zur Kraft guter Architektur, um Gesell- schaft und Kirche zu verändern. Vor der Berufung an die Universität Luzern war Christian Henkel zunächst Geschäfts- führer am Institut für Ökumenische und Interreligiöse For- schung in Tübingen und danach Rat für Digitalisierung und Transfer an der Universität Eichstätt. Er forscht aktuell zu digitalen Architekturen und der Rolle der Kirche in poli- tischen Emanzipationsprozessen im öffentlichen Raum. Nicola Ottiger, geboren 1970, ist per 1. August 2021 zur Honorarprofessorin für Ökumenische Theologie ernannt worden. Damit wird ihr akademisches Engagement im Bereich der Systematischen Theologie gewürdigt. Nicola Ottiger studierte von 1994 bis 2000 Theologie in Luzern. 2006 promovierte sie an der Universität Luzern im Fach- bereich Dogmatik über Fragen der religiösen Erfahrung und christlichen Mystik. Seit 2005 ist sie als Dozentin für Dogma- tik und Fundamentaltheologie am Religionspädagogischen Institut (RPI) tätig, seit 2007 zusätzlich für Liturgiewissen- schaft. Nicola Ottiger hat per August 2021 die Leitung des Ökumenischen Instituts an der Theologischen Fakultät übernommen und lehrt zudem weiterhin am RPI. Ursula Schumacher, geboren 1979, ist per 1. August 2022 zur Professorin für Dogmatik berufen worden. Sie studierte Katholische Theologie, Hispanistik und Pädagogik an der Ruhr-Universität Bochum und in San Cristóbal de La Laguna. 2013 promovierte sie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg und absolvierte dann eine pädagogische Ausbildung. Von 2016 bis 2018 war sie als Lehrbeauftragte im Fach Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin an der Pädagogischen Hoch- schule Fribourg tätig. Seit 2018 wirkt Ursula Schumacher als Professorin für Katholische Theologie und Religionspäda- gogik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. DEPARTEMENT GESUNDHEITSWISSENSCHAFTEN UND MEDIZIN Gisela Michel, geboren 1972, ist per 1. August 2021 zur ordentlichen Professorin für Health and Social Behavior (Gesundheits- und Sozialverhalten) berufen worden. Sie hat an der Universität Bern Psychologie studiert. Die Promotion erfolgte 2004 an der Universität Freiburg, die Habilitation 2013 an der Universität Bern. Längere Forschungsaufent- halte führten Gisela Michel unter anderem an die New York University (USA) und die University of Sheffield (UK). Von August 2008 bis Februar 2013 war sie Senior Research Fellow am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Seit 1. März 2013 war Gisela Michel bereits ausserordentliche Professorin an der Universität Luzern, per 1. Januar 2020 wurde diese Professur entfristet. 71 Florim Cuculi, geboren 1976, ist per 1. Januar 2022 zum Titularprofessor für medizinische Wissenschaften ernannt worden. Er schloss 2004 sein Medizinstudium an der Uni- versität Basel ab. Seine Ausbildung in Innerer Medizin absol- vierte er in Luzern, die anschliessende kardiologische Aus- bildung in Luzern und Bern. 2009 hat er ein kombiniertes Forschungs- und Interventions-Fellowship an den Kranken- häusern der Universität Oxford durchlaufen. Seit 2012 ist er als interventioneller Kardiologe am Luzerner Kantonsspital tätig. 2016 wurde Florim Cuculi die Venia Docendi der Uni- versität Basel verliehen. Seit 2018 ist er Co-Chefarzt der Kardiologie am Herzzentrum des Luzerner Kantonsspitals, seit 2019 zudem Direktor des Cardio Centers Luzern. Gunesh Rajan, geboren 1972, ist per 1. Januar 2022 zum Titularprofessor für medizinische Wissenschaften ernannt worden. Er studierte Medizin an der Universität Zürich, wo er 1998 auch promovierte. Nach der Ausbildung zum HNO-Arzt am Universitätsspital Zürich folgten Fellowships in Head & Neck sowie in Otologie/Schädelbasischirurgie in Spanien und Australien. Danach arbeitete er als Senior Lecturer und Associate Professor an der University of Western Australia in Perth, wo er 2008 zum Professor und «Head of Otolaryngolo- gy, Head & Neck Surgery» ernannt wurde. Seit 2018 ist Gunesh Rajan Co-Chefarzt der Abteilung für Hals-Nasen- Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Direktor des Kopf- und Halstumorzentrums des Luzerner Kantonsspitals. Mario F. Scaglioni, geboren 1981, ist per 1. Januar 2022 zum Titularprofessor für medizinische Wissenschaften ernannt worden. Er studierte Medizin an der Universität Pavia (IT), wo er 2007 promovierte. Danach wurde er Facharzt für Plasti- sche, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der Uni- versität Politecnica delle Marche (IT) und spezialisierte sich im Rahmen von Fellowships in den USA und in Taiwan weiter auf rekonstruktive Mikrochirurgie. 2015 wurde er als Oberarzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie an das Universitäts- spital Zürich berufen, 2017 erhielt er seine Venia Legendi an der Universität Zürich. 2018 wurde Mario F. Scaglioni an die Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie des Luzerner Kan- tonsspitals berufen und ist dort seit 2022 Co-Chefarzt. Katrin Scheinemann, geboren 1974, ist per 1. Januar 2022 zur Titularprofessorin für medizinische Wissenschaften ernannt worden. Sie studierte Medizin an der Julius-Maximilians-Uni- versität in Würzburg, wo sie 2002 promovierte. 2005 schloss sie ihre pädiatrische Facharztausbildung in der Schweiz ab. Von 2006 bis 2008 absolvierte sie eine Fellowship in pädia- trischer Hämatologie, Onkologie und Neuroonkologie in Kanada. Unmittelbar danach wurde Katrin Scheinemann als Assistenzprofessorin an die McMaster University in Hamil- ton (CAN) berufen und 2013 zur ausserordentlichen Profes- sorin befördert. 2017 wurde sie zur Abteilungsleiterin in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie am Kantonsspital Aarau ernannt. 72 HABILITATIONEN UND DISSERTATIONEN HABILITATIONEN Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät (KSF): Kenneth Horvath (Lehrberechtigung: Soziologie). Rechtswissenschaft- liche Fakultät (RF): Nataša Hadžimanović (Privatrecht / Privatrechtsvergleichung / Juristische Methodik), Julia Hänni (Recht / Europarecht / Rechtstheorie) , Daniel Hürlimann (Öffentliches Recht / Immaterialgüterrecht). Departement Gesund- heitswissenschaften und Medizin (GWM): Christine Fekete (Gesundheitswissenschaften) DISSERTATIONEN Theologische Fakultät (TF): Sabine Baggenstos, Melanie Carafa, Monika Mitterer (Sr. Franziska), Fr. Paul Schneider, P. Andri Tuor, Markus Zimmer. KSF: Ibrahim Ankaoğlu, Manuel Camassa, Willem Edward Church, Rahel Estermann, Anina Hanimann, Rachel Huber, Lisa Kressin, Patrick Pfenniger, Philippe Saner, Markus Unternährer, Andrea Zimmermann. RF: Jacob Bollag, Lydia Patrizia Buchser, Ralph Hemsley, Sarah Kehl, Martin Meier, Renato Merz, Sebastian Müller, Dario Picecchi, Christian Puricel, Philipp Renninger, Silvan Schenkel, Marcus Stadler, Marc Winistörfer, Sara Anna Zahner, Lenka Ziegler. Wirtschafts- wissenschaftliche Fakultät (WF): Sandra Furrer, Benjamin Krebs, Laura Schärrer, Elias Steiner, Thomas M. Studer, Reto Weg- mann. GWM: Marina Bruderer-Hofstetter, Kathryn Dawson-Townsend, Romana Franceschini-Brunner, Stefan Gysin, Yael Rachamin Mehr Informationen: www.unilu.ch/jahresbericht EHRENDOKTORATE 2021 Prof. Dr. Susannah Heschel (TF), Prof. Dr. Mualla Selçuk (TF), Dr. phil. Heidi Witzig (KSF), Prof. Dr. Ursula Cassani (RF), Prof. em. Dr. Hans-Werner Sinn (WF), Prof. Charles P. Friedman (GWM). 2020 Pater Mussie Zerai (TF), Prof. Dr. Ursula Wolf (KSF), Prof. em. Dr. Thomas Cottier (RF), Prof. Dr. Ingrid Fulmer (WF), Prof. em. Dr. Jerome Bickenbach (GWM). 2019 Bischof Dr. Franz-Josef Bode / Prof. Dr. Margit Eckholt (TF), lic. phil. I Urs Stahel (KSF), Prof. Dr. Thomas Koller (RF), Prof. Dr. Torsten Tomczak (WF). Mehr Informationen: www.unilu.ch/ehrendoktorate EHRENSENATORINNEN UND -SENATOREN Brigitte Mürner-Gilli (2020), Doris Russi Schurter (2018), Prof. em. Dr. Paul Richli (2016), Prof. em. Dr. Walter Kirchschläger (2012), Dr. Ulrich Fässler (2010), Helen Leumann (2008; †) Mehr Informationen: www.unilu.ch/ehrensenat FACTS AND FIGURES 73 PREISE UND AUSZEICHNUNGEN THEOLOGISCHE FAKULTÄT Dr. Sabine Baggenstos (Dissertationspreis, Universitätsverein/Universität Luzern) KULTUR- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Anna Bertogg, BA (beste Bachelorarbeit im Herbstsemester 2020, KSF); Dr. des. Anne Beutter (Dissertationspreis, Universi- tätsverein/Universität Luzern); Dr. Willem Church (Forschungsförderungspreis; Frobenius Institut, Frankfurt am Main); Prof. Dr. Martin Hartmann (Wissenschaftsbuch des Jahres 2021 in der Sparte «Medizin & Biologie», österreichisches Bundesminis- terium für Bildung, Wissenschaft und Forschung); Andri Heimann, MA (beste Masterarbeit im Frühjahrssemester 2021, KSF/ ALUMNI Organisation); Urs Joller, BA (beste Bachelorarbeit im Frühjahrssemester 2021, KSF); Dr. Cyrill Mamin (Credit Suisse Award for best Teaching, Credit Suisse Foundation/Universität Luzern); Zora Matter, MA (beste Masterarbeit im Herbst- semester 2020, ALUMNI Organisation/KSF); Michael Rauchenstein, MA (Alumnus des Jahres, ALUMNI Organisation/Uni- versität Luzern); Dr. Philippe Saner (Ulrich-Teichler-Preis, Gesellschaft für Hochschulforschung) RECHTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Dr. Phil Baumann, Dr. Fabian Gähwiler, Dr. Philipp Rebsamen und Dr. Patrick Vogler (Walther Hug-Preis für die Dissertation, Professor Walther Hug-Stiftung); Michèle Bucher, MA (Alumna des Jahres, ALUMNI Organisation/Universität Luzern); Alice Brunner, BLaw (bester Bachelorabschluss im Herbstsemester 2020, RF); Prof. Dr. Mira Burri (Anerkennungspreis, Luzerner Regierungsrat); Mete Erdogan, Anna Graf, Fabienne Graf, Dario Haux, Dario Picecchi, Jan Hendrik Ritter, Eliane Spirig und Ivana Vukotic (LORY-Preis zur Förderung von Open-Access-Publikationen, Universität Luzern); Nadina Isliker, BLaw (bester Bachelorabschluss im Frühjahrssemester 2021, RF); Maike Jeschonnek, MLaw (bester Masterabschluss im Frühjahrssemes- ter 2021, RF/ALUMNI Organisation); Alina Krebs, BLaw, Raphael Schmid, BLaw, Dario Schönbächler, BLaw und Annina Seydel, BLaw («Honorable Mention» am Willem C. Vis Moot); Livio Mühlebach, MLaw (bester Masterabschluss im Herbstsemester 2020, ALUMNI Organisation/RF); Prof. Dr. Roland Norer (Ehrendoktorwürde, Universität Miskolc); Philipp Renninger, MLaw («Honourable Mention», Baxter Family Competition on Federalism); Dr. Silvan Schenkel (Dissertationspreis, Universitäts- verein/Universität Luzern) WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Dr. Christian Frey (Dissertationspreis, Universitätsverein/Universität Luzern); Corinne Herger, MA (bester Masterabschluss im Herbstsemester 2020, ALUMNI Organisation/WF); David Huwyler, BA (bester Bachelorabschluss im Herbstsemester 2020, WF); Flurin Stiffler, MLaw (bester Masterabschluss im Frühjahrsemester 2021, WF); Peter Wallmüller, BA (bester Bachelorab- schluss im Bachelor im Frühjahrssemester 2021, WF) DEPARTEMENT GESUNDHEITSWISSENSCHAFTEN UND MEDIZIN Kristen Coros, MSc (bester Abschluss «Master of Science in Health Sciences» 2021, GWM) Dr. Andrea De Angelis, Forschungsmitarbeiter und Lehrbeauftragter am Politik- wissenschaftlichen Seminar Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Wie wirken sich personalisierte Algorithmen auf die Demokratie aus? 76 DIENSTE FACHSTELLE FÜR CHANCENGLEICHHEIT Auch 2021 hat die Fachstelle gemeinsam mit der Gleichstel- lungskommission (GLK) Diversität und Chancengleichheit an der Universität Luzern auf vielfältige Weise gefördert. Die GLK wurde von sechs auf elf Mitglieder vergrössert. Mit den neuen Mitgliedern sind erstmals alle Fakultäten und das Departement in der GLK vertreten. Damit wird der Informa- tionsfluss verbessert und die Förderung von Chancengleich- heit als Querschnittsaufgabe ermöglicht. Ein weiterer wich- tiger Meilenstein ist die neue Diversity-Strategie mit dem ergänzenden Umsetzungsplan. Im Januar hatte die Universi- tätsleitung erste Entscheide zu Massnahmen und Empfeh- lungen getroffen und damit den Startschuss zur Umsetzung gegeben. Das Berichtsjahr markierte zudem den Beginn des neuen Programms von swissuniversities im Bereich Chan- cengleichheit und Diversität. Die Universität Luzern beteiligt sich dabei aktiv an mehreren Kooperationsprojekten. Als Leading House entwickelt sie eine nationale Kampagne gegen sexuelle Belästigung an Schweizer Hochschulen. Zudem führt sie ein Pilotprojekt im Bereich Gender-Medizin durch. Des Weiteren engagiert sie sich zu den Themen Integration von Flüchtlingen sowie soziale Selektivität an Hochschulen. Ausserdem beteiligt sich die Universität Luzern an einem exklusiven Leadership-Programm für Professorinnen. FACILITY MANAGEMENT Die Auswirkungen von Corona hatten grossen Einfluss auf den Betrieb des Uni/PH-Gebäudes. Durch die temporären Gebäudeschliessungen war es dem Facility Management jedoch möglich, anstehende Wartungs- und Unterhalts- arbeiten terminlich vorzuziehen. Im Sommer folgte dann das Hochwasser, welches an mehreren Stellen direkt ins Gebäu- de eindrang und an einzelnen Stellen auch Schäden ver- ursachte. Das zweite Untergeschoss wurde präventiv ge- räumt und für den Zutritt gesperrt. Im Herbst konnten auf dem Pausenplatz auf dem Niveau des zweiten Ober- geschosses zwei Pergolen eingeweiht werden. Diese sollen den Platz attraktiver gestalten und für die Mitarbeitenden und Studierenden als Erholungs- und Treffpunkt dienen. FORSCHUNGSFÖRDERUNG Die Forschungskommission (FoKo) und die Stelle für For- schungsförderung unterstützten die Forschenden unter erneuerten Rahmenbedingungen wirkungsvoll. Per 2021 setzte die FoKo eine Reform ihrer Förderpraxis um. Ziel ist es, die internen Abläufe effizienter zu gestalten, die Förde- rung von Projekten zu priorisieren sowie den vier Fakultäten und dem Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin mehr Spielraum zu gewähren. Die FoKo bewilligte 26 Vorhaben (Vorjahr: 30) mit einer Summe von 337 700 Franken (Vorjahr: CHF 298 400), darunter sieben Anschub- finanzierungen für Drittmittelprojektgesuche (Vorjahr: 7). Die Stelle Forschungsförderung hielt ihre Unterstützungstätig- keit mit 182 Beratungen auf hohem Niveau aufrecht (Vorjahr: 183). Die Forschenden stellten im Berichtsjahr 60 Drittmittel- gesuche (Vorjahr: 72). Der SNF war mit 41 Gesuchen (Vorjahr: 62) wieder wichtigster Adressat. Die 10,92 Mio. Franken an eingeworbenen SNF-Mitteln (Vorjahr: 3,3 Mio. Franken) stellen eine neue Höchstmarke dar und übertreffen die bisherige von 2018 (CHF 10,07 Mio.). Die Drittmitteleinwer- bung via EU, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Stiftungen und privater Seite betrug für 2021 ausgezeichnete 4,81 Mio. Franken (Vorjahr: CHF 2,62 Mio.). Die Summe der eingeworbenen Drittmittel für For- schung beläuft sich für das Berichtsjahr somit auf eine Rekordhöhe von 15,73 Mio. Franken (Vorjahr: CHF 5,93 Mio., 2018: CHF 11,97 Mio.). Der SNF vergibt in der Karriereförde- rung seit 2021 die Doc.CH-Beiträge zentral. Im Vergleich zum Erfolg vom Vorjahr (3 Doc.CH-Beiträge) warb 2021 niemand ein Doc.CH ein; dies aufgrund der sprunghaft gestiegenen Konkurrenz. Hingegen können auf der Postdoc-Ebene Erfolge vermeldet werden: zwei Postdoc.Mobility-Stipendien (CHF 219 200) und ein Postdoc.Mobility-Rückkehrbeitrag (CHF 126 000), der die Reintegration nach dem Ausland- aufenthalt erleichtern soll, weiter ein vierjähriges «Ambizio- ne»-Projekt (CHF 744 200) sowie erstmals ein fünfjähriges «Eccellenza Professorial Fellowship» (CHF 1,56 Mio.), vormals SNF-Förderprofessur. Die Graduate Academy (siehe Seite 43), die sich 2020 konstituiert hatte, schrieb im Frühling und Herbst 2021 erstmals Mobilitätsbeiträge für Forschungs- aufenthalte von Doktorierenden im Ausland aus. Sie vergab in Kooperation mit der FoKo fünf solcher Beiträge für sechs bis zwölf Monate. Diese bilden die dezentrale Nachfolge- lösung der Doc.Mobility-Stipendien, die der SNF per Ende 2020 eingestellt hatte. Die Pandemie schränkte die For- schenden auch im zweiten Jahr stark ein, besonders bei Tagungen, Workshops und Mobilität. Die vier laufenden und die drei bestehenden Doktoratsprogramme an der Universi- tät wurden von swissuniversities pandemiehalber bis Ende 2021 verlängert und dann beendet. Die Universität führt die Programme mit Eigen- und anderen Drittmitteln weiter. HOCHSCHULSPORT CAMPUS LUZERN Der Hochschulsport Campus Luzern (HSCL) durfte im Berichtsjahr sein 20-jähriges Jubiläum feiern. Aus diesem FACTS AND FIGURES 77 Anlass lief während des zweiten Halbjahrs eine umfassende Kommunikationskampagne mit dem Motto «20 Jahre HSCL: Zähl auf uns!». Realisiert wurden ein Jubiläumsfilm, ein Semesterplakat, Header, Signaturen, Filmbeiträge für die Infoscreens an allen Hochschulen auf dem Platz Luzern und Beiträge auf Social Media. Nach dem Start 2001 mit zehn wöchentlichen Trainings, neun Sportarten und einem Ski- camp wird den inzwischen über 17 000 HSCL-Teilnahme- berechtigten ein abwechslungsreiches Angebot mit über 90 Sportarten geboten. 2021 organisierten und leiteten fünf Hochschulsportlehrerinnen und -lehrer, vier administrative Mitarbeitende und etwa 200 fachspezifisch ausgebildete Trainingsleitende rund 160 wöchentlich stattfindende Trai- nings sowie 121 Kurse und 11 Dienstleistungen. Damit die Mitarbeitenden im Berichtsjahr trotz Pandemie, Homeoffice und digitalem Unterricht in Bewegung bleiben konnten, bot der HSCL 88 digitale Trainings in 16 Sportarten an. Im Rah- men des kontinuierlichen Ausbaus des Angebots konnte in der Administration eine weitere Person mit einem 60-Pro- zent-Pensum angestellt werden, auch wurde zum sechsten Mal in Folge ein Praktikum für Wirtschafts mittelschülerinnen und -schüler angeboten. Der HSCL veranstaltete zudem im Frühling 2021 das «Swiss University Sports Forum». Aufgrund der Covid-Situation wurde der zweitägige Anlass komplett digital durchgeführt – im Mittelpunkt standen Gastvorträge, News von Swiss University Sports und die Planung der Winteruniversiade. Bereits 2020 hatte der Prozess der Zertifizierung für den internationalen Qualitätsstandard für Hochschulsportorganisationen und Universitäten, «FISU Healthy Campus», begonnen. Über das entsprechende Label, das von der International University Sports Federation (FISU) entwickelt wurde, verfügen aktuell 74 Universitäten weltweit. In der Schweiz sind bisher drei Hochschulen zertifi- ziert respektive befinden sich im Zertifizierungsprozess. Aktuell erfüllen die Universität Luzern und der HSCL bereits 70 von 100 Kriterien, was einer Silber-Zertifizierung ent- spricht. Dies stellt einen neuen Meilenstein im Qualitätsma- nagement dar. Leider endete das Jahr mit der kurzfristigen Absage der Winteruniversiade; beim Gross anlass wären Universität und HSCL in verschiedener Weise involviert gewesen. INFORMATIKDIENSTE Auch im zweiten Pandemie-Jahr waren die Informatikdienste wieder stark gefordert: Dies mit dem digitalen Start im Frühlingssemester, dem Wechsel in den Präsenzunterricht im Herbstsemester und dem erneuten Wechsel in den digitalen Modus im Dezember im Zusammenhang mit der lange geplanten Winteruniversiade im Uni/PH-Gebäude. Daneben konnten diverse Arbeiten im Bereich der Infra- struktur gestartet und umgesetzt werden. Involviert waren die Informatikdienste zudem bei der Erneuerung des Corpo- rate Designs und beim Aufbau der Infrastruktur des «Portals für digitales Zentralschweizer Kulturgut», einem Projekt der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. INTERNATIONAL RELATIONS OFFICE Corona hat auch die Arbeit des International Relations Office (IRO) geprägt. Die Zahl der Incoming- und Outgoing-Aus- tauschstudierenden innerhalb Europas kehrte auf den Stand vor der Pandemie zurück, während die Zahl der Incoming- und Outgoing-Austauschstudierenden im aussereuropä- ischen Austauschprogramm weiterhin rückläufig war. Für das Team erhöhte sich die Arbeitsbelastung, da die Inco- mings mehr Unterstützung bei der Einreise in die Schweiz sowie im Handling mit den örtlichen Covid-Beschränkungen benötigten. Mehraufwand resultierte auch durch Absagen von Austauschprogrammen aussereuropäischer Partneruni- versitäten, sodass für die Outgoings neue Lösungen gefun- den werden mussten; diese wechselten häufig an eine Partneruniversität in der Nähe. Darüber hinaus gab es einige wichtige Entwicklungen im «Swiss-European Mobility Pro- gramme» (SEMP) ab dem Herbstsemester, nämlich die Einführung von Mobilitätsstipendien ausserhalb Europas und Stipendien für eine «grünere Mobilität». Seit dem Som- mer 2021 nimmt die Universität Luzern auch am SEMP-Prak- tikantenprogramm teil, was bedeutet, dass es nun Mobili- tätsstipendien für Studierende gibt, die Praktika innerhalb Europas absolvieren. Abseits der Austauschprogramme gab es zwei weitere bemerkenswerte Entwicklungen: Seit dem Frühjahrssemester 2021 ist das IRO für die Koordination des Sprachkurs angebots der Universität zuständig, und seit dem Herbst semester gibt es eine zusätzliche Betreuungsstruktur für die regulären internationalen Studierenden. PERSONALDIENST Im Berichtsjahr gab es nur einige geringfügige Änderungen in der Personalstruktur zu verzeichnen. Der Personalbestand ist ausgewogen. Die Vollzeitstellenäquivalente sind mit einem minimen Unterschied gleich geblieben, die Stellen werden jedoch von mehr Personen ausgefüllt. Leichte Verschiebungen gab es bei den Professuren mit einem Zuwachs von fünf Personen, mit einem Minus von 13 Perso- nen ist beim Mittelbau ein geringer Rückgang zu verzeich- nen, und im administrativen Bereich gab es einen Zuwachs von sechs Stellen. Bei den Lehrbeauftragten ist ebenfalls ein 78 kleiner Zuwachs zu verzeichnen; dies im Rahmen von zwei Vollzeitäquivalenten. Nicht mitgezählt sind die Lehraufträge der Medizin. QUALITÄTSMANAGEMENT In der ersten Jahreshälfte lag der inhaltliche Schwerpunkt des Qualitätsmanagements (QM) bei der Institutionellen Akkreditierung. Nach der dreitägigen Visite durch externe Gutachterinnen und Gutachter erhielt die Universität im Mai deren Bericht zur Bewertung des Qualitätssicherungssys- tems der Universität, zu dem die Universität Stellung neh- men konnte. Der Antrag zur institutionellen Akkreditierung wurde dem Schweizerischen Akkreditierungsrat (SAR) im Juni 2022 unterbreitet. Im September erfolgte der offizielle Akkreditierungsentscheid durch den SAR, der mit Auflagen verbunden ist (siehe Seite 52). Vor dem Hintergrund dieser Auflagen hat sich das QM in der zweiten Jahreshälfte inten- siv mit der Erarbeitung eines neuen strukturierten Qualitäts- managementsystems sowie einer neuen Qualitätsstrategie befasst. Des Weiteren führte das QM im Berichtsjahr zahl- reiche interne Umfragen und Evaluationen durch und hat die umfangreichen Daten der Absolvierendenbefragung des Bundesamts für Statistik ausgewertet. Deren Ergebnisse zur Zufriedenheit mit dem Studium dienen den Fakultäten und dem Departement als Grundlage für fundierte Verbesserun- gen der Studiengänge sowie den Dienstleistungen. Im QM gab es im Berichtsjahr zudem personelle Änderungen: Dr. Marcus Mänz hat per August die neue Stelle des Leiters Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit angetreten. STUDIENDIENSTE Im Herbstsemester 2021 waren total 3211 Studierende immatrikuliert – davon mehr als 800 Newcomer. Aufgrund der anhaltenden pandemischen Lage behielten die Studien- dienste die umorganisierte persönliche Immatrikulation auf Distanz bzw. auf dem Postweg bei, was sich bewährt hat. Diese zwar mit mehr Aufwand verbundene Handhabung wurde sowohl von den internationalen also auch von den inländischen Studierenden begrüsst und geschätzt. Auch bei den Schalterdiensten und bei der persönlichen Beratung erfolgte eine flexible Anpassung. Im Bereich studentische Administration wurden digitale Prozesse weiter vorangetrie- ben; neu können die Anmeldung zur Re-Immatrikulation sowie diejenige zum Nebenfach ebenfalls effizient online getätigt werden. Gewisse Prozessabläufe der Zulassungs- prüfung wurden weiter optimiert und vereinheitlicht. Die Career Services haben die Studierenden in der pande- mischen Lage mit ihren Angeboten bei der Stellensuche und -bewerbung unterstützt, soweit es die Umstände zuliessen. Nicht zuletzt konnte per Mai 2021 eine weitere kompetente und engagierte Mitarbeiterin gewonnen werden, die das motivierte Team vervollständigt und verstärkt hat. UNIVERSITÄTSARCHIV Das Archiv konnte sich 2021 wieder mehr als im Vorjahr auf die archivischen Aufgaben fokussieren. Dabei ging es ins- besondere um die Sicherung von Unterlagen, die dem Uni versitätsarchiv aus administrativen, juristischen oder historischen Gründen abgeliefert wurden oder, nach konkre- ten Ablieferungsvorbereitungen, im Jahr 2022 respektive künftig aufgrund prospektiver Ablieferungsvereinbarungen angeboten werden. Auch im Rahmen der Informationssiche- rung wurden die ältesten Aktenbestände aus voruniversitä- rer Zeit im Umfang von knapp 30 Laufmetern aussortiert und dem Staatsarchiv Luzern übergeben. Das betraf unter anderem das ehemalige Archiv des Katechetischen Instituts Luzern (heute RPI) von 1964 bis 2003, aber auch die ältesten Dossiers zu Studierenden der Theologischen Fakultät, die sich zwischen 1966 und 1971 exmatrikulierten. Diese Dos- siers stammen aus der Zeit, als das Studium und somit auch der Studien abschluss an der Fakultät noch nicht akademisch waren. Nichtsdestotrotz wurden sie bis zum Ablauf der für Studierendendossiers bewährten fünfzigjährigen Aufbewah- rungsfrist im Universitätsarchiv gesichert. Die Anfragen zu diesen Dossiers versiegten denn auch erst in den letzten Jahren. Im Vergleich dazu hatten die anderen Anfragen nach Unterlagen oder Archivalien, etwa zur Geschichte der Insti- tution, zu ehemaligen Mitarbeitenden oder Studierenden, auch zu Abschlussarbeiten besonders der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, weder zu- noch abge- nommen. Wegen des Schwerpunkts bei der Überlieferungs- bildung wurden die anderen Archivaufgaben, vor allem die Erschliessung der Archiveingänge, ebenso im üblichen Rahmen erledigt. UNIVERSITÄTSKOMMUNIKATION Die Arbeit der Universitätskommunikation war im Berichts- jahr erneut massgeblich durch Corona geprägt. Die meist sehr kurzfristigen Anpassungen der Schutzmassnahmen verlangten nach raschem und flexiblem Handeln, war es doch das Ziel, durch eine schnelle und vorausschauende Kommunikation zu möglichst viel Stabilität in einer unsiche- ren Situation beizutragen. Wie bereits im Vorjahr mussten verschiedene Studienwahlanlässe pandemiebedingt digital durchgeführt werden. Immerhin konnte der Bachelor-Infotag im November wieder vor Ort stattfinden. Gleichzeitig be- stand die Möglichkeit digital teilzunehmen. Die im Vorjahr angegangene Weiterentwicklung des Corporate Design (CD) FACTS AND FIGURES 79 erforderte auch eine Anpassung der Website der Universität. Dies wurde genutzt, um nebst den CD-bedingten Änderun- gen funktionale Verbesserungen vorzunehmen. Nun präsen- tiert sich die Website www.unilu.ch in einer moderneren Optik und mit vereinfachter Navigation, die insbesondere der immer breiteren Nutzung auf Smartphones und Tablets besser Rechnung trägt. Eine wichtige Aufgabe blieb die Pflege von Kontakten zu Medienschaffenden. Dazu gehört die Vermittlung von Expertinnen und Experten als Aus- kunftspersonen. Die Medienschaffenden profitieren so von kompetenter Auskunft und die Universität erhält eine erhöh- te Sichtbarkeit. ZENTRUM LEHRE Im Frühjahr liess die Corona-spezifische Arbeitsbelastung deutlich nach, weswegen sich das Zentrum Lehre wieder auf die Kerngeschäfte konzentrieren konnte. Getreu dem Motto, Bewährtes nicht über Bord zu werfen und gleichzeitig für Neues offen zu bleiben, ist das Zentrum bestrebt, die Coro- na-bedingten digitalen Tools mit Präsenzelementen zu verbinden: So werden z.B. bei dem seit dem Sommer online per OLAT angebotenen «Basiskurs Hochschuldidaktik» die digitalen Möglichkeiten ähnlich dem Inverted-Classroom- Modell genutzt: Inhalte, die sehr gut im Selbststudium angeeignet werden können, werden zeit- und ortsunabhän- gig multimedial angeboten und in Präsenzveranstaltungen vertieft. Auch neue Angebote für fortgeschrittene Lehrende konnten initialisiert werden. Ausserdem wurde begonnen, diverse Reglemente des Zentrums Lehre und der Universitä- ren Lehrkommission (ULEKO) zu erstellen, zu überarbeiten und zu aktualisieren. Die nationale und internationale Zu- sammenarbeit wurde verschiedentlich fortgesetzt und vertieft, wodurch u.a. Webinare angeboten werden konnten. Der «Begegnungstag», ein Projekt der kantonalen Dienst- stelle Gymnasien in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern aus Schulen und Hochschulen der Zentral- schweiz, fand im Oktober mit einem digitalen Anlass den (vorläufigen) Abschluss. Das digitale Format konnte inno- vativ genutzt werden und überzeugte die Teilnehmenden: Nach den beiden Keynotes wurden in Kleingruppen Fragen diskutiert und die Resultate online festgehalten. Anschlies- send wurden diese zurück ins Plenum gegeben. Ein digitaler Apero mit vorab physisch versandten Getränken und Snacks rundete den Tag ab. So stand das Berichtsjahr im Zeichen der Erkundung innovativer Nutzung der digitalen Möglichkeiten. ZENTRAL- UND HOCHSCHULBIBLIOTHEK LUZERN Im Berichtsjahr feierte die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) Luzern ein kleines Jubiläum: Seit genau zehn Jahren existiert die gemeinsame Freihandbibliothek von Universität und Pädagogischer Hochschule Luzern. Und bis heute ist diese mit ihren bis zu 300 000 Medien sowie 620 Lernplät- zen die grösste Freihandbibliothek in der Zentralschweiz. Aufgrund der fortwährenden Pandemie gestaltete sich der Betrieb jedoch weiterhin anspruchsvoll. Knapp die Hälfte der Lernplätze war gesperrt, und die Nutzung derselben mit Mundschutz wurde zur (wenn auch unlieb samen) Regel. Während dies zwar zu einem Rückgang der Ausleihe von Printbüchern führte, nahmen insbesondere Dienstleistungen wie die Digitalisierung, der Versand von Medien und die Nutzung elektronischer Ressourcen weiter zu. Ein besonde- res Augenmerk erfuhr der Auftritt der ZHB auf der Website der Universität: www.unilu.ch/bibliothek. Der Bereich wurde komplett neu konzipiert – weg von der bisherigen Ausrich- tung auf das Dienstleistungsangebot der ZHB hin zum Fokus auf die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen von Nutzen- den an der Universität. Neu gibt es ein Informationspaket speziell für die Erstsemesterstudierenden, begleitet von Informationen für die fortgeschrittenen Studierenden sowie ebenso für die Forschenden und Lehrenden – bei Letzteren auch im Zusammenhang mit den nationalen und internatio- nalen Entwicklungen im wissenschaftlichen Publikations- wesen. Ergänzend hierzu wurde das Schulungsangebot der ZHB im Rahmen der Informationskompetenz prominenter platziert. Dr. Wolfram Lutterer, ZHB Luzern, Standortleiter Bibliothek im Uni/PH-Gebäude PARTNERIN 80 FÖRDERINSTITUTIONEN UNIVERSITÄTSVEREIN Der Universitätsverein Luzern verstärkt die Verankerung der Universität in der Bevölkerung und unterstützt ihre Weiter- entwicklung. Gegründet wurde der politisch und konfessio- nell neutrale Verein im Jahr 1997. Er hat bei kantonalen und städtischen Abstimmungen eine bedeutende Rolle gespielt, so bei der Universitätsgründung (2000), beim Bau des Universitätsgebäudes (2006) und bei der Errichtung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (2014). Unter ande- rem stiftet der Universitätsverein Dissertationspreise für herausragende Doktorarbeiten. Er besteht zurzeit aus rund 1200 Mitgliedern und steht allen natürlichen und juristischen Personen offen. www.unilu.ch/verein Vorstandsmitglieder Stand: 1. Mai 2022 Rico Fehr, Präsident Regionalleiter Zentralschweiz und Partner Ernst & Young AG Rolf Bossart Geschäftsführer Detaillistenverband Kanton Luzern Adrian Derungs Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz IHZ Christine Kaufmann-Wolf Stadtpräsidentin Kriens Helene Meyer-Jenni Geschäftsleitung Kinderspitex Zentralschweiz Marienne Montero Bachelorstudentin Rechtswissenschaft Dr. Markus Schreiber Oberassistent Rechtswissenschaftliche Fakultät Universität Luzern Prof. Dr. Bruno Staffelbach Rektor Universität Luzern Ruth Wipfli Steinegger Rechtsanwältin Gaudenz Zemp Direktor KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern FACTS AND FIGURES ALUMNI ORGANISATION Die ALUMNI Organisation der Universität Luzern vertritt die Interessen ihrer Absolventinnen und Absolventen. Ihr Ziel ist es, die Vernetzung unter den Ehemaligen zu fördern sowie deren Verbundenheit mit ihrer Alma Mater aufrechtzuerhal- ten – und damit einen Nutzen für beide Seiten zu schaffen. Der Verein unterstützt regelmässig Projekte, die den Studie- renden zugutekommen, auch stiftet er Preise für beste Masterabschlüsse bzw. -arbeiten und vergibt Stipendien. Seit 2020 darf die ALUMNI Organisation den Preis «Alumna und Alumnus des Jahres» verleihen. Mitglieder können alle Studienabgängerinnen und -abgänger sein; sie profitieren von verschiedenen Services. www.unilu.ch/alumni Präsidium und Sektionsvorstehende Stand: 1. Mai 2022 Matthias Angst, Präsident Rektor Kantonsschule Wohlen Vera Bender, Sektionsvorsteherin Kultur- und Sozialwissenschaften Freischaffende Texterin Roxane Bründler, Co-Sektionsvorsteherin Wirtschaftswissenschaften Business Development Coordinator Gonser AG Vanessa Furrer, Co-Sektionsvorsteherin Theologie Theologin/Seelsorgerin Pastoralraum Region Brugg-Windisch Dr. Ralph Hemsley, Sektionsvorsteher Rechtswissenschaft Team Head Employee Monitoring UBS Felix Hunger, Co-Sektionsvorsteher Theologie Katholischer Pfarrer, freiberuflicher Coach und Organisationsberater Yves Spühler, Co-Sektionsvorsteher Wirtschaftswissenschaften Wirtschaftspolitischer Mitarbeiter Industrie- und Handels- kammer Zentralschweiz IHZ Beirat Prof. Dr. Klaus Mathis Ordinarius für Öffentliches Recht, Recht der nachhaltigen Wirtschaft und Rechtsphilosophie Universität Luzern Ruth Wipfli Steinegger Rechtsanwältin 81 UNIVERSITÄTSSTIFTUNG Die private Stiftung ist unabhängig von der Universität. Sie ermöglicht es, Forschung und Lehre in Richtung Exzellenz weiterzuentwickeln, indem sie Partnerschaften mit Unter- nehmen, Organisationen, Stiftungen und Privatpersonen begründet. Auf diese Weise macht sie es möglich, die Uni- versität zu einer der führenden humanwissenschaftlichen Universitäten in Europa zu entwickeln. In besonderer Weise sucht die Stiftung die Zusammenarbeit mit gesellschaft- lichen und wirtschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in den Bereichen Verhaltenswissenschaften und Psychologie, Gesundheit sowie Digitalisierung. Im Berichtsjahr hat sie gemeinsam mit der Universität die erste «Presidential Lec- ture» mit dem Philosophen und Publizisten Dr. Richard David Precht durchgeführt. www.stiftung-unilu.ch Stiftungsratsmitglieder Stand: 1. Mai 2022 Prof. Dr. Bruno Staffelbach, Präsident Rektor Universität Luzern Bruno Jenny, Vizepräsident Managing Director Bank Vontobel Thomas Bergen Co-Founder/CEO getAbstract Fanni Fetzer Direktorin Kunstmuseum Luzern Dr. Diel Tatjana Schmid Meyer Stv. Generalsekretärin Kantonsgericht Luzern Prof. Dr. Robert Vorholt Dekan Theologische Fakultät Universität Luzern BEIRAT DER UNIVERSITÄT LUZERN Der Beirat unterstützt die Universitätsleitung bei der lang- fristigen strategischen Ausrichtung der Universität. Er hilft bei der Identifikation zukunftsgerichteter Arbeitsfelder und macht es möglich, Partnerinnen und Partner in Gesellschaft und Wirtschaft zu finden. Die Mitglieder üben ihre Funktion ehrenamtlich aus. Es handelt sich um Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Politik sowie um eine Delegierte bzw. einen Delegierten der Uni- versität. Möglich ist auch die Aufnahme von Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden und Institutionen oder von Repräsentanten anderer Universitäten. Die Inaugurations- sitzung des Beirats hat im September 2021 stattgefunden. Mitglieder Stand: 1. Mai 2022 Dr. Hugo Bänziger Gastprofessor University of Chicago, Vorstand Deutsche Bank 2006–2012, Partner bei Lombard Odier 2014–2018 Philomena Colatrella CEO CSS Versicherung Ingrid Deltenre Verwaltungsrätin Josef Felder Verwaltungsrat Etienne Jornod Mitinhaber und exekutiver Präsident OM Pharma, Verwal- tungsratspräsident NZZ Bettina Junker Geschäftsleiterin UNICEF Schweiz und Liechtenstein Dr. Jakob Kellenberger Staatssekretär 1992–1999, Präsident IKRK 2000–2012, Präsident Swisspeace Philip Lorenz Kramer Geschäftsführer Stiftung Universität Luzern Dr. Monika Krüsi Verwaltungsrätin Damian Müller Ständerat Kanton Luzern Dr. Gabriela Maria Payer VR-Vizepräsidentin Sygnum Bank AG Patrizia Pesenti Regierungsrätin Kanton Tessin 1999–2011, Verwaltungsrätin Credit Suisse Schweiz, Universitätsrätin Universität Luzern Jeannine Pilloud Verwaltungsrätin FehrAdvice & Partners AG Markus Reinhard CEO NOMIS Stiftung Doris Russi Schurter VR-Präsidentin Helvetia Versicherungen Prof. Dr. Bruno Staffelbach Rektor Universität Luzern Marcel Schwerzmann Regierungsrat, Bildungs- und Kulturdirektor Kanton Luzern, Präsident Universitätsrat Universität Luzern Prof. Dr. Karin Stüber VR-Präsidentin Merbag Holding AG Suba Umathevan CEO Drosos Foundation Philipp Wyss CEO Coop Prof. Dr. Sophie Mützel, Professorin für Soziologie mit Schwerpunkt Medien und Netzwerke Antwort: www.unilu.ch/jahresbericht Wie werden wir in Zukunft (digital) bezahlen? 84 WEITERE INFORMATIONEN STUDIENANGEBOT BACHELOR Theologische Fakultät Theologie Flex-Studium Religionspädagogik Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Ethnologie Geschichte Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften Judaistik Kulturwissenschaften Philosophie Philosophy, Politics and Economics (PPE) Politikwissenschaft Religionswissenschaft Soziologie Rechtswissenschaftliche Fakultät Rechtswissenschaft Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Wirtschaftswissenschaften Philosophy, Politics and Economics (PPE) Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin Gesundheitswissenschaften (ab Herbstsemester 2021) MASTER Theologische Fakultät Theologie Liturgical Music NEU Philosophy, Theology and Religions (PhilTeR) Religion – Wirtschaft – Politik Religionslehre Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Lucerne Master in Computational Social Sciences (LUMACSS) Ethnologie Geschichte Geschichte bilingue LU / NE Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften Judaistik Kulturwissenschaften Philosophie Philosophy, Politics and Economics (PPE) Politikwissenschaft Dual Degree in Political Science Public Opinion and Survey Methodology Religion – Wirtschaft – Politik Religionswissenschaft Soziologie Weltgesellschaft und Weltpolitik Wissenschaftsforschung Rechtswissenschaftliche Fakultät Rechtswissenschaft Master Plus: – Rechtswissenschaft + Economics & Management – Rechtswissenschaft + International Relations – Rechtswissenschaft + Health Policy Rechtswissenschaft Double Degree (MLaw/LLM) Zweisprachiger Master (MLaw LU/NE) Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Wirtschaftswissenschaften – Marktorientierte Unternehmensführung, Politische Öko nomie, Gesundheitsökonomie und -management, Applied Data Science Philosophy, Politics and Economics (PPE) Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin Health Sciences Medizin DOKTORAT Theologische Fakultät Theologie Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Ethnologie Geschichte Judaistik Kulturwissenschaften Philosophie Politikwissenschaft Religionswissenschaft Soziologie Wissenschaftsforschung Rechtswissenschaftliche Fakultät Rechtswissenschaft Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Wirtschaftswissenschaften Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin Health Sciences NEU Humanmedizin WEITERBILDUNG Theologische Fakultät CAS Katechese CAS Kirchliche Jugendarbeit CAS Partnerschafts-, Ehe- und Familienpastoral CAS Religionsunterricht Nachdiplomstudium Berufseinführung Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät NEU CAS Diskurskompetenzen für Führungskräfte CAS und MAS Philosophie und Medizin CAS, DAS und MAS Philosophie und Management Philosophie 4.0: Philosophie für die Gegenwart Rechtswissenschaftliche Fakultät Express-Fortbildung für Anwältinnen und Anwälte Formazione continua e aggiornamento per giuristi CAS Agrarrecht CAS Arbitration CAS Krankenversicherungsrecht CAS Privatversicherungsrecht CAS Prozessführung Schweizerische Richterakademie – CAS Judikative Staatsanwaltsakademie – CAS Forensics I & II Staatsanwaltsakademie – CAS Forensische Psychiatrie und Psychologie Staatsanwaltsakademie – CAS Wirtschaftsstrafrecht Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät MAS in Effective Leadership / Einzelseminare CAS in Decision Making and Leadership CAS in Human Factors in Leadership CAS in Information Management and Leadership NEU CAS in Decisive Leadership CAS in Decision Making and Situation Monitoring CAS/MAS in Humanitarian Leadership CAS in Business and Marketing Analytics CAS in Innovation Management CAS in Innovation Implementation CAS in Ecosystem Management CAS in Growth and Transformation Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin CAS Palliative Care Stand: 1. Mai 2022 85 INSTITUTE, SEMINARE UND FORSCHUNGSSTELLEN THEOLOGISCHE FAKULTÄT Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) www.unilu.ch/ijcf Institut für Sozialethik (ISE) www.unilu.ch/ise Religionspädagogisches Institut (RPI) www.unilu.ch/rpi Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) www.zrwp.ch Zentrum für Religionsverfassungsrecht (ZRV) www.unilu.ch/zrv Zentrum Religionsforschung (ZRF) www.unilu.ch/zrf Zentrum für Theologie und Philosophie der Religionen (TheiRs) www.unilu.ch/theirs KULTUR- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Ethnologisches Seminar www.unilu.ch/ethnosem Historisches Seminar www.unilu.ch/histsem Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) www.unilu.ch/ijcf Philosophisches Seminar www.unilu.ch/philsem Politikwissenschaftliches Seminar www.unilu.ch/polsem Religionswissenschaftliches Seminar www.unilu.ch/relsem Seminar für Kulturwissenschaften und Wissenschaftsforschung www.unilu.ch/kuwifo SNF-Förderprofessur Literatur und Kulturwissenschaften www.unilu.ch/snf-foerderprofessur-literatur Soziologisches Seminar www.unilu.ch/sozsem Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) www.zrwp.ch Zentrum Religionsforschung (ZRF) www.unilu.ch/zrf RECHTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Institut für Juristische Grundlagen (lucernaiuris) www.unilu.ch/lucernaiuris Institut für Wirtschaft und Regulierung (WiRe) www.unilu.ch/wire Justiciability of the Energy Strategy 2050 www.unilu.ch/energy-strategy-2050 Kompetenzstelle für Logistik und Transportrecht (KOLT) www.unilu.ch/kolt Luzerner Zentrum für Sozialversicherungsrecht (LuZeSo) www.unilu.ch/luzeso Zentrum für Konflikt und Verfahren (CCR) www.unilu.ch/ccr Zentrum für Recht und Gesundheit (ZRG) www.unilu.ch/zrg Zentrum für Recht und Nachhaltigkeit (CLS) www.unilu.ch/cls Staatsanwaltsakademie an der Universität Luzern www.unilu.ch/staatsanwaltsakademie WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT Center für Human Resource Management (CEHRM) www.unilu.ch/cehrm Institute of Marketing and Analytics (IMA) www.unilu.ch/ima DEPARTEMENT GESUNDHEITSWISSENSCHAFTEN UND MEDIZIN Center for Rehabilitation in Global Health Systems www.unilu.ch/crghs Clinical Trial Unit Central Switzerland (CTU-CS) www.unilu.ch/ctu-cs Swiss Learning Health System (SLHS) www.slhs.ch Zentrum für Gesundheit, Politik und Ökonomie (CHPE) www.unilu.ch/chpe Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care www.unilu.ch/hausarztmedizin AN-INSTITUTE (ORGANISATORISCH UNABHÄNGIG) NEU: Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern (IWP) www.iwp.swiss Ökumenisches Institut Luzern (ÖI) www.unilu.ch/om Urner Institut Kulturen der Alpen an der Universität Luzern www.kulturen-der-alpen.ch Stand: 1. Mai 2022 86 Impressum Herausgeberin Universität Luzern Redaktion Universität Luzern, Universitätskommunikation Dave Schläpfer Frohburgstrasse 3 Postfach 6002 Luzern T +41 41 229 50 92 unikomm@unilu.ch Mitarbeit: Anna Chudozilov Gestaltung Universität Luzern, Universitätskommunikation Daniel Jurt Bilder Titelbild, Kapitelbilder und Portraits, Fotografie und grafische Bearbeitung: Silvan Bucher; S. 12: ©swiss-image.ch/Andy Mettler; S. 21: ©iStock.com/caughtinthe; S. 25: ©iStock.com/ BorisBrown; S. 29: ©iStock.com/imaginima; S. 37: ©iStock. com/andrei_r; S. 38: Valentin Luthiger / Institut Kulturen der Alpen; S. 39: Roberto Conciatori; S. 50: ©Unsplash/Claudio- Schwarz, ©iStock.com/Natali_Mis, Benno Bühlmann; S. 51: ©iStock.com/metamorworks; S. 52: ZFV; S. 53: Simon Leib- undgut, Winteruniversiade; S. 54: ©iStock.com/peterschrei- ber.media; S. 55: Silvan Bucher; S. 56: Roberto Contiatori; S. 57: ©iStock.com/AdamSmigielski Lektorat / Korrektorat Erika Frey Timillero Druck gammaprint ag Elektronische Version und Archiv www.unilu.ch/jahresbericht Gedruckt in der Schweiz auf Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern Universität Luzern, Mai 2022 UNIVERSITÄT LUZERN Frohburgstrasse 3 Postfach 6002 Luzern T +41 41 229 50 00 www.unilu.ch

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    Healthy campus interactive e book 2021

    Healthy Campus FISU HEALTHY CAMPUS Best Practices 2021 Table of Contents Message from the FISU Acting President – Leon Eder 3 Message from the FISU General Secretary – Eric Saintrond 4 World Map - Universities 6 2021 FISU Healthy Campus Best Practices 8 Healthy Campus management 9 Physical activity and sport 39 Nutrition 74 Disease prevention 94 Mental and social health 108 Risk behaviour 125 Environment, sustainability & social responsibility 133 PUBLISHED BY Contact FISU HEALTHY CAMPUS DEPARTMENT healthy.campus@fisu.net FISU INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION Quartier UNIL / Bâtiment Synathlon CH-1015 Lausanne - Switzerland Tel: +41 (0)21 692 6400 www.fisu.net ı www.fisu.tv EDITION: FERNANDO PARENTE, AMANDINE VOLPATO, IVO CARVALHOSA & HC UNIVERSITIES GRAPHIC DESIGN: CHRISTOPHE ERHAT PHOTOS: ©FISU ARCHIVES This document is not for public distribution and remains the property of FISU INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ CLICK ON CONTENTS The FISU Healthy Campus project is an initiative that aims to enhance students’ well-being in all aspects. FISU’s objective with this project is to establish an interdisciplinary system dedicated to well-being, a healthy lifestyle & awareness among students regarding these aspects. The idea is also to share knowledge and best practices locally and glo- bally between campuses using common references, and this publication is the first of many to come in the following years. A ‘FISU Healthy Campus Label’ will be awarded to acknowledge the universities’ efforts in improving the quality of life on their campuses, and 27 May 2022 will forever be a historic moment as the first certificates will be handed out to 42 Institutions of Higher Education. FISU thanks all those who have worked and contributed in this programme, and in particular the Pilot Universities where the programme was first tested (University of Johannesburg University of Lausanne, National University of La Matanza, Peking University, RUDN University, University of Torino and University of Western Australia) and the 30 international experts from the 5 continents who validated the Standard, a true reference for quality work in the well-being of the campus communities. Leonz Eder FISU ACTING PRESIDENT The constitution of FISU clearly mentions that FISU has a mission to act “for the health and well- being of students». Through the Healthy Campus programme, we have found a way to extend our activities to all students, not just elite student-ath- letes; we believe that FISU has a very important social responsibility and we want to reach millions of students. After «bringing» the FISU headquarters to the Campus of the University of Lausanne, the Healthy Campus becomes symbolic and represents the ambition and achievement of working with universities as the roots of the development of university sport and well-being in a programme coordinated with our national and continental Member Associations. This publication, with more than 100 Best Practices from the universities already certified with the Healthy Campus label is an excellent example of benchmarking and realises the goal of improving knowledge, and learning and adapting the best of what is done worldwide in all the domains of well-being. Special thanks to the FISU staff and the Healthy Campus teams of all the universities for this excellent contribution to the development of the well-being of the campus communities. Eric Saintrond FISU GENERAL SECRETARY The FISU Healthy Campus programme is designed to help universities develop and improve health and well-being for all campus communities, while sharing global best practices of universities in the seven domains identified by the programme (physical activity and sport, mental health, nutrition, disease prevention, risk behaviour, environment, social responsibility and sustainability). With 93 universities from more than 31 countries registered since 2020, this publication contains the best practices of the first year of operation of Healthy Campus programme and of the Universities already certified. FISU, May 27, 2022 Certified universities Healthy Campus World Map – Universities INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 6 INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 7 Best Practices 2021 Healthy Campus management INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 9 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project State of the art: UNI Santé – Healthy Campus project Description Students and staff use digital devices (cellphones, apps, and computers) to access information, write assessments and make bookings online and for support. UJ created online platforms to ease the workload and enable people to interact seamlessly. Evaluation We have obtained a comprehen- sive final document that gives a good overview of the existing actions on campus. Lessons Learnt We were able to identify our strengths, the main one being that the University of Lausanne is putting a lot of actions in place. We have also uncovered our weaknesses. A lack of coor- dination between all our actions is a fundamental one. Recommandations Communication between departments remains a crucial milestone in the final quality of this type of document. The actors must be integrated into the process and kept informed of the purpose of the document, which will also be made available to them. Main Goals Collecting current practices in relation to defined issues - Explore ways of thinking about achieving Healthy Campus recognition. Motivation & Vision To highlight the shortcomings in terms of operational and strategic health management in order to enter into a continuous improvement process. Domain Healthy Campus management Criteria #1 The university shall identify existing programmes related to the Healthy Campus scope in order to have an overview of what already exists as a base for implementing the approach. Target & Stakeholders Campus health managers and stakeholders Time & Frame May to December 2020 Team & Staff Service des Sports Universitaires & UNISEP Keywords Collection of practice, state of the art, Health, UNIL Campus UNIVERSTITY OF LAUSANNE website https://www.unil.ch/ contact person sonia matthey email sonia.matthey@unil.ch Project Presentation Project Presentation INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 10 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt Name of the project Strategic Action Plan 2018-2021 Description With the objective of further developing Iscte’s regulation and services, Iscte gives their students and staff the opportunity to contribute to our improvement as a public institution. Evaluation High participation by all of Iscte’s community, which helped us have different perspectives on what processes we can improve and how we can improve them. Lessons Learnt It is crucial to give everyone an opportunity to express their opinion as a multi-perspective approach is essential to define new global objectives. Recommandations Define the process with rigor, encourage everyone to partici- pate (including students through the pedagogical surveys), establish objectives that help to develop your institution and that contribute to create a better environment for everyone. Main Goals To create efficient processes and a positive environment for Iscte’s community. Motivation & Vision Define and achieve new objectives that will contribute for Iscte’s development. Domain Healthy Campus management Criteria #3 The university shall enable the campus community to express their needs or make comments related to the Healthy Campus scope. Target & Stakeholders Students and Staff Time & Frame 2018-2021 Team & Staff Integrated System of Quality Management (GEPQ) Keywords University, Quality, Well-Being, Students, Staff, Development Strategic Action Plan 2018-2021 Integrated Report of Management and Activities Public Forum Announcement INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 11 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website www.ipleiria.pt contact sape@ipleiria.pt Name of the project 100% IN Description Multidisciplinary social innovation project carried out in conjunction with the Padre António Vieira Institute to promote comprehensive responses for students with special needs (www.ipleiria.pt/ arquivo/projeto-100-in-e-marca- registada/). Evaluation More than 100 students with special needs got support from this project on its first year (2018/19); several initiatives (e.g., Hackaton 100% IN, Case Manager, Buddy 100% IN) have been strengthening the project. Lessons Learnt It is essential to involve the community in multiple examples of good practices. The actions developed during an initial phase allowed to obtain an effective diagnosis of the situation of students with specific needs. Recommandations The inclusion of students with special needs should be a key area of Universities and Polytechnics, assuming their contribution to Sustainable Development Goal 4 (Quality Education). Main Goals To promote the integral inclusion of students with special educational needs, involving the entire institution and the surrounding community in this mission of finding new solutions that allow to overcome obstacles. Motivation & Vision To find and provide solutions that mobilize the integral inclusion of students with specific special needs and facilitate their subsequent transition to active life. Domain Healthy Campus management Criteria #4 The university shall identify relevant stakeholders and their activities in relation to the areas of the Healthy Campus approach in order to benefit from synergies or propose new partnerships. Target & Stakeholders Students with special needs Time & Frame Year-round Team & Staff PLeiria, Instituto P. António Vieira, and other stakeholders Keywords Stakeholders, synergies, partnerships, special needs 100% IN Project Presentation (1st slide) Integrated Report of Management and Activities One of Polytechnic of Leiria’s adapted facilities INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 12 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee Name of the project Healthy Campus Development Day Description Development Day project included both, preparation activities and the Day. A large number of students and staff got acquainted with the criteria of HC during planning and preparations for the Development Day, and gave feedback on HC topics. Evaluation Development Day materials and preparation activities made EASS participation and Healthy Campus project visible to the whole University community. Over 100 members were involved, including members of the management. Lessons Learnt Asking for opinion from the whole community is nothing to be afraid of. Proposals discussed during Development Day and written into strategic plan matter to the community and help to achieve Healthy Campus criteria. Recommandations Be well prepared – select leaders for different topics and assign someone to take meeting minutes. A good way to organise discussion is breakout rooms with different topics, such as the World Cafe method. Share the official document with everyone. Main Goals Development Day helps to gather good practices that are already used in the academy and find new actions that the community needs. SWOT in all topics of HC and new activities plans were compiled. Motivation & Vision Involve as many members of the community as possible, because they can all benefit from Healthy Campus. Domain Healthy Campus management Criteria #5 The university leadership shall ensure that the needs of the campus community are identified and prioritised when developing the policy and objectives Target & Stakeholders University students and staff Time & Frame The first months after joining Healthy Campus Team & Staff EASS Healthy Campus steering committee and volunteers Keywords Physical Activity and Well-Being, Involvement, Collaboration Estonian Academy of Security Sciences Healthy Campus Development Day Development Day programme INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 13 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF COIMBRA website www.uc.pt contact person filipa godinho email filipa.godinho@uc.pt Name of the project Rector’s Vision aligned with the Healthy Campus goals Description The Rector’s vision is in line with the main goals of the Healthy Campus Project: “People are the most valuable resource at the University of Coimbra and their well-being is one of my personal commitments” (Amílcar Falcão, UC Rector). Evaluation Positive impact reported through monitoring of the action plan carried out for the project. Lessons Learnt Through Healthy Campus it was possible to combine different areas working as one and enlarging the global impact of the project. Recommandations The Healthy Campus goals should be recognized in the rectoral team’s strategy. Main Goals Achieve the objectives that the University of Coimbra proposes under the Healthy Campus programme; Ensuring that sport, physical activity, well-being, risk prevention and sustainability play a central role in the mission of the University of Coimbra. Motivation & Vision Ensure and improve a healthy and active campus. Domain Healthy Campus management Criteria #6 The university leadership shall demonstrate and communicate its commitment to implement, maintain and improve the Healthy Campus approach Target & Stakeholders Academic community Time & Frame All year Team & Staff Rectoral Team Keywords Vision, Healthy Campus main goals, Sport and well-being as a Strategic Pillar Rector of the University of Coimbra University Stadium Panoramic Photo European Universities Games Coimbra INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 14 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website www.ipleiria. pt contact person rui matos email healthy.campus@ipleiria.pt Name of the project Healthy Campus and Quality of Life at Polytechnic of Leiria Campus Description The objectives established for the Healthy Campus of the Polytechnic of Leiria are in line with the strategic direction of the institution, as evident in its Strategic Plan 2030. Evaluation Monitoring is constant. In addition to the annual evaluations, an intermediate evaluation of Healthy Campus is pointed out in 2023. Desirably, in 2025 a projection will be made for 2030, to follow the Strategic Plan 2030 of the Polytechnic of Leiria. Lessons Learnt It is crucial to have a constant dialogue with the Polytechnic of Leiria leadership so that Healthy Campus policy and objectives are compatible with its strategic direction. That is why Leadership representatives make part of Healthy Campus team. Recommandations To maintain a close relationship between Healthy Campus team and Institution Leadership. Main Goals – To have a reference towards the creation of conditions regarding well-being, quality of life and healthy lifestyles on campus – Contribute to the achievement of the Sustainable Development Goals (SDGs) of the United Nations 2030 Agenda. Motivation & Vision To promote regional and national development through health, sport and well-being, materialized on the creation of a Healthy Campus. Domain Healthy Campus management Criteria #7 The university leadership shall ensure that the Healthy Campus policy and objectives are established and compatible with the strategic direction of the university Target & Stakeholders Polytechnic of Leiria Community Time & Frame 2021-2025 Team & Staff Healthy Campus Team and Polytechnic Presidence Keywords Healthy Campus, quality of life, Strategic plan Polytechnic of Leiria Strategic Plan 2030 Healthy Campus meeting at Polytechnic of Leiria Healthy Campus on Polytechnic of Leiria web page INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 15 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices TRINITY COLLEGE DUBLIN website www.tcd.ie contact person martina mullin email mullinm1@tcd.ie Name of the project Healthy Trinity Impact Report Description With so many champions and partners taking so many actions across campus, how can make sure management sees the diversity of work ongoing? Healthy Trinity worked together to identify categories for our actions. Evaluation Healthy Trinity published its first impact report in Dec 2021. Link here: www.tcd.ie/healthytrinity/ assets/documents/Impact%20 Report/Healthy%20Trinity%20 2021%20Final.pdf Lessons Learnt Categorising actions under six headings makes it possible to create a report that shows management the breadth of health promotion activities on campus. Recommandations Other campuses might consider using the six headings we’ve identified as a means of classifying their work. Main Goals To categorise the breadth of work delivered by Healthy Trinity under six headings. They are: 1. Events & Interventions, 2. Supportive Environment, 3. Living Lab, 4. Co-/curricular, 5. Funding, 6. Communications. Motivation & Vision Ensure and improve a healthy and active campus. Domain Healthy Campus management Criteria #8 The university leadership shall ensure the evaluation process and review of the Healthy Campus approach at a frequency adapted according to the evolution of the internal and external context Target & Stakeholders Senior university management Time & Frame Once per annum Team & Staff All 9 Healthy Trinity working groups Keywords Impact, Health, Promotion, Strategy, Evaluation Impact report showing work under six headings Activities completed in 2020/2021 under 6 headings Images of health promotion on campus INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 16 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA website www.ismai.pt/pt and www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt email healthycampus@maieutica.pt Name of the project Board of Directors and Public Presentation Description Following the official creation of the Group, we developed a Strategic Plan which was presented to the Maiêutica Board, Healthy Campus Multidisciplinary Group, together with the whole campus community and key stakeholders. Evaluation All members of the Maieutica Board were involved, and more than 250 students attended the public presentation. The enrolment in the programme of over 500 potential volunteers is an example of its success. Lessons Learnt Involving as many members of the community as possible is a good way to make the programme have an impact. A mobilising kick-off facilitates an effective implementation. Recommandations Invest in advertising and good internal and external communi- cation. Design strategic events that convey the message in an impactful and dynamic way. Main Goals To make the programme public and known to the whole community. To bring all decision-makers together around the programme. Motivation & Vision The programme needed to have an impact on the whole community and bring together all key decision-makers. Domain Healthy Campus management Criteria #9 The university shall define the long-term vision of Healthy Campus. Target & Stakeholders Maiêutica Board, students, professors, stakeholders Time & Frame 23/02/2022 - Maiêutica Board and Healthy Campus Multidisciplinary Group; 09/03/2022 - Public Presentation to all the campus community and stakeholders Team & Staff Maiêutica Healthy Campus Team, Marketing Department, Events Department, Healthy Campus Volunteers Keywords Public Presentation, commitment UMAIA Rector, Maiêutica Chairman, IPMAIA Chairman Marketing material and volunteers. Maiêutica Healthy Campus Team INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 17 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF MINHO website https://www.uminho.pt/pt contact ddc@sas.uminho.pt email gabriel@sas.uminho.pt Name of the project Designing a Healthy Campus (Projetar UM Campus Saudavel) - FISU Healthy Campus Certification Programme Description Creation of a FISU HC programme certification team and creation of an operational team to implement the outlined actions; Establish a monitoring committee of the FISU HC programme, created to ensure collaboration between the various university bodies. Evaluation The responsible for the FISU Healthy Campus programme shall carry out an audit at the end of the year, to understand the next steps to take in the future, taking into consideration an deep analyse of the positive and negatives in implementation process of the strategy created. Lessons Learnt The HC programme was used as a tool and as a cornerstone to facilitate synergies between public health and sustainable development with the concern of creating healthy exploring, learning, living, sustainable environments for the academic community. Recommandations Promote the cooperation of the various organisational units and services of UMinho, not just as mere consultative elements, but as active partners in the execution of programmes and actions. Develop a marketing and communication plan for promotion and dissemination. Main Goals Certify UMinho activity in terms of well-being and quality of life; Share UMinho best practices in Healthy Campus areas; Develop strategic plan to develop new initiatives; Improve levels of satisfaction/involvement of the academic community in HC activities. Motivation & Vision Promote quality of life/well- being for academic community. Recognize physical activity/ sport to adopt healthy lifestyles. Contribute to internal cohesion of the institution and for the construction of a future based on the principles of sustainability. Domain Healthy Campus management Criteria #10 The university shall establish and implement the strategy that results from the vision. It shall contain at least one strategic focus for each domain of th... Target & Stakeholders Academic Community and other UMinho services users Time & Frame Academic Year 2021/22 Team & Staff Organisational Units and Services of UMinho; Student association Keywords UMinho, Activities, Certification, Well-being and quality of life, Academic Community UMinho Sports Complex - Braga UMinho Canteen “One Tree for each Athlete” Project INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 18 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website www.ipleiria. pt contact person rui matos email healthy.campus@ipleiria.pt Name of the project Managing a Team Description Healthy Campus has executive coordination and sectorial teams. Of these, the most directly linked to the Coordination and Management of Healthy Campus are the Project Coordination Executive Team and Project Management Team. Evaluation Positive, with the feeling that we are contributing to a healthier Campus through close relationships between Healthy Campus team(s) and Polytechnic of Leiria Leadership. Lessons Learnt Teamwork takes you further! Different teams can reveal unexpected points of view in different fields, allowing for an unusual, while effective, approach strategy. Recommandations Regular contacts are crucial. Share what you have and ask collaboration whenever needed. Main Goals Teams have to: – Coordinate, prepare and submit the application of the Polytechnic of Leiria to the Healthy Campus Programme of FISU – Implement, monitor and improve the Healthy Campus approach, focusing on collaboration and sharing between services. Motivation & Vision A strong and united team focusing on Polytechnic of Leiria’ s well-being, with regular meetings over time. Domain Healthy Campus management Criteria #12 The university leadership shall identify roles and responsibilities to manage the Healthy Campus approach Target & Stakeholders Healthy Campus Team Time & Frame Healthy Campus Lifetime Team & Staff Healthy Campus Team and Polytechnic Presidency Keywords Executive coordination team, sectorial teams One of the several Healthy Campus Team meetings Order of constitution of the Healthy Campus team Why having such a diverse team on Healthy Campus INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 19 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus UNIVERSITY OF RIO VERDE website http://www.unirv.edu.br/ contact joaomario@unirv.edu.br Name of the project Management Committee of the Healthy Campus Program at UniRV - University of Rio Verde Description By joining the FISU Campus Healthy, UniRV identified the need to establish a management committee responsible for the implementation, management, and monitoring the activities to achieve the programmes’s objectives. Evaluation The evaluation of the work of the institutional and operational responsible persons is done annually by the number of criteria achieved and the quality of activities and events, as well by the annual reports produced by FISU. The responsible team will help those two responsible to define other objectives and intermediate goals to better monitor the programme. Lessons Learnt The nomination of the respon- sible staff with the support of representatives of the different groups at the University, will increase personal motivation and a very high sense of institutional cohesion. Recommandations It is important to define the responsibilities, goals and objectives of institutional and operational responsible person and members of the team for its success. As a strategy to improve the role of each one, it is im- portant to create a framework of responsibilities and relationships between team members. Main Goals Appoint a person with institutional political and strategic responsibilities for the internal coordination of the Healthy Campus at UnivRV, and appoint a person with external operational work with FISU in terms of communication and development of the domains and criteria established by the Programme. The coordination team monitors and supports all the work developed by these two people. Motivation & Vision Cohesion between representatives of the University’s top Management and representatives of Professors, Students and Staff is decisive for the successful communication and implementation of the programme. Domain Healthy Campus management Criteria #13 The university shall name an institutional and operational responsible person to lead and support the Healthy Campus approach. Target & Stakeholders UniRV Leadership, operational and sectoral management of Healthy Campus Time & Frame Since the implementation of the Programme, continuity and mandate of the members of the Commission Team & Staff Institutional Coordinator, Representative of the University Council, Professors, Staff and Students Keywords Leadership, Commitment, Responsibilities, Commission, Global Healthy Campus Development UniRV Rector Prof. Albert Barella University of Rio Verde INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 20 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF DOHA FOR SCIENCE AND TECHNOLOGY website www.udst.edu.qa contact s&s - udst wellness@cna-qatar.edu.qa / udst.edu.qa Name of the project Healthiest Campus in Qatar Description The Executive seek to position the wellness of students and staff as a distinct priority and differentiator for the university. UDST has enhanced wellness initiatives as part of the Campus Wellness Policy and Strategy designed to achieve the same. Evaluation To secure required resources, data gathering is required to inform evidence based decisions. Staffing cannot be expanded, programmes cannot be enhanced without suitable information to substantiate the initial commitment and longer term sustainability. Lessons Learnt Wellness is important in a post-secondary educational environment given the significant stressors associated with balancing academic and other priorities. Students and employees have different wellness needs. However, both needs should be addressed. Recommandations Leadership needs to be engaged, need to be aware of the value of wellness to the Campus population and they have to advocate for the positioning of wellness as a key component in the strategic direction of the Institution. Main Goals Encourage and engage students & staff to live a healthy, productive and meaningful lifestyle through a comprehensive menu of services and supports to address the current needs while reinforcing a foundation of positive healthy choices going forward. Motivation & Vision UDST strives to be the region’s healthiest university. To achieve that purpose, a number of initiatives have been initiated and related resource commitments have been planned and supported. Domain Healthy Campus management Criteria #15 The university leadership shall shall ensure the availability of resources for the Healthy Campus approach (human resources, financial resources) Target & Stakeholders Students and Faculty/ Staff members on campus Time & Frame Ongoing – throughout the academic/fiscal year Team & Staff Campus Wide Keywords Healthy Campus, Research, Faculty, Students Presidents Statement on the importance of Wellness Executive support for multiple domains Commitment to diverse wellness interpretation INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 21 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus website www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee Name of the project Fundraising for Healthy Campus activities Description EASS Sports club representatives plan costs and fulfil the applications to get funding for Healthy Campus activities and bigger sports events. Student Council members ask support from the companies for competition awards. Evaluation Cultural Endowment of Estonia has funded EASS Healthy Campus activities twice. Awards have been donated by 21 companies during first year of Healthy Campus programme. Lessons Learnt If you don’t ask support, you don’t get it, but if you ask and can show good reasons to use extra money for students’ health, you might get something for extra costs and widen your list of activities. Recommandations Ask funding in such amount which is notable for extra activ- ities. Be realistic, don’t exagger- ate. Make plan B with less activ- ities and costs if funding is not enough. If you don’t get support, don’t hesitate to ask again from different sources. Main Goals Extra funding creates opportunities for wider projects and more activities, students get experience how to work together with companies for mutual benefits. Motivation & Vision Healthy Campus programme ac- tivities and values need besides voluntary support also material support, which can come from different sources. Domain Healthy Campus management Criteria #16 In accordance with the Healthy Campus vision and strategy, the university shall plan, implement, evaluate, and improve fundraising processes related to one or several domains of the Healthy Campus scope Target & Stakeholders University community, companies, funds Time & Frame Always when planning future activities Team & Staff EASS Sports club and Student Council Keywords Physical Activity and Well-Being, Fundraising, Volunteers ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES Student Council presenting prizes from companies. EASS mascot with sponsors’ prize. Sponsored introduction to new sports. INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 22 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices WATERFORD INSTITUTE OF TECHNOLOGY website www.tcd.ie contact social media platforms: @witvikingssport Name of the project Lets Get Fundraising Description WIT Vikings are responsible for providing opportunities & structures that embeds health & wellbeing into all aspects of campus culture. In accordance with vision and strategy, WIT implements & evaluates fundraising processes annually. Evaluation This has had a positive impact thus far, it has allowed students to understand the fundraising process & has contributed directly into enhancing their programmes. Lessons Learnt Give students the resources and guidance and they will excel. Recommandations An effective marketing campaign is essential. Main Goals To provide students of every level with a positive experience of a healthy campus through Sport & Physical Activity, Mental & Social Health, Nutrition, Disease Prevention, Risk Behaviour & Environ, Sustainability & Social Responsibility initiatives. Motivation & Vision To provide students with the highest standard sport & physical activity facilities to allow them to achieve upmost health and wellbeing. Domain Healthy Campus management Criteria #16 In accordance with the Healthy Campus vision and strategy, the university shall plan, implement, evaluate, and improve fundraising processes related to one or several domains of the Healthy Campus scope Target & Stakeholders Students Time & Frame All Year Team & Staff WIT Vikings & Wider WIT Community Keywords Sport, Physical Activity, Positive Experience, Fundraising, Good Health, and Wellbeing INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 23 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA website www.ismai.pt/pt and www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt email healthycampus@maieutica.pt Name of the project Communication Plan Description Using existing resources (e.g., the Marketing Department and the Events Department), we established a set of procedures to create an internal and external communication plan, namely for our stakeholders and students. Evaluation All activities and initiatives directly or indirectly related to Maieutica’s Healthy Campus programme are announced on Campus TVs, posted on official social media, and promoted through an existing mailing list. Lessons Learnt The impact of any event or initiative is greatly enhanced when there is an information dissemination campaign. Without appropriate advertising, the event/initiative can be very limited in its reach. Recommandations Planning initiatives/events in advance allows you to create more appealing and impactful communication materials. Their dissemination through multiple channels requires strategies that need time to have the desired effect. Main Goals To communicate clearly and effectively using formal and digital channels, through a single image (Maiêutica Healthy Campus), leveraging existing resources such as events organisation and marketing. Motivation & Vision A programme depends on a strong image and an effective communication plan. We are committed to setting up a corporate and unique image for Maiêutica Healthy Campus. By creating synergies, we will have a robust implementation and communication. Domain Healthy Campus management Criteria #18 The university shall implement an appropriate communication policy to internal and external stakeholders. The communications policy shall be relevant to the campus community, delivering with efficiency the right messages, at the right moment, to the right individuals. Target & Stakeholders All Campus community and stakeholders Time & Frame All Year Team & Staff Marketing Department and Events Department Keywords Internal communication, External communication Maiêutica Healthy Campus’ official brand logo Cloud shared with the Marketing Department Landing page on the official website INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 24 Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best PracticesHealthy Campus UNIVERSITY OF COIMBRA website www.uc.pt contact person filipa godinho email filipa.godinho@uc.pt Name of the project Be Healthy Campaign Description During six weeks a campaign was launched in the six Healthy Campus areas: Physical activity; mental and social health, nutrition, disease prevention, risk behaviour, environment, social responsibility and sustainability. Evaluation The campaign had a very positive impact and some members of the academic community shared pictures on social media performing the challenges. Lessons Learnt Communication and dissemina- tion of the projects are essential to achieve the defined goals. Recommandations Run campaigns that encourage actions, not just the transmission of ideas or sharing of images. Main Goals The campaign aimed to challenge the academic community to change or adjust habits and promote the programme and its areas of activity. The campaign aimed to challenge the academic community to change or adjust habits and promote the programme and its areas of activity. Motivation & Vision Promotion of active and healthy lifestyles; Promote the healthy campus; Implementation of the strategic plan for Healthy Campus UC. Domain Healthy Campus management Criteria #19 The university shall conduct at least one communication campaign per year for each domain of the Healthy Campus scope Target & Stakeholders Academic community Time & Frame annually Team & Staff UC Healthy Campus Multidisciplinar Team Keywords campaign, be healthy, be active, take care, eat healthy, reduce, reuse and recycle, organise time Be Healthy Campaign Be Healthy Campaign | nutrition Be Healthy Campaign | disease prevention INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 25 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Name of the project Each department has its own network of external stakeholders Description Each department has its own network of external stakeholders. E.g.: ULB Santé organises 2 awareness days about sexual health in October with its associative partners: “ça m’saoule... j’ai plus de capotes” Evaluation 31 trained students, 300 sensitized students Lessons Learnt Train and raise awareness about sexual health among young people (aged 15-30) through peer education in order to change mentalities and improve behaviour in the long term Recommandations Continue to work with experts’ partners from different area of expertise Main Goals Prevention and promotion of health through an external association network at the university Motivation & Vision The partners train students at the university, creating civic participatory initiatives among students, making them: Citizens Responsible, Assets, Critic and Solidarity Domain Healthy Campus management Criteria #21 The university collaborates with external stakeholders in projects regarding the Healthy Campus scope Target & Stakeholders Students Time & Frame All the year Team & Staff ULB Santé, O’yes, Modus Vivendi, Fares, suicide prevention center, sexual violence management center Keywords ULB Santé, O’yes asbl, Health promotion, education in emotional and sexual relationships Training of students of “Ca m’saoule” project Poster of the event INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 26 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices AUTONOMOUS UNIVERSITY OF BARCELONA website www.uab.cat contact www.uab.cat/rsu & responsabilitat.social@uab.cat Name of the project REUPS (Spanish network of health promoting universities) Description 66 Spanish universities (https:// www.unisaludables.es/es/ miembros) form the Spanish Network of Health Promoting Universities with the aim of sharing experiences and jointly promoting healthy living habits as well as specific actions such as the prevention of addictions, healthy eating or physical exercise. The Network operates with working groups and meets twice a year. In these meetings the advances of the groups are explained and new topics are proposed. Evaluation The network has a sovereign body, the Plenary, which meets twice a year and where the president reports the activity of the network and the application of the agreements. Lessons Learnt Universities have similar problems and joint action helps in developing solutions. Recommandations Promote meetings and conferences where good practices are shared, and working groups that deal with common problems. Main Goals The mission of the network is to become a space for exchange, reflection and analysis of issues that affect the field of health promotion and the development, implementation and evaluation of projects that promote healthy environments. Motivation & Vision To be an organisation recognized as a representative body of the associated universities and for its proactivity in promoting health. Domain Healthy Campus management Criteria #22 The university shall participate in national networks of universities. Target & Stakeholders University Students and Workers Time & Frame All year Team & Staff 60 Spanish Universities Keywords health promotion, well-being, life quality, university community, healthy campaigns Campaign “Social relationships, source of health” Campaign “Your future is up in the air” Campaign “Dare to break with tobacco” INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 27 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF ANTWERP website https://www.uantwerpen.be/en/ contact internationaloffice@uantwerpen.be Name of the project UAntwerp as a member of international networks Description The central government (IRO) of the university as well as the faculties are the main drivers of new developments, including the creation or joining of networks. A good example is the YUFE partnership, one of Europe’s first new generation universities. Evaluation The evaluation is done regularly with bottom-up as well as top- down and frank appraisals of outcome. Erasmus collaborations e.g. are scrutinized every five years. The networks or contract that haven’t met expectations, are not renewed. Lessons Learnt International relations are a permanent source of learning opportunities. Learning processes vary from assessing the differences in academic approaches, over finding administrative/financial solutions to complex issues, to practical troubleshooting Recommandations Invest enough time in building personal relationships between partner institutions. A network can flourish only on a solid basis. Top-down initiatives seldom work. A broad array of people in every institution should find a “win” in the partnership. Main Goals UAntwerp wishes to be a driver of change in international higher education. Joining forces with likeminded institutions ensures a scale that facilitates change and reinforces positive outcomes. Motivation & Vision UAntwerp is dedicated to providing all its students and staff with international and intercultural competences during their student/staff journey. Being a part of international networks is part of the answer to this challenge. Domain Healthy Campus management Criteria #23 The university shall participate in international networks of universities Target & Stakeholders international HE-networks, IRO’s of other Universities Time & Frame A continuous cycle of planning, doing, checking and acting Team & Staff Central level IRO+faculties jointly steer internat. policy Keywords international, networks, young universities, education, research, student & staff mobility University of Antwerp Campus University of Antwerp Campus Networking at University of Antwerp INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 28 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSTITY OF LAUSANNE website https://sport.unil.ch/?mid=105 contact person sonia matthey email sonia.matthey@unil.ch Name of the project Jours Santé - Healthy Days Description Since 2016, the University of Lausanne has been organising the Healthy Days event: an event to which the various players in the health sector are invited in order to popularise the information and make it accessible to the university community. In addition, the community has access to new technologies incubated at the Sport and Health Center (Centre Sport et Santé - CSS). Evaluation The number of collaborations around the event continues to grow. Every year, the objectives are achieved and supplemented by new collaborations. The number of participants in the event and in the sessions is constantly increasing. Those respond to a real demand and allow the employees to better manage their health in their work/study environment. Lessons Learnt Universities have similar problems and joint action helps in developing solutions. Recommandations Promote meetings and conferences where good practices are shared, and working groups that deal with common problems. Main Goals To bring together health stakeholders at the same event. Propose health solutions to the community. Make the link with the technologies incubated at the CSS. Motivation & Vision To convey key health messages while promoting information and easy access to the well-being, making the topic of “sustainable health” a common interest. Domain All domains of Healthy Campus Criteria #24 - The university organises for the campus community, at least one annual event, to bring together different areas of the Healthy Campus. Target & Stakeholders The entire university community Time & Frame 1-5 days in the first week of October Team & Staff SSU + health actors UNIL Keywords Healthy days, Sustainable health, federating health stakeholders around a common event, Testing innovation. Amphipole building: participants in front of the “health village” booth. Amphipole building: Swissball session Internef building : Testing Pandafit technology INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 29 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices WATERFORD INSTITUTE OF TECHNOLOGY website www.wit.ie contact @witvikings sport & wit arena social media Name of the project WIT Healthy Campus Beyond The Norm Description Waterford IT organises a number of educational events or workshops that aim to educate the campus population about the different domains that make up the healthy campus. Evaluation All events had a positive impact on campus community members. Students are beginning to engage more with all different aspects of physical health & well-being not just physical activity. Lessons Learnt Introduce topics and then listen to students about how we can improve events & being new ideas. Recommandations Better advertisement & promotional campaign around each event. Main Goals Educate on the different domains - Physical Activity - Nutrition - Disease Prevention - Mental & Social Health - Risk Behaviour Motivation & Vision Provide an array of different events open to all members of the WIT community. Educate and open their minds to all the different aspects of health and well-being. Domain Healthy Campus management Criteria #25 The university organises, for the campus community, events, workshops, conferences, seminars and/or trainings that cover each domain of the Healthy Campus scope emphasising alignment with SDGs, human rights and related policy at national and international levels. Target & Stakeholders University Students & Staff Time & Frame All year Team & Staff Waterford IT, WIT Vikings Sport, WIT Arena Keywords Healthy Campus, Campus Community, Well-Being, Human Rights, Reduce Inequalities, Spreading Information Professor Ciara Losty - open psychology event Catherine Norton - Sexual Health WIT Student Physical Health Education Seminar INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 30 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF JOHANNESBURG website www.uj.ac.za contact person prof alban burke email aburke@uj.ac.za Name of the project PsyCaD and CAT Online Support Description Students and staff use digital devices (cellphones, apps, and computers) to access information, write assessments and make bookings online and for support. UJ created online platforms to ease the workload and enable people to interact seamlessly. Evaluation Using platforms like Blackboard & U-Link has provided an easier & convenient way of interaction between academic staff & students. Access to such platforms means that teaching & learning can continue both on and/or off the campuses. Positive impact. Lessons Learnt Many students’ pass rate has significantly improved during the pandemic. They had enough time to study and the convenience of writing assessments online. Many people had access to services they normally never considered when they were on campuses. Recommandations A blended/hybrid learning environment is a better option for education institutions. Both Staff & students need to have options to learning & studying - some people excel in using online technology while others prefer the in-contact approach. Main Goals To support both staff and students to access technological tools and support in teaching and learning as well as working. To fulfil our vision of 21st- century skilled academia at UJ. Motivation & Vision The objectives that support the work of each of the three components are to support community-based management processes; provide scaffolded & just-in-time support; drive transformative learning practices & promote the use of cross- platform applets. Domain All domains of Healthy Campus Criteria #26 The university shall use digital technologies to recommend healthy activities adapted to individuals in the campus community and to advise them according to their needs and resources. Target & Stakeholders Staff and Students, PsyCaD and CAT Time & Frame Entire Year (All-year round) Team & Staff Coordinators, Academic Advisors, Lecturers, IT Specialists Keywords Online, Digital technologies, innovative and evolving, blended teaching and learning Two UJ students using a computer laboratory. Students Use Smartphones to Access Services Booking Method: Tests & exams, access information INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 31 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices MURDOCH UNIVERSITY website https://www.murdoch.edu.au/ contact https://www.muactivecalendar.com/ Name of the project Active Campus Calendar Description The Murdoch Active Campus Calendar project endeavours to track all the student-led events at Murdoch University on one calendar. We’ve recently added a second calendar for Murdoch staff that tracks opportunities for staff to get active. Evaluation Continued engagement with the calendar by students and a desire to see it replicated for staff have shown the calendar is a resource that has immediate returns on student activity by demonstrating how busy campus life is throughout the year. Lessons Learnt To combat the common complaint we heard from first year students, we’ve learned it’s important to provide a visual representation of campus life so students can plan their social calendars, and discover opportunities outside of their coursework. Recommandations Develop a CMS system that allows student clubs and societies to manage their social calendars. Demonstrate value by ensuring to provide an accurate and up-to-date calendar of events. Assist clubs by promoting key events to the university community. Main Goals Provides a comprehensive visual guide to a weekly social activity calendar for students and staff to find social, hobby, or learning events to enhance their university experience. Motivation & Vision To show the broad variety of campus events and activities available for students and staff to engage with and keep physically and mentally active as they pursue their academic careers. Domain Healthy Campus management Criteria #26 The university shall use digital technologies to recommend healthy activities adapted to individuals in the campus community and to advise them according to their needs and resources. Target & Stakeholders University Students & Staff Time & Frame All year Team & Staff Murdoch Active Staff Keywords University Clubs & Societies, Well-Being, Promote student connection, Active living, Student-led Mascot designed by a Murdoch University student. A snapshot of student-led events mid semester. Example of the promoted weekly event roundup. INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 32 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Everyday University life Description At the University of St. Gallen, we have daily activities relating to the various Healthy Campus Domains. These consist of a multitude of sports activities, healthy food choices, and frequent events regarding sustainability or mental health. Evaluation The University of St. Gallen has always had a lot of sports activities. In recent years, the University has expanded its focus on activities relating to sustainability and mental health topics. These events promote a healthy learning environment. Lessons Learnt Members of the campus community are keen to take part in activities relating to Healthy Campus pillars. By providing enough activities, the University can ensure that all students are given the opportunity to participate and make their voices heard. Recommandations These daily activities are organized by various University departments and committees as well as student clubs. Student involvement and initiative is necessary to ensure that these events are successful and to evoke change. Main Goals The main goal is to promote a healthy and balanced lifestyle amongst the campus community and to increase awareness for the Healthy Campus pillars. Through this, the University is encouraging students to take part in building a sustainable future. Motivation & Vision One of the principles of the University of St. Gallen’s is to make use of our social, economic and natural resources in a sustainable way, starting in our daily lives. Domain Healthy Campus management Criteria #27 The university shall plan and carry out at least weekly activities related to one or several Healthy Campus domains Target & Stakeholders Campus community Time & Frame Daily Team & Staff Unisport, counselling services, cafeteria, student clubs Keywords Healthy campus, sports, nutrition, sustainability, mental health, campus community, Healthy Campus Mental Health Days promoted on social media TRX class as one of the daily sports activities Student Involvement through Sustainability clubs UNIVERSITY OF ST.GALLEN website https://www.unisg.ch/ contact university sports department INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 33 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact kcl.ac.uk/sport email kingssport@kcl.ac.uk Name of the project King’s College London | King’s Sport BeActive Description We provide a number of free initiatives for our community to stay active and well, via digital technology and at our Sport & Wellness Clinic and Gyms. All students living in King’s Residences have access to our BeActive programme and Halls Gyms. Evaluation Annually, we have over 9,000 active members of our community through the King’s Move platform. 60%+ of our Halls students are active via Halls Gyms each month. As well as 300+ attendances to our Wellness clinic in the first few months of launching. Lessons Learnt King’s has over 40% international students, living across 11 residences so providing the right activities to the right students can be a challenge. We aim to use data and insight to inform what works, as well as receiving constant feedback Recommandations Try to put activity at the heart of where your community is, and aim to build financially sustainable models of activity that enables activities to be free to the community. Supported via a digital and hybrid approach to extend reach and flexibility. Main Goals Reduce barriers to sport and physical activity whilst improving the wellness of the King’s Community. Our aim is to make activity inclusive and accessible, taking place close to where our students and trying to enable an optimal state of health. Motivation & Vision Aiming to work in collaboration with partners across the University, to contribute to the education and extra-curricular experience through co-creation. To encourage active lives by reducing barriers of time, cost and location in accessing services. Domain All domains of Healthy Campus Criteria #28 The university proposes a minimum number of free of charge activities or at an affordable price for each area of the Healthy Campus scope. Target & Stakeholders University Students Time & Frame Throughout the academic year September - June Team & Staff King’s Sport, King’s Residences & Academic Partners Keywords Physical Activity, Social Sport & Wellness Students taking part in yoga on campus. Rave Run, the sights on London through activity. INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 34 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF PORTO website cdup.up.pt contact person catarina sampaio email catarina.sampaio@cdup.up.pt Name of the project Get your ball and be active Description With the opening of the renovated University Stadium, launched a campaign for free use of outdoor spaces. U,Porto are invited to use the outdoor fields (football 11, football 7 and football 5) freely, just have to join a group of friends, bring a ball and use the facilities between 9 am and 5 pm. Evaluation Positive impact despite the restrictions on COVID. Students have joined the initiative well and are already organising themselves in groups to come and play. The evaluation is made by the number of users separated from those already registered in previous activities and new users. Lessons Learnt It is important to give space to students to be able to decide without stricter timetable constraints and compliance with strict rules for informal sporting practice. Recommandations Carry out a good promotional campaign. This activity was designed for a special period of restrictions, but constituting itself as a success it will continue for the future, taking advantage of hours of less use of indoor and outdoor sports facilities. Main Goals Promote physical activity without major restrictions or regulations in which the rules of the game are defined by the participants; Make the renovated university stadium known as the new home of sport. Motivation & Vision Present the university sports facilities to all students as this will help them be active during the Covid-19 pandemic. Domain Healthy Campus management Criteria #28 The university proposes a minimum number of free of charge activities or at an affordable price for each area of the Healthy Campus scope. Target & Stakeholders University Students Time & Frame All year. Since September 2020, from 9am to 5 pm Team & Staff U.Porto Sport Center Keywords University Sport, Physical Activity, Good Health and Well-Being, Reduce Inequalities, University Students, Outdoor Activities, Free Use, Covid19. University Stadium, University of Porto. Ball in hand free use participants. Rectory University of Porto, Praça dos Leões, Porto. INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 35 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF COIMBRA website https://www.uc.pt/ contact https://www.uc.pt/healthycampusuc/ email filipa.godinho@uc.pt Name of the project Healthy Campus Multidisciplinary Team, Reports and Surveys Description The university uses monitoring and evaluation tools such as strategic plans and account reports. In the scope of health services, mental health and nutrition there is a focus on interviews and questionnaires and in the scope of physical activity and sport a platform and an APP is used for registration, monitoring and evaluation making the process simpler and more precise. In the scope of sustainability, we use specific tools that report the production of green energy and CO2 reduction per year. Evaluation The fact that we have a team focused on developing and monitoring the measures associated with the Healthy Campus, allows a faster and more efficient development of the plan outlined for the project, as well as the constant monitoring of actions. Lessons Learnt It is important to build a team with defined goals and a specific work plan to ensure the success of the project and for each implemented action define a monitoring methodology. Recommandations Involvement of Human Resources working on the fields of the Healthy Campus project and promote the identification and promote the constant search for new initiatives and innovative and attractive strategies based on the different target audiences. Main Goals Establish a long-term plan that envisions actions focused on the Healthy Campus scope. Promote SDG´s and the development of monitoring, evaluation and reporting tools. Motivation & Vision Promote the cohesion of the campus and academic community by keeping it more active and healthier. Promotes and develop methodologies that allow the monitoring of the participants, as well as the effect that results from the implemented actions. Domain All domains of Healthy Campus Criteria #30 The university monitors participation in the Healthy Campus and related programmes and activities. At least, participant numbers from the campus community in activities, organised events, workshops, conferences, seminars and/or trainings; how often they are carried out (frequency); number of internal and external stakeholders involved. Target & Stakeholders Academic Community Time & Frame Throughout the academic year September - June Team & Staff UC Multidisciplinary Team Keywords Multidisciplinary team, monitor- ing, strategy, implementation and improvement of measures Strategic and Action Plan 2020-2022 Areas of operation Activity carried out under the project action plan INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 36 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee Name of the project Feedback as resource for planning Description The satisfaction of first year students, graduates, and staff is assessed regularly. We conducted a survey on some of the Healthy Campus topics in spring and used the responses and comments as the basis for improvements and actions in autumn. Evaluation About 10% of students and 20% of staff responded to the survey. Useful information from feedback – popular topics and campaigns to continue with, new ideas. From feedback to action – 1 article in EASS journal, at least 4 new projects or activities. Lessons Learnt If you plan collecting feedback regularly, and share the results afterwards, it is easier to make decisions about future steps. Recommandations Involve management. Asking for the community´s opinions and ideas provides you with the feedback that helps you to explain what changes have been made and what activities have been organised. Main Goals Collect feedback and put it into use to allow the community benefit most from Healthy Campus programme. Motivation & Vision Our regular feedback system provides some understanding about the community´s reception of HC but we wanted to add specific questions and ask for their opinion. Feedback is used as the source of ideas for changes and new actions. Domain Healthy Campus management Criteria #31 The university evaluates the satisfaction of the campus community regarding the Healthy Campus approach and responds to the suggestions or remarks. Target & Stakeholders University community Time & Frame At the end of the academic year or after activities Team & Staff The Department of Education, the leaders of HC programme Keywords Physical activity and well-being, Involvement, Feedback, Ideas New leisure opportunities in the EASS park Estonian top athlete’s nutrition lecture Training with top athlete who is student of EASS INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 37 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact kcl.ac.uk/sport email kingssport@kcl.ac.uk Name of the project King’s College London| King’s Sport | Quest Accreditation Description Quest is a UK quality scheme for sport and leisure. It continues to be the Sport England recommended Continuous Improvement Tool for facilities and sports development teams, to measure how effective organisations are at providing customer service. Evaluation This year, King’s received ‘Excellent’ for their recovery to COVID 19 - putting us at the top of the bandings. Each year, an auditor will visit the facilities to re-assess the experience and future direction of the department. Lessons Learnt In future, we will be looking to undertake the 2day assessment, which combines a number of other industry accreditations. Additionally, we will be looking at international best practice to continuously improve. Recommandations The initial assessment can be quite daunting, however, to implement a culture of continuous improvement, the initial audits provide a basis to start from and begin working towards your desired banding of accreditation. Main Goals Aimed at comparing across the sector in the UK, there are a number of bandings that serve as best practice, with audits covering: Customer Service Excellence, Compliance. Motivation & Vision Our aim is to deliver trusted, responsive and reliable services that enable the King’s community to make the world a better place. Quest enables us to provide world class facilities with inclusive environments at an exceptional institution. Domain Healthy Campus management Criteria #32 The university is involved in at least one national or international networks of universities that propose benchmarking tools to evaluate their own functioning and compare it to others. Target & Stakeholders Student, Staff and Local Community Time & Frame Annual audits, usually held in the Summer Team & Staff King’s Sport, Estates & Facilities, Quest Keywords Audit, Health & Safety, Customer Experience, Compliance, Facility Management Quest Accreditation King’s Sport - Strand Gym King’s Sport - Honour Oak Park INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 38 Physical activity and sport INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 39 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website https://www.ipleiria.pt/ contact pafe@ipleiria.pt & desporto@ipleiria.pt Name of the project PAFE® - Programa de Atividade Física para estudantes do Politécnico de Leiria (Physical Activity Programme for Polytechnic of Leiria Students) Description PAFE® - Physical Activity Programme for Students of the Polytechnic of Leiria is a programme based on exercise and physical activity. It offers structured physical activity on a daily basis to all Polytechnic of Leiria’s students. Evaluation The evaluation is frankly positive. The quantitative assessment is also positive, with all of its regular participants improving their Physical Fitness. With the restrictions associated with COVID-19, there was a slight decrease in participants. Lessons Learnt Physical Activity is a powerful tool for achieving better health and quality of life. An active lifestyle is associated with improvements in academic achievements. Recommandations The communication with the students must be improved, so that PAFE® can have more participants. The importance of an active lifestyle should be more valued by students, teachers and employees of the Polytechnic of Leiria. Main Goals Its objectives are: 1 - to increase and maintain students’ physical activity levels, following recommendations of the WHO and 2 - to provide students with the occupation of leisure time, through the practice of regular structured physical activity. Motivation & Vision PAFE® aims to respond to an unfortunately increasingly common problem in society: sedentary lifestyle. Domain Physical activity and sport Criteria #34 The university proposes physical activity and sport programmes that consider the specific needs and characteristics of the campus community. Target & Stakeholders Polytechnic of Leiria students Time & Frame All academic year, all working days Team & Staff PLeiria’s Social Services and ESECS’ Human Kinetics section Keywords Physical activity, Well-being, Health promotion, Students. Physical Activity Prog. for Students (PAFE) Poster PAFE’s disclosure on FB of Polytechnic of Leiria INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 40 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices PEKING UNIVERSITY website pku.edu.cn contact person he zhonghui email healthycampus@pku.edu.cn Name of the project Night Run Description Night Run happens on the May 4th Playground twice a week and lasts for an hour per time. Students run in the company of music coming from outdoor speakers. The playlists under specific themes are decided through online voting by students. This event is held around 40 times every year, with more than 1500 participants each time. In the fall semester of 2020, the number of participants reached 23811. Evaluation The evaluation is based on the number of participants in Night Run and extracurricular exercise. By choosing themes, picking playlists and managing activities on their own, Night Run, which emphasizes self-education, has made running on the playground a joint expectation for students and received positive responses from students. Lessons Learnt It is beneficial to provide students with opportunities to exercise regularly in a proper way through a well-organised activity. Recommandations Helping students develop the habit of physical exercise calls for regular, interesting and attractive activities organised by the sports department of the university. Night Run, which has been held for 6 years, has become a key event of PKU sports and will be carried into the future. Main Goals Attract students to participate in physical activities on their own initiative through abundant and active forms; Let students enjoy exercising; Make physical exercise a habit of them; Help them develop perseverance; Promote students’ health and well-being. Motivation & Vision Make interest the trigger for students to participate in physical activities more actively and enjoy sports. Domain Physical activity and sport Criteria #34 The university proposes physical activity and sport programmes that consider the specific needs and characteristics of the campus community. Target & Stakeholders University Students Time & Frame Tuesday and Thursday every semester. Since 2014, from 9 pm to 10 pm Team & Staff Department of PE, PKU Keywords University Sport, Physical Activity, Good Health and Well-being, Sustainable Cities and Communities, University Students, Outdoor Activities, Running May 4th Playground Night Run Night Run INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 41 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF WESTERN AUSTRALIA website https://www.uwa.edu.au/ Name of the project UWA Sport Inclusive Sport Framework Description At UWA Sport we want to contribute positively to our student’s journey by meeting their individual needs, pursuits and backgrounds. We are committed to providing everyone at UWA equality of opportunity, experience and outcome. Evaluation The framework has underpinned an increase in offering of services to priority populations. A number of sporting clubs have engaged in diversity and inclusion reviews. UWA Sport expectations of venue use by clubs has prioritised equity focus of groups. Lessons Learnt Clubs and students want to impact and achieve greater inclusion and diversity, the support to do so is welcomed when offered. Peer to Peer and co-design efforts have been most impactful. Dedicated resource is important. Recommandations A clear statement of intent and focus is important for tangible improvement and progress. Student engagement and ‘champions’ of inclusion and diversity bridge a gap for student groups. Third party collaboration amplifies both parties aims. Main Goals Our focus is on fostering an environment that welcomes, accepts, sees and embraces the diversity of our UWA community. The Inclusive Sport Framework focuses on advancing diversity and inclusivity in sport via long-term cultural change. Motivation & Vision Sport is an avenue whereby all individuals can come together to build social cohesion and improve their health and well- being. We foster an environment that welcomes, accepts and embraces the diversity of our community across all services. Domain Physical activity and sport Criteria #34 The The university proposes physical activity and sport programmes that consider the specific needs and characteristics of the campus community. Target & Stakeholders All students and participants in all services Time & Frame Ongoing Team & Staff UWA Sport, University Sporting Clubs, Student Life Keywords Inclusion Framework Community Mixed sport event of residential college students Our framework INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 42 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact kcl.ac.uk/sport email kingssport@kcl.ac.uk Name of the project King’s College London | King’s Sport | Delivery Plan Description The King’s Sport Delivery Plan is developed annually in pursuit of being the Most Active University in London. Putting our community at the heart of our decisions through co-creation, aligned to our University Vision to Make the World a Better Place. Evaluation We have seen growth in engagement to over 40% of our university community. Aligned to Sport England metrics, with over 65% deemed active. We also measure outcomes aligned to social and mental wellness and individual aspiration. Lessons Learnt Over the course of the implementation, we have continued to use business intelligence and insight as key drivers in the pursuit of our ambition. Being spread over 5 campuses in Central London, digital innovation has been pivotal in reducing barriers. Recommandations To set a clear and compelling direction for strategic growth, the guides all decision-making. Co-created with community, identifying ways to build sustainable programmes, services & facilities to improve the lives of those that take part in services. Main Goals Increase engagement in sport and physical activity. Deliver world class, transformative experiences & services. Support the university’s vision 2029 ambitions. Motivation & Vision To be the Most Active University in London by 2021 and Most Active Capital City by 2029 - delivered through reducing barriers to sport and physical activity in time, cost and location. Domain Physical activity and sport Criteria #35 The university shall determine its own vision, mission and values of physical activity and sport service. Target & Stakeholders Students, Staff and our Community Time & Frame Annually, with our ambition delivered from 2017 - 2021 Team & Staff King’s Sport Team Keywords Sport & Physical Activity, Well-being, Gyms, Sports Grounds, Digital Innovation, Removing Barriers The Great King’s Run King’s Sport Academy Launch Rave Run INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 43 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF DOHA FOR SCIENCE AND TECHNOLOGY website https://www.udst.edu.qa contact s&w - udst wellness@cna-qatar.edu.qa udst.edu.qa Name of the project Budget for Sport and Wellness Description S&W activities funded through two separate budgeting frameworks. A regular operating budget and a budget based on revenues generated by S&W which allows for flexibility in addressing operational needs and address inconsistencies of the marketplace. Evaluation The budget analysis is done weekly and monthly with updated forecasts. Anomalies are investigated to determine trends and patterns. Lessons Learnt The state funds the operations of S&W services to students. The cost of generating rental and service revenues is appropriately charged against those revenues and not included in the regular operating budget. Thereby providing required flexibility. Recommandations To engage community, facility and service resources can be a great driver. The lesson is that this does not have to impact current operations as revenues can be secured in non-traditional operating hours. A balanced approach works! Main Goals To maximize the resources available to operate S&W programming and to augment programming and offerings of student affairs and other University priorities also to maintain flexibility while ensuring sustainability of the S&W operation. Motivation & Vision To deal with the on-going operational expenses while utilizing the flexibility of the second budget to ensure sufficient human resources and to create student employment opportunities. Domain Physical activity and sport Criteria #36 The university shall provide a specific budget for physical activity and sport sector. Target & Stakeholders Students, Faculty/Staff, external community Time & Frame Annual Fiscal Team & Staff HR, Student Affairs, Finance and Facilities Keywords Yearly Budget, Revenue Generation, Alternate Strategies to mitigate budget demands Internal Sport Tournaments Community Events Sport Camps and Academies INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 44 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website https://www.ismai.pt/pt and https://www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt Name of the project Official social media Description All the activities and initiatives related to the Physical Activity and Sports field are posted on official social media. The main focus in terms of communication is the association with the image of Maiêutica Healthy Campus. Evaluation The association of the Fitness and Leisure Centre activities with the Healthy Campus brand allowed promoting the connection of these activities with the health field. In this way, more participants have started to integrate healthy activities. Lessons Learnt The physical and sporting activities can create the illusion that they are only for sportspeople or active people. This perception may inhibit non- active people from participating because they do not feel comfortable and capable. Recommandations Communicate in an inclusive language. Communicate the message that the activities are for everyone, not just sportspeople, and that they are tailored to everyone’s starting level. Main Goals Strengthen the Maiêutica Healthy Campus brand through the association of activities and initiatives in the physical activity and sports field. Motivation & Vision Our Fitness and Leisure Centre promotes numerous specific and systematic activities throughout the year. Through the association with the Maiêutica Healthy Campus brand, there is also a clear partnership with the area of health. Domain Physical activity and sport Criteria #37 The university shall establish a marketing plan for physical activity and sport. Target & Stakeholders Campus community and stakeholders Time & Frame Throughout the year Team & Staff Marketing, Fitness and Leisure Centre Keywords Communication Plan, Official social media UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA Post informing the opening of the Centre Post of an initiative for disabled students Post linking Physical Activity and Nutrition INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 45 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF SPLIT website https://www.unist.hr/en/ contact s&w - udst wellness@cna-qatar.edu.qa udst.edu.qa Name of the project Unist Health Days - First aid course Description The first aid course is organised for coaches and leaders of sports activities at the University. Through the course, participants learn the basics of first aid as well as the operation of an automatic defibrillator. Evaluation The course is designed for 25 participants, of which at least 15 are coaches and leaders of sports activities. Lessons Learnt Students learn to provide first aid to an injured person in external and/or internal bleeding, various types of injuries and wounds, bone and joint injuries, accidental conditions, and sudden-onset conditions. Recommandations As the number of users (students) of sports activities is constantly growing, it is necessary to increase awareness and knowledge of first aid. This will be achieved through several organised courses throughout the year. Main Goals The main goal is to increase health security in sports activities carried out at the University of Split. Motivation & Vision Raise public awareness of the importance of first aid knowledge and skills. Domain Physical activity and sport Criteria #39 The university organises, at least once a year, a first aid course open to people practicing physical activity and sport, to related staff, coaches and trainers. Target & Stakeholders University Students, University coaches and leaders Time & Frame Once a year Team & Staff Split University Sports Association, University of Split Keywords Good Health and Well-Being, Quality education, First Aid, University Students, University coaches Campus - University of Split The first aid course The first aid course INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 46 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website https://www.unilu.ch/en/ contact person benedikt nann email benedikt.nann@unilu.ch Name of the project Combining Sports and Arts Description With the opening of the HSCL- Gym in 2020 we wanted to include as many students as possible. We launched a contest where the winner could realize their own graffiti on the wall of the gym. Evaluation We were able to use the time during the corona-lockdown, when the gym was closed. We got a lot of feedback and submissions for the contest, which showed us how interested the people were in projects like that. Lessons Learnt There are not only art students who are interested in projects like that. It’s important to create possibilities for everyone and advertise on different platforms. Recommandations Advertising on different platforms to reach as many people as possible. Not only concentrating on the art students. Calculating enough time for the interested to come up with a concept and realizing their vision. Main Goals Including students which are not interested in active sport and creating a platform where they can display their talent. Motivation & Vision The grafitti lightens up the room and creates a welcoming environment for everyone. Domain Physical activity and sport Criteria #40 The university shall have infrastructures for indoor sports. These facilities can be their own or shared with the municipality or clubs of the region. Target & Stakeholders Students, Employees, Alumi Time & Frame All year round Team & Staff Multiple different facilities in and around Lucerne Keywords University Sports, indoor Activities, Gym, more Opportunities UNIVERSITY OF LUCERNE New HSCL-Gym The finished graffiti in the gym INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 47 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices TRINITY COLLEGE DUBLIN website https://www.tcd.ie contact https://www.tcd.ie/sport/ Name of the project Outdoor facilities Description Trinity Sport has many outdoor facilities such as the on campus grass pitches for hockey, soccer and rugby. There is a grass running track, a croquet lawn and all weather tennis. We have off site facilities and a boathouse. Evaluation Low participation this year. Lessons Learnt To recognize emergencies situations such as heart attack, to manage the situation (call the emergency services, to give cardiac massage and use of AED. Recommandations To keep this annual training and to render mandatory training for the newcomers. The AED is present in each sporting facility. Main Goals Our main goals are to promote physical activity to all staff and students. This includes participants from the elite to the participation programmes. Motivation & Vision Present the best facilities to all staff and students. Be able to rent out our outdoor facilities when not in use. Domain Physical activity and sport Criteria #41 The university shall have infrastructures for outdoor sports. These facilities can be their own or shared with the municipality or clubs of the region. Target & Stakeholders Staff, Students, alumni and external stakeholders Time & Frame All year round Team & Staff Trinity Sport and grounds staff Keywords Sports Facilities, Outdoor, Sports Grounds, Outdoor facilities. Boathouse, Islandbridge Trinity College Rugby Pitch College Park home to Soccer, Hockey and Athletics INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 48 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF MINHO website https://www.uminho.pt/pt contact ddc@sas.uminho.pt email gabriel@sas.uminho.pt Name of the project Cat on the beach (Gata na Praia) Description The University of Minho organise every spring break time a beach camp festival. Every day, there is a team´s sport competitions between teams composed by 4 men’s and 4 women, in parallel they run a series of traditional and popular games. At the start of each day of sports activities there is a warm up with musical choreography with stretching session. Evaluation Most of the students repeat this experience throughout their academic life. The participants get a questionnaire at the end of the activity about their satisfaction. Lessons Learnt It´s the perfect environment to promote different experiences, practicing new sports in different environment, creation of new friendships and getting a life time experience. Recommandations A good and comprehensive planning process; knowing very well the place where the activity will happen; Engage a large and experienced staff with a good background in sports. Main Goals This initiative was developed to promote sport and the academic spirit and gender equity. All activities are done in group and outdoor environment, this programme promotes social cooperation and sports development. Motivation & Vision To promote sport and the academic spirit, with activities in a group and in a place outside the academy. Every year we have to promote new sports, to create new experiences. Domain Physical activity and sport Criteria #41 The university shall have infrastructures for outdoor sports. These facilities can be their own or shared with the municipality or clubs of the region Target & Stakeholders Students of University of Minho Time & Frame One week during Spring Break Team & Staff Sports Services and Students Union; Local municipality Keywords Beach Sports, Social Activities, Informal Competition, Spring Breaks Final Day Group Photo Warm Up before Sports Activities Beach Sports Activities INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 49 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee Name of the project Notice, report, and fix Description The EASS students have constant access to the academy’s sports facilities, and they need to follow safety rules and report about misfunctions. There is an information flow line how problems are reported and fixed. Evaluation We receive reports about problems and inquiries concerning the purchase of new equipment about once a month. The reported problems have been discussed among administration on the same or the next workday. The time for solving the problems has ranged from 1 day to 3 months. Lessons Learnt Besides solving reported problems, regular check (once a month) of facilities and machines by members of staff is necessary. For special equipment, service agreements and maintenance twice a year helps to maintain the safety of the machines. Recommandations Inform students that they must report about problems. Solutions can be made according to risks and costs of solving the problems. If necessary, danger signs shall be displayed. Cost of service and replacement parts should be planned in budget. Main Goals Users of the sports facilities feel that it is important to keep facilities and machines safe for themselves and other users. Administration helps to repair faults and solve problems. Motivation & Vision We can all help to maintain the best conditions for physical activity and sport in university. Domain Physical activity and sport Criteria #43 The university ensures the security of its sports facilities. Target & Stakeholders Users of university’s sports facili- ties Time & Frame Regularly Team & Staff Staff of EASS sports centre and administration centre Keywords Sport facilities, Security ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES Regular check of machines is necessary Rules of usage of the EASS gym Safety rules avoid misusing of equipment INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 50 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices AUTONOMOUS UNIVERSITY OF BARCELONA website https://www.tcd.ie contact https://www.tcd.ie/sport/ Name of the project Healthy and sustainable Campus activities on the central axis Description Activities: Initiation to Taichi, Initiation to Zumba (aerobic activity with musical support), Initiation to Yoga, Initiation to Kombat (aerobic activity with musical support). Evaluation Initial and final satisfaction survey of the participants. Final report from teachers. Adhesion register. Lessons Learnt The health and well-being benefits of education in the nearby natural environment. Holistic effect of outdoor learning. Different experimentation with the human senses. Improvement of the social skills of the students. Commitment to nature. Recommandations Temporal activities with good weather. Find direct communication channels with the community. Promote “peer- to-peer” activities. Main Goals Promote an active lifestyle. Promote the practice of physical activity and the socialization of class groups and others. Energize the central axis and the nearby natural environment → cut to the circulation of vehicles. Motivation & Vision Take advantage of the opportunities posed by outdoor activities around the campus. Promote shared activities between teachers, students and PAS staff. Domain Physical activity and sport Criteria #44 The university facilitates access and removes potential barriers to accessing sports facilities. Target & Stakeholders whole community: students, PAS and PDI Time & Frame From October to December and from February to May. Every Tuesday, Wednesday and Thursday from 2:15 p.m. to 3:15 p.m. Team & Staff Trinity Sport and grounds staff Keywords Healthy activities, outdoors, free, without registration INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 51 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website https://www.wit.ie/ contact social media platforms: @witvikingssport @witarena Name of the project Try WIT Vikings Physical Activity & Sport Description Together with the WIT Arena, one of the main objectives for WIT Vikings Sport is to facilitate access and remove potential barriers to accessing our sports facilities, thus ensuring ease of access to all. Evaluation Positive impact. Regular reviews and audits conducted in order to ensure all our operations for the above are to the highest standard and cover all areas. Lessons Learnt It is critical to provide individuals with the freedom to make decisions without being constrained by rigorous timetables and stringent restrictions for recreational sporting activity. Recommandations Execute a successful promotional campaign. This activity was created for a limited time period, but because it was a success, it will be repeated in the future, taking advantage of occasions when indoor and outdoor sporting facilities are less used. Main Goals At WIT Vikings Sport we aim to create an inclusive environment that helps to enhance the quality of life to all students and staff, along with the wider community through increased physical health and well-being. Motivation & Vision For all students to be informed of the university’s sports facilities, since this will encourage them to be active during their college years. Domain Physical activity and sport Criteria #44 The university facilitates access and removes potential barriers to accessing sports facilities. Target & Stakeholders Students Time & Frame All Year Team & Staff WIT Vikings & WIT Arena Keywords Sport, Physical Activity, Health and Well-being, Reduce Inequalities, Outdoor Activities, Free WATERFORD INSTITUTE OF TECHNOLOGY Free Shuttle Bus Try Olympic Weightlifting Sport Open Days INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 52 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Sport and Wellness Booking Website Description Sport and Wellness operate a fully integrated customized scheduling and booking system. Find below overview of full system capabilities including flow charts for facility rentals and service registration. https:// falconsport.cna-qatar.com/ Evaluation The booking system’s two most important characteristics are its consistent-seamless performance and its ability to engage a wide variety of user groups whilst aligning with the universities policies and procedures. Lessons Learnt The booking system makes it much easier to manage the facilities. It indicates the busiest times and the most popular facilities on campus, enabling the most effective use of the facilities to meet the demands of the campus and the greater community. Recommandations S&W has been able to effectively monitor facility utilization, increase everyday operation, and improve recording and tracking capabilities while maintaining user safety and security because to the booking system. Main Goals To allow smooth functioning of the S&W facilities at UDST. To record and track facility usage trends to provide better support to the campus and the local community. Motivation & Vision To facilitate smooth access for all user groups for S&W facilities and Services without impacting the existing services and supports to students. Domain Physical activity and sport Criteria #45 The university shall use adequate tools to manage the booking of sports facilities and to evaluate their use. Target & Stakeholders Students, Faculty/Staff, Public community Time & Frame Since 2019 Team & Staff Sport and Wellness Keywords Sports Facilities, Bookings, Website UNIVERSITY OF DOHA FOR SCIENCE AND TECHNOLOGY website https://www.udst.edu.qa contact s&w - udst wellness@cna-qatar.edu.qa udst.edu.qa Booking website dashboard Log in page of the booking website Booking confirmation page INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 53 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website pimunn.ru contact person bocharin ivan vladimirovich email bocharin.ivan@mail.ru Name of the project Psychological monitoring and functional profiling of students of Privolzhsky Research Medical University as a determination of the optimal exercise regime Description This project is aimed at determining the optimal physical activity of students by monitoring their personal situation, studying the level of functional reserves of the body, as well as teaching the basics of pilates. Evaluation Psychological questionnaires, functional testing with the determination of more than 180 physiological parameters have been developed and implemented, 1 direction of physical activity has been introduced. Lessons Learnt These activities are necessary to identify students who need correction of physical activity. They should be implemented not only at the beginning, but also in the middle of the academic year, after the winter examination session. Recommandations Adapt the psychological questionnaire to maximize the assessment of the student’s psychological profile Timely adjust the level of physical activity for students Implement these activities at least once a academic year. Main Goals To assess the psychological state of students with the help of a specially designed questionnaire. To investigate physiological parameters using hardware and software equipment Introduction of a three-stage method of training using the Pilates system. Motivation & Vision All students are engaged in the discipline “physical culture”. However, it is necessary to take into account the psychophysiological characteristics of each student for an individual approach to the implementation of physical activity. Domain Physical activity and sport Criteria #46 The university offers activities and/or events that allow the campus community to conduct an evaluation of an individual’s personal situation in terms of physical activity participation. Target & Stakeholders All students of the university Time & Frame Every year, at the beginning of each academic year Team & Staff Employees of the Department of Physical Culture and Sports, employees of the Institute of Clinical Psychology Keywords Psychological adaptation, functional testing, physical activity, monitoring, pilates PRIVOLZHSKY RESEARCH MEDICAL UNIVERSITY Monitoring of the student’s personal situation Functional testing using hardware and software Teaching students the pilates system INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 54 Healthy Campus Healthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Gender Equality Plan (GEP) Promoting gender balance and inclusion in dual career programme Description The University promotes a Dual Career programme for students- athletes. The participation of female and paralympic athletes is encouraged. The sport committee shall guarantee equal opportunities in the selection phase. The equality committee supports the action and evaluates the results. Evaluation The GEP sets objectives and actions for gender equality. This specific action is related to sport activities and the dual career programme. The annual report describes progress along the path set by the project. Lessons Learnt We believe that an independent committee working in the equality perspective and a GEP specifically devoted to gender parity may be powerful tools to increase female and paralympic participation to dual career programme. Recommandations Establish an independent body and set specific goals and actions for gender equality and inclusion. Apply this perspective in the top athletes supporting programme. Main Goals The Equality Committee’s and the GEP design specific actions in order to promote well-being and prevent discrimination in all dimensions of the academical life. Sport activities are designed to improve inclusion and participation for all members of the community. Motivation & Vision The committee promotes measures designed to prevent and fight all forms of discrimination. The University aims at achieving a sustainable and inclusive community characterized by equal opportunities. Domain Physical activity and sport Criteria #47 The university supports or organises programmes for gender equality promotion in physical activity and sport. Target & Stakeholders Female and disabled students’ athletes Time & Frame Annual report (March). GEP every 4 years (21-24) Team & Staff Sport Committe, Equality Committee Keywords Equal opportunity, dual career UNIVERSITY OF MILANO-BICOCCA website https://en.unimib.it/ contact comitatounicogaranzia@unimib.it GEP 21-24 Presentation Keywords INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 55 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices website http://eng.rudn.ru/ contact person aleksandr bychkov email bychkov-aa@rudn.ru Name of the project Training course of physical culture Description Classes are aimed at meeting the students’ needs by doing sports regularly, communicating. The study groups consist of girls and boys. Over 6,000 students from more than 150 countries are involved in physical activity. Evaluation Psychological questionnaires, functional testing with the determination of more than 180 physiological parameters have been developed and implemented, 1 direction of physical activity has been introduced. Lessons Learnt The interests of both sexes should be considered when expanding the types of physical activity under the programme implementation. It is necessary to adapt the programmes to the physical abilities and capacities of boys and girls. Recommandations Developing the physical education methods and means used in terms of quality considering the peculiarities of students’ physiological development. Testing new types of physical activity in small mixed focus groups of students from different countries. Main Goals Regularly expanding the types of physical activity (programmes under the current implementation: basketball, badminton, volleyball, football, athletics, aerobics) considering the interests of students of both sexes. Promoting the values of gender equality in physical education and sports is required. Motivation & Vision Friendly communication of students, mutual assistance in mastering the types of physical activity. Development of communication skills, removing bars in communication of both sexes. Obtaining new motor skills and skills inherent in certain sports. Domain Physical activity and sport Criteria #47 The university supports or organises programmes for gender equality promotion in physical activity and sport. Target & Stakeholders Students of both sexes, different countries, teaching staff Time & Frame The events are held annually Team & Staff Sport team Keywords Students, physical activity teachers RUDN UNIVERSITY (PEOPLES’ FRIENDSHIP UNIVERSITY OF RUSSIA) INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 56 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Project for people with musculoskeletal disorders (MSD) Description Organisation of sports training in sitting volleyball for persons with a lesion of the MSD, with the participation of university students. Performance of the team “Alga” at competitions. In 2020, 3rd place in the Russian Championship. Evaluation Number of participants 50 Ranked in the Russian Championship Publication in the media and social networks. Lessons Learnt The method of sports training sitting volleyball for people with musculoskeletal system damage. Scientific data on improving the mental and physical condition of disabled athletes. Professional competencies of sitting volleyball coaches. Recommandations To implement the project an advertising company to motivate the disabled, an accessible environment at the university, volleyball coaches, financial support for the purchase of special equipment, uniforms, athletes going to competitions. Main Goals Physical rehabilitation and social integration of disabled people. Development of adaptive sports. Formation of professional competence of students. Development of innovative methods of teaching disabled people. Motivation & Vision Participation in the Russian Championship. Obtaining a sports title (candidate Master of sports, Master of sports). Increasing the level of physical capabilities. Domain Physical activity and sport Criteria #48 The university supports or organises programmes of physical activity and sport for people with disabilities. Target & Stakeholders Athletes with disorders of the MSD, students, teachers Time & Frame Since 2018 - annually Team & Staff Manager, team coach, students Keywords disabled people, sitting volleyball, physical rehabilitation VOLGA REGION STATE UNIVERSITY OF PHYSICAL CULTURE, SPORT AND TOURISM website https://www.sportacadem.ru/ contact person galieva chulpan email afkibzh@mail.ru Team of Tatarstan “Alga” in sitting volleyball Team of Tatarstan “Alga” in sitting volleyball Practice in sitting volleyball INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 57 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project UC+Ativa, Try it, Walk and Run Group Description In these programmes it’s possible to experience a variety of activities according to the preferences, walk and run accompanied by specialized monitors and take the opportunity during breaks from work to stay active and improve their posture. Evaluation Very positive satisfaction from the participants and a high number of interested people. Lessons Learnt It should be one of the premises of educational institutions to make available to their community activities that meet their preferences. Recommandations Promote quality programmes. Main Goals To offer quality activities to the academic community, contributing to the formation of more active, healthy people and consequently promoting their well-being. Motivation & Vision Contribute to a more cohesive, balanced and active academic community. Domain Physical activity and sport Criteria #49 The university supports or organises programmes of physical activity and sport for non-active people of the campus community. Target & Stakeholders Academic Community Time & Frame All year Team & Staff UC Sport Team Keywords be active, sport activities, improve posture and well-being UNIVERSITY OF COIMBRA website https://www.uc.pt/ contact healthycampus@uc.pt email filipa.godinho@uc.pt Try it Walk and Run Group Logo INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 58 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Reception Week/ Sports Week Description Every year, Iscte organises both the Reception Week and Sports Week for national and international new students in which we provide them with multiple and diverse sports activities such as surf workshops, caving tours, coasteering and trekking. Evaluation Positive impact. Both the Reception Week and the Sports Week have a high rate of participation and, overall, all students enjoy the activities in which they participate. Lessons Learnt It is important to create these types of opportunities not only to promote physical activity, but also because it is one of the easiest forms to create an environment for students to socialize. Recommandations The main obstacle is to be able to reach all students and let them know that these initiatives exist. Once they know, most of them are open to participate. Main Goals To promote physical activity among Iscte’s students and to create opportunities for students to socialize and meet one another. Motivation & Vision Give student’s easy access to opportunities for them to engage in physical activity and to socialize. Domain Physical activity and sport Criteria #50 The university organises programmes of physical activity and sport for the new students. Target & Stakeholders Students Time & Frame Every year Team & Staff Sports Unit, International Relations Unit, Students Association Keywords University, Sports, Students, Physical Activity, Exercise, Erasmus, International ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt Sports services presentation to new students Sports Week in Iscte’s main patio Reception Week - Trekking activity INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 59 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Internal Leagues Description The UJ internal leagues are organised for new and returning students who wish to participate in sport that classified as non- competitive or high-performance codes. The excelling students are then absorbed into the University’s formal team structures. Evaluation Internal leagues have had a positive impact in terms of improving the quality of residence life for students. Students make friendships through the leagues as many of them are mixed with new students in the residences and the teams. Lessons Learnt Internal leagues are not only important for an active student life, but also good for relationship building and scouting new talent. Recommandations The internal leagues programme should be marketed and publicised to the entire student population at the First-Year- Seminar at the beginning of each year. This is important because everyone gets to hear about it and can join a team. Main Goals To introduce a residence culture that values an active lifestyle, to recruit new players for the formal teams, to complement the academic schedule with a recreational student ethos. Motivation & Vision Internal leagues are very important for keeping a healthy and active student population. Some students may not be initially recruited into the formal teams, but through the residence leagues team managers and coaches notice their talent. Domain Physical activity and sport Criteria #50 The university organises programmes of physical activity and sport for the new students. Target & Stakeholders Residence students, Student Affairs, Day Houses Time & Frame February to October Team & Staff Residences, Sports Clubs, Club Managers, Residence Managers Keywords Student recreational activities, competitions, healthy residence life, sport for new students UNIVERSITY OF JOHANNESBURG website www.uj.ac.za contact person joel kgokong email joelk@uj.ac.za Basketball Women’s Team Basketball Men’s Team UJ International Student Festival INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 60 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Unisport Introduction StartWeek (Freshers week) Description In the StartWeek the Sports department introduces themselves in a presentation and sports clubs are introduced at the club fair. All new students see the Unisport facilities on the mandatory campus tour. Introduction sessions for the Gym are offered. Evaluation Promoting the Unisport to new students in the first week enables students who may not have been aware of the extensive sports facilities and activities to try them out. However, this is hardly needed, as 98% of students at the University do sports. Lessons Learnt By offering multiple (of the mandatory) gym introduction sessions in the StartWeek and offering the course as an online self-study course, students can start using the facilities right away. Recommandations Use the presentations and events in the first week to promote the Unisport activities. Offer introduction courses in those first few weeks to ensure that new students feel comfortable and know how to use the sporting facilities. Main Goals The main goal of promoting the Unisport facilities and activities to all new students at the beginning of the semester is to encourage them to make use of the sports facilities and activities. Motivation & Vision By motivating students to take advantage of the sports opportunities offered, the Sports department tries to encourage a healthy and balanced environment and the well-being of the community members. Domain Physical activity and sport Criteria #50 The university organises pro- grammes of physical activity and sport for the new students. Target & Stakeholders New students Time & Frame First week of University for all new students Team & Staff University Sports department Keywords Unisport, Physical activity, Sports, StartWeek, University Students, New students, introduction UNIVERSITY OF ST.GALLEN website https://www.unisg.ch/ contact unisport Unisport teacher presenting the Sports department Introduction of the Unisport to new students Sign-ups for the Gym introduction course INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 61 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Games Day Description Baseball, volleyball, soccer, Go-moo-jul nori (hopping over an elastic band), Ttangttameokgi (a game expanding territories within the boundary of a square or a round game board drawn on a flat area of dirt). Evaluation International students who have never played traditional Korean games understood the instructions fairly well, and after each game, they wanted to repeat the games themselves to see if they remembered the rules correctly. Lessons Learnt Students are able to create new games and make creative adaptation to existing games through dialogue and interactions. Recommandations Prepare a written instruction in advance about the rules of each game and have students read them before they participate. Conduct a survey in advance if there is any traditional game international students would like to introduce to their friends. Main Goals Facilitate interaction between Korean students and international students through sports. Motivation & Vision Using sports to overcome difference and encourage dialogue so that students will learn to break down prejudice, stereotypes, cultural differences, intolerance, and discrimination. Domain Physical activity and sport Criteria #51 The university organise programmes of physical activity and sport for the international exchange students. Target & Stakeholders University students Time & Frame From mid September to early October Team & Staff Office of International Affairs Keywords Sports. Easy Instruction. Sports Spirit. Teamwork. Encouragement. Cultural Exchange. MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index..do contact website enter.mju.ac.kr – mju_inbound@mju.ac.kr Games Day Games Day Games Day INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 62 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Introduction to Fitness Trainings in different forms Description Fitness Training is one of elective subjects in EASS curricula. Together with the Physical Education classes and individual instructed workouts, this elective course helps students to master proper training techniques in the gym. Evaluation Fitness Training has been elected by students every time when offered; last semester, 36 students completed this course. Introductive gym trainings have been part of compulsory subjects in 3 colleges. Individual guided workouts are held once a year. Lessons Learnt Fitness training as elected subject is a good solution for students who don’t have compulsory Physical Education in their curriculum. Top level athletes are ready to share their skills and experience; even more – they value the teaching experience. Recommandations If you have a gym at the campus, ensure that guided introductions to strength training are available for these members of the community who are not familiar with it. Even a couple of workouts with instructors or athletes can help. Main Goals The main goal of various introductions to fitness exercises and training principles is to encourage our students to use the gym regularly to improve their physical skills and fitness. Motivation & Vision University time is loaded with mental effort and intellectual growth, but it is also important to create opportunities for students to build their physical strength. Without introduction and instruction, many new students are afraid to use the gym. Domain Physical activity and sport Criteria #52 The university provides physical activity and sport counselling to the campus community. Target & Stakeholders New cadets, Experienced athletes, instructors Time & Frame During the first semester of the academic year. Team & Staff The Department of Academic Affairs, Head of Sport, Athletes Keywords Physical Activity and Sport, Guidance, Fitness Training ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee Powerlifter Helena Veelmaa with co-students Top bodybuilder sharing experiences in EASS gym Fitness Training lecture in EASS gym INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 63 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Camps for prospective students Description EASS coordinates preliminary internal security studies in high schools and organises camps for these students. Volunteers from our colleges provide physical activities to participants (terrain games, physical tests, self- defence practices). Evaluation Approximately 400 prospective students from 14 high schools participate in camps every academic year. Lessons Learnt For those high school students who participated in camps, it was easier to choose EASS for their further studies and volunteers learned how to share experience through organised activities. Recommandations Joint sporting activities which you plan in the camp’s programme can serve as both, physical exercises, and an opportunity to share their knowledge and teach new skills in university specialties. Main Goals Camps for prospective students help to introduce our academy to them and offer couple of days full of physical activities and fun. Motivation & Vision It is important for prospective students to meet university students who were in the same position as them a few years ago, because university students can encourage the preparation for entrance tests and give useful advice. Domain Physical activity and sport Criteria #53 The university promotes its physical activities and sport to prospective students. Target & Stakeholders High Schools, Volunteers Time & Frame Couple of times during academic year Team & Staff The Centre for Continuing Education and volunteers Keywords Physical Activity and Sport, Prospective Students website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES Introduction of EASS to prospective students Camp activities for prospective students. Camp activities for prospective students. INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 64 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Special Conditions to alumni Description The Fitness and Leisure Centre promotes several physical activities for different target groups. Our alumni can participate with special conditions. Thus, we also promote generational continuity between new, current and former students. Evaluation At the end of the day, our sports facilities are frequented by a wide range of users representing different age groups, which promotes social and intergenerational contact. Lessons Learnt Participation in physical activities is more enduring over time if social contacts and close relationships are established between different users - students, members of the academic community and external stakeholders. Recommandations Communication through images of people or groups of different age groups. Investing in the monitoring of technicians who may themselves be students in professional training. Main Goals Keeping the bond between the Academy and the alumni. Promote contact and the provision of services to the whole local community, including alumni. Enable the professional and academic training for students. Motivation & Vision Promoting bonding through physical activities is important for generations of students. With intergenerational contact, physically active habits cross the different generations of students and members of the academic community. Domain Physical activity and sport Criteria #54 The university promotes its physical activities and sports to alumni of the university. Target & Stakeholders Alumni and Campus community Time & Frame All year Team & Staff Fitness and Leisure Centre Keywords Alumni, special conditions UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA website https://www.ismai.pt/pt and https://www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt Engaging communication Active + Programme - for academic community Fit + Programme - for stakeholders including alumni INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 65 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Centre of sports events Description RUDN University hosts the Russian Powerlifting Championship at its base, in which athletes of various ages from all over Russia take part, on the days of the competition, the doors of RUDN University are open to everyone to watch and cheer on the athletes. Evaluation Number of people doing sports at the RUDN University sports facilities on their own, number of sports competitions (events) hosted by RUDN University. Lessons Learnt When implementing events, it is necessary to consider the number of participants in the competition, number of spectators, medical care services. It is necessary to pay attention to arranging food outlets. One can learn how to organise various components of the processes of a large sports event. Recommandations Special attention should be paid to working with the audience, providing an entertainment programme during breaks, organising lounge areas and catering places, including optional entertaining mini-games or draw games. Main Goals Increasing the number of students and the local community doing sport at the RUDN University indoor and outdoor sports facilities on their own, increasing the number of sports events hosted by RUDN University. Motivation & Vision Opportunity to organise sport competitions which will be unforgettable in terms of entertainment and intensity of emotions for students and the local community. Receiving positive emotions and expanding partner sports ties. Domain Physical activity and sport Criteria #55 The university organises or collaborates with partners in the organisation of sports events open to the local community. Target & Stakeholders Athletes, students, local community, event organisers Time & Frame The events are held annually Team & Staff Sport department Keywords Athletes, students, local community website http://eng.rudn.ru/ contact person aleksandr bychkov email bychkov-aa@rudn.ru RUDN UNIVERSITY (PEOPLES’ FRIENDSHIP UNIVERSITY OF RUSSIA) Awards ceremony for the winners of the competition RUDN powerlifting team after Russian Powerlifting Championship INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 66 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Polysports Description Every year, throughout the spring semester, students from EPFL and UNIL gather by section/faculty to compete in about twenty different sports. Based on the principle of the Olympic Games, each medal won earns points for its section, and at the end of the tournament, the section with the most points wins the PolySports Cup! Evaluation Regular sessions with a numerical assessment at the end and the definition of new objectives for the next edition. Lessons Learnt Tournament is established over time and student teams in the committees are renewed. Fear at the beginning that students would be unreliable, that projects would fall through. Recommandations A structure like the sports department to supervise them and to have an eye on the finances and security is necessary. But otherwise, don’t be afraid! The students are amazing. Main Goals Creating moments of encounter through multi-sport tournaments. Sharing with other students. Provide opportunities for students to organise events. Motivation & Vision Super motivated students in the organising committee, They are not counting their hours. Lot of energy and ideas. Domain Physical activity and sport Criteria #56. The university organises sports competition within the university. Target & Stakeholders Students community Time & Frame During the spring semester Team & Staff 22 students volunteers +1 referent SSU Keywords 24 disciplines, 22 committee members all student volunteers, 6 days of presence at the sports centre, 1200 athletes at the sports centre, 400 registrations for the 20km of Lausanne UNIVERSITY OF LAUSANNE website https://polysports.pese.ch/ contact person reto ineichen email reto.ineichen@unil.ch Volley tournament in Dorigny Volley tournament in Dorigny Polysports Poster INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 67 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices UNIVERSITY OF MINHO website https://www.uminho.pt/pt contact ddc@sas.uminho.pt email gabriel@sas.uminho.pt Name of the project European Universities Futsal Championship 2019 Description An organisation attributed by EUSA to FADU, in partnership with UMinho and AAUMinho, which provides for the involvement of 40 teams - around 500 participants and 250 staff and volunteers - with 3 sports halls planned for the competition. Evaluation A satisfaction survey was held to all participating teams during the competition. EUSA, as the regulatory body for university competitions in Europe, collects information to produce a final report to be delivered to the local organisation. Lessons Learnt Improves the internal knowledge over the organisation and perception of organisational realities in other countries; Development of human resources skills interacting with different cultures that are put in to practice daily with foreign students. Recommandations Develop sports policies aligned with international sports federations and implemented at the University level; Foster good relations between the University and local clubs, local Associations and National Sports Federations; Encourage a positive relationship with City Hall and national higher- educational institutions. Main Goals Provide university students/ athletes with new experiences at a highly competitive level; Develop/promote the sport at the local level; Promote the University and the organising city brand image. Motivation & Vision To cement the image of the University of Minho as one of the most active Higher Education Institutions in terms of sports and dual career promotion, both at nationally and internationally level. Domain Physical activity and sport Criteria #58 The university organises and participates in the organisation of national or international sports events or championships Target & Stakeholders University students-athletes Time & Frame 6 to 8 days at the end of the academic year - 15 to 23 July Team & Staff UMinho, AAUMinho, FADU, FPF, Braga City Hall, IPDJ Keywords University Competition, European, UMinho, AAUMinho, EUSA, FADU Opening Ceremony at city historical center Competition at UMinho Sports Hall Delivery of medals and Closing Ceremony INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 68 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Dual Career Programme Description The programme provides flexible learning paths and exam dates, and administrative tutoring for student-athletes. Economic benefits (university fees exemption, scholarships) for students highly deserving for study, sport, and economic situations. Evaluation Positive impact, despite UNITO Dual Career Programme just started in this academic year (2021-21). Seventy-two students have already joined the initiative. A progressive dissemination of this project will surely enlarge the number of participants. Lessons Learnt All UNITO student-athletes appreciated this initiative, recognizing it as useful for their dual career, and also confirming what emerged in preliminary investigations on the same UNITO student category (Lupo et al., 2017a,b; Brustio et al., 2020a,b). Recommandations The UNITO Dual Career Programme should be progressively appreciated, also through the direct participants’ experience of this initiative first year and a well-defined institutional webpage. Main Goals The programme aims at promoting the combination of sport and educational careers of students enrolled in UNITO educational courses, by means of a more adaptable university path in terms of time and place flexibility. Motivation & Vision To offer the availability of more- adequate-to-student-athletes educational paths (time/place flexible), which can guarantee an equal-to-other-students university preparation, in line with the EU political vision. Domain Physical activity and sport Criteria #60 The university offers a dual career programme. Target & Stakeholders All students-athletes competing at high competition levels. Time & Frame The programme shall place all year long from acceptance date. Team & Staff UNITO teachers and administrative, Turin University Sport Centre, and UniCredit Keywords Education, sport career, student-athletes, e-learning, e-tutoring, educational schedule flexibility website https://en.unito.it/ contact dualcareer@unito.it email alberto.rainoldi@unito.it UNIVERSITY OF TURIN Student-Athletes Awards Ceremony Student-Athletes Awards Ceremony Academic Ceremony-Dual Career Student C. Gilli INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 69 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Road to success Description The university provides a solid foundation for a future career. Students have the opportunity to engage in professional sports, at the same time receive higher education. The individual educational schedule is provided for high-class athletes. Evaluation Thanks to the implementation of this project, the number of applicants and high-class student-athletes has increased. Lessons Learnt Control the learning process according to the individual training schedule. And also to give the student, who is engaged in physical culture and sports, the opportunity in the future to be selected in the sport of the highest achievements. Recommandations The presence of sports titles and ranks among applicants provides additional points in the entrance examinations. Rational allocation of time for sports and study by students makes it possible to get an education, build a professional sports career. Main Goals To attract high-class athletes to study at the university, in order to obtain higher education along with a professional career. The possibility of receiving increased scholarships. Motivation & Vision The opportunity to study without interrupting sports activities. The possibility of receiving an increased scholarship when achieving sports results. Domain Physical activity and sport Criteria #60 The university offers a dual career programme. Target & Stakeholders high-class athletes, sports clubs Time & Frame annually Team & Staff Department of Sports Work, Educational Department Keywords Education, elite sports VOLGA REGION STATE UNIVERSITY OF PHYSICAL CULTURE, SPORT AND TOURISM website https://www.sportacadem.ru/ contact person a. mironov mironof2013@yandex.ru email info@sportacadem.ru Krasnykh Alexander - 2020 Olympic Games medalist Students - medalists of the 2020 Olympic Games Students are winners of all-Russian competitions INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 70 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Campus Volunteers Description Volunteering plays an important role on our Campus and Healthy Campus team, as well as in our specific Strategic Plan. Growing civic awareness and the importance of being helpful without financial reward are valued. Evaluation With the creation of the Volunteers Corps, it was possible to increase the quality of our initiatives and activities and thus create conditions for greater impact. Lessons Learnt Volunteers’ quality is more important than their quantity. Invest in good basic training for volunteers and event-specific training. There should be a clear assumption of responsibilities between volunteers and the event organisation. Recommandations Create a communication campaign for potential volunteers. Identify volunteers with the right profile, skills and values for each event. Promote general and specific training of volunteers. Main Goals To identify individuals with the appropriate conditions, skills and values to integrate our events as volunteers. Create a corporate image associated with Healthy Campus that can distinguish regular students from a volunteer. Motivation & Vision The Volunteers Corps plays a crucial role in our team and in our ability to execute the specific Strategic Plan. We must call for their integration, training and appreciation so that they feel an integrated part of the organisation of events. Domain Physical activity and sport Criteria #61 The university develops volunteer programmes to support events and sports activities. Target & Stakeholders Students and Campus staff Time & Frame All year Team & Staff Healthy Campus Team Keywords Volunteer, Volunteers Corps website https://www.ismai.pt/pt and https://www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA Volunteer in a self-defence workshop Volunteer at a Solidarity Campaign for Ukraine Volunteers in an inclusive event INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 71 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Outdoor Physical activity and sport Description Provision of several physical- sports activities to the UALG academic community, such as: walking tours, bicycle tours, nautical activities (surf, bodyboard, canoeing, stand up paddle, sailing) and climbing. Evaluation The evaluation is highly- rated and measured by the high number of activities and participants over the different school years. Lessons Learnt In today’s university context, as in society in general, it is imperative to find new ways, activities, and alternative spaces to facilitate the adoption of more active and healthy lifestyles for everyone. Recommandations Seek to take advantage of and make profitable the existence of natural spaces with optimal conditions for the practice of outdoor activities, whenever they exist, whether in the natural space associated with the Sea or on Land. Main Goals Take advantage of the existence of natural spaces with optimal conditions for the practice of outdoor activities. Promote the diversification of the offer of physical, sporting and leisure activities together with the UALG academic community. Motivation & Vision An academic community with more active and healthy lifestyles. Domain Physical activity and sport Criteria #63 The university offers outdoor activities (mountain, forest, river, beach, parks). Target & Stakeholders Academic Community Time & Frame All year Team & Staff Office of Sports and Partners Keywords Nature, Nautical Activities, Wellness UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact gabinete de desporto aaualg - desporto@aaualg.pt Regular classes wof Surf and Bodyboard Project «Todos a Pedalar» Projet Cycle of Walks INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 72 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Mind Body Boost an Erasmus Plus Funded Project Description The Mind Body Boost is an Erasmus+ funded project designed to encourage inclusivity and equality through sport. The project calls upon referrals from educational, health & sporting professionals to provide holistic support. Evaluation The evaluation process will use the data collected by the app specially developed for the project to assess how effective the intervention sessions were on the weekly mood and mental well-being of the participants. Lessons Learnt The project is dealing with a number of sensitive topics for the participants, and it is important to them to feel supported throughout the 6 weeks. This can be done through the interventions, app notifications, emails, sending of well-being resources. Recommandations Develop a best practice model, handbook and toolkit and intellectual outputs, to ensure that the project can be replicated and scaled up elsewhere in other institutions or organisations for the benefit of more European citizens. Main Goals To establish a European collaboration with the aim of improving the mental and physical well-being of young people in a university setting. To promote and foster social inclusion and equal access to sport for all. Motivation & Vision Mind Body Boost is an evidence- based intervention, devised to support young people in managing their mental and physical health. Domain Physical activity and sport Criteria #65 The university offers activities to promote the values of physical activity and sport activity to the campus community. Target & Stakeholders Students from Trinity College Dublin & 9 other Universities Time & Frame One 6 weeks intervention per semester (one session a week) Team & Staff Sport, counselling & psychology staff Keywords Mental Health, Well-being, Physical Activity, inclusivity TRINITY COLLEGE DUBLIN website www.tcd.ie contact https://www.mindbodyboost.eu/contact Mind Body Boost Counselling Mind Body Boost Exercise session Mind Body boost Instructor INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 73 Nutrition INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 74 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Trinity College Catering Description Trinity college catering runs eight outlets on campus: the Buttery Restaurant, Perch Café, East Dining Hall, Old Dining Hall, Westland Eats located in the Hamilton building, Forum Restaurant and Jolt Café in the business school, and Trinity 1592. Evaluation Staff and students are regularly surveyed to ensure Catering Services meet their needs. Initiatives are regularly trialled in response to feedback and implemented,e.g. No Chip Monday and negotiating a wider range of vegan sandwiches with our supplier. Lessons Learnt Regular evidence-based engagement with all stakeholders is key, e.g. when we engaged with a student project by waiving the surcharge for milk alternatives in tea/coffee and measured the impact on sales and consumer demand. Recommandations Generate more interactive content for social media. Engage in more projects that have long term visibility e.g. we recently engaged with the Healthy Trinity Committee to commission a student to paint a mural on seasonal fruits and vegetables. Main Goals The University has a full catering department that looks after all food and nutrition services. Motivation & Vision Across campus students, staff and visitors have a wide choice of restaurants and coffee shops to suit all tastes and budgets. All catering outlets on campus also accept payment by TCard! Domain Nutrition Criteria #67 The university shall name a person or a group of people (commission) responsible for food and nutrition services. Target & Stakeholders Staff, Students and visitors on campus Time & Frame Catering is open all year round, opening & closing times vary Team & Staff Trinity College Catering Team Keywords Catering, Nutrition, food, Restaurant TRINITY COLLEGE DUBLIN website https://www.tcd.ie/ contact www.tcd.ie/accommodation/college-catering/ Trinity College Dining Hall Trinity College Catering Team Trinity College Buttery Restaurant INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 75 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Campaigns for the reduction of food waste and promotion of healthy eating Description Implementation of measures to combat food waste. Reduce the consumption of salt, sugar, and fat in university restaurants. Promotion of campaigns that reinforce the adopted measures and make the community aware of the healthy eating. Evaluation Reducing food waste in university restaurants by half. Reducing the use of salt and sugar in food. Reducing the number of fried meals in university restaurants. Lessons Learnt Constant evaluation of the academic community’s eating patterns is important especially in the services provided. Recommandations Raise awareness in the academic community about the importance of adopting healthy eating behaviours and the risks of consuming products with a negative impact on health. Main Goals Empower the academic community on food waste issues by changing behaviours. Highlight the importance of healthy eating for health. Motivation & Vision Developing a more food- conscious and balanced community. Implementation of the strategic plan for Healthy Campus UC. Domain Nutrition Criteria #68 The university shall provide among others sustainable food and nutrition catering services and meals that are appropriate for the campus community. Target & Stakeholders University Community Time & Frame All year Team & Staff Catering Team, UC Sports Team Keywords Reduce food waste, raise awareness, healthy eating behaviour UNIVERSITY OF COIMBRA website https://www.uc.pt/ contact healthycampus@uc.pt email filipa.godinho@uc.pt National Television Interview about the campaign “Less = More” campaign “Did you know that...” campaign INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 76 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project First vegan/vegetarian cafeteria in a university of Switzerland Description Since the fall semester 2021 serves the cafeteria of the university of Lucerne mainly vegan and vegetarian meals. If you would like to add some sort of meat you pay a little extra. Evaluation A lot of students and employees reacted positive to the new concept of the cafeteria. It’s a good way of trying new foods. It’s a win-win situation in general because it’s more sparing on the environment and still has a reasonable price. Lessons Learnt After a couple of months, the cafeteria serves meat again. The switch to a meatless offer was a little too extreme for some people. They made the compromise, that if you want to add meat to your menu, you pay a little extra. The meat is solely swiss. Recommandations It’s important to offer food which everyone with different intolerances can enjoy. It also created a range of meals, which people with intolerances can enjoy as well. Main Goals Creating awareness on healthy and balanced nutrition. Reducing the environmental impact of the food production. Focusing on products from the region. Motivation & Vision It’s important to offer healthy and balanced food for students and employees who are mainly sitting and don’t get that much exercise during the whole day. Another goal was to minimize the imported foods by preferring local farms and vendors. Domain Nutrition Criteria #68 The university shall provide among others sustainable food and nutrition catering services and meals that are appropriate for the campus community. Target & Stakeholders Students, employees Time & Frame All year, since September 2021 Team & Staff Cooperative ZFV - Unternehmungen «Mensa 1574» Keywords vegan, vegetarian, something for everyone, healthy lifestyle, brain food, good for the environment UNIVERSITY OF LUCERNE website https://www.unilu.ch/en/ contact person ron preiser email info@zfv.ch Cafeteria in the university of Lucerne Daily salad buffet in the cafeteria INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 77 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project More Food Choices, More Nutrition Description Equipped with about 20 canteens on campus which cover a floor area of 64,000m2 with 10 thousand seats, the university offers ample food options of over 1000 kinds for the campus community, including Chinese cuisine, western food, regional cuisines, pastries, drinks, etc. The canteens also offer light meals with low fat, low sugar and low oil, vegetarian diets and iodized salt free foods. Evaluation Based on the number of people’s choices of different foods and drinks in the dining halls, the Center evaluates whether the catering services and meals are appropriate for the community, so as to maintain or adjust the arrangements and better meet the needs of students and staff. Lessons Learnt Meet the dietary needs of students and staff from different regions by providing expanded food range daily and live up to the healthy diet philosophy by serving sustainable food. Recommandations Continue to add variety to and increase the quantity of sustainable food in campus dining halls. Promote healthy diets and health education. Main Goals Offer the campus community diversified and nutritious foods and specially prepared foods. Motivation & Vision Meet the nutritional and health needs of different groups. Domain Nutrition Criteria #68 The university shall provide among others sustainable food and nutrition catering services and meals that are appropriate for the campus community. Target & Stakeholders Campus Community Time & Frame All year. Meal time. Team & Staff Catering Services Center, PKU Keywords Nutrition Catering Service, Zero Hunger, Good Health and Well-Being, Campus Community Ample Food Options Vegetarian Diets PEKING UNIVERSITY website pku.edu.cn contact person he zhonghui email healthycampus@pku.edu.cn INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 78 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Know what your food contains Description UDST cafeteria’s provide nutritional information including name, calories, total fat, saturated fat, polyunsaturated fat, monounsaturated fats, cholesterol, sodium, potassium, carbs, fibres, sugar, protein, and allergen information. Evaluation Quantity and type of food items sold each year is monitored and used as criteria in the evaluation. Anticipated implementation of the nutritional information labelling of food items when compared to this data will hopefully encourage better choices. Lessons Learnt The most important component of living a healthy lifestyle is having a good understanding of nutrition. Typically, students have difficulty selecting an appropriate meal. This approach assists students in making conscious eating choices. Recommandations Once established, on-going consideration as to how improvements and refinements to information dissemination and promotional platforms utilized. Recommended, augment this information with educational seminars and other related programming. Main Goals Create awareness of the composition of menu and offered ingredients and encourage campus community to make healthy choices. Motivation & Vision To enhance student awareness of nutrition related considerations and to support conscious, informed and healthy decisions about food choices. Individuals realize healthy choices are not necessarily more expensive or less nutritious or appealing. Domain Nutrition Criteria #69 The catering service of the university shall inform consumers of the ingredients and nutrients in the menus, especially regarding the most common allergies and intolerances. Target & Stakeholders Students, Faculty, Staff, Guests and Visitors on Campus Time & Frame All year Team & Staff Student Affairs, Facilities Management Keywords Nutrition, Food, Awareness, Education UNIVERSITY OF DOHA FOR SCIENCE AND TECHNOLOGY website www.udst.edu.qa contact s&s - udst wellness@cna-qatar.edu.qa / udst.edu.qa Nutritional information - Example 1 Nutritional information - Example 2 INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 79 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project King’s College London | King’s Food | Natasha’s Law & Cookbook Description As of October 2021, outlets in the UK were required to have full labelling of ingredients on all pre-packaged food. Over the last 12 months, we have worked in collaboration with areas of the University to provide nutritional information to customers. Evaluation We look to measure a number of key areas including revenue, average spend of users, our online engagement through newsletters and social media as well as increased sales of promotional products. Lessons Learnt Throughout this time, we have aimed to increased the amount of data captured in order to inform what works with our labelling and products, whilst standardising our brand, point of sale and signage in order to embed the King’s Food in our community. Recommandations Aim to join with College-wide programmes (Well-being Week, King’s Move rewards etc) and produce a calendar of activity around the academic year targeting the different customer user groups to meet their nutritional needs. Main Goals King’s Food aim to highlight local, healthy choices that are sustainable - with an ambition to increase customer loyalty and engagement. In doing this, we are able to meet the nutritional needs of a diverse customer base with exceptional service. Motivation & Vision Our mission is to feed the minds and bodies of those that aspire to change the world. Our services are conveniently located in all King’s buildings and provided at affordable, competitive pricing by knowledgeable and passionate staff. Domain Nutrition Criteria #69 The catering service of the university shall inform consumers of the ingredients and nutrients in the menus, especially regarding the most common allergies and intolerances. Target & Stakeholders Staff and Students of the University, External Guests Time & Frame Provided across the year, over 5 campuses in London Team & Staff King’s Food, Hospitality & Catering Keywords Food, Cooking, Ingredients, Allergies, Intolerances KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact instagram @kclfood kingsfood@kcl.ac.uk Example of labels used across King’s Food outlets King’s Food, King’s Kitchen, The Strand, London King’s Food, King’s Kitchen, The Strand, London INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 80 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Diet Description Iscte has several restaurants (and canteen) inside the campus, which provide diverse (one meat dish, one fish dish and one vegetarian dish) and complete menus at special prices for Iscte’s students and staff. Evaluation Extremely high participation by Iscte’s community, most of Iscte’s restaurants and canteen are full at lunch, during the afternoon and even at dinner (for night students). Lessons Learnt Now more than ever, it is key to present diverse, quality and affordable meal options as students and staff are increasingly opting for alternative types of diets. Recommandations In order to follow the best practices, the menus should include these nutritional values: http://www.sas. uminho.pt/uploads/Cantina_ Almo%C3%A7o_Mar%C3%A7o. pdf. Organise thematic days/ weeks regarding healthy dieting. Main Goals Provide healthy and diverse meal options at affordable prices for Iscte’s community. Motivation & Vision Both the diversity of food options and the fact that they are affordable for everyone, are important factors to promote the well-being of Iscte’s community. Additionally, we want to provide a healthier meal option than fast-food restaurants. Domain Nutrition Criteria #70 The catering service of the university offers healthy menus at affordable prices, at least one well-balanced menu at the same price or even cheaper than others. Target & Stakeholders Students and Staff Time & Frame All year Team & Staff Canteen and restaurants staff Keywords Students, Staff, Meal, Food, Healthy, Balanced, Menu, Inclusive website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON Iscte’s weekly menu Iscte’s Takeaway service INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 81 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy food for an affordable price Description The development of a basic balanced diet, agreed with the Russian Federal Service for the Supervision of Consumer Rights Protection and Human Welfare, for an affordable price with the possibility of adjusting it to the needs of the target group. Evaluation Formation of a food culture among students and university staff. The healthy and balanced diet provided by the University’s Nutrition Factory empowers students and staff to move away from fast food and opt for a healthy diet. Lessons Learnt To implement the project, it is necessary to develop a basic balanced diet, agreed by the Federal Service for Supervision of Consumer Rights Protection and Human Welfare. Recommandations Offer tasty and healthy food as an alternative to fast food for the adoption of healthy lifestyle students and the younger generation. Main Goals Developing a balanced diet for a specific age category, taking into account the characteristics, needs and taste and other preferences of the target group (children under 16, sports, vegetarian, vegan, Halal, lactose- free and gluten-free). Motivation & Vision Formation of knowledge about healthy and balanced nutrition, formation of healthy eating habits. Domain Nutrition Criteria #70 The catering service of the university offers healthy menus at affordable prices, at least one well-balanced menu at the same price or even cheaper than others. Target & Stakeholders Staff, students, participants of events held Time & Frame All year Team & Staff Food Factory staff Keywords Healthy food, Without genetically modified organism and conservatives VOLGA REGION STATE UNIVERSITY OF PHYSICAL CULTURE, SPORT AND TOURISM website https://www.sportacadem.ru/ contact person petr nikitin email sportacadem.kp@gmail.com Students at the University Cafe Balanced meals for student, athletes Balanced meals for student, athletes INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 82 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Free Drinking Water Stations Description The university provides free drinking water stations for its entire campus population. This is a basic necessity for all people in the University and the country. The water drinking stations are in the form of taps cooling water systems everywhere. Evaluation Water is important. Without water, our university will not be able to function well. We use water for many purposes: cleaning, washing, cooking, drinking, etc. The provision of cooling water systems for free has enabled people to save costs. Lessons Learnt Water is an integral part of human life. Providing free water drinking stations helps reduce costs for both staff and students. They do not have to buy water for consumption. The filter system has also improved the quality of water provided. Recommandations Each institution should provide free water to its staff, students and clients. The filter system is even better if bottled water cannot be provided. Main Goals To render basic services to campus communities. Water is a basic human right and a necessity for people. To create a healthy living, working environment. Motivation & Vision The provision of water services to the campus communities means that business can continue normal and without delays. Water is life and therefore its provision is necessary to all persons in the University premises. Domain Nutrition Criteria #71 Free drinking water stations are available on campus. Target & Stakeholders Staff and students Time & Frame Entire year Team & Staff Operations, Maintenance & Technical Services, Plumbers Keywords Water, free water, clean drinking water, water stations, campus water, water is life UNIVERSITY OF JOHANNESBURG website www.uj.ac.za contact person joe manyaka email jmanyaka@uj.ac.za Filtered drinking water station for offices Water taps available for use to everyone Taps installed in various campus locations INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 83 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Accessible water Description Murdoch University aims to provide access to fresh clean drinking water for students and staff across the campus. Evaluation In recent years health concerns especially with a global pandemic have seen the need to upgrade older drinking fountains to also include attachments able to fill water bottles. Lessons Learnt By providing access to both boiling and chilled water systems students have access to water to not only for drinking. Simple cooking and making tea, coffee, or other drinks becomes available to students. Recommandations Ensure an even distribution of systems throughout the campus grounds and buildings to avoid needing to travel too far to access water. Ensure free standing stations and kitchen facilities are of an accessible height for wheelchair users to access. Main Goals Provide access to clean drinking water in all buildings and at multiple outdoor areas. Provide both chilled and hot filtered water options for students and staff to access freely. Motivation & Vision Murdoch University strives to ensure all students and staff can readily access clean drinking water easily, and freely. Domain Nutrition Criteria #71 Free drinking water stations are available on campus. Target & Stakeholders University students and faculty Time & Frame All year Team & Staff Murdoch University Keywords Health & Well-Being, Student Care, Necessities MURDOCH UNIVERSITY website www.murdoch.edu.au/ contact active@murdoch.edu.au Kitchens provide boiling & chilled filtered water Filtered water bottle filling stations Map of campus H2O station distribution INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 84 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Fill it Up-Lets Stay Hydrated Description WIT Vikings and indeed the whole WIT community recognize the importance of drinking water for its many health benefits. In addition, we also are committed to the environment and know the problems that single use plastics are having. Evaluation Students and staff have embraced the concept and are actively encouraging others to join the initiative. The number of users, including those who have already registered for prior activities and new users, is used to evaluate the activity. Lessons Learnt It is vital to inform students and staff of the benefits of drinking water in an environmentally friendly way, thus providing the resources to avail of this opportunity is imperative. Recommandations An effective promotional effort and campaign is essential. Main Goals To keep students and staff hydrated in an environmentally friendly way by allowing them to fill their reusable bottles as many times throughout the day as they wish, while also being. Motivation & Vision For students and staff to stay hydrated in a way that is safe, clean and environmentally friendly. Domain Nutrition Criteria #71 Free drinking water stations are available on campus. Target & Stakeholders Institute Students & Staff Time & Frame All year Team & Staff WIT Novus Food and Beverage & WIT Vikings Keywords Health and Well-Being Benefits, Environmentally Friendly, Hydration, Reduce, Reuse, Refresh, Free website https://www.wit.ie/ contact instagram: witvikingsports witfood_on_campus WATERFORD INSTITUTE OF TECHNOLOGY Refill, reduce, refresh, do something good 1 of 23 water machines available in the Institute INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 85 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Nutritional Counseling Description UALG provides two nutritional / food counseling services, one only for its academic community, through the Health Services of SASUALG, and another for the entire population, under the responsibility of the DN department of ESSUALG. Evaluation The evaluation of the project is measured by the number of initiatives and events that address these themes, as well as by the number of food counseling consultations carried out by the two services. Lessons Learnt Adequate food consumption, both in quantity and quality, plays an important role in health promotion and disease prevention, helping to maintain and improve the health status of communities. Recommandations Healthy and appropriate food is essential for the growth, development, and maintenance of the human body to occur in an appropriate manner. Thinking about the promotion of healthy eating is also thinking about Welfare and Quality of Life. Main Goals Inform and empower the population to adopt healthy eating habits; Promote nutritionally healthy environments; Make the natural resources profitable, favoring the consumption of the national product; Put the Mediterranean Diet on the table. Motivation & Vision An informed and empowered Society for the adoption of balanced and healthy eating habits, so we can live longer, better, and in a more sustainable way. Domain Nutrition Criteria #72 The university provides nutrition counselling to the campus community. Target & Stakeholders UALG’s Academic Community and Surrounding Community Time & Frame Weekdays Team & Staff SASUALG and ESSUALG’s Department of Dietetics and Nutrition Keywords Mediterranean Diet, Food Health Literacy, Capacity Building, Healthy Eating UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact uaga - essualg@ualg.pt e sassaude@ualg.pt Nutritional Counselling SASUAlg Promotional Poster INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 86 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project SoGood Description Reorganise the campus canteen in order to induce healthy food choices and reduce food waste. A series of green footprints traced on the floor leads to the fruit and vegetable area. The healthiest foods were highlighted by “So Good” labels. Evaluation Choices are registered and data analysed before and after the nudging intervention. Lessons Learnt Based on our experience, nudging strategies are effective in promoting healthier food choices. Our analysis formed the basis for an ongoing research project. We plan to extend the pilot project to the whole campus bar and canteen services. Recommandations Use signs, guided tours and product highlighting, to gentle push users to healthier and more balanced food choices. Main Goals Investigate nutrition habits of the community and adopt nudging strategies in order to promote healthier and sustainable eating behaviour for people and planet. Motivation & Vision Educate the campus community to healthy lifestyle. The possibility of knowing what healthy foods is, what are the optimal food combinations and the correct portions should make people increasingly aware of the importance of correct food choices. Domain Nutrition Criteria #72 The university provides nutrition counselling to the campus community. Target & Stakeholders Students and employees Time & Frame Since 2019 Team & Staff Bicocca Sostenibile, BASE Committee, Sodexo Keywords Healthy food choice, sustainability UNIVERSITY OF MILANO-BICOCCA website https://en.unimib.it/ contact person paola palestini email bicocca.sostenibile@unimib.it Footprints in the campus canteen Nutrition information Healthy food choices INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 87 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Help you reach your nutrition to become a healthy athlete Description Myongji University Student- Athletic organisation hires a certified nutritionist to improve the nutrition and health of student athletes and their performance. Evaluation Student athletes are asked to assess their level of satisfaction with meals provided at the end of each semester, and the nutritionist makes adjustments in his/her menu planning based on these assessments/comments. Lessons Learnt To learn the importance of eating balanced meals. Recommandations We would like to promote this programme to middle and high schools in the neighbourhood so that they can learn the importance of eating balanced meals from early age. Main Goals To provide nutritionally balanced meals to student athletes. Motivation & Vision To teach the importance of eating balanced meals. Domain Nutrition Criteria #72 The university provides nutrition counselling to the campus community. Target & Stakeholders University athlete Time & Frame All year (since March, 1967) Team & Staff Myongji University Student-Athletic organisation Keywords University athlete, physical activity, well-being, balance, nutrition, performance, Covid-19 MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index.do contact website www.mju.ac.kr Bangmok Memorial Hall (Cafeteria) Bangmok Memorial Hall (Cafeteria) Weekly Menu & Allergy information INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 88 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Favoring swiss produce Description Since the new concept of the cafeteria, they foster Swiss and especially regional producers to deliver the cafeteria. Evaluation All the meats which are used in the cafeteria are from Switzerland. Fish always has the MSC-label and is organic. Vegetables and fruit is as good as possible from Switzerland and always in season according to the WWF-calendar. Lessons Learnt Eco friendly nutrition is getting more popular for the customer. More and more students and employees ask about the origin of the produce, especially of meats. The demand of fairtrade products grows. Recommandations Surveys help a lot on finding out what the costumers look for in a cafeteria. For example, was the cafeteria able to reduce food waste due to a survey and study, by adjusting the portion sizes. Main Goals Serving nutritious meals which are good for humans and the environment. Buying the ingredients from local farmers and companies. Bringing attention to the costumer on eco-friendly foods and reducing food waste. Motivation & Vision Reducing the environmental impact by buying mainly Swiss products. Even plant-based alternatives and tofu are Swiss made. Reducing air transported products. Preferring goods with fairtrade labels such as Max Havelaar coffee or MSC fish. Domain Nutrition Criteria #73 The university shall pursue strategies to minimise the environmental impact of food and nutrition catering services and meals. Target & Stakeholders Students and employees of the university Time & Frame Every day since September 2021 Team & Staff Cooperative ZFV - Unternehmungen «Mensa 1574» Keywords Swiss made, healthy, regional, farms, balanced nutrition, good for the climate website https://www.unilu.ch/en/ contact person ron preiser email info@zfv.ch UNIVERSITY OF LUCERNE INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 89 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Lifestyle Menu Description The lifestyle menu was introduced to reduce the environmental impact by offering affordable, seasonal and mainly vegetarian menus. Leftovers are sold at a reduced price and environmentally-friendly reusable containers are offered for take-away meals. Evaluation The Lifestyle menu has become quite popular and almost ⅓ of the menus consumed at the University are the daily lifestyle menus. The lifestyle menu is the second cheapest menu offered, which make them even more attractive to students. Lessons Learnt Seeing as the lifestyle menu was a student initiative and that these menus are so popular, it is evident that students and employees want healthier and sustainable options. Recommandations Offer vegetarian and locally sourced foods at an affordable price. Use Apps like “TooGoodToGo” to sell leftovers at a high discount to minimise waste. By offering reusable containers against a small deposit, disposable tableware can be avoided. Main Goals Reduce the environmental impact and offer healthy and sustainable choices. Motivation & Vision The University wants to be carbon neutral by 2030. Food is an important aspect of a sustainable campus. Sustainability is being improved by offering more regional and sustainably sourced products and by implementing measures to reduce food waste. Domain Nutrition Criteria #73 The university shall pursue strategies to minimise the environmental impact of food and nutrition catering services and meals. Target & Stakeholders Campus community, students, employees Time & Frame Daily since 2013 Team & Staff Cafeteria, Nutrition Commission, Climate solutions taskforce Keywords Sustainable food, healthy nutrition, balanced meals, sustainability UNIVERSITY OF ST.GALLEN website https://www.unisg.ch/ contact cafeteria, food services commission or unisport Lifestyle menu Cafeteria at the University of St.Gallen Poster to encourage balanced eating INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 90 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project « Frigo Partagé » ULB Description Distribution of unsold food to people in need, distribution of food baskets (paniers solidaires): foodstuff and hygiene products. Evaluation Positive impact, even more after Covid crisis: increase of student precariousness. Lessons Learnt Solidarity: to help people in need, and to reduce food waste. Recommandations To maintain this service and disseminate information. Main Goals Reduce food waste, offer to people in need fresh food and hygiene products. Motivation & Vision Too many students suffer of precariousness and are going hungry for lack of financials means, they skip meals. It’s important to help them and provide access to foodstuff. At the same time, it can allow to reduce food waste. Domain Nutrition Criteria #73 The university shall pursue strategies to minimise the environmental impact of food and nutrition catering services and meals. Target & Stakeholders University Community and external Community Time & Frame From Monday to Friday: lunch Tuesday evening: food baskets Team & Staff Collectifrécup’ Keywords Social assistance, nutrition, well-being, fight against food waste and precariousness UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Poster of food basket distribution Milk products Fresh food INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 91 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Rector’s decision on vending machine products Description Rectoral Decision nº216/2021 determines the specifications for the purchase and installation of vending machines and establishes the obligation to make healthy food available in each machine of the contract. Evaluation Considerably higher impact by having a transversal implementation in all units, services, and departments of the organisation. Lessons Learnt Implementation of strategic measures, must be implemented transversally to achieve the desired goals. Recommandations Hold tenders that include all vending machines in the organisation to simplify the implementation and control of measures like this. Main Goals Ensure that 50% of the list of products available are products considered healthy according to the National Health Service, table (regardless of the quantity per product), not including water. Offer products that promote healthier eating habits. Motivation & Vision The University wants to be carbon neutral by 2030. Food is an important aspect of a sustainable campus. Sustainability is being improved by offering more regional and sustainably sourced products and by implementing measures to reduce food waste. Domain Nutrition Criteria #74 The university ensures that the vending machines on campus offer quality products with good nutritional value. Target & Stakeholders Academic Community Time & Frame All year Team & Staff UC Healthy Campus multidisciplinary team Keywords Food Awareness Literacy, Well-being, Healthy food UNIVERSITY OF COIMBRA website www.uc.pt contact person filipa godinho email filipa.godinho@uc.pt Rectoral Decision nº216/2021 Label descoder INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 92 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Less (salt, sugar and fat) is more Description The Social Action Services reformulated their contract with the supplier and products with high content of saturated fat and sugar were prohibited. Fruit purees, nuts and dried fruits were introduced, and the sugar content was limited in hot drinks. Evaluation There were no complaints about this transformation and different users verbally expressed their satisfaction with this initiative. Lessons Learnt We must understand and remind that changing behaviours and habits is not an easy task but every long journey begins with one simple step. Recommandations Despite the fact that there will always be someone not satisfied with changes, we must persevere with eyes focused on positive and healthy targets. Main Goals To improve the supply quality of vending machines eliminating foods with excessive calories and high levels of salt, sugar and trans fatty acids, introducing fruit purees and dried fruits and limiting the sugar content in hot drinks. Motivation & Vision This change (reducing the amount of harmful food and increasing potentially salutogenic foods) may contribute to healthier eating habits. Domain Nutrition Criteria #74 The university ensures that the vending machines on campus offer quality products with good nutritional value. Target & Stakeholders Polytechnic of Leiria population (students, teachers and administrative staff) Time & Frame All year Team & Staff Polytechnic of Leiria’s Social Services and Food Services Keywords salt, sugar, fat, vending machines, healthy eating POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website www.ipleiria. pt contact ipleiria.pt/ natália tomás; cátia pontes Vending machine with healthy products Fruit snack with no sugar Packages of seeds and other healthy snacks INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 93 Disease prevention INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 94 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Iscte Description The Healthy Iscte day is a day focused on providing several actions that promote health and well-being among the Iscte community, such as: blood donation, STIs screening, Cardiovascular screening, stress management workshops (among others). Evaluation The opportunities created by our Social Services always have an impact and end up helping and educating a large portion of our community. Lessons Learnt The theme of mental health should be rethought in order to become more “attractive” to the participation of the university’s community, our psychology students could be a good resource to organise more activities related to this theme. Recommandations Hold tenders that include all vending machines in the organisation to simplify the implementation and control of measures like this. Main Goals Create opportunities for students and staff to assess and improve their health and well-being. Motivation & Vision To educate students and staff on diverse problems intrinsic to both our personal and professional lives. Domain Disease prevention Criteria #75 The university shall plan, implement and evaluate specific actions to reduce the risk of non-communicable disease. Target & Stakeholders Students and Staff Time & Frame Every year Team & Staff Iscte’s Social Services and Sports Services Keywords Health, Well-being, Disease prevention, Social, Students, Staff ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt Healthy Iscte 2021 programme Healthy Iscte 2020 programme INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 95 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project ProRodinki Description The University has developed a mobile application “ProRodinki”, which allows screening and further routing of patients with suspicious skin neoplasms using a conventional smartphone using a neural network, issuing a recommendation to consult a doctor. Evaluation Development of a mobile application with an adapted neural network, introduction of a technique for rapid and early diagnosis of skin neoplasms, holding scientific and practical conferences and seminars on this topic. Lessons Learnt The measures are necessary for the early diagnosis and prevention of skin neoplasms in accordance with the strategy of maintaining optimal health of the population. They allow you to make further routing of patients with suspicious skin formations. Recommandations The neural network should be adapted to any electronic device, the studied database of skin formations should be constantly replenished. Main Goals 1. Control of the spread of skin cancer in patients. 2. Early diagnosis of skin neoplasms and their timely treatment. 3. Formation of recommendations on the choice of a doctor. 4. Maintaining an optimal level of health in the population. Motivation & Vision Fight against oncology in the Nizhny Novgorod region, prevention of malignant tumours, dissemination of experience and popularization of the project throughout the Russian Federation. Domain Disease prevention Criteria #75 The university shall plan, implement and evaluate specific actions to reduce the risk of non-communicable disease. Target & Stakeholders Students and staff of University, the population of Russia Time & Frame At the request of the patient Team & Staff Head and staff of the Department of skin, venereal diseases Keywords University’s clinic, skin neoplasms, neural network, medical diagnostics, health website pimunn.ru contact https://www.prorodinki.ru PRIVOLZHSKY RESEARCH MEDICAL UNIVERSITY Filming of the project by the Federal channel The project is the winner of the city Award Example of a report in the programme on the phone INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 96 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project We help you to take care of your health Description Polytechnic of Leiria provides, through its Medical Services, consultations at reduced prices. Whenever justified, doctors also prescribe complementary diagnostic tests. Information leaflets, brochures, among others, are available on a regular basis Evaluation Very positive impact. These Services have been in operation since 2005 and have allowed students to health care in an easy way and at a reduced price. In the context of the pandemic motivated by Covid-19, this Service proved to be crucial. Lessons Learnt It is essential to enable students to have easy and affordable access to health care, helping them not to neglect care for their health. This way, Polytechnic of Leiria complements the offer of consultations guaranteed by the National Health Service. Recommandations Carry out a campaign to disseminate medical specialties made available to the academic community, through the Medical Services of the Polytechnic of Leiria. Main Goals To contribute so that students do not neglect their health. To provide students with easy access to health care at a reduced price. To promote the health and well-being of the academic community of the Polytechnic of Leiria. Motivation & Vision To help students not to neglect their health. To enable students to an easy access to health care at a reduced price. To promote the health and well-being of the academic community of the Polytechnic of Leiria. Domain Disease prevention Criteria #76 The university organises at least once a year, prevention programmes in terms of non-communicable disease. Target & Stakeholders Students, teachers, technicians and administrative Time & Frame 10 months per year Team & Staff 1 administrative and doctors Keywords Prevention, non-communicable diseases, health services, wellness, consultation, medical specialties POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website https://www.ipleiria.pt/ contact person rosa pedro email s.medicos@ipleiria.pt Disclosure of Polytechnic medical services Visual screening campaign with stakeholders PLeiria’s medical consultations statistical data INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 97 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Get moving for better health! Description EASS offers movement and activity campaigns for the whole community. Campaign descriptions include references to WHO’s recommendations on exercise. Campaigns call for walking more to improve and maintain good health. Evaluation 220 participants in movement campaign in Yumuuv platform for 1 month (76395103 steps) and 945 participants in Fitsphere platform for 11 days (65690641) steps. In the feedback, Yumuuv was mentioned most as motivator for regular activity. Lessons Learnt Even some top athletes admitted that it was difficult for them to make at least 10,000 steps per day regularly. The movement campaign helped people to understand the level of their activity and to make changes in it, if needed. Recommandations If you can’t find free of charge platforms to use, some investments might be necessary if you want to get participants’ results online during campaign period. But you can also start with collecting data of activity hours or kilometres to Excel. Main Goals The main goal is to encourage community to take care of their health and reduce the risk of cardiovascular disease and diabetes due to insufficient exercise and sedentary lifestyle. Movement is a good way to improve general health. Motivation & Vision Even though most people know well that physical activity is good for their health, it is difficult to find time and motivation to exercise regularly. Movement campaigns help to keep a focus and to develop good habits together. Domain Disease prevention Criteria #76 The university organises at least once a year, prevention programmes in terms of non-communicable disease. Target & Stakeholders University Community Time & Frame At least one campaign a year, that lasts longer than a week Team & Staff Personnel employees, Student Council, Head of Sport Keywords Physical Activity, Support, Counting Steps, Cardio-Vascular Health website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES Movement campaign poster Movement campaign advertisement in FB Campaign statistics INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 98 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project University of Coimbra Vaccination Plan Description Steps to ensure that everyone in the academic community has a complete vaccination plan. Whether it is mandatory upon students’ registration and through actions to raise awareness of the vaccines, counselling, and scheduling medical appointments. Evaluation The evaluation is positive in the implementation of the vaccination plans up to now, which was verified during the period of the COVID-19 pandemic with the success in the plan implemented. Lessons Learnt With the pandemic COVID-19 the importance of vaccination plans was even more apparent. In addition to plans, it is important to implement measures to ensure them. Recommandations Implementation of measures that guarantee the established plans. Main Goals Ensuring that the entire academic community has a complete vaccination plan. Literacy for vaccination. Raising awareness of the academic community about the importance of vaccination. Ensuring Traveller’s consultation for mobility students. Motivation & Vision Healthy academic community. Containment of risk within the academic community. Fulfilment of the Healthy Campus UC strategic plan. Domain Disease prevention Criteria #77 The university promotes or informs about the benefits of vaccination and if relevant complement vaccine at affordable prices for students. Target & Stakeholders Measures to ensure the vaccination plan Time & Frame Anually Team & Staff UC Healthy Campus Multidisciplinary Team Keywords Vaccination plan, prevention, literacy for vaccination UNIVERSITY OF COIMBRA website www.uc.pt contact person filipa godinho email filipa.godinho@uc.pt e-prevenç@o e-prevenç@o webpage Vacination information INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 99 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Call Center for COVID-19 Description Representatives of the university can contact with questions of coronavirus infection. Questions can be of a different nature: what to do if symptoms appear or there was contact with a sick person, how to properly follow the quarantine rules. Evaluation Number of calls, attracted volunteers, caller reviews, speed of problem solving. Lessons Learnt The call center must receive the most accurate information. Practice should include: 1. Volunteer training system. 2. Protocol of responses for hotline. 3. Creation of online psychological support tools: mastery of such techniques will also be a bonus. Recommandations In addition to information support, assistance can be provided in the formation of an application for contacting the Medical Center or psychological service. Main Goals The university as a research and educational platform is the first and only place where opinions are accumulated, and final conclusions are formed. The main goal is the possession of reliable information and its dissemination. Motivation & Vision SibFU - as an opinion leader, is obliged to become a communication platform for the fight against coronavirus infection and a place where can help. Domain Disease prevention Criteria #77 The university promotes or informs about the benefits of vaccination and if relevant complement vaccine at affordable prices for students. Target & Stakeholders Volunteer Centre, students and staff with positive PCR-test Time & Frame till the end of pandemic Team & Staff Youth Policy Department, Dormitory Management, Medical Centre Keywords volunteering, covid-2019, social and psychological help website http://about.sfu-kras.ru/campus/map contact ekaterina v. sidorenko – evsdorenko@sfu-kras.ru SIBERIAN FEDERAL UNIVERSITY INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 100 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Oral health check-ups provided by Korea’s National Health Insurance Service Description Students who received a free oral health check-up provided by Korea’s National Health Insurance Service can apply for “academic mileage” and also receive discount on dental treatment in hospitals/dental clinics. Evaluation Students learned how to maintain good oral health through these check-ups and they received the NHIS dental health care benefit at local hospitals/dental clinics. Lessons Learnt Regular oral health check-ups are important, and the delivery of the right care at the right time is key to maintaining good oral health. Recommandations As the average life-expectancy continues to grow, the importance of maintaining oral health should be emphasized from early age. In this regards, universities shall continue their efforts at raising awareness for the importance of good oral health. Main Goals Early detection of oral health challenges through regular oral health check-ups and learn to maintain proper dental hygiene. Motivation & Vision To raise awareness for the importance of good oral health. Domain Disease prevention Criteria #78 The university promotes or informs about the benefits of dental care and if relevant complement dental care at affordable prices for students. Target & Stakeholders Students Time & Frame Oral health check-ups by National Health Insurance Service Team & Staff UC Healthy Campus Multidisciplinary Team Keywords Early detection of oral health challenges, improvement of life patterns MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index.do contact website www.mju.ac.kr email sunhee@mju.ac.kr Public Health Center Public Health Center Public Health Center Website INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 101 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Awareness days « Ça m’saoule... j’ai plus de capotes » Description 15 awareness-raising stands form a pathway, run by trained and project leaders. Each stand offers a sexual health awareness game: sexual relations, anatomy, STI and screening, consent, love, etc. Evaluation 31 students trained each year on sexual health. 300 sensitised students in October 2021. The first years (18 yo) are encouraged to come to acquire this knowledge and skills at the beginning of their university studies. Lessons Learnt Acquiring sexual health knowledge and skills: condoms, Sexually Transmissible Infections, Anatomy of Sexual Organs, Contraception, Violence in Friendly and Sexual Relations, Consent, Pleasure. Recommandations Peer learning: trained students raise awareness of their peers, a sustainable project since 2016. Main Goals Disseminate knowledge and acquire sexual health skills, raise awareness of the care services at ULB and Brussels. Motivation & Vision Training students to become caregivers, actors in their own health, acquire knowledge about STI, AIDS, testing, contraception, love, consent, combating gender-based and homophobic discrimination, combating violence, equality, respect, etc. Domain Disease prevention Criteria #79 The university organises a communicable disease prevention programme at least once a year. Target & Stakeholders Students Time & Frame 2 days, every year in October Team & Staff ULB Santé, Modus Vivendi, O’Yes, ACE Students Keywords Sexual health, activities, peer education, awareness days, respect, STI, AIDS, screening, sexual assault, consent, contraception UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Pathway sexual health Pathway sexual health Pathway sexual health INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 102 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project HIV/AIDS Prevention Plan Description HIV/AIDS Prevention Plan includes weekly screenings on the campuses of the UAlg throughout each academic year, as well as the systematic and free distribution of prophylactic and preventive information to the entire academic community. Evaluation The number of tests carried out on users of the academic community of UAlg. This health promotion practice proved to be an efficient measure in the promotion of healthy sexuality, in the prevention of sexually transmitted diseases. Lessons Learnt This practice proves to be quite effective in raising awareness on prevention and early detection of HIV/AIDS, which indicates that it is an asset in the long term for the general well-being of the community. Recommandations This practice included the development of a systematic model of prevention and early detection of HIV, which can facilitate its replication or transfer of results to other Higher Education Institutions, even if adapted on a case-by- case basis. Main Goals Health and prevention of certain risky attitudes and behaviours, through technical and peer- to-peer interactions of a (in) formative nature, within the scope of sexually transmitted diseases (HIV and STDs). Motivation & Vision Given the inherent risks, raise the awareness of the academic population to the importance of Prevention and early detection of HIV infection and STDs. Domain Disease prevention Criteria #80 The university provides communicable disease (HIV, etc.) support services. Target & Stakeholders UAlg academic community Time & Frame Weekly HIV Tests in Mobile Screening Unit Team & Staff CAD/ARS, APF Algarve e GPAP-UAlg Keywords Social Services Psychology Office GPAP, Health prevention, Well-being, UAlg, HIV prevention Mobile Unit, provided by ARS E APF Algarve Information leaflet, distributed by the UAlg Example of a weekly screening on UAlg campuses UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact jorge malveiro, ph.d email sasgp@ualg.pt INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 103 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project COVID-19 Prevention and Control Description After the outbreak of the COVID-19 pandemic, Peking University Hospital responded quickly by publishing the COVID-19 Treatment Guideline, launching an online nucleic acid test reservation platform and providing testing services. A lab is also converted into a nucleic acid testing lab. With COVID-19 vaccines made available, the faculty and students can get vaccinated at no cost. Evaluation From May 2020 to March 2021, the Hospital provided testing services for 32’249 people, which amounted to 79’916 tests in total. 40’00 tests can be done in a single day. 29’682 people, taking up 73% of the campus community received COVID-19 vaccines. There is 0 confirmed case on campus ever since the COVID-19 outbreak. Lessons Learnt Act under unified deployment and involve the entire campus community. Adopt a science- based approach and prevent and control the epidemic in accordance with the law. Recommandations Acting under unified deployment, taking responsibilities respectively and involving the entire campus community constitute the mechanism of COVID-19 epidemic prevention and control and have proved successful. Main Goals Nucleic Acid Test: All people holding jobs on campus and living in the campus community in need are tested before the Fall Semester 2020. COVID-19 Vaccination: All people holding jobs on campus and living in the campus community in need get vaccinated before 30 May 2021. Motivation & Vision Protect the health and safety of all students and faculty. Maintain the safety and stability of the campus community. Domain Disease prevention Criteria #80 The university provides communicable disease (HIV, etc.) support services. Target & Stakeholders Campus and Local Community Time & Frame During the COVID-19 pandemic Team & Staff Peking University Hospital Keywords Disease Support Service, Good Health and Well-Being, Campus Community, Communicable Disease, COVID-19, Nucleic Acid Test, Vaccination Campaign PEKING UNIVERSITY website pku.edu.cn contact person he zhonghui email healthycampus@pku.edu.cn Nucleic Acid Test Vaccination Campaign Observation Area INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 104 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Free screening of Sexually Transmitted Infections Description Free screening of Sexually Transmissible Infections. Evaluation 500 people are screened each year at the Solbosch Campus, 300 at the Erasme Campus. Lessons Learnt Raising awareness of STI, the importance of protecting oneself and the importance of medical screening. Recommandations Maintain the organisation of these events and the free testing. Main Goals Provide STI screening free of charge and information about sexuality. Motivation & Vision Provide students with free medical screening and provide information on ad hoc care according to each individual’s situation. Domain Disease prevention Criteria #80 The university provides communicable disease (HIV, etc.) support services. Target & Stakeholders Students, postgraduates and staff member Time & Frame 2 times per year, from 9 am to 6 pm, on 2 campuses Team & Staff Centre de planning familial Aimer à l’ULB, ULB Santé Keywords screening, Sexually Transmitted Infections, free access UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Poster of testing day Poster of testing day – campus Erasme Poster of testing day – campus Solboch INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 105 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Iscte Description The Healthy Iscte day is a day focused on providing several actions that promote health and well-being among the Iscte community, such as: blood donation, STIs screening, Cardiovascular screening, stress management workshops (among others). Evaluation The opportunities created by our Social Services always have an impact and end up helping and educating a large portion of our community. Lessons Learnt The theme of mental health should be rethought in order to become more “attractive” to the participation of the university’s community, our psychology students could be a good resource to organize more activities related to this theme. Recommandations The activity could be more diversified if there was a budget available that would allow the participation of health professionals from different areas. Main Goals Create opportunities for students and staff to assess and improve their health and well-being. Motivation & Vision To educate students and staff on diverse problems intrinsic to both our personal and professional lives. Domain Disease prevention Criteria #81 The university promotes or informs about the benefits of medical check-ups and if relevant complement medical check-ups at affordable prices for students. Target & Stakeholders Students and Staff Time & Frame Every year Team & Staff Iscte’s Social Services and Sports Services Keywords Health, Well-being, Disease prevention, Social, Students, Staff website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON Healthy Iscte 2021 programme Healthy Iscte 2020 programme INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 106 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Centre for preventive medicine and sport for the university student Description The Centre provides specialized prevention, diagnosis and therapy services for students and employees of the University of Turin and their families, Italian and foreign citizens, associated with recreational clubs, sports clubs and associations. Evaluation The Medical Centre is now just redesigned, rebuild, and moved to a new university area allowing the alignment with the Healthy Campus framework. Lessons Learnt To hold fares at the lowest level (with respect the local competitors) to push people to move to Medical Centre from their usual one. Only in a second step the quality of the provided services would act on the community feeling. Recommandations We are aware that communication (about opportunities, special fares, facilities) with the university community is pivotal to reach the highest rate of engagement. Hence, we will spend the highest effort in such a direction. Main Goals To reach the highest fraction of the university population offering the opportunity to save money for examinations, to share the vision in term of prevention and lifestyle, and to proudly feel part of a healthy community. Motivation & Vision To offer the availability of a medical environment to the whole university community with the aim to increase individual awareness in the possibility to actively change his/her own lifestyle based on prevention, health, and well-being. Domain Disease prevention Criteria #81 The university promotes or informs about the benefits of medical check-ups and if relevant complement medical check-ups at affordable prices for students. Target & Stakeholders The whole University population, researchers, PhD students, fellows, professors and administrative staff Time & Frame Whole year, from Monday to Friday, 8.30 - 19.30 Team & Staff The team is made by eight University administrative employees and 35 external consultants (MDs for 20 different specialties and nursing staff) Keywords Check-ups, prevention, corporate welfare, lifestyle education website https://en.unito.it/ contact dualcareer@unito.it email alberto.rainoldi@unito.it UNIVERSITY OF TURIN Rendering where Medical Centre is now re-located Physiotherapy Gym Entrance Physiotherapy Gym (detail) INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 107 Mental and social health INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 108 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Future project Description Every year, the university distributes information and conducts trainings on psychological and mental health among the student community. The project was presented by the Rector of the University in the State Duma Committee. Evaluation Development and implementation of a methodological complex for assessing psychological and mental health, holding scientific and practical conferences, psychological support during studies, presentation of the project at meetings of the Federal Assembly. Lessons Learnt These measures are necessary for the prevention of disadaptation conditions of students at different stages of training, monitoring their psychological and mental health. They should be implemented during each academic year. Recommandations Systematization and adaptation of the used methods of monitoring psychological and mental health to the individual characteristics of each student. Main Goals 1. Assessment of the psychological and mental state of students. 2. Prevention of disadaptation conditions. 3. Help in dealing with stress at all stages of training. 4. Monitoring of persons entering a medical university. Motivation & Vision Psychological and mental assistance to students upon admission to the university, during examination sessions, during practical activities. Dissemination of the experience gained to the leading educational institutions of higher education. Domain Mental and social health Criteria #82 The university disseminates information about mental and social health to the campus community. Target & Stakeholders All students of educational institutions Time & Frame During each academic year Team & Staff Rector and staff of the Institute of clinical psychology Keywords Mental and psychological health, personal growth, self-esteem, medical university students Address by the Rector of the University Address by the Governor of Nizhny Novgorod Oblast Conference audience website pimunn.ru contact person bozhkova elena dimitrova email readytotalk@mail.ru PRIVOLZHSKY RESEARCH MEDICAL UNIVERSITY INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 109 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Tuesday Description Every Tuesday during the pandemic, ULB Santé broadcasts on its social media an activity or advice to take care of yourself, detailed by scientific literature and supported by advice from health professionals. Evaluation The project appreciated during the pandemic allowed individual students to meet other students and fight loneliness. Others identified symptoms of depression and contacted a professional service. Lessons Learnt Identify symptoms, acquire skills to take care of themselves and fighting against stress, foster dynamics between students and fighting against loneliness. Recommandations Sanitary conditions on campuses have changed since the end of the pandemic. As the evaluation is positive, these publications take the form of face-to-face workshops on our campuses. Healthy Tuesdays become ”Healthy Decent Days”. Main Goals Disseminate information and advice on mental well-being and thematic activities on our campuses. Motivation & Vision Ensuring the link during the pandemic and the distance of members of the community. Ensure their well-being and disseminate information to enable them to take care of their mental and physical health. Domain Mental and social health Criteria #82 The university disseminates information about mental and social health to the campus community. Target & Stakeholders University community Time & Frame Publication every Tuesday from November 2020 to June 2021 Team & Staff ULB Santé, Mental Health Service ULB Keywords Mental health, social health, well-being, social network Instagram Healthy Tuesday: Combat student isolation Combat student isolation - Healthy Tuesday Activity Contact details : Psycampus (SSM ULB) UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 110 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project From personal well-being to professional achievements Description The project is being implemented in order to reduce the risks of misadaptation, psychological distress and increase the level of psychological competence and personal effectiveness of students through individual and group psychological work. Evaluation The key results are a decrease in the number of non-adapted students (more than 90%), an increase in indicators of psychological well-being (more than 76%). A methodical technique based on the development of a reflexive mechanism was tested. Lessons Learnt It is important to take into account voluntary participation in group activities, characteristic of different cultures. It is important to take into account the state of health, international, ethnic and interfaith aspects, motivation type. Recommandations Open-access online publishing of self-diagnosis tests for students and employees, self-help and self-development algorithms. Systematic development and implementation of student adaptation programmes. Main Goals Psychological diagnostics and support of first-year students’ adaptation, the development of both emotional regulation, psychological well-being components. Prevention of emotional burnout and professional deformation, conducting consultations. Motivation & Vision Increasing personal effectiveness, developing a conscious personal attitude, mastering the techniques of self- regulation and self-development, improving communication, skills, creating resource potential in the continuous mastering of the profession. Domain Mental and social health Criteria #83 The university offers check-ups, assessments and evaluations about mental and social health by professionals to the campus community. Target & Stakeholders Students, tutors, curators, teachers, KrasSMU PC Time & Frame Annual Team & Staff Head and specialist of the PC, social educator, tutors Keywords Adaptation, psychological well-being, self-development, mental hygiene, psychological centre (PC) website https://krasgmu.ru/ contact person artyukhova tatiana yurievna email tartjuchova@mail.ru PROFESSOR V.F. VOINO-YASENETSKY KRASNOYARSK STATE MEDICAL UNIVERSITY Individual psychological work Multifunctional uSenso complex Group psychological work INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 111 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project The Living Room Description A welcoming, inclusive and student- focused space that promotes well-being through early intervention, peer support and low barrier access to UWA health services. Students can visit for varying concerns such as feeling stressed, lonely or just a chat. Evaluation A mix of qualitative and quantitative measures provide a greater understanding of the reach of TLR and assists in the ongoing evaluation of service. Engagement and feedback from students remains consistently high. Lessons Learnt A peer-to-peer approach is transformative to service delivery, complimenting and taking pressure off traditional support services. Therapy dogs has also been a highly successful engagement strategy. Philanthropic and external support is critical. Recommandations TLR has received widespread interest from local and international universities and has the potential to become a transferable, scalable service delivery model. Main Goals The Living Room offers respite from pressure and strain, a place to feel listened to, short- term support, information on mental health and well-being and connection to appropriate services and activities - on campus or in the community. Motivation & Vision Acknowledging the University as an important setting to promote, support and sustain positive mental health and well-being, while addressing common stressors for students and facilitating timely connection to services at times of adversity. Domain Mental and social health Criteria #83 The university offers check-ups, assessments and evaluations about mental and social health by professionals to the campus community. Target & Stakeholders Students from all communities and cohorts Time & Frame Monday to Friday, from 11am to 4pm Team & Staff 14xPeer Supporters (UWA students), onsite health staff Keywords Mental Health, Student Support, Peer To Peer, Well-being UNIVERSITY OF WESTERN AUSTRALIA website https://www.uwa.edu.au/ The interior view of the space Therapy Dogs The Living Room INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 112 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Promotion of Academic Success Description The Plan for the Promotion of Academic Success and Prevention of School Dropout (PPSAPAE 2018-2023), seeks the promotion of study methods and time management in UAlg students, being complemented by three other initiatives: “SOS DROPOUT”, “Interculturality Programme” and Mindfulness “and” Life Skills Online Course “. Evaluation The Evaluation of the Plan for the Promotion of Academic Success and Prevention of School Dropout (PPSAPAE 2018-2023), is measured by the number of situations identified and successfully resolved. Since 2019, that number has exceeded four hundred UALG students. Adherence to the three complementary programmes is positive, involving more than 1000 UAlg students in 2020. Lessons Learnt In the current context, it is essential to promote mental health and academic success for students, as well as to develop transversal skills, as a way of preventing school dropout. Recommandations The promotion of mental health and well-being through programmes that advocate for the interaction and integration of students in the university context and development of social, emotional and transversal skills, can function as elements that promote academic success and protect students from dropping out of school. Main Goals Promote the mental and social health of the UALG academic community, identifying and signalling students with difficulties in adapting and integrating at the social and school level, with the goal of better and more successful integration of students in the context of university life. Motivation & Vision A UALG academic community with good levels of Well-Being and Mental and Social Health. Domain Mental and social health Criteria #84 The university shall offer a programme to help identify or detect the signs of discomfort or illness of students based on the commitment of volunteer students. Target & Stakeholders University Students Time & Frame All year Team & Staff Health service SAS UAlg e GAIP-UAlg Keywords Mental and Social Health, Well-being, Academic Success, School Dropout Prevention. UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact person nuno rodrigues email nvrodrigues@ualg.pt INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 113 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project King’s College London | King’s Residence | Welfare Lead Team Description The RWLs are staff or postgrad students, specially trained in welfare, and live alongside students in every residence. They provide an out-of-hours well-being service for residents and create safe spaces for students to access emotional support. Evaluation In the first 2 terms of 2021/22 academic year, the Residence Welfare Lead team has supported 475 student welfare cases in Residences. Inclusive of 91 high-risk student cases that were escalated to the University mental health and safeguarding teams. Lessons Learnt To set a clear expectation with the students of the level of care and support the RWL team can provide to them. Also, the RWL team have robust training around setting clear boundaries with their students, to prevent student-dependence on the service. Recommandations Continue to invest in the training of Residence Welfare Leads to ensure we are meeting the complex and evolving needs of our student community at King’s. Main Goals Assist students in need by providing emotional support, information and signposting to support services. Promote, educate and empower students to improve their well-being and escalate students at risk to the University - assisting in times of crisis. Motivation & Vision Our vision is to support and empower every one of our students to thrive during their stay in Halls of Residence. Our goal is to help students overcome obstacles that may present during their stay and be able to go on to succeed in their studies. Domain Mental and social health Criteria #84 The university shall offer a programme to help identify or detect the signs of discomfort or illness of students based on the commitment of volunteer students. Target & Stakeholders Students living in King’s Residences Time & Frame On-call support available 8pm – 8am, 365 days a year Team & Staff King’s Residence & Students & Education Directorate Keywords Student Welfare, Student Well-being, Pastoral Support, Safeguarding, Halls of Residence KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact welfare@kcl.ac.uk – kcl.ac.uk/accommodation RWLs at a community event Great Dover Street Apartments, 1 of 11 Residences INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 114 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Ciné-club for the “Déclic SANTE – mental well-being” Day Description Screening of the documentary “Loulou”: testimony to destigmatise and dedramatize schizophrenia. Screening of the movie “First Year” on the stress of medical students. Screenings moderated by Bepsyel, Psycampus and ULB Santé students. Evaluation 80 students sensitised during these two screenings, enthusiastic students, debates, and exchanges on mental health in general, thanks at the end of the screening. Lessons Learnt Identifying symptoms, deconstructing stereotypes and identifying resources to be taken care of by professionals. Recommandations Ensure the sustainability of this type of project. Main Goals Raise awareness of mental well- being, give testimony and debate on a topic of mental health. Motivation & Vision Through a documentary/movie, dedramatize and destigmatise mental health disorders. Domain Mental and social health Criteria #84 The university shall offer a programme to help identify or detect the signs of discomfort or illness of students based on the commitment of volunteer students. Target & Stakeholders University community Time & Frame 2 times a year – 2 campuses, around 10 October: Mental Health Awareness Day Team & Staff ULB Santé, Psycampus, BEPsyEL (student office - Faculty of Psychology) Keywords Mental health, debate, testimony, schizophrenia. UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Poster for the declic health film-debate Social network BEPsyEL Film-debate organised by BEM & SSM & ULB Santé INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 115 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Stride Description A free 12-week supervised and personalised exercise programme for UWA students experiencing mental health difficulties, which also provides an opportunity for Master of Clinical Exercise Physiology students to gain valuable mentorship experience. Evaluation Approximately 120 students have completed their initial assessment to commence the programme, with 60 students graduating from Stride. There have been over 500 exercise sessions delivered through various means. Lessons Learnt On average the programme is seeing a decrease in depressive symptomology in students who participate. Peer mentors have suggested that Stride provides them with autonomy, professional growth, a valuable learning opportunity and personal satisfaction. Recommandations We hope to use the information we have gathered and learned through Stride as a framework to roll out similar programmes across other campuses and settings to assist individuals who are having difficulties with their mental health. Main Goals Through a student mentor relationship, help students feel physically and mentally healthier by introducing an individualised exercise programme and providing an opportunity to develop long-term exercise habits. Motivation & Vision The programme takes a unique approach of integrating a number of services across campus. The programme allows mentors to give back to the university and support students, while also furthering their clinical training in an area of community need. Domain Mental and social health Criteria #84 The university shall offer a programme to help identify or detect the signs of discomfort or illness of students based on the commitment of volunteer students. Target & Stakeholders Students from all communities and cohorts Time & Frame Flexible within schedules of mentors and participants Team & Staff UWA Student Life, Mental Health & Exercise Research Team Keywords Mental Health, Student Support, Peer to Peer, Well-being UNIVERSITY OF WESTERN AUSTRALIA website https://www.uwa.edu.au/ In action 1 In action 2 In action 3 INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 116 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Health prevention with peer Description Accueil santé recruits and trains students from the University of Lausanne to intervene on the campus as peer during student parties and during lunch time. They get in touch in a pro active way on various subjects as intimacy, sexual health, alcool and drug consumptions and mental health. The peer use the motivational approach and point the internal resources to produce empowerment. Evaluation All the partners shows satisfaction with the peers interventions. The project put together people they don’t necessary use to work together to talk about global health and to promote health. Participating evaluations are regularly done to ensure partners and target audience satisfaction. Involving students increase their motivation. Lessons Learnt The prevention messages through peers are well accepted. Peers create opportunities to talk about sensitive subject in the study environment. Recommandations To have ressources in term of budget and professionnals to accompagny the peer team. Paying the peer students during their engagment is highly recommended. Developping a collaborative athmosphere to create new ideas and new orientations. Main Goals To reduce the riskies behaviours in sexual health, alcool and drug consumption and mental health. To promote an healthy way to study at UNIL. To promote discussion about health prevention on the campus. Motivation & Vision Accueil santé promotes interventions with active participation of the community at all stages of the project to ensure the perpetuation and the efficiency of the interventions and the empowerment of the community. Domain Mental and social health Criteria #85 The university offers accessible counselling services and coping skills training for students to discuss their struggles or illnesses, and also has clear referral signposts towards more... Target & Stakeholders Students and UNIL community Time & Frame All year Team & Staff Accueil santé UNIL (health service) Keywords Risk reduction, sexuel health, drug consumption, alcool consumption, mental health, prevention, Health promotion, empowerment, peer prevention, community UNIVERSTITY OF LAUSANNE website www.unil.ch/accueilsante/pair contact person annick duperrex email accueilsante@unil.ch Accueil santé Workshop 2019 Accueil santé Peers in action Accueil santé Peers on the UNIL campus INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 117 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Health week – Stress reduction Description One week per year the HSCL holds a health week at the University of Lucerne. In 2019 it was all about “Stress reduction”. There were free meditation and yoga classes during lunch break, a supervised information desk and a free lecture. Evaluation The lessons during lunch break were almost always fully booked. The information desk was also well visited. The health week had a positive impact on the people who took part in it, so that we will be holding one about stress reduction again soon. Lessons Learnt Living a healthy live is not only about being active and doing a lot of physical sport. It’s important to have a “wellness” section in your sports programme which focuses more about mental health. Recommandations It was very well received that the health week not only targeted the students, but the employees of the university as well. Having the meditation and yoga classes during lunch break made it accessible for everyone as. Main Goals Promoting the, as we call it, “wellness” sector of the HSCL sports programme, such as meditation, yoga and pilates. Informing people about the Hochschulseelsorge of the University, which can be contacted if you have mental issues. Motivation & Vision Raising self-awareness about the importance of mental health, taking breaks and having a healthy relationship with stress. Domain Mental and social health Criteria #86 The university disseminates information about looking after oneself and managing stress at university. Target & Stakeholders University students and employees Time & Frame One week a year Team & Staff HSCL, University of Lucerne and Hochschulseelsorge Luzern Keywords keep calm, self-awareness, meditation, taking a break, balanced lifestyle, healthy mind UNIVERSITY OF LUCERNE website https://www.unilu.ch/en/ contact person karin udvardi email karin.udvradi@unilu.ch Flyer of the Health Week “Stress reduction” Free Yoga lesson during lunch break Free lecture during the health week INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 118 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Counseling Services Description Set a booth on each campus to provide psychological assessment (sometimes called testing). Provide individual counselling based on the assessment results. During the epidemic, services have been switched to online. Evaluation Students who had felt COVID-19 has impacted their lives through increased isolation, loneliness, stress, and sadness reported that they felt more relaxed and happier after the counselling. Lessons Learnt We learned the importance of having our students know about the support they can receive from the Counselling Centre. Recommandations This programme was assessed to be effective in increasing the emotional well-being of our students who are faced with various personal, career-related, and academic difficulties. Main Goals To help students gain a deeper understanding of themselves. To help students get the right kind of support when needed the most. Motivation & Vision To increase the accessibility of counselling services. To identify students who are in need of counselling assistance. Domain Mental and social health Criteria #86 The university disseminates information about looking after oneself and managing stress at university. Target & Stakeholders Students Time & Frame Beginning of each academic semester (twice a year) Team & Staff Accueil santé UNIL (health service) Keywords Stress counselling, adaptation to school life, easily accessible, emotional wellness, COVID-19 MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index.do contact website https://sangdam.mju.ac.kr Student Counselling Centre Website Visiting Counselling Programme Visiting Counselling Programme INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 119 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Tea Party & Mental Health Description This is a communication activity in the form of a tea party. Guided by a counselor and accompanied by a tea specialist, the group chat over tea about topics such as health, reducing stress, fighting depression etc. Around 20 activities are held each year, which amount to 60 activities in total since its launch in 2017. Over a hundred students are involved in the activities each year. Evaluation After each activity, the Center will ask participants for feedback and suggestions. The Center has received positive responses. Lessons Learnt Benefiting from a relaxed and pleasant atmosphere, students can communicate easily about different topics and share their perspectives, which can lead to surprising results. Recommandations As the stress and emotion management issues getting more and more prominent to college students, the university should pay due attention to the students and take various approaches to guide them or help them relax and regulate their emotions. Main Goals Through the tea party, students who are interested in topics such as self-care, stress management etc. or those in need of mental health gather together and exchange different perspectives, so as to help students improve their mental health. Motivation & Vision Help students gain insights and inspiration in a happy and harmonious atmosphere, so as to improve their mental health. Domain Mental and social health Criteria #86 The university disseminates information about looking after oneself and managing stress at university. Target & Stakeholders University Students Time & Frame Once a week during the semesters. Since 2017 Team & Staff Mental Health Center, PKU Keywords Mental Health, Good Health and Well-Being, University Students, Stress Management Tea Party Tea Party Tea Party PEKING UNIVERSITY website pku.edu.cn contact person he zhonghui email healthycampus@pku.edu.cn INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 120 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Wide variety of stress management techniques for the community Description EASS offers variety of possibilities to help manage stress, some of them are directed at students, others at staff, but most of them, like lectures, rector´s talks, support from the psychologist and Positivity Jar are aimed at the whole community. Evaluation 10 special lectures or activities in the first year of Healthy Campus programme with 460 participants in the lectures in real-time. Every community member can access these lectures afterwards in the e-learning environment. Lessons Learnt The need for mental health differs by years and community groups, but university should be ready to offer a variety of possibilities to reduce and manage stress, especially during the crises. Recommandations Involve qualified psychologists and specialists to share their knowledge and teach skills in areas that can support mental health. Even small things, like taking a positive message from Student Council’s organised the Positivity jar can help. Main Goals When university shares ideas about ways of managing stress and reminds the community that help is available and the solutions are there, it enhances the social cohesion and builds community that is mentally healthier stronger. Motivation & Vision In times of crises, it is good to use broader stress management aid package, addressed to everyone who needs support. Domain Mental and social health Criteria #86 The university disseminates information about looking after oneself and managing stress at university. Target & Stakeholders University community Time & Frame Regularly during academic year Team & Staff The Centre for Continuing Education, Student Council Keywords Stress Management, Positivity Jar, Video Lectures website https://www.sisekaitse.ee/en/eass-home contact epp.jalakas@sisekaitse.ee ESTONIAN ACADEMY OF SECURITY SCIENCES The Positivity Jar at the EASS entrance Brochures on mental health Social activities in nature help to reduce stress INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 121 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Buddy Programme Description The Buddy Programme is an initiative in which Iscte’s students/former students offer their help and support to new students by guiding them throughout the semester, receive them at Iscte, show them our institution and giving them academic support. Evaluation Mentors have expressed their satisfaction with the training and interaction they obtained from this experience. 100% of mentees reported they were satisfied/very satisfied with the programme. 100% of mentees consider their mentors to be their friends. Lessons Learnt The programme proved to be essential in supporting the process of integration of new students (specially from PALOP) who arrive from a very different academic and cultural reality than what they experience in their home countries. Recommandations It is important to reinforce the divulgation of the buddy programme, as there are still many students that could use the help provided by their peers. Main Goals To encourage the socialization among students, to make new students feel more integrated in a new environment and to promote good practices among Iscte’s students/former students. Motivation & Vision To facilitate the integration of new students at Iscte and to give Iscte’s students/former students an opportunity to acquire new skills and to undergo a different type of international experience. Domain Mental and social health Criteria #87 The university identifies potential barriers and create opportunities regarding mental and social health to allow interactions and exchanges between individuals within the campus community. Target & Stakeholders Students Time & Frame Every year Team & Staff Students/former Students and Social Services Keywords Health, Well-being, Social, Students, Buddy, Mental Health, Inclusive ISCTE - UNIVERSITY INSTITUTE OF LISBON website www.iscte-iul.pt contact desporto@iscte-iul.pt Welcome activity in Iscte’s Patio Receiving new students Global village at Iscte INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 122 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project King’s College London | Active Wellness Scheme | Togetherall Description The Active Wellness Scheme aims to support staff and students facing low-level mental health challenges identified by the Togetherall project. The AWS provides holistic, proactive, preventative support to improve the well-being of our community. Evaluation Staff and students who complete the AWS see a well-being improvement of, on average, 19%. Since September 98 students and staff have enrolled on the scheme. Lessons Learnt Build partnerships and collaboration through effective communication with all stakeholders. Work together to ensure no gaps in provision or misunderstandings of roles so the most effective range of support is available and communicated to all. Recommandations Gain an understanding of where the challenges are in welfare/ well-being support and be a solution. Network across the institution and beyond to identify how to successfully provide holistic and proactive support to the whole university community. Main Goals Improve mental, physical and social wellness of staff and students experiencing physical and mental well-being challenges. Motivation & Vision Advance individual health and social integration, to provide a sense of belonging and positively impact well-being. That in turn supports strategic priorities of attainment, experience, employability and student retention. Domain Mental and social health Criteria #87 The university identifies potential barriers and create opportunities regarding mental and social health to allow interactions and exchanges between individuals within the campus community. Target & Stakeholders University Staff and students Time & Frame Throughout the academic year September - June Team & Staff King’s Sport, Well-being and welfare support services Keywords Welfare, well-being, mental health, social health, therapy, counselling KING’S COLLEGE LONDON website https://www.kcl.ac.uk/ contact kcl.ac.uk/sport email kingssport@kcl.ac.uk Coach and participant part of the scheme Participant on the scheme exercising King’s Sport, Active Wellness Scheme INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 123 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Fighting against student loneliness Description During the pandemic, collaboration between services created opportunities to facilitate student meeting while respecting the gestures of barriers. For example, bundled activities were organised. Evaluation 21 activities, 104 participants. The project is appreciated by the students. Lessons Learnt Students register on a platform to “volunteer and offer time to walk with students”. Students meet their peers and create a social network. Recommandations Face-to-face courses resumed on campus, student and folkloric life resumed as before the pandemic. Some students still want these activities to be organised again. Main Goals Fight against loneliness among students, discover part of the city (wood, architecture, street art, orientation race). Motivation & Vision Encouraging solidarity between students, encouraging students’ engagement with their peers. Domain Mental and social health Criteria #87 The university identifies potential barriers and create opportunities regarding mental and social health to allow interactions and exchanges between individuals within the campus community. Target & Stakeholders Students Time & Frame During the pandemic Team & Staff ULB Santé et ULB Engagée, ULB Sports Keywords Loneliness, volunteer, solidarity, social, meeting UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Social network ULB Santé Combat student isolation - Healthy Tuesday Activity Orienteering race INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 124 Risk behaviour INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 125 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Laws, statutes and regulations Description We want to go beyond compliance with the legal norms, by implementing awareness- raising activities on risk behaviour, namely with drugs, doping, alcoholic beverages and tobacco. Evaluation With a communication campaign in association with activities to raise awareness of risk behaviours, we have noticed a reduction in tobacco consumption in outdoor spaces on the Campus. Lessons Learnt We have to create a constant movement throughout the year to provide information and raise awareness of risky behaviours. This is the only way to maintain pressure, especially for socially accepted risk behaviours such as tobacco consumption. Recommandations Successive awareness campaigns. Informal contacts with members of the academic community by faculty members. Main Goals Reduce the consumption of alcoholic beverages and not allow the use of products prohibited by law. Motivation & Vision A Healthy Campus is a space free from risky and harmful behaviours for the academic community. For this purpose, in addition to applying legal documents, we seek to promote initiatives to raise awareness of these and other risky behaviours. Domain Risk behaviour Criteria #90 The university determines applicable rules regarding alcohol, drugs, doping and tobacco issues. Target & Stakeholders Academic community Time & Frame All year Team & Staff Maiêutica, UMAIA and IPMAIA Keywords Law, Statutes, Regulations UNIVERSITY OF MAIA & POLYTECHNIC INSTITUTE OF MAIA website www.ismai.pt/pt and www.ipmaia.pt/pt/ contact healthycampus@maieutica.pt email healthycampus@maieutica.pt No smoking sign in sports facilities No smoking sign in outdoor spaces INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 126 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project TU DECIDES - YOU DECIDE Description Prevention of risky road behaviour under the influence of alcohol, which involves peer intervention and the prevention of driving under the influence, with an assessment of the blood alcohol level that includes pre-test and post-test technical advice. Evaluation The programme has a positive impact, as demonstrated by 2 published studies. Both longitudinal studies confirm that the number of participants who expressed an intention to drive was significantly lower after intervention. Lessons Learnt Awareness and self-regulation about driving under the influence of alcohol seems to be influenced by personalized technical advice and psych pedagogical intervention. Recommandations Since part of the road accidents involving young drivers is associated with driving under the influence of alcohol, we believe that the encouraging results of this model of preventive intervention can contribute to the reduction of accidents. Main Goals Prevent risks associated with alcohol consumption and road accidents. Raise awareness of individuals so that they can decide to assume safer behaviours in relation to the previous determination to drive under the influence of alcohol. Motivation & Vision Part of road accidents is associated with young people driving under the influence of alcohol. Academic festivals are conducive to excessive alcohol consumption, and it is urgent to intervene in this context. Domain Risk behaviour Criteria #91 The university organises prevention programmes in terms of alcohol, drugs, doping and tobacco. Target & Stakeholders Festival-goers, driving licence Time & Frame Annually, during the nights of the UAlg Academic Festival Team & Staff AAUAlg, MAI (GNR/PSP) and GPAP-UAlg Keywords Road Safety,Risk Awareness, Perception of Self-Control, Decision Making, Alcohol, Academic Festival UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact jorge malveiro, ph.d. - sasgp@ualg.pt Stand “TU DECIDES” - Academic Week Festival Team of Volunteers “TU DECIDES” - Academic Week Testing - Professional calibrated breathalyzer INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 127 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Quit Smoking Campaign Description The Environmental Club at UDST developed a multi-faceted campaign to raise awareness of smoking cessation. Multimedia content highlighted how smoking affects the human body, the environment, and the impacts of inhalation of secondary smoke. Evaluation A unique measure counted number of cigarette butts found on campus to help evaluate smoking prevalence. Particularly the calculation of cigarette butts pre and post awareness campaign gives an idea of the effectiveness of the awareness programmes. Lessons Learnt Campaigns are an excellent way to raise awareness but provide limited impact on the reduction of smoking on campus. It is realized that a more effective strategy would be a commitment to a formalized and enforced campus smoking restriction policy. Recommandations An effective strategy to implement a no smoking policy on campus is to gradually introduce regulations. Noted, a combination of restrictions and supports for smokers is most effective in creating behavioural change (i.e. patch & counselling support). Main Goals To educate the UDST community about the harms of smoking and to encourage people to quit for the sake of themselves, others, and the environment. Motivation & Vision To create awareness about smoking and help UDST become a smoke-free campus. Domain Risk behaviour Criteria #91 The university organises prevention programmes in terms of alcohol, drugs, doping and tobacco. Target & Stakeholders Students and Faculty/Staff members on campus Time & Frame On-going Team & Staff Student Affairs, Environmental Club, Facilities Management, Human Resources, Health, Safety and Environment Keywords Smoking, Cessation, Campus. UNIVERSITY OF DOHA FOR SCIENCE AND TECHNOLOGY website www.udst.edu.qa contact s&s - udst wellness@cna-qatar.edu.qa / udst.edu.qa Instagram ‘Quit Smoking’ Campaign Instagram ‘Quit Smoking’ Campaign INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 128 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Tobacco Free Trinity Description Our Tobacco Free Campus has achieved an 80% reduction in smoking and achieves > 90% compliance when enforced. Using a living lab approach it has engaged students and staff in multiple projects and published 2 papers to date. Evaluation Tobacco free policies reduced smoking. by ~80%. Data collection was essential. It showed that smoking policies were effective, despite some smokers ignoring them. A living lab approach was appropriate and engaged students and staff in the project. Lessons Learnt To encourage adherence to a tobacco free policy, an implementation strategy that includes data collection and engages students and staff must be undertaken. A living lab is an appropriate approach to encouraging this engagement. Recommandations Become a tobacco free campus, it reduces smoking. Include data collection in the process of becoming tobacco free. Engage students and staff in the process. Consider a living lab approach. Main Goals To create a tobacco free campus using a living lab apach. Motivation & Vision Tobacco kills 100 per week in Ireland. Our vision was to remove smoking from our campus to support those who choose not to smoke. By using a living lab approach to doing so, we could engage our students and staff in making the change. Domain Risk behaviour Criteria #91 The university organises prevention programmes in terms of alcohol, drugs, doping and tobacco. Target & Stakeholders Students and staff Time & Frame 2013-2020 Team & Staff Health, Registrar, Medicine, Comms, Board, Student & Staff Unions Keywords Tobacco Free Campus TRINITY COLLEGE DUBLIN website https://www.tcd.ie contact person martina mullin – mullinm1@tcd.ie The winning blow on a cigarette shaped pinata Frequency of observed smoking Students collecting butts for a smoke free project INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 129 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project « Ça m’saoule » Description Students are trained to raise awareness among their peers on the topics of addiction (alcohol, tobacco, psychotropic, etc.) and the risks associated with student festive life. They also refer to professionals. Evaluation Students welcome their peers, awareness-raising stands are organised at festive events (6/ an). About 100 students are aware each time. They also raise awareness on their social media channels: information, quiz, etc. Lessons Learnt Increase knowledge about alcohol consumption and addiction, adopt healthier lifestyle and identify appropriate services. Recommandations Continue this activities & broaden awareness to staff member (tobacco, alcohol, drugs). Main Goals Improve well-being of students during their student life or/and festive life by developing their knowledge and adopting healthy behaviours. Motivation & Vision Health promotion and risk reduction. Domain Risk behaviour Criteria #91 The university organises prevention programmes in terms of alcohol, drugs, doping and tobacco. Target & Stakeholders University Students Time & Frame All year Team & Staff ULB Santé, Modus Vivendi, Fares, students Keywords Alcohol, tobacco, psychotropic drugs, addiction UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Brochures Animations Animations INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 130 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project “Anti-doping” and “No drugs” campaigns Description Drug prevention education, including the teaching of the importance of balanced meals. Evaluation Raising awareness of the risk of substance abuse/misuse can eventually reduce substantial long- term costs. Lessons Learnt We learned to maintain close collaboration with KOREA ANTI- DOPING AGENCY so that we will stay informed of the latest information pertaining to illegal drugs. Recommandations Communication with students is crucial in drug prevention education, and, in this regard, we emphasize the importance of teaching our faculty members to become positive role models for our students. Main Goals To encourage students to choose proper nutrition and balanced meals over drugs. Motivation & Vision The first and probably the best way to prevent drug use is an effective drug prevention education, and through such programme, we expect our students to learn to protect their own health and well-being. Domain Risk behaviour Criteria #92 The university organises educational programme preventing the use of doping. Target & Stakeholders Students, faculty members, staff members Time & Frame Education on illegal drugs to be provided by KOREA ANTI-DOPING AGENCY Team & Staff Health Service Centre / Athletics Division (Management Office) Keywords Drug, education, programme MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index.do contact website www.mju.ac.kr email sunhee@mju.ac.kr Public Health Centre Programme preventing the use of doping Programme preventing the use of doping INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 131 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project XPTO seXualidades & Cores Universas Description Counselling and psychological support projects on issues of diversity and sexual orientation, gender identity and expression, LGBT issues, training, and education for sexual and reproductive health. The service is confidential, anonymous, and free. Evaluation The projects are implemented every year and develop regular activity. Lessons Learnt Importance of developing projects related to the organisation’s research areas. Recommandations Implementation of anonymous. Methodologies to identify the needs of the academic community. Main Goals Support the academic community in the scientific and research areas of the University of Coimbra. For these themes in the areas of Psychology and Education Sciences. Motivation & Vision Having a more balanced and healthy academic community. Awareness of discrimination, violence, and prejudice and of the rights, freedoms and guarantees related to diversity and inclusion. Implementation of the Healthy Campus UC strategic plan. Domain Risk behaviour Criteria #93 The university informs and organises programmes about sexual health promotion. Target & Stakeholders Academic Community Time & Frame Annually Team & Staff Faculty of Psychology and Education Sciences Keywords Counseling, psychological support, diversity and sexual orientation, gender identity UNIVERSITY OF COIMBRA website https://www.uc.pt/healthycampusuc/ Poster XPTO Project Cores Universas Project Activity INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 132 Environment, sustainability and social responsibility INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 133 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project MOBILE program Description Travel expenses reimbursement. Cycling equipment: guarded parking, repair shop. Multi- modal accessibility to campuses: bicycles, carsharing, scooter, bike path, connection to the station. Evaluation Regular survey of multi-modal transport by University Community. There is a decrease of car use and increase of bicycle use and public transport. Lessons Learnt To use sustainable transport and select soft mobility. Recommandations Strengthen accessibility to PRM, continue the effort: reduce use of car. Every 3 year, the Environmental Department conduct mobility survey. Main Goals To enhance soft mobility within and into campuses, the program is aimed at increasing cycling, public transport, etc. as an alternative to the car. To improve access to cyclists, to reduce the use of individual car, to promote active road users. Motivation & Vision To increase accessibility within and into campus and reduce environmental impact. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #95 The university shall adopt and implement a policy and information to ensure the campus environment is accessible to the whole campus community (including users of wheelchairs, bicycles, scooters, skates, roller skates). Target & Stakeholders University Community Time & Frame All year + bicycle repair shop from Monday to Friday pm Team & Staff Department Infrastructures ULB Mobility & Environment Keywords Cyclists, environment, accessibility, soft mobility, home-to-campus travel UNIVERSITÉ LIBRE DE BRUXELLES website www.ulb.be contact ulb-sante@ulb.be Travel mode statistics: university staff member Repair shop Bike Guarded parking INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 134 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Study and sport without barriers Description Unhampered access to facilities, classrooms, premises and sports grounds as well as access to the services provided by them to all categories of the population. Evaluation Provision of services, including education and sports to all categories of the population. Full loading of sports facilities within the framework of extra- budgetary activities. Lessons Learnt Within the framework the project realization, the quality of the provided services keeps improving as well as consumers’ assessment of the services. Recommandations In order to meet the needs of the population and the further development of facilities, financial investments in infrastructure and personnel training are required. Main Goals Creation and maintenance of conditions. Providing with special sports and other equipment. Proper placement of equipment and media. Providing staff with assistance and advice in overcoming barriers to services. Motivation & Vision Providing and receiving fruitful information and knowledge, active studying of educational programmes, striving for physical and moral perfection, self- affirmation and satisfaction of cultural requirements in comfortable and equal conditions. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #95 The university shall adopt and implement a policy and information to ensure the campus environment is accessible to the whole campus community (including users of wheelchairs, bicycles, scooters, skates, roller skates). Target & Stakeholders Students, staff, teaching staff, visitors, spectators Time & Frame Per year Team & Staff Facilities Administration, Economic Activity Department Keywords Availability, development, health VOLGA REGION STATE UNIVERSITY OF PHYSICAL CULTURE, SPORT AND TOURISM website https://www.sportacadem.ru/ contact person andrey surdakov email a.surdakov@sportacadem.ru Accessible environment of sports facilities Accessible environment of sports facilities Accessible environment of sports facilities INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 135 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project UAlg+Healthy-Plastic Description Actions: 1. Return all the material used in bars. 2. Bring your own mug to drink, coffee or tea in bars. 3. Use the special plastic deposit to collect material for art projects. 4. Go to marine litter clean action. 5. Do the Seahorse itinerary BordaloII. Evaluation All UAlg’s services adopted the initiative. Researchers and Students have joined well, and they have organising ways to spread the impact. Number of bar, restaurants, cantinas that joint the initiative inside and outside the University of Algarve campus. Lessons Learnt UAlg+Healthy-plastic showed that behaviours inside campus have impacted the surrounding societal ecosystem. Good practices shared by from UAlg are more easily adopted in an inclusive way. Recommandations It is necessary to close the tap source of plastic litter in the oceans: the human use. More campaigns to REDUCE PLASTIC LITTER are urgent due to the direct negative impact in fisheries food resources, and the whole PLANET. Main Goals “UAlg+Healthy-Plastic” campaign - to contribute to a future “Plastic free” ocean and for a more sustainable environment for all of us and for future generations, contributing to reduce climate change effect, by the reduction of single use plastic. Motivation & Vision UAlg is deeply committed to teach and research marine science and environmental sustainability. Our research already produced evidence of impacts of plastics in the whole Ocean trophic web, including humans. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #96 The university shall develop partnership plan with external stakeholders to implement social responsibility activities and promote social inclusion and cohesion. Target & Stakeholders Students, staff and regional stakeholder Time & Frame All year Team & Staff UAlg R&D, V+, Social Action Services Keywords Sea protection, Nature rights, Migration of Climate change, Healthy habits of enjoying nature UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt contact person alexandra teodósio – vrateodosio@ualg.pt Poster UALG + Saudável - Plástico Urban Art with Marine Plastic Waste INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 136 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Trinity Sport Social Sports Programme Description Our social sports programmes run each academic term and consist of a number of programmes such as social 5 a side, 3x3 basketball, roundnet, learn to play GAA, touch rugby, badminton. Our social programmes also include our campus runs & UV events. Evaluation “Joining a sport, you’ve only ever been involved with casually can be quite intimidating. But joining the women’s social soccer is one of the best decisions I’ve made this year! The environment is so inclusive and accepting of all levels of players”. Lessons Learnt It is important to offer social programmes to give students an outlet away from their studies. Those who are socially active often have a better support system and self-esteem, which results in an increased sense of belonging and connectedness. Recommandations Continue to offer a variety of social sports. Survey the students annually to see what they would like to be available via the social sports programmes. Annual promotional campaigns to raise awareness of all social events available to students. Main Goals To provide students with as many opportunities to be physically active. Motivation & Vision Present as many social sports to our students to give them every opportunity to be active. Having a variety of social sports enables students to find something they enjoy doing in a social non- competitive environment. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #96 The university shall develop partnership plan with external stakeholders to implement social responsibility activities and promote social inclusion and cohesion. Target & Stakeholders Students and staff Time & Frame Academic terms for students and all year for staff Team & Staff Sports Participation Officer Keywords Social Sports, participation, physical activity, non-active TRINITY COLLEGE DUBLIN website www.tcd.ie contact person deirdre mullen-mcguinness email deirdre.mullen@tcd.ie Campus 5k Social ladies Soccer Social UV Glow in the Dark multi sports event INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 137 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Center for university students detained Description In 1998 University of Turin was the first in Italy to set up a section of the city prison for detained university students, in collaboration with the prison administration. The programs include degrees in Political science, Law, Art, Music, Theatre. Evaluation In the past years about 150 inmates have enrolled and about half graduated from university. In the academic year 2021/22, 66 inmates are enrolled in university courses. Lessons Learnt Working with the prison’s inmates offers an important added value for the university context, as it represents a challenging context for traditional forms of teaching. Recommandations It would be relevant to implement online teaching for inmates and the access to the online resources, as those can be important and enriching tools. This always considering the important value of human exchange that develops in face- to-face meetings. Main Goals Guarantee the access and the implementation of the right to study and more in particular to university study for persons deprived of personal liberty. Motivation & Vision Detention shouldn’t be a reason for renouncing the rights that the state provides for its citizens and it is also proven that prison education is a highly cost- effective investment both for inmates life during detention and for prevention of relapse. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #96 The university shall develop partnership plan with external stakeholders to implement social responsibility activities and promote social inclusion and cohesion. Target & Stakeholders Inmates, prison administration, Banking Foundation Time & Frame All year long Team & Staff Responsible, manager, academic tutor, teachers, volunteers Keywords Inclusion, prison education, resocialization, community, re-entry website https://en.unito.it/ contact franco.prina@unito.it – tutor.polocarcere@unito.it UNIVERSITY OF TURIN Prison classroom Prison university centre anniversary ceremony Graduation ceremony of inmate student INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 138 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project UCicletas Description Project for the provision and temporary use of conventional bicycles at the University of Coimbra, for the entire academic community, collaborators, researchers and students. Evaluation Every year more applications are submitted than there are bicycles, and the satisfaction of the participants is always very positive. Lessons Learnt The acquisition of habits and behaviours during the academic period remains for later life. Recommandations Identify with the academic community their preferences and act accordingly. Main Goals Promotion of habits of physical activity within the academic community of the University of Coimbra, through the adoption of alternative means of mobility. Promoting behaviours that contribute to achieving the goals for sustainable development. Motivation & Vision Promote services to the academic community that are in line with the strategies defined by the University. Contribute to reduce the use of personal vehicles on a regular daily basis. Making the UC a Sport and Sustainability reference. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #97 The university should implement a communication policy for the campus community promoting a friendly environmental travel from home to the university and the mobility inside the campus. Target & Stakeholders University Community Time & Frame All year Team & Staff UC Sport Team Keywords Soft mobility, UCicletas, Healthy Lifestyle, Sustainability UNIVERSITY OF COIMBRA website www.uc.pt contact person filipa.godinho@uc.pt email healthycampus@uc.pt UCicletas Bicycles UCicletas Participants Programme Logo INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 139 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project U-Bike Politécnico de Leiria - RIDING YOUR BIKE FOR KNOWLEDGE AND SUSTAINABILITY Description The U-bike Project aims to promote soft mobility. All members of the academic community may apply to be assigned a bicycle, provided they are holders of driving licenses and commit to ride a minimum of 40km per bike per month. Evaluation Increase in the number of registered users. Until March 2022, there were reductions on primary energy consumption (12.7%), and on CO2 emissions (45,712 kg), with an energy saving of 15.02 (toe) and a travelled total distance of 270967 km. Lessons Learnt The need to involve municipalities in the creation of cycle paths and charging stations in cities in order to increase the number of users. Recommandations Increase the project’s visibility through the dissemination of testimonies from users of the advantages of using the bicycle. Main Goals Promotion of the use of electric and conventional bicycles in academic communities. Contribution to the reduction of primary energy consumption. Contribution to the reduction of greenhouse gas emissions and pollutants atmospheric. Motivation & Vision Promoting changes in the modal split in urban travel, namely the transfer from individual motorized transport mode to cycling mode. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #97 The university should implement a communication policy for the campus community promoting a friendly environmental travel from home to the university and the mobility inside the campus. Target & Stakeholders University Students and Staff - IMTT Time & Frame Year-round since 2018 Team & Staff Social Services Sports Sector Keywords Sustainability, Smooth mobility, Energy saving, CO2 emissions reduction POLYTECHNIC INSTITUTE OF LEIRIA website www.ipleiria.pt contact https://ubike.ipleiria.pt/ – ubike@ipleiria.pt Polytechnic of Leiria’s U-Bike app One of the many U-Bike users on Leiria City One of the U-Bike docking stations INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 140 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Healthy Trinity: Smarter Travel Description Active commuting is strongly recommended by the WHO. By working with the National Transport Authority, Trinity promote walking, cycling and public transport with students and staff. Evaluation Trinity is a global leader in Smarter Travel: https://www.tcd. ie/healthytrinity/travel/Stats. php#2019. Lessons Learnt Walking, cycling and public transport are positively viewed in a university and once the private car is removed from campus, people no longer wish to travel by private car. Recommandations Promote walking, cycling and public transport and remove car parking. Main Goals To encourage students and staff to walk, cycle or take public transport to Trinity by taking action under six headings: 1. Events and Interventions. 2. Supportive Environment. 3. Co/-curricular. 4. Living Lab. 5. Funding. 6. Communications. Motivation & Vision By increasing walking, cycling and public transport, more people would be physically active particularly when stress levels are high towards the end of term. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #97 The university should implement a communication policy for the campus community promoting a friendly environmental travel from home to the university and the mobility inside the campus. Target & Stakeholders Students and staff Time & Frame 2011-2022 Team & Staff SU, HR, students, staff, national transport authority, estates Keywords walking, cycling, public tranport TRINITY COLLEGE DUBLIN website https://www.tcd.ie contact person martina mullin – mullinm1@tcd.ie The Smarter Travel website Living Lab data on how students and staff commute New bike parking installed on campus INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 141 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project UAlg+Healthy-Plastic Description Several actions were launched with communication to academia and poster spreads in UAlg Bar/ cantines, and later to restaurant, schools and region mupi: 1. Return all the material used in bars. 2. Bring your own mug to drink, coffee or tea in bars. 3. Use the special plastic deposit to collect material for art projects. 4. Go to marine litter clean action. 5. Do the Seahorse itinerary BordaloII. Evaluation All services inside the UAlg adopted the initiative, besides COVID, that bring the single items again on the agenda. Researchers and Students have joined well and they have organising ways to spread the impact. Number of bar/restaurantes/ cantinas that joint the initiative inside and outside the University of Algarve campus. Lessons Learnt UAlg+Healthy-plastic showed that behaviours inside campii have impacted the surronding societal ecosystem. Good pratices shared by from UAlg are more easily adopted in an inclusive way Recommandations Cleaning actions of plastic items coastal areas have educational but insignificant global impact. It is necessary to close the tap source of plastic litter in the oceans: the human use. More campains to REDUCE PLASTIC LITTER are urgent due to the direct negative impact in fisheries food resources, and the whole PLANET. Main Goals “UAlg + Healthy - Plastic” campaign in bar, canteen and residences main goals were to contribute to a future “Plastic free” ocean and especially for a more sustainable environment for all of us and for future generations,contribuiting to reduce climate change effect, by the reduction of single use plastic. Motivation & Vision UAlg is deeply committed to teach and research marine science and environmental sustainability. Our research already produced evidences of impacts of plastics in the whole Ocean trophic web, including humans. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #99 The university shall plan, implement and evaluate specific actions to improve the sustainability and use of infrastructure and resources. Target & Stakeholders Students, staff and regional stakeholder Time & Frame All year Team & Staff UAlg R&D, V+, Social Action Services Keywords Environmental and social responsability to sea protection, Nature rigths, Migation of Climate change, Healthy habits of enjoying nature. UNIVERSITY OF THE ALGARVE website https://www.ualg.pt/pt Poster UALG + Saudável - Plástico INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 142 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Green Zoom Universities Description ITMO has developed the Green Zoom Universities standard - Russia’s first-ever set of construction standards for innovative research and educational institutions that follows principles of the smart city model, environmentally friendly construction. Evaluation ITMO University has already taken steps towards decreasing its environmental footprint by installing water dispensers and organising waste sorting stations, as well as providing free scooter- sharing and bike parking for students. Lessons Learnt An active public position of the academic and student communities turns them into agents of change and makes it possible to promote the values of sustainable development to a wider audience. Recommandations To actively implement sustainability in the design and construction of university campuses and adapt the existing infrastructure to the corresponding standards. Main Goals Promotion of the Green Zoom Universities standard, which is Russia’s first system of practical recommendations for reducing power consumption and increasing water efficiency and sustainability of university campuses. Motivation & Vision To build the first object adhering to the new green standard, which will be the research and educational center located at ITMO Highpark. In the future, the solutions developed in the process could be applied in other educational centers. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #99 The university shall plan, implement and evaluate specific actions to improve the sustainability and use of infrastructure and resources. Target & Stakeholders Educational centers in Russia and abroad Time & Frame Perpetual Team & Staff Architects, engineers, ecologists, experts, IT specialists Keywords Sustainable development, green practices, energy and water efficiency ITMO UNIVERSITY website https://en.itmo.ru/ contact person evgeny raskin + 7 (905) 250 05 28 ITMO Highpark ITMO Highpark ITMO Highpark INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 143 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project UJ Clean Up Campaign Description The UJ Clean Up campaign is aimed at keeping the campuses clean and raising awareness on clean working and teaching and learning environments. The materials picked up are placed in specified recycle bins. All staff and students are involved. Evaluation Many people have stopped littering. People have adopted the use of bins provided. Lessons Learnt People find it embarrassing to throw away plastics in open spaces. The Clean Up campaign has improved the quality of life on campuses. Recommandations All persons must be encouraged to use bins provided in public spaces. Littering should be punishable if found/caught in the act. Main Goals To keep a healthy, clean environment. To teach the campus community to respect the environment. To encourage people to recycle plastics, bottles & other waste materials. To encourage the campus community to make UJ a cleaner & sustainable environment. Motivation & Vision Keeping a clean studying, working and living environment is important for individual and collective well-being. Clean environments are not only important for people, but they are also important for the natural ecosystem. Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #99 The university shall plan, implement and evaluate specific actions to improve the sustainability and use of infrastructure and resources. Target & Stakeholders Students and Staff Time & Frame Weekly Team & Staff Students, Staff, Operations Department, City of Johannesburg Municipality Keywords Clean-up, Environment, Environmental Sustainability, No Littering, Clean Up Campaign, Recycle UNIVERSITY OF JOHANNESBURG website www.uj.ac.za Clean Up campaign at UJ Clean Up campaign partnership with the City of JHB Clean Energy Initiatives INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 144 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices Name of the project Low-carbon Green Initiatives Description Engineering building 5: rainwater collection. Engineering building 2: using sunlight to heat water and generate electricity. Myongji park: green landscape for university community on campus. Evaluation Green campus initiatives implemented by our institution resulted in saving energy, reducing long term costs and also creating many other positive impacts on the local community. Lessons Learnt Climate change is clearly one of grand challenges facing humanity, and we came to learn that universities should take the lead in creating a more sustainable tomorrow by developing new and longer- term policies for tackling climate change. Recommandations We believe investing more in sustainable buildings will reduce long term costs. Main Goals To protect the environment and promote green campus sustainability. To educate future professionals for green economy. Motivation & Vision To create an eco-friendly campus and take the lead in creating a more sustainable tomorrow (as a university which earned its official status as “Low- Carbon Green Campus” by the Ministry of Environment and Korea Environment Corporation in 2011). Domain Environment, sustainability and social responsibility Criteria #100 The university shall plan, implement, evaluate and improve specific actions to reduce the energy consumption of facilities and avoid waste as much as possible. Target & Stakeholders Students, faculty members, staff members Time & Frame Since 2011 Team & Staff Office of Planning & Coordination/ Facilities & Maintenance Team Keywords Green campus, green industry, human capital for green growth, experts for green economy Arts and Design Centre (Low-carbon Green Campus) Myongji Campus Complex (Low-carbon Green Campus) Clean Campus Campaign MYONGJI UNIVERSITY website https://www.mju.ac.kr/us/index.do contact website www.mju.ac.kr email ch10005@mju.ac.kr INTERNATIONAL UNIVERSITY SPORTS FEDERATION │ 145 Healthy CampusHealthy Campus 2021 FISU Healthy Campus Best Practices List of Universities Registered on Healthy Campus Programme Australian Catholic University Bashkir State Medical University Mario Pontes Jucá University Center Chang’an University Chengdu Sport University Chengdu University Chinhoyi University of Technology Don State Technical University Donghua University Guangdong Polytechnic Guangdong Polytechnic of Industry and Commerce Institute of Technology Carlow Institute of Technology Sligo Institute of Technology Tralee Polytechnic Institute of Beja Polytechnic Institute of Viana do Castelo - IPVC Institute of Technology Costa Rica ISCTE - University Institute of Lisbon ITMO University Kazakh Academy of Sport and Tourism King Saud University King’s College London Liaoning Agricultural Technical College Makerere University McMaster University Murdoch University Myongji University Nagaland University National Research University Moscow Power Engineering Institute National University of Ireland National University of Singapore Ningxia Vocational Technical College of Industry And Commerce Obuda University Orenburg State Medical University Peking University Plekhanov Russian University of Economics Polytechnic of Leiria Pontifical Catholic University of Valparaíso Privolzhsky Research Medical University Prof. V.F. Voino-Yasenetsky Krasnoyarsk State Medical University Queensland University of Technology RUDN Universtiy (Peoples’ Friendship University of Russia) Shanghai International Studies University Shanghai University of Finance and Economics Shanxi University Siberian Federal University Siberian State Medical University Estonian Academy of Security Sciences Tartu Health Care College The Southern Federal University - The Academy of Physical Culture and Sport The University of Auckland The University of Western Australia Trinity College Dublin Ulster University Unicerrado - University Center of Goiatuba University of Rio Verde University of Camilo José Cela University of Burgos University of Guanajuato University of Málaga University of Santiago de Chile University of Zaragoza University of Pablo de Olavide Peruvian University of Applied Sciences University Veracruzana University of Maia (ISMAI) & Polytechnic Institute of Maia (IPMAIA) University of Minho University of Porto Federal University of Goiás University NOVA of Lisbon University Paulista UNIP University IULM Autonomous University of Barcelona University of Lucerne University of Geneva University of Lausanne Université Libre de Bruxelles University of Antwerp University of Aveiro University of Coimbra University of Doha for Science and Technology University of Johannesburg University of Milan - Bicocca University of Physical Education University of Split University of St.Gallen University of the Algarve University of Turin UNLaM - National University of La Matanza Volga Region State University of Physical Culture, Sport and Tourism Wageningen University and Research Centre Waterford Institute of Technology Zhejiang Police Vocational Academy LEONZ ERIC WORLD MAP BP GENERIC HC MGMT PHYSICAL NUTRITION PREVENTION MENTAL SOCIAL RISK ENVIRONMENT SOMMAIRE

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