Die Kommunikation im Bereich der Krebsprävention verbessern

Warum ist Krebsprävention so schwierig umzusetzen, selbst wenn die Risiken bekannt sind? Professorin Sara Rubinelli hat von der Krebsliga Schweiz 375'000 Franken für ein nationales Forschungsprojekt erhalten, das darauf abzielt, die Kommunikation der Schweizer Gesundheitseinrichtungen im Bereich der Krebsprävention zu verbessern.

Drei Personen wandern über ein Feld
(Symbolbild; ©istock.com/sanjeri)

Das Risiko, an Krebs zu sterben, kann durch eine gesunde Lebensweise und frühzeitige Erkennung erheblich gesenkt werden. Dennoch bleibt es selbst in einem gut ausgestatteten Gesundheitswesen wie dem der Schweiz eine komplexe Herausforderung, Präventionsrichtlinien und Vorsorgeempfehlungen in eine konsequente Anwendung auf Bevölkerungsebene umzusetzen.

«Das blosse Bewusstsein, dass Prävention wichtig ist, führt nicht automatisch zu entsprechendem Verhalten», sagt Rubinelli, die das Forschungsprojekt leiten wird. Sie weist darauf hin, dass Entscheidungen rund um Früherkennung und Prävention von einem komplexen Zusammenspiel aus Wissen, Emotionen, wahrgenommenem Risiko, Vertrauen und den Herausforderungen des Alltags beeinflusst werden. Darüber hinaus betont sie: «Krebsprävention erfordert oft, in der Gegenwart zu handeln, um ein zukünftiges und ungewisses Risiko zu verringern, was sie psychologisch weniger unmittelbar macht.»

Verbesserte Krebsprävention durch bessere Kommunikation

Die Studie mit dem Titel «Strengthening Institutional Communication for Cancer Prevention in Switzerland: A National Study of Knowledge, Attitudes, and Practices (KAP)» untersucht, wie Erwachsene in der Schweiz Krebsprävention verstehen, wahrnehmen und umsetzen. Sie will Lücken zwischen Bewusstsein und Verhalten aufzeigen und Empfehlungen entwickeln, um die institutionelle Kommunikation besser auf die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen abzustimmen. Das Projekt versucht zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen: Woher sie ihre Informationen beziehen, wem sie vertrauen, was sie beunruhigt oder motiviert und was sie davon abhalten könnte, Massnahmen zu ergreifen – selbst wenn sie die offiziellen Empfehlungen kennen. Darüber hinaus wird die Studie untersuchen, ob die derzeit von Gesundheitseinrichtungen bereitgestellten Informationen tatsächlich den Bedürfnissen und Anliegen der Menschen entsprechen.

Indem sie untersucht, wie Menschen Informationen zu Prävention verstehen, möchte Rubinelli Bereiche identifizieren, in denen die Kommunikation zur Krebsprävention verbessert werden kann: «Die Ergebnisse werden eine evidenzbasierte Grundlage für Kommunikationsansätze liefern, die besser auf die Anliegen, Werte und gelebten Realitäten der Menschen abgestimmt sind, ohne aber im Voraus zu vermuten, wo die derzeitige Kommunikation Defizite aufweist.»

Ein vierstufiger nationaler Forschungsansatz

Um diese Fragen zu beantworten, wird das Forschungsteam anhand von Expertenmeinungen, einer landesweiten Online-Umfrage und ausführlichen Interviews untersuchen, wie die Menschen in der Schweiz das Thema Krebsprävention verstehen und wie sie damit umgehen. Die Studie wird auch die bestehende Kommunikation im Bereich der öffentlichen Gesundheit beleuchten und in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Gesundheitswesen und der Öffentlichkeit praktische, evidenzbasierte Empfehlungen entwickeln. Das Forschungsprojekt läuft vom 1. April 2026 bis zum 31. März 2030.

Auswirkungen auf das Gesundheitswesen

Durch eine Verbesserung der Kommunikation im Bereich der Krebsprävention soll das Projekt dazu beitragen, dass Informationen zur Gesundheit in Zukunft klarer, vertrauenswürdiger und besser auf den Alltag abgestimmt sind. «Eine bessere Kommunikation kann dabei helfen, die Kluft zwischen Empfehlungen und Entscheidungen im realen Leben zu überbrücken», sagt Rubinelli. «Das Ziel ist nicht unkritische Zustimmung, sondern Verständnis zu ermöglichen, Vertrauen zu fördern und ein realistisches Mass an präventivem Verhalten über einen längeren Zeitraum hinweg zu unterstützen.»

 

Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: “Strengthening institutional communication for cancer prevention in Switzerland: A national study of Knowledge, Attitudes, and Practices (KAP)” («Stärkung der institutionellen Kommunikation zur Krebsprävention in der Schweiz: Eine nationale Studie zu Wissen, Einstellungen und Praktiken (KAP)»)

Leitung: Prof. Sara Rubinelli, Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin, Universität Luzern

Projektmitarbeitende: Prof. Oliver Gautschi, Medizinische Onkologie / Tumorzentrum, Luzerner Kantonsspital (LUKS); PD Dr. Nicola Diviani, Gruppe Personenzentrierte Gesundheitsversorgung & Gesundheitskommunikation, Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF); Dr. Saskia Maria De Gani, Zentrum für Gesundheitskompetenz, Careum

Projektdauer: 4 Jahre

Bewilligte Fördersumme: CHF 375’000