Schnupperseminar Jüdische Studien / Judaistik

Der Holocaust

Foto Mariusz Kalczewiak
Prof. Dr. Mariusz Kalczewiak

Wie lässt sich das Unfassbare historisch greifbar machen? In diesem Schnupperseminar setzen wir uns mit der Geschichte des Holocaust auseinander. Im Zentrum stehen die jüdischen Erfahrungen in den Ghettos, in denen Hunderttausende mittel- und osteuropäische Jüdinnen und Juden von den Deutschen entrechtet, zusammengepfercht und ermordet wurden. Dabei betrachten wir die Ghettos nicht nur als Orte nationalsozialistischer Vernichtungspolitik, sondern richten den Blick bewusst auf die jüdische Binnenperspektive. Im Fokus stehen die Handlungsspielräume der Betroffenen, ihre sozialen Netzwerke sowie unterschiedliche Formen alltäglichen Widerstands. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, mit zeitgenössischen Zeugnissen wie Tagebuchaufzeichnungen zu arbeiten und die persönlichen Schicksale verfolgter Jüdinnen und Juden kennenzulernen.

Als Case Study beschäftigen wir uns mit dem Oneg-Schabbat-Archiv, dem Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos. Dieses Archiv zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen des Holocaust und gehört heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Inmitten der bedrückenden Enge des Ghettos formierte sich 1940 unter der Leitung des Historikers Emanuel Ringelblum die Chronistengruppe „Oneg Schabbat“, die das jüdische Leben und Sterben in der Zwangsgemeinschaft des Ghettos dokumentieren wollte. Unter Einsatz ihres Lebens trugen die rund 60 Mitglieder heimlich eine beeindruckende Fülle an Dokumenten zusammen, darunter öffentliche Akten, Plakate, Zeitschriften, Flugblätter, Eintrittskarten, Lebensmittelmarken, persönliche Briefe und private Tagebücher. Das Archiv wurde 1942 und 1943 in unterirdischen Verstecken vergraben und nach dem Krieg wiederentdeckt.

Die genaue Ausrichtung des Holocaust-Schnupperseminars kann in Absprache mit der Lehrperson gemeinsam festgelegt werden.

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